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Über dieses Buch

Im seit 1985 als Buch erscheinenden Arzneiverordnungs-Report werden die Rezepte für die Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit Methoden der evidenzbasierten Medizin analysiert.Seit dieser Zeit bietet der Report eine unabhängige Informationsmöglichkeit über die verschiedenen Komponenten der Arzneimittelverordnung und trägt damit zur Transparenz des Arzneimittelmarkts, zur Bewertung von Arzneimitteln und zu einer sowohl zweckmäßigen und sicheren evidenzbasierten als auch wirtschaftlichen Arzneitherapie bei.
Die etablierte Gliederung des Arzneiverordnungs-Reports in vier Teilabschnitte wurde im neuen, größeren Buchformat beibehalten. Darüber hinaus werden weitere Komponenten des Arzneimittelmarkts in vier neuen Kapiteln über Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel in Europa, das AMNOG-Erstattungsbetragsverfahren, Arzneimittelrabattverträge und einen europäischen Preisvergleich für patentgeschützte Arzneimittel dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Allgemeine Verordnungs- und Marktentwicklung

Frontmatter

1. Arzneiverordnungen 2015 im Überblick

Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind nach der vorjährigen Zunahme auch im Jahre 2015 erneut überdurchschnittlich um 4,3% auf 36,937 Mrd. € (+1,523 Mrd. €, Konto 04399V) gegenüber dem Vorjahr angestiegen und liegen jetzt bei 17,0% der Leistungsausgaben der GKV (Bundesministerium für Gesundheit 2016a).

Ulrich Schwabe, Dieter Paffrath

2. Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel in Europa

Die Zulassung neuer Humanarzneimittel wird in Europa durch die Richtlinie 2001/83/EC sowie verschiedene Verordnungen der Europäischen Gemeinschaft geregelt. Neben dem zentralisierten Verfahren, das auf der Grundlage von einem Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung in allen Mitgliedsstaaten des europäischen Wirtschaftsraumes ermöglicht, existieren nationale und zwei gemeinschaftliche Zulassungsverfahren.

Wolf-Dieter Ludwig

3. Neue Arzneimittel 2015

Im Jahr 2015 wurden 37 neue Wirkstoffe in Deutschland auf den Markt gebracht und damit etwas weniger als im Vorjahr (46 Arzneimittel). Davon wurden 14 neue Wirkstoffe als Orphan-Arzneimittel zugelassen. Bei zwei dieser Arzneimittel wurde zwischenzeitlich der Orphan-Arzneimittel-Status auf Antrag der Hersteller durch die Europäische Kommission widerrufen.

Uwe Fricke, Lutz Hein, Ulrich Schwabe

4. GKV-Arzneimittelmarkt 2015: Trends und Marktsegmente

Der GKV-Fertigarzneimittelumsatz ist im Jahr 2015 mit 35,35 Mrd. € gegenüber dem Vorjahr um 5,3% angestiegen. Hauptursache hierfür ist die Entwicklung der Strukturkomponente (+6,5%). Die Gründe hierfür sind maßgeblich bei neueren, patentgeschützten Arzneimitteln zu finden, die häufig mit besonders hohen Preisen auf den Markt gebracht werden.

Schaufler Julia, Telschow Carsten

5. Ergebnisse des AMNOG-Erstattungsbetragsverfahrens

Das mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführte Regulierungsverfahren für neue patentgeschützte Arzneimittel ist insgesamt positiv zu bewerten. Der vorliegende Beitrag beschreibt die Funktionsweise des AMNOG-Verfahrens und bietet einen faktenbasierten Überblick zu den bisherigen Ergebnissen.

Johann-Magnus von Stackelberg, Antje Haas, Anja Tebinka-Olbrich, Annette Zentner

6. Rabattverträge

Das Instrument der Arzneimittelrabattverträge hat in den vergangenen Jahren zu einer Intensivierung des Preiswettbewerbs geführt, die Marktkonzentration im Generikamarkt reduziert und die Arzneimittelkosten eindrucksvoll gesenkt. Dieser Trend hat sich 2015 mit 3,7 Mrd. € an Einnahmen durch Rabattverträge fortgesetzt.

