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Die Vermittlung von Wissen, Erfahrungen und praktischen Fertigkeiten in der Betreuung von PatientInnen in palliativen Settings findet in der chirurgischen fachärztlichen Ausbildung in Österreich unstrukturiert und sporadisch statt. Die vorliegende Arbeit erhebt den Status quo anhand einer Online-Umfrage unter AssistentInnen in Allgemein- und Viszeralchirurgie, stellt ihre subjektiven Erfahrungen mit Palliative Care, ihre Erwartungen an Palliative-Care-Provider und ihre Ausbildungsbedürfnisse dar. Über 80 % der AssistentInnen haben häufig Kontakt mit PatientInnen in palliativen Settings, und knapp 60 % betreuen PatientInnen in sterbenahen Situationen. Die Unterstützung durch ein Palliativteam wird dabei als hilfreich erlebt. Dabei wünschen sich Auszubildende ein Mehr an Unterstützung und artikulieren, wie sie sich diese Form von Unterstützung vorstellen. Sie schätzen ihre palliativen Skills im mittleren bis guten Bereich ein, dennoch wünschen sich 85 % eine zusätzliche Ausbildung; 68 % sprechen sich für eine Integration von Palliative Care in das chirurgische Curriculum aus.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
AAO
Ausbildungsordnung „alt“ (vor 2015)
ABCSG
Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group
ABS
American Board of Surgery
ACS
American College of Surgeons
AO
Ausbildungsordnung
OPG
Österreichische Palliativgesellschaft
Hintergrund
Chirurgische PatientInnen erhalten signifikant seltener eine palliative Betreuung als andere PatientInnengruppen in palliativen Settings [9]. Versterben sie an einer Intensivstation, wird ihr Komfort von Pflegepersonen und An- und Zugehörigen als deutlich schlechter wahrgenommen im Vergleich mit PatientInnen, die beispielsweise von InternistInnen oder NeurologInnen betreut werden [6]. Gleichzeitig ist die Verbesserung des Outcomes von PatientInnen mit fortgeschrittenen onkologischen Erkrankungen belegt, wenn sie eine möglichst frühe begleitende palliative Betreuung erhalten [3, 10]. Die Vermittlung von palliativen Skills ist im österreichischen Curriculum für Allgemein- und Viszeralchirurgie nicht verankert. Es findet sich lediglich der Verweis, dass die Ausbildung „fachspezifische Palliativmedizin“ ohne weitere Konkretisierung oder Richtzahlen (wie dies beispielsweise für bestimmte zu erlernende chirurgische Eingriffe der Fall ist) enthalten müsse. In den USA gibt es seit mehr als 20 Jahren Bestrebungen, Palliative Care in die chirurgische Ausbildung zu integrieren. Publiziert sind meist klinikspezifische Ausbildungsprogramme. Im europäischen Sprachraum findet sich bislang nichts zu diesem Thema. Die vorliegende Arbeit stellt einen ersten Versuch dar, sich der Problematik anzunehmen, und zielt auf die „palliativen“ Ausbildungsbedürfnisse der zukünftigen ChirurgInnen ab. Sie listet aber auch die Faktoren auf, die diese für die Integration von Palliative Care in die Chirurgie als relevant erachten.
Methodik
Studienpopulation
Surgery meets Palliative Care adressiert AssistentInnen in Allgemein- und Viszeralchirurgie in Österreich. Diese absolvieren ihre Ausbildung mehrheitlich im Rahmen einer Sonderfachausbildung (AAO 2015). Am Stichtag 08.02.2024 waren 162 Personen einer Ausbildungsstelle des Sonderfaches Allgemein- und Viszeralchirurgie zugeordnet. Zusätzlich absolvierten 19 Personen die Ausbildung nach der Ausbildungsordnung 2006. Die Umfrage richtete sich auch an AssistentInnen, die sich erst in der Basisausbildung des Sonderfaches befanden (etwa 60 % von 149 Personen).
