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27.04.2020 | Originalien | Ausgabe 3/2020

Psychotherapeut 3/2020

Adaptivität von Spaltungsprozessen bei adoleszenten Geflüchteten

„Zuhause halten wir alle zusammen, und in Deutschland kennt man nicht einmal seinen Nachbarn“

Zeitschrift:
Psychotherapeut > Ausgabe 3/2020
Autoren:
M.A., M.A. Florian Lampersberger, Prof. Annette Streeck-Fischer

Zusammenfassung

Hintergrund

Untersuchungen freiwilliger Migranten weisen Spaltungsphänomene als überaus zuträglich für individuelle Identität und psychisches Wohlbefinden aus. Obwohl sie auch in der Flüchtlingsarbeit häufig auftauchen, konnte ihre Adaptivität bisher für Geflüchtete nicht empirisch nachgewiesen werden, sondern wurde sogar bezweifelt. In der „Mixed-Methods-Design“-Pilotstudie wird untersucht, ob auch Flüchtlinge davon profitieren können, während ihrer Ankunftszeit im neuen Land zu spalten.

Material und Methoden

In dolmetschergestützten Interviews berichteten 16 Geflüchtete über ihre Flüchtlingserfahrungen, ihre Anfangszeit und ihr aktuelles Leben in Deutschland und beantworteten Fragebogen zur Identitätsentwicklung. Anhand von entwickelten Operationalisierungsleitfäden wurden die Interviewtranskripte in Bezug auf Spaltungsprozesse zur Anfangszeit (retrospektiv) und zum Befragungszeitpunkt überprüft. Zusätzlich wurde die Funktionalität der Identität geratet.

Ergebnisse

Mithilfe von Mann-Whitney-U-Tests wurden Gruppenvergleiche zwischen „intensiven“ und „geringen Spaltern“ durchgeführt. Mit Ausnahme der ethnokulturellen Identitätskrise wiesen benannte Tests bei denjenigen Geflüchteten, die während der im Durchschnitt ca. 2 Jahre zurückliegenden Anfangszeit mehr spalteten, im Vergleich zu denen, die damals weniger spalteten, eine signifikant integriertere (U = 1,00, p = 0,001, r = 0,80), weniger krisenhafte (U = 11,50, p = 0,028, r = 0,55) und funktionalere Identität (U = 6,00, p = 0,005, r = 0,69) nach. Qualitative Ergebnisse belegten die protektiven und adaptiven Funktionen von Spaltungen.

Schlussfolgerung

Die befragten Geflüchteten konnten durch Spaltungen und darin enthaltene nostalgische Fixierungen ihr Ich und ihre Identität vor Überforderung schützen. Es war ihnen möglich, innerpsychisch am Objekt „Heimat“ emotional aufzutanken, um so mehr Energie zur (Re‑)Konstruktion der intra- und interpersonellen Identität zur Verfügung zu haben.

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