Die mittels eines adaptierten Female Sexual Function Index (FSFI-Fragebogen) befragten Frauen waren im Durchschnitt 67 Jahre alt und gehörten gesellschaftlich zur oberen Mittelklasse. 90% der Seniorinnen der Rancho Bernando Study-(RBS-)Kohorte berichteten über einen guten bis sehr guten allgemeinen Gesundheitszustand.

49,8% gaben an, im vergangenen Monat sexuell aktiv gewesen zu sein (unter 55-Jährige: 83%, 55–68 Jährige: 64%, >68–79-Jährige: 40%, >79-Jährige: 13%). 64,5% gaben Erregung, 69% Lubrikation und 67,1% Orgasmen bei den meisten sexuellen Aktivitäten zu Protokoll. Während eine aktuelle Einnahme von Östrogenen zwar die sexuelle Aktivität und das Verlangen steigerte, hatten die Hormone keinen Einfluss auf  Erregung, Lubrikation, Orgasmushäufigkeit oder Zufriedenheit. Von allen befragten Frauen verspürten 40% nie oder fast nie Lust auf Sex. Und selbst ein Drittel der sexuell aktiven Frauen gab an, nur wenig, sehr wenig oder gar kein sexuelles Verlangen zu haben. Zwei Drittel der sexuell aktiven Frauen waren allerdings insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Liebesleben. 86,4% berichteten, das Unannehmlichkeiten oder Schmerzen während oder nach dem Sex nie oder nur selten auftraten.

Auch bei den ältesten Frauen ist der Orgasmus ein Thema

Selbst 23,1% der über 80-Jährigen gerieten noch gewaltig in Wallung. Sie hatten zwar zunehmende Probleme mit der Lubrikation, standen der jüngsten Altersgruppen in Sachen Orgasmus aber nicht besonders viel nach. Während 47,6% der unter 55-Jährigen immer oder fast immer zum sexuellen Höhepunkt kamen, erreichten dies immerhin noch 37,5% der ganz alten aktiven Damen. Jede zweite der über 80-Jährigen war mit ihrem Sexualleben durchaus zufrieden. Auch wenn diese Zufriedenheit nicht immer nur durch rein sexuelle Aktivitäten erreicht wurde. Auch durch Berührungen, Zärtlichkeit sowie die emotionale und physische Nähe in einer langjährigen Partnerschaft fühlten sich die Frauen erfüllt.

So kristallisierten sich zwei Altersgruppen heraus, die ihr Sexualleben besonders genossen: die unter 55-Jährigen und die alten Frauen über 80 Jahren. Statt die sexuelle Aktivität der Frauen und deren Dysfunktionen zu untersuchen, so die Autoren, sollte künftig bei der Beurteilung der weiblichen Gesundheit auch die sexuelle Zufriedenheit eine Rolle spielen.

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Quelle: springermedizin.de basierend auf: Trompeter S E et al. Sexual Activity and Satisfaction in Healthy Community-dwelling Older Women. The American Journal of Medicine 2012;125(1) January 2012