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17.09.2020 | Angiologische Notfallmedizin | Übersichten

Der hypertensive Notfall

Empfehlungen zum initialen medikamentösen Therapiemanagement

Zeitschrift:
Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin
Autoren:
M. Strauss, R. Leischik, U. Jehn, J.-S. Padberg, R. Pistulli, P. Kümpers, H. Reinecke

Zusammenfassung

Der hypertensive Notfall ist gekennzeichnet durch eine akute – zumeist lebensbedrohliche – Blutdruckentgleisung mit der Gefahr einer akuten Endorganschädigung. Er stellt eine Akutmanifestation der arteriellen Hypertonie dar, die sich durch eine breite Symptomvielfalt äußern kann. Entstehungsgrundlage ist in den meisten Fällen eine chronische Hochdruckkrankheit infolge von unzureichender Compliance oder einer unzureichenden medikamentösen Therapie. Zudem kann er Ausdruck einer Erstmanifestation einer arteriellen Hypertonie sein. Dies bedarf einer zeitnahen antihypertensiven, medikamentösen Therapie, die primär auf einer Intensiv- oder Überwachungsstation stattfinden sollte. Die Auswahl des medikamentösen Therapieregimes sollte sich dabei an der zugrunde liegenden Endorganschädigung orientieren. In der Regel sollten schnell wirksame, gut steuerbare und intravenös zu verabreichenden Substanzen bevorzugt werden. Die am häufigsten eingesetzten Substanzen (Substanzgruppen) sind Urapidil, Nitroglyzerin, β‑Blocker und kurzwirksame Kalziumantagonisten. Bis auf wenige Ausnahmen ist bei extrazerebralen Ursachen eine bedachte, rasche Senkung des Blutdrucks von nicht mehr als 20–25 % des Ausgangswerts zielführend. Anschließend sollte innerhalb der nächsten 2–6 h ein Zielwert eines systolischen Blutdrucks von 160/100 mm Hg angestrebt werden. Eine zu rasche Blutdrucksenkung kann durch eine veränderte Autoregulation zu einer Minderdurchblutung insbesondere des Gehirns führen. Ausnahmen von dieser Regelung bilden die akute Aortendissektion und das kardiale Lungenödem – in diesen Fällen sollte eine zeitnahe Blutdrucknormalisierung erzielt werden. An die initiale Akuttherapie sollte sich eine weitergehende Ursachenabklärung und eine sich daran orientierende Langzeittherapieeinstellung anschließen.

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