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29.01.2021 | COVID-19 | Nachrichten

COVID-19-Splitter: Corona-Studien kurz zusammengefasst

Autoren:
Anne Bäurle, Wolfgang Geissel, Marco Mrusek, Denis Nößler

Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier.

» zum aktuellen Corona-Splitter

Update vom 30. Juli

Vaxzevria® ist offenbar nicht mit einer erhöhten Inzidenz von Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom nach der zweiten Dosis assoziiert: Nach einer Studie von Mitarbeitern des Herstellers AstraZeneca soll die Inzidenzrate nach der zweiten Dosis ähnlich der bei ungeimpften Personen sein: 8,1 pro Million Geimpfter nach der ersten Dosis, 2,3 pro Million Geimpfter nach der zweiten Dosis. Für die Studie waren alle weltweit gemeldeten unerwünschten Ereignisse aus der Real-World-Anwendung der Vakzine in der globalen Sicherheitsdatenbank von AstraZeneca bis zum 30. April 2021 ausgewertet worden. Demzufolge sind weltweit 399 Fälle von Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) nach der ersten Impfdosis und 13 Fälle von TTS nach der zweiten Dosis dokumentiert. Um den „Worst Case“-Fall der Inzidenz zu berücksichtigen, hatten die Wissenschaftler die weltweit gemeldeten TTS-Fälle ins Verhältnis mit den 49,2 Millionen ersten Dosen und 5,6 Millionen zweiten Dosen gesetzt, die in Europa verimpft worden waren. Übrigens: Die weltweit dokumentierten Komplikationen traten zwischen einem und 13 Tagen nach der Impfung auf, die Impflinge waren zwischen 45 und 85 Jahre alt, acht waren Frauen (Lancet 2021; online 27. Juli).

Update vom 29. Juli

Freiburger Forscher unterstreichen Bedeutung der zweiten Impfdosis: CD8+-T-Zellen, die auf das virale Spike-Protein zugeschnitten sind, verhindern bereits zehn Tage nach der ersten Impfdosis mit Comirnaty® effektiv einen schweren Krankheitsverlauf. Neutralisierende Antikörper sind zu diesem Zeitpunkt aber noch kaum nachzuweisen. Erst nach der zweiten Impfdosis sind diese deutlich stärker vertreten und etablieren einen verlässlichen Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie der Uniklinik Freiburg mit 32 Impflingen (Nature 2021; online 28. Juli).

Update vom 28. Juli

Die beiden Vakzinen Comirnaty® und Vaxzevria® sind offenbar ähnlich sicher in der Anwendung in puncto Thromboembolie und Thrombozytopenie. Außerdem ist das Risiko für eine venöse Thromboembolie (VTE) als Folge einer Infektion mit SARS-CoV-2 achtfach höher als nach einer Impfung, das Risiko für eine Thrombozytopenie durch Infektion 3,5-fach höher als durch Impfung. Das sind die Ergebnisse einer Preprint-Studie spanischer Forscher, die die Raten von VTE und Thrombozytopenie unter Impflingen verglichen haben, die die Vakzinen Comirnaty® vom Unternehmen BioNTech oder Vaxzevria® vom Unternehmen AstraZeneca erhalten hatten. Dazu werteten sie Daten von insgesamt 945.941 Comirnaty®-Impflingen (davon 778.534 mit zwei Impfdosen), 426.272 Impflingen mit der ersten Dosis Vaxzevria®, 222.710 Patienten mit COVID-19 und 4.570.149 Kontrollpersonen aus. Ergebnisse: Das standardisierte Inzidenzverhältnis (Standardized Incidence Ratio [SIR]) für VTE betrug 1,29 nach der ersten Comirnaty®-Dosis, 0,9 nach der zweiten, 1,15 nach der ersten Vaxzevria®-Dosis und 8,04 für eine VTE infolge einer Infektion mit SARS-CoV-2. Das SIR für eine Thrombozytopenie betrug 1,35 und 1,19 nach der ersten beziehungsweise zweiten Dosis Comirnaty®, 1,03 nach der ersten Dosis Vaxzevria® und 3,52 für eine Thrombozytopenie als Folge einer Infektion mit SARS-CoV-2 (Preprints with The Lancet 2021; online 20. Juli).

Update vom 27. Juli

Einfluss des Alters auf die Effektivität der Corona-Impfung: Die Menge der neutralisierenden Antikörper, die der Körper nach einer Impfung produziert, ist signifikant mit dem Alter assoziiert. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie mit 50 Impflingen aus Oregon: Zwischen den acht jüngsten Impflingen (20 bis 29 Jahre) und den neun ältesten (70 bis 82 Jahre) gab es einen 85-prozentigen Abfall der medianen Antikörper-Titer gegen den SARS-CoV-2-Wildtyp und einen 60-prozentigen Abfall gegen die Gamma-Variante. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die reduzierte Vakzin-Effektivität bei älteren Personen bedacht werden sollte, wenn es demnächst an die Planung von Booster-Impfungen geht (JAMA, online 21. Juli).

Update vom 26. Juli

Impflinge, die eine erste Dosis der mRNA-Vakzinen Comirnaty® oder Spikevax® erhalten haben und danach eine allergische Reaktion hatten, vertragen die zweite Dosis in der Regel gut. Das ist das Ergebnis einer kleinen Studie mit 159 US-Patienten, die nach der ersten Dosis von einer unmittelbar eintretenden allergischen Reaktion berichtet und deswegen einen Arzt aufgesucht hatten. Von den 159 Patienten berichteten nach der zweiten Dosis lediglich 32 (20 Prozent) von milden, vorübergehenden Symptomen. Bei 47 Patienten (30 Prozent) war vor der zweiten Dosis eine Antihistamin-Prämedikation verabreicht worden. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Entweder waren wohl nicht alle der berichteten Reaktionen nach der ersten Dosis tatsächlich von allergischer Natur oder die Reaktionen lassen sich nicht auf einen Immunglobulin-E-vermittelten Mechanismus zurückführen und können deshalb mit einer Prämedikation reduziert werden (JAMA Intern Med 2021; online 26. Juli).

Update vom 23. Juli

Von COVID-19 genesene Kinder entwickeln eine wirksame und anhaltende Immunabwehr gegen SARS-CoV-2. Und das, obwohl sie oft einen sehr milden oder sogar symptomfreien Verlauf gehabt haben. Das berichten Forschende der Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm in einer Mitteilung. Darin werden vorläufige Daten der COVID-19-Familienstudie Baden-Württemberg vorgestellt. Für die Studie wurden 328 Familien mit mindestens einem an COVID-19 erkrankten Mitglied mehrfach untersucht. 548 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren und 717 Erwachsene nahmen teil. In Familien mit einer infizierten Person steckten sich Kinder (34 Prozent) deutlich seltener an als Erwachsene (58 Prozent) und waren – im Fall einer Infektion – fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen (Erwachsene: 9 Prozent, Kinder: 45 Prozent). Trotzdem zeigten die Kinder elf bis zwölf Monate nach der Infektion stärkere und länger anhaltende spezifische Antikörperspiegel als Erwachsene. Das galt unabhängig davon, ob Krankheitszeichen bestanden oder nicht. Die Antikörper der Kinder sind zudem gut wirksam gegenüber verschiedenen Virusvarianten. Keines der infizierten Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden (medRxiv 2021; online 22. Juli).

Das Risiko einer Corona-Übertragung in Schulbussen ist offenbar gering. Das berichten Forschende von der Eastern Virginia Medical School in Norfolk (USA). Sie haben 462 pendelnde Schülerinnen und Schüler ohne Symptome (Klassen 1-12) zwischen Ende August 2020 und Mitte März 2021 alle zwei Wochen mit PCR getestet. In dieser Zeit hatte es in den USA besonders viele Infektionen gegeben. Als einfache Schutzmaßnahmen waren die Buskapazitäten auf zwei Personen pro Sitzreihe begrenzt, was einen Abstand von 75 cm gewährleistete. Masken tragen war zudem obligatorisch und für einfache Belüftung wurde gesorgt. Insgesamt wurden 39 infizierte Kinder und Jugendliche in den sechs Monaten identifiziert, was zu Quarantänemaßnahmen bei 52 von ihnen führte. Die Kontaktverfolgung bei Infizierten ergab jedoch keine Hinweise auf Übertragungen im Bus (Journal of School Health 2021; online 20. Juli).

Bestimmte Kinder und Jugendliche haben ein hohes Risiko für psychische Erkrankungen durch die Isolation im Lockdown. Das berichtet ein britisches Team von der Abteilung für Psychiatrie an der Universität Oxford. Die Forschenden haben in einer Studie 11.765 12- bis 21-Jährige aus UK nachverfolgt. Nach den Daten hatten Schülerinnen das größte Risiko für die Entwicklung von Depressionen, Angststörungen oder eine Verschlechterung der seelischen Gesundheit im Lockdown. Ebenso waren Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen besonders betroffen sowie solche mit psychischen Problemen in der Vorgeschichte. Darüber hinaus waren Kinder, deren beide Eltern arbeiteten, stärker gefährdet und Schülerinnen und Schüler, die Aufnahmeprüfungen vorbereiten mussten. Die Identifikation von besonders Gefährdeten sei wichtig, um Betroffene gezielt fördern und unterstützen zu können, so die Forschenden (JCPP Advances 2021; online 20. Juli).

Update vom 22. Juli

Die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca schützen gut vor der Alpha- und der Delta-Variante. Das bestätigen jetzt auch Real-World-Daten von der britischen Insel, wie Forschende von Public Health England (PHE) berichten. In einer neuartigen Fallkontrollstudie haben sie Infektionsraten bei Geimpften und Ungeimpften untersucht. Die Daten wurden zwischen April und Mitte Mai erhoben, als die Delta-Variante in England die Alpha-Variante langsam verdrängt hatte. Ausgewählt wurden behandlungsbedürftige Patienten mit negativem Coronatest. Diese wurden anschließend „gematchten“ Patienten mit positivem Coronatest gegenübergestellt (Kontrollen). Von allen war der Impfstatus bekannt. Ergebnis: Bei beiden Impfstoffen wurde nach einer Dosis ein Schutz von 30,7 Prozent (Delta-Variante) und 48,7 Prozent (Alpha-Variante) ermittelt. Nach zwei Dosen schnitt der Impfstoff von BioNTech/Pfizer etwas besser ab mit Schutzraten von 88,0 Prozent (Delta) und 93,7 Prozent (Alpha). Nach zwei Dosen AstraZeneca-Vakzine betrug der Schutz 67,0 (Delta) und 74,5 Prozent (Alpha) (NEJM 2021; online 21. Juli).

Konsequenter Schutz durch Maske tragen und Abstand halten ist angemessen, um Infektionen mit SARS-CoV-2 zu vermeiden. Das berichten Forschende der Colorado School of Public Health in den USA. Sie haben in einer Querschnitts-Studie bei 508 Mitarbeitern der Colorado State University (CSU) das Verhalten in den ersten sechs Pandemiemonaten untersucht. Die Teilnehmer wurden ausführlich zur Compliance bei der Arbeit und in der Freizeit befragt und zudem getestet (PCR- und Antikörper-Test). Ergebnis: Kein Teilnehmer war PCR-positiv, nur bei Zweien wurden Antikörper als Zeichen einer stattgefundenen Infektion gefunden. Weit über 90 Prozent gaben regelmäßiges Maskentragen an. Das Einhalten von Abstandsregeln war stärker außerhalb als innerhalb der Arbeit ausgeprägt (91,5 versus 79,5 Prozent). Die Motivation, mit den Maßnahmen andere zu schützen, wurde zudem häufiger genannt als Eigenschutz (83,0 versus 63,2 Prozent) (JAMA Network Open. 2021; online 21. Juli).

Update vom 21. Juli

1,5 Millionen Kinder weltweit haben ein Elternteil oder eine andere fürsorgeberechtigte Bezugsperson durch COVID-19 verloren, schätzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-Behörde CDC. Die Hochrechnung basiert auf den Zahlen der COVID-Gestorbenen aus 21 stark von der Pandemie betroffenen Ländern zwischen März 2020 und April 2021 sowie den jeweiligen nationalen Geburtsraten. Die Forschenden betonen allerdings, dass die Zahl wahrscheinlich deutlich unterschätzt ist, da viele Länder keine oder nur unzureichende Meldesysteme hätten. Besonders betroffen ist den Berechnungen zufolge etwa Peru. Hier habe ein Prozent aller Kinder ein Elternteil oder eine enge Bezugsperson verloren (Lancet 2021; online 20. Juli).

Die beiden verfügbaren mRNA-Impfstoffe scheinen auch Patientinnen und Patienten mit einer Leberzirrhose vor schwerer COVID-19 zu schützen. Das hat eine Studie mit 20.000 US-Veteranen mit Leberzirrhose ergeben, die mindestens eine Dosis Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) oder Spikevax® (Moderna) erhalten hatten. Die Schutzwirkung nach der ersten Dosis einer mRNA-Impfung zeigte sich dabei erst ab Tag 28 und lag dann bei fast 65 Prozent. Auch bei den Klinikeinweisungen und Sterbefällen wurde der Unterschied erst ab Tag 28 signifikant. Rechnerisch ergab sich ab dann eine 100-prozentige Schutzrate vor schweren Verläufen. Der Effekt der vollständigen Impfung wurde in der Studie als sekundärer Endpunkt untersucht, und zwar ab Tag 7 nach zweimaliger Immunisierung. Vor einer COVID-19-Erkrankung waren die vollständig Geimpften demnach zu 78,6 Prozent geschützt, die Schutzrate vor Klinikeinweisung beziehungsweise Tod blieb bei jeweils 100 Prozent (JAMA Intern Med 2021; online 13. Juli). (eo)

Update vom 20. Juli

Eine einmalige Impfung mit der Vakzine von Johnson & Johnson kann auch noch nach acht Monaten effektiv gegen COVID-19 schützen. Das hat eine vorläufige Analyse von Antikörper- und T-Zellantworten bei zehn Impflingen ergeben. Zehn weitere Impflinge erhielten in der Studie eine zweimalige Dosis der Vakzine, ihre Immunantwort wurde sechs Monate nach der zweiten Impfung erfasst. Die Antikörpertiter seien bei allen Geimpften relativ stabil geblieben, die Konzentration neutralisierender Antikörper habe an Tag 71 einen Peak erreicht und bis zum Ende der Studie (Tag 239) lediglich um den Faktor 1,8 abgenommen, berichtet das Team Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston, das vom Hersteller mit der Studie beauftragt wurde. Auch die T-Zell-Antwort der Impflinge sei über einen Zeitraum von acht Monaten stabil geblieben (NEJM 2021; online 14. Juli).

Azithromycin hat keinen Nutzen bei leichter COVID-19, berichten Forschende von der University of California in San Francisco. An ihrer kontrollierten Studie nahmen 263 erwachsene Patientinnen und Patienten teil, die in den vergangenen sieben Tagen SARS-CoV-2-positiv getestet worden waren. Zwei Drittel der Infizierten erhielten eine Einzeldosis Azithromycin (1,2 mg) und ein Drittel Placebo. Der primäre Endpunkt war Abwesenheit von COVID-Symptomen nach 14 Tagen. Diesen Endpunkt erreichten genau 50 Prozent in der Verum- und 50 Prozent in der Placebogruppe. Auch bei den sekundären Endpunkten wie Fieber, Husten, Bauchweh, Myalgie gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Drei Wochen nach Studienbeginn mussten fünf Patienten in der Verumgruppe, aber kein Patient in der Placebogruppe stationär behandelt werden (JAMA 2021; online 16. Juli).

Update vom 19. Juli

Bei Kindern und Jugendlichen sind Symptome von Long-COVID selten, berichten Epidemiologinnen und Epidemiologen der Universität Zürich. Sie haben im Rahmen der Langzeitstudie „Ciao Corona“ die langfristige Entwicklung von 1355 Schülerinnen und Schülern (Alter im Median 11 Jahre) nach Antikörpertestung im Oktober und November 2020 nachverfolgt. In einer Online-Befragung der Eltern wurden sechs Monate nach dem Test bei den Kindern typische Long-COVID-Symptome abgeklärt. Ergebnisse von 109 seropositiven sowie 1246 seronegativen Schülerinnen und Schülern wurden ausgewertet. Ergebnis: Mindestens ein Symptom über mehr als zwölf Wochen gaben vier Prozent der Seropositiven und zwei Prozent der Seronegativen an. Die häufigsten Symptome bei den Seropositiven waren Müdigkeit (drei Prozent), Konzentrationsschwäche (zwei Prozent) und Schlafstörungen (zwei Prozent). Kein seropositives Kind musste nach dem Oktober stationär behandelt werden. Der Anteil der Kinder mit exzellenter Gesundheit nach Elternurteil war in beiden Gruppen ähnlich (JAMA 2021; online 15. Juli).

Eine frühe Heparin-Therapie scheint die Mortalität bei mittelschwerer COVID zu reduzieren. Das ist das vorläufige Ergebnis des internationalen „RAPID COVID COAG – RAPID Trial“, berichten Forschende vom St. Michales Hospital in Toronto (Kanada) und vom University of Vermont Larner College of Medicine (USA). In der bisher noch nicht begutachteten Studie wurden bei stationär behandelten COVID-Kranken mit erhöhten D-Dimer-Werten zwei Strategien zur Antikoagulation verglichen. 228 Erkrankte erhielten eine therapeutische Heparin-Volldosis und 237 eine niedrige prophylaktische Dosis. Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus: Aufnahme auf die Intensivstation, mechanische Beatmung oder Tod über einen Zeitraum von bis zu 28 Tagen. Diesen Endpunkt erreichten 16,2 Prozent der Patientinnen und Patienten mit therapeutisch dosiertem Heparin und 21,8 Prozent der Patientinnen und Patienten unter prophylaktisch dosiertem Heparin. Insgesamt 1,8 Prozent starben unter Heparin-Volldosis und damit deutlich weniger als unter Prophylaxe-Dosis (7,6 Prozent) (medRxiv 2021; online 12. Juli).

Update vom 16. Juli

Über 200 Symptome in 10 betroffenen Organen haben Forschende bei Long-COVID ausgemacht. Sie konnten die Symptome dabei in drei Cluster aufteilen, je nach Symptomdauer: Die Symptome im ersten Cluster treten früh im Verlauf auf, erreichen nach zwei bis drei Wochen ihren Höhepunkt und klingen dann langsam innerhalb von 90 Tagen ab. Dies sind vor allem gastrointestinale und respiratorische Symptome. Die in Cluster 2 erfassten Symptome erreichten ihren Höhepunkt etwa sieben Wochen nach Beginn und nehmen deutlich langsamer ab als diejenigen in Cluster 1. Dazu gehörten etwa neuropsychiatrische und kardiovaskuläre Symptome, die Forscherinnen und Forscher ordneten aber auch Fatigue und dermatologische Manifestationen wie die frostbeulen-ähnlichen Veränderungen an den Zehen diesem Cluster zu. Die Symptome in Cluster 3 dagegen beginnen mild und erreichen erst etwa nach 10 bis 15 Wochen ihren Peak. Sie zeigen kaum Besserung im Zeitverlauf. Zu diesen Symptomen gehören Allergien, Tinnitus, Neuralgien oder die als „Brain Fog“ bezeichneten Konzentrationsstörungen. Für die Studie hatte das Team rund 3800 Patienten befragt (E Clinical Med 2021; online 15. Juli).

Jeder zweite hospitalisierte Patient mit schwerer COVID entwickelt Komplikationen, am häufigsten Nierenkomplikationen (bei 24 Prozent) sowie respiratorische (18 Prozent) und systemische Komplikationen (16 Prozent). Das geht aus einer Studie aus dem Vereinigten Königreich mit 80.000 COVID-Patienten hervor. Am häufigsten von Komplikationen betroffen waren demnach Männer über 60 Jahre. Grundsätzlich bestehe aber auch bei jüngeren Menschen ein hohes Risiko, betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. So traten ihren Angaben zufolge bei 27 Prozent der 19-29-jährigen hospitalisierten Patienten mit schwerer COVID Komplikationen auf, bei den 30-39-Jährigen lag der Anteil bei 39 Prozent. 81 Prozent der hospitalisierten und schwerkranken COVID-Patienten in der Studie hatte wenigstens eine Komorbidität (Lancet 2021; online 14. Juli).

Update vom 15. Juli

Bei Kindern mit Multisystemischem Inflammatorischen Syndrom (MIS-C) scheinen die Symptome meist innerhalb kurzer Zeit wieder zu verschwinden. In einer Studie der Columbia University Vagelos College of Physicians and Surgeons wurde der Gesundheitsstatus von 45 hospitalisierten Kindern (mittleres Alter neun Jahre) mit MIS-C über mehrere Monate nachbeobachtet. Bei Hospitalisierung stellten die Ärztinnen und Ärzte im Blut der Kinder hohe Konzentrationen inflammatorischer Marker, häufig auch Lymphopenie und Lymphozytopenie fest. 80 Prozent der Kinder hatten zudem kardiale Dysfunktionen, darunter auch schwere Komplikationen wie Herzinsuffizienz oder eine Dilatation der Koronararterien. Die meisten Kinder reagierten schnell auf die Gabe von Steroiden, Immunglobulinen und Immunmodulatoren und konnten innerhalb von fünf Tagen aus der Klinik entlassen werden, berichtet das Team um Dr. Kanwal M. Farooqi. Nach der Entlassung hätten sich zudem innerhalb weniger Wochen auch die immunologischen und kardiovaskulären Marker normalisiert. Vier Monate nach Hospitalisierung hatte nur ein Kind noch persistierende milde Einschränkungen (Pediatrics 2021; online 15. Juli).

Die Delta-Variante hat in Deutschland einen Anteil von 74 Prozent erreicht. Sie wurde in den vergangenen vier Wochen (Meldewoche 24-27) in allen Bundesländern nachgewiesen. Nur in zehn Prozent der Fälle wurde dabei eine mögliche Exposition im Ausland angegeben, die meistgenannten Länder waren Spanien, die Russische Föderation und Portugal. Die vor wenigen Wochen noch dominierende Alpha-Variante wird dagegen derzeit lediglich in rund jeder fünften Probe nachgewiesen (22 Prozent), wie aus dem aktuellen RKI-Bericht zu Virusvarianten hervorgeht. Das RKI gibt außerdem geschätzte 7-Tages-Inzidenzen für die Alpha- und die Deltavariante an. Der R-Wert liegt für Delta demnach 20 bis 100 Prozent höher als für Alpha, was für eine deutlich höhere Infektiosität spricht (RKI-Bericht; online 14.Juli).

Update vom 14. Juli

Schon eine Dosis des russischen Impfstoffs Sputnik V induziert offenbar eine starke Immunantwort, wie aus einer kleinen Studie aus Argentinien hervorgeht. Drei Wochen nach einmaliger Dosis wurden bei 94 Prozent der 289 Studienteilnehmer SARS-CoV-2-spezifische IgG-Antikörper nachgewiesen, bei 90 Prozent neutralisierende Antikörper. In Bezug auf das Alter zeigten sich nur marginale Unterschiede: Bei den unter 65-Jährigen stellten die Forschenden bei 96 Prozent eine Serokonversion fest, bei den über 65-Jährigen war dies bei 89 Prozent der Fall. Das Team um Dr. Andres H. Rossi verweist in der Studie auch auf Zwischendaten der Phase-III-Studie. Demnach erreicht Sputnik V nach zweimaliger Dosis eine Schutzwirkung von 91,6 Prozent (Corona-Splitter vom 2. Februar). Bisher wurden allerdings keine weiteren Daten aus den Zulassungsstudien publiziert, die EMA prüft den Impfstoffkandidaten weiterhin in einem „Rolling Review“-Verfahren (Cell Reports Medicine 2021; online 9. Juli).

Forschende haben 13 Genloci gefunden, die mit einem schweren COVID-Verlauf assoziiert sind. In der internationalen „COVID-19 Host Genetics Initiative“ wurden dafür die Gendaten von 49.562 Patienten mit denen von rund 2 Millionen Gesunden verglichen. Die Daten stammten dabei aus zahlreichen internationalen Biobanken und klinischen Studien. Einige der gefundenen Genorte sind mit der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, Lungenkrebs oder Lungenfibrose assoziiert. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Angriffspunkte für künftige Therapien zu finden, hoffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Nature 2021; online 8. Juli).

Update vom 13. Juli

Auch bei Schwangeren erreicht die Vakzine von BioNTech/Pfizer eine gute, wenn auch im Vergleich zur übrigen Population offenbar geringere Schutzwirkung. Daten von über 15.000 Schwangeren aus Israel haben in einer retrospektiven Studie eine geschätzte Schutzwirkung von 78 Prozent ergeben, in den Zulassungsstudien (an denen Schwangere nicht teilgenommen hatten) lag die Schutzwirkung bei 95 Prozent. Die Frauen befanden sich alle im 2. oder 3. Trimenon und erhielten die beiden Impfungen mit Comirnaty® im Mittel im Abstand von 21 Tagen. Ab Tag 28 nach Erstimpfung bis Tag 70 wurden in der Gruppe der Geimpften 10 SARS-CoV-2-Infektionen festgestellt, in der Gruppe der Ungeimpften 46 Infektionen. Damit ergibt sich für den untersuchten Zeitraum eine adjusted hazard reduction (aHR) von 0,22 und eine Schutzwirkung von 78 Prozent. Auch Schwangerschaftskomplikationen hatten die Forschenden in ihrer Untersuchung im Blick. Dabei bestätigen die Ergebnisse frühere Real-World-Daten: In Bezug auf Schwangerschaftskomplikationen gab es keinen Unterschied zwischen ungeimpften und geimpften Schwangeren (JAMA Netw 2021; online 12. Juli).

Update vom 12. Juli

Der Totimpfstoff CoronaVac hat vorläufigen Phase-III-Daten zufolge eine Schutzwirkung von 83,5 Prozent. Die Studie mit rund 10.000 Teilnehmern zwischen 18 und 59 Jahren, die die Vakzine des chinesischen Herstellers Sinovac Life Sciences zweimal im Abstand von 14 Tagen verabreicht bekamen, fand an 24 Studiencentern in der Türkei statt. Ab Tag 14 nach zweiter Impfung wurden in der Verum-Gruppe innerhalb von 42 Tagen neun Fälle PCR-bestätiger symptomatischer COVID-19 festgestellt, in der Placebo-Gruppe 32. Todesfälle oder schwere unerwünschte Wirkungen der Stufe 4 traten im Studienzeitraum nicht auf. Die Herstellung inaktivierter Vakzinen ist ja wegen der Kultivierung der virusproduzierenden Zellen relativ zeitaufwändig. Der Hersteller konnte deshalb im Vergleich zu Studien mit mRNA-Vakzinen erst spät mit klinischen Studien beginnen (Lancet 2021; online 9.Juli).

