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Die Werke von Julius Hirschberg (1843–1925), insbesondere seine „Geschichte der Augenheilkunde“ sind bis heute lesenswert und unverzichtbar für jeden, der an der Historie des Faches Augenheilkunde interessiert ist. Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Ophthalmologie bemühte er sich insbesondere um Völkerverständigung und ist damit heute aktueller denn je.
Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Beitrag ausschließlich die männliche Form verwendet. Sie steht jeweils stellvertretend auch für die gleichwertigen anderen Formen.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Lernziele
Nach Lektüre dieses Beitrags …
haben Sie vieles über die Person Julius Hirschberg erfahren,
sind Sie über seinen beruflichen Werdegang informiert,
sind Ihnen die vielfältigen wissenschaftlichen Interessengebiete von Julius Hirschberg bekannt,
wissen Sie um seine Verdienste in der Darstellung der Geschichte der Augenheilkunde.
Einleitung
„Grade der Geschichtsschreiber weiß am besten, daß viele Arbeiten nur für ihre Zeit einigen Wert besaßen, etliche auch den nicht einmal.“
Was Julius Hirschberg (Abb. 1) hier im Vorwort zum Band anlässlich seines 70. Geburtstags [1] schrieb, gilt für seine Schriften nur bedingt oder nicht. Seine Werke – selbst wenn sie teilweise in Vergessenheit geraten sein mögen – sind und bleiben auch heute noch lesenswert. Insbesondere seine „Geschichte der Augenheilkunde“ ist sein Vermächtnis, das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit seinesgleichen sucht und unverzichtbar für jeden ist, dem die Historie unseres Faches am Herzen liegt.
Abb. 1
Julius Hirschberg im Alter von etwa 60 Jahren. (Archiv JMR)
Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf 3 Nachrufen von Schülern [2, 3, 4], einigen Abhandlungen zu Julius Hirschberg [5, 6, 7, 8], v. a. aber auf dem sehr umfangreichen Schrifttum, das Julius Hirschberg uns persönlich hinterlassen hat.
Kindheit, Jugend, Leben, Persönlichkeit
Julius Hirschberg wurde am 18.09.1843 in Potsdam als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, den Hirschberg in seinen späten Lebenserinnerungen als „großen Geist und kleinen Kaufmann“ beschrieb [7, 9]. Er hatte keinen Bruder, aber 4 Schwestern. Der Vater wurde zur prägenden Person: „Ein zweites pädagogisches Meisterstück vollführte mein Vater, als ich, im Alter von 13 ½ Jahren, nach Ober-Tertia kam. ‚Junge‘, sagte er, ‚hier hast du sechs Dreier. Die bekommst Du, wenn die Sache dir zusagt, für jeden Tag, monatlich vorausbezahlt. Du gehst hinüber in das anständige Bierhaus, wo nur unsre guten Bürger verkehren. Spricht einer von den Bekannten mit dir, so antwortest du, wie es sich gehört; wo nicht, so schweigst du. Punkt neun Uhr bist du wieder zu Hause und übersetzest mir aus dem Griechischen, zuerst den Homer, bis 10 Uhr‘.“ [9] Zeitlebens war Hirschberg einem Glas Bier oder Wein und einer guten Zigarre nicht abgeneigt. Aus Kalifornien berichtete er einmal: „Lathrop war aber der letzte Platz Südcaliforniens mit vernünftigen Bierverhältnissen“ [10], und: „Doch gelang es mir eine Flasche Bier für jeden von uns käuflich zu erwerben, indem ich als Arzt die Nothwendigkeit dieses durststillenden Mittels wenigstens mündlich bescheinigte.“ [11]
Ab 1853 besuchte Hirschberg das königliche Viktoria-Gymnasium in seiner Heimatstadt Potsdam. Er beschäftigte sich bereits hier intensiv mit Geschichte, Literatur und Sprachen. Die griechische Literatur war seine „ganze Wonne“ [9]. Der Grundstein für seine lebenslange Liebe zu Griechenland wurde also in der Schule gelegt. Später schrieb er, „dass ich als Tertianer die Mädchen gründlich verachtete, da sie kein Sterbens-Wort griechisch verstanden und auch sonst zu tieferer Unterhaltung mir wenigstens ziemlich unbrauchbar erschienen“ [9]. Zu den Frauen in den USA meinte Hirschberg 1905: „Die öfters in Europa mündlich und schriftlich geäußerte Ansicht, daß der Amerikanische Ehemann von seiner Frau in hartem Frohndienst gehalten werde, ist gewiß nicht thatsächlich begründet. Es giebt auch in den Vereinigten Staaten äußerst zärtliche Ehen.“ [11] Ein gestörtes Verhältnis zu Frauen kann man ihm aber nicht unterstellen. Im Jahr der Reichsgründung 1871 heiratete er seine Frau Berline (1849–1907), mit der er eine sehr glückliche Ehe führte. Berline begleitete ihn auf mehreren seiner Reisen. Drei ausführliche Reiseberichte sind „Seiner lieben Frau gewidmet“, die „Hellas-Fahrten“ von 1910 [12] posthum. „Kinder sind ihm, dem grossen Kinderfreunde, nicht beschieden gewesen.“ [2, 5]
Im Jahr 1862 verließ Hirschberg das Viktoria-Gymnasium als „Bester von allen“ und nahm, auch beeinflusst durch den Hausarzt der Familie, das Studium der Medizin in Berlin auf. Den Lebensunterhalt verdiente er sich als Hauslehrer und Stenograf der Berliner Medizinischen Gesellschaft [7, 9]. Im Jahr 1867 absolvierte Hirschberg das medizinische Staatsexamen, bereits 1870 habilitierte er sich. Es folgten 1879 die außerordentliche Professur, 1895 die Ernennung zum „Geheimen Medizinalrat“ und 1900 die ordentliche (Honorar‑)Professur [2, 13]. Im Jahr 1912 wurde er Ehrendoktor der Universität Athen. Zahlreiche, weitere Auszeichnungen wurden ihm in seinem Leben zuteil [1, 7]. Im Jahr 1893 war Hirschberg Mitbegründer der Berliner Ophthalmologischen Gesellschaft, deren Präsident er von 1897 bis 1903 war [1, 5, 7].
