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16.11.2016 | AHA 2016 | Nachrichten

AHA 2016 - GLAGOV-Studie

PCSK9-Inhibitor induziert Rückbildung koronarer Plaques

Autor:
Dr. med. Dirk Einecke

Die erste Studie mit einem PCSK9-Hemmer und IVUS-Bildgebung zeigt, dass bei zwei Drittel aller KHK-Patienten eine Rückbildung von Koronarplaques erreicht werden kann, wenn sie Statine plus Evolocumab einnehmen.

Bei Patienten mit atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen reduziert die LDL-Cholesterin-Senkung mit Statinen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herztod. Dabei gilt in etwa: Je stärker die LDL-Senkung, desto größer die Risikoreduktion.

In Studien mit intravaskulärem Ultraschall (IVUS) wurde zudem nachgewiesen, dass die Statin-induzierte LDL-Senkung mit einem Stopp der Progression bzw. einer Regression koronarer Atherome einhergeht. Bisher hatte man in diesen Studien eine LDL-Senkung bis auf Werte von ca. 60 mg/dl erreicht.

Noch tiefere LDL-Werte erreichbar

Die heute verfügbaren PCSK9-Inhibitoren halbieren die LDL-Werte bei Patienten unter Statintherapie. Dadurch können viel tiefere LDL-Werte erreicht werden als bisher. Unklar ist, ob dies zu einer weiteren Regression der Koronarplaques führt.

Nun wurden die Ergebnisse der ersten IVUS-Studie mit einem PCSK9-Hemmer beim Jahreskongress der American Heart Association und in der Zeitschrift JAMA publiziert. Untersucht wurde Evolocumab (Repatha®).

Für die doppelblinde GLAGOV-Studie wurden 968 Patienten mit symptomatischer KHK und nachgewiesener Koronarsklerose rekrutiert, die mit Statinen behandelt wurden. Im Schnitt erreichte man so LDL-Werte von 93 mg/dl.

Die Hälfte dieser Patienten wurde daraufhin 18 Monate lang zusätzlich mit Evolocumab (1× 420 mg/Monat s.c.) behandelt. Die Statin-Behandlung wurde fortgeführt. In der Evolocumab fiel das mittlere LDL um 60 % auf 36,6 mg/dl ab, in der Kontrollgruppe blieb der LDL-Wert im Schnitt bei 90 mg/dl. 846 Patienten standen am Studienende für eine erneute IVUS-Untersuchung zur Verfügung.

Plaque-Volumen schrumpft

Die primäre Aufmerksamkeit galt dem Endpunkt „Percent Atheroma Volume“ (PAV). Die PAV nahm in der Kontrollgruppe um 0,05 % zu und in der Evolocumab-Gruppe um 0,95 % ab (p < 0,0001). Auch bezüglich des sekundären Endpunktes „Total Atheroma Volume“ (TAV) war die Differenz beeindruckend: 0,9 mm3 Abnahme in der Kontrollgruppe, 5,8 mm3 Abnahme unter dem PCSK9-Inhibitor, berichtete Studienautor Prof. Steven Nissen von der Cleveland Clinic.

In der Kontrollgruppe zeigte knapp die Hälfte der Patienten eine Regression der Koronarsklerose. In der Evolocumab-Gruppe waren es fast zwei Drittel (64,3 vs. 47,3 %).

LDL-Spiegel von 24 mg/dl in Subgruppe

Nissen analysierte Patienten, die eingangs schon LDL-Werte unter 70 mg/dl aufwiesen, separat. Bei diesen Patienten erreichte die fortgeführte Statintherapie ein LDL von 65,5 mg/dl und die Evolocumab-Therapie ein LDL von im Schnitt 24 mg/dl. Patienten mit solch extrem niedrigen LDL-Werten zeigten eine PAV-Abnahme von 1,97 % unter dem PCSK9-Hemmer. Dies ging bei 81 % der Patienten mit einer Regression der Plaques einher.

Die Behandlung wurde gut vertragen, Nebenwirkungen oder klinische Komplikationen traten in beiden Gruppen mit gleicher Häufigkeit auf.

Fazit: Bei KHK-Patienten unter Statintherapie senkte Evolocumab das LDL um 60 % und induzierte in einem größeren Prozentsatz Regressionen der Koronarsklerose als unter einer Statinmonotherapie. Bis zu LDL-Werten von 20 mg/dl nahm der Nutzen der Therapie zu. Nun werden mit Spannung die Ergebnisse der ersten Endpunktstudie (FOURIER) erwartet, die im Frühjahr 2017 präsentiert werden.

Literatur

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