Die Stärke der Impfreaktion ist offenbar kein Maß für spätere Antikörpertiter. In einer prospektiven Studie zeigte sich keine Korrelation zwischen der Ausprägung der Symptome nach einer mRNA-Impfung mit Comirnaty® und dem späteren Titer der Antikörper gegen das virale Spike-Protein. Das Team um Dr. Si’Ana Coggins von der Uniformed Services University of Health Sciences in Bethesda hatte für die Studie 206 gesunde Freiwillige befragt, die nach beiden Impfungen mit Comirnaty® per Fragebögen Auskunft gaben, ob und wie intensiv zwölf lokale und systemische Reaktionen bei ihnen aufgetreten waren. Außerdem wurden sie einen Monat nach der zweiten Impfung auf IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein und gegen die Rezeptorbindungsdomäne (RBD) untersucht (medRxiv preprint; online 2. Juli). (bs)

Update vom 9. Juli

Die zweite Impf-Dosis ist wohl unbedingt notwendig – vor allem im Hinblick auf die Delta-Variante. Das bekräftigen jetzt Studienergebnisse von Forschenden um Olivier Schwartz vom Institut Pasteur in Paris. So waren in ihren Untersuchungen die nach einer Einzeldosis von BioNTech / Pifzer und AstraZeneca gebildeten Antikörper kaum in der Lage, an die Delta-Variante zu binden und sie zu neutralisieren. Eine effiziente Reaktion gegen Delta hatten beide Vakzine erst nach der zweiten Dosis hervorgerufen - bei 95 Prozent der Personen (nach einer Dosis bei lediglich 10 Prozent der Geimpften). Auch wenn sich das menschliche Immunsystem nicht nur mit Antikörpern gegen Krankheitserreger wehrt – es gibt ja auch noch eine zelluläre Immunität –, gelten die untersuchten Antikörper-Spiegel als starker Hinweis auf den Immunschutz gegen symptomatische COVID (Nature; online 8. Juli, Preprint).

Bisher wurden in Deutschland 3806 Impfdurchbrüche, also symptomatische SARS-CoV-2-Infektionen mindestens zwei Wochen nach vollständiger Impfung identifiziert. Das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts hervor. Insgesamt wurden hierzulande bisher 33.202.521 Menschen vollständig gegen COVID geimpft (39,9 Prozent) – der Anteil der Impfdurchbrüche liegt also deutlich im Promillebereich. Insgesamt haben in Deutschland 57,1 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung gegen COVID-19 erhalten (47.505.270) (Lagebericht des RKI; online 8. Juli).

Einige Krebstherapeutika bremsen die Immunantwort auf die COVID-Impfung zum Teil völlig aus. Das belegt eine prospektive Kohortenstudie aus Litauen bei 885 Patienten mit hämatologischen Krebserkrankungen. So zeigten vor allem Patienten, die mit Bruton-Tyrosinkinase-Hemmern, dem Januskinase-Hemmer Ruxolitinib, dem Bcl-2-Hemmer Venetoclax behandelt wurden oder eine Anti-CD20-Antikörpertherapie erhielten keine beziehungsweise eine stark abgeschwächte Anti-S1-IgG-Antikörperantwort. Am wenigsten effizient scheint eine Impfung in den ersten Wochen nach einer Stammzelltherapie zu sein, wenn die Patienten ohne eigene Immunabwehr sind. Erwartungsgemäß verbesserte sich in der Studie das Ansprechen, wenn die Impfung erst sechs Monate nach der Stammzelltherapie erfolgte (Lancet Haematology 2021; online 2. Juli). (otc)

Update vom 8. Juli

Mit einem Anteil von 59 Prozent ist die Variante B.1.617.2 (Delta) erstmals in Deutschland die dominierende VOC (variants of concern) geworden. Das berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in seiner jüngsten wöchentlichen Auswertung mit Blick auf die 25. Kalenderwoche (21.-27. Juni). Damit hat sich der Anteil dieser besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvariante innerhalb einer Woche erneut fast verdoppelt. Ihre Verbreitung seit März 2020 hat die Variante Alpha (B.1.1.7), die sich zuvor, in den ersten Monaten 2021 in Europa stark ausgebreitet hat, verdrängt. Der Anteil von Alpha beträgt nur noch 33 Prozent, das heißt diese Variante wird zur Zeit in jeder dritten Probe nachgewiesen (DESH/Bericht_VOC_2021-07-07). (otc)

Die WHO empfiehlt nach Kortikosteroiden jetzt auch den Einsatz von Interleukin-6 (IL-6)-Antagonisten (Tocilizumab, Sarilumab) zur Behandlung von Patienten mit COVID-19. Die Empfehlung basiert auf den Ergebnissen einer Metaanalyse, in der Ergebnisse aus 27 randomisierten klinischen Studien mit 10.930 COVID-19-Patienten ausgewertet wurden. Primärer Endpunkt war die Sterblichkeit an COVID-19. Bis zum 28. Tag nach Behandlungsbeginn waren 1407 von 6449 Patienten (22 Prozent), die mit einem IL-6-Antagonisten behandelt wurden, gestorben im Vergleich zu 1158 von 4481 Patienten (25 Prozent), die die übliche Behandlung oder Placebo erhielten. Der Einsatz eines IL-6-Antagonisten senkte demnach das Sterberisiko um 14 Prozent. Der Vorteil bestand allerdings nur bei einer gleichzeitigen Gabe von Glukokortikoiden (JAMA 2021; online 6. Juli). (otc)

Psychische Probleme von Jugendlichen im Lockdown haben drastisch zugenommen. Das bestätigt jetzt eine Querschnittsuntersuchung aus Österreich von Psychotherapeuten und Verhaltensforschern um Dr. Christoph Pieh von der Donau-Universität in Krems. An der Untersuchung haben 3052 Schüler im mittleren Alter von 16,5 Jahren teilgenommen, sie füllten online diverse Fragebögen zur psychischen Gesundheit aus. Demnach leidet jeder zweite unter Depressionen und Ängsten, die Lebenszufriedenheit ist deutlich gesunken. 37 Prozent gaben zudem an, in den zwei Wochen vor der Befragung an Suizid gedacht zu haben, 9 Prozent nannten tägliche Suizidgedanken, 7 Prozent dachten jeden zweiten Tag an Selbsttötung (JAMA Netw Open 2021; online 28. Juni). (mut)

Update vom 7. Juli

COVID-Patienten brauchen im Schnitt zwei bis drei Monate, bis sie endgültig genesen sind. Das folgern US-Forscher vom Scripps Research Translational Institute in Kalifornien aus einer Studie mit App-basierten „Fitnesstrackern“. Dabei werden permanent Messwerte zu Physiologie und Verhalten aufgezeichnet. Ausgewertet wurden dabei Daten aus der Studie DETECT (Digital Engagement and Tracking for Early Control and Treatment). Verglichen wurden Messwerte von 875 Teilnehmern vor, während und nach Atemwegsinfektionen. Davon hatten 234 COVID-19 und 641 andere Infekte. Ergebnis: Im Anschluss an die akute COVID traten im Vergleich zu anderen Atemwegsinfektionen besonders häufig veränderte Herz-Ruhefrequenzen auf (zunächst als Bradykardie und dann als länger dauernde Tachykardie). Im Schnitt hielt die veränderte Ruhefrequenz 79 Tage nach Erkrankungsbeginn an. Bei 13,7 Prozent blieb eine Herzfrequenz > 5 Schläge über Ausgangsfrequenz sogar 133 Tage erhalten (JAMA Network open 2021, online 7. Juli).

Kopfweh und Migräneattacken traten im Lockdown nicht häufiger auf als davor. Das berichten Ärzte von der Charité Berlin. Sie haben Daten digitaler Kopfschmerztagebücher (M-sense) von 2325 Patienten von den 28 Tagen vor Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland (22. März 2020) mit den ersten 28 Tagen im Lockdown verglichen. Ergebnis: Die Zahl der monatlichen Kopfschmerztage (MHD) war in beiden Zeiträumen ähnlich (7,01 MHD vor vs. 6,89 MHD im Lockdown). Die Zahl der Tage mit Akutmedikation gegen die Kopfschmerzen ging im Lockdown signifikant zurück (4,50 vs. 4,27). Auch gaben die Teilnehmer zunächst signifikant geringere Stresslevel, bessere Stimmung und höhere Energie- und Aktivitätslevel im ersten Lockdown an. Diese positiven Veränderungen fanden sich allerdings in einer Subgruppe der Teilnehmer im dritten Lockdown-Monat nicht mehr (J Headache Pain 2021, online 22. Juni). (st)

Update vom 6. Juli

Schutzmaßnahmen wie Masken, Hygiene- und Abstandsregeln sollten auch nach COVID-Impfkampagnen aufrechterhalten werden. Das betonen Forscher der University of North Carolina in Chapel Hill (USA). Sie haben in dem US-Staat mit gut 10 Millionen Einwohnern mit einer Modellrechnung die Zahl der Neu-Infizierten bis September 2021 nach einer sechsmonatigen Impfkampagne prognostiziert, und zwar sowohl mit als auch ohne die nicht-pharmazeutischen Schutzmaßnahmen. Basis waren dabei die Ausbreitungsmuster von SARS-COV-2 in der Vergangenheit. Vorausgesetzt wurden zudem eine Impfeffektivität von 90 Prozent und eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent. Ergebnis: Ohne die Schutzmaßnahmen kommen die Forscher auf 527.409 neue Infektionen mit den Maßnahmen auf 450.575. Außerdem: Eine hohe Impfquote mit weniger wirksamen Impfstoffen (Wirksamkeit 50 Prozent) schützt nach Lockerung der Hygienemaßnahmen besser vor Infektionen als eine niedrige Impfquote mit hochwirksamen Vakzinen (90 Prozent Wirksamkeit) (JAMA Network Open. 2021; online 1. Juni).

Update vom 5. Juli

Eine gute Wirksamkeit gegen die besonders infektiöse Delta-Variante hat wohl auch die Vakzine von Johnson & Johnson, die ja nur einmal verimpft werden muss. Angaben des Herstellers zufolge konnten Antikörper im Blut von vollständig Immunisierten (n=8) in Laborversuchen die Delta-Virusvariante neutralisieren. Dabei scheine die Antikörperaktivität gegenüber dem Ursprungsvirus lediglich etwas abgeschwächt (um das 1,6-Fache) zu sein, heißt es in einer Mitteilung von Johnson & Johnson. Darüber hinaus wurde auch die Dauer der Immunantwort untersucht. In einer Unterstudie der Phase I/IIa-COVID-19-Impfstoffstudie mit 10 Teilnehmern habe sich gezeigt, dass eine humorale und zelluläre Immunantwort über mindestens acht Monate (letzter bisher in der Studie erfasster Zeitpunkt) nach Impfung nachzuweisen ist. Die Daten sind bisher noch nicht begutachtet worden (Mitteilung von Johnson & Johnson; online 1. Juli).

Update vom 2. Juli

Vor allem alte Menschen brauchen unbedingt die zweite mRNA-Impfdosis, betonen britische Forscher aus Cambridge. Sie haben die Immunreaktionen nach Impfung mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff bei 140 Probanden verglichen. Darunter waren eine Gruppe alter Menschen sowie jüngere medizinische Mitarbeiter. Ergebnis: Vor allem bei den über 80-Jährigen ergab sich eine deutlich geringere Immunogenität der Impfung. So hatte drei Wochen nach der ersten Dosis nur ein geringer Teil in dieser Altersgruppe ausreichende neutralisierende Titer. Nur wenige über 80-Jährige konnten zudem bereits nach einer Dosis Problemvarianten wie die Alpha- (britische) und die Beta (südafrikanische)-Variante neutralisieren. Nach der zweiten Dosis waren die neutralisierenden Antikörperantworten jedoch bei allen Teilnehmern ähnlich gut (Nature 2021; online 30. Juni).

CureVac teilt Ergebnisse zu seinem COVID-Impfstoffkandidaten CVnCoV in einer Pressemeldung mit. Trotz enttäuschender Resultate in der der HERALD-Studie (Phase IIb/III) will das Unternehmen die Zulassung der Vakzine weiterverfolgen. An der zulassungsrelevanten Studie haben 40.000 Probanden in zehn Ländern von Europa und Lateinamerika teilgenommen. Insgesamt traten 228 COVID-Fälle auf (83 Fälle in der Impfgruppe, 145 in der Placebogruppe). Die Wirksamkeit bei der Teilgruppe der 18- bis 60-Jährigen und über alle 15 Varianten:

  • 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades,
  • 77 Prozent gegen moderaten und schweren Krankheitsverlauf und
  • vollständiger Schutz vor Krankenhausaufenthalt oder Tod.

CureVac ist in laufendem Austausch mit der EMA für die Fortsetzung des Zulassungsverfahrens (Pressemitteilung von CureVac).

Update vom 1. Juli

Impfdurchbrüche bei mRNA-Vakzinen sind sehr selten, und auch dabei gibt es Schutz. Das berichten Forscher der US-Centers for Disease Control (CDC). Sie präsentieren Daten einer Real-World-Studie mit 3975 Klinikmitarbeitern in den USA, die mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna geimpft worden waren. 204 der Studienteilnehmer steckten sich in der Zeit zwischen Mitte Dezember und Mitte April an, davon waren 5 vollständig und 11 teilweise Geimpfte. Die Wirksamkeit gegen COVID betrug bei komplett Geimpften 91 Prozent und 81 Prozent bei Teilgeimpften. Unter den Infizierten wurde zudem bei den Geimpften im Vergleich zu den Ungeimpften eine 40 Prozent verringerte Viruslast ermittelt. Außerdem ergab sich für die geimpften Infizierten im Vergleich ein um 58 Prozent verringertes Risiko für eine fieberhafte Erkrankung. Und: Geimpfte Erkrankte mussten im Vergleich 2,3 Tage weniger das Bett hüten (NEJM 2021; online 30. Juni).

Update vom 30. Juni

Wer mit Maske Sport treibt, muss wohl keine Sorgen wegen eines Sauerstoffmangels haben. Laut einer randomisierten Cross-Over-Studie mit 20 gesunden Probanden, die auf einem Laufband trainierten, zeigten sich beim Tragen einer Maske zwar Beeinträchtigungen beim Sport. So war etwa das maximale Sauerstoffvolumen, das der Körper unter Belastung aufnehmen kann (VO2), reduziert, wenn die Teilnehmer auf dem Laufband eine Maske trugen. Allerdings waren die Beeinträchtigungen klinisch nicht bedeutsam, berichtet ein Team von der Cleveland Clinic in Ohio. Keiner der Teilnehmer habe das Training vorzeitig abbrechen müssen (JAMA Intern Med 2021; online 30. Juni).

Der COVID-Impfstoff von Moderna schützt wohl auch vor der Delta-Variante. Angaben des Herstellers zufolge konnten Antikörper im Blut von vollständig Immunisierten in Laborversuchen die Delta-Virusvariante neutralisieren. Die Blutproben der acht Teilnehmer wurden dabei eine Woche nach der zweiten Impfung mit der mRNA-Vakzine von Moderna entnommen. Geprüft wurde auch die Wirksamkeit gegen weitere SARS-CoV-2-Varianten, darunter die Gamma-, Kappa- und Eta-Variante. Auch bei diesen Varianten, ebenso wie bei der Delta-Variante, sei der Titer der neutralisierenden Antikörper nur „moderat reduziert gewesen“, schreibt das Unternehmen (Pressemitteilung von Moderna; online 29. Juni).

Update vom 29. Juni 2021

Neue Befunde sprechen für lang andauernde Immunität durch mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2, berichten Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis, US-Staat Missouri. Sie haben bei 14 vollständig mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna Geimpften antigen-spezifische B-Zellen im peripheren Blut und in Lymphknoten analysiert. Im Fokus war dabei die Dynamik virusspezifischer antikörper-produzierender Plasma-B-Zellen. Die Zahl solcher im Blut zirkulierender und IgG- und IgA-sezernierender Plasmazellen war am höchsten eine Woche nach der zweiten Impfung und drei Wochen später nicht mehr nachweisbar. Infolge der Plasmazellen-Antwort ergaben sich danach jedoch Höchststände bei SARS-CoV-2-neutralisierenden Antikörpern, die sowohl gegen das Ausgangsvirus als auch gegen Varianten schützten. Zudem fanden sich in Feinnadel-Aspiraten aus axillären Lymphknoten sogar zwölf Wochen nach der zweiten Impfung SARS-CoV-2-spezifische sogenannte „germinal centre“ (GC) B-Zellen. Dies bedeutet, dass die induzierte Immunreaktion sogar vier Monate nach Erstimpfung anhält und zu einer robusten humoralen Immunität führt (Nature 2021; online 28. Juni).

Genesene sind nach COVID-19 mindesten zehn Monate immun, schätzen Forscher der Universität Lübeck. Sie stellen vorläufige Studiendaten zu 412 Erwachsenen, die überwiegend milde oder moderate COVID-Symptome gehabt hatten. Gesucht wurde nach spezifischen anti-SARS-CoV-2 IgG-Antikörpern sowie einer Freisetzung von Interferon-γ. Der Botenstoff IFN-γ wird von T-Lymphozyten freigesetzt. Diese sind wiederum unverzichtbar, damit B-Lymphozyten Antikörper produzieren können. Ergebnis: Anti-SARS-CoV-2 IgG-Antikörper fanden sich auch zehn Monate nach Infektion bei 76 Prozent der Teilnehmer. Bei knapp 67 Prozent war darüber hinaus auch der IFN-γ-Test positiv. Im Schnitt waren 300 Tage nach Infektion noch 50 Prozent der Antikörper und der IFN-γ-Konzentrationen nachweisbar. Die Ergebnisse könnten bei der Entscheidung helfen, wann Auffrischungsimpfungen gegen das Virus nötig sind (medrxiv 2021; online 25. Juni).

Die meisten Krebspatienten erreichen eine Serokonversion nach Impfung mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine, berichten Forscher aus Frankreich. Sie haben die Antikörpertiter bei 223 Patienten mit soliden Tumoren sowie 49 Klinikmitarbeitern drei bis vier Wochen nach der zweiten Impfung analysiert. Eine Serokonversion ergab sich zwar bei 94 Prozent der Patienten, die Antikörpertiter lagen aber deutlich unter denen von Gesunden. Vor allem Patienten mit Chemotherapie wiesen recht geringe Werte auf. Dies könnte ein Hinweis auf einen unzureichenden Immunschutz sein, so die Forscher. Solange nicht klar sei, wann der geeignete Zeitpunkt für eine zweite Auffrischungsimpfung ist, sollte darauf geachtet werden, dass sämtliche Personen im Umfeld der Patienten geimpft sind (Annals Oncol 2021; online 22 Juni).

Update vom 28. Juni 2021

Die Impfung mit Vaxzevria® bietet offenbar auch noch ein Jahr später einen Schutz vor SARS-CoV-2. Und ein noch längerer Impfintervall von 45 statt zwölf Wochen könnte die Immunantwort sogar verbessern. Zu diesen Befunden kommen Wissenschaftler um das Studienteam der University of Oxford in einer noch nicht begutachteten Veröffentlichung. Dafür hatten sie einen Teil der Probanden aus den Zulassungsstudien COV001 und COV002 des Vektorimpfstoffs AZD1222 neuerlich untersucht. Selbst bei nur einmal mit Vaxzevria® Geimpften fanden die Wissenschaftler knapp ein Jahr später noch immer Antikörper. Bei 30 Studienteilnehmern konnten die Forscher zudem zeigen, dass die Höhe der Antikörperspiegel (gemessen als ELISA-Units und als Korrelat zur Immunantwort) höher ausfällt, je länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung war. Bei einem Abstand von 45 Wochen waren die Titer viermal so hoch wie beim acht- bis zwölfwöchigen Impfabstand. Auch konnten die Studienautoren zeigen, dass bei einer dritten Impfdosis als Booster sowohl die Antikörperspiegel als auch die T-Zell-Antwort höher ausfielen als nach der zweiten Impfung (SSRN Pre Print 2021; online 28. Juni).

Lockdown-Maßnahmen wie Maskenpflicht haben die Zirkulation mehrere Erreger von Atemwegsinfektionen unterbunden, berichten Ärzte aus Singapur. So waren im Zusammenhang mit dem Lockdown in den Kalenderwochen 15 bis 22 so gut wie keine Enteroviren/Rhinoviren, Adenoviren, RS-Viren und Influenzaviren festzustellen. Das ergab ein Vergleich der positiven Testergebnisse auf die respiratorischen Erreger an drei großen Kliniken des Stadtstaates aus den Jahren 2019 und 2020. Mit Ausnahme von Enteroviren/Adenoviren, die 13 Wochen nach der Wiederöffnung im September 2020 wieder deutlich zunahmen, blieben die anderen Atemwegsviren im Vergleich zu den Vorjahren über das ganze Jahr selten (JAMA Network Open 2021; 4(6): e2115973).

Update vom 25. Juni 2021

Innerhalb eines Jahres verschwinden offenbar bei fast allen COVID-Patienten mit Riech- und Geschmacksstörungen die Symptome wieder. In einer kleinen Studie mit 51 Patienten waren Riech- und Geschmackssinn bei 96 Prozent der Patienten nach einem Jahr wiederhergestellt, nach sechs Monaten war das schon bei 85,9 Prozent der Fall gewesen. Erfasst wurden die Symptome vierteljährlich mittels Fragebogen und olfaktorischen Tests. Dennoch blieben bei zwei Patienten ein geringeres Riechvermögen sowie eine falsche Wahrnehmung von Gerüchen bestehen (JAMA Netw Open 2021; online 24. Juni).

Sind COVID-19-Patienten zu Beginn der Erkrankung extrem müde, ist die Gefahr für einen kritischen Verlauf deutlich höher. Für solche Patienten ergab sich in einer Auswertung des europäischen Fallregisters LEOSS mit Daten von mehr als 6500 Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für Tod oder kritischen Verlauf (plus 42 Prozent). Das berichtete Dr. Nina Kleineberg von der Universität Köln beim diesjährigen Kongress der European Academy of Neurology. Andere unspezifische neurologische Symptome sind demnach anfangs kaum aussagekräftig, auch besteht für MS-Patienten nach europäischen Registerdaten kein erhöhtes Sterberisiko. (mut)

Update vom 24. Juni 2021

Schon kleine Familientreffen wie an Kindergeburtstagen können in Gegenden mit hohen Inzidenzzahlen die Infektionen in die Höhe treiben. Das berichtet ein Team um Dr. Christopher Whaley von der Non-Profit-Organisation RAND. Für ihre Studie wurden Daten von 2,9 Millionen US-Haushalten ausgewertet. In Haushalten in Gegenden mit hohen Inzidenzzahlen, in denen kurz zuvor Geburtstage stattgefunden hatten, war die Wahrscheinlichkeit einer SARS-CoV-2-Infektion um 31 Prozent höher als in Haushalten, in denen kein Geburtstag stattgefunden hatte. Besonders deutlich scheinen sich dabei Kindergeburtstage auf die Infektionszahlen auszuwirken. In Gegenden mit nur geringen Inzidenzzahlen zeigte sich dieser Zusammenhang dagegen nicht. „Informelle Treffen in kleinen sozialen Gruppen scheinen eine wichtige Rolle bei der Transmission von SARS-CoV-2 zu spielen“, so Whaley und sein Team (JAMA Intern Netw 2021; online 21. Juni).

Innerhalb einer Woche hat sich der Anteil der Delta-Variante in Deutschland fast verdoppelt, von zuletzt acht Prozent auf jetzt 15 Prozent. Das geht aus dem aktuellen RKI-Bericht zu den Virusvarianten hervor. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Variante in Deutschland durchsetzen werde; in den vergangenen vier Wochen sei sie in allen Bundesländern nachgewiesen worden. Die meisten Übertragungen fanden demnach in privaten Haushalten statt, zudem gab es größere Ausbrüche (mehr als fünf Personen) am Arbeitsplatz und in Schulen mit bis zu 24 Personen. Delta wird eine deutlich höhere Infektiosität sowie eine reduzierte Wirksamkeit der humoralen und zellulären Immunantwort zugeschrieben. Erste vorläufige Ergebnisse deuteten aber darauf hin, dass auch bei Infektionen mit der Delta-Variante nach vollständiger Impfung ein hoher Schutz gegen schwere Verläufe besteht, heißt es in dem Bericht (RKI-Bericht zu Virusvarianten; online 23. Juni).

Update vom 23. Juni 2021

Im Gehirn von gestorbenen COVID-Patienten haben Forscher inflammatorische Veränderungen nachgewiesen, die denen bei neurologischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Depression ähneln. Möglicherweise sind auch die bei Long-COVID-Patienten beobachteten Konzentrationsschwächen und Sprachstörungen auf diese Entzündungen im Gehirn zurückzuführen. Das Team von der Universität des Saarlandes und der Stanford University hatte die Gehirne von acht gestorbenen COVID-Patienten sowie von 14 Kontrollpatienten, von denen einer an Influenza gestorben war, untersucht. Das entnommene Gewebe stammte aus dem Frontallappen der Großhirnrinde sowie dem Plexus choroideus. Mittels RNA-Einzelzellsequenzierung wurden dann die aktiven Gene jeder einzelnen Zelle der Gewebeproben betrachtet. „Wir konnten sehen, dass die Mikroglia im Gehirn bei den an COVID gestorbenen Patienten stark aktiviert waren. Zusätzlich konnten wir aktivierte T-Lymphozyten nachweisen, die vom Blut ins Gehirn gewandert sind“, wird Studienautor Professor Walter Schulz-Schaeffer in einer Mitteilung der Universität des Saarlandes zitiert. Dort hätten sie das entzündete Milieu noch einmal verstärkt. Diese Neuroinflammation konnten die Forscher weder bei dem an Influenza gestorbenen Patienten noch den übrigen Kontrollpatienten feststellen (Nature 2021; online 21. Juni).

Update vom 22. Juni 2021

Die zusätzliche Gabe von Tofacitinib bessert bei hospitalisierten, nicht invasiv beatmeten COVID-Patienten die Prognose: Das Risiko für Tod oder Atemversagen wird verringert. So lautet das Ergebnis der Phase-II-Studie STOP-COVID mit 289 Patienten, in der eine Standardtherapie plus Tofacitinib vs. eine Standardtherapie plus Placebo geprüft wurde. Die kumulative Inzidenz für Tod oder Atemversagen bis Tag 28 (der primäre Endpunkt der Studie) lag in der Tofacitinib-Gruppe bei 18,1 Prozent und in der Placebo-Gruppe bei 29 Prozent (Risk Ratio, RR: 0,63). Tod jeglicher Ursache bis Tag 28 trat bei 2,8 Prozent der zusätzlich mit Tofacitinib behandelten Patienten vs 5,5 Prozent in der Placebo-Gruppe auf (NEJM 2021; online 16. Juni).

Erste positive Daten zur gleichzeitigen Gabe einer COVID- und Influenza-Impfung gibt es zum Impfstoffkandidaten „NVX-CoV2373“ des Unternehmens Novavax. Laut der noch nicht begutachteten Studienergebnisse wird die Effektivität der beiden Impfstoffe nicht beeinflusst. In der Phase-III-Studie wurde die Novavax-Vakzine entweder mit einem zugelassenen Grippe-Impfstoff (Flucelvax®, quadrivalent, zellbasiert) bei 18 bis 64-Jährigen oder einer adjuvantierten trivalenten Influenza-Vakzine bei Über-65-Jährigen kombiniert. Die Ko-Administration habe bei den Grippe-Impfstoffen die Effektivität nicht beeinflusst, die Effektivität der COVID-Vakzine sei lediglich marginal verringert (87,5 vs 89,8 Prozent), berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (medRxiv 2021; online 13. Juni).

