Skip to main content
main-content

28.01.2021 | COVID-19 | Leitthema Open Access

Erhöhtes Risiko eines COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthaltes für Arbeitslose: Eine Analyse von Krankenkassendaten von 1,28 Mio. Versicherten in Deutschland

Zeitschrift:
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz
Autoren:
PD Dr. Morten Wahrendorf, Christoph J. Rupprecht, Olga Dortmann, Maria Scheider, Nico Dragano
Wichtige Hinweise
Die Autoren M. Wahrendorf und N. Dragano teilen sich die Erstautorenschaft.

Zusammenfassung

Hintergrund und Ziel

Arbeitslosigkeit steht in Zusammenhang mit Armut und ist ein Risikofaktor für schlechte Gesundheit. Der vorliegende Beitrag untersucht, ob Arbeitslosigkeit das Risiko für einen COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthalt für Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland erhöht.

Methoden

Die Auswertungen verwenden Krankenkassendaten der AOK Rheinland/Hamburg (vom 01.01.2020 bis zum 18.06.2020) mit Daten zu 1.288.745 Personen zwischen 18 und 65 Jahren. 4 Erwerbssituationen werden unterschieden: (1) reguläre Erwerbstätigkeit, (2) Niedriglohntätigkeit mit Sozialleistungen, (3) Arbeitslosigkeit mit Bezug von Arbeitslosengeld 1 (Alg I) und (4) Langzeitarbeitslosigkeit mit Bezug von Arbeitslosengeld 2 (Alg II). COVID-19-Krankenhausaufenthalte werden über Meldungen der Krankenhäuser anhand der ICD-Codes U07.1 und U07.2 bestimmt. Berechnet werden multiple logistische Regressionsmodelle (für Alter und Geschlecht adjustiert).

Ergebnisse

1521 Personen hatten im Beobachtungszeitraum einen Krankenhausaufenthalt mit COVID-19 als Haupt- oder als Nebendiagnose. Dies entspricht insgesamt einer Rate von 118 Fällen pro 100.000 Versicherten. Die Raten variieren je nach Erwerbssituation. Im Vergleich zu regulär Erwerbstätigen liegt das Odds Ratio im Falle von Langzeitarbeitslosigkeit (Alg II) bei 1,94 (KI 95 %: 1,74–2,15), für Empfänger von Alg I bei 1,29 (KI 95 %: 0,86–1,94) und für Niedriglohnverdiener bei 1,33 (KI 95 %: 0,98–1,82).

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse stimmen mit früheren Studien aus den USA und Großbritannien zu sozioökonomischen Ungleichheiten bzgl. Risikos von COVID-19-Krankenhausaufenthalten überein. Dies liefert erste Hinweise dafür, dass sozioökonomische Unterschiede in Bezug auf schwere Verläufe von COVID-19 auch in Deutschland auftreten.

Unsere Produktempfehlungen

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz

Print-Titel

  • Öffentliches Gesundheitswesen und staatliche Gesundheitspolitik
  • Erkenntnisse der biologisch-medizinischen Grundlagenforschung
  • Konkrete Maßnahmen zu Risikoabwehr und Gesundheitsschutz

e.Med Interdisziplinär

Kombi-Abonnement

Für Ihren Erfolg in Klinik und Praxis - Die beste Hilfe in Ihrem Arbeitsalltag als Mediziner

Mit e.Med Interdisziplinär erhalten Sie Zugang zu allen CME-Fortbildungen und Fachzeitschriften auf SpringerMedizin.de.

Literatur
Über diesen Artikel

Coronavirus Corona-Update

Die aktuelle Entwicklung im Überblick: Nachrichten, Webinare, Übersichtsarbeiten.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Der komplexe Weg eines Impfstoffs

Moderne Impfstoffe sind gut verträglich und ermöglichen es uns, bestimmten Infektionskrankheiten vorzubeugen. Sie können uns sogar in die Lage versetzen, einzelne Krankheitserreger auszurotten. Doch wie werden Impfstoffe eigentlich hergestellt?

ANZEIGE

Antworten auf 10 häufige Impf-Einwände

Ein Gespräch mit impfkritischen Patienten kann schnell zur Herausforderung werden.[1] Mit welchen Argumenten kann man versuchen, die Bedenken dieser Patienten abzubauen? Wir haben für Sie zusammengefasst, welche Antworten das Robert Koch-Institut (RKI) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) geben.

ANZEIGE

Impfungen – vom Säugling bis zum Senior

Als eines der global führenden Gesundheitsunternehmen besitzt MSD mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Impfstoffen. Hier finden Sie Informationen zu einigen der von der STIKO empfohlenen Immunisierungen, z.B. der MMRV- und der HPV-Impfung sowie der Pneumokokken-Impfung für Senioren.

Bildnachweise