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Über dieses Buch

Verena Kast schildert, wie im Rahmen der Psychotherapie Imagination im Zusammenhang mit Albträumen als Emotionsregulierung wirken und kreative Fantasien wecken kann. Das Arbeiten mit der Imagination ist hierbei durchsetzt von therapeutischen Interventionen, mit dem Blick darauf, Imaginationen der Angst in Imaginationen überzuführen, die Zukunft ermöglichen, kreativ und oft mit Ansätzen von Freude verbunden sind. Ein klinisches Beispiel zeigt, wie eine Analytikerin mit den Albträumen der Analysandin auch die kreativen Aspekte der Imagination bearbeitet und so einen Zugang zu ihrer Ressource herstellt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Zur Imagination – die schöpferische Kraft der Vorstellung

Zusammenfassung
Von der Vorstellungskraft, der Fantasie, der Imagination als der Fantasie, auf die wir uns beziehen, die uns mehr oder weniger bewusst wird und die man auch gestalten kann, weiß man, seit Menschen von ihren inneren Erfahrungen sprechen, sie beschreiben und sie auch darstellen, Erfahrungen, Erinnerungen, Wünsche, Pläne, Visionen, Kunstwerke von Menschen übermittelt sind. Jede Studie, die Wissenschaftler angehen, ist zunächst eine Imagination – die Vorstellungskraft bewirkt Schöpfungen.
Verena Kast

2. Die Zukunftsgerichtetheit der Imagination zeigt sich in der Vorfreude

Zusammenfassung
Die Vorfreude ist eine ganz besondere Freude. Vorfreude lebt in der Zukunft und damit auch in der und von der Vorstellung. Anders als die „normale“ Freude, die in einer bestimmten Situation aufbricht und aufleuchtet, wenn das Leben besser ist als erwartet, schöner, begeisternder, und die in dem jeweiligen Moment wahrgenommen werden muss, und die wir dann in der Erinnerung immer wieder neu wiederbeleben können, stammt die Vorfreude aus einer Imagination. Zum einen wissen wir um Situationen, die uns schon viel Freude gemacht haben und sind sicher, dass sie wieder Freude auslösen werden. Die Vorfreude etwa auf das Schwimmen in einem geliebten Meer. Diese Vorfreude ist in keiner Weise riskant, aber ein ruhiger Quell der Freude. Dann aber gibt es eine Vorfreude, die ist genährt aus Sehnsüchten, Wünschen, Erwartungen. Wir freuen uns auf eine anregende, inspirierende Begegnung mit einigen wenigen Menschen, die wir noch nicht kennen, von denen wir aber sehr viel erwarten. In der Vorfreude sind wir im Erleben der Fantasie bereits dort, wo eine Erwartung erfüllt wird. Der Anlass, der Freude auslösen wird, wird als fast sicher eintretend vorgestellt oder auch richtig herbeifantasiert. Die Vorfreude tritt dann ein, wenn wir fast sicher sind, dass sich unser dringendster Wunsch, unsere Sehnsucht, unsere Erwartung erfüllen wird. In der Vorwegnahme von einem Ereignis, von dem wir uns große Freude versprechen, haben wir viele Freiheitsgrade. Wir können ein künftiges Ereignis gerade so ausmalen, dass es uns große Freude machen wird. Damit kann die Vorfreude allerdings auch zu einer Quelle großer Enttäuschung werden. Tritt das Erwartete nämlich nicht ein oder anders, als man es sich vorgestellt hat – und das ist oft so –, dann sind wir enttäuscht, wir empfinden Scham- oder Schuldgefühle, auch Gefühle der Trauer, denn wir haben etwas verloren, was unserem Leben eine Richtung und einen Inhalt gegeben hat, auch wenn es noch nicht realisiert worden ist. Eine unerfüllte Erwartung müsste betrauert werden.
Verena Kast

