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Wenn frühe Nähe fehlt: Bindungsunsicherheit als Mediator zwischen emotionaler Vernachlässigung und körperlicher Gesundheit bei ehemaligen Wochenkrippenkindern

  • Open Access
  • 10.10.2025
  • Angst
  • Schwerpunkt: Bindungstheorie – Originalien
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Frühe emotionale Vernachlässigung kann die körperliche Gesundheit langfristig über psychobiologische Mechanismen beeinflussen. Bindungsunsicherheit könnte – neben weiteren Faktoren – einen vermittelnden Mechanismus darstellen. In den DDR-Wochenkrippen wurden Säuglinge und Kleinkinder unter der Woche durchgängig Tag und Nacht in einer heimähnlichen Umgebung betreut, was mit einem hohen Risiko für emotionale Deprivation einherging. Die Kohorte ehemaliger DDR-Wochenkrippen-Kinder bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen früher emotionaler Deprivation, Bindungsunsicherheit und körperlicher Gesundheit im Erwachsenenalter zu untersuchen.

Fragestellung

Ist Wochenkrippenerfahrung mit körperlicher Krankheitslast assoziiert? Wird dieser Zusammenhang durch Bindungsunsicherheit vermittelt? Welche Zusammenhänge bestehen mit aktueller Depressivität, Angst und maladaptivem Gesundheitsverhalten?

Methodik

Mithilfe von Selbstbeurteilungsfragebogen wurden 294 ehemalige Wochenkrippenkinder (WKG) und 222 Kontrollpersonen (KG) hinsichtlich der Zahl der ärztlich diagnostizierten Erkrankungen (Krankheitslast), der Bindungsunsicherheit, aktueller Depressivität und Angst sowie des Gesundheitsverhaltens befragt.

Ergebnisse

Die Zugehörigkeit zu WKG war im Vergleich zu KG mit höherer selbstberichteter Krankheitslast, höherer Bindungsangst und -vermeidung sowie höherer Depressivität und Angst assoziiert. Der Zusammenhang zwischen Wochenkrippenbetreuung und Krankheitslast wurde durch unsicheres Bindungserleben, Depressivität und Angst vermittelt; differenzielle Effekte bestanden für Bindungsangst und -vermeidung. Zusammenhänge zwischen Wochenkrippenbetreuung und Gesundheitsverhalten wurden nicht gefunden.

Diskussion

Bindungsunsicherheit könnte eine Schlüsselrolle in der Vermittlung zwischen früher emotionaler Vernachlässigung und dem Risiko für körperliche Erkrankungen über die Lebensspanne einnehmen, sowohl direkt als auch indirekt mediiert über die psychische Belastung. Bindungserfahrungen und frühe außerfamiliäre Betreuung sollten verstärkt in medizinischen Anamnesen erfasst werden.

Zusatzmaterial online

Zusätzliche Informationen sind in der Online-Version dieses Beitrags (https://doi.org/10.1007/s00278-025-00804-2) enthalten.
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Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Frühe emotionale Vernachlässigung kann die körperliche Gesundheit langfristig über psychobiologische Mechanismen beeinflussen. Bindungsunsicherheit könnte – neben weiteren Faktoren – einen vermittelnden Mechanismus darstellen. In den DDR-Wochenkrippen waren Säuglinge und Kleinkinder einem hohen Risiko für emotionale Deprivation ausgesetzt. Die Untersuchung ehemaliger DDR-Wochenkrippen-Kinder bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen früher emotionaler Deprivation, Bindung und körperlicher Gesundheit im Erwachsenenalter besser zu verstehen.

