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29.06.2016 | Originalien | Ausgabe 11/2016

Der Nervenarzt 11/2016

Ambulante fachärztliche Versorgung psychischer Störungen

Kleine regionale Unterschiede im Bedarf, große regionale Unterschiede in der Versorgungsdichte

Zeitschrift:
Der Nervenarzt > Ausgabe 11/2016
Autoren:
Prof. Dr. F. Jacobi, M. Becker, J. Bretschneider, S. Müllender, J. Thom, U. Hapke, W. Maier

Zusammenfassung

Hintergrund

Angesichts der großen Krankheitslast psychischer Störungen liegt in der flächendeckenden, wohnortnahen und bedarfsgerechten Versorgung eine zentrale Aufgabe des Gesundheitssystems. Die Dichte ambulant tätiger Ärzte und Psychotherapeuten variiert zwischen den Regionen Deutschlands allerdings erheblich. Inwiefern dies durch entsprechende Morbiditätsunterschiede gerechtfertigt ist, wird üblicherweise anhand von GKV-Routinedaten bewertet. Da administrative Statistiken jedoch auch Abbild lokaler Diagnosegewohnheiten sowie der Angebotsstrukturen selbst sind, sollten entsprechende Analysen durch epidemiologische Daten erweitert werden. Die darin erfassten Prävalenzen psychischer Störungen stellen eine wesentliche Informationsquelle für eine evidenzbasierte Bedarfsplanung dar.

Methodik

Anhand der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1-MH) und dem ZI-Versorgungsatlas wurde untersucht, inwiefern die Dichte der ambulanten Versorgung mit der von der Inanspruchnahme unabhängigen und standardisiert erhobenen Prävalenz psychischer Störungen zusammenhängt. Neben den nominellen Arztdichten wurden auch Mitversorgungsbeziehungen zwischen Regionen berücksichtigt.

Ergebnisse

Die großen regionalen Unterschiede in den Arztdichten korrespondieren – auch unter Einbezug von Mitversorgung – nicht mit den regionalen Prävalenzen psychischer Störungen bzw. besonders behandlungsbedürftiger Fälle.

Diskussion

Die regionale Verteilung von Arztsitzen kann nicht angemessen durch Bedarfsunterschiede erklärt werden. Die Ergebnisse weisen auf Potenziale zur Morbiditätsadjustierung der Bedarfsplanung hin, wobei der Begriff des Behandlungsbedarfs von Menschen mit psychischen Störungen weiter reflektiert werden muss.

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