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Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 7/2018

21.02.2017 | Originalien

Ältere Migrantinnen und Migranten am Wohnort erreichen

Erfahrungen aus dem Schweizer Projekt „Vicino“

verfasst von: Dr. S. Johner-Kobi, M. Gehrig

Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 7/2018

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Zusammenfassung

Hintergrund

Vernetzung am Wohnort durch informelle und formelle Netzwerke stellt für ältere Menschen mit und ohne Migrationshintergrund eine wichtige Unterstützungsressource dar, insbesondere mit zunehmendem Alter. Im Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Vicino – ältere Migrantinnen und Migranten am Wohnort erreichen“ wurde mit drei partizipativ angelegten Interventionen nach Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit zwischen Regelstrukturen (d. h. Organisationen, die sich nicht spezifisch auf eine Herkunftsgruppe ausrichten, sondern der gesamten Bevölkerung offenstehen) und älteren Migrantinnen und Migranten sowie deren Organisationen gesucht.

Material und Methode

Vicino beinhaltete die Auswertung bevölkerungsstatistischer Daten sowie qualitative Interviews mit älteren Migrantinnen und Migranten und mit Expertinnen und Experten. Zudem wurden drei beispielhafte Interventionen durchgeführt. Die Erhebungen fanden in einer ländlichen und einer städtischen Region sowie in einer Agglomerationsgemeinde statt.

Ergebnisse

Es konnte aufgezeigt werden, dass nationalitäten- und sprachspezifische Netzwerke für einen Großteil der älteren Migrantinnen und Migranten eine hohe Bedeutung aufweisen. Pendelaktivitäten haben allerdings einen Einfluss auf die Nutzung von lokalen Netzwerken sowie auch von Regelstrukturen. Wenn Regelstrukturen mit Migrantenorganisationen zusammenarbeiten möchten, empfehlen sich partizipative Ansätze, bei denen die älteren Migrantinnen und Migranten über Schlüsselpersonen und zugehende Ansätze von Beginn an einbezogen und ihre transnationalen Bezugspunkte mitberücksichtigt werden.

Schlussfolgerung

Beim Einbezug von älteren Migrantinnen und Migranten in die Angebotsentwicklung im Alters- und Migrationsbereich sind insbesondere Pendelaktivitäten weiter zu erforschen, da diese die Einbindung in Migrantenorganisationen sowie die Nutzung von Regelstrukturen beeinflussen.
Fußnoten
1
Dies trifft im Jahr 2015 zu für Personen aus Italien, Spanien, Portugal, der Türkei, Frankreich, Deutschland, dem Vereinigen Königreich und Österreich.
 
2
Es ist davon auszugehen, dass etwas mehr als ein Viertel der Personen mit Schweizer Nationalität eingebürgert sind. Im Jahr 2014 beispielsweise sind knapp 28 % der Personen mit Migrationshintergrund (aller Altersklassen) der 1. Generation eingebürgerte Ausländerinnen und Ausländer [8].
 
3
Serbien (43,6 %), Bosnien und Herzegowina (30,2 %), Kroatien (28,7 %), Mazedonien (27,9 %) und Montenegro (25,0 %; [3]).
 
4
In Art. 2 Abs. 3 der Verordnung über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern (VlntA) vom 24. Oktober 2007.
 
5
Aufgrund der zum Zeitpunkt der Studie fehlenden statistischen Quellen zur Migrationsbevölkerung, unabhängig vom Kriterium der Nationalität, wurden nur Daten zu Ausländerinnen und Ausländern analysiert.
 
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Metadaten
Titel
Ältere Migrantinnen und Migranten am Wohnort erreichen
Erfahrungen aus dem Schweizer Projekt „Vicino“
verfasst von
Dr. S. Johner-Kobi
M. Gehrig
Publikationsdatum
21.02.2017
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie / Ausgabe 7/2018
Print ISSN: 0948-6704
Elektronische ISSN: 1435-1269
DOI
https://doi.org/10.1007/s00391-017-1195-5

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