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Handlungsalgorithmus: Agitation bei kritisch kranken Patienten

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Auszug

Agitation ist ein Zustand der Erregung, bzw. Unruhe mit hohem Leidensdruck [1]. Typische Symptome sind v. a. motorische Unruhe und Kommunikationsschwierigkeiten [2], die oftmals zum Entfernen von Zu- und Ableitungen, zu Stürzen der Patienten und zur Gefährdung des Personals führen. Die Richmond Agitation and Sedation Scale (RASS) dient dazu, den Schweregrad der Agitation zu beurteilen und zu dokumentieren (Abb. 1; [3]). Ursachen für Agitation sind vielfältig, unter anderem Schmerz, Atemnot, Delir, Entzug, Infektionen. Die Behandlung umfasst zum einen nichtmedikamentöse Ansätze, wie Mobilisierung, Umgebungsgestaltung sowie die Einbeziehung der Familie [2, 4], zum anderen und je nach Ursache Analgetika (bei Schmerzen), Benzodiazepine (Angst), Neuroleptika (Halluzinationen) oder α2-Agonisten (Tab. 1; [3]). Zur Verbesserung der Versorgungssituation werden u. a. Handlungsalgorithmen (Abb. 1) empfohlen [5].
Abb. 1
Handlungsalgorithmus
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Tab. 1
4,6Ursache/n und Behandlung/en der Agitation
Ursache/n
Behandlung/n
Schmerzen
Schmerz erfassen, Analgetika bis VAS < 3, Ursache/n behandeln, Mobilisierung erwägen
Angst
Informieren, Familie integrieren, Fixierung lösen, Mobilisierung, positive Suggestionen, Sicherungshandschuhe, Anxiolytikum
Delir
Wiederholte Reorientierung, Mobilisierung, Aufklärung über Delir, Seh‑/Hörhilfen, Familienintegration, Ursachen beheben
Hyperaktives Delir
Mobilisierung, niedrig dosierter α2-Agonist/Propofol bis RASS = 0 bis +1
Harn‑/Stuhldrang
Information, BVK-Kontrolle, Laxans
Durst
Bilanzierung evaluieren, Mund anfeuchten, ggf. trinken
Übelkeit
Ernährungssonde überprüfen, Antiemetika
Suchtdruck mit/ohne vegetative Entzugssymptomatik
Informieren, Aufklären, zur Mitarbeit anregen, Benzodiazepine, ggf. Thiaminsubstitution, ggf. Subsitutionsbehandlung wiederaufnehmen
Infektion, Sepsis
Laborkontrolle, Blutkulturen, Antibiose, ggf. Antipyretika
Hyperkapnie, Luftnot
(Be‑)Atmung verbessern, aufrechte Position, Morphine (cave: ggf. delirogene Wirkung)
Tubusintoleranz
Tubusposition wechseln, Ablenkung, Familie integrieren, analgetisches Spray in Rachen, Opioiddosis erhöhen
Schlaflosigkeit
Schlafhygiene, Ohrstöpsel, Abdunkeln, abendliche Mobilisierung, nach persönl. Gewohnheiten fragen, niederpotente Neuroleptika, z. B. Pipamperon, Melperon
Halluzinationen/schlechte Träume
Informieren, Aufklären, positive Suggestionen, Neuroleptikum
Kommunikationsbedarf
Kommunikation ermöglichen: Buchstabentafel, Tablet, Sprechen via subgl. Absaugung, App nutzen
Verärgerung
Nachfragen, informieren, ggf. entschuldigen
BVK Blasenverweilkatheter, RASS Richmond Agitation Sedation Scale, VAS visuelle Analogskala
Titel
Handlungsalgorithmus: Agitation bei kritisch kranken Patienten
Verfasst von
PD Dr. rer.hum.biol. Peter Nydahl
Prof. Dr. rer. nat. Sebastian Baum
Kali Dayton, DNP, AGACNP
PD Dr. Ulf Günther, EDIC, DESA, MHBA
Prof. Dr. med. Hans Christian Hansen
Publikationsdatum
11.09.2023
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Bildnachweise
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