Jana Bauckmann, Antje Laitenberger, Mandy Orlamünde, Helmut Schröder, Carsten Telschow

7. Europäischer Preisvergleich für patentgeschützte Arzneimittel

Die Preise für patentgeschützte Arzneimittel liegen in Deutschland deutlich über dem europäischen Niveau. Mit einem Warenkorb der umsatzstärksten patentgeschützten Arzneimittel in Deutschland wurden die entsprechenden Listenpreise in Deutschland mit denjenigen aus acht anderen Ländern – Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Österreich und Schweden – verglichen.

Reinhard Busse, Dimitra Panteli, Julia Schaufler, Helmut Schröder, Carsten Telschow, Jana Weiss

Indikationsgruppen

Frontmatter

8. Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems

Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) gehören zu den erfolgreichsten Arzneimitteln zur Behandlung von Hypertonie, Herz- und Nierenkrankheiten. Angiotensinrezeptorantagonisten gewinnen nach Auslaufen des Patentschutzes mehrerer Sartane weitere Marktanteile. Dagegen verliert erneut deutlich der bisher einzige Renininhibitor Aliskiren und sinkt auf 0,28% der Gesamtgruppe.

Manfred Anlauf, Franz Weber

9. Analgetika

Die ärztliche Verordnung von Schmerzmitteln hat in den letzten 20 Jahren eine bemerkenswerte Trendwende vollzogen. Nichtopioide Analgetika wurden 30% weniger verordnet, Opioidanalgetika dagegen dreimal so viel. Das hat dazu geführt, dass jetzt fast doppelt so viele Opioidanalgetika wie nichtopioide Analgetika verschrieben werden.

Rainer H. Böger, Gerhard Schmidt

10. Antiallergika

Größte Gruppe der Antiallergika sind die Hyposensibilisierungsmittel zur allergenspezifischen Immuntherapie bei allergisch bedingten Atemwegskrankheiten mit einem Verordnungsanteil von etwa 60% und Nettokosten von 333 Mio. €. Danach folgen H1-Antihistaminika, die vor allem zur Behandlung des Heuschnupfens, der allergischen Bindehautentzündung und der Urtikaria eingesetzt werden.

Anette Zawinell, Ulrich Schwabe

11. Antianämika

Der größte Teil der Verordnungen von Antianämika entfällt weiterhin auf Eisenpräparate mit einem steigenden Anteil von parenteralen Präparaten. Danach folgen Epoetinpräparate und Folsäure mit jeweils deutlich geringeren Verordnungsvolumina.

Klaus Mengel

12. Antibiotika und Chemotherapeutika

Die Antibiotikaverordnungen zeigen 2015 gegenüber dem Vorjahr von der Gesamtmenge her keine wesentlichen Veränderungen. Bei den verschiedenen Substanzklassen sind stärkere Veränderungen bei Oralpenicillin (Rückgang), Amoxicillin/Clavulansäure, Moxifloxacin und Fosfomycin (Anstiege) zu beobachten. Ein leichter Anstieg ist erneut auch bei Oralcephalosporinen zu verzeichnen. Die systemisch wirksamen oralen Antimykotika Fluconazol und Itraconazol wurden häufiger verordnet, ebenso die antivirale Substanz Aciclovir. Bei den antiretroviralen Mitteln kam es zu einer sehr klaren relativen Mehrverordnung der neuen Substanzen, insbesondere der modernen Kombinationspräparate, die als Einzeltablette zur Verfügung stehen.

Winfried V. Kern

13. Antidementiva

Größte Gruppe der Antidementiva sind die Cholinesterasehemmer gefolgt von Memantin, das aber nur etwa halb so viel verordnet wird. In beiden Gruppen überwiegen inzwischen Generika. Traditionelle Antidementiva (Piracetam, Ginkgoextrakt, Nicergolin) ohne gesicherten Nutzen haben ihren rückläufigen Trend fortgesetzt.

Ulrich Schwabe

14. Antidiabetika

Die Arzneitherapie des Diabetes mellitus hat in den letzten zehn Jahren weiter zugenommen. Insulinverordnungen waren im letzten Jahr trotz des ungebrochenen Anstiegs der Insulinanaloga auf Grund des kontinuierlichen Rückgangs der Humaninsuline erstmals rückläufig.