Update vom 21. Juni 2021

Das Multisystemische Inflammatorische Syndrom kann als Post-COVID-Symptom auch bei Älteren auftreten. Das berichtet ein Team um Dr. Geneviève Kerkerian von der University of Calgary anhand eines Fallberichts. Der 60-jährige Mann war vier Wochen nach seiner SARS-CoV-2-Infektion und nach Genesung in eine Klinik gekommen. Er berichtete, seit fünf Tagen an Kurzatmigkeit, Fatigue und Fieber über 40°C zu leiden. In der Klinik stellten Kerkerian und ihre Kollegen zudem eine Rechtsherzvergrößerung und Lungenödeme fest, außerdem eine bilaterale Konjunktivitis, Veränderungen der Mundschleimhaut, eine zervikale Lymphadenopathie und die von COVID bekannten Frostbeulen-ähnlichen Veränderungen an der unteren Extremität. Da die Symptome denen eines MIS-C (multisystem inflammatory syndrome in children) ähnelten, warnen sie, dass das Syndrom in seltenen Fällen auch bei Älteren als Post-COVID-Symptom auftreten kann (CMAJ 2021; online 21. Juni).

Die beiden mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna haben keinen Einfluss auf Spermienqualität und Fruchtbarkeit. Diese Befürchtung wird immer wieder von Menschen angegeben, die den mRNA-Vakzinen kritisch gegenüberstehen. Forscher um Daniel Gonzalez von der University of Miami haben daher einen möglichen Zusammenhang in einer kleinen Studie mit 45 Männern im mittleren Alter von 28 Jahren untersucht. Die Probanden hatten vor der ersten Impfung und 70 Tage nach der zweiten Impfung Spermienproben abgegeben. Ergebnis: Weder in Spermienvolumen, noch in Spermienmotilität und -morphologie zeigten sich nach der Impfung Unterschiede (JAMA 2021; online 17. Juni).

Die Größe und Festigkeit von Erythrozyten und Neutrophilen Granulozyten verändern sich bei einer COVID-Erkrankung, und zwar zum Teil über Monate hinweg. Das haben Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin festgestellt, die Blutproben von 17 COVID-Patienten mit unterschiedlich schweren Verläufen, Rekonvaleszenten sowie 24 gesunden Probanden mit einer neuen Technik namens „real-time deformability cytometry“ (RT-DC) untersucht haben. Dabei werden Leukozyten und Erythrozyten durch einen engen Kanal gedrückt und in die Länge gezogen. Eine Hochgeschwindigkeitskamera fotografiert die Blutzellen und eine spezielle Software ermittel Zelltyp, Größe und Verformbarkeit. Dabei zeigte sich, dass sich Erythrozyten von Erkrankten in Größe und Verformbarkeit deutlich von denen Gesunder unterschieden. Das deute auf eine Zellschädigung hin und könnte das höhere Risiko von Gefäßverschlüssen und Lungenembolien erklären, schreibt das Team um Dr. Markéta Kubánková. Zudem könne dadurch die Sauerstoffversorgung bei Infizierten beeinträchtigt sein. Lymphozyten waren bei COVID-Patienten wiederum deutlich weicher, was auf eine starke Immunreaktion hinweisen kann. Ähnliche Beobachtungen konnten Kubánková und ihre Kollegen auch bei Neutrophilen Granulozyten machen. Diese Zellen blieben auch sieben Monate nach der akuten Infektion drastisch verändert. Dies könnte eine Erklärung für Long-COVID-Symptome sein (Biophysical Journal 2021; online 2. Juni).

Update vom 18. Juni 2021

Auch in den USA sind bei 12- bis 17-Jährigen mit Comirnaty®-Impfung Fälle von Myokarditis aufgetreten, berichten die Centers for Disease Control (CDC). Bei einem „White House Briefing“ habe die CDC-Direktorin Dr. Rochelle Walensky die Zahl der Meldungen im „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS) mit über 300 Fällen beziffert, berichtet das US-National Public Radio (npr). Bei der übergroßen Mehrheit der Betroffenen sei die Entzündung aber nach kurzer Zeit wieder abgeklungen. Das deckt sich auch mit einer Fallserie von sieben Betroffenen, wo die Beschwerden bei allen nur vorübergehend auftraten. Die Zahl ist zudem in Relation zu der großen Menge an Impfungen in dieser Altersgruppe zu sehen: Bereits sieben Millionen 12- bis 17-Jährige sind in den USA bis Mitte Juni mindestens einmal geimpft worden. Die American Academy of Pediatrics sieht aber bisher keinen Grund, die Impfung in dieser Altersgruppe nicht mehr zu empfehlen (npr-Bericht; online 17. Juni und PrePub-Paper in „Pediatrics“ 2021; online 18. Juni).

Der Anteil der Corona-Variante Delta (B.1.617.2) ist in Deutschland in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, ihr Anteil liegt jetzt bei 6,2 Prozent, wie aus einem RKI-Bericht hervorgeht. Die Variante, die zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra nachgewiesen wurde, zählt seit Mai 2021 zu den VOC (variants of concern – besorgniserregende Varianten). Delta zeichnet sich unter anderem durch Austausche von Aminosäuren im viralen Spike-Protein aus (L452R, P681R). Die Mutation L452R wird mit einer reduzierten Wirksamkeit der humoralen und zellulären Immunantwort in Verbindung gebracht, heißt es im RKI-Bericht weiter. Darüber hinaus werden die Mutationen mit einer eventuell höheren Übertragbarkeit in Verbindung gebracht. Erste vorläufige Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass vollständige Impfungen mit den derzeitigen Vakzinen einen hohen Schutz gegen schwere Verläufe durch Delta bieten (RKI-Bericht zu Virusvarianten; online 16. Juni). (otc)

Plasma von Rekonvaleszenten verbessert die Überlebenswahrscheinlichkeit von COVID-19-Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen. Das berichten US-Forscher nach Auswertung einer Studie des CCC19 (COVID-19 and Cancer Consortium) mit insgesamt 966 Patienten. Die Studie ergab ein um 48 Prozent geringeres 30-Tage-Sterberisiko für COVID-Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen, die Rekonvaleszentenplasma erhalten hatten (n=143) im Vergleich zu Patienten, ohne diese Behandlung (n=823). Dieser Überlebensvorteil war noch größer bei Patienten, die auf die Intensivstation aufgenommen wurden (um 60 Prozent, n=338) und bei denen, die eine mechanische Beatmung benötigten (um 68 Prozent, n=227) (JAMA Oncol, 2021; online 17. Juni). (otc)

Update vom 17. Juni 2021

Eine dritte Impfdosis kann bei Patienten nach Organtransplantation den Schutz vor COVID-19 verbessern. Nach Organtransplantation zeigen Patienten aufgrund ihrer Immunsuppression häufig nur eine unzureichende Antikörperreaktion auf die ersten beiden Dosen der COVID-19-Impfung. So war es in einer Kohorte von 436 Empfängern von Organtransplantaten nach der 1. Dosis eines mRNA-Impfstoffs (BioNTech/Pfizer oder Moderna) nur bei knapp jedem 5. Patienten zur Bildung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gekommen. Nach der 2. Dosis erreichte jeder 2. Patient eine Antikörperantwort. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Dorry Segev, Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore. Ganz anders sah es nach Verabreichung einer dritten Dosis (bei 30 Patienten) aus: 6 Personen, die nach zwei Dosen nur wenige Antikörper hatten, erreichten nach einer dritten Injektion hohe Werte, von den 24 Patienten ohne nachweisbare Antikörperreaktion nach der 2. Dosis erreichten 6 einen hohen Antikörpertiter, bei 2 Patienten stieg der Titer leicht an. Bei den übrigen 16 Patienten blieb die Immunreaktion aus. Insgesamt hatten somit 14 von 30 Patienten nach der 3. Dosis eine gute Immunität erreicht, bei 2 weiteren könnte eine leichte Teilimmunität bestehen. Bei 24 Patienten wurde bei der dritten Impfdosis eine andere Vakzine als zuvor eingesetzt: 9 Patienten erhielten den jeweils anderen mRNA-Impfstoff, 15 wurden mit der vektorbasierten Vakzine von Johnson & Johnson geimpft. Ob der Wechsel des Impfstoffs die Immunität verbessert hat, ist unklar (Ann Int Med 2021, online 15. Juni). (otc)

Update vom 16. Juni 2021

Nach der zweiten Impfung mit einer mRNA-Vakzine gegen COVID entwickelt ein Viertel der Patienten eine axilläre Lymphadenopathie. Das berichten Ärzte um Dr. Mehmet Adin von der Yale School of Medicine in New Haven. Die Ärzte hatten sich sämtliche FDG-PET/CT-Scans ihrer Klinik zwischen Dezember 2020 und März 2021 noch einmal angeschaut. Unter knapp 1300 Scans fanden sie auch 68 von Patienten mit einer bekannten COVID-19-Impfung – zu dieser Zeit wurden in den USA nur die beiden mRNA-Vakzinen von Pfizer/BioNTech und Moderna verimpft. Reaktive axilläre Lymphknoten auf der Impfseite fanden die Ärzte bei insgesamt neun Patienten (13 Prozent), und zwar unter 2 von 41 nach der ersten Impfung (5 Prozent) sowie 7 von 27 nach der zweiten (26 Prozent). Mehr als die Hälfte der Patienten mit reaktiven Lymphknoten zeigte im CT auch eine Knotenschwellung. Die Impfung lag bei den Patienten mit reaktiven Knoten im Median zehn Tage zurück, bei denen ohne zwölf Tage, bei einigen Patienten wurde noch einen Monat nach der Impfung eine erhöhte FDG-Aufnahme in den ipsilateralen Lymphkonten beobachtet. Bei Untersuchungen wie einer Mammografie oder einem PET-Scan lohnt es sich also, nach der Impfung zu fragen (JAMA Oncol 2021, online 10. Juni). (mut)

Update vom 15. Juni 2021

Kopfweh, Halskratzen und Rhinorrhoe sind die häufigsten Krankheitszeichen bei Infektionen mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2. Klassische COVID-Symptome wie Fieber, Husten sowie Geruchs- und Geschmacksverlust sind eher selten. Das hat die „Zoe COVID Symptom Study“ ergeben, berichten Forscher des King’s College in London. In der Studie werden Daten der „COVID Symptom Study App“ ausgewertet. Über die vom Unternehmen Zoe entwickelte App können Bürger während der Pandemie verdächtige Symptome melden. Im Vereinigten Königreich hat die starke Verbreitung der besonders kontagiösen Variante aus Indien inzwischen zu steigenden Infektionszahlen trotz hoher Impfraten geführt. Vor allem Ungeimpfte oder nur einmal Geimpfte erkranken dabei. Für junge Menschen fühlt sich die Infektion mit der Delta-Variante mehr wie eine schwere Erkältung an, berichtet die „BBC“. Betroffene seien aber für Mitmenschen infektiös, sie sollten sich testen lassen (Bericht der BBC vom 14. Juni).

Update vom 14. Juni 2021

Hohe COVID-Impfraten bei Erwachsenen bieten auch ungeimpften Kindern einen gewissen Schutz. Das berichten Forscher aus Israel. Das Land hatte bis zum Mai hohe Impfraten bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter ab 16 Jahren. Allerdings blieben in dieser Zeit jüngere Jugendliche und Kinder mangels zugelassener Impfstoffe für diese Altersgruppe ungeimpft. Belegt wurde jetzt: Mit jedem Anstieg der Impfraten bei 16- bis 50-Jährigen in einer Gemeinde um 20 Prozent halbierte sich die Rate positiver Tests bei den ungeimpften Jüngeren. Die Forscher haben sich dabei Registerdaten des israelischen Krankenversicherers Maccabi Healthcare Services aus der Zeit von Dezember bis Anfang März angeschaut, und zwar aus 177 geografischen Regionen des Landes mit unterschiedlich voranschreitenden Impfprogrammen (Nature Med 2021; online 10. Juni). Vorläufige Ergebnisse einer finnischen Studie erbrachten ähnliche Ergebnisse: Dort sanken die Infektionsraten von Haushaltsmitgliedern geimpfter Menschen aus medizinischen Berufen um 8,7 Prozent zwei Wochen nach der ersten Dosis. Zehn Wochen später waren es 42,9 Prozent (medrxiv 2021, online 29. Mai).

Eher pflanzenbasierte Ernährung oder Kost mit viel Fisch war in einer Studie mit geringerem Risiko für schwere COVID-Verläufe assoziiert. Das berichten Forscher der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore, USA. Das Team hat von Juli bis September 2020 besonders infektions-gefährdete Mitarbeiter in Praxen und Kliniken nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Für die internationale Fall-Kontrollstudie in sechs Industrieländern (darunter Deutschland) wurden Daten von 568 Teilnehmern mit COVID-19 ausgewertet (darunter 138 mit moderatem bis schwerem Verlauf). Eine Gruppe von 2316 Teilnehmern ohne COVID-19 diente als Kontrolle. Ergebnis: Mitarbeiter, die ihre Kost als „pflanzenbasiert“ oder „pescetarisch“ angaben, hatten im Vergleich zu Mitarbeitern mit anderer Kost ein um 73 und 59 Prozent verringertes Risiko für einen moderaten bis schweren COVID-Verlauf. Dies könnte ein Hinweis auf einen protektiven Effekt sein, so die Forscher (BMJ Nutrition Prevention & Health 2021; online 7. Juni).

Update vom 11. Juni 2021

Die Hoffnung, dass ASS die Überlebenschancen von COVID-19-Patienten bessert, hat sich nicht erfüllt. Das geht aus der Studie RECOVERY hervor. Damit wird es ASS vermutlich nicht in die Routineversorgung von COVID-Patienten schaffen. Für die Studie wurden 7351 Patienten, die wegen einer SARS-CoV-2-Infektion hospitalisiert wurden, mit ASS 150 mg 1x täglich zusätzlich zur Standardversorgung behandelt. Weitere 7541 Patienten erhielten nur die Standardversorgung ohne ASS. Ergebnis: Bei der 28-Tage-Mortalität gab es keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen (jeweils 17 Prozent starben), auch die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung ließ sich nicht verhindern (21 Prozent mit ASS vs. 22 Prozent ohne ASS). Die Hospitalisierungsdauer war mit ASS geringfügig kürzer (8 vs. 9 Tage), außerdem konnten etwas mehr Patienten innerhalb von 28 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden (75 Prozent mit ASS, 74 Prozent ohne). Studienleiter Professor Peter Horby sieht darin aber keinen Grund für einen Routineeinsatz des Plättchenhemmers: „Obwohl Aspirin mit einem geringen Anstieg der Wahrscheinlichkeit, lebend entlassen zu werden, einherging, scheint dies nicht ausreichend zu sein, einen großflächigen Einsatz für hospitalisierte COVID-19-Patienten zu rechtfertigen.“ Wie zu erwarten, verringerte sich unter ASS-Gabe das thromboembolische Risiko etwas, jedoch auf Kosten eines höheren Risikos für schwerwiegende Blutungen (Preprint medRxiv 2021; online 8. Juni; außerdem Vorab-Pressemitteilung zur Studie, veröffentlicht am 8. Juni). (vsc)

Das PEI hat bisher kein klares Bild in Bezug auf Myokarditiden in Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen. Zwar habe man in den vergangenen Wochen „zunehmend Meldungen über den Verdacht einer Myokarditis oder Perimyokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von COVID-19-mRNA-Impfstoffen erhalten“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Andererseits weise es bezogen auf alle Altersgruppen nicht auf ein Risikosignal hin, wenn man die gemeldeten Fälle zu der Myokarditis-Quote ins Verhältnis setze, die auch ohne Impfung zu erwarten wäre. Dennoch falle bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech auf, „dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen.“ Bislang gehe es um 92 Fälle. Noch fehlten aber Daten, um zu berechnen, „ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zu erwarten wäre“. Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen mRNA-Vakzinen und Myokarditiden hatte es zunächst aus Israel gegeben. So hält ein Ausschuss des israelischen Gesundheitsministeriums eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung, vor allem der zweiten Dosis, mit einer Myokarditis für wahrscheinlich.

Update vom 10. Juni 2021

Auch doppelt Geimpfte können sich mit SARS-CoV-2 infizieren, das kommt jedoch selten vor. Von solchen Durchbruchsinfektionen berichtet die US-amerikanische Behörde CDC – bis April 2021 wurden 10.262 solcher Fälle gemeldet. Bei etwa 101 Millionen doppelt geimpfter Personen in den USA, so die Angabe der CDC, entspricht das einem Anteil von 0,01 Prozent. Weitere Ergebnisse: 6446 Infektionen (63 Prozent der Durchbruchinfektionen) gab es bei Frauen, das mediane Alter der Patienten betrug 58 Jahre, 2725 Infektionen (27 Prozent) waren asymptomatisch, 995 Patienten wurden hospitalisiert (das entspricht zehn Prozent der Patienten mit Durchbruchinfektion; 0,001 Prozent aller doppelt geimpfter Personen in den USA), 160 Patienten (zwei Prozent der Patienten mit Durchbruchinfektionen) starben. Die CDC schränken ein, dass die sogenannte Dunkelziffer von Durchbruchinfektionen vermutlich höher liegt, besonders bei asymptomatischen Infektionen. Außerdem ist nicht geklärt, in welchem Abstand nach der Vakzinierung die Infektionen erfolgten – denn bekanntlich entfaltet sich der volle Infektionsschutz der Impfung ja erst nach 14 Tagen (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 28. Mai).

Update vom 9. Juni 2021

Erneut keine Hinweise auf eine Schutzwirkung vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch die Einnahme von Vitamin D. Das ist das Ergebnis einer Assoziationsstudie kanadischer Wissenschaftler, die sich Genvarianten einer Datenbank angesehen haben, die signifikant mit erhöhten Spiegeln von Vitamin D assoziiert sind. Ergebnis: Unter 14.134 Personen mit einer COVID-19-Erkrankung sowie 1,2 Millionen Personen ohne COVID aus elf europäischen Ländern gab es keine Hinweise darauf, dass genetisch assoziierte erhöhte Vitamin-D-Spiegel einen protektiven Effekt im Hinblick auf COVID-19-Erkrankung (Odds Ratio [OR] 0,95), Hospitalisierung (OR 1,09) oder schweren Krankheitsverlauf (OR 0,97) haben. Eine Vitamin-D-Supplementierung, um das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu verringern, könne auf Basis der Daten also nicht empfohlen werden, schreiben die Forscher um Dr. Guillaume Butler-Laporte von der Universität in Montreal. Sie schränken jedoch ein, dass die Studie keine Aussagen über Patienten mit bestätigtem Vitamin-D-Mangel zulasse (PLoS Medicine 2021; online 1. Juni).

Update vom 8. Juni 2021

Krankenhausaufenthalte wegen COVID-19 sind bei Jugendlichen zwar selten, insgesamt aber dreimal so häufig wie bei Influenza. Das ist das Ergebnis eines Berichts der US-amerikanischen Behörde CDC. Deren Mitarbeiter hatten Daten von 204 Jugendlichen aus 14 US-Staaten im Alter zwischen 12 und 17 Jahren ausgewertet, die zwischen Januar und März 2021 mit einer laborbestätigten COVID-19 hospitalisiert worden waren. Ergebnis: 71 Prozent hatten mindestens eine Grunderkrankung, 31 Prozent wurden auf der Intensivstation aufgenommen, fünf Prozent mussten invasiv mechanisch beatmet werden, kein Jugendlicher starb. Die Wissenschaftler verglichen außerdem die kumulativen Fälle von COVID-19-assoziierten Hospitalisierungen in dieser Altersgruppe zwischen Oktober 2020 und April 2021 mit jenen aufgrund von Influenza aus drei rezenten Influenza-Saisonen (2017/18, 2018/19, 2019/20). Demnach kamen COVID-assoziierte Hospitalisierungen dreimal häufiger vor als Hospitalisierungen aufgrund von Influenza. Die Autoren des CDC-Berichts warnen, Infektionen mit SARS-CoV-2 unter Jugendlichen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und werten die Studienergebnisse als Argument für eine baldige Impfung von Jugendlichen (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 4. Juni).

Update vom 7. Juni 2021

COVID-19 verläuft bei Kindern und Jugendlichen vor allem dann schwer, wenn Betroffene zusätzlich Grunderkrankungen haben. Das bestätigen Forscher der US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC). Sie haben sich in einer Querschnittstudie Registerdaten von 43.465 COVID-Patienten im Alter unter 18 Jahren aus Notaufnahmen von US-Kliniken angeschaut. Mehr als ein Viertel der Patienten hatte Grunderkrankungen: Bei 10,2 Prozent aller Patienten war das Asthma, bei 3,9 Prozent eine neurologische Entwicklungsstörung, bei 3,2 Prozent eine Angststörung, bei 2,8 Prozent Depression und bei 2,5 Prozent Adipositas. Knapp jeder Zehnte (4302) wurden stationär aufgenommen, davon wurden knapp 30 Prozent (1273) auf eine Intensivstation verlegt und 6,4 Prozent (277) mechanisch beatmet. 38 Kinder starben. Die stärksten Risikofaktoren für eine stationäre Einweisung waren Typ-1-Diabetes (adjustierte Risk Ratio [aRR]: 4,6) und Adipositas (aRR: 3,07). Die stärksten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Klinik waren ebenfalls Typ-1-Diabetes (aRR: 2,38) und angeborene Herzfehler (aRR: 1,72). Bei den Unter-Zweijährigen hatten Frühchen das höchste Risiko für einen schweren Verlauf (aRR 1,83). Vor allem auch komplexe Grunderkrankungen steigerten das Risiko für schwere COVID-19 (JAMA Network Open 2021; online 7. Juni).

Update vom 4. Juni 2021

Schlaganfälle bei COVID-Patienten sind deutlich schwerer und treten in jüngeren Jahren auf als bei Nicht-COVID-Patienten. Das berichtet die „Multinational COVID-19 Stroke Study Group“. Für die Beobachtungs-Studie waren Daten von 432 Betroffenen aus 71 Zentren in 17 Ländern ausgewertet worden. Von den Patienten hatten 74 Prozent einen ischämischen und 21 Prozent einen hämorrhagischen Schlaganfall sowie 4 Prozent eine zerebrale venöse oder Sinusvenenthrombose. Ein Viertel der Patienten war jünger als 55 Jahre und ebenfalls ein Viertel hatte keine identifizierbaren vaskulären Risikofaktoren. Von den 283 Patienten mit ischämischem Schlaganfall hatten knapp 45 Prozent nach den sogenannten TOAST-Kriterien einen Verschluss eines großen Gefäßes („large vessel occlusion“) und 10 Prozent eine „small artery occlusion“. Insgesamt hatten 38 Prozent der SARS-CoV-2-Infizierten keine Symptome bei stationärer Aufnahme wegen Schlaganfall (Stroke. 2021; 52: e117).

Eine Therapie mit Methotrexat (MTX) reduziert die Immunogenität des mRNA-Impfstoffs BNT162b2 (Comirnaty®), berichten Forscher von der New York University (USA) und vom Uniklinikum Erlangen. Untersucht wurde die Immunantwort nach der Impfung bei 207 gesunden Probanden sowie 82 Patienten mit immunvermittelten entzündlichen Krankheiten (IMID). Davon wurden 45 mit MTX und 37 mit anderen DMARD (etwa TNF-Hemmer) behandelt. Ergebnis: Ein als adäquat definierter Anstieg der IgG-Antikörper gegen virales Spike-Protein wurde danach nur von 62 Prozent der MTX-Patienten erreicht und damit signifikant seltener als von gesunden Kontrollen (96 Prozent). Bei den IMID-Patienten mit anderen Therapien als MTX war die Immunogenität dagegen nicht reduziert (92 Prozent). Möglicherweise sei bei Patienten unter MTX-Therapie eine alternative COVID-Impfstrategie nötig, so die Autoren, etwa eine dritte Impfdosis oder auch eine Dosisreduktion oder vorübergehendes Aussetzen von MTX. Dies sei aber erst zu prüfen (Ann Rheum Dis. 2021; online 25. Mai). (bs)

Update vom 2. Juni 2021

Defizite bei Geschmacksrezeptoren für Bitterstoffe sind mit schweren COVID-19-Verläufe assoziiert. Das berichten HNO-Ärzte aus Baton Rouge im US-Staat Louisiana. Sie haben zunächst bei 1935 gesunden Probanden mit Bitterstoffen geprüft, wie intensiv sie diesen Geschmack wahrnehmen. 26 Prozent erwiesen sich dabei als „Superschmecker“. 266 Teilnehmer infizierten sich in den Wochen danach mit SARS-CoV-2: 55 Prozent davon waren „Nichtschmecker“ und nur 6 Prozent „Superschmecker“. Unter Betroffenen mit schweren COVID-Verläufen mit stationärer Therapie (jeder fünfte Infizierte) waren 86 Prozent „Nichtschmecker“ und kein einziger „Superschmecker“. Solche „Superschmecker“ sind offenbar vor SARS-CoV-2 geschützt, so die Forscher. Nach ihren Angaben sind Bitterrezeptoren (T2R) auf Flimmerepithelzellen in Nase und Nasennebenhöhlen Teil der angeborenen Immunabwehr. Bei Aktivierung von T2R werde NO freigesetzt, was pathogene Keime tötet und eine erhöhte Zilienschlagfrequenz auslöst. NO verhindere zudem die Fusion des Virus-Spike-Proteins mit dem ACE2-Rezeptor (JAMA Netw Open 2021; online 25. Mai).

In Folge von COVID-19 kann auch Diabetes auftreten, berichtet ein internationales Forscherteam unter Mitwirkung des Universitätsspitals Basel. SARS-CoV-2 kann nach einer Studie nämlich auch die Betazellen im Pankreas befallen. Das Virus nutzt dazu als Eintrittspforte nicht den ACE2-Rezeptor, sondern Neuropilin 1 (NRP1), ergaben Versuche mit kultivierten Beta-Zellen. Infizierte Zellen produzierten danach weniger Insulin und wiesen Zeichen des Absterbens auf. Und: Wenn die Forscher Neuropilin 1 mit einem Hemmstoff blockierten, gelang es dem Virus viel schlechter, in die Zellen einzudringen. Ob sich nach einer überstandenen Infektion der Zuckerstoffwechsel bei allen COVID-Patienten wieder normalisiert, lasse sich noch nicht sicher sagen, berichtet der Pathologe Privatdozent Dr. Matthias Matter von der Universität Basel in einer Mitteilung des Spitals. Es gebe Hinweise, dass bei Betroffenen mit Long-COVID auch mehrere Wochen bis Monate danach noch ein Diabetes festgestellt werden könne (Cell Metabolism 2021; online 18. Mai).

