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21.01.2019 | Acne vulgaris | Nachrichten

Testosteron beeinflusst Medikamente

Aknetherapie bei Transgender-Männern

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Bei Transgender-Männern kommt es unter einer Testosterontherapie häufig zu einem Ausbruch von Akne. Obwohl die Behandlung der Hautläsionen derjenigen von Cisgender-Individuen ähnelt, sollten Dermatologen einige Dinge beachten. Beispielsweise kann es zu Wechselwirkungen von Testosteron und Aknemedikamenten kommen.

Die Gabe von Testosteron bewirkt bei Transmännern (Frau-zu-Mann-Transsexuellen) eine Vermännlichung des Körpers. Doch die Behandlung bringt nicht nur gewünschte Wirkungen mit sich. Eine häufige Folge ist beispielsweise Akne, die nicht selten zu Depressionen, einer gestörten Körperwahrnehmung bis hin zu Suizidgedanken führt [2,3]. Obwohl es immer mehr Transgender gibt, ist die medizinische Versorgung, gerade einer Akne, meist lückenhaft – hauptsächlich aufgrund der fehlenden Erfahrung von Ärzten bei der Behandlung von Transgender-Patienten.

In einem neuen Review [1] wurden daher die Folgen der maskulinisierenden Hormontherapie dargestellt und erläutert, wie Ärzte ihren Patienten am besten helfen können.

Ziele der Hormontherapie

Eine Testosteronbehandlung zielt unter anderem darauf ab, sekundäre Geschlechtsmerkmale zu entwickeln. Das Hormon stimuliert u. a. den Bartwuchs und hemmt Östrogen. Bisher gibt es keinen einheitlichen Konsens zur optimalen Start- und Erhaltungsdosis; normalerweise übersteigt die Dosis jedoch nicht diejenige, die auch bei Nicht-Transgender-Patienten eingesetzt wird [1]. Das Hormon wird oft intramuskulär oder topisch verabreicht, aber auch orale, bukkale oder nasale Applikationen sowie die Gabe über subkutane Implantate sind möglich.

Der Einfluss von Testosteron auf Akne

Untersuchungen zeigen, dass sich eine Akne innerhalb der ersten Monate einer Hormontherapie verschlimmert, dass aber die Schwere der Läsionen von der Sebumproduktion unabhängig ist. Wierckx und Kollegen fanden in ihrer Studie einen Anstieg der Akneprävalenz im Gesicht von Transmännern von 35% auf 82% nach sechs Monaten Testosterontherapie; am Rücken und der Brust stieg die Prävalenz von 15% auf 88% [1,4]. Nach einem Jahr litten noch 55% der Patienten unter Akneläsionen im Gesicht, 50% beklagten solche Läsionen am Rücken und an der Brust. Burke et al. demonstrierten wiederum, dass sich eine Akne nach vier Monaten Testosteronbehandlung bei 10 bzw. 11 von 17 Transmännern im Gesicht bzw. am Rücken entwickelt [1,5].

Die Therapie: Wechsel- und Nebenwirkungen beachten

Generell kann die Standard-Aknetherapie auch bei Transmännern zum Einsatz kommen. Dennoch sollten Ärzte einige Besonderheiten beachten. So sind topische Therapien und systemische Antibiotika möglicherweise bei einer androgeninduzierten Akne oft nicht ausreichend und in manchen Fällen wird eine Therapieeskalation benötigt. Isotretinoin ist eine gute Option bei Patienten, die auf solche Behandlungen nicht ansprechen oder die unter schwerer Akne leiden. Systemisches Isotretinoin kann besonders bei der testosteroninduzierten Akne wirksam sein. In manchen Fällen muss diese Therapie allerdings mehrmals wiederholt oder kontinuierlich gegeben werden [1,6].

Eine Hormontherapie gegen Akne mit u. a. niedrigen Dosen Ethinylestradiol kann die gewünschten Effekte der Testosteronbehandlung bei Transmännern beeinflussen. Daher sollte diese nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt, der die Testosterontherapie überwacht, erfolgen. Generell sollte die Hormontherapie erst dann beginnen, wenn die Effekte des Testosterons maximal sind – was mehr als zwei Jahre dauern kann.

Ärzte sollten außerdem bedenken, dass die Kombination aus Testosteron und Aknemedikamenten zu Nebenwirkungen führen kann. Beispielsweise kann die potentielle Lebertoxizität von Isotretinoin oder Tetrazyklinen durch das Hormon verstärkt werden. Mediziner sollten ihre Patienten daher engmaschig überwachen. Das gilt auch im Hinblick auf die Entwicklung einer Depression, denn die Depressionsraten sind bei Transgender-Individuen höher als bei Cisgendern.

Ebenfalls beachtet werden sollte die Sexualität der Transgender – die Geschlechtsidentität impliziert nicht automatisch die sexuelle Orientierung oder das sexuelle Verhalten. Außerdem wurde bisher nicht untersucht, ob die maskulinisierende Therapie vor einer Schwangerschaft schützt, Transmänner können demnach möglicherweise schwanger werden. Eine dementsprechende Aufklärung der Patienten ist äußerst wichtig, da die Aknetherapie zu Fehlbildungen am Embryo führen kann.

Manche Transmänner nutzen Bandagen, um ihre Brüste abzubinden, aber auch dies kann zu dermatologischen Folgeerscheinungen führen. Ärzte sollten daher ihren Patienten raten, zwischendurch die Bandagen für ein paar Tage abzunehmen und auf eine gute Hauthygiene zu achten.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welche Besonderheiten gibt es bei der Aknetherapie von Transgender-Männern, die Testosteron einnehmen?

Antwort: Die Aknetherapie ähnelt der von Cisgender-Individuen. Allerdings kann es zu Wechselwirkungen von Testosteron und Aknemedikamenten kommen. Patienten sollten daher engmaschig überwacht werden. Auch eine Aufklärung hinsichtlich einer möglichen Schwangerschaft und der embryotoxischen Eigenschaften der Aknemedikamente ist essentiell.

Bedeutung:  Dermatologen sollten die Aknetherapie mit dem behandelnden Arzt der Transgender-Männer absprechen und ihre Patienten engmaschig überwachen.

Literatur

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