Die Entscheidung für einen assistierten Suizid kann für Angehörige mit erheblichen emotionalen Belastungen einhergehen. Trotz der vielfältigen psychosozialen Herausforderungen finden Angehörige in Forschung, Versorgung sowie in ethischen und gesellschaftlichen Diskursen zu diesem Thema bislang nur unzureichende Beachtung. Der vorliegende Artikel bietet einen Überblick über die Rolle der Angehörigen im Kontext des assistierten Suizids.
Bisherige Studien zeigen, dass Angehörige häufig mit moralischen Dilemmata, ambivalenten Emotionen sowie antizipatorischer Trauer konfrontiert sind. Darüber hinaus übernehmen sie oftmals organisatorische Aufgaben zur Unterstützung der sterbewilligen Person und erleben nicht selten Stigmatisierung sowie daraus resultierende soziale Isolation. Zudem deuten bisherige Studienergebnisse darauf hin, dass Angehörige ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen aufweisen können.
Gleichzeitig können bestimmte Merkmale des assistierten Suizids entlastend auf Angehörige wirken und die Verarbeitung des Verlusts positiv beeinflussen. Hierzu zählen unter anderem die Möglichkeit zur Abschiednahme, offene Kommunikation sowie die Einbindung in den Prozess des assistierten Suizids. Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit spezifischer psychosozialer Unterstützungsangebote für Angehörige sowie deren frühzeitige Einbindung in relevante Prozesse.