Der Geschäftsführer der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, forderte: "Rösler muss zum Pflegeminister werden." Nötig seien Anreize, um mit guter Pflege Geld zu verdienen. "An schlechter Pflege verdienen zu viele zu gut", sagte Brysch zur dpa.

Als Beispiel nannte er die vielen Oberschenkelhalsbrüche bei Pflegebedürftigen, die zu einem Hin und Her zwischen Heimen und Kliniken führten. Beide Seiten verdienten letztlich daran. Das senke die Motivation, solche Missstände zu beheben.

Konkret schlug der Chef der Patientenschutzorganisation vor: "Wenn ein Heim unterdurchschnittliche viele Stürze oder weniger Drehtüreffekte zwischen Heim und Klinik aufweist, muss es Prämien geben."

Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, sagte, nötig seien eine Verbesserung der Ausbildung und eine angemessene Vergütung der Pflegetätigkeit. Der Mindestlohn von 8,50 Euro in der Pflegebranche reiche nicht. Zugleich werde eine gesteuerte Zuwanderung ausländischer Pflegefachleute benötigt.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritisierte Rösler. Die immer zahlreicheren Pflegebedürftigen verschärften den Mangel weiter. "Seine Rezepte gegen den Notstand sind jedoch dürftig", sagte AWO- Vorstand Brigitte Döcker.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verwies auf die Leistungen der Kliniken und warnte vor Einschnitten bei den Klinikfinanzen. Pro Jahr würden an den deutschen Krankenhäusern 67 000 Pflegekräfte ausgebildet, 10 000 Kinderpflegekräfte sowie 2000 Hebammen und Geburtshelfer. "Wir würden uns sehr freuen, wenn die Politik diese Investitionen in die Zukunft weiter fördern würde", sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, der dpa.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts fehlen in 15 Jahren voraussichtlich 112.000 Alten- und Krankenpfleger in Vollzeitanstellung.

Arbeitslose sollen weiter Pflegemängel ausgleichen

Vertreter der Pflegebranche, der Krankenkassen, der Kommunen und der Länder kamen am 7. Dezember um 13 Uhr mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler zusammen, um Schritte gegen das Fehlen tausender Pflegekräfte zu beraten.

Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege setzt Rösler weiter auch auf den Einsatz umgeschulter Arbeitsloser. Mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen habe er bereits darüber gesprochen, wie ein entsprechendes, auslaufendes Programm weitergeführt werden könne.

Noch im Januar solle es ein Treffen beider Minister sowie der Pflege-Arbeitgeber geben, um das Programm weiterzuführen und zu finanzieren, sagte Rösler nach dem Spitzentreffen.

Quelle: Ärzte Zeitung online