Bifonazol: Breitband-Antimykotikum aus der Azol-Klasse
- 22.10.2025
- Online-Artikel
Bifonazol ist ein lokal anwendbares Breitspektrum-Antimykotikum aus der Stoffklasse der Azole, welches in Form von Salben, Cremes, Gelen, Sprays und Lösungen kutan zur Anwendung kommt. Aufgrund seiner guten Hautpenetration und der antimykotischen Wirkung wird es zur Behandlung von Pilzerkrankungen von Haut und Nägeln (Mykosen) verwendet. Auch gegen bestimmte Bakterien wie Corynebacterium minutissimum ist der Wirkstoff aktiv und deckt damit alle relevanten Erreger in diesem Bereich ab. Neben seinem breiten Wirkungsspektrum zeichnet sich Bifonazol durch eine lange Persistenz auf der Haut aus, wodurch nach sechs Stunden bereits wirksame Konzentrationen erreicht werden [1].
Dr_Microbe | iStock
Geschichte
Bifonazol ist eine Weiterentwicklung von Clotrimazol und wurde 1974 in Deutschland zum Patent angemeldet, das 1984 erteilt wurde. Heutzutage ist Bifonazol auch als Generikum im Handel.
Eigenschaften
Pharmakodynamik
Der Wirkmechanismus aller Azole (z.B. Clotrimazol als Prototyp) ist die Hemmung der Lanosterol-14α-Demethylase, welche ein Schlüsselenzym bei der Synthese von Ergosterol ist. Im Gegensatz zu Säugetieren, welche die Cholesterolsynthese ausüben, wird in Pilzen Ergosterol gebildet. Dieser Unterschied ist wichtig für eine zielgerichtete Therapie gegen Pilzerkrankungen ohne die menschliche Cholesterolsynthese zu beeinflussen. Gemeinsames Schlüsselenzym beider Synthese-Wege ist die HMG-CoA-Reduktase, welche 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A in Mevalonsäure umwandelt (Therapeutisches Target von Statinen). Dieses Enzym wird zusätzlich (dualer Wirkmechanismus) von Bifonazol inhibiert, welches allerdings auch Nebenwirkungen mit sich einher bringt. [1].
Dieser doppelte Wirkansatz unterscheidet Bifonazol von anderen Antimykotika. Bifonazol zeigt eine dosisabhängige fungistatische, d.h. wachstumshemmende Eigenschaft sowie fungizide (d.h. pilzabtötende) Effekte gegenüber Dermatophyten und Hefen [1], den am häufigsten vorkommenden Pilzerregern.
Zudem weist der Wirkstoff antiphlogistische Eigenschaften auf, so dass Entzündungsprozessen effektiv entgegengewirkt werden kann [2].
Wirkmechanismus im Fokus |
Hier finden Sie ein Video zum Wirkmechanismus von Bifonazol. |
Pharmakokinetik
Bifonazol dringt gut in die von der Infektion betroffenen Hautschichten. Sechs Stunden nach Applikation werden Konzentrationen gemessen, die die MHK-Werte (Minimale Hemm-Konzentration) für die bei Dermatomykosen wichtigen Pilze erreichen oder um ein Vielfaches überschreiten: zwischen 1000 μg/cm3 in der obersten Schicht der Epidermis (Stratum corneum) und 5 μg/cm3 im Stratum papillare. Bifonazol verfügt über eine lange Hautverweildauer in antimykotisch wirksamen Konzentrationen. Diese bildet unter Berücksichtigung des fungiziden Wirkungstyps die Basis für die Einmal-Applikation in der lokalen Therapie. Bei Resorptionsuntersuchungen nach topischer Applikation an intakter menschlicher Haut lagen die Konzentrationen im Serum stets unter der Nachweisgrenze (< 1 ng/ml), nur bei entzündeter Haut ließ sich eine geringe Resorption nachweisen. Diese äußerst geringen Wirkstoffkonzentrationen (im Allgemeinen weniger als 5 ng/ml) lassen eine systemische Wirkung nicht erwarten [1].
Resistenzlage
Bifonazol weist eine günstige Resistenzlage auf, d.h. Pilze, die von Anfang an nicht auf Bifonazol ansprechen sind selten. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass sich unter Bifonazol eine
Resistenz auf einen ursprünglich empfindlichen Pilzstamm entwickelt [1].
Chemie
Bifonazol ist chiral, es gibt zwei Enantiomere: (R)-1-(4-Phenylbenzhydryl)imidazol [= (R)-Form] und (S)-1-(4-Phenylbenzhydryl)imidazol [= (S)-Form]. Als Arzneistoff wird racemisches Bifonazol eingesetzt, also ein 1:1-Gemisch aus (R)-1-(4-Phenylbenzhydryl)imidazol und (S)-1-(4-Phenylbenzhydryl)imidazol [4].
Therapeutische Anwendung
Anwendungsgebiete
Das Antimykotikum Bifonazol zeichnet sich durch ein breites Wirkungsspektrum aus, das Dermatophyten, Hefen, Schimmelpilze und andere Pilze, wie Malassezia furfur sowie Bakterien wie Corynebacterium minutissimum erfasst. Es wird zur Behandlung von Haut-, Fuß- und Nagelpilz eingesetzt [1].
Nebenwirkungen
Bei lokaler Anwendung beschränken sich die Nebenwirkungen auf reversible Effekte wie z.B. trockene Haut, Hautirritation, Hautaufweichung, Hautabschuppung, Rötung, Brennen, Juckreiz, Ausschlag, Ekzem, Bläschen, Nesselsucht, Kontaktdermatitis, allergische Dermatitis. Diese Nebenwirkungen wurden nach der Zulassung im Rahmen der Anwendung beobachtet [1].
Kontraindikationen
Aufgrund der lokalen Wirkung ist eine Schädigung der Leber aufgrund der Hepatoxizität ausgeschlossen. Bei bekannten Überempfindlichkeiten sollte Bifonazol nicht angewendet werden.
Es liegen keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Bifonazol bei Schwangeren vor. Da es sich bei Bifonazol jedoch um einen ausschließlich topisch angewendeten Wirkstoff handelt, der nur in sehr geringem Ausmaß resorbiert wird, ist ein systemischer Effekt und ein damit verbundenes Risiko nicht zu erwarten. Trotzdem sollte aus Vorsichtsgründen die Anwendung von Bifonazol während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abschätzung erfolgen [1].
Interaktionen
Limitierte Daten deuten darauf hin, dass eine Wechselwirkung zwischen topisch appliziertem Bifonazol und Warfarin möglich ist, unter Anstieg des INR-Wertes. Bei gleichzeitiger Anwendung von Bifonazol und Warfarin sollte bei den Patienten daher eine entsprechende Kontrolle erfolgen [1].
Handelsnamen
Monopräparate
Bifomyk (D), Bifon (D), Canesten Bifonazol - Creme (A), Canesten Extra Bifonazol (D), Mycospor (D)
Kombinationspräparate
Canesten Extra Nagelset (D), Canesten Bifonazol comp. – Salbe + Nagelset (A)
Literatur:
[1] BCC Clinical Overview – Bifonazole 1%, dated November 2011.
[2] Tronnier H et al. Akt Dermatol 2005; 31: 21-26
[3] a b c Eintrag zu Bifonazol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 27. Juni 2019.
[4] National Center for Biotechnology Information, U.S. National Library of Medicine 8600 Rockville Pike, Bethesda MD, 20894 USA. Bifonazole. https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/2378 (21.11.2019)
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