Über Hobbys von Hirschberg ist nichts bekannt. Unterhaltungsspielen war er, wie er in „Um die Erde“ [14] bekannte, nicht zugeneigt. Er schätzte Richard Wagner (1813–1883) – 1908 besuchte er die Festspiele in Bayreuth –, William Shakespeare (1564–1616), zu dem er 1920 die „Anmerkungen eines Augenarztes“ veröffentlichte, und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) [9]. Den „Faust“ konnte er eine Stunde und länger rezitieren [5]. Überhaupt war ihm Reden wohl lieber als Zuhören [5]. Hirschberg „stützte sich auf ein phänomenales Gedächtnis, das ihm alles je Gelesene und Gehörte zum bleibenden Besitz werden liess. […] Seiner überragenden Fähigkeiten war er sich voll bewusst, und sein Selbstbewusstsein konnte sich gelegentlich wie bei einem homerischen Helden in geradezu naiver Weise äussern. Dabei war er von reiner Herzensgüte, tiefer Menschenfreundlichkeit, ein Freund, auf den man in jeder Lage bauen konnte, ein Gegner, der immer gerecht und sachlich blieb und üble Nachrede verabscheute.“ [2]
Julius Hirschberg wuchs im Kaiserreich privilegiert, nichtsdestotrotz als Jude nicht ohne Ressentiments auf. Als 1900 die Nachfolge Carl Schweiggers (1830–1905) auf dem Berliner Lehrstuhl anstand, erging der Ruf an Julius von Michel (1843–1911), obwohl Hirschberg mindestens genauso qualifiziert war, aber Juden wurden seinerzeit nicht auf Lehrstühle berufen [6]. Michel war 1867 gemeinsam mit Hirschberg an der Graefe-Klinik tätig gewesen. Beide arbeiteten über 11 Jahre in der Berliner Ophthalmologischen Gesellschaft zusammen. Nach Michels Tod verfasste Hirschberg eine Laudatio [15]. Die Religion wollte Hirschberg nicht wechseln [5]. Über Antisemitismus hat er sich nie beschwert. Nur am Rande erwähnte er, dass „Antisemitismus damals (Anmerkung: in seiner Jugend) noch nicht erfunden war“ und er den „akademischen Turnverein“ verließ, „als auch dieser später in das antisemitische Fahrwasser einlenkte“ [9].
In den Jahren 1896 und 1899 bereiste Hirschberg im Auftrag des preußischen Kultusministeriums Ost- und Westpreußen, um das Trachom zu studieren und nach Möglichkeiten der Verhütung zu suchen. Über die Erfahrungen verfasste er mehrere Berichte [13]. Politisch war Hirschberg wie Albrecht von Graefe liberal und eher zurückhaltend eingestellt. Staatliche Hilfen nahm er nicht in Anspruch. „Unabhängigkeits-Sinn war das erste Zeichen von Charakter, das sich bei mir entwickelte. Auch in politischer Hinsicht habe ich freieren Anschauungen gehuldigt, von klein auf.“ [9]
Julius Hirschberg verfügte über eine unglaubliche sprachliche Begabung. Er beherrschte Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Lateinisch, (Alt‑)Griechisch, Arabisch und etwas Hebräisch sowie, wie er beiläufig bemerkte, Russisch [3, 8, 16]. Die ägyptischen Hieroglyphen konnte er verstehen [8]. Dieses versetzte ihn in die Lage, originale Quellen zu verstehen und zu übersetzen. Exemplarisch genannt seien Monographien über Ibn Sina, Ali Ibn Isa, Aetius und Aristophanes [18, 19, 20, 21]. Im Vorwort zum „Aristophanes“ schrieb er: „In meinen kärglichen Mussestunden, zur Erholung von schwerer Berufsarbeit, habe ich die griechischen Dramatiker gelesen und insbesondere Aristophanes, den Liebling der Grazien.“ [21]
„Der Meister der Rede war auch ein unvergleichlicher Plauderer. […] Für Humor hatte er wenig Verständnis, und ein Scherz musste schon von Aristophanes oder von Shakespeare sein, um Gnade vor seinem Ohr zu finden.“ [4] „He hardly ever laughed, except when he made a sarcastic remark about one of his colleagues.“ [5]
Virchow – Graefe – Hirschberg
Ab 1864 war Hirschberg während des Studiums als Famulus bei Rudolf Virchow (1821–1902) tätig, bei dem er 1866 mit einer Arbeit über die Placenta praevia promovierte [5, 9]. Im Jahr 1866 herrschte in Berlin eine Choleraepidemie. Als verantwortlicher Arzt zur Bekämpfung der Seuche und Stadtverordneter teilte Rudolf Virchow Hirschberg einem Choleralazarett zu, das von Albrecht von Graefe (Abb. 2) geleitet wurde. Hirschberg schrieb später dazu:
„Von dieser Festigkeit (Anmerkung: Albrecht von Graefes) sollte ich selber sofort mich überzeugen. In genauer Ausführung seiner Befehle (Anmerkung: im Rahmen des von Graefe geleiteten Choleralazaretts, an dem Hirschberg tätig war) geriet ich in einen Zusammenstoss mit dem Polizei-Arzt: binnen einer halben Stunde erhielt ich meine Kündigung. Aber A. v. Graefe erklärte sich für solidarisch mit dem jungen Assistenten, der noch nicht einmal das Staats-Examen gemacht, kündigte seinerseits mit der vorgeschriebenen dreitägigen Frist, – übrigens war die Epidemie im Erlöschen –, übergab das Lazaret seinem Nachfolger und gewährte mir eine Anstellung zum Herbst in seiner Augenklinik. So hatte ich also Gelegenheit, diesen einzigen, verehrten, ja fast angebeteten Mann in seinem eigensten Arbeitsfeld täglich zu schauen, zu sprechen, zu bewundern.“ [22, 23]
Julius Hirschberg hatte zeitlebens eine besonders innige, ja schon fast vergötternde Beziehung zu Albrecht von Graefe [4, 23, 24]. Er verteidigte Graefes Werk nach dessen Tod stets vehement und verfasste zahlreiche Schriften über Graefe [22, 25, 26], die letzte „Vorlesungen Albrecht von Graefes 1859–1860“ noch in seinem Todesjahr 1925 [24]. Den letzten Band seiner „Geschichte der Augenheilkunde“ von 1918 widmete Hirschberg seinem unvergessenen Lehrer, 48 Jahre nach dessen Tod. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Graefe vermutlich nicht die bis heute anhaltende Popularität erlangt hätte, hätte es seinen „unermüdlichen Biographen“ Hirschberg nicht gegeben [23, 27]. Julius Jacobson (1828–1889) war Graefes Lieblingsschüler, Julius Hirschberg sein brillantester [23]. Im Jahr 1869 gab Hirschberg eine Monographie über das Retinoblastom (seinerzeit „Markschwamm“) heraus, die während der Zeit an der Graefe-Klinik 1866–1868 entstanden war [28]. Er widmete das Werk den beiden Lehrern, die seinen Lebensweg entscheidend prägten: Rudolf Virchow und Albrecht von Graefe.