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Forschungsfeld und Rahmenbedingungen
Aus datenschutzrechtlichen Gründen konnten die Zugangsdaten zur Umfrage nicht direkt an die TeilnehmerInnen versandt werden. Alle AbteilungsvorständInnen, die in Allgemein- und Viszeralchirurgie ausbilden, erhielten über ihre Sekretariate und an ihre persönliche E‑Mail-Adresse (sofern bekannt) ein Schreiben mit der Bitte um Unterstützung des Projektes und um Weiterleitung des Links und QR-Codes an ihre AssistentInnen. Zusätzlich erfolgte eine Vorstellung des Forschungsprojektes am Österreichischen Chirurgenkongress 2024, auf der Website und im Newsletter der ABCSG sowie auf dem Social-Media-Kanal der Young Surgeons Austria, einer Organisation, die ein Netzwerk für Aus- und Weiterbildung darstellt. Das Forschungsprojekt wurde mit der OPG akkordiert. Die Autorin erhielt keine finanzielle Unterstützung.
Forschungsfragen
Ziel des Forschungsprojektes war es herauszufinden, ob zukünftige Allgemein- und ViszeralchirurgInnen es für wichtig erachten, Palliative Care in ihr Curriculum zu integrieren, und auf welche Weise dies geschehen könnte. Ebenso sollten bisherige Berührungspunkte, die subjektiven Erfahrungen mit Palliative Care und die Erwartungen der AssistentInnen an die Institutionen der Palliative Care im Krankenhaus erhoben werden. Weiters wurde versucht, Erfolgsfaktoren für die Integration von Palliative Care in die Chirurgie herauszufinden.
Darstellung des Fragebogens
Der Fragebogen wurde mit einem Logo versehen und war vom 21.05. bis 31.07.2024 online per Link und QR-Code zur anonymisierten Beantwortung freigegeben. Er umfasste die Abfrage des Ausbildungsstatus sowie die Klassifizierung und „palliative“ Ausstattung des Klinikums, an dem die TeilnehmerInnen hauptsächlich ausgebildet wurden. Demografische Daten wurden am Ende des Fragebogens erhoben.
Fünf Fragen (4–8) bezogen sich auf die Relevanz von Palliative Care für AssistentInnen (Häufigkeit von Kontakten mit PatientInnen in palliativen Settings und in End-of-Life-Situationen, Art des Kontaktes, Präsenz und Bewertung des Supports von Palliativteams). Die Kommunikation mit PatientInnen in kritischen Situationen wurde in 3 Fragen (9, 10, 11) thematisiert. Frage 12 bezog sich auf die Möglichkeit des Kontakts mit MitarbeiterInnen eines Palliativteams.
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Frage 13 stellte ein Fallbeispiel dar, bei dem AssistentInnen in einer End-of-Life-Situation an einer chirurgischen Intensivstation ihre Handlungspräferenz priorisieren sollten. Hier wurde das Spektrum von chirurgischer Reintervention bis zu „Sterben zulassen“ thematisiert. Damit in Zusammenhang wurde auch nach der subjektiven Einschätzung der eigenen Prognosesicherheit gefragt (Frage 14). Frage 17 deckte die Einschätzung der eigenen „palliativen Skills“ (z. B. Symptommanagement und Kommunikation) ab.
Die Fragen 15 und 16 betrafen den optimalen Zeitpunkt der Einbindung von Palliativteams sowie die Priorisierung der Aufgaben, die Palliativteams vorrangig übernehmen sollten.
Schließlich stellten die Fragen 18 bis 20 auf die mögliche Integration von Palliative Care in das Curriculum ab. Mit Frage 21 sollten Erfolgsfaktoren für eine gelungene Integration von Palliative Care in die Chirurgie genannt werden.
Methodik der Auswertung
Entwicklung, Präsentation und statistische Aufbereitung des Fragebogens erfolgten unter Benutzung des Umfragetools LamaPoll® (Lamano GmbH & Co. KG, Berlin, Deutschland). Die Autorin wertete die Daten aus, wobei ein externer Statistiker als Referenz beigezogen wurde. Die Daten wurden quantitativ analysiert, lediglich eine Frage (nach den Erfolgsfaktoren für die Integration von Palliative Care in die Chirurgie) wurde einer vereinfachten Inhaltsanalyse unterzogen [7]. Diese ist eine in den empirischen Sozialwissenschaften etablierte Methodik zur Textanalyse. Dabei werden die Inhalte der Antworten durch Codes (Schlüsselbegriffe) repräsentiert und diese zu Kategorien (Themen) zusammengefasst. Diese wurden nach Häufigkeit geordnet und so nach ihrer Relevanz für die Teilnehmenden dargestellt. Beispielhaft ist dies in Tab. 1 gezeigt.