Update vom 1. Juni 2021

Die COVID-19-Mortalität ist bei Parkinsonkranken erhöht, berichten Ärzte aus Bochum. Das Team hat DRG-Daten zu praktisch allen stationären Aufnahmen in deutschen Kliniken vom 16. Januar bis zum 15. Mai 2020 ausgewertet und mit demselben Zeitraum aus dem Vorjahr verglichen. Die Zahl der Parkinsonkranken war unter den COVID-Patienten überproportional hoch: So hatten nur 1,2 Prozent aller Klinikpatienten einen Morbus Parkinson, aber 2,2 Prozent aller COVID-Kranken. Die COVID-Häufigkeit war damit unter Parkinson-Patienten um etwa 80 Prozent erhöht. Und auch die Sterberate von COVID-Patienten mit Parkinson war um etwa 75 Prozent höher als bei COVID-Kranken ohne Parkinson. Dies lässt sich nur zum Teil mit dem höheren Alter der Parkinsonkranken erklären. Vermutet wird auch, dass sich eine parkinsonbedingte Schwäche der respiratorischen Muskeln oder auch eine pneumonie-begünstigende Dysphagie bei SARS-CoV-2-Infektion negativ auswirken könnte (Movement Disorders 2021; 36:1049). (mut)

Update vom 31. Mai 2021

Grundschulen lassen sich bei Lockdown-Erleichterungen relativ sicher öffnen, weiterführende Schulen eher erst, wenn eine Infektionswelle unter Kontrolle ist. Dafür sprechen Infektionsraten nach Schulschließungen, die am Mayanei Hayeshuah Medical Center in St. Bnei Brak in Israel erhoben wurden. In dem Land wurden im Herbst die weltweit höchsten Infektionsraten registriert. Schulen waren dabei nur vom 1. bis zum 14. September und ab 1. November geöffnet. Testergebnisse von 47.620 Null- bis Neun-Jährigen und 101.304 Zehn- bis 19-Jährigen ergaben: Die Jüngeren hatten sowohl im September als auch von November bis Dezember die niedrigsten Infektionsraten im Vergleich zu den älteren Schülern (Null- bis Neun-Jährige: 1,1 und 1,3 Prozent und Zehn- bis 19-Jährige: 3,2 und 1,9 Prozent). Fazit: Während der Schulöffnungen hatten die Grundschüler relativ wenige Infektionen und spielten offenbar auch bei der Weiterverbreitung der Viren keine substanzielle Rolle (JAMA Network Open 2021; online 26. Mai).

Zwei Totimpfstoffe aus inaktivierten SARS-CoV-2 aus China haben sich in einer großen randomisierten Studie als gut wirksam erwiesen. Vorläufige Ergebnisse der Studie in mehreren Golfstaaten sowie in Ägypten und Jordanien haben Forscher der China National Biotec Group Company vorgestellt. Für die eine Vakzine wurde der WIV04-Stamm von SARS-CoV-2 verwendet und für die andere der HB02-Stamm. Je etwa 13.450 Probanden wurden mit je einer der beiden Vakzinen oder mit Placebo (enthielt nur den Aluminiumhydroxid-Wirkverstärker der Impfstoffe) geimpft. Ergebnisse: In der Nachbeobachtungszeit 14 Tage nach der zweiten Dosis erkrankten binnen 77 Tagen 26 Personen in der WIV04- und 21 in der HB02-Gruppe sowie 95 in der Placebogruppe an COVID-19. Daraus wurde eine Schutzwirkung ermittelt von 73 Prozent (WIV04) und 78 Prozent (HB02). Die Studie wird bis zur finalen Datenanalyse fortgeführt (JAMA 2021; online 26. Mai).

Update vom 28. Mai 2021

Auch wenn eine SARS-CoV-2-Infektion milde verläuft, sind die Betroffenen nicht vor schweren Langzeitfolgen gefeit. Das bestätigt eine Untersuchung Kölner Forscher, die 958 Patienten mit überwiegend milden COVID-19-Verläufen durchschnittlich sieben Monate begleitet haben. Vier Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion trat bei neun Prozent der Patienten Kurzatmigkeit auf, zwölf Prozent klagten über eine Geruchsstörung, elf Prozent über einen Geschmacksverlust und zehn Prozent berichteten eine ungewohnte Müdigkeit. Insgesamt hatten 123 von 958 Patienten (13 Prozent) dieses Symptom-Bündel, definiert als Post-COVID-Syndrom (PCS). Frauen waren mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Langzeit-Symptomen waren ein niedrigerer Ausgangswert von SARS-CoV-2-IgG, Riechstörungen sowie Durchfall während der akuten COVID-19-Erkrankung (The Lancet Regional Health - Europe 2021, online 18. Mai).

Live-Indoor-Konzerte mit Maskenpflicht, Tests und an einem gut belüfteten Veranstaltungsort scheinen nicht das Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung zu erhöhen. Das legt eine randomisierte, kontrollierte Open-Label-Studie aus Spanien nahe, bei der keine Übertragung nachgewiesen wurde. Für die Studie wurden alle 960 Teilnehmer kurz vor der Veranstaltung getestet, 465 nahmen danach an dem Konzert teil, 495 gingen ohne Konzertbesuch nach Hause. Bei einer erneuten Testung nach acht Tagen wurde keiner der Konzert-Teilnehmer positiv auf das Virus getestet, aber zwei in der Kontrollgruppe. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass die Prävalenz von Coronavirus-Infektionen in der Region zum Zeitpunkt der Veranstaltung (12.12.20) gering bis mäßig war (221 Fälle pro 100.000 Menschen) (Lancet Infect Dis 2021; online 27. Mai). (otc)

Bei mRNA-Impfungen kann es zu verzögerten Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut kommen. Das zeigt eine Miniatur-Fallserie aus den USA mit Daten von 16 Patienten, die die Moderna-Verkzine erhalten hatten. Die Impflinge hatten allergische Reaktionen an der Einstichstelle entwickelt, im Schnitt sieben Tage nach der Impfung, bei 15 Patienten war die Reaktion nach der ersten Impfdosis aufgetreten. Elf Teilnehmer zeigten zudem eine ähnliche Reaktion nach der Zweitimpfung, im Median zwei Tage nach der Injektion. Die Forscher vermuten, dass die verzögerten allergischen Reaktionen mit der Immunantwort von T-Zellen auf Hilfsstoffe, Lipidnanopartikel oder mRNA-Komponenten des Vakzins zusammenhängen könnten. Sie sehen in den verzögerten lokalen Überempfindlichkeitsreaktionen keine Kontraindikation für eine nachfolgende Impfung (JAMA Dermatol. 2021, online 12. Mai). (js)

Update vom 27. Mai 2021

Bisher besteht Unsicherheit, ob sich durch eine COVID-Impfung bestehende Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion verschlimmern könnten. Britische Forscher um Dr. David T. Arnold vom North Bristol NHS Trust geben jetzt aber Entwarnung. Ihrer Untersuchung nach führt eine Impfung mit BioNTech/Pfizer- oder AstraZeneca-Vakzine nicht zur Verschlechterung der Symptome bei Patienten mit persistierenden COVID-Langzeitfolgen (8 Monate nach akuter Erkrankung). Im Schnitt berichtete jeder Teilnehmer von vier bestehenden Symptomen, insgesamt wurden 159 Symptome erfasst. Am häufigsten wurden Fatigue (bei 75 Prozent), Kurzatmigkeit (61 Prozent) und Insomnie (53 Prozent) berichtet. Bei den 44 Teilnehmern, die eine Impfstoffdosis erhalten hatten, hatten sich von den 159 vor der Impfung gemeldeten Symptomen 37 (23,2 Prozent) gebessert, nur 9 (5,6 Prozent) verschlechtert und 113 (71,1 Prozent) waren unverändert. Die Teilnehmer waren einen Monat nach der Impfung befragt worden (Ann Int Med 2021, online 25. Mai).

Das angeborene Immunsystem ist wohl kein Treiber für die teilweise überschießende Immunreaktion bei COVID-19. Schwere COVID-19-Krankheitsverläufe gehen ja mit einem entgleisten Immunsystem, einem Zytokinsturm, einher. Entgegen bisheriger Annahmen spielen bei diesen Prozessen Immunzellen der angeborenen Immunantwort wie dendritische Zellen und Makrophagen jedoch offenbar keine relevante Rolle. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts und der Universitätsklinik Freiburg nach in-vitro-Versuchen mit humanen dendritischen Zellen und Makrophagen. Dies sei eine weitere wichtige Erkenntnis auf dem Weg zur Aufklärung der Prozesse, die nach SARS-CoV-2-Infektion zu den teils verheerenden Immunreaktionen führen. Ein besseres Verständnis könnte dazu beitragen, früh Risikopatienten zu erkennen und besser behandeln zu können, ordnen die Forscher ihre Ergebnisse ein (Front Immunol 2021, online 26. Mai). (otc)

Update vom 26. Mai 2021

Gibt es durch COVID-19 mehr Herpes Zoster? Forscher sammeln Daten, um diese Frage zu beantworten. Die Infos zu 27 dokumentierten Zoster-Fällen haben sie jetzt veröffentlicht: 13 Zoster-Erkrankungen traten demnach innerhalb der ersten Woche nach COVID-Diagnose auf, die meisten mit typischem Haut-Befund. In zwei Fällen waren multiple Dermatome betroffen, bei drei Betroffenen kam es zu Nekrosen, und ein Patient entwickelte eine postherpetische Neuralgie. Atypische Zoster-Erkrankungen seien besonders bei COVID-Patienten mit Lymphopenie dokumentiert worden, so die Forscher um Javier Diez-Domingo, FISABIO-Public Health, Valencia. Ob eine COVID-Erkrankung mit einem erhöhten Zoster-Risiko einhergehe, lasse sich momentan noch nicht beantworten (Dermatology and Therapy 2021; online 17. Mai).

Update vom 25. Mai 2021

Fatigue und Müdigkeit sind bei Kindern mit SARS-CoV-2-Infektion und PIMS die häufigsten lang anhaltenden Symptome. Das berichten britische Forscher, die 6-Monats-Daten von 46 Kindern mit PIMS (paediatric inflammatory multisystem syndrome) unter die Lupe genommen haben. Danach waren nach sechs Monaten die meisten PIMS Symptome verschwunden; nur sechs Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt noch gastrointestinale Symptome und zwei ein verändertes EKG. Am auffälligsten waren aber Fatigue und Muskelschwäche bei 18 ehemaligen Kindern mit PIMS. Die Studie habe keine Kontrollgruppe; ihre Aussagekraft sei deshalb eingeschränkt, räumen die Forscher ein (The Lancet Child & Adolescent Health; online 24. Mai).

Anakinra könnte zu einer Therapieoption bei COVID-19 werden, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Das legen zumindest vorläufige Ergebnisse der kontrollierten, aber noch nicht begutachteten Studie SAVE MORE nahe, in der knapp 600 – noch nicht intensivpflichtige – COVID-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Pneumonie berücksichtigt worden sind. An Tag 28 war unter anderen die Mortalität bei Therapie mit Anakinra plus Standard um 55 Prozent geringer als bei alleiniger Standardtherapie (3,2 vs 6,9 Prozent). Zudem konnten bei Therapie mit dem IL-1 Rezeptor Antagonisten Patienten im Mittel vier Tage früher von Intensiv entlassen werden (nach 10 statt 14 Tagen) (MedRxiv; online 18. Mai). Ein erhöhtes Risiko für eine schwere Atemwegsinsuffizienz wurde in der Studie anhand erhöhter suPAR (löslicher Plasminogenaktivatorrezeptor vom Urokinase Typ)-Werte identifiziert. suPAR ist ein Biomarker, der eine frühe Immunaktivierung widerspiegelt und bei verschiedenen Erkrankungen mit einer ungünstigen Prognose assoziiert ist. 

Update vom 21. Mai

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist wohl kein Risikofaktor für eine Infektion mit SARS-CoV-2. US-Wissenschaftler haben Daten eines Mitarbeiter-Screeningprogramms aus den Jahren 2019 (vor der Pandemie) und 2020 (während der Pandemie) analysiert. Insgesamt wurden 18.148 Menschen zwischen 37 und 56 Jahren einbezogen, etwa zwei Drittel davon Frauen. Vor Pandemie-Beginn hatten demnach rund 60 Prozent der Untersuchten ein Vitamin-D-Level von weniger als 30 ng/ml und rund 25 Prozent ein noch niedrigeres (weniger als 20 ng/ml). Bei fünf Prozent der Probanden (900 Personen) wurden im Untersuchungszeitraum (Dezember 2020 bis März 2021) Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen – allerdings zeigte sich unter Berücksichtigung von Risikofaktoren wie BMI und Raucherstatus kein signifikanter Zusammenhang mit einem niedrigen oder sehr niedrigen Vitamin-D-Spiegel. In Deutschland hatte kürzlich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einer eigenmächtigen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 und schweren COVID-Verläufen gewarnt (JAMA Netw Open 2021; online 19.Mai).

Impfprogramme haben COVID-Fälle in US-Pflegeheimen stark zurückgedrängt. Das berichten Forscher der Brown University School of Public Health in Providence im US-Staat Rhode Island. Sie haben sich die Infektionsraten in 280 Heimen in 21 US-Staaten angeschaut. Bis zum Stichtag 15. Februar wurden alle Heimbewohner drei Kategorien zugeordnet: keine Impfung, eine Impfdosis oder zwei Impfdosen (ausschließlich mit mRNA-Vakzinen). Insgesamt waren bis zum Stichtag 18.242 Bewohner mindestens einmal geimpft worden und davon 13.048 zweimal, 3990 waren bis dahin ungeimpft. Ergebnisse: Von den zweimal Geimpften infizierten sich bis Ende März 1,0 Prozent (bis 14 Tage nach Impfung) und 0,3 Prozent (ab 14 Tage), im Vergleich zu 4,5 und 1,4 Prozent bei den einmal Geimpften. Von den Ungeimpften erkrankten zunächst 4,3 Prozent, nach 42 Tagen ging die Infektionsrate dann auch auf 0,3 Prozent zurück. Die meisten Infektionen waren asymptomatisch. Fazit: Konsequentes Impfen in Pflegeheimen plus Vorsichtsmaßnahmen wie Masken und Abstandsregeln bieten auch (wenigen) ungeimpften Bewohnern Schutz, so die Forscher (NEJM 2021; online 19. Mai).

In afrikanischen Ländern sterben deutlich mehr schwerkranke COVID-19-Patienten als im Rest der Welt. Die Todesrate von intensivmedizinisch versorgten COVID-Patienten innerhalb von 30 Tagen nach Klinikeinweisung liegt in Afrika bei 48,2 Prozent (also fast jeder zweite Patient), im globalen Mittel sind es 31,5 Prozent (etwa jeder dritte Patient). Das hat eine Studie ergeben, die Daten von 64 Kliniken in zehn afrikanischen Ländern untersucht hat. Als Gründe nennen die Autoren die schlechtere medizinische Ausstattung der Kliniken, aber auch die hohe Zahl von Patienten mit Komorbiditäten wie eine HIV-Infektion/AIDS und chronischen Lebererkrankungen (Lancet 2021; online 21. Mai).

Update vom 20. Mai

Bei Krebspatienten ist die T-Zell-Antwort gegen SARS-CoV-2 stark reduziert. Wie Tübinger Forscher berichten, ist zwar die Antikörperantwort gegen SARS-CoV-2 bei Tumorpatienten vergleichbar mit der von Patienten ohne Krebserkrankung. Allerdings zeigen Tumorpatienten – und hier besonders Patienten mit Krebserkrankungen des Blut- und Lymphsystems – deutlich schwächere T-Zell-Antworten gegen SARS-CoV-2. Außerdem ist die Diversität der T-Zell-Antwort stark reduziert. Dies könnte ein Grund für das höhere Risiko für schwere COVID-Verläufe bei Krebspatienten sein. Die Wissenschaftler haben daher den Impfstoff „CoVac-1“ entwickelt, der zur gezielten Induktion einer T-Zell-Antwort besonders bei Tumorpatienten eingesetzt werden kann. Der Impfstoff werde bereits in einer ersten Studie in Probanden evaluiert, berichtet das Universitätsklinikum Tübingen. Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass mit diesem Impfstoff eine sehr starke T-Zell-Antwort erzeugt werden kann (Cancer Discovery 2021; online 19. Mai).

In Deutschland ist der Anteil der südafrikanischen „Variant of Concern“ B.1.351 von einem auf drei Prozent gestiegen. Der Anteil der zuletzt im Fokus stehenden indischen SARS-CoV-2-Variante hingegen liegt weiterhin bei etwa zwei Prozent und damit relativ gering, wie Daten des Robert Koch-Instituts nahelegen. „Insgesamt ist der Anteil der indischen Variante in Deutschland geringer als in Großbritannien, wo sie aktuell in etwa sechs Prozent der sequenzierten Proben detektiert wird“, heißt es dazu in dem Bericht. In Großbritannien hat der Anteil der indischen Variante in den vergangenen Wochen bekanntlich stark zugenommen. Aktuell wird die in Deutschland am stärksten verbreitete „Variant of Concern“, die britische Variante B.1.1.7, in 87 Prozent der untersuchten positiven Proben gefunden, ihr Anteil ist damit im Vergleich zu den Vorwochen leicht zurückgegangen (RKI-Bericht; online 19. Mai).

Update vom 19. Mai

Erstimpfung mit AstraZeneca, Zweitimpfung mit BioNTech/Pfizer: Die heterologe Impfung induziert wohl eine ähnliche Wirksamkeit wie ein homologes Schema. Darauf weisen Ergebnisse der Phase-II-Studie „CombivacS“ mit 663 Personen unter 60 Jahren (Durchschnittsalter: 44 Jahre) hin, von der das spanische Gesundheitsministerium berichtet. Demnach war der Antikörpertiter sieben Tage nach der zweiten Impfung mit Comirnaty® um das 123-Fache gestiegen, an Tag 14 um das 150-Fache. Durch die heterologe Impfung wurde also eine gute Immunantwort erreicht. In der Studie sei zudem in In-vitro-Versuchen die Wirksamkeit der Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen worden, heißt es in der Mitteilung. Auffällige unerwünschte Wirkungen nach der Impfung seien nicht beobachtet worden und denen nach einer homologen Impfung ähnlich gewesen (Mitteilung des spanischen Gesundheitsministeriums, online 18. Mai).

Bei Älteren wird mit einem verlängerten Zeitintervall zwischen den beiden Impfungen mit Comirnaty® eine stärkere Immunantwort induziert. Einer auf dem PrePrint-Server medRxiv publizierte Studie mit 175 Teilnehmern über 80 Jahren zufolge ist ein verlängertes Impfintervall bei der Impfung mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine unkritisch. Ein Teil der Teilnehmer hatte die zweite Dosis nach 3 Wochen erhalten, der andere Teil 3-12 Wochen nach Erstimpfung. Wie die Forscher berichten, war der Antikörpertiter bei den Teilnehmern, die die 2. Dosis verspätet erhalten hatten, 3,5-mal höher. Einen kleinen Nachteil scheint das verlängerte Zeitintervall allerdings zu haben: Die zelluläre Immunantwort war 3,6-fach geringer als bei Impflingen, bei denen der 3-Wochen-Abstand eingehalten wurde (medRxiv 2021; online 17. Mai).

Stillende Mütter, die sich gegen SARS-CoV-2 haben impfen lassen, übertragen den Schutz womöglich auf ihr Kind. In einer Studie wiesen israelische Forscher in der Muttermilch Corona-geimpfter Mütter SARS-CoV-2-spezifische IgG- und IgA-Antikörper nach. Die 88 teilnehmenden Mütter hatten die Vakzine von BioNTech/Pfizer im Abstand von 21 Tagen erhalten – in Israel wird bekanntlich auch die Impfung Schwangerer und Stillender empfohlen. SARS-CoV-2-spezifische IgA-Antikörper wurden in 61,8 Prozent der Muttermilch-Proben zwei Wochen nach der zweiten Impfung nachgewiesen. Bis zur vierten Woche nach Impfung war der Anteil positiver Proben auf 86,1 Prozent gestiegen, sechs Wochen später lag der Anteil noch bei 65,7 Prozent. Die Konzentration SARS-CoV-2-spezifischer IgG-Antikörper nahm dagegen langsamer zu: Bis zur dritten Woche nach Impfung lag der Titer relativ gering, nach der vierten Wochen allerdings wiesen 91,7 Prozent der Proben IgG-Antikörper auf, nach sechs Wochen waren es sogar 97 Prozent (JAMA 2021; 325(19):2013-2014).

Update vom 18. Mai

Ein Fallbericht bestätigt die Therapieempfehlungen bei Thrombosen in Kombination mit Thrombozytopenie nach Impfung mit vektorbasierten COVID-Impfstoffen. Eine VITT (Vakzine-induzierte thrombotische Thrombozytopenie) ist bekanntlich eine sehr seltene Komplikation im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung mit verschiedenen vektorbasierten COVID-Vakzinen. Gibt es nach einer Impfung Hinweise auf eine solche Komplikation (VIPIT, Vakzine-induzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie), können jedoch erfolgreich Therapiemaßnahmen ergriffen werden, wie der Fall einer Patientin an der Medizinischen Universität Wien bestätigt. Wie die Ärzte berichten, habe sich die Patientin nach Behandlung mit hochdosiertem Immunglobulin-Konzentrat i.v. (IVIG, 1g/kg), Kortison (Prednisolon 75 mg/kg) und HIT-kompatibler Antikoagulation (Danaparoid) wieder erholt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie hat gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften kürzlich einen Leitfaden zur Therapie von Gerinnungsstörungen unter Gabe der AstraZeneca-Vakzine herausgegeben. Darin wird ebenfalls betont, dass der erste Test im diagnostischen Algorithmus ein Screening auf heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) ist. Bis zum Ausschluss einer HIT sollte, sofern möglich, auf eine Antikoagulation mit Heparinen verzichtet und auf HIT-kompatible Präparate ausgewichen werden: Danaparoid, Argatroban, direkte orale Antikoagulantien (DOAK) und gegebenenfalls Fondaparinux. Die Labordiagnostik sollte dabei unbedingt vor der Gabe von IVIG veranlasst werden, da hochdosierte Immunglobuline zu einem falsch negativen Testergebnis führen können. IVIG könnten in einer Dosierung von 1 g/kg Körpergewicht pro Tag an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gegeben werden (Mitteilung der MedUni Wien, online 17. Mai).

Update vom 17. Mai

COVID-19-Patienten profitieren wohl nicht von organprotektiven Effekten eines SGLT2-Hemmers wie Dapagliflozin. Das berichtete Dr. Mikhail Kosiborod vom Saint Luke’s Mid America Heart Institute in Kansas City beim diesjährigen ACC-Kongress. Geprüft wurde Dapagliflozin gegen Placebo bei hospitalisierten, zum Zeitpunkt der Klinikaufnahme allerdings nicht kritisch erkrankten Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion und kardiometabolischen Risikofaktoren. Einer von zwei primären Studienendpunkten war die Häufigkeit von schwerwiegenden respiratorischen, kardiovaskulären oder renalen Ereignissen sowie von Todesfällen in den ersten 30 Tagen. Die entsprechenden Ereignisraten betrugen 11,2 Prozent (Dapagliflozin, 70 Ereignisse) und 13,8 Prozent (Placebo, 86 Ereignisse) – ein nicht signifikanter Unterschied. Auch beim zweiten primären Endpunkt, der vor allem durch die Zeit bis zur Klinikentlassung vor dem 30. Tag getrieben war, unterschieden sich beide Gruppen nicht. Zumindest eine Lehre für die Praxis lässt sich nach Ansicht der Autoren aus der Studie aber ziehen: Angesichts einer numerisch geringeren Rate an schweren Komplikationen unter Dapagliflozin, das zudem gut vertragen wurde und sich als sicher erwies, werde die gelegentlich zu hörende Empfehlung, SGLT2-Hemmer im Fall einer COVID-19-Erkrankung sicherheitshalber abzusetzen, nicht gestützt (ACC Session 406-11, vorgestellt am 16. Mai). (ob)

Update vom 14. Mai

Wird für die beiden Corona-Impfungen die Vektor-Vazine von AstraZeneca mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech zu kombiniert, könnte dies zu mehr systemischen Impf-Nebenwirkungen führen. Darauf schließen zumindest britische Forscher, die Impf-Nebenwirkungen bei etwa 460 Probanden (Alter über 50 Jahre) dokumentiert haben, aus Zwischenergebnissen ihrer Studie. Alle Teilnehmer wurden zweimal – im Abstand von vier Wochen – geimpft. Es wurden vier Impf-Schemata verglichen: zweimalige Impfung mit AstraZeneca, zweimalig BioNTech, AstraZeneca gefolgt von BioNTech und – umgekehrt – BioNTech gefolgt von AstraZeneca. Nach der Booster-Impfung mit gleicher Vakzine wie bei der Erstimpfung hätten sich 10 Prozent (AstraZeneca) und 21 Prozent (BioNTech) der Probanden fiebrig gefühlt, nach Booster-Impfung mit jeweils der anderen Vakzine 34 Prozent (AstraZeneca gefolgt von BioNTech) und 41 Prozent (BioNTech, dann AstraZeneca), so die Forscher. Ähnliches sei etwa für die Symptome Fatigue, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen beobachtet worden (The Lancet; online 12. Mai). (mal)

Update vom 12. Mai

Von der Einstellung der Eltern gegenüber der COVID-19-Impfung hängt ab, ob der Nachwuchs geimpft wird oder nicht. Dieses – wenig überraschende – Umfrageergebnis präsentieren Forscher des KFF COVID-19 Vaccine Monitor (online 6. Mai). 58 Prozent der Eltern, die sich selbst nicht impfen lassen wollten, waren auch gegen eine Impfung des eigenen Nachwuchses. Einer solchen Impfung des Nachwuchses standen aber auch vier Prozent der Eltern, die sich selbst schon hatten impfen lassen oder dies geplant hatten, ablehnend gegenüber. Die KFF (Kaiser Family Foundation) betreibt als gemeinnützige Organisation Forschung zu Themen der Gesundheitsversorgung. (mal)

Eine Schluckimpfung gegen COVID-19 ist – wenn überhaupt – noch in weiter Sicht. Neben den Atemwegen gilt ja der Darm als wichtiges Einfallstor von SARS-CoV-2 in den menschlichen Körper. Die Immunantwort des Darmes reicht für eine systemische Immunität möglicherweise aber nicht aus, melden Forscher der Uni Erlangen-Nürnberg (Frontiers in Immunology 2021; 20. April). In ihrer Studie haben sie die Immunzellen in Blutproben von COVID-Patienten, von Genesenen und von Gesunden unter die Lupe genommen. Lymphozyten, die durch die Immunantwort des Darmes entstanden sind, ließen sich dabei anhand des Markers a4b7 integrin erkennen. Unabhängig davon, ob COVID-Patienten gastrointestinale Symptome hatten oder nicht, fanden die Forscher relativ wenige Immunzellen mit diesem Marker in den Blutproben. (mal)

Update vom 11. Mai

Langfristige Gesundheitsstörungen von rein ambulant versorgten COVID-Patienten betreffen vor allem die Atemwege und die Blutgerinnung. Das folgern dänische Forscher nach Analyse der Daten von knapp 9000 COVID-Patienten und etwa 81.000 negativ auf SARS-CoV-2 getesteten Kontrollen (Lancet Infect Dis; online 10. Mai). Bei allen Studienteilnehmern waren gesundheitliche Probleme dokumentiert worden, die frühestens zwei Wochen und spätestens sechs Monate nach dem Coronatest aufgetreten waren und zum Kontakt mit einer stationären Einrichtung ohne stationäre Aufnahme geführt hatten. Dyspnoe war demnach bei 1,2 Prozent (Erkrankte) und 0,7 Prozent (Kontrollgruppe) diagnostiziert worden, venöse thromboembolische Ereignisse bei 0,2 und 0,1 Prozent. Auch wurden COVID-Patienten im weiteren Verlauf etwas häufiger kurz wirksame Bronchodilatatoren (1,7 Prozent versus 1,3 Prozent) und Triptane (0,4 Prozent versus 0,3 Prozent) neu als Pharmakotherapien verordnet. (mal)