Privatklinik und klinische Tätigkeit
Bereits 1870 erstattete Hirschberg über seine 1869 in einem Wohnhaus eröffnete Augenklinik und die ersten 120 stationären Patienten Bericht [29]. Weitere Publikationen folgten [30, 31]. Im Jahr 1895 resümierte er über seine Klinik, die nur etwa 500 m von der Graefe’schen Privatklinik entfernt lag. Er begann wie folgt [32]:
„25 Jahre ärztlicher Thätigkeit bedeuten schon etwas: meinem unvergesslichen Lehrer A. v. Graefe waren sie überhaupt nicht beschieden. […] Nachdem ich von 1866 bis 1868 als Assistent von Graefe’s mich vorbereitet, habe ich am 18. Februar 1869 eine öffentliche Sprechstunde für Augenkranke und am 2. October 1869 eine Privat-Augenheilanstalt eingerichtet. Seit 1873 befinden sich beide in meinem Hause Karlstrasse 36, ebenso mein Hörsaal und meine Privatwohnung. Der Umstand, dass der Wundarzt, welcher die Operationen verrichtet, mit seinen Kranken unter einem Dache wohnt, ist für die letzteren nicht blos sehr beruhigend, sondern auch sehr nützlich gewesen.“
Julius Hirschberg betrieb in seiner Klinik mit 40 Betten die gesamte damalige Augenheilkunde. Bis 1894 verzeichnete er fast 150.000 (bis 1907 ca. 257.000) ambulante und fast 9000 stationäre Patienten. Schwerpunkte der operativen Augenheilkunde stellten Kataraktextraktionen, Iridektomien (bei Glaukom), Lidoperationen und Schieloperationen mit Vor- und Rücklagerung von Augenmuskeln dar, wobei die Operationen zum großen Teil in Chloroform-Narkose oder in Kokain-Lokalanästhesie durchgeführt wurden. Die „Verlustziffer nach Kernstar-Ausziehung“ betrug nach Angabe Hirschbergs „in grösseren Reihen“ unter 1 % [32]. Zur Iridektomie meinte Hirschberg: „Auch mir ist es so ergangen, wie meinem hochverehrten Lehrer (Graefe): ich habe, nach zu kurzer Beobachtungsdauer, die Heilwirkung der Iridectomie überschätzt.“ [32]
Darüber hinaus wurden immer wieder Magnetoperationen – Hirschberg gab 150 in 15 Jahren an – durchgeführt, hatte in Berlin doch die Industrialisierung mit entsprechend vielen Fremdkörpereinsprengungen eingesetzt (Abb. 3; [33, 34]). Seine Schlussfolgerung ist auch heute noch richtig: „Das wichtigste bleibt allerdings die Verhütung: könnten die Arbeiter dazu gebracht werden, beim Meisseln und Hämmern von Eisen, auch wenn sie nur dabei stehen, ordentliche Schutzbrillen zu tragen, so würde alljährlich eine große Zahl von Augen gerettet, eine bedeutende Einbusse von Arbeitsfähigkeit vermieden werden.“ [32]
Abb. 3
Julius Hirschberg, an einer Patientin stehend und deren Lider öffnend, mit Assistenten bei einer Magnetextraktion. Der Assistent in der Mitte hält den von Julius Hirschberg entwickelten und ab 1879 eingesetzten (kleineren) Handmagneten. Auf dem Tisch steht ein größerer Magnet. (Aus [34])
Zu den Schieloperationen meinte Hirschberg: „Die Schiel-Operation gehört unsrem Jahrhundert an und unsrer Stadt Berlin. Dieffenbach (Anmerkung: Johann Friedrich Dieffenbach, 1792–1847) hat sie 1839 zuerst ausgeführt und binnen 3 Jahren, neben seinen sonstigen zahlreichen Operationen nicht weniger als 1200 Schielaugen gerade gerichtet. Aber auf die grosse Begeisterung folgte rasch die Ernüchterung, da die meisten Augen später wieder nach der entgegengesetzten Seite zu Schielen anfingen und unbeweglich wurden. Böhm (Anmerkung: Ludwig Böhm, 1811–1869) führte dann statt der Durchschneidung des Muskels die Ablösung der Sehne ein, v. Graefe lehrte die richtige Dosierung, Critchett (Anmerkung: George Critchett, 1817–1882) die Vornähung. […] Eine Schiel-Operation zu machen ist sehr leicht: sie richtig zu machen, dass der Erfolg gut und dauernd sei, ausserordentlich schwierig.“ [32]
Den Schielwinkel bestimmte Hirschberg durch die Exzentrizität des Hornhautreflexes am schielenden Auge ([32, 35]; Abb. 4). Das Verfahren ist heute als „Hirschberg-Test“ gängiges Verfahren in der Strabologie.
Abb. 4
Schätzung des Schielwinkels anhand der Hornhautreflexe, später als „Hirschberg-Test“ bekannt geworden. Die Dosierung einer Schieloperation erfolgte durch Hirschberg je nach der Exzentrizität des Spiegelbildes auf dem schielenden Auge. (Aus [32, 35])
Seinen Bericht über „25 Jahre Augenheilanstalt“ schloss Hirschberg mit:
„Somit ist klar, dass jedem Arzt, der ernst mit der Augenheilkunde sich beschäftigt, ein weites und dankbares Feld menschenfreundlicher Thätigkeit offen steht.“ [32]
Der Operationssaal (Abb. 5) lag nach Norden ausgerichtet und war von den ambulanten Untersuchungszimmern getrennt. Hirschberg schrieb: „Jede Augenheilanstalt braucht ein eignes Operationszimmer. Ich war einer der ersten, der ein solches nach den neuen Grundsätzen errichtet hat“ [32]. Mit den „neuen Grundsätzen“ war die Berücksichtigung der Antisepsis nach Joseph Lister (1827–1912) mit möglichst weitgehender Keimreduktion im Operationssaal, bei Patient, Operateur und Hilfspersonal sowie bei Geräten und Verbandmaterial gemeint.
