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27.01.2022 | COVID-19 | Nachrichten

Frau mit Appendizitisverdacht und Atemnot

Hämatom an der Niere durch Corona?

verfasst von: Dr. Elke Oberhofer

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Rechtsseitige Unterbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, dazu freie Flüssigkeit im Bauchraum: Für ein Team aus Teheran sieht das wie eine akute Appendizitis aus. Dann entwickelt die Patientin Atemnot.

Die Bauchschmerzen seien sehr kurzfristig aufgetreten, berichtet die 40-jährige Patientin. Außerdem sei ihr schlecht und sie habe sich übergeben. Druck auf den rechten oberen und unteren Quadranten führt zu einer starken Reaktion. Das Blutbild zeigt eine Leukozytose, im Ultraschall findet sich freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Das klingt nach Blinddarm. Das Team im Teheraner Sina Hospital macht sich zur Op. bereit.

Spontanes Hämatom war die Schmerzursache

Eine erste Exploration der Bauchhöhle bleibt jedoch ohne Ergebnis: Die Appendix sieht unauffällig aus, ebenso Eileiter und Ovarien. Noch während des Eingriffs wird ein Urologe hinzugezogen, dieser bestätigt den Befund eines retroperitonealen Hämatoms an der rechten Niere. Es scheint stabil zu sein, zeigt keine Pulsation. Der Zustand der Patientin ist gut, daher wird die Laparotomie wieder verschlossen, die Frau kommt in den Aufwachraum.

Sechs Stunden später fällt ein niedriger Hämoglobinwert auf. Ein CT-Scan wird anberaumt, darin zeigt sich das beschriebene Hämatom, aber kein Hinweis auf eine aktive Blutung oder einen Nierentumor. Man entschließt sich, abzuwarten und die Patientin weiter zu beobachten.

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PCR-Test auf Corona positiv

Nach etwa zwölf Stunden entwickelt die 40-Jährige jedoch Fieber und Husten. Wenig später wird sie kurzatmig bis hin zur Atemnot. Ein CT-Scan vom Thorax verrät, was es damit auf sich hat: Es zeigt multiple Milchglastrübungen, typisch für eine Corona-Infektion. Ein PCR-Test ist positiv, die Ärzte verabreichen daraufhin Remdesivir, im weiteren Verlauf zudem Antibiotika. Unter dieser Therapie erholt sich die Patientin langsam, schließlich kann sie die Klinik in gutem Zustand verlassen.

Vier Monate später wird noch einmal ein Ultraschall angefertigt. Das Hämatom ist jetzt verschwunden, die Niere wieder komplett unauffällig.

Blutung als Folge der Infektion?

Auf die Frage, wie der Erguss entstanden sein könnte, erscheint den Ärzten um Ali Tavoosian von der Tehran University of Medical Sciences hauptsächlich eine Antwort plausibel: Es müsse wohl die Infektion mit SARS-CoV-2 gewesen sein, die zu der subkapsulären Blutung an der rechten Niere geführt habe. Zwar werde COVID-19 vor allem mit einer Hyperkoagulabilität in Verbindung gebracht. Wie der vorliegende Fall und weitere Berichte in der Fachliteratur zeigten, seien aber durchaus auch Blutungskomplikationen als Folge der Infektion möglich. Beschrieben seien neben retroperitonealen Blutungen auch solche an Brustwand, Muskeln, Nebenniere, Hirn und Leber. An solche sollten Ärzte bei entsprechenden Symptomen denken.

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Literatur

Tavoosian A et al. Spontaneous perirenal haematoma (SPH) in a COVID-19 patient: A rare case report. Urol Case Rep 2022;42:102006; https://doi.org/10.1016/j.eucr.2022.102006