Wie häufig sind Komplikationen bei nasopharyngealer Probenentnahme für Tests auf COVID-19? Finnische Forscher liefern dazu jetzt Daten auf Basis von Abstrichen bei fast 643.300 Personen: Auf 100.000 Tests kamen danach 1,24 Fälle mit Komplikationen. Acht Personen, sieben Frauen und ein Mann hatten sich aufgrund von Komplikationen in der HNO-Notfallambulanz vorgestellt. Bei vier von ihnen waren nach der Probenentnahme Blutungen aufgetreten, bei vier weiteren war das Teststäbchen zerbrochen und in der Nase geblieben. Die abgebrochenen Stäbchenteile wurden endoskopisch unter Lokalanästhesie entfernt, die Blutungen medikamentös, mit Tamponaden oder mit einem endovaskulären Eingriff gestillt. Bei drei Patienten traten lokale Infektionen der Wunde auf, einer entwickelte eine systemische Entzündung. In einem Fall kam es zur Perforation der Nasenscheidewand, vermutlich durch den Einsatz von Tamponaden. Die Hälfte der Blutungen wurde mit einem Hämoglobinspiegel unter 6,5 g/dl als potenziell lebensbedrohlich eingestuft. Drei Patienten benötigten Bluttransfusionen (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg; online 29. April). (sj)

Update vom 10. Mai

Eine Therapie mit NSAR verschlechtert die Prognose bei COVID-19 wohl nicht. Das folgern britische Forscher auf Basis der Ergebnisse einer Kohortenstudie, in der rund 72.200 COVID-19-Patienten berücksichtigt wurden (The Lancet Rheumatology; online 7. Mai). Etwa 4200 davon hatten zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme oder innerhalb der zwei Wochen zuvor eine NSAR-Therapie. Beim Vergleich der stationären Verläufe ergab sich kein signifikanter Unterschied – weder bei der Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Therapie, dem Bedarf einer Sauerstofftherapie, noch bei der Mortalität. (mal)

Bei autoimmuner, chronisch-entzündlicher Erkrankung muss bei COVID-Impfung mit Comirnaty® mit einer schlechteren Immunantwort gerechnet werden als bei Gesunden. In einer Studie des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Uniklinikum Erlangen mit knapp 270 Probanden hatte nur einer von 100 Gesunden keine neutralisierenden Antikörper entwickelt; bei Patienten mit einer Immuntherapie traf dies dagegen für einen von zehn zu (Annals of the Rheumatic Diseases; online 6. Mai). Dabei seien etwaige entzündungshemmende Therapien offensichtlich gar nicht die Ursache für das verminderte Ansprechen mancher Patienten, so die Autoren, sondern die Erkrankung an sich. (mal)

Nicht nur unter, sondern auch über 60-jährige Frauen haben bei Impfung mit der AstraZeneca-Vakzine wohl ein erhöhtes Risiko für Sinus- und Hirnvenenthrombosen. Das ist ein Ergebnis einer Studie, in der Neurologen aus Deutschland die Daten von 62 Patienten mit zerebrovaskulären Komplikationen innerhalb eines Monats nach COVID-Impfung ausgewertet haben (medRxiv, BMJ; online 4. Mai). Die Inzidenzrate von Hirnvenenthrombosen beträgt danach bei über 60-jährigen Frauen 20,5/100.000 Personenjahre und 24,2/100.000 bei unter 60-jährigen Frauen. (sj)

Update vom 7. Mai

Comirnaty® schützt sowohl vor symptomatischer als auch vor asymptomatischer COVID-19. Das legt eine Studie aus Israel mit Daten von über 6000 Klinikmitarbeitern nahe. 88,7 Prozent hatten zumindest eine Dosis des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer erhalten, darunter 82,2 Prozent, die die vollständige Grundimmunisierung mit zwei Dosen erhalten hatten. 11,3 Prozent der Klinikmitarbeiter waren ungeimpft. Alle Mitarbeiter wurden regelmäßig per PCR auf eine SARS-CoV-2-Infektion gescreent, daher konnten in allen Gruppen sowohl symptomatisch als auch asymptomatisch verlaufende Infektionen erfasst werden. Ergebnis: Der Schutz vor symptomatischer Infektion lag ab Tag 7 nach der 2. Impfdosis bei 97 Prozent, vor asymptomatischer Infektion bei 86 Prozent (JAMA 2021; online 6. Mai).

Update vom 6. Mai

Der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer ist offenbar auch gut wirksam gegen die Coronavirus-Problemvarianten aus Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351). Das berichten Ärzte der „Weill Cornell Medicine-Qatar“. In dem Emirat waren ab März fast ausschließlich die beiden Varianten von SARS-CoV-2 aufgetreten. So wurden B.1.351 Anfang des Monats in etwa 50 Prozent und B.1.1.7 in 44,5 Prozent der Stichproben nachgewiesen. Anhand landesweiter Registerdaten ergab sich in dieser Zeit zwei Wochen nach der zweiten Dosis eine Impfstoff-Wirksamkeit allgemein gegen B.1.1.7-Infektionen von 89,5 Prozent, gegen B.1.351 waren es 75,0 Prozent. Insgesamt ergab sich ein genereller Impfschutz gegen schwere (und tödliche) COVID-19-Verläufe im März von 97,4 Prozent. Etwas geringer sei der Impfschutz nach den Daten in einer Kohortenstudie gewesen, so die Autoren: 87 Prozent gegen B.1.1.7 und 72 Prozent gegen B.1351. Bis Ende März waren nahezu 386.000 Einwohner einmal und 265.00 zweimal geimpft worden. Durchbruchsinfektionen wurden dabei selten registriert: 6689 bei einmal und 1616 bei zweimal Geimpften. Die reduzierte Wirksamkeit bei B.1.351 scheine nicht zur Zunahme schwerer Erkrankungen und Todesfälle zu führen, so die Ärzte (NEJM 2021; online 5. Mai).

Daten aus Israel sprechen für hochwirksamen Schutz von Comirnaty® gegen die britische Problemvariante B.1.1.7. Israelische Forscher haben sich Surveillance-Daten von Ende Januar bis Anfang April aus dem Impfprogramm mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine angeschaut. In dieser Zeit war B.1.1.7 die dominierende Variante, und es gab bereits über 6,5 Millionen komplett Geimpfte im Alter ab 16 Jahre. In der Bevölkerung wurden in dieser Zeit registriert: 232.268 SARS-CoV-2-Infekte, 7694 COVID-19-Hospitalisierungen, 4481 schwere bis kritische Verläufe und 1113 COVID-19-Todesfälle. Daraus ergaben sich tägliche Inzidenzen von 91,5 SARS-CoV-2-Infektionen pro 100.000 Ungeimpfte und von 3,1/100.000 Geimpfte (ab sieben Tage nach der zweiten Dosis). Insgesamt wurden ermittelt: 97 Prozent Schutz vor symptomatischer COVID-19, 97,2 Prozent vor Hospitalisierung, 97,5 Prozent vor schweren und 96,7 Prozent vor tödlichen Verläufen. Nach der ersten Dosis betrugen die Schutzraten: 58 Prozent (vor Infektion), 76 Prozent (vor Hospitalisierung) und 77 Prozent (vor tödlichem Verlauf) (Lancet 2021; online 5. Mai).

Update vom 4. Mai

Im Lockdown mit Ausgangssperre reduzierten Jugendlichen ihren Drogenkonsum nicht. Außerdem haben körperliche Aktivitäten in dieser Zeit deutlich abgenommen. Forscher aus Kalifornien haben in einer prospektiven Kohortenstudie etwa 1000 Schüler der 9. und 10. Klassen vor der Pandemie (März 2019 bis Februar 2020) und danach (bis September 2020) regelmäßig zum Konsum von E-Zigaretten, Tabak, Alkohol und Cannabis sowie zu Sport und Bewegung befragt (über „personalized survey links“). Mitte März 2020 war in dem US-Staat eine Ausgangssperre verfügt worden. Während des Lockdown nahm der Konsum von Freizeitdrogen (binnen 30 Tagen vor einem Interview) nach Angaben der Jugendlichen nicht wesentlich ab. Der Anteil körperlich aktiver Jugendlicher (≥5 Tage mit Aktivitäten/Woche) ging aber deutlich zurück, von 53 Prozent vor Ausgangssperre auf 38 Prozent danach. Drogen-Prävention und Ausstiegshilfen bei Jugendlichen seien während des Lockdown unbedingt weiterzuführen, so die Forscher. Zudem seien verstärkte Maßnahmen zur Steigerung von Sport und Bewegung in der Altersgruppe nötig (JAMA Pediatr 2021; online 3. Mai).

Bewegungsmangel ist mit einem höheren Risiko für schwere COVID-Verläufe assoziiert. Das haben Forscher des US-Krankenversicherers Kaiser Permanente anhand der Registerdaten von über 48.000 corona-kranken Erwachsenen aus der Zeit von Januar bis Oktober 2020 belegt. Die Patienten waren anhand eigener Angaben zu regelmäßiger körperlicher Aktivität drei Gruppen zugeordnet (Pro Woche ≤10 Minuten Aktivität; 11-149 Minuten; ≥150 Minuten [Leitlinien]). Die weitgehend Inaktiven hatten im Vergleich zu den leitlinien-konformen Patienten ein mehr als verdoppeltes Risiko für Klinikeinweisungen (odds ratio, OR: 2,26) sowie für einen tödlichen Verlauf (OR 2,49). Auch das Risiko für die Verlegung auf die Intensivstation war deutlich höher (OR 1,73). Etwas weniger erhöht waren die Risiken der Inaktiven im Vergleich mit mäßig Aktiven. Die Forscher appellieren an Gesundheitsdienste, verstärkt den Schutz durch körperliche Bewegung anzusprechen (Br J Sports Med 2021; online 13. April).

Update vom 3. Mai

Eine SARS-CoV-2-Infektion bei Schwangeren ist mit Komplikationen beim Neugeborenen assoziiert. Das bestätigt eine prospektive Kohortenstudie aus Schweden von Forschern des Karolinska Instituts. Anders als in der „INTERCOVID Multinational Cohort Study“ mit (zum Teil) Daten aus Entwicklungsländern, liegt hier eine Studie aus einem Industrieland vor. Analysiert wurden Daten von über 88.000 Neugeborenen. Darunter waren 2323 Babys (1,6 Prozent) von SARS-CoV-2–positiven Müttern. Bei den Kindern infizierter Mütter gab es im Vergleich zu Kindern nicht-infizierter Mütter etwas mehr Frühgeburten <37 SSW (8,8 vs. 5,5 Prozent), Aufnahmen auf die Neonatologie (11,7 vs 8,4 Prozent) sowie Fälle von Lungenversagen (1,2 vs 0,5 Prozent) und Hyperbilirubinämie (3,6 vs 2,5 Prozent). Auch war die Mortalität bei Kindern infizierter Mütter leicht erhöht (0,30 vs 0,12 Prozent), dieser Unterschied war aber statistisch nicht signifikant. 21 Kinder infizierter Mütter waren selbst SARS-CoV-2-positiv, 12 davon gesund. Angeborene Pneumonie trat nicht auf. Die neonatale Morbidität bei SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft war damit in der Studie signifikant, aber gering erhöht, so die Autoren (JAMA 2021; online 29. April).

Bei MS-Patienten mit B-Zell-Depletion ist die Produktion von SARS-CoV-2-Antikörpern reduziert. Das berichten niederländische Forscher vom „MS Center Amsterdam“. Sie haben 546 Patienten in dem Zentrum auf SARS-CoV-2-Antikörper untersucht, um die Prävalenz asymptomatischer Infektionen und die Immunantwort auf COVID-19 zu untersuchen. Ergebnis: 64 MS-Patienten waren Antikörper-positiv (12 Prozent), neun davon hatten keinerlei COVID-Symptome gehabt. Die Rate asymptomatischer COVID sei damit ähnlich hoch wie in der Normalbevölkerung. Bei Therapie mit injizierbaren Medikamenten (Interferon β und Glatiramer-Acetat) fanden sich seltener Antikörper als bei anderen Therapien. Zudem war der Median der Antikörper-Antwort bei Patienten mit Ocrelizumab-Therapie deutlich geringer als bei Patienten mit anderen Therapien. Bei allen diesen Patienten war im Vorfeld eine B-Zell-Depletion festgestellt worden. Eine Hypogammaglobulinämie lag bei ihnen nicht vor. Fazit der Autoren: B-Zell-Depletion könnte sowohl den Schutz nach durchgemachter Krankheit als auch nach Impfung beeinträchtigen (JAMA Neurology 2021; online 30. April).

Update vom 30. April

Krebskranke sollten möglichst binnen drei Wochen nach der ersten COVID-Impfung mit Comirnaty® die zweite Dosis bekommen. Dafür sprechen Studien aus Frankreich und Großbritannien. Forscher von der Polyklinik Saint Jean bei Nizza haben bei 112 Patienten mit soliden Tumoren unter Krebstherapie sowie bei 30 gesunden Menschen jeweils drei bis vier Wochen nach der ersten und der zweiten Impfdosis die Konzentration der induzierten Antikörper bestimmt. Nach der ersten Dosis waren solche Antikörper bei 48 Prozent der Krebspatienten nachweisbar, nach der zweiten Dosis waren es 95 Prozent. Bei allen gesunden Menschen wurde eine solche Serokonversion bereits nach der ersten Dosis erzielt. Ähnliche Ergebnisse gab es in einer britischen Studie vom Francis Crick Institute in London. Für einen verbesserten Impfschutz bei Krebs schlagen die Ärzte dort ein Intervall von maximal drei Wochen zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis vor (statt bis zu zwölf Wochen). Außer einem hämatologischen Tumor scheint nach dieser Studie eine systemische Krebstherapie in zeitlicher Nähe zur Impfung besonders ungünstig zu sein, vor allem eine Behandlung mit Checkpointhemmern plus Chemotherapie sowie mit Steroiden (Ann Oncol 2021; online 28. April und Lancet Oncol 2021; online 27. April). (mut)

Mit dem BMI steigt bei Erwachsenen auch das Risiko für einen schweren COVID-Verlauf. Das hat eine britische Analyse der Registerdaten von 6,9 Millionen Engländern und über 20.000 COVID-Patienten aus der ersten Pandemiewelle ergeben. Mit den Erkrankungen verbunden waren 13.503 stationäre Aufnahmen, 1601 Verlegungen auf die Intensivstation (ICU) und 5479 Todesfälle. Alter war in der Studie der dominierende Riskofaktor: Die weitaus meisten schweren Verläufe trafen Menschen über 60 (72 Prozent der Klinikeinweisungen, 56 Prozent der ICU-Verlegungen und 93 Prozent der Todesfälle). In viel geringerem Maß, jedoch als unabhängiger Risikofaktor wuchs das Risiko für solche schweren Verläufe aber auch mit dem BMI, und zwar von 0,1 Prozent mit zunehmendem Normalgewicht (ab BMI 23) auf 0,2 Prozent bei Übergewicht (BMI 25-30) und 0,3 Prozent bei Adipositas (BMI ab 30). Die Risikosteigerung durch höheres Gewicht war besonders ausgeprägt bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe sowie bei der jüngsten untersuchten Gruppe (20-40-Jährige) (Lancet Diab & Endocrinol 2021; online 28. April).

Update vom 29. April

Die mRNA-Impfstoffe verhindern zu 94 Prozent Klinikeinweisungen von Senioren, berichtet die US-Seuchenbehörde CDC. Ergebnisse aus klinischen Studien zu den Vakzinen von BioNTech/Pfizer und Moderna bestätigen sich somit in der realen Welt. Analysiert wurden Daten von 187 COVID-Patienten ab 65 Jahren. Diese waren zwischen Januar und März stationär behandelt worden. Nach den Daten bestand bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis ein Schutz von 64 Prozent. Die Ergebnisse belegten aber auch, dass die Schutzwirkung erst zwei Wochen nach der ersten Dosis besteht, und in dieser Zeit noch ein hohes Risiko für eine schwere Erkrankung vorliegt, warnt die CDC (MMWR 2021; online 28. April).

Schon eine COVID-Impfdosis reduziert das Risiko für Transmissionen von SARS-CoV-2 im Haushalt um 38 bis 49 Prozent. Das hat eine vorläufige, noch nicht begutachtete Analyse des Public Health England (PHE) zu den Impfstoffen Comirnaty® und Vaxzevria® ergeben. In der Studie waren 57.000 Kontakte von Impflingen in 24.000 Haushalten mit Fällen laborbestätigter COVID-19 mit fast einer Million Kontakten von Ungeimpften verglichen worden. Dabei wurde bei Geimpften und Ungeimpften die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Weitergabe des Virus untersucht. Bei den Impflingen ergab sich – unabhängig vom Alter – 14 Tage nach einer Dosis ein COVID-Schutz von 60 bis 65 Prozent (PHE-Meldung vom 26. April mit Link zur Studie).

Update vom 28. April

Neugeborene mit SARS-CoV-2-Kontakt über die Mutter haben ein hohes Risiko für Komplikationen. In einer Studie aus den USA wurde der Gesundheitszustand von 255 Neugeborenen infizierter Mütter analysiert. Die Mütter waren 14 Tage bis 72 Stunden vor Geburt positiv getestet worden. Lediglich 2,2 Prozent der Kinder hatten sich bei der Geburt mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass sich die Corona-Infektion der Mutter deutlich auf den Gesundheitszustand des Kindes auswirkt: 19,2 Prozent der Neugeborenen mussten wiederbelebt werden, 24,3 Prozent kamen mit einem geringen Geburtsgewicht (<2500 g), oder vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Vier Neugeborene (1,6 Prozent) hatten eine Enzephalopathie, eins von ihnen starb. Alle vier waren negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden und die Mütter hatten nur milde COVID-19-Symptome. In der Gesamtschau zeigte sich, dass die Neugeborenen ein höheres Risiko für Komplikationen haben, wenn sich die COVID-19-Erkrankung der Mutter so stark verschlechterte, dass eine Einleitung der Geburt oder ein Kaiserschnitt indiziert war (JAMA Netw Open 2021; online 23. April).

Update vom 27. April

Junge Männer haben nach asymptomatischer SARS-CoV-Infektion offenbar ein höheres Risiko für einen akuten ischämischen Schlaganfall (AIS). Ärzte aus Singapur haben eine Fallserie von 18 Betroffenen im Alter von 35 bis 50 Jahre vorgestellt. Alle waren Gastarbeiter aus Indien und Bangladesch und in Wohnheimen untergebracht. Bei allen war ein SARS-CoV-2-Antikörpertest positiv gewesen, keiner hatte COVID-19-Symptome gehabt. Binnen 0 bis 130 Tagen (Median: 54) nach dem Test erlitten sie einen AIS, zehn davon mit Verschluss eines großen Gefäßes. Nur bei drei Patienten war der Embolus wahrscheinlich kardialen Ursprungs. Mit den Daten wurde in der Gruppe aller Gastarbeiter in Singapur (n=54.485) eine jährliche Inzidenzrate von knapp 83 AIS-Fällen pro 100.000 errechnet. Zum Vergleich: In einer nach Alter, Geschlecht und Ethnie gematchten historischen Gruppe war die Rate mit 38/100.000 deutlich geringer. AIS könnte eine neue Long-COVID-Komplikation sein, so die Ärzte (JAMA Netw Open 2021, online 22. April).

Ivermectin hat keinen Einfluss auf die Dauer einer milden COVID-19, berichten Ärzte aus Cali in Kolumbien. Sie haben in einer randomisierten, doppelblinden Studie 476 Betroffene je zur Hälfte über fünf Tage (ambulant oder stationär) mit dem Wirkstoff (300 μg/kg KG) oder mit Placebo behandelt. Alle hatten vorher bis zu sieben Tage milde COVID-19-Symptome gehabt. Bei den Ergebnissen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede: Die mittlere Zeit bis zur Symptomfreiheit betrug zehn (Verum) und zwölf Tage (Placebo). Nach 21 Tagen hatten 82 Prozent (Verum) und 79 Prozent (Placebo) keine Symptome mehr. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Kopfweh, und zwar bei 52 Prozent (Ivermectin) und 56 Prozent (Placebo). Bei je zwei Patienten in jeder Gruppe kam es zu einem Multiorganversagen (JAMA 2021; 325(4):1426-1435).

Update vom 26. April

Die besorgniserregende britische Variante B.1.1.7 von SARS-CoV-2 dominiert mittlerweile in Deutschland, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Demnach wurde die Variante in der Woche bis zum 18. April in 93 Prozent von bundesweit 54.361 Proben isoliert. Solche „Variants of Concern“ (VOC) sind ansteckender und weisen als wichtige Gemeinsamkeit die Mutation N501Y auf. Zu den VOC gehören neben B.1.1.7 unter anderem auch die Varianten B.1.351 und P.1. Die südafrikanische Variante B.1.351 ist in Deutschland laut RKI zufolge derzeit nicht stark verbreitet, die brasilianische Variante P.1 sei nur vereinzelt nachgewiesen worden. „Stetig werden neue Virusvarianten entdeckt, deren Ausbreitung vom RKI genau beobachtet und deren Eigenschaften hinsichtlich Übertragbarkeit oder Impfwirksamkeit genau untersucht werden“, heißt es in dem Bericht (RKI-Bericht zu VOC, online 21. April).

Während der Schul- und Kitaöffnungen im Herbst 2020 gab es in Israel offenbar nur geringe Infektionsraten bei kleinen Kindern. Das berichten Forscher um Dr. Imo Somekh vom Mayanei Hayeshuah Medical Center, die den Einfluss der Öffnungen besonders in der Altersgruppe 0-9 Jahre untersucht haben. Dabei griffen sie auf Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zurück. Nach den Sommerferien, als in Israel die Inzidenzzahlen sehr hoch waren, öffneten am 1. September Kindergärten und Schulen wieder. Am 14. April kam es zu einem landesweiten kompletten Lockdown, der zwei Wochen dauerte. Am 1. November öffneten Kindergärten und Schulen erneut. Sowohl im September als auch im November lag die Inzidenzrate bei den 0-9-Jährigen im Vergleich zu den übrigen Altersgruppen am niedrigsten, berichten die Forscher. Im November sei es zwar zu einem leichten Anstieg gekommen, dieser fiel im Vergleich mit den übrigen Altersgruppen allerdings signifikant geringer aus. „Schulöffnungen für diese Altersgruppe scheinen sicher zu sein“, lautet daher ihr Fazit. Für die Altersgruppe der 10-19-Jährigen dagegen seien vermutlich Schulöffnung nur in Zeiten sicher, in denen die Pandemie unter Kontrolle ist (JAMA Network Open 2021; online 26. April).

Update vom 23. April

Für Schwangere und ihr Kind bedeutet COVID-19 ein hohes Risiko. Das hat die „INTERCOVID Multinational Cohort Study“ unter Leitung der Universität Oxford in Großbritannien ergeben. In der Studie in 18 Ländern waren von März bis Oktober 2020 die Verläufe von Schwangerschaft und Geburt bei 706 Frauen mit und 1424 Frauen ohne COVID-19 (Kontrollgruppe) verglichen worden. Für Betroffene ergab sich im Vergleich zu Nicht-Betroffenen ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen: Präeklampsie/Eklampsie (relatives Risiko, RR: 1,76), schwere Infektionen (RR 3,38), Verlegung auf Intensivstation (RR, 5,04) und Frühgeburten (RR 1,59). COVID-19 verlief bei 59 Prozent der Betroffenen ohne Symptome. Bei ihnen waren aber die Risiken von Müttersterblichkeit (RR 1,24) und Präeklampsie (RR 1,63) im Vergleich höher. Etwa jedes achte Kind einer Mutter mit COVID-19 wurde infiziert. Das Risiko dafür wurde durch Sectio (RR 2,15), aber nicht durch Stillen (RR 1,10) erhöht (JAMA Pediatr 2021; online 22. April).

Die verfügbaren mRNA-Impfstoffe sind in der Schwangerschaft wohl sicher. Dafür sprechen vorläufige Ergebnisse einer Analyse bei über 35.000 Frauen in den USA. Diese waren von Mitte Dezember bis Ende Februar während oder kurz vor einer Schwangerschaft geimpft worden. Die Daten zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna stammen überwiegend vom Monitoring-System „V-safe“ zur Coronavirus-Impfstoffsicherheit. Teilnehmer des Programms der US-Centers for Disease Control (CDC) nutzen eine Smartphone-App, mit der sie regelmäßig zur Gesundheit und zu möglichen Impf-Nebenwirkungen befragt werden. Die Schwangeren gaben dabei dieselben Impfreaktionen wie Nicht-Schwangere an, also Fatigue, Kopfweh und Myalgien. Schmerzen an der Injektionsstelle wurden im Vergleich etwas häufiger genannt, ebenso Übelkeit oder Erbrechen nach der zweiten Dosis. Bis Ende Februar hatten 827 Frauen die Schwangerschaft beendet, 86 Prozent mit einer Lebendgeburt. Raten von Fehl- und Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und angeborenen Fehlbildungen waren dabei im Normalbereich. Allerdings: es gibt bisher nur Ergebnisse aus den ersten elf Wochen des US-Impfprogramms. Anders als die CDC in den USA empfiehlt die STIKO in Deutschland die Impfung in der Schwangerschaft nicht (NEJM 2021; online 21. April).

Beim Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ haben sich in Tübingen womöglich mehr Menschen mit SARS-CoV-2 angesteckt, als es ohne das Projekt der Fall gewesen wäre. Zu diesem Zwischenergebnis kommen Forscher der Universitäten von Mainz, Tübingen und Süd-Dänemark, nachdem sie die Entwicklung der Infektionszahlen in Tübingen mit der Entwicklung in ähnlichen Städten (Regionen) verglichen hatten. Bei dem Modellprojekt hatten ab Mitte März in Tübingen der Einzelhandel sowie körpernahe Dienstleistungen und Kultureinrichtungen für Besucher mit einem negativen Corona-Schnelltest geöffnet. Die Forscher haben die Infektionszahlen von Tübingen mit den Zahlen in Heidelberg und Freiburg sowie in den Landkreisen Enzkreis und Heilbronn verglichen. Ergebnis: In Tübingen nahmen ab Ende März die Infektionszahlen deutlich stärker zu als in den Vergleichsstädten und -regionen. So lag die 7-Tage-Inzidenz Anfang April in Tübingen bei 144 und in den Kontrollstädten(-regionen) bei 100. Am 13. April habe es beim Vergleich keine Unterschiede mehr zwischen den Inzidenzen gegeben. Dies liege möglicherweise daran, dass am 1. April die Außengastronomie von dem Projekt ausgenommen und geschlossen wurde. Auch durfte niemand von außerhalb des LK Tübingen mehr teilnehmen. Dass vermehrte Tests die Inzidenz gesteigert haben, sei zum Teil richtig, so die Forscher. Dies erkläre die Inzidenz-Unterschiede zu den Kontrollgebieten aber nicht vollständig (Preprint-Paper auf der Website der Uni Mainz).