Abb. 5
Operationssaal in der (ersten) Hirschbergschen Augenklinik. (Aus [32])
„Bei der Vielseitigkeit seiner Interessen wusste er mit jedem seiner Patienten eine seelische Verbindung anzuknüpfen. Jeder hatte die Empfindung, dass er sich nicht nur für sein Leiden, sondern auch für seine Person wärmstens interessierte.“ [4] „Der Arztberuf war ihm eine heilige Mission, die Kranken ihm anvertrautes kostbares Gut, für die er jederzeit unermüdlich, selbstlos und opferfreudig seine ganze Kraft und sein großes Können eingesetzt hat. Seine Sorgfalt kannte keinen Unterschied zwischen Reich und Arm. Der Erfolg und der Dank der Kranken war ihm der schönste Lohn. Diese hohe Auffassung von unserem Beruf hat er seinen Assistenten eingeimpft fürs Leben. Die Freude an der Arbeit, das grosse Verantwortungsgefühl, der Respekt vor dem ihm anvertrauten Organ, die Gründlichkeit der Untersuchung, die Gewissenhaftigkeit bei der Indikationsstellung der Operation, die peinlichste Sorgfalt bei ihrer Vorbereitung und Ausführung, die Erwägung aller Möglichkeiten, die allein vor Überraschungen schützt, das sind Eigenschaften, die die Hirschbergschen Schüler täglich an ihrem Lehrer beobachten und bewundern konnten.“ [2]
Hirschberg fertigte von seinen Patienten genaue Aufzeichnungen, zum großen Teil mit Skizzen, an [1, 8]. Unzweifelhaft genoss die Augenklinik Julius Hirschbergs national und international hohes Ansehen und hatte dementsprechend, ganz der Graefe-Klinik ähnlich, Patienten und Hospitanten aus dem In- und Ausland, darunter zahlreiche Gastärzte aus Japan und v. a. den USA [8, 11, 36]. Einer der Assistenten aus den USA war Harry Friedenwald (1864–1950) [3, 8]. Wilhelm Mühsam (1874–1939) sagte dazu: „Er, der selbst vier Erdteile bereist […] hatte, sah in seiner Sprechstunde Bewohner aller Erdengegenden. Von allen Erdteilen kamen aber auch Fachgenossen, um ihn operieren zu sehen und seine Untersuchungsmethoden kennen zu lernen.“ [4]
Hirschberg galt als strenger und fordernder, aber als fachlich ausgezeichneter Lehrer. Sein Lehrer Graefe hätte gegen Frauen in der Augenheilkunde vermutlich nichts einzuwenden gehabt, aber es gab sie zu seiner Zeit noch nicht [37]. Die aufkommenden Frauen in der Medizin hatten es bei Hirschberg schwer, denn er betrachtete sie als „Eindringlinge“ und „Abenteurerinnen“ [8].
Die für Hirschberg wichtigsten Schüler waren Oscar Fehr (1871–1959) und Wilhelm Mühsam, die ebenfalls jüdischer Herkunft waren. Zusammen gaben sie den Band mit ausgewählten Schriften Hirschbergs zu dessen 70. Geburtstag 1913 heraus [1]. Oscar Fehr trat 1897 in die Hirschbergsche Klinik ein. Er gilt als Erstbeschreiber der makulären Hornhautdystrophie, die er „familiär fleckige Hornhauttrübung“ nannte (1904). Ab 1906 leitete Fehr die Augenklinik am Rudolf Virchow-Klinikum, der er zu internationalem Ansehen verhalf. Am 01.01.1934 wurde dem verdienstvollen Ophthalmologen, der seit 1919 Titularprofessor war, vom Berliner Bürgermeister der Zutritt zu seiner Klinik untersagt. Fortan arbeitete Fehr in jüdischen Einrichtungen. Er emigrierte 1939 nach Großbritannien, wo er in höherem Alter erneut studieren und das medizinische Examen ablegen musste. Von 1943 bis 1954 war Fehr, der ab 1947 britischer Staatsbürger war, in London in eigener Praxis tätig [38].
Nachdem sich Julius Hirschberg 1907 aus seiner Augenklinik in seine neue Wohnung am Berliner Schiffbauerdamm 26 zurückgezogen hatte, um sich ganz der Fertigstellung seiner „Geschichte der Augenheilkunde“ zu widmen, übernahm Wilhelm Mühsam die Leitung der 1908 an gleicher Stelle neu errichteten Klinik. Diese wurde 1936 aufgrund der Rassengesetzgebung zwangsweise geschlossen. Heute erinnert am Haus der ehemaligen Augenklinik in der Berliner Reinhardtstraße 34 eine Plakette an Julius Hirschberg, Wilhelm Mühsam und die zwangsweise Schließung der Augenheilanstalt (Abb. 6). Am ersten Stockwerk ist ein Relief Albrecht von Graefes angebracht.
Abb. 6
Gedenkplakette am Haus der ehemaligen Hirschberg-Klinik in der Reinhardtstraße (früher Karlstraße), Berlin-Mitte
Julius Hirschberg war neben der Ophthalmologie in vielen Disziplinen zu Hause: Medizin, Physik, Astronomie, Mineralogie, Literatur, Philosophie, Archäologie, Geografie, Geologie, Kunst, Politik, Wirtschaft, Religion, Kultur und Geschichte [7]. Hirschberg hatte „brennendes Interesse nicht für eine Wissenschaft, sondern für die Wissenschaft“ [27]. Seine ophthalmologischen Publikationen umfassten, sicher beeinflusst von seinem Lehrer Virchow, oft Arbeiten zur Ophthalmopathologie, zu Augenveränderungen bei Allgemeinerkrankungen und zu Fragen der Ophthalmochirurgie [1, 2, 3, 4, 13]. Im Jahr 1888 beschrieb er als Erster die tiefen Hornhautgefäße bei der syphilitischen Keratitis parenchymatosa [27, 39]. Im Rahmen der vergleichenden Ophthalmoskopie spiegelte er den Augenhintergrund u. a. von Katze, Taube, Alligator, Python und Frosch [40]. Noch nachdem er in eigener Praxis tätig war, besuchte er an der Universität Vorlesungen über höhere Mathematik und, bei Hermann von Helmholtz, über Optik. So konnte er unter anderem Überlegungen zur Medizinstatistik formulieren [41, 42] und den Strahlengang beim Fisch- und beim Amphibienauge berechnen [43]. Den Sprachen blieb er treu. So gab er ein Wörterbuch [44] heraus und machte sich Gedanken „Ueber die Sprache der Ärzte“ [45], bei denen er den Gebrauch der Muttersprache forderte und griechisch-lateinische Wortschöpfungen kritisierte: „Man hat sich daran gewöhnt, alle Kunstausdrücke, die aus alter Zeit stammen, in der griechisch-römischen Form beizubehalten, wie kostbare Schätze, an denen zu rühren ein Frevel wäre. Und doch ist davon fast alles entbehrlich, vieles geradezu falsch und sinnlos. Die alten Irrthümer werden sorgfältig von einem Lehrbuch in’s andere übertragen.“ [45] Die ganze Breite seines Schaffens spiegelt nicht zuletzt der Gedenkband von 1913 zum 70. Geburtstag wider [1]. Auch zum 25-jährigen Jubiläum der Professur 1905 [46] sowie zum 80. Geburtstag 1923 erschienen Bände mit ihm gewidmeten Arbeiten. Mit „Die Einführung in die Augenheilkunde“ gab Hirschberg zudem ein Lehrbuch heraus [47]. Er begann den ersten Teil 1892 mit folgenden Worten: „Augenheilkunde ist weder eine Gewebelehre des Auges noch eine mathematische Formelsammlung, noch eine Pilzkunde; sondern die wissenschaftliche Darstellung der Kunst, kranke Augen zu heilen und gesunde so zu erhalten. Drei Dinge muss derjenige kennen lernen, welcher Augenkrankheiten zu heilen unternimmt: die Augenheilmittel, das Auge, die Augenkrankheiten“. Auch in diesem Lehrbuch fällt Hirschbergs mathematische und physikalische Begabung auf.
