In Deutschland stellen Muskel-Skelett-Erkrankungen, vor allem Rückenschmerzen, die häufigsten gesundheitlichen Probleme bei Erwerbstätigen dar. Rund 14,1 % aller krankheitsbedingten Fehltage lassen sich auf Rückenschmerzen zurückführen [
31]. Die Ursachen für unspezifische Kreuzschmerzen sind vielfältig und reichen von Bewegungsmangel, muskulären Dysbalancen bis hin zu psychosozialen Belastungen wie Stress. Besonders betroffen sind neben körperlich belasteten Berufen auch Büroangestellte [
30]. Trotz der anfänglich eingeschränkten Forschungslage im Bereich der Pilates-Methode, welche sich auf Einzelbeobachtungen, Fotodokumentationen und Erfahrungsberichte beschränkte, konnten bereits früh positive Effekte der Pilates-Methode registriert werden [
48]. Die rehabilitative Behandlung kriegsverletzter Soldaten sowie die Anwendung in der Tanzmedizin stellten die ersten praktischen Anwendungsbereiche der Pilates-Methode dar [
32]. Hierbei wurde Pilates zur Prävention und Wiederherstellung der funktionellen Beweglichkeit genutzt [
15]. Seit den 1990er-Jahren konnte eine stetige Zunahme an qualitativ hochwertigen Studien registriert werden, die die Wirkung von Pilates auf chronisch-unspezifische Rückenschmerzen thematisieren. Zu den häufigsten positiven Effekten der Pilates-Methode im Bereich der Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen die aufrechte Körperhaltung, die erhöhte Körperspannung und die Körperwahrnehmung [
20]. Die Mobilität und Flexibilität unterstützen Haltung, Spannung und Wahrnehmung des Körpers und werden durch den Einbau von dehnenden Elementen in die Trainingseinheit angestrebt [
26]. Die Steigerung von Flexibilität und Mobilität ist angesichts statischer und repetitiver Belastungen im Arbeitsalltag essenziell. Wird die Körperhaltung gezielt trainiert, können Haltungsschwächen und durch Fehlhaltung bedingte Rückenschmerzen reduziert werden [
30]. Durch die intra- und intermuskuläre Koordination wird die Körperspannung erhöht [
25]. Wenn der Arbeitsalltag durch Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen geprägt ist, kann es zu muskulären Dysbalancen kommen, welche durch das regelmäßige Pilates-Training eingedämmt werden können [
26]. Durch kontrollierte und präzise Bewegungsabläufe beim Pilates-Training können neben der muskulären Dysbalance auch muskuläre Verkürzungen vermieden werden [
24]. Das regelmäßige Training kann außerdem zu einer erhöhten Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit und Aufrechterhaltung des dynamischen Gleichgewichts beitragen [
15].
Cruz-Díaz et al. untersuchten beispielsweise die Wirksamkeit des Pilates-Trainings bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Während des zwölfwöchigen Pilates-Programms wurden die Parameter Behinderung, Schmerz und Kinesiophobie beobachtet. Das Studienergebnis lieferte eine sichtbare Reduktion der Schmerzintensität, Alltagsbeeinträchtigung und der Bewegungsangst [
9]. Zusätzlich konnten funktionelle Einschränkungen reduziert werden [
9,
10]. Zu den funktionellen Einschränkungen beim „chronic low back pain syndrome“ gehören: Bewegungseinschränkungen mit Steifigkeit, Muskelverspannungen und -verhärtungen oder Beeinträchtigung der Schlafqualität. Demnach wirkt das Pilates-Training bei chronischem „low back pain“ signifikanter als keine Intervention und ist teilweise effektiver als unspezifische Bewegungsprogramme [
10]. Die Pilates-Übungen fördern – wie beschrieben – die Aktivierung der tiefen Rumpfmuskulatur und tragen somit langfristig zu einer Stabilisierung der Lendenwirbelsäule bei [
47]. Parang et al. fanden heraus, dass bei Pflegekräften nach einem achtwöchigen Pilates-Training mit einer Dauer von 30 min eine Verbesserung der Haltungskontrolle und Linderung von Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich eintritt [
33]. Darüber hinaus kann Pilates zur Förderung der Propriozeption eingesetzt werden und die neuromuskuläre Kontrolle begünstigen. Dies verbessert die Reaktionsfähigkeit auf Belastungen und unterstützt die Verletzungsprävention durch Minimierung von Fehlbelastungen [
26]. Die bewusste Atmung kann einen Entspannungseffekt auslösen, der psychosomatisch bedingte Rückenschmerzen mindert [
17]. In Bezug auf die multifaktoriellen Ursachen von Rückenschmerzen empfiehlt sich also eine Kombination aus Pilates mit ergonomischen Maßnahmen, Stressmanagement und physiotherapeutischen Interventionen für nachhaltige Gesundheitseffekte [
19,
36,
41]. Trotz der positiven Effekte der Pilates-Methode auf Muskel-Skelett-Erkrankungen gibt es akute Erkrankungsbilder oder Gesundheitszustände, welche das Training einschränken können [
29]. Zu den Kontraindikationen gehören beispielsweise eine instabile Spondylolisthesis, Frakturen oder ein Bandscheibenvorfall [
19,
29]. Wurde ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert, sollten Übungen oder Haltungen, die zu einer Symptomverschlechterung führen, sofort beendet werden. Bei der instabilen Spondylolisthesis, welche auch als Wirbelgleiten bekannt ist, verrutscht ein Wirbelkörper gegenüber dem darunter liegenden nach vorne. Dies kann zu einer Instabilität der Wirbelsäule führen [
25]. Die Fehlbelastung oder ungeeignete Bewegung dieser empfindlichen Strukturen kann zu einer verstärkten Reizung oder zunehmenden Schädigung führen [
5,
20]. Bei den zuvor genannten Kontraindikationen ist besondere Vorsicht bei Rückenlagen, unkontrollierten Vorwärtsbeugen, ruckartigen Streckungen aus der Lendenwirbelsäule sowie Rotationen geboten [
15,
20].