Ältere Dialysepatienten entwickeln nach COVID-19-Impfung deutlich niedrigere Antikörper-Spiegel als jüngere sowie als gesunde Kontrollpersonen. Forscher aus Essen haben bei 72 Dialysepatienten zwei Wochen nach Zweitimpfung mit Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) die Anti-SARS-CoV-2-Antikörper bestimmt und die Ergebnisse mit Titern von 16 gesunden Probanden (Kontrollgruppe) verglichen. Unter 60-jährige Dialysepatienten erreichten ähnliche Werte wie Gesunde (im Median 597 AU/ml vs 800 AU/ml). Bei über 60-Jährigen waren die Werte jedoch deutlich niedriger (280 AU/ml). Fraglich sei zudem, wie lange der Impfschutz anhält und wann möglicherweise Impfbooster nötig seien. Die Forscher regen Langzeit- und Longitudinal-Studien an, um das Impfschema für Dialysepatienten gegebenenfalls adaptieren zu können (Vaccines 2021; online 8. April).

Update vom 22. April

Ein ungeimpfter Mitarbeiter hat im März einen Corona-Ausbruch in einem weitgehend durchgeimpften Pflegeheim im US-Staat Kentucky verursacht. Das berichten Forscher der US-Seuchenbehörde CDC. Insgesamt gab es 46 SARS-CoV-2-Infektionen: 26 bei Bewohnern (18 komplett geimpft) und 20 bei Mitarbeitern (vier geimpft). Ein geimpfter Bewohner sowie zwei ungeimpfte sind gestorben. Insgesamt waren 90 Prozent der 83 Bewohner und 50 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Die meisten Infizierten hatten keine oder nur wenig Symptome. Die Forscher weisen auf die große Bedeutung der Impfung in Heimen auch bei Besuchern hin. Nach Impfung sollten Maßnahmen zum Infektionsschutz wie Masken und Routinetests weiter angewandt werden. Die verwendete BioNTech/Pfizer-Vakzine hatte nach den Daten eine Wirksamkeit von 66 Prozent (Bewohner) und 76 Prozent (Mitarbeiter); gegen schwere Verläufe waren es gut 86 Prozent. Der Ausbruch war durch eine spezielle Virusvariante verursacht worden. Bei dieser wurden mehrere bekannte Problem-Mutationen festgestellt, etwa von den Mutanten aus Südafrika (B.1.351) oder Brasilien (P.1.) (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 21. April).

Bei Krebspatienten unter Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) ist der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer wohl sicher, berichten israelische Forscher. Sie treten damit Bedenken entgegen, dass durch die Impfung immunvermittelte Nebenwirkungen der ICI-Therapie verstärkt oder sogar provoziert werden könnten. Am Krankenhaus Bnei Zion in Haifa nahmen im Januar/Februar 137 von 170 Patienten unter ICI-Therapie ein entsprechendes Impfangebot an. 134 erhielten beide Impfungen (drei Krebskranke waren bis zur zweiten Dosis gestorben). Die Geimpften gaben keine außergewöhnlichen Nebenwirkungen an, niemand musste wegen Impfreaktionen stationär behandelt werden. Im Vergleich zu Impflingen ohne Krebs war die Rate von Muskelschmerzen erhöht. Es gab weder neue immunassoziierte Nebenwirkungen, noch wurden solche bestehenden ICI-Nebenwirkungen verschlechtert. Fazit der Forscher: Zwar hätten sich langfristige oder auch mögliche seltene Komplikationen nicht erfassen lassen. Aktuell sei aber bei ICI-Patienten von einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfung auszugehen (Lancet Oncol 2021; online 1. April). (bs)

Update vom 21. April

Bei Schulkindern reichen wohl neun Tage Quarantäne nach Corona-Kontakt aus, wenn sie dann mit PCR negativ getestet wurden. Das hat eine Studie des University of Florida College of Medicine ergeben. An der Untersuchung im Alachua County des US-Bundesstaats nahmen etwa 13.000 Kinder (Kindergartenalter bis 12. Klasse) nach der Schulwiedereröffnung im vergangenen Herbst teil. Kinder mit verdächtigen Symptomen wurden per PCR-Test der nasopharyngealen Abstriche getestet. Kontaktpersonen von COVID-19-positiven Fällen wurden in Quarantäne geschickt und erneute PCR-Tests am dritten Tag und an den Tagen 9 bis 14 der Quarantäne angeboten. 257 waren SARS-CoV-2-positiv, in Folge wurden 2189 Kontaktkinder in Quarantäne geschickt. Von diesen wurden 134 (6,1 Prozent) am dritten Tag und 839 (38 Prozent) an den Tagen 9 bis 14 getestet. Ergebnis: Am dritten Tag waren 10,4 Prozent SARS-CoV-2-positiv, an den Tagen 9-14 waren es 4,8 Prozent. Von den 800 SARS-CoV-2-Negativen an den Tagen 9-14 erkrankte nur ein einziger an COVID-19, allerdings mit einer anderen Virusvariante als seine ursprüngliche Kontaktperson. Es gibt also keinen Beleg dafür, dass eine frühe Schulrückkehr eines SARS-CoV-2-Negativen nach zehn Tagen negative Auswirkungen hat, so die Forscher (JAMA 2021; online 19. April).

Update vom 20. April

In Großbritannien wurden im Lockdown deutlich weniger Asthmakranke wegen akuter Exazerbationen behandelt. Das ergab eine Analyse asthmabedingter Notaufnahmen in Kliniken von Schottland und Wales. Die Zahl der Notfälle war zu Beginn des landesweiten Lockdowns in Kalenderwochen 13/2020 schlagartig zurückgegangen, und zwar um 36 Prozent im Vergleich zum Schnitt der Vergleichszeiträume in den fünf Jahren zuvor (Thorax 2021; online 29. März). Ein ähnlicher Rückgang fand sich zudem in einer Analyse primärztlicher Daten zu Asthma-Exazerbationen in England, und zwar bei den Vergleichen von KW 1–12 mit KW 13–32 im ersten Pandemiejahr und in den Jahren 2016 bis 2019. Ein Grund für den Rückgang dürfte eine bessere Therapieadhärenz sein, bedingt durch die Angst, dass schlecht kontrolliertes Asthma als chronische Lungenerkrankung die Gefahr durch COVID-19 noch vergrößern könnte. Auch exogene Faktoren könnten Einfluss gehabt haben, vermuten die Forscher, etwa der durch Abstandhalten und Masken bedingte Rückgang von Atemwegsinfektionen, die häufig als Trigger einer Exazerbation wirken. Auch der Rückgang der Luftverschmutzung könnte dazu beigetragen haben (Thorax 2021; online 29. März). (bs)

Update vom 19. April

Bei Rekonvaleszenten reicht eine Dosis Comirnaty® für den Schutz vor einer erneuten COVID-19-Erkrankung, und zwar offenbar auch im hohen Alter. Das berichtet ein französisch-deutsches Team aus Montpellier und Berlin. Die Forscher haben bei 102 über 80-Jährigen die induzierten IgG-Antikörper drei Wochen nach der ersten Impfdosis bestimmt. Ergebnis: Die 36 Probanden mit PCR-bestätigter COVID-19 in der Vorgeschichte (Alter im Schnitt 89!) hatten nach einer Dosis bereits sehr hohe AK-Titer (S-protein IgG im Mittel 40.000 AU/mL), nicht jedoch die Patienten ohne durchgemachte Erkrankung (im Mittel 48,0 AU/mL). Die vorläufigen Daten legen nahe, dass auch bei hochbetagten Rekonvaleszenten eine BNT162b2-Dosis zum Schutz ausreiche, so die Forscher. Zur Sicherheit könnten vor der zweiten Dosis die S-Protein IgG-AK bestimmt werden. In Deutschland geht die STIKO davon aus, dass immungesunde Menschen mit PCR-gesicherter SARS-CoV-2-Infektion in der Vorgeschichte mindestens 6-8 Monate vor COVID-19 geschützt sind. Bei ihnen reiche zunächst eine Impfdosis aus, so die STIKO. Ob und wann eine zweite Dosis nötig werde, lasse sich noch nicht sagen (JAMA 2021; online 15. April).

Update vom 16. April

Das Risiko für Hirnvenenthrombosen ist bei COVID-19 größer als nach einer Corona-Impfung. Das ist das Ergebnis einer noch nicht veröffentlichten retrospektiven Kohortenstudie von Wissenschaftlern der Universität von Oxford. Die Forscher haben Daten von 513.284 Patienten mit bestätigter COVID-19 ausgewertet sowie von 489.871 Personen, die mit einer mRNA-Vakzine gegen COVID-19 geimpft worden waren. Ergebnis: Das Risiko, an einer Hirnvenenthrombose zu erkranken, ist in den ersten zwei Wochen nach einer COVID-19-Diagnose etwa zehnmal so hoch wie nach der ersten Dosis einer Impfung mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech oder Moderna und etwa 100-mal so hoch wie in der gesunden Allgemeinbevölkerung. Die Forscher geben die Inzidenzen der Hirnvenenthrombose wie folgt an: 39 pro eine Million COVID-19-Patienten, darunter 30 Prozent bei Unter-30-Jährigen; vier pro eine Million Impflingen mit mRNA-Vakzine sowie nach Daten aus dem jüngsten EMA-Bericht fünf pro eine Million Impflinge mit dem AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria® (Pre-Print-Studie auf OSF; veröffentlicht am 15. April).

Vorangegangene COVID-19-Infektionen schützen junge Menschen nicht vollständig vor einer erneuten Infektion. Das belegt jetzt eine Beobachtungsstudie mit Mitgliedern (18-20 Jahre alt) des US Marines Corps. Von den 2346 Marines, deren Daten ausgewertet wurden, waren zu Beginn der Studie 189 seropositiv und 2247 seronegativ. Insgesamt infizierten sich während der Studie 1098 Teilnehmende (45 Prozent) neu. Unter den seropositiven Marines wurden 19 (10 Prozent) positiv auf eine zweite Infektion getestet, von den seronegativen wurden 1079 (48 Prozent) neu infiziert. Die meisten der Neu-Infizierten waren asymptomatisch – 84 Prozent (16 von 19) in der seropositiven Gruppe versus 68 Prozent (732 von 1079) in der seronegativen Gruppe – oder hatten milde Symptome, niemand musste ins Krankenhaus.
Das Fazit der Autoren: Trotz früherer Infektionen und des Vorhandenseins von Antikörpern sei immer noch eine Impfung erforderlich, um die Immunantwort zu stärken, eine erneute Infektion zu verhindern und um eine Übertragung zu verringern (Lancet Respiratory Medicine, online 15. April). (otc)

Update vom 15. April

Die Konzentration neutralisierender Antikörper gegen SARS-CoV-2 nimmt nach vier bis fünf Monaten nach einer Infektion bereits deutlich ab. Das bestätigt die weiterhin laufende Rheinland-Studie. In der bevölkerungsbezogenen Erhebung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) im Raum Bonn wurden rund 5300 Teilnehmer auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht, bei 82 Personen wurden im ELISA-Test Antikörper gegen SARS-CoV-2 festgestellt, 17 von ihnen hatten neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Die Mehrheit der Corona-positiv getesteten Teilnehmer berichtete von zuvor nur milden oder keinen Symptomen. Die Konzentration der neutralisierenden Antikörper wurde nach vier bis fünf Monaten erneut analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass bei den meisten Teilnehmern der Antikörper-Spiegel gesunken war; bei vier Personen konnten sogar keine neutralisierenden Antikörper mehr nachgewiesen werden. Aus den Studiendaten lasse sich aber nicht ableiten, inwieweit die Abnahme der Antikörper die Immunantwort beeinflusst, wird Erstautor Dr. Ahmad Aziz vom DZNE in einer Mitteilung des Zentrums zitiert. Das Immunsystem hat bekanntlich weitere Möglichkeiten, Krankheitserreger abzuwehren. So deuteten andere Studien darauf hin, dass die zelluläre Immunantwort trotz fallender Antikörper-Spiegel weiterhin Bestand haben kann (Nature Comm 2021; online 9. April). (otc)

Update vom 14. April

Homeoffice, Homeschooling, weniger soziale Kontakte. Das übersetzt sich offenbar nicht in eine höhere Suizidrate. Ganz im Gegenteil, es begehen sogar weniger Menschen Suizid als in anderen Jahren. Das ist das Ergebnis einer globalen Analyse, für die Forscher von der Universität in Melbourne Angaben zu Suiziden aus 21 Industrie- und Schwellenländern untersucht haben. Vertreten waren 16 Länder mit hohem und fünf mit mittlerem Einkommen. Deutschland ist mit den Regionen Köln/Leverkusen, Frankfurt am Main und Leipzig vertreten. Trotz aller Schwierigkeiten durch die Pandemie kam es in den Industrie- und Schwellenländern zunächst zu keinem Anstieg der Suizidrate. Beobachtet wurde eher das Gegenteil: In der Hälfte der untersuchten Länder ist die Suizidrate zwischen April und Juli 2020 im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Experten gehen davon aus, dass etwa staatliche Nothilfen die schlimmsten wirtschaftlichen Auswirkungen abgefedert haben. Die Studienautoren warnen aber vor verfrühten Schlussfolgerungen: Zum einen bezieht sich ihre Analyse nur auf die ersten Pandemiemonate. Zum anderen gebe es Hinweise, nach denen in ärmeren Ländern die Suizidrate deutlich gestiegen ist (Lancet Psychiatry 2021; online 13. April). (mut)

SARS-CoV-2-spezifische Antikörper haben israelische Forscher in der Muttermilch von stillenden Frauen nach COVID-19-Impfung nachgewiesen. Untersucht wurde die Muttermilch von 84 Frauen im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie. Die Frauen waren im Mittel 34 Jahre und die Kinder 10,3 Monate alt. Alle Studienteilnehmerinnen erhielten zwei Dosen des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty® im Abstand von drei Wochen. Muttermilch-Proben waren bereits vor der Impfung gesammelt worden und dann beginnend ab Woche 2 nach der ersten Impfung einmal wöchentlich über einen Zeitraum von sechs Wochen. In den Muttermilch-Proben wurden die SARS-CoV-2-spezifischen IgG- und IgA-Antikörper bestimmt. Ergebnis: Die mittleren Titer der Anti-SARS-CoV-2-spezifischen IgA-Antikörper in der Muttermilch stiegen rasch an. Bereits zwei Wochen nach der ersten Impfung galten 61,8 Prozent der Proben als positiv, nach vier Wochen (also eine Woche nach der zweiten Impfung) waren es 86,1 Prozent. Die durchschnittlichen Antikörper-Titer blieben während der gesamten Studiendauer hoch. Die Anti-SARS-CoV-2-spezifischen IgG-Antikörper blieben in den ersten drei Wochen zwar niedrig, stiegen aber bis zur Woche 4. Zu diesem Zeitpunkt waren dann 91,7 Prozent der Muttermilch-Proben positiv und 97 Prozent in den Wochen 5 und 6. Keine Mutter und kein Kind erlitten schwere unerwünschte Wirkungen (JAMA 2021; online 12. April). (ikr)

Die TiKoCo19-Studie hat im Landkreis Tirschenreuth bis Juni 2020 eine SARS-CoV-2-Infektionssterblichkeit (IFR) von 2,5 Prozent ergeben – bei einer Dunkelziffer der Infizierten vom Faktor 5. Dieses Zwischenergebnis der Studie „Prospektive COVID-19-Kohorte Tirschenreuth“ hat das Uniklinikum Regensburg (UKR) jetzt mitgeteilt. In der Studie wird in einer zufälligen populationsbasierten Stichprobe der Anteil der Infizierten in der Bevölkerung des Landkreises Tirschenreuth durch eine Seroprävalenz-Untersuchung ermittelt. Jetzt liegen finale Ergebnisse der Basisuntersuchung aus dem Juli 2020 vor. Mehr als 4200 Freiwillige nahmen an der Studie teil. Die Auswertung der Studiendaten und Hochrechnung von der Zufallsstichprobe auf die Bevölkerung 14 Jahre und älter ergab, dass 8,6 Prozent der Tirschenreuther Bevölkerung im Juni 2020 Antikörper gegen das SARS-CoV-2 aufwiesen. Das Verhältnis der Antikörper-positiven Personen, bei denen die SARS-CoV-2 Infektion nicht bereits durch das damalige Testen registriert worden war, zu denen mit durch Antikörper in dieser Studie nachgewiesener Infektion lag bei 4:1. Mit anderen Worten: die Dunkelziffer von Faktor 5 bedeutet, dass 80 Prozent aller Infektionen durch die damalige Teststrategie nicht erfasst wurden (MedRxiv 2021; online 4.April). (ikr)

Update vom 13. April

Die britische SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 ist zwei Beobachtungsstudien zufolge zwar infektiöser als die ursprüngliche Virusvariante, führt aber nicht häufiger zu schweren oder gar tödlichen Verläufen. Auch das Risiko für Long-COVID-19-Symptome ist demnach bei B.1.1.7 nicht höher. In der ersten Studie verglichen britische Forscher die Krankheitsschwere sowie die Viruslast von 198 COVID-19-Patienten, die mit B.1.1.7 infiziert waren, und 143 COVID-19-Patienten, die sich mit anderen SARS-CoV-2-Varianten angesteckt hatten. Im Bezug sowohl auf Krankheitsschwere als auch Mortalität ergab sich kein signifikanter Unterschied. Allerdings zeigte sich in den PCR-Analysen, dass die Viruslast in Proben von Patienten, die mit B.1.1.7 infiziert waren, höher war als in Proben von Patienten, die nicht mit der B.1.1.7-Variante infiziert waren. In der zweiten Studie werteten die Wissenschaftler Daten der „COVID Symptom Study App“ aus, die vom National Health Service herausgegeben wird. App-Nutzer können hier nach positiver Testung ihre Symptome dokumentieren. Auch hier zeigte die Auswertung keine Unterschiede im Bezug auf Schwere der Symptome und Symptomdauer bei der B.1.1.7-Variante. Ein weiteres Ergebnis: Die B.1.1.7-Variante erhöht wohl nicht das Risiko für eine Reinfektion (Lancet Inf Dis und Lancet Public Health 2021; online 12. April).

Mit einer inhalativen Budesonid-Therapie ließ sich bei Patienten mit nur leichten COVID-19-Symptomen das Risiko für schwere Verläufe verringern im Vergleich zur Standardbehandlung. Das hat eine klinische Phase-2-Studie mit mehr als 140 Patienten ergeben, die seit durchschnittlich drei Tagen an leichten Symptomen wie Husten, Kopfschmerzen oder Fieber litten. Zwei Hübe Budesonid morgens und zwei abends (je 800 μg) bis zum Rückgang der Symptome verringerten das Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion um 90 Prozent. In der Standard-Gruppe mussten der Per-Protokoll-Analyse zufolge zehn Erkrankte aufgrund von heftiger werdenden Beschwerden eine Notfallambulanz aufsuchen oder stationär aufgenommen werden, in der Budesonid-Gruppe nur ein Patient. Auch die Krankheitsdauer bei milden Verläufen könnte das Mittel um einen Tag verkürzen, wie die Forscher um Sanjay Ramakrishnan von der Universitätsklinik in Oxford berichten (Lancet 2021; online 9. April).

Update vom 12. April

Die Gabe von Remdesivir bei hospitalisierten COVID-19-Patienten war in einer retrospektiven Studie aus den USA mit einer beschleunigten Genesung assoziiert: Bei den 285 Patienten, die Remdesivir erhielten, vergingen im Mittel fünf Tage bis zur klinischen Symptombesserung (definiert als Zeit bis zur Entlassung oder bis zur Besserung zweier im WHO-Score der Krankheitsschwere erfassten Symptome). Bei Patienten, die kein Remdesivir erhielten, waren es sieben Tage. Als sekundärer Endpunkt wurde zudem untersucht, inwieweit Remdesivir Einfluss auf die 28-Tages-Mortalität hat. Hier zeigte sich allerdings kein statistisch signifikanter Unterschied. Die Studienteilnehmer, die Remdesivir erhielten, erfüllten folgende Kriterien: Sauerstoffsättigung im Blut≤ 94 Prozent sowie zusätzliche Sauerstoffgabe / mechanische Beatmung / ECMO und zudem ein Alanin-Aminotransferase-Wert, der deutlich unter dem Referenzwert liegt (JAMA Netw Open 2021; online 24. März).

In hochauflösenden Cryo-EM-Aufnahmen (cryo-electron microscopy) zeigen Forscher erstmals menschliche Zellen, die nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff Oberflächenproteine bilden, die dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 zum Verwechseln ähnlich sind. Auch die Glykane, die das Oberflächenprotein ummanteln, ähneln denen des Spike-Proteins stark. „Das bedeutet, dass die Vakzine die Bildung eines nahezu identischen Spike-Proteins induziert – und das ist wichtig, um eine schützende Immunantwort zu induzieren“, heißt es in einer Mitteilung der University of Southampton, die außer der Oxford University an der Studie beteiligt war. Die Vakzine basiert bekanntlich auf einem Chimpansen-Adenovirus, der die Bauanleitung für das virale S-Protein enthält und diese in die Körperzellen transportiert. Die Körperzellen exprimieren anschließend das S-Protein auf ihrer Oberfläche – und der Körper entwickelt eine Immunantwort dagegen (ACS Central Science 2021; online 2. April)

Update vom 9. April

Während der zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet. Das berichtet das Helmholtz Zentrum München. Die Daten stammen aus der Fr1da-Erhebung, bei der in Bayern seit einigen Jahren Blutproben von Kindern auf Anzeichen eines Frühstadiums von Typ-1-Diabetes gescreent werden. Seit 2020 werden die Proben auch auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. „Das ist wahrscheinlich zum Teil auf asymptomatische Fälle im Kindesalter zurückzuführen“, wird Studienautor Dr. Markus Hippich in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums zitiert. Der Anteil der Kinder ohne Symptome unter den antikörperpositiven Kinder lag bei den Vorschulkindern bei 68,0 Prozent, bei den Schulkindern bei 51,2 Prozent. Bei der Studie kam zudem heraus, dass am Ende der zweiten Infektionswelle etwa achtmal mehr Kinder Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hatten als am Ende der ersten Welle (Med 2021; online 3. April).

Eine aktuelle Studie bestätigt das hohe Hospitalisierungs- und Mortalitätsrisiko für Nierenpatienten, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren. Demnach ist das Risiko für eine Hospitalisierung aufgrund von COVID-19 für Nierenkranke, die Dialysen benötigen, 40-mal höher als das der Normalbevölkerung. Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die COVID-19-Pandemie erhöhte das Mortalitätsrisiko von Patienten, die eine Dialyse benötigen, um 17 Prozent, und um 30 Prozent für Nierentransplantierte. In Deutschland sind chronisch Nierenkranke und Personen nach Organtransplantion bekanntlich in der COVID-19-Impfkategorie „Hohe Priotität“ eingestuft (J Am Soc Nephrol 2021; online 8. Februar).

Update vom 8. April

Ein MIS-C („Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“) tritt häufig bei Kindern auf, die zuvor keine oder lediglich leichte COVID-19-Symptome hatten. Das berichten Wissenschaftler der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention, die Daten von 1733 Kindern und jungen Erwachsenen bis 20 Jahren analysiert haben, die von März 2020 bis Januar 2021 wegen MIS-C in US-Kliniken behandelt worden waren. 75 Prozent der Patienten mit MIS-C waren zuvor asymptomatisch oder nur mild symptomatisch an COVID-19 erkrankt. Das Multiinflammations-Syndrom trat dabei meist zwei bis fünf Wochen nach SARS-CoV-2-Infektion auf – also dann, wenn die Antikörperproduktion das Maximum erreicht hat. Unklar ist, warum gerade Kinder und zum Teil auch junge Erwachsene ein MIS-C entwickeln. Die Studie zeigt zudem, dass das seltene Syndrom häufig sehr schwer verläuft: 58,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen mussten auf einer Intensivstation behandelt werden. Bei vielen von ihnen gab es kardiale Beeinträchtigungen: bei 54 Prozent wurde von Hypotonie oder Schock berichtet, bei 31 Prozent von Fehlfunktionen des Herzens. Auch Perikardergüsse (bei 23,4 Prozent) und Myokarditiden (bei 17,3 Prozent) wurden relativ häufig angegeben (JAMA Pediatrics 2021; online 6. April).

Bei Menschen, die in Folge einer COVID-19-Erkrankung an neurokognitiven Einschränkungen leiden, ist der Glukosestoffwechsel im Gehirn deutlich beeinträchtigt. Das belegen Aufnahmen von 41 COVID-19-Patienten, die an der Uniklinik Freiburg per 18FDG-PET (18F-Fluordesoxyglukose-Positronenemissions-Tomografie) gescreent wurden. Mit dem 18FDG-PET kann der Glukosestoffwechsel im Gehirn visualisiert werden. „Bei einem Großteil von Patienten, die wegen einer akuten COVID-19-Erkrankung stationär behandelt werden mussten, konnten in der subakuten Phase definierte kognitive Beeinträchtigungen festgestellt werden“, fasst Studienautor Privatdozent Dr. Jonas Hosp die Ergebnisse in einer Mitteilung der Uniklinik zusammen. „Die Befunde passen zu dem im 18FDG-PET sichtbar verminderten Glukosestoffwechsel, das bedeutet einer regionalen Leistungseinschränkung in den entsprechenden Bezirken der Großhirnrinde“ (Brain 2021; online 5. April).

Update vom 7. April

Jeder dritte COVID-19-Patient entwickelt innerhalb von sechs Monaten nach einer SARS-CoV-2-Infektion neurologische oder psychiatrische Erkrankungen. Das geht aus einer Beobachtungsstudie aus den USA mit Daten von 236.000 Patienten hervor. Am häufigsten waren Angststörungen (bei 17 Prozent) und Depressionen (bei 14 Prozent). Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz waren zwar seltener als psychiatrische, insgesamt allerdings keine Seltenheit. Besonders von neurologischen Komplikationen betroffen sind den Ergebnissen zufolge Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden mussten: Sieben Prozent dieser Patienten erlitten einen Schlaganfall, zwei Prozent erkrankten innerhalb von sechs Monaten nach Infektion an Demenz. Die Forscher berichten zudem, dass neurologische und psychiatrische Erkrankungen nach COVID-19 häufiger auftreten als etwa nach einer Influenza oder anderen Atemwegserkrankungen: Das Risiko liegt demnach um 44 Prozent beziehungsweise 16 Prozent höher (Lancet Psychiatry 2021; online 6. April).

