Zum Inhalt
Der Nervenarzt

Apomorphin bei der Behandlung des Morbus Parkinson

  • 01.06.2005
  • Übersichten
Erschienen in:

Zusammenfassung

Apomorphin ist ein seit langem bekannter hochpotenter D2-, D3- und D4-Dopaminrezeptoragonist, der sich besonders durch eine zusätzliche D1-Dopaminrezeptorwirkung auszeichnet und in der Medizin vielfältige Anwendung gefunden hat. Wegen einer weitestgehenden Inaktivierung bei der Leberpassage wird Apomorphin in der Regel subkutan angewendet. Nach raschem Wirkungseintritt ist die Wirkungsdauer auf etwa eine Stunde begrenzt. Bei seiner Wirkung ist Apomorphin unabhängig von Mechanismen der enteralen Dopaminresorption und vom präsynaptischen System der Dopaminspeicherung und Dopaminfreisetzung. Die häufigste Nebenwirkung der subkutanen Apomorphingabe sind Gewebsverhärtungen an den Injektionsstellen. Periphere dopaminerge Nebenwirkungen, wie Übelkeit und orthostatische Hypotension, treten meist nur in der Anfangsphase der Behandlung auf und lassen sich mit Domperidon weitgehend unterdrücken. Halluzinationen treten seltener auf als beim Einsatz anderer Dopaminagonisten.
Beim Apomorphintest wird durch subkutane Bolusgaben die Levodopasensitivtät einer Parkinsonsymptomatik zur Abgrenzung eines M. Parkinson von atypischen Parkinsonsyndromen ermittelt. Dabei zeigt der Apomorphintest eine Levodopasensitivität in etwa 90% der Fälle an. Falsch-negative Ergebnisse können bei gering ausgeprägter Parkinsonsymptomatik vorkommen. Eine Metaanalyse zeigt, daß durch eine intermittierende subkutane Apomorphingabe (intermittierende Apomorphintherape) mittels eines Selbstapplikationsgeräts die tägliche Dauer unvorhersehbarer kurz anhaltender Off-Phasen um 48.8±8.7% reduziert werden kann. Dazu werden durchschnittlich 3,7±1,1 × 2,9±0,8 mg Apomorphin pro Tag appliziert. Durch eine kontinuierliche subkutane Apomorphingabe mittels einer Pumpe (kontinuierliche Apomorphintherapie) während der Wachphase läßt sich die tägliche Dauer der Off-Phasen um 64,8±13,5% und die zusätzlich notwendige Levodopadosis um 30,3±31,1% reduzieren. Bei Ganztagesgabe wird die tägliche Dauer der Off-Phasen um 63,5±19,1% und die zusätzlichen Levodopadosis um 65,5±21,9% reduziert. Levodopainduzierte Dyskinesien nehmen deutlich ab. Eine langsame Umstellung der Medikation auf eine Apomorphin-Monotherapie ist möglich. Auch bei langjähriger Anwendung zeigen sich keine wesentlichen Wirkungsverluste der Apomorphintherapie. Damit stellt die Apomorphintherapie eine sehr wirkungsvolle Therapie von Off-Phasen und levodopainduzierten Dyskinesien beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson dar, die ausgeschöpft werden sollte, bevor invasivere Therapieansätze in Betracht gezogen werden.
Titel
Apomorphin bei der Behandlung des Morbus Parkinson
Verfasst von
PD Dr. D. Dressler
Publikationsdatum
01.06.2005
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 6/2005
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-004-1830-4
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Neu in den Fachgebieten Neurologie und Psychiatrie

Mit KI gegen Mukositis und Polyneuropathie

KI-Analysen von elektronischen Patientenakten können helfen, vielversprechende Signale für potenzielle Wirkstoffe gegen Chemotherapienebenwirkungen zu erhärten. Dafür sprechen zumindest Ergebnisse einer Studie aus Japan.

GHB als Partydroge im Aufwind

Billig und stimulierend, solange man nicht zu viel davon nimmt: Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) hat sich einen schlechten Ruf als K.o.-Tropfen erworben. Verwendet wird die Substanz jedoch meist als Partydroge. In der Szene hat sie schon gut ein Drittel probiert.

Mephedron und „Monkey Dust“ erobern das Nachtleben

Seit der Pandemie machen sich zunehmend synthetische Cathinone in der Partyszene breit. Die Amphetamine werden geraucht oder geschnupft, beim Feiern oder zum Sex konsumiert und sorgen in Kliniken für immer mehr drogeninduzierte Psychosen.

Psilocybin hält therapieresistente Depressionen ein Jahr lang in Schach

Ein bis zwei Sitzungen mit einer Psilocybin-augmentierten Psychotherapie lindern therapieresistente Depressionen deutlich und langfristig: Der Therapieeffekt hält auch nach einem Jahr noch an. Männer profitieren jedoch stärker als Frauen.

Bildnachweise
Box mit Tabletten/© ekachai050050 / stock.adobe.com (Symbolbild), Rauchende Teenies trinken Alkohol/© Joshua Resnick / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodellen), Techno Club/© master1305 / Stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell), Psilocybinhaltige Pilze/© kichigin19 / stock.adobe.com