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Lipidsenker Evolocumab punktet in großer Präventionsstudie

  • 10.11.2025
  • AHA 2025
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Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, aber ohne Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte, profitieren prognostisch von einer Lipidsenkung mit dem PCSK9-Hemmer Evolocumab, zeigt die beim AHA-Kongress vorgestellte VESALIUS-CV-Studie.

Durch eine starke Senkung des LDL-Cholesterins mit dem PCSK9-Hemmer Evolocumab additiv zu einer lipidsenkenden Standardtherapie mit Statinen ist in der VESALIUS-CV-Studie das Risiko für ein erstmaliges Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen ("major adverse cardiovascular events", MACE) signifikant reduziert worden. Im Fokus der Studie standen Patienten und Patientinnen mit atherosklerotischer Gefäßerkrankung (etwa KHK oder PAVK) oder fortgeschrittener Diabeteserkrankung, aber ohne Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte.

Risiko für beide primären Endpunkte signifikant reduziert

Die beiden primären Endpunkte der Studie umfassten zum einen die Ereignisse koronar bedingter Tod, Herzinfarkt und ischämischer Schlaganfall (3-MACE-Endpunkt), zum anderen die Ereignisse koronar bedingter Tod, Herzinfarkt, ischämischer Schlaganfall und Ischämie-bedingte Revaskularisation (4-MACE-Endpunkt). Bezüglich dieser Endpunkte gab es nach einer medianen Follow-up-Dauer von 4,6 Jahren folgende Ergebnisse:

  • Für den 3-MACE-Endpunkt betrug die 5-Jahres-Inzidenz 6,2% in der Evolocumab-Gruppe und 8,0% in der Placebo-Gruppe. Das entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 25% durch Evolocumab im Vergleich zu Placebo (Hazard Ratio, HR: 0,75; 95%-KI: 0,65 – 0,86; p<0,001).
  • Für den 4-MACE-Endpunkt ergaben sich Inzidenzraten von 13,4% versus 16,2%. Dieser Unterschied entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 19% durch Evolocumab im Vergleich zu Placebo (HR: 0,81; 95%-KI: 0,73 – 0,89; p<0,001).

Auch für den meisten sekundären Endpunkte resultierten signifikante Unterschiede zugunsten einer additiven Lipidsenkung mit Evolocumab. Beispielsweise wurde das relative Risiko für die kombinierten Ereignisse kardiovaskulär verursachter Tod, Myokardinfarkt oder ischämischer Schlaganfall durch den PCSK9-Hemmer um 27% reduziert (6,8% vs. 9,1%; HR: 0,73, 95%-KI: 0,64 – 0,84; p<0,001).

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Für die koronar bedingte Mortalität ergab sich bei der hierarchischen Endpunkt-Testung kein signifikanter Unterschied (1,9% vs. 2,1%, HR: 0,89, p=0,39). Deshalb können die zugunsten der Evolocumab-Therapie sprechenden Ergebnisse bei nachfolgenden Endpunkten in der Test-Hierarchie wie kardiovaskuläre Mortalität (2,8% vs. 3,6%, HR: 0,79; 95%-KI: 0,64 – 0,98) und Gesamtmortalität (7,9% vs. 9,7%, HR: 0,80; 95%-KI: 0,70 – 0,91) trotz nomineller Signifikanz nur als „exploratorisch“ angesehen werden, so die Studienautoren.

Mehr als 12.250 Patienten an der Studie beteiligt

Dass Evolocumab in der Sekundärprävention bei Hochrisikopatienten mit einer kardiovaskulären Erkrankung, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Folge hatte, das Risiko für ein erneutes Ereignis signifikant reduziert, wurde bereits in der 2017 publizierten FOURIER-Studie nachgewiesen. VESALIUS-CV sollte die Frage beantworten, ob Evolocumab auch bei Risikopatienten ohne ein entsprechendes Ereignis in der Anamnese präventiv wirksam sein würde.

In der randomisierten Studie wurden 12.257 Patienten und Patientinnen (medianes Alter 66 Jahre, 43% Frauen) mit hohem kardiovaskulärem Risiko im Verhältnis 1:1 einer Therapie mit Evolocumab (140 mg subkutan alle zwei Wochen) oder mit Placebo zugeteilt. Von den Teilnehmern waren 67% aufgrund einer atheroklerotischen Gefäßerkrankung (45% koronar, 10% zerebrovaskulär, 17% peripher) und 33% aufgrund eines „High-risk“-Diabetes“ (ohne Atherosklerose) für eine Studienteilnahme qualifiziert. Für alle galt, dass der LDL-Cholesterinwert zu Beginn erhöht sein musste (≥ 90 mg/dl).

LDL-Cholesterinspiegel um 55% reduziert

Grundlage der klinischen Wirkung bildete eine starke LDL-C-Reduktion durch Evolocumab. In einer Lipid-Substudie bei 2014 Teilnehmern der VESALIUS-CV-Studie betrug der medianen LDL-C-Wert zu Beginn 115 mg/dl. Nach 48 Wochen lag der LDL-C-Wert dann bei 45 mg/dl (Placebo 109 mg/dl), was einer Reduktion um 55% durch Evolocumab im Vergleich zu Placebo entspricht.

Diese Reduktion wurde additiv zur schon bestehenden Lipidtherapie erzielt. Zu Studienbeginn erhielten bereits 92% der Teilnehmer eine lipidsenkende Therapie, 72% eine intensive lipidsenkende Therapie und 68% eine intensive Behandlung mit einem Statin.

Nach Ansicht von Studienleiterin Dr. Erin A. Bohula, Harvard Medical School, Brigham & Women’s Hospital, Boston, stützen die Ergebnisse der VESALIUS-CV-Studie die heute in Leitlinien gegebene Empfehlung, die LDL-Cholesterinspiegel bei Risikopatienten zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse auf niedrige Zielwerte zu senken. So wird in den europäischen ESC-Leitlinien zum Dyslipidämie-Management bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko inzwischen eine Reduktion auf Werte <1,4 mmol/l (55 mg/dl) empfohlen.

Basierend auf: Late-Breaking-Science I, AHA-Kongress 2025, 8. – 10. November 2025, New Orleans

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Erin A. Bohula et al. N Engl J Med 2025. DOI: 10.1056/NEJMoa2514428

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