Selektionsleitlinien für Lungentransplantationen bei COVID-19-Patienten hat ein internationales Konsortium aufgestellt. Bei COVID-19 können bekanntlich schwere Lungenschäden auftreten. Weltweit haben bereits etwa 40 Menschen, deren Lunge durch COVID-19 irreversibel geschädigt war, eine Lungentransplantation erhalten, teilt die MedUni Wien mit. Von zwölf dieser Patienten berichten die Experten – darunter Wissenschaftler der MedUni Wien – nun und fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Als Kriterien für eine mögliche Transplantation gelten demnach: Ausschöpfung aller konservativen Therapieoptionen, keine Erholung der durch COVID-19 geschädigten Lunge trotz mindestens vierwöchiger Beatmung / ECMO-Therapie, Nachweis des fortgeschrittenen und irreversiblen Lungenschadens in mehreren aufeinanderfolgenden CT-Untersuchungen, Alter unter 65 Jahren und keine relevanten Begleiterkrankungen. Zudem müssen die Patienten für eine Lungentransplantation in einem guten körperlichen Zustand sein oder eine reelle Chance auf eine volle körperliche Rehabilitation nach der Transplantation haben (Lancet Resp Med 2021; online 31. März).

Update vom 6. April

Das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) ist bei hospitalisierten COVID-19-Patienten bekanntlich relativ hoch. Doch haben auch COVID-19-Patienten, die nicht in einer Klinik behandelt werden müssen, ein höheres VTE-Risiko? Einer retrospektiven Kohortenstudie zufolge ist das wohl nicht der Fall. Analysiert wurden die Daten von 220.000 Patienten über 18 Jahre, die in US-Kliniken wegen COVID-19-Symptomen auf SARS-CoV-2 getestet worden waren und nicht hospitalisiert werden mussten. Rund 26.000 (elf Prozent) hatten ein positives Testergebnis. Bei ihnen lag das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach positiver Testung außerhalb der Klinik eine VTE zu erleiden, bei 0,8 Prozent. Bei Patienten mit negativem Testergebnis lag das Risiko bei 0,5 Prozent – kein signifikanter Unterschied. Damit zeigt sich auch: Das VTE-Risiko bei ambulanten COVID-19-Patienten ist deutlich niedriger als bei hospitalisierten Patienten (JAMA Intern Med 2021; online 5. April).

Update vom 1. April

Nur mit strikten Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2-Infektionen lasse sich eine Überlastung von Intensivstationen in Deutschland vermeiden. Dieses Fazit ziehen Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI) aus den Ergebnissen ihrer Modellrechnung. Grundlage dafür ist ein SEIR-Modell („susceptible, exposed, infectious, recovered“). Die Ausgangssituation: Zunehmende Dominanz der besonders kontagiösen Virusvariante B.1.1.7 und gleichzeitige Rücknahme von Kontaktbeschränkungen lassen die SARS-CoV-2-Infektionszahlen ansteigen. Problematisch ist der aktuell hohe Ausgangswert der Infektionszahlen. Bisherige Impffortschritte (etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind einmal geimpft) beeinflussen das Infektionsgeschehen kaum. Fazit: Vorsichtige Lockerungen wären erst ab Mai/Juni ratsam. Bis in den Spätsommer ließe sich sukzessive weiter lockern, bis ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Aktuell sei nur durch eine möglichst frühe und umfassende Reduktion der seit März wieder gestiegenen Kontakte in der Bevölkerung eine Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden, so das RKI (Epi Bull 2021; online 31. März).

Die Zahl von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen hat während der Pandemie weltweit zugenommen, berichten britische Forscher. Sie haben 40 Studien aus 17 Ländern zum Thema ausgewertet. Totgeburten und Müttersterblichkeit nahmen danach in Entwicklungsländern zu. So stieg zum Beispiel die Rate der Totgeburten in der Metaanalyse von 1099 pro 168.295 Schwangerschaften vor Pandemie auf 1325 pro 198,993 Schwangerschaften während der Pandemie. Anders in Industrieländern: Dort nahm das Risiko für Frühgeburten sogar ab. Insgesamt hat sich die Zahl an chirurgischen Eingriffe wegen Eileiterschwangerschaften versechsfacht, allerdings auf niedrigem Niveau. Auch werden deutlich häufiger Wochenbettdepressionen registriert. Die Studiendaten verdeutlichen den destruktiven Einfluss der Pandemie auf Länder mit anfälligen Gesundheitssystemen, so die Forscher (Lancet Global Health 2021; online 31. März).

Update vom 31. März

Das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe wird durch Einnahme von ACE-Hemmern (ACEs) oder AT2-Rezeptorblockern (ARBs) nicht erhöht. Im Gegenteil: Bei Risikopatienten ist die Einnahme der Substanzen möglicherweise sogar mit einer gewissen Schutzwirkung verbunden, berichten Forscher der Norwich Medical School in England. Sie haben in einer Metaanalyse 52 Studien zum Thema mit nahezu 102.000 COVID-19-Patienten ausgewertet, knapp ein Viertel von ihnen wurde mit einer der beiden Substanzen behandelt. Nach den nach Störfaktoren bereinigten Daten war eine Therapie mit einer der beiden Substanzen im Vergleich zu keiner solchen Therapie mit einem deutlich verringerten Risiko für Tod oder schwerem Verlauf assoziiert. Eine Subgruppen-Analyse der COVID-Patienten mit Hypertonie ergab zudem: Bei Behandlung mit ACEs oder ARBs waren im Vergleich Mortalität (adjustierte Odds Ratio [aOR]: 0,66) und COVID-19-Komplikationen (aOR: 0,51) signifikant reduziert. Die Studie deutet auf einen protektiven Effekt der Substanzen bei COVID-19 hin. Die Behandlung mit ACEs und ARBs sollte bei Corona-Patienten daher nicht abgesetzt werden, wenn nicht triftige Gründe dagegen sprechen (JAMA Network Open 2021; 4: e213594).

Update vom 30. März

Ermutigende Real-World-Ergebnisse zu den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna kommen jetzt auch aus den USA. Die Centers for Disease Control (CDC) haben fast 4000 Menschen aus Gesundheitsberufen drei Monate nach der Impfung– von Mitte Dezember bis Mitte März – nachverfolgt. Egal welcher Impfstoff verwendet wurde: Zwei Wochen nach der ersten Dosis ergab sich bereits ein Schutz von 80 Prozent vor einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion, zwei Wochen nach der zweiten Dosis ein Schutz von 90 Prozent. Nach Angaben der Studienautoren waren symptomlose, aber infizierte Menschen mit Impfschutz sehr selten. Daher sei auch die Weitergabe von SARS-CoV-2 durch Geimpfte nur selten zu erwarten. Obwohl der Impfschutz bei Virusvarianten fraglich ist, gab es in der Studie keine Hinweise auf Impfdurchbrüche durch in den USA zirkulierende Mutanten (MMWR 2021; online 29. März).

Die schlechte Prognose von Diabetikern mit stationärer COVID-19-Therapie verdeutlicht ein Update der CORONADO-Studie in Frankreich. In der Studie mit 2800 Betroffenen ist jeder fünfte Diabetiker mit stationärer COVID-19-Therapie binnen eines Monats gestorben, nur jeder zweite wurde in dieser Zeit aus der Klinik entlassen. Faktoren für eine günstige Prognose waren eine lange Dauer von COVID-Symptomen vor der Klinikaufnahme sowie eine Metformintherapie in der Vorgeschichte. Eine Vorbehandlung mit Insulin war dagegen mit ungünstiger Prognose verbunden, ebenso hohe Entzündungswerte, mikrovaskuläre Komplikationen und Atemnot bei der Aufnahme. Die Angaben beziehen sich auf Diabetiker, die während der ersten COVID-19-Welle im Frühjahr 2020 vom 10. März bis zum 10. April in 68 Kliniken in Frankreich aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion behandelt worden waren (Diabetologia 2021; 64: 778). (mut)

Update vom 29. März

Eine Priorisierung von Menschen mit elektiven Operationen für die Corona-Impfung könnte sich auszahlen. Nach einer Modellrechnung müssen dazu deutlich weniger Menschen geimpft werden, um einen COVID-19-Todesfall zu verhindern. Das berichtet die Gruppe „COVIDSurg Collaborative“ im Vereinigten Königreich (UK). Das Forscherteam hat in mehreren Altersgruppen postoperative Corona-Sterberaten bei Patienten mit Sterberaten in der Allgemeinbevölkerung verglichen und daraus die „number needed to vaccinate“ (NNV) für Mortalität errechnet. Am stärksten würden danach über 70-jährige Krebspatienten mit geplanten Eingriffen profitieren: Die NNV beträgt bei ihnen 351, im Vergleich zu 1840 bei >70-Jährigen in der Allgemeinbevölkerung. Etwas weniger günstig wäre die Priorisierung bei >70-Jährigen mit geplanten nicht krebsbedingten Eingriffen (NNV: 733). Insgesamt ließe sich durch eine Priorisierung von Patienten mit geplanten Operationen in UK 58.687 Todesfälle in einem Jahr verhindern, so die Forscher (Brit J Surg 2021; online 24. März).

Impfschutz gegen Influenza geht mit einer reduzierten Rate an COVID-19-Fällen einher. Und COVID-19-kranke Grippe-Geimpfte haben im Vergleich zu Ungeimpften weniger schwere COVID-Verläufe. Das hat eine retrospektive Kohortenstudie von Forschern der University of Michigan School of Medicine in Ann Arbor (USA) ergeben. Diese haben sich Testresultate von etwa 27.000 Patienten mit COVID-19-Verdacht aus der erstem Coronawelle bis Mitte Juli angeschaut. Etwa 1200 davon (4,5 Prozent) waren positiv getestet worden. Bei den knapp 13.000 Influenza-Geimpften dieser Kohorte (Impfsaison 2019/20) war im Vergleich zu Ungeimpften die Rate positiver COVID-Tests um etwa ein Viertel niedriger (4,0 versus 4,9 Prozentpunkte). Zudem hatten die coronakranken Influenza-Impflinge im Vergleich zu Ungeimpften weniger schwere Verläufe: Bereinigt nach Störfaktoren wurden sie im Vergleich seltener stationär behandelt (Odds Ratio [OR]: 0,58) bei kürzerem Klinikaufenthalt (OR: 0,76), und sie mussten seltener maschinell beatmet werden (OR: 0,45). Keine signifikanten Unterschiede gab es bei Sterberate und intensivmedizinischer Behandlung. Ob die Ergebnisse aber Schutz durch Influenza-Impfung oder etwa besseres Gesundheitsbewusstsein der Impflinge widerspiegelt, lässt sich mit der Beobachtungsstudie nicht klären (Am J Infect Control 2021; online 22. Februar).

Update vom 26. März

Etwa jeder achte Patient mit COVID-19 gab in einer Studie langanhaltende Symptome („Long COVID“) über eine Dauer von mindestens 28 Tagen an. Für die Studie wurden Daten von 4182 britischen COVID-19-Patienten aus der Zeit von März bis September 2020 ausgewertet. Der Studie zufolge gaben 558 Patienten (13,3 Prozent) Symptome über eine Dauer von 28 Tagen an, 189 Patienten (4,5 Prozent) über 56 Tage und 108 (2,6 Prozent) über eine Symptomdauer von 84 Tagen. Betroffen waren vor allem Frauen sowie ältere oder übergewichtige Patienten. Wurde nur die erste Woche nach Symptombeginn betrachtet, hatten Patienten, die über mehr als fünf COVID-19-Symptome klagten, ein fast vierfach erhöhtes Risiko für eine Symptomdauer von 28 Tagen (Odds Ratio [OR] 3,95). Die fünf Symptome, die in der ersten Woche am stärksten mit einer Symptomdauer von 28 Tagen assoziiert waren, sind Fatigue (OR 2,83), Kopfweh (OR 2,62), Dyspnoe (OR 2,36), Heiserkeit (OR 2,33) und Myalgie (OR 2,22) (Nature 2021; online 10. März).

In einer weiteren, noch nicht publizierten Studie aus Großbritannien gaben 71 Prozent der hospitalisierten Patienten mit COVID-19 an, sich auch nach fünf Monaten noch nicht wieder vollständig erholt zu haben. Für die Studie wurden Daten von 1077 Patienten aus der Zeit von März bis November 2020 ausgewertet. 18 Prozent gaben an, seit der Infektion nicht mehr arbeiten zu können. Als die zehn häufigsten Symptome nach fünf Monaten wurden angegeben: Myalgie, Fatigue, langsamere Bewegungen, schlechtere Schlafqualität, Gelenkschmerzen oder -schwellungen, Schwäche in den Gliedmaßen, Dyspnoe, Schmerzen, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und verlangsamtes Denken („brain fog“) (Pre-print medRxiv 2021; online 24. März).

Update vom 25. März

Antigen-Schnelltests erkennen mehr SARS-CoV-2-Infizierte korrekt, wenn sie bei Personen mit Symptomen vorgenommen werden (72 Prozent der Infizierten korrekt erkannt) als bei Personen ohne Symptome (58 Prozent). Zu diesem Schluss kommt ein aktualisierter Cochrane-Review auf Basis von 64 Studien. Danach sinkt bei einer niedrigen Vortestwahrscheinlichkeit die Aussagekraft der Schnelltests dramatisch. Auch vom Vorhandensein von Symptomen hängt die Aussagekraft der Schnelltests danach stark ab. Beträgt die Prävalenz fünf Prozent, liegt der positive Vorhersagewert (PPV) der empfindlichsten Tests für symptomatische Personen bei 84 bis 90 Prozent. Das bedeutet: Jedes zehnte bis sechste positive Testergebnis ist falsch-positiv und jeder achte bis vierte tatsächlich Infizierte wird übersehen. Werden dieselben empfindlichen Tests bei einer Prävalenz von nur noch 0,5 Prozent und bei asymptomatischen Patienten verwendet, liegt der PPV bei elf bis 28 Prozent. Das bedeutet: 70 bis 90 Prozent der positiven Testergebnisse sind falsch-positiv und jeder zweite bis dritte eigentlich Infizierte wird übersehen (Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 3. Art. No.: CD013705).

Die Antikörperkombi Casirivimab und Imdevimab reduziert bei Risikopatienten das Risiko für einen schweren Verlauf oder Tod um 70 Prozent, teilt der Hersteller Roche mit. Damit sei der primäre Studienendpunkt der Phase-II/III-Studie REGN-COV 2067 erreicht worden. Für die Studie waren 4500 nicht-hospitalisierte COVID-19-Patienten mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf untersucht worden. Die Patienten hatten entweder Verum (Dosierung 1200mg oder 2400mg) oder Placebo erhalten. Analysen zu den sekundären Studienendpunkten kommen zu dem Ergebnis, dass die Kombination die Dauer der Symptome signifikant von 14 auf zehn Tage verkürze. Außerdem reduzierten die Wirkstoffe die Viruslast signifikant und seien gleichbleibend wirksam gegen die häufigsten Virusvarianten (unter anderem B.1.1.7, B.1.351 und P1), heißt es in der Mitteilung. Die Kombination ist bislang noch nicht in der EU zugelassen. Bekannt geworden war die Antikörper-Kombination im Oktober 2020, als der an COVID-19 erkrankte damalige US-Präsident Donald Trump damit behandelt wurde (Mitteilung von Roche vom 23. März 2021).

Update vom 24. März

CED-Patienten unter TNF-α-Blocker-Therapie könnten ein erhöhtes Corona-Reinfektionsrisiko haben: Für TNF-α-Blocker ist ja bekannt, dass deren Anwendung die Effektivität von Pneumokokken-, Influenza- und Hepatitis-Impfungen beeinträchtigt und die Anfälligkeit für schwere respiratorische Infektionen erhöht. Britische Forscher haben jetzt geprüft, ob dies auch für die Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 zutrifft. Dafür haben sie 6935 Patienten an 92 britischen Krankenhäusern zwischen September und Dezember 2020 untersucht, die wegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung mit dem TNF-α-Blocker Infliximab oder dem Integrin-Hemmer Vedolizumab behandelt wurden. Ergebnis: Bei bestätigter SARS-CoV-2-Infektion hatten unter Infliximab-Therapie weniger Patienten Antikörper entwickelt (39/81, entspricht 48 Prozent) als unter Vedolizumab (30/36, entspricht 83 Prozent). Außerdem war die Intensität der Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 bei den Infliximab-Patienten geringer. Die geringere Zahl der Antikörper könnte das Risiko einer Reinfektion für Patienten mit einer TNF-α-Blocker-Therapie erhöhen, diskutieren die Forscher (Gut 2021; online 22. März).

Update vom 23. März

Multisystem Inflammatory Syndrome bei Erwachsenen: Bisher war das multisystemische Entzündungssyndrom als seltene, aber schwere Komplikation von COVID-19 vor allem bei Kindern bekannt (MIS-C). Seit Juni 2020 gibt es eine Handvoll Berichte von Fällen bei Erwachsenen (MIS-A), vor allem aus den USA und dem Vereinigten Königreich. Mediziner der DRK-Klinik Berlin-Westend berichten nun von zwei Fällen, nach eigenen Angaben den ersten Fällen, von MIS-A in Deutschland. Den Ärzten zufolge stellten sich die Patienten mit folgenden Symptomen vor: ein 27-jähriger Mann mit hohem Fieber bis 40°C, Erbrechen, Durchfall und starken Bauch-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie eine 21-jährige Frau mit starken Kopf- und Nackenschmerzen, hohes Fieber bis 40°C, Bauchschmerzen und Durchfall. Beide Patienten entwickelten im weiteren Infektionsverlauf zusätzlich eine Herzschwäche. Die Therapie bestand aus Hydrokortison, Immunglobulinen und ASS zur Thromboseprävention. Beide Patienten konnten nach zwei Wochen die Klinik beschwerdefrei verlassen. Bei mehr als fünf Tage anhaltendem Fieber, einem ausgeprägten Abfall des Blutdrucks mit Schockgefahr, stark erhöhten Entzündungswerten im Blut ohne Hinweis auf die zugrunde liegende Infektion sowie einem erhöhten NT-proBNP-Wert im Blut sollte an die Möglichkeit von MIS-A gedacht werden, schreiben die Mediziner (DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2021; online 11. März).

Update vom 22. März

Die AstraZeneca-Vakzine AZD1222 schützt zu 79 Prozent vor einer symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion, zu 100 Prozent vor schwerer COVID-19 oder Hospitalisierung und ist zu 80 Prozent effektiv in der Subgruppe der Über-65-Jährigen. Das sind Zwischenergebnisse der Phase-III-Studie D8110C00001 des Herstellers mit 32.449 Teilnehmern, wie das Unternehmen mitteilt. Ein Datenüberwachungskomitee habe keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Thrombose-ähnliche Ereignisse unter den 21.583 Probanden gefunden, die Verum erhalten hatten. Es habe darüber hinaus keine zerebralen Sinusvenenthrombosen bei den Teilnehmern gegeben. Nach Angaben des Herstellers waren 20 Prozent der Studienteilnehmer 65 Jahre und älter, 60 Prozent hatten Komorbiditäten, die mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19 assoziiert sind. Die Probanden waren mit zwei Impfdosen im Abstand von vier Wochen geimpft worden. Das Unternehmen weist darauf hin, dass ein Abstand von bis zu zwölf Wochen die Effektivität weiter erhöhen und mehr Menschen den Zugang zur Impfung ermöglichen könnte (Mitteilung des Unternehmens AstraZeneca, veröffentlicht am 22. März 2021).

Verglichen mit Schwangeren ohne SARS-CoV-2-Infektion ist eine Infektion während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie (Odds Ratio [OR] 1,33), Frühgeburt (OR 1,82) und Totgeburt (OR 2,11) assoziiert. Das sind Ergebnisse einer kanadischen Metaanalyse von 42 Beobachtungsstudien mit insgesamt 438.548 Schwangeren (CMAJ 2021; online 19. März).

Update vom 19. März

Eine Corona-Impfung könnte Long-COVID-Symptome bei Rekonvaleszenten mildern. Das legt zumindest eine kleine, noch nicht begutachtete Studie mit 66 COVID-Rekonvaleszenten nahe. Alle Teilnehmer waren in der ersten Infektionswelle in Großbritannien an COVID-19 erkrankt, wobei ein Großteil von ihnen auch acht Monate nach Genesung noch über wenigstens ein anhaltendes COVID-19-Symptom berichtete, zumeist Fatigue, Kurzatmigkeit und Schlaflosigkeit. 44 der 66 Rekonvaleszenten wurden geimpft, entweder mit der BioNTech/Pfizer- oder der AstraZeneca-Vakzine. Einen Monat nach Impfung zeigten sich bei den geimpften Rekonvaleszenten im Vergleich mit den nicht-geimpften eine leichte Verbesserung der Long-COVID-Symptome: Bei den Geimpften berichteten 23,2 Prozent von einer Symptombesserung, bei den Nicht-geimpften waren es 15,4 Prozent (p=0.035). In beiden Gruppen lag der Anteil an Teilnehmern mit Long-COVID-Symptomen bei 82 Prozent. Zwar ist die Teilnehmerzahl zu klein, um eine endgültige Aussage zu treffen, zumal auch ein Placeboeffekt eine Rolle spielen könnte. Dennoch könnte es sich lohnen, den Ansatz in Studien weiterzuverfolgen. Immerhin scheinen Long-COVID-Symptome nicht selten zu sein: Laut RKI-Daten berichtet mehr als jeder zehnte COVID-19-Patient auch nach mehr als vier Wochen noch von Symptomen (Pre-Print Server med Rxiv 2021; online 14. März).

Update vom 18. März

In 72,2 Prozent der in Deutschland positiv getesteten Proben wird derzeit die britische SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 nachgewiesen, wie aus einem aktuellen Bericht zu den Virusvarianten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. „Aufgrund des nun hohen Anteils von B.1.1.7 ist insgesamt weiter mit einem exponentiellen Anstieg der COVID-19 Fälle in Deutschland zu rechnen“, betont das RKI. Weltweit und auch in Deutschland sei die Ausbreitung der südafrikanischen Virusvariante B.1.351 geringer, in Deutschland sogar etwas rückläufig (In Kalenderwoche 8 lag der Anteil von B.1.351 in Deutschland bei 1 Prozent, in Kalenderwoche 10 – den aktuellen Daten – bei 0,8 Prozent). Die brasilianische Variante P.1 wurde bisher nur vereinzelt in Deutschland nachgewiesen (RKI-Bericht zu Virusvarianten in Deutschland; online 17. März).

Das Risiko für eine Reinfektion mit SARS-CoV-2 ist gering, für Menschen über 65 allerdings deutlich höher als für Jüngere. Das geht aus einer Studie hervor, für die Daten von vier Millionen Dänen analysiert wurden, die im Rahmen der nationalen Teststrategie des Landes erfasst worden waren. Lediglich 0,65 Prozent der Personen, bei denen ein erster PCR-Test auf SARS-CoV-2 positiv ausgefallen war, wurden im Laufe der ersten und zweiten Infektionswelle in Dänemark erneut positiv getestet. Zum Vergleich: Bei Personen, die zunächst negativ getestet worden waren, fiel ein zweiter PCR-Test bei 3,27 Prozent positiv aus. Grundsätzlich stellten die Wissenschaftler Reinfektionen bei Jüngeren seltener fest als bei Älteren: Jüngere seien durch eine Erstinfektion zu 80 Prozent vor einer Reinfektion geschützt, Personen über 65 Jahre dagegen nur zu 47 Prozent, schreibt das Team um Dr. Christian Holm Hansen vom Statens Serum Institut in Kopenhagen. Antikörper gegen SARS-CoV-2 seien dabei über den Studienzeitraum von sechs Monaten stabil nachzuweisen gewesen. Die Analyse ist allerdings auf den ursprünglichen SARS-CoV-2-Typ fokussiert, Virusvarianten wie die britische oder südafrikanische sind nicht eingerechnet (Lancet 2021; online 17. März).

Der AstraZeneca-Impfstoff schützt wohl nicht vor der südafrikanischen SARS-CoV-2-Variante B.1.351. Ein Team der Forschungsgruppe NGS-SA (Network for Genomics Surveillance in South Africa) hatte rund 2000 seronegative Probanden im Alter zwischen 18 und 65 Jahren geimpft, die eine Hälfte erhielt dabei die AZD1222-Vakzine in zweimaliger Dosierung im Abstand von 21 bis 35 Tagen, die andere Hälfte ein Placebo. Von den Verum-Geimpften erkrankten 2,5 Prozent trotz Impfung an COVID-19. In der Placebogruppe waren es 3,2 Prozent. Dies ergibt eine Schutzwirkung von lediglich 21,9 Prozent gegenüber der südafrikanischen Variante. Mit 39 von insgesamt 42 berichteten COVID-19-Fällen waren fast alle auf den B.1.351-Virustyp zurückzuführen (92,9 Prozent) (NEJM 2021; online 16. März).

Update vom 17. März

Die einmalige Gabe von hochdosiertem Vitamin D3 reduziert bei hospitalisierten COVID-19-Patienten die Liegedauer nicht. Das hat eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie mit 240 moderat oder schwer erkrankten COVID-19-Patienten ergeben, die an zwei Kliniken in Sao Paulo behandelt worden waren. Die Patienten hatten entweder eine einmalige orale Dosis Vitamin D3 (200.000 IU) erhalten oder Placebo. Die mittlere Liegedauer der Patienten betrug in beiden Gruppen je sieben Tage, die einmalige Behandlung mit hochdosiertem Vitamin D3 zeigte hier also keinen Effekt. Auch in Bezug auf die sekundären Endpunkte (Tod während des Klinikaufenthalts, Einweisung auf Intensivstation, mechanische Beatmung) ergaben sich in den beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede (JAMA Netw Open 2021; online 17. Februar).

T-Zellen haben eine essenzielle Rolle bei der Langzeit-Immunität gegen SARS-CoV-2. Das bestätigt eine Studie aus Tübingen, in der 50 Patienten vier Wochen sowie sechs Monate nach überstandener COVID-19 untersucht worden waren. Während die Forscher nach sechs Monaten bereits einen deutlichen Abfall der Antikörperkonzentrationen feststellten (und zwar insbesondere bei Antikörpern gegen das Spike-Protein), war weiterhin eine starke T-Zell-Antwort nachweisbar. Was die Wissenschaftler aber auch feststellten: Nur bestimmte Epitope von SARS-CoV-2 scheinen eine Langzeit-Immunität durch T-Zellen zu vermitteln. Daher erproben die Forscher derzeit einen SARS-CoV-2-Impfstoff, der auf eben jenen T-Zell-Epitopen aufbaut, die eine Langzeit-Immunität bewirken. Erste vorläufige Ergebnisse der klinischen Studie zeigten, dass der Impfstoff CoVac-1 starke T-Zell-Antworten in gesunden Probanden erzeugen kann, berichtet das Universitätsklinikum aus Anlass der Publikation (Sci Translat Med 2021; online 15. März).

