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25.08.2020 | COVID-19 | Nachrichten

IGeLn mit Corona-Tests?

MDS kritisiert Aufklärung zu Antikörpertests für Selbstzahler

Autor:
Matthias Wallenfels

Zur Abklärung, ob sie COVID-19 durchgemacht haben, fragen Kassenpatienten Antikörpertests auf IGeL-Basis nach. Ärzte arbeiten hier nicht immer sauber, wettert der MDS.

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf den Selbstzahlermarkt für Kassenpatienten in Deutschland: Stand Ende Juli haben sechs Prozent von ihnen bereits einen Antikörpertest auf COVID-19 in einer Praxis als Selbstzahlerleistung nachgefragt oder angeboten bekommen. Das geht aus einer für Kassenpatienten zwischen 20 und 69 Jahren repräsentativen Befragung von 6854 Versicherten im Auftrag des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbands (MDS) hervor. MDS-Geschäftsführer Dr. Peter Pick hat die Ergebnisse am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Von den 218 Befragten, die den COVID-19-Antikörpertest als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch genommen haben, berichten 51 Prozent, er sei ihnen ärztlicherseits offeriert worden. 49 Prozent verlangten eigeninitiativ nach der Selbstzahlerleistung.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Als Hauptmotiv für die Inanspruchnahme des Tests geben 45 Prozent der Versicherten – Mehrfachnennungen und offene Antworten waren möglich – an, sie wollten abklären lassen, ob sie COVID-19 bereits durchgemacht hätten.

  • 30 Prozent wollten wissen, ob sie immun sind und die Krankheit nicht mehr bekommen könnten.
  • 27 Prozent nannten berufliche Gründe, wie häufigen Kundenkontakt und Dienstreisen.
  • Immerhin 25 Prozent der Versicherten wollten erfahren, ob sie akut erkrankt sind.
  • 23 Prozent gehören nach eigener Aussage zu einer Risikogruppe.
  • 11 Prozent hatten Kontakt zu einer mit COVID-19 infizierten Personen,
  • 10 Prozent nahmen das Testangebot zur Sicherheit vor einem geplanten Urlaub wahr.

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Ein Dorn im Auge ist dem MDS bei all dem Corona-Testgeschehen, dass nach – der dann nicht mehr repräsentativen, aber aussagekräftigen – Auskunft der 218 betroffenen Patienten in 22 Prozent der Fälle ärztlicherseits Antikörpertests aus der Gruppe der umstrittenen Schnelltests verwendet wurden, von denen RKI, WHO und DGAUM (Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin) abraten.

Weiteres Manko: Ein Drittel der Getesteten wurde nach eigener Aussage ärztlicherseits nicht darüber aufgeklärt, dass das Testergebnis mit Unsicherheit einhergeht. Vier von zehn Getesteten wurden weder vor noch nach dem Test darüber aufgeklärt, dass sie trotz positiven Ergebnisses nicht erkrankt gewesen sein könnten. „Uns ist selbstverständlich bewusst, vor welchen immensen Herausforderungen die Ärztinnen und Ärzte in der Corona-Krise stehen“, schickte Pick seiner Kritik am Corona-IGeL-Geschehen voraus. Aber: „Bei der Aufklärung und Information der Patienten ist auch beim COVID-19-Antikörpertest Luft nach oben.“

Kommentar zur IGeL-Kritik: Am Nasenring der Kassen

Ja, lernen sie es denn nie? Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes übt sich wieder in IGeL-Schelte.

Ja, lernen sie es denn nie? Für niedergelassene Haus- und Fachärzte sind Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) wie die anderen privatmedizinischen Angebote mehr oder weniger eine Überlebensfrage für die Praxis. Seit geraumer Zeit sind die Regeln für die korrekte Offerte, Aufklärung und Abrechnung dieser Leistungen bekannt – und verbindlich.

Knackpunkt: Im IGeL-Alltag scheint es aber hie und da zu ruckeln – Ausreißer schwarzer Schafe, die es auch in der Ärzteschaft gibt, inklusive. So wird im einen oder anderen Fall der Kostenvoranschlag, der die einzelnen Positionen – mit GOÄ-Ziffer und Steigerungsfaktor – auflistet, vergessen. Sicher keine Bagatelle, aber ist das tatsächlich ein Skandal?

Am Dienstag war aber wieder die Stunde des – aus seinem Selbstverständnis heraus besonders IGeL-kritischen – Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbands (MDS). Am Nasenring führte MDS-Geschäftsführer Dr. Peter Pick die Ärzte, die Selbstzahlerleistungen anbieten, durch die Manege. IGeL-Ärzte haben aus Sicht des MDS offensichtlich per se ein Transparenz-Problem, bedarf es engerer Daumenschrauben, um sie auf den korrekten IGeL-Kurs zu bringen. Auch die Politik springt sofort bei: Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, ließ gleich verlauten, die geltenden Regeln zum Umgang mit IGeL müssten durchgesetzt werden.

Hier werden zwei Punkte außer Acht gelassen: Zum einen spiegeln die dem IGeL-Report des MDS zugrunde liegenden Aussagen der Versicherten nur deren Wahrnehmung wider. Zum anderen herrscht bereits eine hohe Bürokratiebelastung in Praxen, die möglichem IGeL-Schlendrian Vorschub leistet. Hier gleich den Abgesang auf die Patientensicherheit bei IGeL zu halten, ist übertrieben.

Autor: Matthias Wallenfels

Quelle: Ärzte Zeitung

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