Von 1878 bis 1881 zeichnete Hirschberg mit seinem Freund Hermann Knapp (1832–1911) für das „Archiv für Augenheilkunde“ (Knapp-Schweigger-Hess) verantwortlich (Abb. 7). Eine bedeutsame Gründung war das „Centralblatt für praktische Augenheilkunde“, das er ab 1877 bis 1919 bei Veit & Comp. (Compagnie) herausgab. Wesentliche Intention des „Centralblatts“ war, „dem praktischen Arzt wie dem Ophthalmologen soll darin ein klares Bild des heutigen Zustandes der Augenheilkunde gezeichnet und jede Bereicherung des ophthalmiatrischen Wissens und Könnens sofort in kurzer, aber doch vollständiger und dabei einfacher Darstellung zugänglich gemacht werden“ (Abb. 8).
Abb. 7
Kopf eines Briefes von 1878 mit Adresse der Hirschberg-Klinik. Der Brief belegt, dass Hirschberg neben Hermann Knapp an der Herausgabe des Archivs für Augenheilkunde (Knapp-Schweigger-Hess) beteiligt war. Knapp war 1869 nach New York ausgewandert. Er begründete dort die „Archives of Ophthalmology“. Hirschberg besuchte seinen Freund Knapp auf seinen USA-Reisen. (Archiv JMR)
Zu Veit & Comp. haben augenscheinlich sehr gute Beziehungen bestanden, publizierte Hirschberg doch in diesem Verlag zahlreiche seiner Monographien. Das „Centralblatt“ bot Hirschberg die Möglichkeit einer bewundernswerten Publikationstätigkeit, die am Ende mehr als 10.000 Seiten als Alleinautor umfasste. Auch Arbeiten, die ursprünglich in anderen Zeitschriften erschienen waren, wurden im „Centralblatt“ wiedergegeben [43]. Alexander Jokl, der Oscar Fehr in den 50ern in London zu Hirschberg interviewte, schrieb: „Like every good doctor, Hirschberg remained a student all his life.“ [5]
Geschichte der Augenheilkunde
Das Schlusswort zum „fünfundzwanzigjährigen Bericht über die Augenheilanstalt“ begann Julius Hirschberg mit folgenden Worten:
„In 25jähriger Uebung und Lehre eines Sonderfaches hat man reichlich Gelegenheit, über die Entwicklung desselben und über seine Beziehung zur gesammten Heilkunde nachzudenken.
Die Gegenwart ruht auf den Schultern der Vergangenheit, alles Gewordene ist nur durch die Entwicklungsgeschichte zu verstehen. Die Augenheilkunde gilt für die älteste Spezialität und für eine der edelsten.“ [32]
Hirschberg folgte hier ganz seinem Lehrer Rudolf Virchow, der meinte:
„Für mich beginnt die Medicin nicht von heute, und ich halte es für unmöglich, darin ganz zu Hause zu sein, wenn man sie nicht genetisch auffasst.“ [48]
Unter den Vorbemerkungen zum ersten Teil der „Geschichte“ finden sich u. a. die folgenden Sätze:
„Ueber Geschichte der Heilkunde kann man verschieden denken. Man kann sie verachten; das, was man von seinem Meister gelernt, nachahmen, auch verbessern; allenfalls das in den zünftigen Wochen- und Monatsblättern unsrer Tage und in den neuesten Schulbüchern Gepriesene aufnehmen; – oder aber jeden Gegenstand der Heilkunde wissenschaftlich vom ersten Beginn an durch alle Wechsel der Ansichten hindurch bis zu dem heutigen Standpunkte verfolgen und betrachten.
Scheinbar ist das letztere Verfahren in den Abhandlungen und Lehrbüchern unsrer Tage das vorherrschende; aber öfters nur scheinbar, da Quellenstudium wegen der Schwierigkeit und Ausdehnung vielfach ersetzt wird durch Ausschreiben von Citaten, die umso unrichtiger werden, je öfter sie schon ausgeschrieben worden sind. Wirkliche Geschichte reicht nur so weit, wie urkundliche Belege uns zur Verfügung stehen.“ [49]
Durch seine umfassenden Sprachkenntnisse und seine universelle Bildung war Julius Hirschberg wie kein anderer berufen, die „Geschichte der Augenheilkunde“ zu verfassen [4]. Diese erschien in 9 Bänden mit 25 Abteilungen, 1312 Kapiteln (Paragraphen) auf insgesamt mehr als 4700 Buchseiten als Teil der 2. Auflage des „Handbuchs der gesamten Augenheilkunde“ von Alfred Graefe (1830–1899), dem Vetter Albrecht von Graefes, sowie Theodor Saemisch (1833–1909). In der ersten Auflage des „Graefe-Saemisch“ von 1874 bis 1877 hatte August Hirsch (1817–1894) die Geschichte der Augenheilkunde 1877 mit erheblich geringerem Umfang bearbeitet. Der erste Band der „Geschichte“ erschien 1899 bei Wilhelm Engelmann in Leipzig, der letzte 1918 bei Julius Springer in Berlin. Dank Julius Hirschberg ist bis heute kein anderes medizinisches Fach besser über die eigene Geschichte informiert als die Augenheilkunde [6, 50].
Die „Geschichte der Augenheilkunde“ umspannt einen Zeitraum von etwa 3000 Jahren. Sie beginnt mit der „Geschichte der Augenheilkunde im Alterthum“ und mit der „Augenheilkunde der alten Aegypter“ [49]. Hirschberg geht hier ausführlich auf das Papyrus Ebers ein, eine um 1550 vor Christus entstandene Aufzeichnung auf pflanzlichem Material mit der Beschreibung von Krankheiten und Heilmitteln unter anderem auch der Augen. Der Papyrus Ebers gehört zu den ältesten Beschreibungen von Krankheiten und Heilmitteln und stellt die größte Aufzeichnung über die altägyptische Medizin überhaupt dar. Georg Ebers (1837–1898) hatte diesen Papyrus anlässlich einer Reise nach Ägypten 1872 erworben und nach Leipzig verbracht. Hirschberg und Ebers standen bezüglich der auf dem Papyrus beschriebenen Augenkrankheiten in direktem Kontakt. „Ich habe ihm meine Ansichten vorgelegt und vielfach seine Billigung (auch die von H. Brugsch und andren Aegyptologen) gefunden“, schrieb Hirschberg 1899. Im Jahr 1890 hatte er die Monographie „Aegypten. Geschichtliche Studien eines Augenarztes“ veröffentlicht und sich darin ausführlich mit dem Papyrus Ebers auseinandergesetzt [51]. Der knapp 19 m lange Papyrus Ebers wurde originalgetreu reproduziert. Er kann heute in der Leipziger Universitätsbibliothek „Albertina“ besichtigt und bewundert werden.
