Zum Inhalt

Nebennierenerkrankungen

Erschienen in:

Auszug

Erkrankungen der Nebenniere spielen in der ambulanten und stationären Patientenversorgung eine wichtige Rolle. Sie sind ebenso relevant in der Inneren Medizin wie in der Endokrinologie, Viszeralchirurgie und Allgemeinmedizin, um nur einige Fachgebiete zu nennen. Einige Nebennierenerkrankungen haben eine hohe Prävalenz und betreffen Millionen von Patienten, beispielsweise finden sich Nebenniereninzidentalome bei 1–2 % der Bevölkerung, der primäre Hyperaldosteronismus bei 6 % der Patienten mit Hypertonie. Das macht Nebennierenerkrankungen zu einem relevanten Gesundheitsproblem in unserem Land. Die hohe Morbidität und Mortalität einiger der selteneren Nebennierenerkrankungen, wie Morbus Addison, Phäochromozytom und Cushing-Syndrom (Tab. 1), stellt gleichzeitig höchste Anforderungen an die Früherkennung und adäquate Behandlung, die allerorts einen hohen Standard voraussetzen. Dies ist eine implizite Herausforderung für jedes Gesundheitssystem, und ein Realitätscheck belegt die zu erwartende Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit auch in Deutschland. Dies ist ein weiterer guter Grund, nach vielen Jahren wieder einen Schwerpunkt zum Thema Nebennierenerkrankungen in Der Internist aufzulegen.
Tab. 1
Inzidenz und Prävalenz von Nebennierenerkrankungen in Europa. (Nach [1])
 
Jährliche Inzidenz
Prävalenz
Morbidität
Mortalität
Adrenogenitales Syndrom
1/10.000–1/15.000
5,8 Krisen pro 100 Patientenjahre; Salzverlust-AGS: 8,8; einfache Virilisierung: 2,5
HR für Versterben 2,3 (95 %-KI 1,2–4,3) bei männlichen Personen mit AGS und 3,5 (95 %-KI 2,0–6,0) bei weiblichen Personen mit AGS im Vergleich zu Kontrollen
Morbus Addison (primäre Nebenniereninsuffizienz)
4,5/1.000.000
82–144/1.000.000
6–8 Nebennierenkrisen/100 Patientenjahre
0,5 Todesfälle/100 Patientenjahre durch Nebennierenkrisen
Primärer Hyperaldosteronismus
n. b.
4–6 % der hypertensiven Bevölkerung
OR für Schlaganfall 4,2; OR für MI 6,5; OR für VHF 12,1 im Vergleich zu PH
2‑fach gesteigert nach Beginn der Behandlung (IAH)
Morbus Cushing
1–3/1.000.000
66/1.000.000
SMR für Gesamtmortalität bei behandeltem Morbus Cushing 1,61
Nebenniereninzidentalom
n. b.
1–2 % der allgemeinen Bevölkerung
n. b.
n. b.
Nebennierenkarzinom
0,7–2,0/1.000.000
Medianes Überleben 3–4 Jahre, 5‑Jahres-Überleben 60–80 % bei lokal begrenzten Tumoren und 10–20 % bei metastasierter Erkrankung
95%-KI 95 %-Konfidenzintervall, AGS adrenogenitales Syndrom, n.b. nicht bekannt, IAH idiopathische Nebennierenhyperplasie, MI Myokardinfarkt, OR Odds Ratio, PH primäre Hypertonie, SMR „standardized mortality ratio“ (Standardsterblichkeitsrate), VHF Vorhofflimmern
Titel
Nebennierenerkrankungen
Verfasst von
Prof. Dr. Martin Reincke
Publikationsdatum
01.01.2022
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Innere Medizin / Ausgabe 1/2022
Print ISSN: 2731-7080
Elektronische ISSN: 2731-7099
DOI
https://doi.org/10.1007/s00108-021-01239-y
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Ektopes Cushing-Syndrom: Lebensgefährlich und oft unerkannt

ACTH-Sekretion neuroendokriner Tumore z.B. aus Lunge oder Pankreas wird oft übersehen und hat eine drastische Folge: das ektope Cushing-Syndrom (ECS). In diesem Webinar erläutert die ENETS Expertin Prof. Pavel die diagnostischen Herausforderungen und stellt aktuelle Therapieansätze vor – von adrenostatischer Medikation bis zur Tumorbehandlung.

Bildnachweise
Teaserbild OA Cushing-Syndrom/© Recordati Rare Diseases Germany GmbH