Marc Freichel, Klaus Mengel

15. Antiemetika und Antivertiginosa

Antiemetika und Antivertiginosa werden zur Behandlung von Erbrechen und Schwindel eingesetzt. Der weitaus größte Teil der Verordnungen entfällt auf Betahistin für Patienten mit Morbus Menière. Schwerpunkt der H1-Antihistaminika sind Prophylaxe und symptomatische Therapie von Übelkeit und Erbrechen. Während die Verordnungen von Betahistin, Scopolamin, 5-HT3-Antagonisten und Dopaminrezeptorantagonisten weiter zugenommen haben, blieben H1-Antihistaminika gleich.

Karl-Friedrich Hamann

16. Antiepileptika

Auffällig ist das weiter steigende Verordnungsvolumen der neueren Antiepileptika, die inzwischen mehr als doppelt so häufig wie traditionelle Antiepileptika (z. B. Valproinsäure, Carbamazepin, Phenytoin) verordnet werden. Die Verordnungen von Valproinsäure sind seit mehreren Jahren konstant, dagegen hat das früher führende Carbamazepin seit 2003 um 40% abgenommen. Häufig verordnete Vertreter der neueren Antiepileptika sind das mit Abstand führende Pregabalin, gefolgt von Levetiracetam, Gabapentin und Lamotrigin.

Ulrich Schwabe

17. Antihypertonika

In diesem Kapitel zu speziellen Antihypertonika werden neben den Empfehlungen zur antihypertensiven Therapie Alpharezeptorenblocker und zentral wirkende Antisympathotonika sowie Kombinationspräparate von Betarezeptorenblockern und Calciumantagonisten dargestellt.

Manfred Anlauf, Franz Weber

18. Antithrombotika und Antihämorrhagika

In der Gruppe der Antithrombotika sind die Gesamtverordnungen der Thrombozytenaggregationshemmer im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben und die der Antikoagulantien um 8% angestiegen. Die Verordnungen der Vitamin-K-Antagonisten nahmen 2015 weiter ab, während die Verordnungen der Thrombin- und Faktor Xa-Antagonisten um 30% zugenommen haben und jetzt 42% an den Verordnungen aller oralen Antikoagulantien erreichten.

Lutz Hein, Hans Wille

19. Antirheumatika und Antiphlogistika

Bei den Verordnungen der Antirheumatika und Antiphlogistika dominieren auch 2015 mit klarem Abstand die nichtsteroidalen Antiphlogistika. Unter diesen steht Ibuprofen weiterhin, inzwischen mit großem Vorsprung, an erster Stelle vor Diclofenac in der Verordnungshäufigkeit. Die Verordnungen der zwei auf dem Markt verbliebenen selektiven Cyclooxygenase-2-Hemmer haben leicht zugenommen, sie machen jedoch nur 10% der Gesamtverordnungen bei den nichtsteroidalen Antiphlogistika aus.

Rainer H. Böger, Gerhard Schmidt

20. Antitussiva und Expektorantien

Seit 1995 sind die Verordnungen der Antitussiva und der Expektorantien stark zurückgegangen. Hauptgrund des rückläufigen Trends ist die zweifelhafte Wirksamkeit dieser Substanzen. Auch der Ausschluss rezeptfreier Arzneimittel aus der Erstattung hat die Abnahme des Verordnungsvolumens seit 2004 weiter beschleunigt. Im Jahre 2015 ist – wenn auch auf niedrigem Niveau – erstaunlicherweise eine Zunahme der Verordnungen festzustellen.

Björn Lemmer

21. Betarezeptorenblocker

Betarezeptorenblocker spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung kardiovaskulärer Krankheiten. Hauptindikationen sind arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, tachykarde Herzrhythmusstörungen und chronische Herzinsuffizienz. Wichtigste Gruppe sind die β1-selektiven Betarezeptorenblocker.

