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11.03.2021 | COVID-19 | Nachrichten

Schutz vor SARS-CoV-2

Studie mit Kindern: „Keine Atemprobleme durch die Maske“

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Das Tragen einfacher Atemschutzmasken (OP-Masken) über maximal eine halbe Stunde war in einer kleinen italienischen Studie weder bei älteren Kindern noch bei Säuglingen und Kleinkindern mit einer Verschlechterung respiratorischer Parameter verbunden.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Nach der gegenwärtigen Studienlage ist davon ausgehen, dass auch Kinder das SARS-CoV-2-Virus grundsätzlich übertragen können, selbst wenn sie keine erkennbaren Symptome aufweisen. Allerdings herrscht Uneinigkeit darüber, ob und ab welchem Alter man Kindern das Tragen von Atemschutzmasken zumuten kann, um etwa Risikopersonen vor einer Infektion zu schützen.

Atemfunktion bei gesunden Kinder nicht beeinträchtigt

Ein Team der Sapienza-Universität in Rom kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass das Tragen einer einfachen OP-Maske über einen begrenzten Zeitraum die Atemfunktion bei gesunden Kindern (!) nicht beeinträchtigt; das gilt ihrer Beobachtung nach auch für Kinder unter drei Jahren. Getestet wurde dies allerdings nur bei Tragezeiten von maximal einer halben Stunde.

Von den insgesamt 47 Teilnehmern wies zu Studienbeginn niemand eine manifeste Atemwegserkrankung auf. Dr. Riccardo Lubrano und sein Team bildeten zwei Gruppen: Gruppe A umfasste 22 Kinder unter zwei Jahren (mittleres Alter 12 Monate), in Gruppe B wurden 25 Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren (median acht Jahre) zusammengefasst. Der Test bestand aus zwei aufeinanderfolgenden, jeweils halbstündigen Sitzungen, einmal ohne und einmal mit Maske. Alle 15 Minuten wurden folgende Parameter gemessen: Sauerstoffsättigung (SaO2), endtidaler CO2-Partialdruck (PETCO2), Perfusionsindex (PI), Puls und Atemfrequenz.

Wichtige Parameter konstant

Sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Kindern blieb die Sauerstoffsättigung zu allen Messzeitpunkten konstant bei median 98%, auch eine viertel und eine halbe Stunde nachdem die Kinder die Maske aufgesetzt hatten.

Der PETCO2-Wert in Gruppe A lag zur ersten Messung ohne Atemschutz bei 33 mmHg, in Gruppe B waren es 37 mmHg. Nach einer halben Stunde mit Maske betrug der Wert in Gruppe A 32,5 mmHg, in Gruppe B war er auf 36 mmHg gesunken.

Der Perfusionsindex veränderte sich ebenfalls kaum, von 3,5% nach 15 Minuten auf 3,6% nach insgesamt 60 Minuten in Gruppe A bzw. von 4,6% auf 4,3% in Gruppe B. Damit lagen sowohl PETCO2 als auch PI in beiden Gruppen zu allen Zeitpunkten im Referenzbereich.

Das Gleiche galt für die Pulsraten und die Atemfrequenz, wenngleich beides bei den älteren Kindern nach einer halben Stunde Masketragen etwas hochgegangen war (Puls von median 90/min auf 99/min, Atemfrequenz von 20/min auf 24/min).

Unter Belastung keine Warnzeichen

In Gruppe B wurde zusätzlich ein Belastungstest durchgeführt: Die Kinder sollten 12 Minuten lang mit Maske vor dem Gesicht einen Gang auf- und ablaufen, wobei die Studienärzte auf respiratorische Belastungszeichen wie Einziehen des Brustkorbs, Hautverfärbungen oder Einsatz der Atemhilfsmuskulatur achten sollten. Solche Warnhinweise wurden jedoch in keinem einzigen Fall beobachtet. Im Mittel überwanden die Kinder innerhalb der vorgegebenen Zeit eine Strecke von mehr als 800 Metern.

Da die Maske auch bei den Kleinsten weder mit alveolärer Minderbelüftung noch mit irgendwelchen Anzeichen für hämodynamische Instabilität assoziiert gewesen sei, liegt es laut Lubrano und seinem Team nahe, die bisherigen Empfehlungen zu überdenken. Das zeitlich begrenzte Tragen einer einfachen Atemschutzmaske (nicht FFP) beeinträchtige die Atemwegsfunktion offensichtlich auch bei Kleinkindern und Säuglingen nicht. Bei Letzteren sei allerdings eine ständige Überwachung unerlässlich.

Andere Nebenwirkungen nicht untersucht

Andere Nebenwirkungen des Maskentragens bei Kindern, etwa Gereiztheit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Unwohlsein, wie sie in der deutschen „Co-Ki-Studie“ von Eltern häufig berichtet wurden, hatten die italienischen Forscher nicht untersucht.

Bei Kindern unter drei Jahren sowie bei Kindern mit kognitiven Beeinträchtigungen und/oder Atemwegserkrankungen sprechen sich pädiatrische Fachgesellschaften und auch die US-amerikanische CDC (Centers for Disease Control and Prevention) derzeit klar gegen das Maskentragen aus. Die genannten Gruppen seien vor allem nicht unbedingt in der Lage, sich eigenständig von der Maske zu befreien, was zu kritischen Situationen führen könne.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Ist das Tragen einer Atemschutzmaske (OP-Maske) zum Schutz vor Weitergabe einer SARS-CoV-2-Infektion insbesondere bei kleinen Kindern mit Atemproblemen assoziiert?

Antwort: In einer Studie mit 47 Teilnehmern zwischen vier Monaten und zwölf Jahren kam es nach maximal einer halben Stunde Maskentragen zu keiner Verschlechterung der respiratorischen Werte.

Bedeutung: Den Autoren zufolge ist das Tragen von OP-Masken für gesunde Kinder unabhängig vom Alter im Hinblick auf respiratorische Nebenwirkungen wahrscheinlich unbedenklich.

Einschränkung: Kohortenstudie; begrenzte Teilnehmerzahl; nur gesunde Kinder; Tragezeit maximal eine halbe Stunde.

Literatur

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