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Über dieses Buch

Dieser Leitfaden gibt Handlungsanweisungen durch Therapiesitzungen. Es werden Grundlagen und Methoden der autismusspezifischen Frühförderung vermittelt, wie sie am Autismus-Therapie- und Forschungszentrum der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters in Frankfurt am Main entwickelt wurden. Das Frankfurter Frühinterventionsprogramm "A-FFIP" basiert dabei auf Ergebnissen entwicklungspsychologischer Studien zur Sprach-, motorischen, kognitiven und Spielentwicklung von gesunden und Kindern Mit Autismus-Spektrum-Störung und verwendet empirisch überprüfte verhaltenstherapeutische und übende Verfahren für die Förderung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Autismus-Spektrum-Störungen – Theorie und Empirie

Frontmatter

1. Diagnose und Komorbiditäten

In Kap. 1 werden wesentliche Aspekte der Diagnostik bei Autismus-Spektrum-Störungen bezüglich der Diagnose sowie häufiger komorbider Erkrankungen vorgestellt. Es erfolgt ein Verweis auf die AWMF-S3-Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Autismus-Spektrum-Störungen (www.awmf.org). Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung ist ab dem chronologischen Alter von ca. 24 Monaten sehr gut möglich, sollte aber von einem entsprechend spezialisierten Team mit guter Kenntnis in der Diagnostik und Differenzialdiagnostik durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Diagnostik fließen unmittelbar in die Therapieplanung ein. Insbesondere komorbide psychische Störungen müssen ebenfalls diagnostiziert und im Rahmen der verhaltenstherapeutisch basierten Frühförderung mit behandelt werden. Körperliche Erkrankungen sind ebenfalls zu beachten und sollten umgehend pädiatrisch abgeklärt und lege artis therapiert werden.

Christine M. Freitag

2. Typischer Entwicklungsverlauf von Kindern im Vorschulalter

In Kap. 2 wird die gesunde kindliche Entwicklung in zahlreichen Bereichen skizziert, die wesentlich für die Förderung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen im Vorschulalter sind. Ein besonderer Wert wird auf das Verständnis und die Darstellung der zeitlichen Abhängigkeit unterschiedlicher Entwicklungsbereiche gelegt. Aus dieser Darstellung von wesentlichen Bereichen der Entwicklung im Kleinkind- und Vorschulalter wird deutlich, dass Entwicklung ein sehr komplexes Geschehen ist und zahlreiche Prozesse parallel erfolgen. Viele dieser komplexen Relationen und der sich gegenseitig beeinflussenden sowie auch wechselseitig verstärkenden Kompetenzen und Entwicklungswege sind noch nicht vollständig erforscht, sodass dieses Gebiet weiterhin durch neue Studienergebnisse ergänzt werden wird.

Christine M. Freitag

3. Autismusspezifische Besonderheiten der Entwicklung im Vorschulalter

In Kap. 3 wird die spezifische Entwicklung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen in den für die Förderung zentral wichtigen Bereichen basierend auf dem aktuellen Stand der Forschung dargestellt. Bei Kindern mit ASS zeigen sich ab dem Ende des ersten Lebensjahres Einschränkungen der auditorischen und visuellen Wahrnehmung, der visuellen Orientierung, der Visuomotorik, im visuell-räumlichen Arbeits- und prozeduralen Gedächtnis, bezüglich des Lernens durch Imitation, in der Spielentwicklung, Konzeptbildung, beim Herstellen kausaler Zusammenhänge, dem regelbasierten Lernen, der Handlungsplanung, Inhibition und Emotionsregulation, der gemeinsamen Aufmerksamkeit und ihren Vorläuferfunktionen Deuten und Zeigen sowie der gemeinsamen Aufmerksamkeitsausrichtung, der sozialen Perzeption, Motivation und Kognition sowie der Sprachentwicklung. Als Voraussetzung für eine effektive Förderung muss eine detaillierte Entwicklungsdiagnostik durchgeführt werden. Darauf basierend werden in der Therapie die aufeinander aufbauenden Fertigkeiten individuell und aufeinander folgend eingeübt.

