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Über dieses Buch

Kaum ein Gebiet der klinischen Neurologie entwickelt sich so dynamisch wie die Neuroimmunologie. Neue, effiziente Immunmodulatoren und immunsuppressive Medikamente wurden entwickelt, die viele neuroimmunologische Erkrankungen heute gut therapierbar machen.

Dieses Praxisbuch vermittelt zum einen die Kenntnis der aktuellen diagnostischen und therapeutischen Strategien primärer neuroimmunologischer Krankheitsbilder, die vor allem für den klinisch tätigen Neurologen von Bedeutung sind. Zum anderen gehen die Autoren ausführlich auf die neurologischen Manifestationen internistischer autoimmuner Systemerkrankungen ein.

Das Hauptaugenmerk des Werks liegt auf den Diagnose- und Therapieanweisungen, die unmittelbar umsetzbar sind. Das interdisziplinäre Autorenteam unter der Federführung von zwei Neuroimmunologen berücksichtigt die maßgeblichen Studien zum Thema und bietet neuroimmunologisches Hintergrundwissen dort, wo es für die praktische Anwendung aufgerufen werden muss.

Unter den primären neurologischen Krankheitsbildern werden unter anderem besprochen:

Multiple Sklerose

Immunneuropathien

Entzündliche Muskelerkrankungen

Erkrankungen der neuromuskulären Endplatte

Die neurologischen Komplikationen systemischer Autoimmunkrankheiten umfassen neben anderen die Kollagenosen, Vaskulitiden, entzündlichen Darmerkrankungen und paraneoplastischen Erkrankungen.

Angesprochen sind sowohl klinisch tätige Neurologen, als auch Internisten mit speziellem Schwerpunkt autoimmunologischer Erkrankungen und Neurologen im Konsildienst.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

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1. Multiple Sklerose und andere autoimmune ZNS-Erkrankungen

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine autoimmunentzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die zu Entmarkung (Demyelinisierung) sowie Zerstörung von Axonen und Neuronen führt. Sie stellt nach wie vor die häufigste Ursache erworbener Behinderung im jungen Erwachsenenalter dar. Weltweit leiden ca. 2,5 Mio. Menschen an MS, in Deutschland wird die Zahl der Betroffenen auf 100.000–120.000 geschätzt [180]. Die Inzidenz in Europa und Nordamerika beträgt 4–8/100.000 Einwohner, die Prävalenz zwischen 60–100/100.000 [313]. Der Erkrankungsmedian liegt bei 28 Jahren, wobei die MS in jüngster Zeit gehäuft bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird [72], [366]. Anderen Autoimmunerkrankungen folgend sind Frauen 1,5–2mal häufiger betroffen als Männer. Etwa 50 % der MS-Patienten benötigen nach 15 Jahren eine Gehhilfe [444], allerdings sind rund 10 % nach 25 Jahren auch ohne Therapie nicht wesentlich beeinträchtigt [208].

Antje Kroner-Milsch, Christoph Kleinschnitz, Christine Stadelmann-Nessler, Peter Raab, Martin Stangel, Corinna Trebst, Elke Voß, Anna-Lena Cordes

2. Immunneuropathien

Bei den Immunneuropathien wird zwischen akuten und chronisch entzündlichen Neuropathien unterschieden. Der typische Vertreter der akuten inflammatorischen Neuropathien ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), und die chronisch inflammatorisch demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP) ist charakteristisch für chronisch inflammatorische Immunneuropathien. Beiden Erkrankungen liegt eine autoimmun entzündliche Reaktion gegen spezifische Bestandteile des peripheren Myelins zugrunde. Immunpathologisch sind GBS und CIDP durch die Infiltration der peripheren Nerven durch Lymphozyten und Makrophagen gekennzeichnet, wobei v. a. Makrophagen bereits im frühen Stadium der Erkrankung gefunden werden. Diese Infiltration von Immunzellen führt zur Demyelinsierung von Axonen und einem sekundären axonalen Schaden. Auch ein primärer immunologischer Angriff auf die Axone ist möglich.

Mathias Mäurer, Carsten Wessig, Reinhard Kiefer, Claudia Sommer

3. Die entzündlichen Myopathien – autoimmun bedingte Myositiden

Die wichtigsten immunvermittelten entzündlichen Muskelerkrankungen sind die Dermatomyositis und die Polymyositis. Daneben treten Myositiden im Rahmen von Kollagenosen und Vaskulitiden beim systemischen Lupus erythematodes, bei rheumatoider Arthritis, beim Sjögren-Syndrom, bei systemischer Sklerose, beim Sharp-Syndrom und im Rahmen eines Antisynthetase-Syndroms auf [13]. Auch bei der Einschlusskörperchenmyositis sind autoimmunentzündliche Mechanismen beteiligt, obgleich bei der Erkrankung eine erhebliche degenerative Komponente besteht [33], [2]. Auch im Rahmen einer Sarkoidose kann es zu einer Myositis kommen.