Björn Lemmer

22. Bronchospasmolytika und Antiasthmatika

Betasympathomimetika bilden traditionell die größte Arzneimittelgruppe in der Asthmatherapie. Eine weitere wichtige Arzneimittelgruppe sind inhalative Glucocorticoide, die überwiegend in Kombination mit langwirkenden Betasympathomimetika verordnet werden. Bei chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) werden bevorzugt inhalative Anticholinergika eingesetzt.

Björn Lemmer

23. Calciumantagonisten

Hauptgruppen der Calciumantagonisten sind die Dihydropyridine und die relativ stärker kardiodepressiv wirkenden Substanzen Verapamil und Diltiazem. Das Gesamtverordnungsvolumen steigt weiterhin langsam an und ist unverändert mit einem Trend zu langwirkenden Dihydropyridinen und einer Abnahme der Calciumantagonisten vom Verapamiltyp verbunden. Die Verordnung von Kombinationspräparaten aus Calciumantagonisten und ACE-Hemmern oder Angiotensinrezeptorantagonisten steigt relativ stark an.

Thomas Eschenhagen

24. Corticosteroide

Corticosteroide werden überwiegend als Glucocorticoide zur Entzündungshemmung und Immunsuppression eingesetzt, während die Hormonsubstitution mit dem Nebennierenrindenhormon Cortisol und dem Mineralocorticoid Fludrocortison nur einen kleinen Teil der Verordnungen (3%) betrifft. Bei den Glucocorticoiden hat die Verordnung von Prednisolon aufgrund seiner pharmakokinetischen und preislichen Vorteile 2015 weiter zugenommen, während Prednison und Methylprednisolon erneut weniger verordnet wurden.

Ulrich Schwabe

25. Dermatika

Die Verordnungen von Dermatika halten sich seit Jahren auf stabilem Niveau. Am häufigsten werden Corticosteroide verordnet. Auf sie entfällt 2015 wie bereits im Vorjahr fast die Hälfte der verordneten Tagesdosen aller Dermatika. Deutlich seltener verordnet werden dermatologische Antimykotika (13%), Aknemittel (8%), Psoriasismittel (7%), Wundbehandlungsmittel (6%), Warzenmittel (5%) und Antiinfektiva (4%). Die übrigen Gruppen hatten 2015 zusammen einen Verordnungsanteil von etwa 8%.

Judith Günther, Uwe Fricke

26. Diuretika

Von den Diuretika werden hauptsächlich Schleifendiuretika und Thiazide verordnet. Aldosteronantagonisten folgen mit deutlichem Abstand. Schleifendiuretika sind die dominierende Gruppe der Diuretika und machten 2015 über 60% der verordneten Tagesdosen dieser Gruppe aus. Ihre Verordnungen waren gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert, während die Thiazidkombinationen ihren seit 10 Jahren zu beobachtenden Rückgang weiter fortsetzten. Der Einsatz von Spironolacton und Eplerenon nahm weiter zu, während Spironolacton-Furosemidkombinationen deutlich abnahmen.

Hartmut Oßwald, Bernd Mühlbauer

27. Gichtmittel

Die spezifische Arzneitherapie der Gicht umfasst Xanthinoxidasehemmer, Colchicin und Benzbromaron. Standardmittel für die chronische Gicht ist Allopurinol. Auf Allopurinol entfallen fast 90% der Verordnungen, die sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert haben. Einen massiven Zuwachs erreichte erneut der zweite Xanthinoxidasehemmer Febuxostat. Beim akuten Gichtanfall wird Colchicin eingesetzt. Es ist 2015 wieder etwas häufiger verordnet worden als im Vorjahr. Die Verordnungen des Urikosurikums Benzbromaron haben 2015 weiter abgenommen. Auch bei der Kombination von Allopurinol und Benzbromaron ist ein erneuter, deutlicher Verordnungsrückgang eingetreten.

Bernd Mühlbauer, Gerhard Schmidt

28. Herztherapeutika

Herzglykoside gehen in ihren Verordnungszahlen unvermindert zurück, während sich Antiarrhythmika auf niedrigem Niveau stabilisiert haben. Für beide Gruppen fehlt eine klare Evidenz für prognostisch günstige Wirkungen, dazu haben Antiarrhythmika und Herzglykoside eine niedrige therapeutische Breite mit potentiell lebensbedrohlichen Nebenwirkungen. Die Verordnung von Nitraten und anderen Mitteln zur Behandlung der stabilen Angina pectoris wie Molsidomin, Ranolazin oder Ivabradin geht mit Ausnahme von Ranolazin ebenfalls zurück, was wahrscheinlich zum Teil einer Abnahme von Patienten mit stabiler Angina pectoris geschuldet ist.