Tab. 1
„Was erachten Sie am wichtigsten für eine erfolgreiche Integration von Palliative Care in die Chirurgie?“ – Beispiele zur Inhaltsanalyse von Texten
Beispiel 1:
Antwort TeilnehmerIn A: „Es muss in irgendeiner Form eine strukturierte Ausbildung geben. … Jüngere KollegInnen erhalten oft eine unstrukturierte Form der Ausbildung in Palliativmedizin, insofern das jeweilige Krankenhaus eine intensivmedizinische Ausbildung im Ausbildungsplan integriert hat. … Das gibt eine gute Basis …“
Codes: „Struktur“, „Ausbildung“, „Schulung“
Kategorie: Strukturierung der Aus- und Weiterbildung
Antwort TeilnehmerIn B: „palliative Einschulung“
Beispiel 2:
Antwort TeilnehmerIn C: „Klarheit, wer wie kontaktiert werden kann.“
Codes: „bekannte Kontaktperson“, „Ansprechperson“
Kategorie: Klärung der Interaktionsmöglichkeiten mit dem Palliativteam
Antwort TeilnehmerIn D: „Eine direkte und allen bekannte Ansprechperson.“
Ergebnisse
Insgesamt wurde die Umfrage von 47 Personen vollständig beantwortet. Die Rücklaufquote beträgt 22 % (bezogen auf AssistentInnen im Sonderfach) respektive 17 %, wenn Personen in Basisausbildung miteingerechnet werden.
Von den 47 TeilnehmerInnen waren 27 (58 %) Frauen und 19 (40 %) Männer. Eine Person ließ die Frage unbeantwortet. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 31 Jahren. Die jüngste Person war 24 Jahre und die älteste 48 Jahre alt.
Etwas mehr als die Hälfte der TeilnehmerInnen (53 %) befand sich in der zweiten Hälfte der Ausbildung des Sonderfachs, 21 % in der ersten Hälfte ihrer Spezialisierung; 9 % absolvierten die Ausbildung nach der Ausbildungsordnung „alt“, 17 % waren noch in Basisausbildung (Abb. 1).
In den Kliniken gab es meist einen Palliativkonsiliardienst (62 %) bzw. war ein mobiles Palliativteam verfügbar (53 %). Über 50 % der TeilnehmerInnen gaben an, dass in ihrem Klinikum auch eine Palliativstation vorhanden sei (53 %); 51 % teilten mit, dass eine klinische Ethikberatung etabliert sei; 4 % wussten nicht, welche Einrichtungen der Palliativbetreuung vor Ort existierten.
Relevanz von Palliative Care für AssistentInnen der Allgemein- und Viszeralchirurgie
Es gaben 83 % der TeilnehmerInnen an, häufig (65 %) oder sehr häufig (17 %) mit PatientInnen in palliativen Settings Kontakt zu haben, 15 % selten und 2 % sehr selten. Jede Person hatte zumindest 1‑mal Kontakt mit PalliativpatientInnen gehabt.
Die Betreuung auf der Station wurde von 63 (85 %) der Befragten auf die ersten beiden Ränge platziert und ist somit die häufigste Art des Kontaktes. „Aufklärungsgespräch“ und „Akutfall im Nachtdienst“ sowie „Gespräch mit An- und Zugehörigen“ sind annähernd gleich verteilt (Abb. 3).
Abb. 3
Art des Kontaktes mit PatientInnen in palliativen Settings
Für die Frage nach dem Kontakt mit PatientInnen in End-of-Life-Situationen ergab sich ein etwas anderes Bild: Zwar gaben 58 % an, häufig mit End-of-Life-Situationen konfrontiert zu sein, allerdings hatten 30 % selten damit zu tun (2 % sehr selten). 9 % hatten sehr häufigen Kontakt mit PatientInnen in sterbenahen Situationen. 43 % der Befragten bejahten die Frage nach der Präsenz eines Palliativteams in sterbenahen Situationen (in den meisten Fällen bzw. immer), 49 % meinten, dass dies manchmal der Fall sei. 6 % gaben an, dass sterbende PatientInnen nicht von einem Palliativteam begleitet würden.
