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09.09.2020 | COVID-19 | Nachrichten

Geimpfter erkrankt

AstraZeneca stoppt Corona-Impfstudien

Autor:
Wolfgang Geissel

Weil ein Proband nach der Impfung schwer erkrankt ist, hat das Pharmaunternehmen AstraZeneca die Studien zu seinem experimentellen Corona-Impfstoff unterbrochen. Experten gehen von einem Routinevorgang aus.

Das Pharmaunternehmen AstraZeneca hat nach Medienberichten das Studienprogramm zu seinem Corona-Impfstoff unterbrochen.

Grund für die Unterbrechung soll eine schwere und unerwartete Erkrankung eines Probanden in zeitlicher Nähe zur experimentellen Impfung sein, hat zunächst der US-Nachrichtendienst STAT im Internet informiert. Die „New York Times“ (NYT) zitiert einen nicht namentlich erwähnten Informanten, dass dabei ein Impfling im britischen Teil der Studie an „Transverser Myelitis“ erkrankt sei.

Eine Bestätigung dazu oder auch eine offizielle Stellungnahme des britisch-schwedische Unternehmens gibt es bisher nicht. Während der Studien-Unterbrechung wird AstraZeneca Sicherheitsbedenken analysieren. Dies sei ein Routinevorgang, der bei jeder potenziell unerklärlichen Krankheit in solchen Studien stattfinde, so ein Unternehmenssprecher in der „NYT“.

Forscher lobt transparentes Vorgehen

„In der Öffentlichkeit werden solche Vorgänge wie das Aussetzen einer klinischen Studie manchmal als Schreckensmeldungen wahrgenommen. Wichtig ist aber anzuerkennen, dass das transparente Vorgehen ein Zeichen der funktionierenden Qualitätskontrolle ist“, betont der Virologe Professor Stephan Becker von der Universität Marburg die spärliche Nachrichtenlage in einer Mitteilung des „Science Media Centers“.

Für mich ist das Vorgehen im Falle der Impfstoffstudien von AstraZeneca ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Sicherheitsregeln greifen.


Professor Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie, Philipps-Universität Marburg in einer Mitteilung des „Science Media Centers“

Und weiter: „Für mich ist das Vorgehen im Falle der Impfstoffstudien von AstraZeneca ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Sicherheitsregeln greifen. Es ist bedauerlich, dass ein Proband der Studie erkrankt ist, aber es fehlen noch wichtige Informationen, um den Fall bewerten zu können. Wir brauchen nun Erkenntnisse darüber, ob der Proband der Impfstoff- oder Kontrollgruppe der Studie angehört, ob Vorerkrankungen oder Begleiterkrankungen vorliegen – vor allem sind andere Virusinfektionen abzuklären. Wenn das alles geklärt ist und die Erklärung zurückbleibt, dass die Erkrankung eine Nebenwirkung des Impfstoffs ist, muss eine Risikobewertung vorgenommen werden. Abgewogen werden müssen dann die Risiken des Impfstoffs mit den Risiken einer COVID-19-Erkrankung. Aber das steht erst am Ende des nun anlaufenden Prozesses, wenn herausgefunden werden konnte, worin die Ursache der Erkrankung tatsächlich liegt“, so der Virologe.

Entwicklung weit fortgeschritten

Der Impfstoff „AZD1222“ wird von AstraZeneca in Kooperation mit der Universität Oxford entwickelt. Dabei handelt es sich um einen DNA-Impfstoff, bei dem Coronavirus-Gene mit einem Schimpansen-Adenovirus-Vektor in menschliche Zellen geschleust werden.

Der Impfstoff wird seit Mai in Phase II/III-Studien in England und Indien sowie in Phase-III-Studien in Brasilien, Südafrika und über 60 US-Zentren geprüft. Die US-Studie wurde Ende August gestartet, etwa 30.000 Teilnehmer sollen rekrutiert werden.

Quelle: Ärzte Zeitung

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