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02.06.2020 | COVID-19 | Nachrichten

Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

Mehr Prävention = weniger COVID-19-Risikopatienten

Autor:
Thomas Hommel

Viele bei Corona relevante Vorerkrankungen hätten durch wirksame Prävention verhindert werden können, kritisiert das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) – und fordert ein Umdenken von Politik und Gesellschaft.

Angesichts zahlreicher Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf hat das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) die bis dato mangelhafte Prävention dieser Risikofaktoren in Deutschland beklagt.

Diabetes oder auch Herzerkrankungen gehörten zu Vorerkrankungen, die sich durch politische Interventionen verringern ließen, sagt die Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Professor Monika Kellerer.

„Doch die Bundesregierung hat hier jahrelang die Empfehlungen der WHO ignoriert. Auch deshalb sind mehr Menschen in Deutschland gefährdet, schwer an COVID-19 zu erkranken und zu sterben.“

Versäumnisse am laufenden Band

Die Verbände heben hervor, dass sie die großen Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie anerkennen. „Aber frühere effektivere Maßnahmen, beispielsweise für eine gesunde Ernährung und zur Eindämmung der Adipositas und des Rauchens, hätten die Chancen vieler Betroffener erheblich verbessert“, sagt Professor Martina de Zwaan, Vorstand der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG).

Neben dem Alter gelten Vorerkrankungen als Risikofaktoren, schwer an COVID-19 zu erkranken oder sogar daran zu versterben. Die Studienlage nennt hier vor allem Adipositas, Herzerkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und Diabetes beziehungsweise die dadurch bedingten Folgeerkrankungen.

Die WHO hat ihren Mitgliedsländern deshalb konkrete Empfehlungen an die Hand gegeben, wie sich derartige Risikofaktoren mittels politischer Eingriffe senken ließen. Zu den Empfehlungen gehören unter anderem eine Sondersteuer auf gezuckerte Produkte oder Werberegulierungen für „Dickmacher“. 60 bis 80 Prozent aller Diabetesfälle seien bei konsequenter Umsetzung derartiger Interventionen zu verhindern, so Schätzungen.

Viele Maßnahmen nicht umgesetzt

DANK kritisiert in diesem Kontext, viele verhältnispräventive Maßnahmen seien nicht oder unzureichend umgesetzt. Deutschland hinke in vielen Bereichen der Prävention anderen Ländern hinterher. Das räche sich gerade jetzt in der Corona-Krise.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte beim Deutschen Krebskongress 2020 Mitte Februar angekündigt, noch im Laufe des Jahres einen Entwurf für ein neues Präventionsgesetz vorlegen und darin den „gesamtgesellschaftlichen Ansatz“ stärken zu wollen. Die Bereiche Ernährung und Bewegung sollten ganz besonders akzentuiert sein, hatte Spahn betont.

Diabetes, Herzerkrankungen und Tabakabhängigkeit sind alles Vorerkrankungen, die sich durch politische Maßnahmen verringern lassen.
Professor Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Von chronischen Erkrankungen ginge aber auch ohne die SARS-CoV-2-Pandemie ein erhöhtes Risiko aus, vorzeitig zu versterben, betont die DANK. So sei etwa jede fünfte Todesfall in Deutschland mit Diabetes assoziiert. Adipositas verkürze – je nach Schweregrad – das Leben um bis zu zehn Jahre. Rauchen koste jährlich rund 121 000 Menschen das Leben.

Die in der DANK vertretenen Verbände sorgen sich derweil auch um die möglichen negativen Folgen der Corona-Krise auf die Gesundheit. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Armut könnten sich zu starken Risikofaktoren für viele Erkrankungen und auch für vorzeitiges Versterben entwickeln. „Wir müssen auch diese langfristigen Folgen für die Gesundheit beachten“, sagte de Zwaan.

Der Kampf gegen COVID-19 sei wichtig. Doch dürften andere schwere und weit verbreitete Erkrankungen nicht außer acht gelassen werden.

Quelle: Ärzte Zeitung

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