Hintergrund

Frühe emotionale Vernachlässigung gehört zu den häufigsten Formen von Kindheitstraumatisierungen und gilt als distaler Risikofaktor für zahlreiche körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen; Autoimmunerkrankungen; Köhler-Forsberg et al. 2025; Salzmann et al. 2022). Der Zusammenhang wird vermittelt durch komplex ineinandergreifende Mechanismen, die ihrerseits als Folge der emotionalen Vernachlässigung verstanden werden können: Dazu zählen psychopathologische Störungen bzw. psychischer Stress, einschließlich Angst und Depression (Soares et al. 2022), maladaptives Gesundheitsverhalten als dysfunktionale Stressbewältigung (beispielsweise Substanzkonsum, dysreguliertes Essverhalten) sowie Dysregulationen wichtiger biologischer Systeme infolge früher Vernachlässigung (Salzmann et al. 2022). Quasi als Schnittstelle und „Schaltzentrale“ für diese komplexen Prozesse rückt zunehmend das Bindungssystem als vermittelnde Dimension in den Fokus (Dagan et al. 2018; Farrell et al. 2019). Bindungsunsicherheit ist nicht nur ein unmittelbares Resultat früher emotionaler Vernachlässigung (Höltge et al. 2023), sondern selbst ein distaler Risikofaktor für eine schlechte körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter (Göbel et al. 2022; Pietromonaco und Beck 2019). Darüber hinaus steht Bindungsunsicherheit im Zusammenhang mit proximaleren Risikofaktoren für eine Vielzahl körperlicher Erkrankungen, konkret mit Angst, Depressivität und ungünstigem Gesundheitsverhalten (Übersicht bei Schauenburg und Strauß 2017). Die komplexen Interaktionen und ihre Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit über die Lebensspanne sind bislang nur unzureichend verstanden (Subic-Wrana 2017). Jedoch wurden in jüngster Zeit verschiedene, in zentralen Aspekten konvergierende heuristische Modelle vorgeschlagen (u. a. Köhler-Forsberg et al. 2025; Salzmann et al. 2022), die die Zusammenhänge zwischen emotionaler Vernachlässigung, körperlicher Krankheitslast und möglichen Mechanismen zusammenfassen. Die in Abb. 1 skizzierte Darstellung ist eine Erweiterung des Modells von Salzmann et al. (2022), das durch die Autoren der vorliegenden Studie um die Dimension der Bindung ergänzt wurde.
Abb. 1
Heuristisches Modell, angelehnt an Salzmann et al. (2022) sowie Köhler-Forsberg et al. (2025), zum Zusammenhang zwischen emotionaler Vernachlässigung sowie somatischer Krankheitslast und möglichen psychobiologischen Mechanismen. Asteriskus In der vorliegenden Untersuchung operationalisiert durch eine Wochenkrippenbetreuung in den ersten 3 Lebensjahren, d.h. heimähnliche Unterbringung durchgängig von Montag bis Freitag (Tag und Nacht). Die durchgehend markierten Pfade wurden in der vorliegenden Studie untersucht
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Die Institution der DDR-Wochenkrippen kann als „naturalistisches“ Modell für emotionale Deprivation im frühen Kindesalter aufgefasst werden. Säuglinge wurden dort ab der 6. Lebenswoche bis zum 3. Lebensjahr von Montag bis Freitag rund um die Uhr betreut; der elterliche Kontakt beschränkte sich auf das Wochenende. Der Fokus lag auf einer guten medizinischen und hygienischen Versorgung, wobei die strukturellen Rahmenbedingungen mit denen in Heimeinrichtungen vergleichbar waren: Gleichaltrige Kinder wurden in größeren Gruppen von Fachpersonal im Schichtdienst betreut. Für pflegerische Maßnahmen wie Nahrungsaufnahme, Körperpflege und Hygiene stand durchschnittlich nur eine Stunde pro Kind und Tag zur Verfügung. Der Aufbau verlässlicher Bindungsbeziehungen wurde dadurch erheblich erschwert (Liebsch 2023). Eigene Vorarbeiten zeigen bei ehemaligen Wochenkrippenkindern im Vergleich zu Personen aus Tageskrippen- oder ausschließlicher Familienbetreuung eine erhöhte psychische Belastung sowie ausgeprägtere Bindungsangst und -vermeidung in ihren aktuellen Partnerschaften (Flemming et al. 2023, 2025).

Fragebogenstudie

Hypothesen

Die Untersuchung ehemaliger DDR-Wochenkrippenkinder bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen früher emotionaler Deprivation, Bindung und körperlicher Gesundheit im Erwachsenenalter gemäß dem dargestellten heuristischen Modell besser zu verstehen. Im Rahmen der vorliegenden Studie sollen die folgenden, aus dem Modell ableitbaren Hypothesen an einer Stichprobe ehemaliger Wochenkrippenkinder und einer Kontrollgruppe von Personen, die als Kleinkinder familiär oder in einer Tageskrippe betreut worden waren, überprüft werden:
1.
Die Wochenkrippenbetreuung geht mit einer höheren körperlichen Krankheitslast (Zahl der ärztlich diagnostizierten Erkrankungen im Selbstbericht) einher.
 
