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Erschienen in: Zeitschrift für Allgemeinmedizin 1/2023

26.01.2023 | Allgemeinmedizin | Originalien

Hausärztliche Versorgung ukrainischer Geflüchteter

Evaluation von Herausforderungen und Informationsbedarfen (RefUGe-Studie)

verfasst von: Dr. Judith Tillmann, M.Sc. Public Health, Klaus Weckbecker, Paul Wiesheu, Markus Bleckwenn, Tobias Deutsch, Eva Münster

Erschienen in: Zeitschrift für Allgemeinmedizin | Ausgabe 1/2023

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Zusammenfassung

Hintergrund

Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine sind über 7,6 Mio. Menschen aus der Ukraine in europäischen Staaten als Geflüchtete registriert, in Deutschland wird die Anzahl auf > 1 Mio. geschätzt. Diese Geflüchteten können aufgrund von Unterschieden im Gesundheitssystem, Krankheitsprävalenzen, Präventionsmaßnahmen, Gesundheitsverhalten sowie Fluchterfahrungen andere Gesundheitsbedarfe als deutsche Patient*innen aufweisen. Hausärzt*innen in Deutschland wurden jedoch kaum auf den Kontakt vorbereitet.

Ziel der Arbeit

Erstmalig wurden Herausforderungen in der Behandlung ukrainischer Geflüchteter und Unterstützungsbedarfe von Hausärzt*innen erhoben.

Material und Methoden

Im Juli und August 2022 wurde eine Querschnittsstudie unter Hausärzt*innen in Deutschland anhand einer Onlinebefragung durchgeführt.

Ergebnisse

Teilgenommen haben 82 Hausärzt*innen bei einer Rücklaufquote von 16,0 %, von denen 52 in den letzten 2 Wochen ukrainische Geflüchtete behandelt haben. Wiederum 75,0 % von diesen gaben Schwierigkeiten bzw. Besonderheiten in der Versorgung an, vor allem in der Kommunikation (61,5 %), aufgrund fehlender Informationen zu Vorerkrankungen (34,6 %) und Erwartungen an zur Verfügung zu stellende Leistungen (30,8 %). Unter 59,8 % der 82 Teilnehmenden bestehen Bedarfe an mehrsprachigen Informationen für Patient*innen vor allem über das Gesundheitssystem Deutschlands, Hilfe bei psychischen Beschwerden, Kontaktstellen und Unterschiede im Arzneimittelumgang. Informationen für das Praxisteam werden in 37,8 % der Fälle benötigt, vor allem zu Möglichkeiten bei Sprachbarrieren, Impfquoten in der Ukraine und zum Umgang mit fehlenden Impfunterlagen sowie Arzneimittellisten.

Diskussion

Aufgrund der neuen Situation ukrainischer Geflüchteter in Deutschland sowie genannten Versorgungsbarrieren sollten hausärztliche Praxen unterstützt werden. Informationen für Praxisteams sowie deren Vernetzung mit psychotherapeutischen Angeboten, Kontaktstellen, Arzneimitteldatenbanken und regionalen Dolmetscherangeboten werden dringend benötigt. Mehrsprachige Informationen für ukrainische Patient*innen sollten verbreitet werden, um die stark beanspruchten Praxen zu entlasten und die Kontinuität und Qualität der Versorgung zu gewähren.
Literatur
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Metadaten
Titel
Hausärztliche Versorgung ukrainischer Geflüchteter
Evaluation von Herausforderungen und Informationsbedarfen (RefUGe-Studie)
verfasst von
Dr. Judith Tillmann, M.Sc. Public Health
Klaus Weckbecker
Paul Wiesheu
Markus Bleckwenn
Tobias Deutsch
Eva Münster
Publikationsdatum
26.01.2023
Verlag
Springer Medizin
Schlagwörter
Allgemeinmedizin
Pflege
Erschienen in
Zeitschrift für Allgemeinmedizin / Ausgabe 1/2023
Print ISSN: 1433-6251
Elektronische ISSN: 1439-9229
DOI
https://doi.org/10.1007/s44266-022-00001-3

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