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10.05.2020 | COVID-19 | Nachrichten

GOP 32641

Antikörper-Tests auf SARS-CoV-2 jetzt Kassenleistung

Autor:
Denis Nößler

Wenn es die PCR nicht mehr tut, können Antikörpertests eine durchgemachte Corona-Infektion detektieren. Jetzt sind sie GKV-Leistung – mit Vorgaben. Die Ergebnisse sollten behutsam interpretiert werden.

Labortests auf Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 sind seit Freitag (8. Mai) zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) möglich. Das teilten sowohl die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als auch etwa die KV Baden-Württemberg mit.

Die Untersuchung kann zur Titerbestimmung als auch zum Nachweis einer Serokonversion veranlasst werden. Dazu soll sie frühestens eine Woche nach Symptombeginn vorgenommen werden, da Antikörper bekanntlich erst nach der Akutphase der Erkrankung gebildet werden. Der RT-PCR-Nachweis von Virus-RNA ist hingegen nach dem Ende der akuten Infektion kaum mehr möglich.

Ärzte sollen zwei Blutproben im Abstand von sieben bis 14 Tagen entnehmen, die zweite Probe nicht vor der dritten Woche nach Symptombeginn. Schnelltests werden nicht erstattet.

Anfordernde Ärzte beauftragen ihr Labor mittels der Gebührenordnungsposition (GOP) 32641. Für diese „ähnliche Untersuchung“ müssen die Ärzte die zu detektierenden Antikörper benennen. Laut KBV und KV Bawü kann auf Gesamt-Antikörper oder spezifisch auf IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht werden. IgA- oder IgM-Titer sollen nicht bestimmt werden.

Anfordernde und Laborärzte sollen die Abrechnung mit der Pseudo-GOP 88240 kennzeichnen. Damit werden alle Leistungen am Behandlungstag extrabudgetär vergütet.

Nachweis ist meldepflichtig

Ob die Leistung das Laborbudget der anfordernden Ärzte belastet, war am Sonntag zunächst allerdings unklar. Die 32641 ist – anders als die GOP für spezifisch benannte Antikörpertests – nicht Teil der Ausnahmekennziffer 32006 („Erkrankungen oder Verdacht auf Erkrankungen, bei denen eine gesetzliche Meldepflicht besteht oder Mukoviszidose“).

Ein positiver Befund gilt als indirekter Erregernachweis und ist sowohl für die Laborärzte als auch die behandelnden Ärzte meldepflichtig.

Erst in der vergangenen Woche hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, drei Millionen Testeinheiten von Roches Immunoassay Elecsys® Anti-SARS-CoV-2 zu bestellen. Der IgG-Antikörpertest basiert auf der verbreiteten Cobas-Plattform von Roche.

Der Hersteller gibt die Sensitivität mit 100 Prozent an – validiert anhand von 29 COVID-19-Patienten ab dem 14. Tag nach einem positiven PCR-Test. Die Spezifität gibt der Hersteller mit 99,81 Prozent an – den Angaben zufolge validiert an 5272 Proben.

Geringer positiv-prädiktiver Wert

Das Problem selbst einer hohen Spezifität ist aber die geringe Prävalenz von COVID-19 in der deutschen Bevölkerung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Sonntagnachmittag sind hierzulande 169.218 Fälle amtlich gemeldet. Das macht eine Prävalenz von zwei Promille.

Nach Bayes‘ Theorem ist diese Vortestwahrscheinlichkeit allerdings maßgeblich für die Aussagekraft eines Tests. Momentan würde der positiv-prädiktive Wert (PPV) bei „nur“ rund 51 Prozent liegen. Das heißt, ein Testergebnis könnte mit einer 50:50-Chance richtig oder falsch sein. Grund dafür ist die nominell hohe Zahl von falsch-positiven Ergebnissen.

Erst mit einer steigenden Prävalenz würde die Aussagekraft besser (siehe Grafik). Oder durch eine Risikostratifizierung, also die Anwendung des Tests bei Personengruppen, die nachweislich häufiger von COVID-19 betroffen sind.

Darauf weist auch die KBV hin und rät Ärzten: „Eine Testung ohne direkten zeitlichen Bezug zu einer klinischen COVID-19-Symptomatik beispielsweise zur Prüfung einer Immunität sollte nicht durchgeführt werden.“ Die Prüfung des Immunstatus sei derzeit keine vertragsärztliche Leistung.

Quelle: Ärzte Zeitung

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