2.
Die Wochenkrippenbetreuung geht mit höherer Bindungsunsicherheit, maladaptivem Gesundheitsverhalten (höherem Alkoholkonsum, Rauchen, höherem Body-Mass-Index [BMI], geringerer sportlicher Aktivität) sowie höherer Depressivität und Angst einher.
 
3.
Der Zusammenhang zwischen Wochenkrippenbetreuung und der Krankheitslast wird über Bindungsunsicherheit, Gesundheitsverhalten sowie Depressivität und Angst vermittelt.
 

Methodik

Stichproben und Durchführung

Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen der Studie „Bindung und seelische Gesundheit ehemaliger Wochenkrippenkinder“ (Universitätsmedizin Rostock/Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden) zwischen April 2022 und Mai 2024. Rekrutiert wurde eine Gelegenheitsstichprobe von Personen mit DDR-Sozialisation, die im Alter zwischen 6 Wochen und 3 Jahren a) in einer Wochenkrippe betreut worden waren (WKG) oder b) eine andere Betreuungsform (Tageskrippe oder ausschließliche Betreuung durch Familienangehörige, KG) erfahren hatten. In einer eigenen Vorarbeit unterschieden sich ehemalige Tageskrippenkinder von ausschließlich familiär betreuten Personen hinsichtlich der aktuellen Depressivität und Angst nicht (Flemming et al. 2025), und eine repräsentative Untersuchung von DDR-sozialisierten Personen hatte keine Unterschiede hinsichtlich der somatischen Belastung im Erwachsenenalter für diese beiden Betreuungsformen gefunden (Braunheim et al. 2024). Daher wurden die Kontrollpersonen in der vorliegenden Untersuchung nicht weiter differenziert. Personen, die durchgängig in einem Säuglingsheim o. Ä. untergebracht worden waren, wurden nicht in die Studie eingeschlossen. Einschlusskriterien waren, dass die Art der frühkindlichen Betreuungsform den Teilnehmenden eindeutig bekannt war und im Fall der Wochenkrippenbetreuung eine Dauer von mindestens 3 Monaten umfasste. Alle Teilnehmenden füllten eine Fragebogenbatterie aus (s. unten). Neben den üblichen demografischen Kennwerten wurden sowohl Körpergewicht und -größe zur Ermittlung des BMI, Nikotinkonsum (dichotomisiert als Rauchen ja, aktuell oder früher/nein, niemals) und regelmäßige sportliche Aktivität (ja, mindestens einmal pro Woche/nein) erfasst. Die querschnittlich angelegte Studie wurde von der Ethikkommission der Universitätsmedizin Rostock (A 2022-0026) sowie der Technischen Universität Dresden (EK 572122022) genehmigt und unter Einhaltung der aktuellen Fassung der Deklaration von Helsinki sowie der Regeln von „Good Clinical Practice“ durchgeführt.

Instrumente

Work Ability Index – Kurzform.
Die Krankheitslast wurde mithilfe der Sektion 3 der Kurzform des Work Ability Index (WAI) erfasst, einem etablierten Instrument zur Erfassung von Arbeitsfähigkeit (Friedli et al. 2018; Hasselhorn et al. 2005). In dieser Sektion geben die Probanden an, ob bei ihnen jemals eine Erkrankung aus den folgenden Krankheitsgruppen ärztlich diagnostiziert wurde: Unfallverletzungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, neurologische Erkrankungen, Erkrankungen des Verdauungssystems, im Urogenitaltrakt, Hautkrankheiten, Tumoren/Krebs, Hormon‑/Stoffwechselerkrankungen sowie Krankheiten des Blutes. Die Zahl der ärztlich diagnostizierten Erkrankungen gilt als Indikator für die Krankheitslast (Hasselhorn et al. 2005).
Alcohol Use Disorders Identification Test – Consumption Questions.
Der Alcohol Use Disorders Identification Test – Consumption Questions (AUDIT) ist ein Screeningverfahren für alkoholbezogene Störungen. In der eingesetzten Kurzform AUDIT‑C (Bush et al. 1998) werden die (selbstbeurteilte) Häufigkeit und Menge des Alkoholkonsums in den letzten 12 Monaten mithilfe von 3 Items erfasst. In die Auswertung wurde der Summenwert als Indikator für die gegenwärtige Ausprägung des Alkoholkonsums einbezogen.
Experiences in Close Relationships – revidierte deutsche Fassung.
Der Fragebogen Experiences in Close Relationships – revidierte deutsche Fassung (ECR-RD) ist ein Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung partnerschaftsbezogener Bindung im Erwachsenenalter (Ehrenthal et al. 2009) und umfasst mit jeweils 18 Items die 2 Skalen Bindungsangst (BANG) und Bindungsvermeidung (BVER). Diese Items werden auf einer Likert-Skala von 1 („stimme gar nicht zu“) bis 7 („stimme völlig zu“) bewertet. Der ECR-RD weist sowohl in gesunden als auch in klinischen Stichproben gute psychometrische Eigenschaften auf (Ehrenthal et al. 2009). In der vorliegenden Stichprobe betrug die interne Konsistenz (Cronbachs α) für beide Skalen (BANG und BVER) 0,94.
Ultrakurzform des Gesundheitsfragebogens für Patient:innen.
Der Gesundheitsfragebogen für Patient:innen (Patient Health Questionnaire‑4, PHQ-4) wurde als ein Indikator für die aktuelle psychische Belastung (Kroenke et al. 2009) eingesetzt. Mit jeweils 2 Items werden auf einer Skala von 0–3 Depressivität (PHQ-2) und Ängstlichkeit (GAD-2) in den letzten 14 Tagen erfasst und anschließend gemittelt. Die interne Konsistenz (McDonalds Omega [ω])betrug in der vorliegenden Gesamtstichprobe 0,85 für den Gesamtwert.