Thomas Eschenhagen

29. Hypnotika und Sedativa

Auffälligste Entwicklung bei den Schlafmitteln ist der seit über 20 Jahren zu beobachtende starke Verordnungsrückgang um fast 80%. Die Rückgänge betrugen im vergangenen Jahr bei den Benzodiazepinen 10% und bei den Benzodiazepinagonisten Zolpidem und Zopiclon 2%. Die Verordnungen von Melatonin haben wiederum um über 20% zugenommen. Pflanzliche Hypnotika sind nur noch mit einem Präparat vertreten.

Martin J. Lohse, Bruno Müller-Oerlinghausen

30. Hypophysen- und Hypothalamushormone

Hauptvertreter der Hypophysen- und Hypothalamushormone sind Wachstumshormon, Somatostatin, Gonadotropinpräparate und Vasopressinanaloga. Wachstumshormonpräparate wurden erneut etwas weniger verordnet, sind aber mit Kosten von 199 Mio. € weiterhin die umsatzstärkste Gruppe der Hypophysen- und Hypothalamushormone. Deutliche Zunahmen zeigen Somatostatinanaloga (112 Mio. €) und Follitropinpräparate (72 Mio. €). Die Verordnungskosten der Vasopressinanaloga für die Behandlung des zentralen Diabetes insipidus waren annähernd konstant (17 Mio. €).

Ulrich Schwabe

31. Immuntherapeutika

Therapeutisch wichtigste Gruppe der Immuntherapeutika sind die Immunsuppressiva, die zur Prophylaxe der Abstoßungsreaktion nach Organtransplantation und bei verschiedenen Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden. Immunglobuline sind zur Substitutionstherapie bei Immunmangelkrankheiten und zur Immunmodulation bei einigen seltenen Krankheiten zugelassen.

W. Jens Zeller

32. Lipidsenkende Mittel

Die Verordnungen der Statine haben auch 2015 weiter zugenommen. Dominierendes Präparat ist weiterhin Simvastatin. Den stärksten Zuwachs erzielte erneut Atorvastatin durch preisgünstige Generika. Andere Statine und Fibrate waren dagegen rückläufig. Ezetimibpräparate und Colestyramin wurden auf niedrigem Niveau wieder etwas mehr verordnet.

Gerald Klose, Ulrich Schwabe

33. Magen-Darm-Mittel und Lebertherapeutika

Bedeutsamste Gruppe der Magen-Darm-Mittel sind, wie in den vergangenen Jahren, mit großem Abstand vor allen anderen Präparategruppen und weiter steigenden Verordnungen die Protonenpumpeninhibitoren (PPI). H2-Rezeptorenblocker werden immer noch, aber mit weiter fallender Tendenz, eingesetzt.

Joachim Mössner

34. Migränemittel

Auch im Jahr 2015 konnten die Triptane ihre Vormachtstellung gegenüber anderen Migränemitteln weiter ausbauen. Zu den 3000 meistverordneten Mitteln zählen seit einigen Jahren nur noch Vertreter aus dieser Wirkstoffgruppe, während andere Migränemittel weiter an therapeutischer Bedeutung verlieren.

Judith Günther

35. Mittel zur Behandlung der multiplen Sklerose

Zur Behandlung der multiplen Sklerose (MS) werden krankheitsmodifizierende Immuntherapeutika und symptomatisch wirkende Substanzen eingesetzt. Auch 2015 bleiben Beta-Interferone für die Behandlung der schubförmigremittierenden multiplen Sklerose die meist verordneten Immuntherapeutika – allerdings mit rückläufigem Trend aufgrund der Einführung oraler Immuntherapeutika.

