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18.12.2018 | Alopezie | Nachrichten

Evidenz weiterhin fraglich

Methotrexat bei Alopecia totalis?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Die Therapie von Alopecia areata mit Methotrexat (MTX) ist bisher nur unzureichend untersucht worden. In einer neuen Literatursuche fanden die Autoren zwar Hinweise auf ein erneutes Haarwachstum nach MTX-Therapie – die Evidenz reicht aber nach wie vor nicht aus, um die Wirksamkeit des Mittels tatsächlich zu beweisen.

Bei extensivem Haarausfall sind die Therapiemöglichkeiten eingeschränkt. Topische Therapien mit Kortikosteroiden, Tacrolimus und Minoxidil kommen schnell an ihre Grenzen [1,2]. Und auch andere Behandlungsmöglichkeiten wie Immuntherapien oder intraläsionale Steroide haben ihre Tücken. Für die Therapie ist Methotrexat (MTX) denkbar, allerdings fehlen dazu bisher randomisierte, kontrollierte Studien, die die Effizienz beweisen. Daran konnte auch eine neue Studie nichts ändern; die Datenlage ist immer noch dürftig [1].

Die Autoren durchsuchten die Literatur nach experimentellen oder Beobachtungsstudien, in denen Alopecia-Patienten mit MTX behandelt wurden. Sie schlossen zudem Fallstudien, die mehr als fünf Patienten rekrutiert hatten, Leitlinien der British Association of Dermatologists und systematische Reviews mit ein. Insgesamt 13 von 216 Studien erfüllten die Kriterien und wurden hinsichtlich der Wirkung von MTX analysiert.

Die Suche nach Evidenz

In den Leitlinien wird MTX zwar mit einer Studie erwähnt [1,3,4]. Die beste „Therapie“ für exzessiven Haarausfall seien aber immer noch Perücken. Auch die Immuntherapie sei eine Option. In einer retrospektiven Fallserie wiederum beschrieben die Autoren ein erneutes Haarwachstum in 50% der Patienten nach Anwendung von MTX [1,5,6]. Die Autoren einer weiteren Studie folgern, dass MTX angewendet werden kann, wenn die Standardtherapie keine Wirkung zeigt [1,7].

In unkontrollierten prospektiven Untersuchungen und weiteren retrospektiven Fallserien fanden sich wenige Hinweise auf eine Wirksamkeit von MTX bei Alopecia totalis/universalis/ophiasis. Firooz und Kollegen hatten zehn Alopcia universalis/ophiasis-Patienten mit MTX plus Prednisolon behandelt und in 80% der Fälle ein komplettes Haarwachstum erzielt [1,8]. Vier Patienten hatten einen Rückfall erlitten. Mit der Kombination von Methylprednisolon und MTX lassen sich ebenfalls einigermaßen gute Ergebnisse erzielen [1,9]. Allerdings wurden in der letztgenannten Studie nur Fälle mit kürzlich neu aufgetretener Alopecia areata (< 1 Jahr Dauer) eingeschlossen, ein spontanes Haarwachstum kann demnach nicht ausgeschlossen werden.

Nur kleine Fallzahlen

Auch in anderen Untersuchungen fanden die Autoren der Literatursuche zwar Hinweise auf die Wirksamkeit von MTX. Die Daten sind aber noch nicht ausreichend, um eine tatsächliche Effizienz zu beweisen; die Evidenz bleibt daher gering.

Die Autoren weisen darauf hin, dass viele der untersuchten Studien nur kleine Fallzahlen beinhalteten, dass Patienten teilweise mit einer Kombination aus MTX und anderen Präparaten behandelt worden waren und dass die meisten Untersuchungszeiträume eher von kurzer Dauer gewesen waren. Deshalb sei es schwierig, Schlüsse über die tatsächliche Effizienz von MTX zu ziehen. Allerdings schreiben die Autoren in ihrem Fazit, dass MTX ein Medikament mit relativ wenigen bzw. vorhersehbaren Nebenwirkungen sei und bei Patienten, die unter einer schweren Alopecia leiden, in Betracht gezogen werden könne. Dies gelte besonders für Patienten, bei denen das Ziel sei, ein erneutes Haarwachstum nach Therapie zu erhalten und bei denen ein leichter immunsuppressiver Effekt ausreicht, um die Erkrankung zu kontrollieren.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Ist Methotrexat (MTX) wirksam bei Alopcia totalis?

Antwort: Mittels einer Literatursuche fanden die Autoren Hinweise darauf, dass MTX wirksam bei einer Alopecia sein könnte.

Bedeutung: Die Datenlage ist allerdings auch nach der Studie immer noch dürftig. Laut Autoren gibt es nur eine geringe Evidenz, dass MTX bei Alopecia areata tatsächlich wirksam ist. Allerdings könne man die Therapie mit MTX bei manchen Patienten in Betracht ziehen.

Einschränkungen unter anderem: Kleine Fallzahlen, kurze Studiendauer, Kombination von MTX mit anderen Präparaten, der Vergleich der Studienergebnisse untereinander ist problematisch

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