Rock- und Popstars sterben früher, vor allem wenn sie Europäer sind und als Solokünstler auftreten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie britischer Wissenschaftler, über die das „British Medical Journal“ (BMJ Open) im Internet berichtet.

Jim Morrison, Jimi Hendrix, Elvis Presley, Janis Joplin, Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse – die Liste der früh gestorben Rock- und Popstars ist lang.

Drogenmissbrauch ist eine der Hauptursachen ihres frühen Ablebens, wie Professor Mark Bellis, Direktor des Zentrums für Öffentliche Gesundheit an der Liverpool John Moores Universität, und seine Kollegen herausgefunden haben.

Die britischen Wissenschaftler haben die Karrieren von 1489 Musikern untersucht, die zwischen 1956 und 2006 zu Ruhm gekommen sind.

Vorzeitiger Tod meist durch Drogen

Von den 1489 Stars, darunter Pop-, Rock-, R&B-, Electronica-, New age-, Punk- und Rap-Größen, waren bis zum Ende des Untersuchungszeitraums (20. Februar 2012) insgesamt 137 Musiker gestorben: zehn an den Folgen eines chronischen Drogen- und Alkoholkonsums, 25 an einer Überdosis und sieben in Folge von Unfällen, die unmittelbar im Zusammenhang mit Drogen und Alkohol standen.

Damit ist Drogen- und Medikamentenabusus beinahe in jedem dritten Fall ursächlich für den vorzeitigen Tod von Musikstars. Weitere Todesursachen waren laut Studie beispielsweise Suizid (vier), Gewalt (sieben), Unfälle (19), kardiovaskuläre Erkrankungen (21) und Krebs (25).

Bei näheren Untersuchungen zeigte sich, dass Solo-Künstler im Vergleich zu Bandmitgliedern ein doppelt so hohes Risiko haben, früh, das heißt früher als der Durchschnittsbürger, zu sterben.

Bellis glaubt, dass sich die Mitglieder einer Band in stressigen Zeiten gegenseitig unterstützen: „Wahrscheinlich sind Solo-Künstler, selbst wenn sie riesige Fangemeinden haben, relativ isoliert.“

Kein Beleg für „Club 27“-These

Indem sie auch die Biografien der Musiker studierten, fanden die britischen Wissenschaftler heraus, dass fast die Hälfte der in Folge ihres riskanten Lebenswandels gestorbenen Rock- und Popstars anhaltendes Leid in ihrer Kindheit erfahren hatten, beispielsweise physische und sexuelle Gewalt oder Vernachlässigung durch ein psychisch krankes Elternteil.

Weitere Ergebnisse: Europäische Stars sterben im Schnitt fünfeinhalb Jahre früher als nordamerikanische. Allerdings gleicht sich die Lebenserwartung jener Europäer, die mehr als 25 Jahre im Rampenlicht stehen (beispielsweise die „Rolling Stones“), der des Durchschnittsbürgers an – das wiederum gilt nicht für nordamerikanische Stars.

Und: Wer nach 1980 zu Ruhm kam, hat im Vergleich zu den frühen Stars bessere Chancen, alt zu werden.

Am Ende haben die Wissenschaftler einen Mythos entzaubert. Die „Club 27“-These geht davon aus, dass Pop- und Rockstars statistisch gesehen überdurchschnittlich häufig im Alter von 27 Jahren sterben: wie Brian Jones, Jim Morrison, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Kurt Cobain und Amy Winehouse. Dafür gibt es in der aktuellen Studie jedoch keinen Beleg.

Quelle: Ärzte Zeitung