Skip to main content
main-content

11.06.2020 | COVID-19 | Nachrichten

Ansteckungsgefahr

Fast jeder zweite SARS-CoV-2-Infizierte symptomlos?

verfasst von: Anne Bäurle

print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Asymptomatische Infizierte könnten einen wesentlichen Einfluss auf das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie haben. Forscher plädieren daher dafür, die Testprogramme weltweit auszuweiten.

Eine Ursache für die schnelle Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnten Infizierte sein, die asymptomatisch bleiben. So halten es Forscher um Dr. Daniel Oran von Scripps Research Translational Institut in La Jolla, Kalifornien, für wahrscheinlich, dass 40 bis 45 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Menschen keine Symptome entwickeln (Ann Intern Med 2020; online 3.Juni).

Damit widersprechen die Ergebnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Dr. Maria van Kerkhove, Leiterin des Notfallprogramms der WHO, hatte Anfang der Woche berichtet, die Übertragung von SARS-CoV-2 durch asymptomatische Patienten sei „äußerst selten“. Denn bei genauerer Nachfrage berichteten viele Patienten dann doch von sehr milden oder ungewöhnlichen Symptomen, etwa vom Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, der ja zunächst nicht mit einer Atemwegsinfektion in Zusammenhang gebracht wurde.

Empfehlung der Redaktion
Webinar mit Prof. Dr. Fred Zepp

04.06.2020 | COVID-19 | Webinar | Nachrichten

Corona: Wie ansteckend sind Kinder? Und was die Daten sonst noch verraten

Kita- und Schulöffnungen stehen an – doch Kinder sind noch immer die große Unbekannte in der Coronapandemie. Prof. Fred Zepp hat den wachsenden Berg an Studienergebnissen gesichtet und bringt seine Interpretation der Ergebnisse mit: Was ist tatsächlich bekannt über die Rolle von Kindern im Infektionsgeschehen, COVID-19-Krankheitsverlauf und kindliche Risikofaktoren für Komplikationen?

Inzwischen hat die WHO ihren Bericht allerdings wieder korrigiert und spricht nun davon, eine Übertragung des neuen Coronavirus durch asymptomatische Infizierte sei keineswegs „selten“. So gebe es Studien, denen zufolge der Anteil der Asymptomatischen an der Gesamtheit der SARS-CoV-2-Infizierten zwischen 6 und 40 Prozent liege.

Unterschiedliche Settings analysiert

Welche Rolle asymptomatische Infizierte nun tatsächlich bei der Corona-Pandemie spielen, ist unklar. Hinweise darauf hat aber das US-Forscherteam um Oran zusammengetragen. Dabei handele sich aber nur um „Momentaufnahmen“ und keine Ergebnisse aus randomisierten Studien, wie die Forscher betonen.

Sie haben für eine „narrative“ Übersichtsarbeit Daten von 16 Patienten-Kohorten aus der ganzen Welt gesammelt, und zwar zum Infektionsgeschehen in ganz unterschiedlichen Settings: Auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ etwa infizierte sich fast jeder fünfte der 3711 Passagiere – und fast 50 Prozent der positiv Getesteten hatten keinerlei Symptome (Morb Mortal Wkly 2020; 69: 347-352).

Was Ärzte bei diesen Passagieren allerdings auch feststellten: Das Fehlen von Symptomen bedeutet nicht unbedingt, dass die Patienten keine Schäden davontragen. Denn CT-Scans der Infizierten ohne Symptome zeigten subklinische Lungenanomalien, und zwar Trübungen, die in ähnlicher Weise auch bei schweren COVID-19-Verläufen nachgewiesen wurden.

Ähnliche Viruslast

In einer weiteren Kohorte wurden nach mehreren Corona-Fällen Bewohner einer Obdachlosenunterkunft in Boston auf SARS-CoV-2 getestet. Von 147 Bewohnern mit positiven Nachweis waren ganze 88 Prozent asymptomatisch. Ähnliches ergab ein Bericht über ein Obdachlosenheim in Los Angeles: Hier zeigten 64 Prozent der positiv Getesteten keinerlei COVID-19-Symptome.

Empfehlung der Redaktion
Kreuzfahrtschiff auf See

02.06.2020 | COVID-19 | Nachrichten

Lehren aus einer Kreuzfahrt mit SARS-CoV-2

Auf dem Weg zur Antarktis bricht auf einem Kreuzfahrtschiff COVID-19 aus. Erst bei der Evakuierung zeigt sich, dass die Zahl der Infizierten viel höher ist als gedacht.

Die Forscher schließen daraus, dass gerade in vulnerablen Risikogruppen, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, durch ein Screening ausschließlich auf Symptome eine beträchtliche Anzahl der Corona-Infizierten übersehen würden und das Virus unbemerkt weiterverbreiten könnten.

Eine weitere Kohorte zeigte, dass auch bei der Symptomkontrolle an Flughäfen viele SARS-CoV-2-Infizierte durch das Raster fallen: Bei Rückführungen von 783 griechischen Staatsbürgern wurden fünf Prozent positiv getestet – zum Zeitpunkt des Virusnachweises waren allerdings 98 Prozent asymptomatisch, also zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion, wenn die Viruslast bei vielen Patienten am höchsten ist. Selbst bei einem Follow-up-Test zwei Wochen nach dem ersten Test auf SARS-CoV-2 waren noch 88 Prozent der positiv Getesteten symptomlos.