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Die Präsenz des Palliativteams wurde von 89 % als hilfreich erlebt, 9 % waren in ihrer Einschätzung unentschlossen; 2 % fanden, dass die Einbindung des Palliativteams nicht hilfreich war.
„Breaking bad news“
Für 2 % der TeilnehmerInnen gehörte „Breaking bad news“ nicht zu ihren Aufgaben. Die Mehrheit (70 %) gab an, dies selten zu tun; 28 % sahen sich als häufige ÜberbringerInnen kritischer Nachrichten; 70 % fühlten sich dabei „neutral“, 28 % fühlten sich unwohl. Lediglich 2 % meinten, sie würden sich dabei wohlfühlen. Unabhängig vom subjektiven Wohlbefinden konnten sich 85 % Unterstützung bei der Gesprächsführung holen, z. B. im chirurgischen Team; 15 % waren sich nicht im Klaren, ob bzw. welche Möglichkeit der Unterstützung es geben könnte.
Priorisierung von Handlungsalternativen, Prognosesicherheit
Bei der Frage nach der subjektiven Sicherheit bei der Prognoseeinschätzung gab die Mehrheit der Befragten (55 %) an, gelegentlich zu zweifeln, sich aber grundsätzlich sicher zu fühlen; 6 % gaben an, sich immer unsicher zu fühlen, ebenso viele TeilnehmerInnen fühlten sich sehr sicher; 26 % fühlten sich meistens unsicher. Ein Drittel der TeilnehmerInnen gab also an, sich (fast) immer unsicher zu fühlen.
In einer Frage wurde die Priorisierung von Handlungsalternativen anhand eines Beispiels einer Patientin in einer sterbenahen Situation an der Intensivstation thematisiert. Die vorgegebenen Antworten umspannten das Spektrum eines erneuten chirurgischen Eingriffes mit geringer Wahrscheinlichkeit eines Benefits bis hin zu „Sterben zulassen“: 83 % fanden es am wichtigsten, den Willen der Patientin zu erheben und danach zu entscheiden, was getan werden soll; 17 % sprachen sich dafür aus, „alles chirurgisch Machbare“ zu versuchen und die Patientin nochmals zu operieren. Das Beiziehen eines Palliativteams oder das Einholen eines Ethikvotums wurde als weniger relevant eingestuft. Auch „Sterben zulassen“ war für die TeilnehmerInnen „kein Thema“ (Abb. 4).
AssistentInnen schätzten ihre eigenen palliativen Skills – gemeint waren Kommunikation mit kritisch kranken PatientInnen, Krisen- und Symptommanagement, Prognoseabschätzung – im mittleren bis guten Bereich auf einer Skala zwischen 0 (nicht vorhanden) und 10 (Bestwert) ein. Von den Befragten gaben 26 (57 %) einen Skalenwert zwischen 5 und 7 an.
Der richtige Zeitpunkt
Die Frage nach dem optimalen Zeitpunkt, ein Palliativteam in die Betreuung einzubeziehen, wurde von 53 % mit „so früh wie möglich“ angegeben; 23 % meinten, dies wäre individuell zu entscheiden und hänge von der Bereitschaft der PatientInnen ab, eine palliative Begleitung anzunehmen. Diese sollte von den behandelnden ChirurgInnen erkundet werden. Es gaben 11 % an, dass Palliative Care schon beim Aufklärungsgespräch Thema sein sollte. Lediglich 4 % meinten, dass die palliative Betreuung erst bei sterbenden PatientInnen angebracht wäre; 9 % waren der Ansicht, dass eine hohe Symptomlast Grund für das Einschalten des Palliativteams wäre.
Aufgaben eines Palliativteams
AssistentInnen sahen v. a. die Symptomlinderung als wichtigste Aufgabe von Palliativteams an (79 %), 11 % die Beratung bezüglich Vorausverfügungen und 9 % das Aufklärungsgespräch über die „palliative“ Prognose; 2 % verorteten die Zuständigkeit eines Palliativteams hauptsächlich in der Sterbebegleitung. Die Betreuung von An- und Zugehörigen wurde nicht als prioritär gesehen (Abb. 5).