Statistische Analysen

Die Analysen erfolgten mithilfe von IBM SPSS Statistics 28 (IBM Corp., Armonk, NY, USA) und PROCESS Makros für SPSS (Model 6; Hayes 2022). Zunächst wurden mögliche Unterschiede zwischen der Wochenkrippengruppe (WKG) und der Kontrollgruppe (KG), bezogen auf die relevanten soziodemografischen Variablen (Alter, Geschlecht, Partnerschaft, Schulbildung), mithilfe des χ2-Tests bzw. t-Tests überprüft. Anschließend wurden die Zusammenhänge zwischen der Gruppenzugehörigkeit (Variable GRUPPE, WKG = 1, KG = 0) mit den Zielvariablen a) Krankheitslast (SOMA), b) Bindungsangst und -vermeidung (ECR-RD), c) aktuelle Depressivität/Angst (PHQ-4) sowie d) Gesundheitsverhalten: Alkoholkonsum (AUDIT-C), BMI, Sport und Rauchen unter Kontrolle möglicher soziodemografischer Unterschiede zwischen den Gruppen bestimmt. Für jede der Zielvariablen wurde ein lineares Regressionsmodell mit den Prädiktoren GRUPPE und den soziodemografischen Variablen berechnet. Für Rauchen und Sport (dichotome Variablen) wurden binär logistische Regressionen berechnet. Die bivariaten Zusammenhänge zwischen den oben genannten Zielvariablen wurden mithilfe der Pearson- bzw. punktbiserialen Korrelation bestimmt.
Für den Zusammenhang zwischen der Variable GRUPPE (unabhängige Variable, UV) und der körperlichen Krankheitslast (SOMA, abhängige Variable) wurden serielle Mediationsmodelle berechnet, wobei diejenigen Variablen, die in den oben genannten Regressionsmodellen signifikant mit der GRUPPE assoziiert waren (ECR-RD; PHQ‑4; Variablen zum Gesundheitsverhalten) als Mediatoren aufgenommen wurden. Es werden die nichtstandardisierten Regressionskoeffizienten (B) für den totalen, den direkten und die indirekten Effekte berichtet. Eine vollständige Mediation liegt vor, wenn der direkte Effekt (Zusammenhang von UV und AV) unter Berücksichtigung des Mediators nicht mehr signifikant ist. Die Signifikanz der indirekten Effekte wurde mithilfe eines Bootstrapping-Verfahrens mit 5000 Stichproben und einem biaskorrigierten 95 %-Konfidenzintervall (95 %-KI) überprüft. Der indirekte Effekt ist dann signifikant, wenn das Konfidenzintervall des indirekten Effekts den Wert 0 nicht einschließt (Hayes und Scharkow 2013).