Carsten Wessig

4. Erkrankungen der neuromuskulären Endplatte

Die Transmission des elektrischen Aktionspotenzials des peripheren Nervs auf die Muskelfaser erfolgt analog zur neuronalen synaptischen Transmission chemisch über die neuromuskuläre Endplatte. Diese besteht aus der Axonterminale, die von spezialisierten, terminalen Schwann-Zellen umscheidet ist und die die präsynaptische Membran trägt, dem synaptischen Spalt und der postsynaptischen Muskelfasermembran. Zur Vergrößerung der Kontaktoberfläche sind die beteiligten Membranen, insbesondere die postynaptische, leistenförmig gefältelt. Die Nervenfaser des Motoneurons verzweigt sich in mehrere Dutzend terminale Fasern, die neuromuskuläre Endplatten mit den Muskelfasern der zugehörigen motorischen Einheit ausbilden.

Jochen Ulzheimer, Mathias Mäurer

5. Kollagenosen

Kollagenosen sind systemische Autoimmunerkrankungen, die mit dem Nachweis von antinukleären Antikörpern (ANA) assoziiert sind.

Torsten Witte, Christian Jacobi

6. Vaskulitiden

Vaskulitiden sind entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße, die in primäre und sekundäre Formen unterteilt werden. Sekundäre Vaskulitiden treten im Rahmen anderer Grunderkrankungen auf, z. B. bei Kollagenosen oder rheumatoider Arthritis. Sie können auch durch Medikamente, Infektionen oder Neoplasien verursacht werden. In diesem Kapitel werden nur die primären Vaskulitiden besprochen. Eine Einteilung der Vaskulitiden erfolgt unter anderem basierend auf histologischen Veränderungen, anhand immunologischer Marker sowie des Gefäßkalibers.

Torsten Witte, Christian Jacobi

7. Neurosarkoidose

Die Sarkoidose ist eine entzündliche Multisystemerkrankung unbekannter Ursache mit einer Prävalenz in Westeuropa von ca. 50/100.000 und einer Inzidenz von 10/100.000/Jahr. Die Erkrankung ist durch multiple nichtverkäsende Granulome charakterisiert, die die Gewebsarchitektur zerstören und die Funktion des befallenen Gewebes behindern. Die Sarkoidose betrifft meist junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, Frauen sind häufiger betroffen [2]. Die Erkrankung verläuft typischerweise schubförmig mit Remissionen. Prinzipiell kann jedes Organ befallen sein, wobei in über 90 % der Fälle eine Lungenbeteiligung nachgewiesen werden kann [4][3].

Mathias Mäurer, Rüdiger Holzapfel

8. Neurologische Komplikationen entzündlicher Darmerkrankungen

Mit einigen entzündlichen Darmerkrankungen sind neurologische Symptome assoziiert, die zum Teil das Krankheitsbild wesentlich mit charakterisieren und die Diagnosestellung erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. In anderen Fällen ist die Verknüpfung schwer zu belegen und läuft somit Gefahr, übersehen zu werden. Dies gilt v. a., wenn die zeitliche Assoziation nicht gegeben ist und das neurologische Krankheitsbild der Darmentzündung vorausgeht oder umgekehrt bzw. andere mögliche Risikofaktoren als Ursache bestehen.

Oliver Bachmann

9. Paraneoplastische Erkrankungen

Als paraneoplastische neurologische Syndrome werden tumorassoziierte neurologische Erkrankungen bezeichnet, die nicht durch lokales Wachstum, metabolische Komplikationen oder durch die Toxizität der onkologischen Behandlung verursacht werden [4], [19], [26]. Sie treten bei etwa 1 % aller Tumorpatienten auf und können jede Struktur des Nervensystems bis hin zum Muskel betreffen. Dabei kommt es, ausgelöst durch die auf den Tumorzellen exprimierten onkoneuronalen Antigene, zu einer Immunreaktion, die sich nicht nur gegen den Tumor, sondern auch gegen physiologischerweise im Nervensystem exprimierte Antigene richtet.

Hannah Pellkofer

Backmatter

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