Integration von Palliative Care in die fachärztliche Ausbildung
Es meinten 85 % der TeilnehmerInnen, dass sie von der Vermittlung palliativer Skills profitieren würden, 4 % waren davon nicht überzeugt, und 11 % waren unentschlossen; 68 % sprachen sich für eine Integration in das Curriculum aus, ebenso viele für Fallbesprechungen mit ExpertInnen vor Ort. Die Einrichtung von Palliativboards sowie Kurse in Präsenz oder online wurden von jeweils 53 % als sinnvoll erachtet.
Befragt nach den tatsächlichen institutionalisierten Kontakten im konkreten Klinikum gaben nur 4 % an, dass es ein Palliativboard gäbe. Die regelmäßige Teilnahme des Palliativteams am Tumorboard war in 9 % der Fall. Es gaben 6 % der Befragten an, dass ein Mitglied des Palliativteams die Visite begleiten würde; 85 % der TeilnehmerInnen meinten, dass es keinen formalisierten Kontakt gäbe bzw. dass ihnen dies nicht bekannt sei.
Faktoren für die erfolgreiche Integration von Palliative Care in die Chirurgie
Diese Frage war als offene Pflichtfrage konzipiert. Die Antworten wurden einer Textanalyse unterzogen. Dabei ergaben sich 6 Erfolgsfaktoren (nach Häufigkeit gereiht):
1.
Strukturierung der Aus- und Weiterbildung in Palliative Care für chirurgisches Fachpersonal,
2.
Schaffung von Rahmenbedingungen für eine interdisziplinäre Kommunikation,
3.
Klärung der Interaktionsmöglichkeiten mit dem Palliativteam,
4.
Optimierung der Verfügbarkeit von Palliative Care („nicht nur 8 bis 16 Uhr“),
5.
Vereinfachung der Kontaktaufnahme mit Palliative-Care-Providern („niedrigschwellig“),
6.
Förderung der Regelmäßigkeit des Kontaktes mit dem Palliativteam auf den Stationen.
Diskussion
Die Datenbankrecherche zum Thema chirurgische Ausbildung und Palliative Care zeigt, dass dieses unter 2 Aspekten – überwiegend in den USA – diskutiert wird. Einerseits werden Erfahrungen und Wissen in bzw. über Palliative Care von AssistentInnen sowie deren Wünsche hinsichtlich einer Integration in die chirurgische Ausbildung untersucht. Andererseits werden Ausbildungsprogramme beschrieben und Ergebnisse von Interventionsstudien geschildert. Die Literaturrecherche war nicht sehr ergiebig. Für Europa (insbesondere für den deutschsprachigen Raum) fanden sich in der Datenbankrecherche keine Ergebnisse.
Das American College of Surgeons (ACS) bekennt sich seit mehr als 20 Jahren zur Integration von Palliative Care in die Chirurgie. Für AssistentInnen wurde ein Textbuch „Surgical Palliative Care: A Residents’s Guide“, das kostenlos downloadbar ist, entwickelt. Dieses sensibilisiert für Palliative Care, beschäftigt sich mit Symptommanagement und schließt auch spirituelle Fragen ein.
Die Arbeit von Jafri et al. [4] stellt 8 Publikationen zum Thema „Ausbildungsbedürfnisse/Status quo“ vor. In allen Publikationen artikulierten die AssistentInnen ihren Wunsch nach Vermittlung palliativer Skills und fühlten sich unzureichend auf die Betreuung von palliativen und/oder von PatientInnen in sterbenahen Situationen vorbereitet. 15 Arbeiten beschäftigten sich mit dem Erfolg individueller Ausbildungsprogramme. AssistentInnen verbesserten in jedem der unterschiedlichen Programme (z. B. Workshops oder Online-Trainingsmodule) ihre palliativen Skills und fühlten sich sicherer in der Betreuung von PatientInnen.