Ergebnisse

Zusammenhänge der Gruppenzugehörigkeit mit Krankheitslast, Bindung und Gesundheitsverhalten

Nach Prüfung der Einschlusskriterien konnten 516 Personen in die Studie aufgenommen werden. Aufgrund von fehlenden Daten in den relevanten Ergebnismaßen wurden 49 Personen von den Analysen ausgeschlossen, was in einer Stichprobe von 467 Personen resultierte (davon n = 294 WKG). In der KG befanden sich mehr Frauen (86,7 %) als in der WKG (75,9 %, χ2 (1) = 7,98, p = 0,005), und die Teilnehmenden waren durchschnittlich jünger (KG: Mittelwert [M] ± Standardabweichung [SD] = 51,8 ± 8,3 Jahre; WKG: M ± SD = 55,1 ± 7,3 Jahre; T [323] = −4,30, p < 0,001). Die ehemaligen Wochenkrippenkinder waren zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen 37 und 73 Jahre alt (KG: zwischen 36 und 71 Jahre). In der WKG waren mehr Personen ohne aktuelle Partnerschaft (36,4 %; KG: 24,9 %, χ2(1) = 6,65, p = 0,010). Der Anteil der Personen mit mindestens 12 Schuljahren unterschied sich nicht zwischen WKG (60,4 %) und KG (67,3 %; χ2 (1) = 2,17, p = 0,141). Die Dauer der Wochenkrippenbetreuung betrug zwischen 3 und 33 Monate und war schwach mit der somatischen Krankheitslast im Erwachsenenalter assoziiert (r = 0,13, p = 0,028). Es wurden 70,7 % der Teilnehmenden vor dem 3. Lebensmonat in die WKG aufgenommen. Zwischen dem Alter bei Aufnahme und der somatischen Krankheitslast bestand kein Zusammenhang (r = −0,09, p = 0,123). Die Ergebnisse der Regressionsmodelle sind in Tab. 1 zusammengefasst. Die Gruppenzugehörigkeit war unter Kontrolle der soziodemografischen Variablen mit der Krankheitslast, Bindungsangst und -vermeidung sowie Depressivität/Angst assoziiert, jedoch nicht mit Alkoholkonsum, Rauchen, Sport und BMI. Die Variablen zum Gesundheitsverhalten wurden daher nicht als Mediatoren in die nachfolgenden Modelle aufgenommen, jedoch als Kovariaten gemeinsam mit den soziodemografischen Variablen berücksichtigt. Es bestanden bivariate Interkorrelationen zwischen Gesundheitsverhalten, Krankheitslast, Bindung und PHQ‑4. Die vollständigen deskriptiven Kennwerte der Stichproben und die Interkorrelationen der Studienvariablen sind im Zusatzmaterial online: Tabelle S1 aufgeführt.
Tab. 1
Ergebnisse der Regressionsmodelle: Zusammenhänge zwischen der Wochenkrippenbetreuung sowie Krankheitslast, Bindungsunsicherheit, Depressivität/Angst und Gesundheitsverhalten unter Kontrolle der soziodemografischen Variablen
 
SOMA
Bindungsangst
Bindungsvermeidung
PHQ‑4
AUDIT‑C
BMI
Sporta
Rauchena
Modell Adj. R2
0,107
0,194
0,163
0,105
0,043
0,040
0,040b
0,020b
 
(B ± SE)
(B ± SE)
(B ± SE)
(B ± SE)
(B ± SE)
(B ± SE)
ExpB (95 % KI)
ExpB (95 % KI)
Intercept
0,66 ± 0,66
4,74 ± 0,48***
4,20 ± 0,44***
6,03 ± 1,03***
1,84 ± 0,72*
26,16 ± 1,66***
0,19
7,47*
GRUPPE
0,58 ± 0,18**
0,96 ± 0,13***
0,91 ± 0,12***
1,91 ± 0,28***
0,37 ± 0,20
0,36 ± 0,46
0,83 (0,54; 1,28)
0,87 (0,50; 1,49)
Geschlecht
−0,43 ± 0,22*
−0,23 ± 0,16
−0,04 ± 0,14
−0,30 ± 0,33
0,93 ± 0,23***
1,67 ± 0,54**
1,08 (0,65; 1,80)
0,75 (0,41; 1,35)
Alter
0,04 ± 0,01***
−0,02 ± 0,01**
−0,03 ± 0,01**
−0,05 ± 0,02**
0,01 ± 0,01
−0,02 ± 0,03
1,04 (1,01; 1,07)
1,00 (0,96; 1,03)
Partnerschaft
0,10 ± 0,18
−0,91 ± 0,13***
−0,61 ± 0,12***
−0,51 ± 0,29
−0,08 ± 0,20
0,92 ± 0,46*
1,03 (0,67; 1,58)
1,48 (0,88; 2,47)
Bildung
−0,80 ± 0,18***
−0,09 ± 0,13
−0,12 ± 0,12
−0,54 ± 0,28
−0,16 ± 0,20
−1,43 ± 0,46**
1,77 (1,16; 2,71)
0,71 (0,41; 1,22)
GRUPPE: Wochenkrippe = 1, Kontrollgruppe = 0. Bindungsangst, Bindungsvermeidung = Subskalen des Experiences in Close Relationships Questionnaire. Sport: nein = 0, mindestens einmal/Woche = 1. Rauchen: nein = 0, ja = 1
Adj. R2 Adjustiertes R2, B unstandardisierter Regressionskoeffizient, SE Standardfehler, ExpB Odds Ratio, KI Konfidenzintervall, SOMA Krankheitslast (Zahl der selbstberichteten ärztlich diagnostizierten Erkrankungen im Work Ability Index), PHQ‑4 Ultrakurzform des Gesundheitsfragebogens für Patienten (aktuelle Depressivität/Angst), AUDIT‑C Ausprägung des Alkoholkonsums, BMI Body-Mass-Index
aLogistische Regression
bNagelkerkes R2
Sig.: *p < 0,05, **p < 0,01, ***p < 0,001

