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Biopsie Prostata, transrektal

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Ziel

Schonende und komplikationsarme transrektale Prostatastanzbiopsie unter digitaler Führung

Problem

Während und im Anschluss an eine digital geführte transrektale Prostatastanzbiopsie können sich für den Patienten und den Untersucher folgende Probleme ergeben:

  1. Schmerzhaftigkeit beim Einführen der Biopsienadel.
  2. Rektale Blutung.
  3. Iatrogene Prostatitis, evtl. mit Abszedierung.

Lösung und Alternativen


Ad 1.: Verwendung eines zweiten Fingerlings („Double-Glove“-Technik) oder einer Plastikhülse. 

Durch Verwendung eines anästhesierenden Gleitgels (Xylocain Gel 2%ig, Einwirkzeit beachten!) anstelle von Vaseline kann bisweilen eine auch nach der Biopsie anhaltende Schmerzlinderung erzielt werden. Diese Erfahrung wird durch aktuelle prospektiv-randomisierte, doppelt verblindete klinische Untersuchungen allerdings nicht bestätigt. Dagegen wird von analgetischen Vorzügen einer transrektal-sonographisch gesteuerten periprostatischen Nervenblockade mit 5 bis 10 ml einer 1%igen Lidocain-Zubereitung ohne Adrenalinzusatz berichtet. Bereits 30 Sekunden nach der Lokalanästhesie kann mit der eigentlichen Biopsie begonnen werden. Während der zusätzliche Zeitbedarf bei etwa einer Minute liegt, fallen zusätzliche Kosten von rund €15,– für die Nadel und das Lokalanästhetikum an.

Bei der „Double-Glove“-Technik wird nach Platzierung der Biopsienadel auf der Palmarseite des Zeigefingers des Untersuchers wird ein zweiter Fingerling über diesen und die Nadel gestreift (Abb. 1). Hierdurch lässt sich das Risiko akzidenteller Schleimhautläsionen beim Einführen verringern.

Die Plastikhülse, in welcher nahezu alle handelsüblichen Tru Cut-, Travenol- oder Franzén-Nadeln abgepackt sind, wird auf eine Länge von etwa 15 cm gekürzt und als Führungshilfe zusammen mit dem im Endglied leicht gebeugten Zeigefinger ins Rektum eingeführt (Abb. 2). Nach digitaler Lokalisation des zu biopsierenden Areals kann die Nadel schmerzfrei an dieses herangeführt werden. Beim Auslösen der Nadel mit der Biopty®-Gun muss die Hülse allerdings fest gegen das Gerät gepresst werden, damit sie nicht vorwärts ins Rektum katapultiert wird.

Unter Belassen der Hülse kann die Nadel dann geborgen und zur Gewinnung mehrerer Biopsien auf demselben schonenden Wege wieder eingeführt werden. Dieses preisgünstige Verfahren erspart die Anschaffung kommerzieller Führungshilfen. Es kann durch die Verwendung eines zweiten Handschuhs oder Fingerlings ergänzt werden, wodurch sich der Eingriff insbesondere für Patienten mit Haemorrhoidalleiden oder Analfissuren noch erträglicher gestaltet. 

Transrektal-sonographisch gesteuerte Biopsien aus der Übergangszone der Prostata sind zumeist besonders schmerzhaft, was auch durch die vorstehenden Techniken nicht zu vermeiden ist. In diesen Fällen ist eine systemische Analgetikagabe zu bevorzugen.

Ad 2.: „Rule of Finger“, Ballonkatheter 

Bei sonographisch gesteuerten Prostatastanzbiopsien konzentriert sich der Untersucher hauptsächlich auf den Monitor des Ultraschallgerätes während der Lokalisation des zu biopsierenden Areals. Wenn die Biopsienadel zu diesem Zeitpunkt schon in die Führungshilfe eingebracht ist, kann sie beim Manövrieren mit dem Schallkopf leicht um wenige Millimeter vorgeschoben werden. Vom Untersucher unbemerkt – die Nadel wird erst bei der Penetration der Prostata auf dem Monitor sichtbar- können schmerzhafte Schleimhautblutungen resultieren. Um ein unbemerktes Vorschieben der Nadel zu vermeiden, kann das steife Kabel des Schallkopfes als Abstandhalter genutzt und zwischen dem 4. und 5. Finger der Nadel führenden Hand eingeklemmt werden („Rule of Finger“) (Abb. 3).

Selbstverständlich sollte bei entsprechenden Patienten auf eine Antikoagulantien-Karenz geachtet werden. Geringe peranale Blutungen und Beschwerden nach Prostatastanzbiopsie können durch kurzfristige digitale Kompression oder die Einlage von Zäpfchen mit Mulleinlage (Faktu-Anotamp®) behandelt werden. Belässt man den transrektalen Schallkopf nach der Biopsie für einige Minuten unter Druck im Rektum, kann bereits hierdurch ein blutstillender Effekt erzielt werden.

Bei stärkeren biopsiebedingten Blutungen erfolgt die Einlage eines großlumigen (30 Charr.) Dauerkatheters in das Rektum, welcher nach Blocken 50 ml mit einem Ablaufbeutel versehen und bis zu einer Stunde unter milden Zug gesetzt wird. Neben der Kontrolle von Blutdruck und Puls sollte für eine intravenöse antibiotische Abschirmung (z. B. Ampizillin, Gentamycin oder Ciprofloxazin) sowie für eine ausreichende Analgesie gesorgt werden. Die Menge hellroten Blutes im Drainagebeutel gibt Auskunft über die Blutungsaktivität. Bei Persistenz der Blutung nach einer Stunde sollte zur definitiven Blutstillung eine transanale Umstechung oder Sklerosierung durchgeführt werden.

Ad 3.: Lokale Schleimhautantisepsis

Die Plastikhülse kann in der oben beschriebenen Weise auch zur lokalen Schleimhautantisepsis zur Verringerung des Infektionsrisikos eingesetzt werden. Nach Positionierung vor dem zu biopsierenden Areal werden jedoch noch vor dem Einführen der Biopsienadel etwa 5 ml einer 10%igen Polyvidon-Jodlösung mit einer herkömmlichen Einmalspritze instilliert. Die „Double-Glove“-Technik soll ebenfalls zu einer Reduktion biopsiebedingter Infektionen beitragen.

Zur Infektionsprophylaxe wird allgemein die antibiotische Abschirmung z. B. mit einem Gyrasehemmer (Ciprobay®,Tavanic®) für 1–3 Tage empfohlen, während der Nutzen vorbereitender abführender Maßnahmen (Klistier) umstritten ist. Auch ohne Antibiotikaprophylaxe traten prospektiven Untersuchungen zufolge bei nur 3 % der Patienten Harnwegsinfektionen mit E. coli auf und lediglich 3,8 % der Patienten müssen wegen Fieber antibiotisch behandelt werden.

Weiterführende Tipps

Biopsie, Prostata, Gewebezylinder

Literatur

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