Christine M. Freitag

4. Autismusspezifische Intervention im Kleinkindund Vorschulalter

In Deutschland gibt es bisher keine randomisiert-kontrollierte Studie zur Frühintervention bei Autismus-Spektrum-Störung. Zum A-FFIP wird aktuell eine nicht-randomisierte, aber zum Zeitpunkt des Beginns der Intervention bezüglich Entwicklungsalter und autistischer Symptomatik gemachte Kontrollgruppenstudie durchgeführt, bei der nach einem Jahr ein mittlerer Effekt von A-FIPP auf die autismusspezifische Symptomatik, gemessen anhand des Schweregradscores des ADOS-2, im Vergleich zu unspezifischer Förderung gefunden wurde. International sind insbesondere bezüglich der effektiven eingesetzten Therapiemethoden für Klein- und Vorschulkinder mit Autismus-Spektrum-Störung in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt worden, wobei vor allem entwicklungspsychologisch basierte, im natürlichen Lernalltag eingesetzte Methoden, die stark auf soziale Motivation, Interaktion und Kommunikation ausgerichtet sind, die beste Generalisierung sowie den besten Effekt auf die Sprachentwicklung zeigen.

Christine M. Freitag

Frankfurter Frühinterventionsprogramm A-FFIP – Aufbau und Behandlungskonzept

Frontmatter

5. Frankfurter Frühinterventionsprogramm (A-FFIP) – die Grundlagen

In Kap. 5 werden Aufbau und Behandlungskonzept des A-FFIP erläutert. Nach einer allgemeinen theoretischen Einbettung werden die Grundkonzepte des Ansatzes beschrieben. Dabei werden die Therapieziele und ihre Einordnung in Grundfertigkeiten, Entwicklungsbereiche und Schwierigkeitsebenen vorgestellt. Es folgen Erläuterungen zur Anwendung des A-FFIP bezüglich der Interventionsplanung und spezifischer Durchführungsaspekte. Der Therapiefortschritt sollte immer überprüft und die Therapieziele individuell angepasst werden. Dazu werden geeignete Vorgehensweisen beschrieben. Im Anschluss daran werden potenzielle Fallen in der Planung und Durchführung einer Autismustherapie geschildert. Autismusspezifische Frühförderung erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Einfühlungsvermögen. Am Ende des Kapitels wird deshalb auf die therapeutische Grundhaltung in der Autismustherapie näher eingegangen.

Karoline Teufel, Christian Wilker, Jennifer Valerian, Christine M. Freitag

6. Rahmenbedingungen

In Kap. 6 werden die Rahmenbedingungen für eine Therapie mit dem A-FFIP geschildert. Dies beinhaltet Informationen zum Therapiesetting wie z. B. der räumlichen, materiellen und personellen Ausstattung, die für eine Autismustherapie erforderlich ist. Im A-FFIP haben die Therapeuten eine Koordinationsfunktion. Um dieses Grundprinzip umzusetzen, wird die Zusammenarbeit mit dem Umfeld des Kindes beschrieben. Dabei werden die Rolle bzw. die Aufgaben der Eltern erläutert sowie auf die Abstimmung mit Krippe/Kindergarten und ggf. weiteren Fachpersonen eingegangen. Dieses Kapitel beinhaltet auch die wichtigsten Informationen zur Finanzierung einer Autismustherapie.

Karoline Teufel, Christian Wilker, Jennifer Valerian

7. Herausfordernde Verhaltensweisen und Komorbiditäten

Sogenannte »herausfordernde Verhaltensweisen« wie stereotypes, rigides und zwanghaftes Verhalten oder auch komorbide Symptome oder psychische Störungen wie Hyperaktivität, oppositionelles und aggressives Verhalten, starke Ängste, Schlafstörungen oder eine verzögerte Sauberkeitsentwicklung kommen bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen häufig vor und müssen in der Therapieplanung wesentlich berücksichtigt werden. In diesem Kapitel wird eine Übersicht über effektive Interventionsansätze im Rahmen der A-FIPP-Förderung bezüglich der genannten herausfordernden Verhaltensweisen und Komorbiditäten gegeben.