Auf die „alten Ägypter“ folgt die Augenheilkunde der Inder, sehr ausführlich die der „alten Griechen“ und dann die der Araber, des Mittelalters und der Neuzeit. Im Wesentlichen von 1800 bis 1875 beleuchtet Hirschberg die Augenheilkunde verschiedener Länder, wie z. B. England, Frankreich, Italien, Schweiz, Russland und USA. Die „Geschichte“ endet mit der „Reform der Augenheilkunde“ und den großen Reformern Hermann von Helmholtz (1821–1894), Frans Cornelis Donders (1818–1889) und Albrecht von Graefe sowie den Graefe-Schülern.
Julius Hirschberg hat wie kein anderer ein enormes Quellenstudium in verschiedenen Sprachen betrieben. Die „Geschichte“ vollzieht Entwicklungen in unserem Fach nach, widmet sich Krankheiten, Operationsverfahren, Erstbeschreibungen und hunderten, heute zum großen Teil nicht mehr bekannten Personen, oft mit ihrem Lebensweg und ihrem Schriftenverzeichnis. Einen kurzen, auch sein Schriftenverzeichnis bis 1916 enthaltenden Paragraphen schrieb Hirschberg über sich selbst [13]. Wer nach irgendetwas Vergangenem in der Augenheilkunde sucht, tut gut daran, zuerst bei Julius Hirschberg nachzuschlagen. Da die Gliederung der „Geschichte“ unübersichtlich ist, ist der Registerband bei jeder Suche nahezu unerlässlich.
Den letzten Teil der „Geschichte“ schloss Hirschberg 1916 ab. Im „Vorwort zum letzten Band meiner Geschichte“ schrieb Hirschberg:
„Nahezu 20 Jahre habe ich daran gearbeitet, eine Geschichte der Augenheilkunde von den ältesten Zeiten bis auf unsre Tage fertig zu stellen, und in den letzten 10 Jahre sogar, mit Aufopferung mancher Lieblingspläne, fast meine ganze Zeit diesem Unternehmen gewidmet.
Bei dem Fortschritt der Arbeit hat bei mir mehr und mehr die Überzeugung sich befestigt, daß es im Interesse unsrer Fach-Wissenschaft liege, eine möglichst richtige, genaue, quellenmäßige Gesamtgeschichte der Augenheilkunde zu besitzen.
Wie man den fertigen Organismus nur dann versteht, wenn man seine Entwicklungs-Geschichte erkannt hat; so vermag auch der Arzt ein großes Gebiet der Heilkunde nur dann richtig aufzufassen, wenn er die Einsicht hat, wie es aufgebaut worden. Unser Goethe möchte sogar ‚behaupten, daß die Geschichte der Wissenschaft die Wissenschaft selbst sei: man kann dasjenige, was man besitzt, nicht rein erkennen, bis man das, was andre vor uns besessen, zu erkennen weiß; man wird sich an den Vorzügen seiner Zeit nicht wahrhaft und redlich freuen, wenn man die Vorzüge der Vergangenheit nicht zu würdigen versteht‘ (Anmerkung: Hirschberg zitiert hier Johann Wolfgang von Goethes Vorwort zur „Farbenlehre“). […]
Drei Ziele habe ich bei meiner Arbeit verfolgt, die gleichfalls von Goethe, nicht von meinen Vorgängern auf dem Gebiet der Fach-Geschichte, mir vorgewiesen worden sind: erstlich mein Werk zu einem Archiv auszugestalten, in welchem alles niedergelegt wäre, was die vorzüglichsten Männer, die mit Augenheilkunde und ihren Hilfs-Wissenschaften sich befaßt, darüber ausgesprochen; zweitens den Verfasser bei wichtigen Dingen selber sprechen zu lassen; drittens, soweit es möglich, den Vf. (Anmerkung: Verfasser) als Menschen zu betrachten. […]
Daß meine Darstellung, abgesehen von Einzelheiten, die zur Abrundung nothwendig erschienen, nicht wesentlich über das Jahr 1875 hinausreicht, wird jeder begreifen und billigen. Die Geschichte der letzten 25 Jahre des so thätigen und fruchtbaren 19. Jahrhunderts hat mein Nachfolger zu schreiben.
Zum Schluß noch ein Wort. Die großen Reformer Graefe, Donders, Helmholtz sind dahingegangen. Unter den Lebenden vermögen wir ihresgleichen nicht zu entdecken. Aber darum wollen wir unsre Zeitgenossen nicht als Epigonen betrachten. Von der Wissenschaft gilt dasselbe, wie von der Dichtkunst: Jede Zeit hat ihre Männer.“
Berlin, im Mai 1916. Julius Hirschberg.
„Nie hat sich Hirschberg mit Ueberlieferungen begnügt, immer ist er den Quellen nachgegangen und hat dabei manche eingebürgerte Irrtümer aufgeklärt und bedeutsame Tatsachen offenbart. Nicht nur für die Fachgenossen, sondern für die gesamte medizinische Welt ist dieses Werk, das mehr ist als eine Geschichte, das gewissermaßen einen Beitrag zur Kulturgeschichte der Völker darstellt, ein kostbares Geschenk. Auch wenn Hirschberg nichts anderes geschrieben hätte als seine Geschichte, so würde er doch immer unter den Grossen unserer Fachwissenschaft genannt werden.“ [2]
Julius Hirschbergs kolossale „Geschichte der Augenheilkunde“ wurde von Frederick Blodi (1917–1996) ins Englische übersetzt und ist heute für jeden ophthalmohistorisch Interessierten noch immer ein unerschöpflicher Quell von Information und Erkenntnis. Vor allem dieses Werk hat Julius Hirschberg unsterblich gemacht. Auch der Hirschberg-Test in der Strabologie erinnert an ihn (Abb. 4). Er lebt darüber hinaus in der 1986 gegründeten, internationalen Gesellschaft für die Geschichte der Augenheilkunde weiter, die seinen Namen trägt. Eine nach Julius Hirschberg benannte Straße oder Schule gibt es, soweit bekannt, nicht. Verdient hätte Hirschberg es.