Die Umfrageergebnisse an großen Kliniken und Krankenhäusern im ländlichen Raum sind trotz der unterschiedlichen Ressourcen ähnlich, wie Waring et al. [11] und Bonanno et al. [1] zeigten. Waring et al. bezogen sich auf den ländlichen US-amerikanischen Raum. Alle befragten AssistentInnen waren hier der Meinung, dass eine palliative Ausbildung für sie notwendig sei. Die subjektive Sicherheit in Therapiezieldiskussionen und beim Überbringen infauster Prognosen korrelierte mit der Dauer der Ausbildung und mit der absolvierten Rotation auf eine Intensivstation. Die AutorInnen entwickelten ein Ausbildungsprogramm, das vierteljährliche multiprofessionelle Palliativboards mit Simulations- und Kommunikationstraining, die Integration von Palliative Care in die Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen und die Verwendung des vom ACS herausgegebenen Resident’s Guide vorsieht. Eine Evaluierung hinsichtlich der Akzeptanz und der Effektivität des Programms ist nicht publiziert.
Bonanno et al. [1] veröffentlichten 2019 die Ergebnisse einer Befragung von 94 AssistentInnen und 115 Personen mit Ausbildungsfunktion. Auch in dieser Untersuchung wünschten sich alle TeilnehmerInnen zusätzliches Training in Palliative Care. Mehr als 90 % ihrer Vorgesetzten meinten, dass ihre AssistentInnen dieses benötigten; 85 % der AssistentInnen sprachen sich für ein strukturiertes palliatives Curriculum aus. Auch diese Publikation zeigt den Wunsch nach Integration von Palliative Care in die Ausbildung.
Die Effektivität eines kurzen Ausbildungsprogrammes stellten Klaristenfeld et al. [5] dar. Es umfasste Gruppendiskussionen, Literaturinputs, Rollenspiele sowie Vorträge. Die Erhebung der Effektivität erfolgte, indem die TeilnehmerInnen vor und nach Absolvierung des Programmes sowie 3 Monate später hinsichtlich der Auswirkungen des Trainings befragt wurden. Die Ergebnisse belegen, dass auch mit wenig Zeitressource vieles erreicht werden kann: 57 % fühlten sich vor Absolvierung des Programms wohl, wenn sie mit PatientInnen und An- und Zugehörigen End-of-Life-Gespräche führten, nach Absolvierung waren es 80 % (unmittelbar danach) respektive 84 % (nach 3 Monaten, p < 0,01). Vor dem Training dachten 9 %, während ihrer bisherigen Ausbildung gut auf palliative Situationen vorbereitet worden zu sein, nach dem Abschluss des Programms waren es 86 % respektive 84 % (p < 0,01); 92 % der TeilnehmerInnen konnten das Gelernte in ihrer Arbeit gut umsetzen.
AssistentInnen am Beginn der Ausbildung profitieren von der Vermittlung palliativer Skills und sind in dieser Hinsicht mit AssistentInnen im letzten Ausbildungsjahr, die keine spezielle palliative Ausbildung erhielten, vergleichbar. Bradley et al. [2] konnten zeigen, dass für Sicherheit und Selbstvertrauen bei der Betreuung von PatientInnen in palliativen Settings auch das Sammeln von Erfahrungen in der täglichen Praxis notwendig ist.
Einen rezenten Überblick über mögliche Wege der Implementierung von Palliative Care in das chirurgische Curriculum stellen Lin et al. [8] dar. Dies reicht von der Verwendung von Lernunterlagen wie dem vom ACS herausgegebenen Resident’s Guide oder Kursen des American Board of Surgery (ABS) bis hin zu klinikspezifischen mehrjährigen Ausbildungsprogrammen, umfasst Simulationstraining („PC skills lab“) und Rotationen auf Einrichtungen der Palliative Care bzw. die Mitarbeit in Palliativkonsiliardiensten. Voraussetzungen für die Implementierung solcher Curricula sind nicht nur die Offenheit der Fakultäten respektive Kliniken, sondern auch finanzielle und zeitliche Ressourcen, um ExpertInnen in Palliative Care in Ausbildungsprogramme einbinden zu können. In den gesamten USA sind weniger als 100 ChirurgInnen auf universitärer Ebene auch PalliativmedizinerInnen [6].
Zur vorliegenden Arbeit ist anzumerken, dass eine wesentliche Limitation von „Surgery meets Palliative Care“ aus der Schwierigkeit resultierte, die definierte Zielgruppe zu erreichen, da datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen keine persönliche Adressierung erlaubten. Somit war die Autorin im Wesentlichen auf die Mitwirkung der AbteilungsvorständInnen und deren Sekretariate hinsichtlich der Verteilung der Zugangsdaten angewiesen.
