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Über dieses Buch

Sichere, aber auch wirksame Arzneitherapie für ältere Patienten!

Also nicht nur ungeeignete, sondern vor allem auch geeignete Arzneimittel erkennen!

Welche Besonderheiten gibt es?

Welche Nebenwirkungen/Wechselwirkungen müssen insbesondere beachtet werden – und können ggfs. als eigenständige Erkrankungen fehlinterpretiert werden?

Menschen im Alter über 65 Jahre bilden die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe.

Ältere Patienten haben häufig mehrere - oft chronische – Erkrankungen. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind überdurchschnittlich häufig u.a. wegen:

geänderter biologischer Eckdaten (u.a. Nierenfunktion vermindert, mehr Fett- weniger Muskelmasse)mangelnder AdhärenzVielfachmedikation mit kaum vorhersagbaren Wechselwirkungen

Empfehlungen zu allen relevanten Erkrankungen, inkl.

SuchterkrankungenWechselwirkungen von Medikamenten mit Lebensmitteln (z.B. Grapefruit) oder mit pflanzlichen Arzneimitteln (z.B. Johanniskrautpräparate).

NEU u.a.

Neueste Daten, Statistiken, Key EvidencesWertungssystem der Alterstauglichkeit von Arzneimitteln nach FORTA: top-aktuelle Liste nach 3. Delphi-Prozess 2018!Vollständig überarbeitet

Choosing wisely

Die Lösungsvorschläge und Antworten für die tägliche Praxis:

Medizinische Sicherheit: Welche Medikamente haben Priorität? Was kann/muss ich weglassen?Ökonomische Sicherheit: Bessere Arzneitherapie mit weniger Verschreibungen (= Einhaltung des Arzneimittelbudgets).

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Allgemeine Aspekte

Zusammenfassung
Moderne Pharmakotherapie muss im Spannungsfeld zwischen Standardisierung einerseits und Individualisierung andererseits bestehen, will sie den Ansprüchen an eine möglichst optimale Behandlung des einzelnen Patienten genügen. Standardisierung ist erforderlich, um Therapiesicherheit zu gewährleisten und dem behandelnden Arzt verlässliche Anhaltspunkte über den zu erwartenden Nutzen der Therapie zur Verfügung zu stellen. Individualisierung ist aber ebenso essenziell, denn jedes Initiieren einer Pharmakotherapie ist in gewissem Sinne auch ein Einzelexperiment mit nicht vollständig gewissem Ausgang, können doch nie alle individuellen Faktoren a priori berücksichtigt und kalkuliert werden. Die Kenntnisse über Nutzen und Risiko einer Pharmakotherapie stammen in heutiger Zeit nach den Prämissen der evidenzbasierten Medizin aus möglichst gut kontrollierten Studien. Standard ist derzeit die randomisierte placebokontrollierte Studie (RCT). Hieraus lassen sich exemplarisch Daten gewinnen, die nach bestem Wissen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben. Allerdings sind solche Daten zwangsläufig auch immer in ausgewählten Kollektiven erhoben (zumeist aufgrund methodischer Probleme nicht vermeidbar), sodass nicht in jedem Fall von einer allgemeinen Repräsentanz der gesamten Patientengruppe oder gar der gesamten Bevölkerung ausgegangen werden kann. Problematisch ist insbesondere, wenn wichtige Patientengruppen systematisch unterrepräsentiert sind. Dies trifft in sehr vielen Fällen auch für die Gruppe der älteren Menschen zu (Bugeja et al. 1997; Lee et al. 2001). Pharmakotherapie kann nicht eine reine „Kochbuchmedizin“ sein (Sackett et al. 1998), die unkritisch an individuellen Gegebenheiten und Bedürfnissen vorbei eine letztlich nicht angemessene schematische Durchdringung durchsetzt. Moderne Pharmakotherapie muss daher eine rational differenzielle Therapie sein und immer neben den erarbeiteten im Modellfall anzustrebenden Standards auch die Argumente mit bedenken und entwickeln, die im Einzelfall ein rational begründetes Abweichen erlauben.
Martin Wehling, Heinrich Burkhardt

2. Spezielle Aspekte bezogen auf Organsysteme nach geriatrisch-klinischer Bedeutung

Zusammenfassung
Die arterielle Hypertonie ist die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung überhaupt, und sie ist eine Alterskrankheit. In den westlichen Industrienationen sind die älteren Menschen (>65 Jahre) die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe; damit wächst die Bedeutung dieser Erkrankung weiter.
Martin Wehling, Heinrich Burkhardt, Stefan Schwarz, Lutz Frölich, Ulrich Wedding