Christine M. Freitag, Karoline Teufel

Praktisches Vorgehen – Anwendung des A-FFIP

Frontmatter

8. Verhaltenstherapeutische Therapietechniken

Kap. 8 beinhaltet praktische Erläuterungen zur autismusspezifischen Anwendung verhaltenstherapeutischer Therapietechniken. Im Rahmen der operanten Methoden werden Prinzipien zum Aufbau von Kompetenzen sowie zum Abbau herausfordernder Verhaltensweisen beschrieben. Dabei sind die Auswahl geeigneter Verstärker sowie die Berücksichtigung von Grundprinzipien des Verstärkereinsatzes zentral. Verhaltensanalysen wie das SORKC-Schema stellen ein wichtiges Werkzeug autismusspezifischer Therapie dar und müssen sorgfältig und regelmäßig durchgeführt werden. Die Übertragung von neu gelernten Verhaltensweisen in den Alltag des Kindes (Generalisierung) ist ein Prozess, der gezielt angeleitet und überprüft werden muss. Das natürliche Lernformat stellt einen zentralen Lernmodus dar, daneben kommt auch das diskrete Lernformat zur Anwendung. Weitere Methoden wie Prompting (Hilfestellung), Lernen am Modell und visuelle Strukturierungshilfen sind ebenfalls wichtige Bestandteile autismusspezifischer Therapie. Bei der richtigen Anwendung der verhaltenstherapeutischen Techniken können eine hohe Motivation des Kindes und eine gute Situationskontrolle des Therapeuten erreicht werden.

Karoline Teufel, Christian Wilker, Jennifer Valerian, Christine M. Freitag

9. Grundfertigkeiten: Therapieziele und Übungen

In Kap. 9 werden die 6 Grundfertigkeiten beschrieben, die in der autismusspezifischen Frühförderung mittels A-FFIP einen Schwerpunkt bilden. Sie sind einerseits für das Erreichen weiterer Kompetenzen zentral und andererseits bekanntermaßen bei den meisten Kindern mit Autismus nur eingeschränkt entwickelt. Sie sollten daher immer, in Abhängigkeit vom jeweiligen Fertigkeitenniveau, bei jedem Kind über einen längeren Zeitraum geübt werden. Es ist sinnvoll, frühzeitig in der Therapie mit der Förderung dieser Kernkompetenzen zu beginnen. In Kapitel 9 werden zu den Grundfertigkeiten praktische Beispielübungen geschildert. Dabei werden 3 Schwierigkeitsebenen berücksichtig, für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Ebenfalls beschrieben sind die erforderlichen Hilfestellungen (Prompts) sowie Tipps zur passenden Verstärkung und geeigneten Materialien. Auch Vorgehensweisen für die Generalisierung der neu gelernten Fähigkeiten sind zu finden.

Karoline Teufel, Christian Wilker, Jennifer Valerian, Christine M. Freitag

10. Entwicklungsbereiche: Therapieziele und Übungen

Kap. 10 beinhaltet die Beschreibung zahlreicher Therapieziele, die neben den Grundfertigkeiten ebenfalls geübt werden sollten. Zur besseren Übersichtlichkeit wurden die Therapieziele dabei 5 Entwicklungsbereichen zugeordnet (z. B. Kommunikation und Sprache, alltagspraktische Fähigkeiten etc.). Es finden sich zu jedem Therapieziel praktische Beispielübungen in 3 Schwierigkeitsebenen (Anfänger, Fortgeschrittene und Profis). Für jede Übung werden Hilfestellungen (Prompts) beschrieben und geeignete Verstärker genannt. Beispielmaterialien werden aufgelistet und Anregungen für die Generalisierung des Gelernten in den Alltag des Kindes gegeben.

Karoline Teufel, Christian Wilker, Jennifer Valerian, Christine M. Freitag

Materialien für die Praxis

Frontmatter

11. Arbeitsmaterialien1

In Kapitel 11 befinden sich Arbeitsmaterialien zu den im Buch behandelten Themen: Vorlagen für die Zusammenarbeit mit Bezugspersonen (Eltern, Erzieher etc.), Hinweise zur materiellen Ausstattung sowie Arbeitsmaterialien für die therapeutische Arbeit (z. B. SORKC-Schema). Des Weiteren finden sich in diesem Kapitel Unterlagen, die für die Therapieplanung sowie die Verlaufsdokumentation verwendet werden können.

Karoline Teufel, Christian Wilker, Jennifer Valerian

Backmatter

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