Die Befragung richtete sich an AssistentInnen der Chirurgie und nicht an junge FachärztInnen, die möglicherweise noch viel häufiger und konkreter mit Fragen nach der Wirksamkeit chirurgischer Therapiestrategien bei „palliativen“ PatientInnen konfrontiert sind. Dies ist ein wichtiger Einwand, allerdings ging es bei der Untersuchung darum herauszufinden, ob überhaupt ein Bedarf an Ausbildung in Palliative Care im Curriculum besteht bzw. wie diesem Rechnung getragen werden könnte.
Die gewonnenen Daten beziehen sich auf Österreich, somit kann über die Bedürfnisse Auszubildender in Deutschland oder der Schweiz keine Aussage getroffen werden. Die Ergebnisse von „Surgery meets Palliative Care“ entsprechen allerdings den publizierten US-amerikanischen Daten.
Fazit und Ausblick
In der österreichischen Ausbildungsordnung (gültig ab 01.01.2020) bzw. im Rasterzeugnis für Allgemein- und Viszeralchirurgie wird „Palliativmedizin“ bzw. „fachspezifische Palliativmedizin“ als Ausbildungsinhalt angeführt, allerdings ohne weitere Konkretisierung. In den Logbüchern für Allgemein- bzw. Viszeralchirurgie in der Bundesrepublik Deutschland und den Schweizerischen Weiterbildungsprogrammen für Chirurgie und Viszeralchirurgie ist Palliative Care ebenso wenig konkretisiert. Es finden sich in beiden Ländern lediglich Verweise darauf, dass Palliative Care und/oder die Betreuung schwerstkranker und sterbender PatientInnen auch zum Kompetenzbereich der ChirurgInnen gehören.
Es ist anzunehmen, dass die Vermittlung von palliativen Skills unstrukturiert erfolgt, wenn sie denn überhaupt geschieht. Erfahrungen, die beispielsweise durch Teilnahme an Therapiezielvereinbarungen an Intensivstationen erworben werden können, Kontakte mit palliativen Einrichtungen in den Kliniken und nicht zuletzt Role Modeling durch Vorleben und Beobachten von KollegInnen scheinen die einzigen Möglichkeiten zu sein, wie palliative Skills in der regulären Ausbildung erworben werden können. Dem steht das in der vorliegenden Untersuchung artikulierte Bedürfnis der AssistentInnen nach vertiefter Ausbildung gegenüber.
Die Untersuchung stellt einen ersten Versuch dar, sich der Beziehung zwischen Palliative Care und Chirurgie zu nähern. Es wäre wünschenswert, wenn sich daran anknüpfend weitere Forschungsarbeiten – beispielsweise zur Klärung der Wirksamkeit von Programmen zur Förderung der Palliative Care in der chirurgischen Ausbildung – ergeben würden. Dies könnte mittels einer Interventionsstudie an einem Klinikum mit chirurgischer und palliativmedizinischer Kompetenz beforscht werden. Dabei sollte die Effektivität evaluiert werden, indem die TeilnehmerInnen vor und nach Teilnahme über die Auswirkungen des Trainings befragt werden. In der Literatur werden unterschiedliche Ausbildungsprogramme (z. B. Rotation auf Palliativstation, Begleitung des Konsiliardienstes, Kommunikations- und Simulationstraining) beschrieben, hier bietet die Untersuchung von Klaristenfeld [5] einen Überblick. Auszubildende wünschen sich eine vertiefte Ausbildung in Palliative Care, nun sind die Ausbildungsverantwortlichen – Klinikleitungen, Fachgesellschaften, Standesvertretungen – aufgerufen, sich auf den Weg zu machen und Forschungsprojekte entsprechend zu fördern.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
K. Koisser gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von der Autorin keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die nicht-kommerzielle Nutzung, Vervielfältigung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die Lizenz gibt Ihnen nicht das Recht, bearbeitete oder sonst wie umgestaltete Fassungen dieses Werkes zu verbreiten oder öffentlich wiederzugeben.
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Hinweis des Verlags
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
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