Reisen und Internationalität
Schon als Schüler unternahm Hirschberg, für die damalige Zeit ungewöhnlich, ohne seine Eltern Reisen in den Harz, nach Sachsen, Schlesien und Böhmen. Vor Aufnahme der klinischen Tätigkeit reiste er zu Studienzwecken, ganz wie sein Vorbild Albrecht von Graefe, nach Wien, Prag, Paris und London [4]. Das 19. Jahrhundert war von einem erheblichen Fortschritt bei Verkehr und Kommunikation geprägt. Reisen war für Hirschberg „die einzige wirkliche Quelle für die Beschreibung der eigenen Anschauung“ [10]. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er 1923: „Heute, wo ich dies niederschreibe und auf 73 teils größere, teils kleinere Reisen zurückblicke, kann ich wohl behaupten, daß nächst der Schule und der Universität sowie dem eignen Studium nichts anderes soviel zu meiner Ausbildung beigetragen hat, als gerade das Reisen.“ [9] Dieses führte ihn neben Europa in 3 Kontinente: Afrika, Asien und Nordamerika. Sogar Spitzbergen hat er 1895 besucht und „schon die Anschauung der in’s Meer abfallenden Gletscher gewonnen“ [11]. Auf den Reisen, die er mit Schiff und Eisenbahn absolvierte, besuchte er Kollegen, Krankenhäuser und Sehenswürdigkeiten. Neben einigen kürzeren Reisebeschreibungen fertigte Hirschberg 5 große Reisemonografien an, wobei ihm seine stenografischen Kenntnisse sehr zugutekamen: Eine Woche in Tunis, 1885 [52], Von New York nach San Francisco, 1888 [10], Aegypten. Geschichtliche Studien eines Augenarztes, 1890 [51], Um die Erde, 1894 [14], Hellas-Fahrten, 1910 ([12]; Abb. 9).
Abb. 9
Titelblatt der „Hellas-Fahrten“ [12] mit persönlicher Widmung Hirschbergs an seine Schwester Johanna, 1910. (Archiv JMR)
Die „Hellas-Fahrten“ beschreiben 3 Griechenland-Reisen Hirschbergs 1886, 1890 und 1909. Bei den ersten beiden Reisen war seine Frau dabei. Hirschberg hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Freunde besucht sowie die Natur erkundet. Das Buch ist nicht weniger als eine Liebeserklärung an Griechenland [7, 12]. Zu den alten Ärzten dort schrieb er 1922: „Noch heute, nach 2300 Jahren, sind die hippokratischen Schriften uns lebendig geblieben; die Stimme jener alten Ärzte klingt noch vernehmlich an unser Ohr. […] Wenn wir auch die praktische Heilkunde von ihnen nicht erlernen wollen, nicht erlernen können; so möchte ich doch als klinischer Lehrer darauf hinweisen, daß ihre getreue, naive Beobachtung des erkrankten Menschen noch heute mustergültig ist für den angehenden Arzt, und ein Gegengewicht bildet gegen die übergroße Macht des Laboratoriums, und daß die schöne Form ihrer Schriften mehr als einen bloßen Schmuck bedeutet.“ [53]
Von August 1892 bis Januar 1893 reiste Julius Hirschberg um die Erde und machte Station unter anderem in den USA, Japan, China, Sri Lanka (damals Ceylon) und Indien. Er schwärmte von den Meeren und dem Taj Mahal in Agra/Indien als „schönstem Gebäude Asiens“ und machte einige durchaus humorvolle Bemerkungen wie etwa „Der Japaner ist im Räuschchen nicht unliebenswürdig“. Auf seiner Erdumrundung legte Hirschberg in 171 Tagen 48.000 km zurück. Die genauen Distanzen und eine Reisekarte finden sich bei [7] und [14]. In „Um die Erde“ resümierte er im Jain-Tempel auf dem Berg Abu in Indien: „Die breitesten und tiefsten Meere habe ich durchschifft, in Sonnengluth und Sturmeswuth, die höchsten Berge habe ich geschaut; ich sah die wunderbarste Ueppigkeit des Pflanzenwuchses, die seltensten Thiere, die merkwürdigsten Menschen, ihre Sitten und Kunst, die herrlichsten und grossartigsten Bauwerke auf der Oberfläche des Planeten: doch nun sehne ich mich nach Hause, zu den Meinen, zu meiner Thätigkeit. […] Fast ist es mir, wie ein schöner Traum. Aber die wechselnden Bilder stehen lebendig vor meinem Auge. Mein Herz ist voll Dankbarkeit gegen das neunzehnte Jahrhundert, das die Entfernung vernichtet und solche Reisen ermöglicht hat.“ [14]
Über die USA, die er 3‑mal besuchte, schrieb Hirschberg 1888 in „Von New York nach San Francisco“: „Der Eindruck, den Amerika auf mich gemacht hat, ist ein günstiger. Es hat eine bedeutende Gegenwart und, wie auch ich überzeugt bin, eine noch bedeutendere Zukunft. Allerdings sind die amerikanischen Zustände nicht frei von Schattenseiten. […] Meine Überzeugung ist, dass wir vieles von den Amerikanern lernen können, – gerade so wie sie von uns.“ [11] Zum Yellowstone-Nationalpark meinte Hirschberg: „Fürwahr, er ist einer der wunderbarsten Gegenden der Erdoberfläche, selbst für den, welcher Vesuv und Aetna und manches andere gesehen.“ [10]
Virchow, Graefe und Hirschberg waren sich einig: „Die Wissenschaft ist ein Eigenthum der ganzen Menschheit und nicht das eines einzelnen Volkes.“ [54] Auf den internationalen Charakter seiner Klinik wurde bereits eingegangen. Im Jahr 1915 schrieb Julius Hirschberg in seinem „Centralblatt“ über die ersten internationalen Ophthalmologen-Kongresse und damit über die frühen Bestrebungen um eine internationale Ophthalmologie: „Die Übelstände, welche sich allmählich in die Kongresse einnisteten, bezogen sich hauptsächlich auf nationale Eifersüchteleien, die immer mehr sich ausbreiteten und zunahmen, auf die Sprachenfrage, auf die störenden Vergnügungen.“ [16]
Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs veröffentlichte Hirschberg in seinem „Centralblatt“ einen flammenden Aufruf, auch, um „das ewige Feuer der Wissenschaft zu unterhalten“ ([55, 56]; Abb. 10). „Eine warme Vaterlandsliebe beseelte ihn. Politisch hielt er sich zurück, sein Deutschtum aber hat er hochgehalten, wo immer er weilte“, befand Oscar Fehr im Nachruf [2]. Und Wilhelm Mühsam ergänzte: „Um so tiefer empfand er es, dass der Krieg die völkerverbindende Brücke der Kultur zerstörte, noch tiefer aber, dass sein Ausgang den Zusammenbruch des von ihm heiß geliebten Vaterlandes bedeutete.“ [4] Man mag ihn deshalb heute als „Nationalisten“ bezeichnen, aber er war allein ein Sohn seiner Zeit. Er hatte, was den 1. Weltkrieg angeht, bereits 30 Jahre vorher, 1885, eine Ahnung gehabt, als er feststellte, dass „die Entfesselung der nationalen Leidenschaften vielleicht das Schlimmste ist, was Epimetheus-Napoleon aus seiner Pandorabüchse uns hinterlassen hat“ [52].