3. Imagination und Emotion – Wechselwirkungen

Zusammenfassung
Emotionen können durch Imaginationen wahrgenommen und dargestellt werden, sie können aber auch durch Imagination verändert werden, dann, wenn wir uns auf die Imaginationen konzentrieren, also aktiv imaginieren. Gemeinsam ist den meisten Zugängen zur Imagination, dass bei einem mittleren Erregungsniveau – also nicht zu aufregend, nicht zu langweilig – über Bilder und ihre Veränderungen Affekte reguliert, Vorstellungen verändert, beweglicher werden. Diese Prozesse werden erlebt, gestaltet und reflektiert. Dazu Jung: „Da in der aktiven Imagination das Material bei wachem Bewusstsein hervorgebracht wird, ist es abgerundeter als bei den Träumen…: so sind zum Beispiel die Gefühlswerte drin enthalten, und man kann die Abläufe mit dem Gefühl beurteilen. Sehr oft haben die Patienten selber den Eindruck, dass ihr Material nach Sichtbarwerden drängt … oder sie stehen unter einer Emotion, die, wenn sie in eine Form gegossen werden könnte, verständlich würde … daher beginnen sie zu zeichnen, zu malen oder ihre Bilder plastisch darzustellen….“
Verena Kast

4. Imagination in der klinischen Arbeit: Vom Arbeiten an Albträumen

Zusammenfassung
Es geht bei der Imagination um Emotion, um Gestalten und um Verstehen, besonders in den Situationen, in denen Menschen unter ihren Affekten leiden, etwa zu sehr unter Angst leiden, unter Scham, Neid usw. Konzentriert man sich auf den Affekt, wird er zu einer mehr oder weniger deutlichen Vorstellung, die auch dargestellt, etwa gemalt werden kann. Sie bekommt dadurch eine besondere Wirksamkeit: Innere Bilder sind in der äußeren Welt sichtbar, es kann darüber gesprochen werden. Sie gestaltet zu haben, gibt eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Man ist den Emotionen nicht einfach ausgeliefert, sie können auch reguliert, dargestellt und verstanden werden, und man kann sie dadurch auch vernetzen. So verstehen wir etwa, dass wir eine „unverhältnismäßige“ Angst in einer Situation haben, weil uns eine ähnliche Situation, die für uns schmerzhaft war, noch in den Knochen steckt, wir verstehen, dass wir mit einem lebensgeschichtlichen Überhang reagieren. So wird auch Sinn erlebbar – und dieser kann akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Das Entwickeln von Imaginationen, das Gestalten, hat eine große Wirkung auf die Bewältigung von Problemen, aber auch auf die Entwicklung einer schöpferischen Haltung.
Verena Kast

5. Klinisches Beispiel

Zusammenfassung
Eine 31-jährige Frau sucht Therapie auf. Sie empfindet sich als zu ängstlich, hat viele verschiedene Ängste. Sie wurde von ihrer Mutter schon immer verspottet wegen ihrer Ängstlichkeit. Diese Ängste zeigen sich relativ wenig in ihrem Berufsleben – sie entwirft Mode und ist damit erfolgreich. Mode ist ihr auch für sich selber wichtig. Ihre Ängste zeigen sich z. B. darin, dass sie Befürchtungsfantasien hat, dass ein Lift, in dem sie gerade fährt, abstürzt – viele Stockwerke tief, dass der Blitz einschlägt, eine Lawine sie mitreißt, dass ein Tsunami sie heimsuchen wird, Sie hat auch Eifersuchtsfantasien: Sie „sieht“ ihren Mann, den sie vor zwei Jahren geheiratet hat und den sie liebt, wie er andere Frauen anspricht und mit ihnen einen schönen Abend etc. verbringt. Es stellt sich heraus, dass in Realität die beiden praktisch alle Abende miteinander verbringen und die Patientin sehr wohl weiß, dass ihre Angst keinen realen Bezug hat. Hinter dieser Eifersucht steckt eine große Angst, verlassen zu werden. Diese Angst ist verbunden mit einer sie bestimmenden Komplexepisode, sie reagiert mit lebensgeschichtlichem Überhang. Das wird deutlich, wenn einige Aspekte ihrer Lebensgeschichte beleuchtet werden.
Verena Kast

6. Fazit

Zusammenfassung
Arbeiten mit Imagination an Albträumen ist hilfreich; es ist eine Emotionsregulierung, die wie eine Form der Krisenintervention wirkt. Das Arbeiten mit der Imagination ist aber eingebettet in eine therapeutische Beziehung, durchsetzt von therapeutischen Interventionen, mit dem Blick darauf, Imaginationen der Angst in Imaginationen überzuführen, die Zukunft ermöglichen, kreativ sind, und oft mit Ansätzen von Freude verbunden.
Verena Kast

Backmatter

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