Judith Günther, Peter Berlit

36. Mund- und Rachentherapeutika

Seit dem Jahr 2004 sind verschreibungsfreie Mittel weitgehend aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Dies führte bei den überwiegend rezeptfrei erhältlichen Mund- und Rachentherapeutika zu drastischen Verordnungseinbrüchen, die sich in den vergangenen Jahren auf niedrigem Niveau stabilisierten.

Judith Günther

37. Onkologika

Das höchste Verordnungsvolumen der Onkologika haben Hormonantagonisten zur Behandlung des Mammakarzinoms und des Prostatakarzinoms, auf die fast 70% der definierten Tagesdosen (DDD) entfallen. Alle anderen onkologischen Arzneimittel haben wesentlich geringere Verordnungsmengen. Führende Gruppe der klassischen Zytostatika sind die Antimetabolite, was vor allem auf dem hohen Anteil von 5-Fluorouracil und Methotrexat beruht.

Wolf-Dieter Ludwig, Ulrich Schwabe

38. Ophthalmika

Bei den Ophthalmika dominieren seit vielen Jahren die Glaukommittel, die in den letzten Jahren zunehmend neuere Therapieprinzipien umfassen, wie selektive Alpha2-Agonisten, lokal wirkende Carboanhydrasehemmer und vor allem Prostaglandinderivate. Bei den meisten übrigen Gruppen von Ophthalmika sind die Verordnungen durch das GKVModernisierungsgesetz 2004 drastisch gesunken.

Martin J. Lohse

39. Osteoporosemittel

Hauptvertreter der Osteoporosemittel sind Bisphosphonate, die in der Onkologie auch dem Schutz vor Knochenmetastasen dienen. Seit sechs Jahren zeichnet sich ein Rückgang der Bisphosphonatverordnungen ab. Leitsubstanz der Bisphosphonate ist Alendronsäure, auf die jetzt 70% des Verordnungsvolumens dieser Stoffgruppe entfallen, während Risedronsäure und Ibandronsäure deutlich kleinere Anteile haben. Mit weitem Abstand folgen Strontiumranelat und das weiterhin aufsteigende Denosumab.

Christian Kasperk, Reinhard Ziegler

40. Parkinsonmittel

Levodopapräparate sind die führenden Vertreter der Parkinsonmittel. Ihre Verordnungen sind 2015 erneut leicht angestiegen und umfassen 41% des Verordnungsvolumens. An zweiter Stelle folgen die Dopaminrezeptoragonisten mit Konzentration auf Pramipexol. COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer werden in geringeren Umfang verordnet. Die Verordnungen von Anticholinergika und Amantadin stagnieren auf niedrigem Niveau.

Ulrich Schwabe

41. Psychopharmaka

Die Verordnungsstruktur der Psychopharmaka hat sich in den letzten 10 Jahren nochmals auffällig verändert. Im Durchschnitt haben sich die Verordnungen der Antidepressiva in der letzten Dekade fast verdoppelt mit abflachender Tendenz seit 2012.

Martin J. Lohse, Bruno Müller-Oerlinghausen

42. Rhinologika und Otologika

Rhinologika werden lokal zur symptomatischen Linderung der behinderten Nasenatmung bei Nasenschleimhautentzündungen eingesetzt. Die weitaus größte Gruppe bilden die schleimhautabschwellenden Sympathomimetika mit fast 50% der Verordnungen.

Karl-Friedrich Hamann

43. Schilddrüsentherapeutika

Krankheiten der Schilddrüse werden mit Schilddrüsenhormonen, Iodsalzen und Thyreostatika behandelt. Die größte Gruppe der Schilddrüsentherapeutika sind Schilddrüsenhormone, die bei Schilddrüsenunterfunktion und beim Iodmangelkropf eingesetzt werden.

Reinhard Ziegler, Christian Kasperk

44. Sexualhormone

Die wichtigsten Gruppen der Sexualhormone sind Östrogenpräparate und Kontrazeptiva. Danach folgen mit weitem Abstand Androgene, Antiandrogene und Gestagene. Die Verordnungen der Östrogenpräparate zur Hormontherapie in der Postmenopause sind seit 1999 um 78% zurückgegangen.