Julius Hirschbergs Bibliothek bestand aus etwa 3200 Büchern, 12.500 Sonderdrucken und historischen Dokumenten einschließlich seines Tagebuchs. Sie genoss legendären Ruf. Hirschberg schrieb im Vorwort des Katalogs 1901: „Die Büchersammlung ist, nach Meldung, den Fachgenossen zugänglich und soll dereinst durch Schenkung in den Besitz der Berliner med. Gesellsch. übergehen.“ [57] Es kam anders. Hirschberg zeichnete Kriegsanleihen, die nach 1918 wertlos wurden, wodurch er in finanzielle Bedrängnis geriet und sich gezwungen sah, seine Bibliothek im Dezember 1920 Jujiro Komoto (1859–1938) zum Kauf anzubieten. Vermutlich fand Hirschberg angesichts der Geldentwertung im Deutschen Reich ab 1921 keinen inländischen Abnehmer. Komoto nahm das Angebot an. Er hatte ab 1885 seine ophthalmologische Ausbildung in Freiburg, Würzburg und Berlin und dortselbst auch an der Hirschberg-Klinik erhalten [58, 59, 60], wie es zu damaliger Zeit überhaupt recht intensive Beziehungen zwischen der japanischen und der deutschen Augenheilkunde gab [61, 62]. „Deutsch ist die Lieblingssprache japanischer Aerzte“, wie Hirschberg 1894 in „Um die Erde“ schrieb [14]. Komoto, der auch zu Theodor Axenfeld (1867–1930) freundschaftliche Beziehungen unterhielt [61, 62], wurde 1890 in Tokio der erste Ordinarius für Augenheilkunde in Japan. Hirschberg besuchte ihn 1892 auf seiner Weltreise (Abb. 11). Nach dem Tod Komotos ging die Sammlung als Komoto-Hirschberg-Bibliothek in den Besitz der Universität Tokio über, wo sie sich heute noch befindet [8, 58, 59, 60]. Eine Anfrage des Autors bei der Universität Tokio vor einigen Jahren ergab, dass eine Rückführung der Hirschberg-Bibliothek nach Deutschland ausgeschlossen wird.
Abb. 11
Julius Hirschberg auf seiner Reise um die Erde im Kreise Tokioter Ärzte, September 1892. Jujiro Komoto vermutlich stehend ganz links. (Aus [14])
Der britische Premierminister Winston Spencer Churchill (1874–1965) meinte in einer Rede vor dem Royal College of Physicians, 1944:
„The longer you can look back, the forther you can look forward.“
Geschichte ist auch Zukunft [50], und insofern bleibt Julius Hirschberg (Abb. 12) Zukunft. Er starb am 17.02.1925 in Berlin an einer Magenblutung [2, 3] und wurde neben seiner Frau Berline auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beerdigt. Das Grab ist erhalten und einen Besuch wert. Auf dem Grabstein steht das, was ihm wichtig war und was ihn ausgezeichnet hat: Augenarzt – Universitätslehrer – Schriftsteller (Abb. 13). Wir sind Julius Hirschberg auch nach 100 Jahren noch zu Dank verpflichtet. Wegen seiner Leistungen auf dem Gebiet der Ophthalmologie, seiner überaus zahlreichen Werke, dabei insbesondere der grandiosen „Geschichte der Augenheilkunde“, und nicht zuletzt wegen seiner Bemühungen um Völkerverständigung, denen er in seiner „3. Amerikafahrt“ im Jahr 1905 wie folgt Ausdruck verlieh:
„Ich betrachte die unter dem Sternenbanner sich vollziehende Kultur-Entwicklung von dem Standpunkt des freundlichen Beobachters, der seine eigene schwarzweißrothe Flagge (Anmerkung: Schwarz/Weiß/Rot waren die Farben des Deutschen Kaiserreichs) stets hoch hält. Auf unsrem von Waffen starrenden Planeten, dessen fernste Länder durch Dampfkraft und Electricität einander so nah gebracht sind während die Herzen der verschiedenen Völker leider noch nicht in gleicher Weise einander genähert werden konnten, fällt uns Männern der Wissenschaft die Aufgabe zu, nach dem Maß unsrer allerdings geringen Kräfte, für die friedliche Vereinigung der Völker Sorge zu tragen.“ [11]
Abb. 12
Julius Hirschberg im Alter von 70 Jahren. (Aus [1, 13])
Julius Hirschberg, den es kaum ein zweites Mal geben kann [7], ist heute aktueller denn je.
And the years passed like scenes of a show
The professor said to write what you know
Looking backwards might be the only way to move forward.
(Taylor Alison Swift, The Manuscript/The Tortured Poets Department, 2023)
Fazit für die Praxis
Die Werke von Julius Hirschberg (1843–1925), insbesondere seine „Geschichte der Augenheilkunde“, sind bis heute lesenswert und unverzichtbar für jeden, der an der Historie des Faches Augenheilkunde interessiert ist.
Rudolf Virchow und Albrecht von Graefe prägten den Lebensweg von Hirschberg entscheidend.
Durch seine umfassenden Sprachkenntnisse und seine universelle Bildung war Julius Hirschberg wie kein anderer berufen, die „Geschichte der Augenheilkunde“ zu verfassen
Dank Julius Hirschberg ist bis heute kein anderes medizinisches Fach besser über die eigene Geschichte informiert als die Augenheilkunde
Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Ophthalmologie bemühte er sich insbesondere um Völkerverständigung und ist damit heute aktueller denn je.
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J.M. Rohrbach: A. Finanzielle Interessen: Aktien: Bayer, CureVac, Alcon, Siemens Healthineers, Carl Zeiss, Sanofi, Immatics, Novartis, Takeda. – B. Nichtfinanzielle Interessen: Ruheständler mit 40 % Tätigkeit an der Augenklinik des Universitäts-Klinikums Tübingen | Mitgliedschaften: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Julius-Hirschberg-Gesellschaft (für Geschichte der Augenheilkunde).
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