Ergebnisse der Mediationsmodelle

Modell 1 mit Bindungsangst (Abb. 2).
Die Zugehörigkeit zur WKG ging mit einer höheren Krankheitslast einher (totaler Effekt: B = 0,59, p = 0,002), unter Kontrolle der soziodemografischen Variablen und des Gesundheitsverhaltens. Der Zusammenhang wurde vollständig durch Bindungsangst und den PHQ‑4 mediiert (direkter Effekt: B = 0,21, p = 0,283). Bindungsangst mediierte diesen Zusammenhang sowohl einzeln (GRUPPE → BANG → SOMA: B = 0,16 [KI: 0,03; 0,31]) als auch seriell als Prädiktor für PHQ‑4 (GRUPPE → BANG → PHQ-4 → SOMA: B = 0,11 [KI: 0,04; 0,18]). Zudem mediierte PHQ‑4 auch unabhängig von Bindungsangst den Zusammenhang zwischen Gruppe und Krankheitslast (GRUPPE → PHQ-4 → SOMA: B = 0,11 [KI: 0,04; 0,20]).
Abb. 2
Serielles Mediationsmodell mit Bindungsangst (BANG) und aktueller Depressivität/Angst (Patient Health Questionnaire‑4, PHQ‑4), n = 447. BMI Body-Mass-Index, KG Kontrollgruppe, MORB Morbidität, WK Wochenkrippe
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Modell 2 mit Bindungsvermeidung (Abb. 3).
Der Zusammenhang zwischen Gruppe und Krankheitslast (totaler Effekt: B = 0,59, p = 0,001) wurde vollständig durch Bindungsvermeidung und PHQ‑4 vermittelt (direkter Effekt: B = 0,31, p = 0,111). Der Zusammenhang wurde dabei sowohl durch PHQ‑4 ohne Bindungsvermeidung vermittelt (GRUPPE → PHQ-4 → SOMA: B = 0,17; KI [0,08; 0,28]), als auch durch den seriellen Zusammenhang über Bindungsvermeidung und PHQ‑4 (GRUPPE → BVER > PHQ-4 → SOMA: B = 0,11; KI [0,05; 0,19]). Für Bindungsvermeidung ohne Berücksichtigung von PHQ‑4 bestand kein signifikanter indirekter Effekt (GRUPPE → BVER → SOMA: B = 0,00; KI [−0,13; 0,14]). Die vollständigen Ergebnisse der Mediationsmodelle sind im Zusatzmaterial online (Tabellen S2 und S3) dargestellt.
Abb. 3
Serielles Mediationsmodell mit Bindungsvermeidung (BVER) und aktueller Depressivität/Angst (Patient Health Questionnaire‑4, PHQ‑4), n = 446. BMI Body-Mass-Index, KG Kontrollgruppe, MORB Morbidität, WK Wochenkrippe
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Diskussion