Ulrich Schwabe, Thomas Strowitzki

45. Urologika

Mit über 70% der Verordnungen bleiben Prostatamittel die überwiegende Gruppe der Urologika. Urologische Spasmolytika repräsentieren weiterhin knapp 30% des Verordnungsvolumens, während Urolithiasis- und Kathetermittel nur sehr geringe Verordnungszahlen erreichen.

Bernd Mühlbauer, Hartmut Oßwald

46. Vitamine und Mineralstoffpräparate

Nach dem 2004 erfolgten Ausschluss nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel aus der vertragsärztlichen Versorgung werden in der Gruppe der Vitamine nahezu nur noch Vitamin-D-Präparate und Vitamin B12 (Cyanocobalamin) verordnet. Vitamin-D-Verordnungen haben seit einigen Jahren wieder deutlich zugenommen und 2015 das frühere Verordnungsvolumen vor dem Verordnungsausschluss sogar übertroffen.

Klaus Mengel, Anette Zawinell

47. Zahnärztliche Arzneiverordnungen

Zahnärztliche Arzneiverordnungen haben nur einen Anteil von 1,1% am gesamten Verordnungsvolumen des Arzneimittelmarktes. Sie konzentrieren sich auf Antibiotika/Antiinfektiva, Antiphlogistika, Fluoridpräparate und Analgetika. Der Hauptanteil der Antibiotikaverordnungen entfällt auf Amoxicillin und Oralpenicilline. Obwohl der Anteil der Clindamycinverordnungen in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat, liegt er im Vergleich zu internationalen Daten in Deutschland immer noch sehr hoch.

Frank Halling

Arzt- und Patientengruppen

Frontmatter

48. Überblick über die Arzneiverordnungen nach Arztgruppen

Die Zahl der Vertragsärzte bzw. Vertragszahnärzte ist 2015 auf 205.421 gestiegen. Sie haben 2015 durchschnittlich 3.198 Arzneimittelpackungen mit 196.000 Tagesdosen zu einem Umsatz von 172.000 Euro verordnet. Der größte Teil der Verordnungen entfällt auf Hausärzte (50,6%) und hausärztlich tätige Internisten (19,0%). Bei den Arzneimittelumsätzen steht die Gruppe der Hämatologen und Onkologen mit durchschnittlich rund 1,8 Mio.

Julia Schaufler, Carsten Telschow

49. Arzneimittelverordnungen nach Alter und Geschlecht

Der Arzneimittelverbrauch zeigt deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht der Versicherten. Jedem Versicherten wurden im Jahr 2015 durchschnittlich 569 definierte Tagesdosen (DDD) verordnet. Am niedrigsten ist der durchschnittliche Verbrauch in der Gruppe der 20- bis unter 25-Jährigen mit 80 DDD und am höchsten in der Gruppe der 85- bis unter 90-Jährigen mit durchschnittlich 1675 DDD.

Julia Schaufler, Carsten Telschow

50. Arzneimittelverordnungen nach Regionen

Der regionale Arzneimittelverbrauch zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen KV-Regionen. Am höchsten ist der Verbrauch in den KV-Regionen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Auch nach einer Altersstandardisierung bleiben die regionalen Unterschiede bestehen, wobei in den Regionen mit einem hohen Anteil an älterer Bevölkerung wie in Sachsen-Anhalt die Verbrauchsrate um 13% gesunken ist.

Katja Niepraschk-von Dollen, Julia Schaufler, Anette Zawinell

Anhang

Frontmatter

51. Ergänzende statistische Übersicht

In Ergänzung zur ausführlichen Marktbetrachtung und der Marktsegmentanalyse (7 Kapitel 4) werden im Folgenden Erläuterungen zur Berechnung definierter Tagesdosen (DDD) und zur Analyse des GKV-Fertigarzneimittelmarktes 2016 gegeben. In tabellarischen Übersichten werden außerdem Umsätze im Nicht-Fertigarzneimittelmarkt, die Entwicklungen der Arzneimittelgruppen nach ATC-Klassifikation, die DDD-Analysen kleinerer Arzneimittelgruppen sowie der Anteil der Zweit anmelderpräparate dargestellt.

Julia Schaufler, Carsten Telschow, Jana Weiss

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