Demnach entfielen 17,2 Prozent aller Behandlungstage in den Krankenhäusern auf die Hauptdiagnose „Psychische Störungen“. 1990 habe der Anteil noch bei 8,2 Prozent gelegen, erläuterte Studienautor Professor Friedrich Wilhelm Schwartz. Psychische Störungen hätten somit Kreislauferkrankungen als „Hauptanlass“ für eine Klinikbehandlung „abgelöst“.

Psychisch kranke Patienten müssen oft lange behandelt werden

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Krankenhaus-Diagnosen mit sehr langer Verweildauer nehmen zu.

© Ärzte Zeitung
Barmer GEK-Vize Dr. Rolf-Ulrich Schlenker betonte, die Bedeutung psychischer Störungen resultiere maßgeblich aus der ausgesprochen langen Verweildauer. Bei Diagnosen wie „Depressive Episode“ oder „Schizophrenie“ falle eine Behandlungsdauer von über 30 Tagen je Fall an.

Da die Kosten dafür „extrem hoch“ seien, müssten die Kassen verstärkt an das Problem heran – etwa über Fallmanagement. Ziel sei, die Behandlungskette möglichst optimal aufzubauen und stationäre Einweisungen zu umgehen.

Ein grundsätzliches Problem sei, dass psychische Störungen noch immer zu spät diagnostiziert würden. „Erst wenn sich Betroffene einmauern, beginnt die Behandlung – sehr vorsichtig und langsam.“

"Ans Bett gefesselt"

Kommentar von Helmut Laschet

Der neue Krankenhaus-Report der Barmer GEK zeigt am Beispiel der psychiatrischen Erkrankungen, wie wenig zielführend allein eine sektorale Betrachtung von Krankheiten ist. Das Problem: Psychische und Verhaltensstörungen haben sich inzwischen von der Häufigkeit her auf die vorderen Plätze aller Krankheiten vorgeschoben. Im Unterschied zu anderen Krankheiten geht die stationäre Behandlung mit einer langen Hospitalisierung einher. Die Arbeitslast der Kliniken steigt, ebenso die Ausgabenbelastung für die Krankenkassen.

Auch aus der Perspektive der Patienten ist das Versorgungssystem fehlkonstruiert: Die Klinikbehandlung ist nur die Ultima Ratio, weil sich die Betroffenen dadurch stigmatisiert fühlen.

Völlig unterentwickelt sind dagegen in Deutschland niedrigschwellige ambulante Versorgungsstrukturen. Doch hier wirken immer noch die Budgetierung der Arzthonorare und vor allem die unzureichende Vergütung in der psychiatrischen Versorgung nach. Vereinzelte Modelle zeigen, dass eine intensivierte ambulante Versorgung zwar höhere Kosten für Ärzte und Arzneimittel verursachen, die aber letztlich durch rückläufige Hospitalisierung überkompensiert werden – zum Nutzen der Patienten.

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Quelle: Ärzte Zeitung