Die vorliegende Studie untersuchte die Zusammenhänge zwischen frühkindlicher emotionaler Vernachlässigung, der somatischen Krankheitslast im Erwachsenenalter und den möglichen vermittelnden Dimensionen Bindungsunsicherheit, aktuelle psychische Belastung und Gesundheitsverhalten am Modell von ehemaligen Wochenkrippenkindern. Die Zugehörigkeit zur Wochenkrippengruppe ging im Vergleich zu Kontrollpersonen mit einer höheren somatischen Krankheitslast einher, auch unter Kontrolle der soziodemografischen Unterschiede zwischen den Stichproben. Dies steht im Einklang mit der bisherigen Forschung zu den langfristigen Folgen früher emotionaler Vernachlässigung für die physische Gesundheit (Köhler-Forsberg et al. 2025; Salzmann et al. 2022). Die angenommenen Zusammenhänge zu den möglichen vermittelnden Dimensionen konnten teilweise bestätigt werden: Eine Wochenkrippenbetreuung war mit höherer selbstbeurteilter Bindungsangst und -vermeidung im Erwachsenenalter im Vergleich zu einer Betreuung in einer Tageskrippe oder durch Familienangehörige assoziiert. Die Ergebnisse aus eigenen Vorarbeiten zur höheren psychischen Belastung der ehemaligen Wochenkrippenkinder im Vergleich zu Kontrollpersonen (Flemming et al. 2025) werden damit um den Aspekt der Bindungsunsicherheit erweitert. Es bestand hingegen kein Zusammenhang zwischen der Gruppenzugehörigkeit und Alkoholkonsum, BMI, Rauchen oder Bewegungsmangel. Die Annahme, dass die Wochenkrippenbetreuung mit einem höheren Ausmaß dysfunktionaler Strategien zur Stressregulation einhergeht, konnte nicht bestätigt werden. Dies steht im Gegensatz zu longitudinalen Daten, die einen Zusammenhang zwischen emotionaler Vernachlässigung und späterem Substanzmissbrauch (Cohen et al. 2017) bzw. dysreguliertem Essverhalten (Emery et al. 2021) nahelegen. Die Selbstselektion der Studienteilnehmenden könnte hier eine Rolle gespielt haben, weshalb dieser Befund in größeren und möglichst repräsentativen Stichproben repliziert werden sollte.
Bindungsunsicherheit und die aktuelle psychische Belastung (Depressivität/ Angst) wurden als vermittelnde Variablen für den Zusammenhang zwischen Wochenkrippenbetreuung und somatischer Krankheitslast untersucht. Die höhere Bindungsangst und -vermeidung bei den Wochenkrippenkindern war mit einer höheren psychischen Belastung assoziiert und darüber vermittelt mit der somatischen Krankheitslast. Es bestanden differenzielle Effekte für die beiden Bindungsdimensionen: Bindungsangst mediierte direkt den Zusammenhang zwischen Wochenkrippenbetreuung und Krankheitslast (unabhängig von Depressivität/Angst). Bindungsvermeidung stand hingegen nicht direkt im Zusammenhang mit der Krankheitslast, sondern nur vermittelt über die psychische Belastung. Dies ist konsistent mit bisherigen Studien, die engere Zusammenhänge der körperlichen Krankheitslast mit Bindungsangst als mit Bindungsvermeidung gefunden haben (Göbel et al. 2022; McWilliams und Bailey 2010). Unterschiede im Umgang mit negativen Affekten und Symptomwahrnehmung (z. B. Suppression vs. Hypervigilanz) könnten die divergenten Effekte von Bindungsangst und -vermeidung erklären (Diamond et al. 2006). Bei Personen mit biografisch frühen emotionalen Vernachlässigungserfahrungen könnte spätere Bindungsvermeidung nur dann ein Risiko für die körperliche Gesundheit darstellen, wenn zusätzlich internalisierende Symptome auftreten. Bindungsangst hingegen könnte auch unabhängig von Depressivität und Angst zu einer höheren somatischen Krankheitslast führen. Neben möglichen physiologischen Dysregulationen (Überblick bei Ehrlich und Cassidy 2018) könnte ein Mechanismus auch darin bestehen, dass bindungsängstliche Personen Schwierigkeiten in der Interaktion mit professionell Behandelnden und ein geringeres gesundheitsbezogenes Selbstmanagement aufweisen (Brenk-Franz et al. 2017).
Die methodischen Stärken dieser Untersuchung liegen in einer relativ großen Stichprobe und der Kontrolle relevanter Einflussfaktoren. Jedoch bestehen u. a. aufgrund des retrospektiven und querschnittlichen Studiendesigns die folgenden Limitationen: Es liegen keine gesicherten Angaben zur Qualität der tatsächlichen Betreuung in den jeweiligen Wochenkrippen vor. Aufgrund der strukturellen Bedingungen in den Einrichtungen gehen wir von einem hohen Risiko für emotionale Vernachlässigung bei den damaligen Säuglingen und Kleinkindern aus; dies lässt sich in der Retrospektive jedoch nicht gesichert feststellen. Mutmaßlich gab es eine hohe Bandbreite in der Qualität der Betreuungserfahrungen, was sich nicht zuletzt aufgrund der Vorsprachlichkeit der Wochenkrippenbetreuung in dieser Studie nicht rekonstruieren ließ. Aufgrund des Querschnittdesigns geben die dargestellten Mediationsmodelle Hinweise auf statistische Zusammenhänge, erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf kausale Beziehungen zwischen den untersuchten Variablen. Die Stichprobe wurde durch Selbstselektion der Teilnehmenden gewonnen, und die Ergebnisse beruhen ausschließlich auf Selbstbeurteilungsinstrumenten, was zu Verzerrungen geführt haben könnte. Zukünftige Studien sollten die Befunde unter Einbezug fremdanamnestischer Informationen, insbesondere zur medizinischen Anamnese, replizieren. In der vorliegenden Arbeit wurden keine Daten zur Qualität der familiären Beziehungserfahrungen erhoben; diese könnten potenziell kompensatorisch oder risikoverstärkend auf die Bindungssicherheit gewirkt haben. Trotz dieser Limitationen unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von frühen Beziehungserfahrungen und aktuellem Bindungserleben für die körperliche Gesundheit (Strauss und Brenk-Franz 2016). Die Ergebnisse erweitern den Diskurs um die möglichen Langzeitfolgen einer frühen außerfamiliären Betreuung von Kleinkindern und verweisen auf die Notwendigkeit einer differenziellen Betrachtung des DDR-Krippensystems: Verschiedene Untersuchungen fanden keine negativen psychischen Langzeitfolgen für eine außerfamiliäre Betreuung, die ausschließlich tagsüber erfolgte (Braunheim et al. 2024; Helmert et al. 2025). Die vorliegende Arbeit weist darauf hin, dass eine längerfristige Betreuung über die gesamte Woche, einschließlich der Nächte, hingegen ein erhebliches Risiko für die längerfristige psychische und körperliche Gesundheit darstellen könnte. Die Erfassung von Bindungserfahrungen und früher außerfamiliärer Betreuung sollte verstärkt in medizinische Anamnesen integriert werden. Zudem könnten die Befunde – ihre Replikation vorausgesetzt – Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen liefern. So wäre denkbar, dass (frühe) Interventionen nach emotionaler Vernachlässigung, die auf die Entwicklung von Bindungssicherheit abzielen, auch der langfristigen körperlichen Gesundheit zugutekommen.