Einen weiteren Beleg für ihre These sehen Oran und Kollegen in Berichten, denen zufolge die Viruslast der asymptomatischen Personen in einigen Fällen der von Patienten mit Symptomen entsprach, was auf ein ähnliches Potenzial für die Virusübertragung hinweise (NEJM 2020; 382:1177-1179).

Eindringlich plädieren die Forscher daher, die Testprogramme zu erweitern, um auch asymptomatisch Infizierte zu erkennen. Nur so könne eine unbemerkte Ausbreitung verhindert werden. Um zwischen asymptomatischen und präsymptomatischen Fällen zu unterscheiden, sollten zudem Längsschnittdaten über einen ausreichend langen Zeitraum gesammelt werden.

Empfehlung der Redaktion
Webinar mit Priv.-Doz. Dr. Katharina Hellbach

29.05.2020 | COVID-19 | Webinar | Nachrichten

Die Rolle der CT in der Diagnostik und Verlaufskontrolle von COVID-19

Die Computertomographie (CT) ist eine wertvolle Hilfe bei der Diagnose sowie der Einschätzung des Schweregrads und Verlaufs einer Infektion mit SARS-CoV-2. Wann die Indikation für eine CT bei einer COVID-19 Erkrankung gegeben ist und welche pathologischen Muster bei dieser Erkrankung im CT zu sehen sind, stellt Frau Dr. Hellbach, Fachärztin für Radiologie, in diesem Webinar anschaulich dar.

Quelle: Ärzte Zeitung

print
DRUCKEN

Weiterführende Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Corona-Update

Die aktuelle Entwicklung im Überblick: Nachrichten, Webinare, Übersichtsarbeiten.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Impfempfehlungen für Gesunde 60+: Johanna F.*

Die gesunde 61-jährige Johanna F.* erwartet ihr 1. Enkelkind: Von ihrem Hausarzt möchte sie erfahren, welche Impfungen bei ihr fehlen könnten. Mehr hier!

ANZEIGE

Masern & Co.: Fallzahlen in Zeiten der Pandemie

Wie hat sich die COVID-19-Pandemie auf die Fallzahlen von Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Windpocken ausgewirkt? Und welches Vorgehen empfiehlt die STIKO bei Routineimpfungen in Pandemie-Zeiten? Antworten und 8 Tipps zur Praxis-Organisation bei Routineimpfungen, hier!

ANZEIGE

Impfungen – vom Säugling bis zum Senior

Als eines der global führenden Gesundheitsunternehmen besitzt MSD mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Impfstoffen. Hier finden Sie Informationen zu einigen der von der STIKO empfohlenen Immunisierungen, z.B. der MMRV- und der HPV-Impfung sowie der Pneumokokken-Impfung für Senioren.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Asthma und COVID-19: Praxiserfahrungen einer Pneumologin

Wie können Vorbehalte von Asthmapatienten gegenüber ICS gemindert werden? Die Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie und Sozialmedizin Dr. med. Katrin Meyer-Abich beantwortet diese und weitere Fragen im Video-Interview und stellt die Kasuistik einer Asthmapatientin mit COVID-19-Pneumonie vor.

ANZEIGE

COVID-19-Impfstoffe: Die Hoffnungsträger im Vergleich

Im Dezember 2020 gelang in der EU die erste Zulassung eines COVID-19-Impfstoffes, drei weitere folgten 2021. Derzeit befinden sich noch vier weitere Vakzine in Prüfverfahren der EMA. Erfahren Sie mehr über die Wirksamkeit, auch gegen bekannte Virus-Mutationen, und über die Sicherheit der Impfstoffe.

ANZEIGE

Therapieziel: Bestmögliche Asthmakontrolle

Hier finden Sie praxisrelevante Informationen und Services rund um die moderne medikamentöse Asthmatherapie mit einem Fokus auf Asthmakontrolle, Real-Life-Data und Lebensqualität. 

Passend zum Thema

ANZEIGE

COPD und nicht-invasive Behandlungsmethoden

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wie die nicht-invasive Beatmung (NIV) können die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von COPD-Patienten erheblich verbessern und das Sterberisiko senken. Die NIV-Therapie zur Behandlung von fortgeschrittener COPD hat Eingang in die neuen S2k-Leitlinien zur COPD-Therapie gefunden.

ANZEIGE

Neue Technologien bei außerklinischer NIV von COPD-Patienten

Einer aktuellen Studie von McDowell et. al.[1] zufolge kann im Gegensatz zur klinischen nicht-invasiven Beatmung (NIV) die außerklinische NIV in Ergänzung mit Telemonitoring und einem Hybridmodus den Zeitraum bis zur Rehospitalisierung oder zum Tod von hyperkapnischen COPD-Patienten verlängern.

ANZEIGE

Auch für ältere Patienten empfiehlt sich nicht-invasive Langzeitbeatmung

Nicht-invasive Beatmung ist für Menschen mit chronisch hyperkapnisch respiratorischer Insuffizienz eine bewährte Therapie. Eine Schweizer Studie untersuchte die Auswirkungen der Beatmung auf über 75-Jährige und belegt nun deren Wirksamkeit.