3. Pharmakotherapie und geriatrische Syndrome

Zusammenfassung
Posturale Stabilität ist, bedingt durch den aufrechten Gang des Menschen, eine komplexe Aufgabe des Gesamtorganismus und daher per se anfällig für Störungen, die in Stürzen resultieren können. Stürze aus dem Stand oder dem Gehen mit geringer Geschwindigkeit sind, anders als bei jüngeren Erwachsenen oder Kindern, bei älteren Patienten häufig ein klinisch bedeutsames Ereignis. Mit zunehmendem Alter nimmt nämlich nicht nur allgemein die Inzidenz der Sturzereignisse zu, sie sind auch stärker mit erheblichen Traumata verbunden. Man schätzt, dass etwa ein Drittel der zu Hause lebenden älteren Menschen über 65 Jahre im Durchschnitt einmal pro Jahr stürzt, von den über 80-Jährigen sind es bereits ca. die Hälfte (Tinetti et al. 1988). Für ältere Menschen entsteht aus diesen Sturzereignissen ein erhebliches Risiko für Morbidität und Mortalität (Stel et al. 2004). Dies gilt besonders für in Institutionen lebende Menschen (Kron et al. 2003). Bei etwa 5 % der Sturzereignisse bei älteren Menschen kommt es zu einer Fraktur (hier besonders häufig die Radius- und die proximale Femurfraktur), deren Mortalitätsrate mit höherem Lebensalter ansteigt. Die größte klinische Bedeutung aufgrund der assoziierten Morbidität und Mortalität hat hierbei die proximale Femurfraktur. In einer Erhebung der US-Regierung (US Congress, Office of Technology Assessment 1994) zu diesem Thema wurde 1994 festgestellt, dass die 12-Monats-Mortalitätsraten der proximalen Hüftfraktur mit höherem Lebensalter deutlich ansteigen und bei den über 65-Jährigen bis zu 24 % erreichen. Darüber hinaus konnte von den zuvor zu Hause lebenden Personen über 40 % nach der proximalen Femurfraktur nicht wieder in ihr häusliches Umfeld zurückkehren und mussten in einer stationären Pflegeeinrichtung aufgenommen werden. Begünstigt wird dies durch eine zunehmende Prävalenz an Osteoporose mit höherem Lebensalter, aber auch durch den abnehmenden Schutz durch Reflexe bzw. kompensierende Reaktionen.
Heinrich Burkhardt

4. Weitere Problemfelder der Gerontopharmakotherapie und pragmatische Empfehlungen

Zusammenfassung
Adherence, zuvor häufig als Compliance beschrieben, ist definiert als Übereinstimmung zwischen dem Verhalten des Patienten und dem aufgestellten Therapieplan (Haynes 1979). Dies betrifft selbstverständlich nicht nur Pharmakotherapie, sondern auch andere gesundheitsrelevante Ratschläge, die von Funktionsträgern des Gesundheitssystems gegeben werden. Trotz der großen Bedeutung des Adherenceproblems gibt es relativ wenig schlüssige Daten und insgesamt zu wenig Anstrengungen, diesen wichtigen Aspekt der Pharmakotherapie weiter zu erhellen. Dies beruht nicht zuletzt auf methodologischen Problemen, z. B. korrekte Prävalenzdaten einer Non-Adherence zu erheben, was sogar in kontrollierten klinischen Untersuchungen auf erhebliche Schwierigkeiten stößt (Kruse 1995; Spilker 1991). Es bleibt insgesamt bei allen Zahlenangaben eine große Unsicherheit, inwiefern die tatsächliche Adherence korrekt abgebildet wird, und die große Variabilität für Non-Adherence in der bisherigen Literatur lässt sich dadurch gut erklären. Die Prävalenzraten schwanken immerhin zwischen 15 und 93 %. Zum Beispiel wird berichtet, dass sich nur ca. 50 % der Patienten mit arterieller Hypertonie an das verordnete Schema der Medikamenteneinnahme halten. Schwanken die Prävalenzzahlen auch je nach Therapieregime und Indikation, kann doch konsistent gezeigt werden, dass die Non-Adherence mit der Anzahl der gleichzeitig verordneten Medikamente ansteigt (Spagnoli et al. 1989). So gilt die Verabreichung von 5 und mehr Medikamenten insgesamt als problematisch (McElnay et al. 1998).
Heinrich Burkhardt

Backmatter

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