Fazit für die Praxis

  • Ehemalige Wochenkrippenkinder weisen im Vergleich zu Kontrollpersonen eine höhere selbstberichtete körperliche Krankheitslast auf.
  • Der Zusammenhang zwischen Wochenkrippenbetreuung und somatischer Krankheitslast ist durch unsicheres Bindungserleben und die aktuelle psychische Belastung vermittelt.
  • Die Erfassung von Bindungserfahrungen und früher außerfamiliärer Betreuung sollte verstärkt in medizinische Anamnesen integriert werden.

Förderung

Diese Studie wurde dankenswerterweise durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

E. Flemming, L. Lübke, S. Knorr, S. Steudte-Schmiedgen, L. Bergunde, K. Weidner und C. Spitzer geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Die querschnittlich angelegte Studie wurde von der Ethikkommission der Universitätsmedizin Rostock (A 2022-0026) sowie der Technischen Universität Dresden (EK 572122022) genehmigt und unter Einhaltung der aktuellen Fassung der Deklaration von Helsinki sowie der Regeln von „Good Clinical Practice“ durchgeführt.
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Titel
Wenn frühe Nähe fehlt: Bindungsunsicherheit als Mediator zwischen emotionaler Vernachlässigung und körperlicher Gesundheit bei ehemaligen Wochenkrippenkindern
Verfasst von
Dr. rer. hum. Dipl.-Psych. Eva Flemming
Laura Lübke
Stefanie Knorr
Susann Steudte-Schmiedgen
Luisa Bergunde
Kerstin Weidner
Carsten Spitzer
Publikationsdatum
10.10.2025
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Die Psychotherapie / Ausgabe 6/2025
Print ISSN: 2731-7161
Elektronische ISSN: 2731-717X
DOI
https://doi.org/10.1007/s00278-025-00804-2

Supplementary Information

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