Update vom 16. März

Einen möglichen Grund für die häufige Thrombosebildung bei COVID-19-Patienten haben Tübinger Forscher gefunden: körpereigene Antikörper, die bei einigen schwerkranken Patienten im Zuge eines Zytokinsturms in viel zu hoher Zahl freigesetzt werden. Diese binden nicht nur an SARS-CoV-2, sondern unkontrolliert auch an Thrombozyten. Dort lösen die Antikörper komplexe Veränderungen aus: Bei einem Teil der Thrombozyten kommt es zu einer Veränderung an der Zelloberfläche, infolgedessen die Thrombozyten gerinnungsfördernde Faktoren freisetzen und eine Thrombose auslösen können. Das Team hatte für seine Studie Blutproben miteinander verglichen, und zwar von 21 intensivpflichtigen COVID-19-Patienten, von 18 Gesunden und von 4 nicht-intensivpflichtigen COVID-19-Patienten. Die neuen Erkenntnisse könnten dabei helfen, Risikopatienten bei COVID-19-Erkrankung durch eine Thromboseprophylaxe vor Komplikationen zu schützen. Standardtherapien mit Blutverdünnern wie ASS allein reichten hierfür allerdings nicht aus, schreiben die Forscher. Ihren Ergebnissen zufolge müsse vor allem früh mit einer gerinnungshemmenden Therapie begonnen werden: Eine gesteigerte Aktivierung des Gerinnungssystems bei COVID-19-Patienten beginnt in aller Regel bereits vier Tage nach stationärer Aufnahme (Blood 2021; 137 (8):1061–1071).

Update vom 15. März

Die britische SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 ist wohl nicht nur ansteckender, sondern mit Blick auf die Mortalität auch gefährlicher. Die höhere Infektiosität der Virusvariante ist ja schon länger bekannt, sie übersteigt die der wildtypischen Variante um 59 bis 74 Prozent. Unklar war bisher, ob die Variante auch gefährlicher ist. In einer Studie hat sich das nun bestätigt: Demnach liegt das Sterblichkeitsrisiko bei Patienten, die mit B.1.1.7 infiziert sind, im Mittel um 64 Prozent höher. Für ihre Studie hatten Forscher um Dr. Robert Challen von der Universität Exeter die Sterbezahlen bei knapp 110.000 Corona-Patienten innerhalb von 28 Tagen nach positivem PCR-Nachweis analysiert. Eine Hälfte war mit B.1.1.7 infiziert, die andere Hälfte mit der wildtypischen SARS-CoV-2-Variante. Die Forscher gehen davon aus, dass die höhere Mortalität mit den veränderten phänotypischen Eigenschaften des Virus zusammenhängt. Sie sehen keine Gründe dafür, weshalb sich dieser Befund auf das Vereinigte Königreich beschränken sollte. Laut aktuellen RKI-Zahlen vom 10. März ist B.1.1.7 in Deutschland bereits zur dominanten Variante von SARS-CoV-2 geworden. „Aktuell wird B.1.1.7 in 55 Prozent der untersuchten positiven Proben in Deutschland gefunden“, heißt es in dem Bericht (BMJ 2021; online 10. März). (rb)

COVID-19-Rekonvaleszenten sollten frühestens sechs Wochen nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion operiert werden. Eine internationale Studie mit Daten aus 116 Ländern hat ergeben, dass Patienten, die während der ersten sechs Wochen nach einem SARS-CoV-2-Nachweis operiert werden, ein mehr als zweieinhalbfach höheres Risiko haben, nach der Operation zu sterben, als Patienten die erst später operiert werden: Bei Patienten, die in den ersten vier Wochen nach der Corona-Infektion operiert wurden, betrug die 30-Tage-Mortalität 4 Prozent, und nach fünf bis sechs Wochen immer noch 3,6 Prozent. Nach sieben bis acht Wochen hingegen erreichte die Sterblichkeit wieder das Niveau nicht infizierter, operierter Patienten von 1,5 Prozent im Mittel. Die Ergebnisse waren dabei über alle Altersgruppen hinweg und unabhängig von der Schwere der Begleiterkrankungen, der Dringlichkeit und dem Ausmaß der Eingriffe konsistent (Anaesthesia 2021; online 9. März).

Update vom 12. März

Real-World-Daten aus Israel zur BioNTech/Pfizer-Vakzine Comirnaty® bestätigen die Effektivität des mRNA-Impfstoff. Danach schützt er offenbar nicht nur vor schwerer COVID-19 und Tod durch COVID-19, sondern auch vor einer asymptomatischen Infektion. Das geht aus Daten des israelischen Gesundheitsministeriums hervor, wie BioNTech mitteilt. Weitere Ergebnisse: Zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis sei der Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 stärker als bisher angenommen: 97 Prozent relative Risikoreduktion für symptomatische Infektionen, 94 Prozent bei asymptomatischen. Außerdem bestätigen die Daten offenbar die Wirksamkeit gegen die britische Virusvariante B.1.1.7, die 80 Prozent der genommenen Stichproben ausgemacht habe. Zur Wirksamkeit gegen die südafrikanische Variante B.1.351 seien nicht genügend Daten vorhanden, da zum Zeitpunkt der Analyse nur eine begrenzte Zahl der Menschen in Israel mit dieser Variation infiziert gewesen sei, heißt es in der Mitteilung (Mitteilung des Unternehmens BioNTech und des israelischen Gesundheitsministeriums, veröffentlicht am 11. März 2021).

COVID-19 und die Langzeitfolgen: Italienische Forscher haben 39 genesene COVID-19-Patienten, die invasive Beatmung benötigt hatten, über einen Zeitraum von zwei Monaten nach Klinikentlassung in Bezug auf COVID-19-Langzeitfolgen befragt. Ergebnis: 78 Prozent konnten ihrem normalen Alltag wieder nachgehen, 85 Prozent konnten sich selbst versorgen, 51 Prozent berichteten von Belastungsdyspnoe, 49 Prozent von Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmacksinns, 38 Prozent waren unterernährt, 62 Prozent hatten ein Risiko dafür. Die Lebensqualität der Überlebenden zwei Monate nach der Entlassung sei insgesamt gut, weitgehend ohne kognitive oder psychische Beeinträchtigungen, schreiben die Wissenschaftler (Acta Anaesthesiol Scand 2021; online 2. März). (sj)

Update vom 11. März

Mund-Nasen-Schutz auch für Kleinkinder? Op-Masken können wahrscheinlich auch von Kindern unter zwei Jahren bedenkenlos getragen werden, zumindest über einen Zeitraum von 30 Minuten. Das ist das Ergebnis einer italienischen Studie mit 47 Kindern ohne Atemwegserkrankungen, in der untersucht wurde, ob man Kleinkindern und Kindern das Tragen einer Atemschutzmaske zumuten kann, um zum Beispiel Erwachsene vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen. Es gab zwei Gruppen in der Studie: Die erste Gruppe bestand aus Teilnehmern unter 24 Monaten, die zweite beinhaltete solche zwischen 24 und 144 Monaten. Fachgesellschaften sprechen sich bei Kindern unter drei Jahren derzeit gegen das Tragen von Atemschutzmasken aus. Ergebnis: In der Studie verschlechterten sich respiratorische Parameter Sauerstoffsättigung (SaO2), endexspiratorischer CO2-Partialdruck (PETCO2), Perfusionsindex (PI), Puls und Atemfrequenz durch das Tragen einfacher OP-Masken (nicht FFP2-Masken!) auch unter Belastung nicht. Für Eltern und Kindergarten- beziehungsweise Schulpersonal könnte es also sinnvoll sein, mit ihren Schützlingen den Umgang mit der Atemschutzmaske zu üben. Die Autoren weisen jedoch auch auf die Notwendigkeit einer ständigen Überwachung bei den Kleinsten hin, da insbesondere Säuglinge nicht in der Lage seien mitzuteilen, wenn es zu Problemen mit der Atmung kommt. Zu guter Letzt: Ob die Kinder die Maske überhaupt aufgesetzt behalten, steht auf einem anderen Blatt (JAMA Netw Open 2021; online 2. März). (eo)

Update vom 10. März

Details zu Anaphylaxie nach Corona-Impfung: Kam es nach einer Impfung gegen COVID-19 mit mRNA-Vakzinen bei den Impflingen zu einem anaphylaktischen Schock, trat dieser im Median binnen 17 Minuten auf. Das ist das Ergebnis einer Real-World-Studie unter knapp 53.000 Bediensteten eines US-amerikanischen Krankenhausnetzwerks, die mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech oder Moderna geimpft worden waren. Weitere Ergebnisse: 1365 Angestellte (entspricht 2,1 Prozent) berichteten von akuten allergischen Reaktionen, 16 (0,025 Prozent) hatten einen anaphylaktischen Schock. Von diesen hatten elf (69 Prozent) vorher noch nie einen anaphylaktischen Schock gehabt. Die Impflinge mit Anaphylaxie waren im Median 41 Jahre alt und zu 94 Prozent weiblich. Ein Impfling wurde an die Intensivstation überstellt, neun (56 Prozent) erhielten intramuskuläres Epinephrin, alle erholten sich wieder (JAMA 2021; online 8. März).

Update vom 9. März

Das COVID-19-Risiko steigt bei Pollenflug: Fliegen viele Pollen in der Außenluft, kommt es zu erhöhten Infektionsraten mit SARS-CoV-2. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter Leitung von Münchener Forschern. Der Grund dafür ist die Schwächung des Immunsystems. Der Körper ist dann auch anfälliger für virale Infektionen: Wird eine Zelle von einem Virus infiziert, sondert diese üblicherweise antivirale Interferone, also Signalproteine, ab – so auch bei SARS-CoV-2. Diese rufen benachbarte Zellen auf, ihre antivirale Abwehr zu stärken. Ist allerdings die Pollenkonzentration in der Luft hoch und werden neben Viren auch Pollen eingeatmet, werden weniger dieser antiviralen Interferone produziert, heißt es in einer Mitteilung der TU München zur Veröffentlichung der Studie. Auch die eigentlich heilsame Inflammationsreaktion wird beeinflusst. Bei starker Pollenbelastung kann deshalb die Zahl der Atemwegserkrankungen steigen – dies gilt auch für COVID-19. Dabei spielt es keine Rolle, ob Betroffene an Allergien gegenüber diesen Pollen leiden oder nicht. Schützen können sich Angehörige von Hochrisikogruppen durch das Beobachten von Pollenflugvorhersagen und das Tragen von Staubfiltermasken (Proc Natl Acad Sci U S A 2021; online 8. März).

Neue Ergebnisse zum Einsatz von Tocilizumab: Der Routine-Einsatz des Interleukin-6-Antagonisten Tocilizumab bei hospitalisierten Patienten mit moderater bis schwerer COVID-19 ist nicht von Vorteil. Das berichten Forscher aus Indien, die für eine randomisierte Phase-III-Studie 180 Patienten in zwölf indischen Krankenhäusern mit moderater bis schwerer COVID-19 entweder mit der Standardbehandlung oder zusätzlich mit Tocilizumab behandelt und 28 Tage nachbeobachtet haben. Ergebnis: In Bezug auf Mortalität und Beatmungspflicht gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen. Es gab jedoch einen Trend, dass in der Tocilizumab-Subgruppe von Patienten mit schwerer COVID-19 die Sterberate etwas geringer war (Lancet Respir Med 2021; online 4. März).

Update vom 8. März

Studie mit Colchicin wegen fehlender Wirkung gestoppt: Der Wirkstoff war als Hoffnungsträger für die COVID-19-Therapie lanciert worden. Im Januar dieses Jahres deuteten zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichte Daten aus der Studie COLCORONA darauf hin, dass das Gichtmittel das Risiko für eine Klinikeinweisung wegen COVID-19, für die Notwendigkeit einer Beatmung und für Tod verringern kann. Auch die im Juli 2020 publizierten Ergebnisse der kleinen randomisierten Studie GRECCO-19 hatten eine Wirkung von Colchicin bei SARS-CoV-2-Infektionen nahegelegt. Nun haben jedoch die Leiter der Studie RECOVERY in einem Statement verkündet, dass die Patientenrekrutierung für den Colchicin-Arm des Programms auf Anraten des unabhängigen Datenüberwachungskomitees gestoppt wurde. Es gebe keine überzeugende Evidenz für einen Überlebensvorteil mit Colchicin, der eine weitere Rekrutierung rechtfertigen würde, weder in der Gesamtkohorte noch in einer präspezifizierten Subgruppe. Die finalen Ergebnisse der Analyse sollen laut Studienleitern „so schnell wie möglich publiziert werden“ (Mitteilung der RECOVERY-Studienleiter; online 5. März). (vsc)

Update vom 5. März

Ultraviolette Strahlung, feuchte Hitze und Dampf in der Mikrowelle sind wirksame Mittel zur schnellen Wiederaufbereitung von N95-Masken und zudem einfach anzuwenden. Das berichten US-Forscher, die in einem systematischen Review verschiedene Methoden der Sterilisation auf ihre Wirkung und Sicherheit hin untersucht haben. Auch vaporisiertes Wasserstoffperoxid eigne sich zur Dekontamination von N95-Masken, die Methode benötige aber mehr Zeit und sei kostenintensiver, schreibt das Team um Dr. Max Schumm von der University of California in Los Angeles. Weniger geeignet ist den Ergebnissen zufolge eine Sterilisation mit Ethylenoxid, da bei dieser Methode giftige Rückstände in der Maske verbleiben können (JAMA 2021; online 3. März).

Mit SARS-CoV-2 infizierte Sportler und Sportlerinnen aus den großen US-Ligen hatten in der Folge kaum Herzprobleme. Lediglich bei fünf von 789 Profis habe es im untersuchten Zeitraum von Mai bis Oktober entsprechende Befunde gegeben, die eine längere Pause nach sich gezogen hätten. Das geht aus einer Studie hervor, die von den behandelnden Ärzten der Ligen gemeinsam erstellt wurde. Ausgewertet wurden Daten aus der National Football League, der Major League Baseball, der Major League Soccer und der National Hockey League sowie von den Basketballern und Basketballerinnen aus der NBA und WNBA (JAMA Cardiolog 2021; online 4. März).

Update vom 4. März

Die COVID-19-Pandemie hat sich weltweit negativ auf die Krebsversorgung von Kindern ausgewirkt. Das hat eine Befragung von 300 Mitarbeitern an 200 Kliniken aus insgesamt 79 Ländern ergeben. 78 Prozent der Teilnehmer berichteten demnach, dass zwischen Juni und August 2020 die Versorgung pädiatrischer Krebspatienten beeinträchtigt war, 43 Prozent gaben deutlich weniger Krebsdiagnosen im Vergleich zu den Vorjahren an, und 34 Prozent berichteten über abgebrochene Therapien. Den Angaben zufolge musste beinahe jede zehnte Klinik ihre Station für pädiatrische Tumorpatienten zeitweise komplett schließen. Betroffen waren erwartungsgemäß besonders Kliniken in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen (Lancet Child & Adolescent Health; online 3. März)

Update vom 3. März

Nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion könnte bei Erwachsenen eine Impfdosis zum Schutz ausreichen. Das berichten Forscher der University of Maryland School of Medicine in Baltimore. Sie haben in einer Studie 59 Probanden aus medizinischen Berufen einmalig mit einer mRNA-Vakzine geimpft. Von den Impflingen waren 17 vor der Impfung IgG-Antikörper-negativ gewesen. Weitere 16 hatten im Vorfeld eine asymptomatische und 26 symptomatische Infektionen gehabt und waren somit bereits vor der Impfung IgG-Antikörper-positiv. Sieben und 14 Tag nach der Impfdosis hatten die ursprünglich AK-positiven deutlich mehr neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 als die AK-negativen Probanden. Das Fazit der Forscher: Seropositive könnten angesichts der Impfstoffknappheit mit einer Impfdosis auskommen oder in der Priorisierung nach unten rutschen (JAMA 2021; online 1. März).

Update vom 2. März

Der AstraZeneca-Impfstoff beugt bei Hochbetagten hochwirksam schweren Verläufen von COVID-19 vor, und zwar schon nach der ersten Dosis. Das bestätigt eine vorläufige Auswertung von Ergebnissen des englischen Impfprogramms, die Public Health England (PHE) vorgelegt hat. Die Agentur des britischen Gesundheitsministeriums entkräftet damit Bedenken, dass der AstraZeneca-Impfstoff (vor allem auch im Alter) weniger wirksam sein könnte als die Vakzine von BioNTech/Pfizer. Vier Wochen nach der ersten Impfdosis reichte die Schutzwirkung gegen symptomatische COVID-19 bei über 70-Jährigen von 57 bis 61 Prozent (BioNTech/Pfizer-Impfstoff) und von 60 bis 73 Prozent (AstraZeneca-Impfstoff). Außerdem legen die Daten nahe, dass bei über 80-Jährigen mit jedem der beiden Impfstoffe bereits nach einer Dosis ein Schutz von über 80 Prozent gegen Hospitalisierungen aufgrund von COVID-19 erzielt wird. Insgesamt nahmen bei den über 70-Jährigen symptomatische SARS-CoV-2-Infektionen ab etwa drei Wochen nach der ersten Dosis ab. Die bisher noch nicht begutachtete Studie wurde am 1. März als Preprint auf der „Knowledge Hub“-Website publiziert.

Mit einer Impfstrategie, bei der zunächst die Ältesten gegen COVID-19 geimpft werden, lassen sich sowohl die meisten Todesfälle verhindern als auch die meisten Lebensjahre retten, wie Forscher der University of California in Berkley berechnet haben. Dies sei überraschend: Gemeinhin sei man bisher davon ausgegangen, dass sich mit Impfstrategien entweder möglichst viele Todesfälle verhindern lassen (indem Ältere priorisiert geimpft werden) oder aber möglichst viele Lebensjahre retten lassen (indem zunächst die jüngere Bevölkerung, die noch mehr Lebensjahre vor sich hat, geschützt werde), berichten die Wissenschaftler. Bei COVID-19 liege der Fall allerdings anders. Der Grund: Das Risiko, an COVID-19 zu sterben, nimmt im Alter exponentiell zu, und zwar um elf Prozent pro Jahr, so die Forscher. Das bedeutet: Das Risiko, an COVID-19 zu sterben, ist in der Gruppe der besonders Alten so hoch, dass durch eine Impfung dieser Altersgruppe nicht nur die meisten Todesfälle verhindert werden, sondern sich auch die meisten Lebensjahre retten lassen (PNAS 2021; online 26. Februar).

Update vom 1. März

US-Forscher setzen auf Parameter im Blut, die die Aktivierung neutrophiler Granulozten widerspiegeln, um bei stationär aufgenommenen COVID-19-Patienten früh kritische Krankheitsverläufe zu erkennen. Im Blick haben sie dabei die fünf Proteine Resistin, Lipocalin-2, HGF, IL-8 und G-CSF, die sich bei einer Algorithmus-basierten Auswertung von Patientendaten als besonders aussagekräftig erwiesen haben: Bei COVID-19-Patienten, die im Verlauf auf eine Intensivstation überwiesen werden mussten, veränderte sich die Konzentration dieser fünf Proteine bereits dann, als noch gar keine schweren Symptome aufgetreten waren. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von insgesamt mehr als 3300 COVID-19-Patienten mit ganz unterschiedlichen Krankheitsverläufen (Blood Advances 2021; online 26. Februar).

30 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einem mit COVID-19 assoziierten Multiinflammationssyndrom haben sechs Wochen nach stationärer Aufnahme noch HNO-Probleme. Das berichten Forscher aus Großbritannien, die in einer Studie den Krankheitsverlauf von 50 Kindern nachverfolgt haben, die an PIMS-TS („pediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with COVID-19“) erkrankt und zwischen Mai und Juni 2020 am Great Ormond Street Hospital for Children in London behandelt worden waren. 24 Prozent der Kinder (mittleres Alter zehn Jahre) hatten einen positiven PCR-Test, bei 84 Prozent wurden SARS-CoV-2-spezifische IgG-Antikörper nachgewiesen. 60 Tage (median) nach Erstvorstellung berichteten 30 Prozent der Kinder von weiterhin bestehenden HNO-Symptomen, darunter Dysphonie, Dysphagie und Anosmie/Hyposmie (JAMA Otolaryng Head & Neck Surg 2021; online 25. Februar).

Update vom 26. Februar

Im aktuellen pandemischen Geschehen scheint von den 6- bis 20-Jährigen keine substanzielle treibende Kraft auszugehen, folgern Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI) auf Basis von Daten zu COVID-19 bei Schülern und Schülerinnen (SuS). Ihre Beobachtung: Die Inzidenzen steigen in jüngeren Altersgruppen – bis etwa 15 Jahre – erst dann, wenn sie schon mehrere Wochen bei den jüngeren Erwachsenen erhöht waren. Lehrpersonal hatte im Vergleich zu SuS ein fast sechsfach höheres Risiko, Teil eines COVID-19-Ausbruchs an Schulen zu sein. Analysiert wurden 1020 Schulausbrüche und 5404 COVID-19-Fälle mit Hauptfokus auf dem Zeitraum zwischen Kalenderwoche (KW) 32 (Schulstart nach Sommerferien) und KW 50 (danach bundesweiter Lockdown) (Epid Bull 13/2021; online 25. Februar). (mal)

Verdächtiger Mammografie-Befund oder Folge der COVID-19-Impfung? Eine axilläre Lymphadenopathie kann auf Malignität hinweisen, jedoch auch vorübergehende Folge einer Impfung sein – gerade bei Vakzinen mit hoher Immunogenität wie die COVID-Vakzinen. Darauf weisen Ärzte um Dr. Nishi Metha vom Weill Cornell Klinikum in New York aufgrund eigener Beobachtungen bei vier Frauen mit auffälligen Mammogrammen und ipsilateral vergrößerten axillären Lymphknoten nach COVID-19-Impfung hin. Einseitig axilläre Lymphadenopathien könnten bis zu einige Wochen nach der Impfung auftreten, so die Kollegen. Ihr Vorschlag: Mammografien – wenn möglich – vor der Impfung oder vier bis sechs Wochen nach dem zweiten Impftermin planen. Kommt es nach Impfung zur axillären Lymphadenopathie, raten sie zur Sonografie-Kontrolle vier bis zwölf Wochen nach der zweiten Impfung. Bei dann noch vergrößerten Lymphknoten könne eine Stanzbiopsie empfohlen werden (Clinical Imaging 2021; 75; 12-15). (sj)

Tübinger Forscher bestätigen die Komplexität der Immunreaktion auf SARS-CoV-2-Infektion. Eine Analyse von Blutproben von 49 Patienten mit asymptomatischen oder milden COVID-19-Verläufen hat ergeben: Die meisten von ihnen hatten eine SARS-CoV-2-spezifische Antikörperreaktion, vier aber auch überhaupt keine spezifischen Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Ein weiteres Fazit, das die Forscher um Professor Michael Schindler ziehen: „Antikörper, die im Kontext einer Infektion mit dem Erkältungscoronavirus 229E gebildet werden, sind wahrscheinlich nicht ausreichend, um eine Person vor COVID-19 zu schützen, aber sie könnten zu einem milden Krankheitsverlauf beitragen.“ (mSphere; online 24. Februar). (mal)

Update vom 25. Februar

Der Impfstoff Comirnaty erweist sich im klinischen Alltag als ähnlich hochwirksam wie in der Zulassungsstudie. Das hat eine riesige Beobachtungsstudie in Israel ergeben. Erstmals sind damit wissenschaftlich begutachtete Daten aus dem israelischen Impfprogramm in einem Fachjournal publiziert worden (NEJM 2021; online 24. Februar). In der Fallkontrollstudie wurden zwei je etwa 597.000 Probanden starke Gruppen miteinander verglichen, berichtet ein internationales Team unter Beteiligung des israelischen Krankenversicherers Clalit. Die Probanden der ersten Gruppe waren zwischen dem 20. Dezember und 1. Februar mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine geimpft worden. Die andere Gruppe bestand aus „gematchten“ Kontrollpersonen ohne Impfung. Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde 14-20 Tage nach der ersten Dosis sowie ab dem 7. Tag nach der zweiten Dosis begutachtet. Zwischen den beiden Zeiträumen nahm die Schutzwirkung deutlich zu: von 46 auf 92 Prozent (gegen dokumentierte SARS-CoV-2-Infektion), von 57 auf 94 Prozent (symptomatische COVID-19), von 74 auf 87 Prozent (Hospitalisierungen) und von 62 auf 92 Prozent (schwere COVID-19). Bereits 14-20 Tage nach der ersten Dosis war die Sterberate um 72 Prozent reduziert worden.

Update vom 24. Februar

Ein positiver Antikörpertest deutet offenbar relativ verlässlich auf einen Schutz vor COVID-19 hin. Das berichten US-Forscher mit Beteiligung der National Institutes of Health (NIH). Antikörper gegen SARS-CoV-2 werden (etwa in Studien) häufiger nachgewiesen, ohne dass der Getestete eine (symptomlose) Infektion bemerkt hat. Sie können dann auch Zeichen einer noch aktiven Infektion sein. Doch schützen solche Antikörper langfristig auch vor einer Reinfektion? Um das zu klären, haben Forscher Registerdaten von etwa 3,2 Millionen Antikörper-Getesteten analysiert. Das Augenmerk lag dabei auf anschließenden PCR-Tests oder anderen „nucleic acid amplification tests“ (NAAT), die eine aktive SARS-CoV-2-Infektion anzeigen. Ergebnis: 90 Tage und später nach positiven Antikörpertest fanden sich bei den Getesteten nur ein Zehntel so viele aktive Infektionen wie nach negativem Antikörpertest. Dies deute auf Schutz durch Antikörper hin, so die Forscher. Wie lange dieser andauert, ist aber unbekannt. Wahrscheinlich nehme der Schutzeffekt mit der Zeit nach (JAMA Intern Med. 2021, online 24. Februar).

Update vom 23. Februar

Schon eine einzige Impfdosis reduziert bei über 80-Jährigen das Risiko für schwere bis tödliche COVID-19-Verläufe um 81 Prozent. Das hat eine vorläufige Analyse von Daten des schottischen Impfprogramms ergeben, berichten Forscher von Public Health Scotland (PHS). Die bisher noch nicht begutachtete Auswertung beruht auf der „Early Pandemic Evaluation and Enhanced Surveillance of COVID-19“ (EAVE II). Das Register mit Daten von 5,4 Millionen Menschen in Schottland zu Impfung, primärer und stationärer Versorgung, PCR-Tests und Mortalität deckt fast die gesamte Bevölkerung des Landes ab. Die erste Impfdosis von Comirnaty® war nach 28 bis 34 Tagen mit einer Reduktion der Erkrankungen um 85 Prozent assoziiert, die erste Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs mit 94 Prozent Reduktion. Der kombinierte Effekt des Programms mit beiden Vakzinen ergab bei den über 80-Jährigen einen Schutz von 81 Prozent gegen schwere bis tödliche Verläufe (SSRN-Preprint 2021; online 19. Februar).

Bestimmte Genvarianten von Menschen begünstigen offenbar schwere COVID-Verläufe. Den Betroffenen fehlen spezielle Rezeptoren von Immunzellen ganz oder teilweise, berichten Virologen der Medizinischen Universität Wien. Dadurch werde die antivirale Immunantwort durch natürliche Killerzellen (NK-Zellen) herabgesetzt. NK-Zellen sind wichtig, um in der Initialphase einer Infektion die Virusvermehrung einzudämmen, so die Uni in einer Mitteilung. Killerzellen haben auf ihrer Oberfläche aktivierende Rezeptoren wie den NKG2C-Rezeptor. Dieser kann mit infizierten Zellen über deren spezifische Oberflächenstrukturen (HLA-E) kommunizieren. Die Interaktion führt zur Zerstörung virusinfizierter Zellen. Etwa vier Prozent der Bevölkerung fehlt allerdings aufgrund einer Gen-Variation der aktivierende NKG2C-Rezeptor, bei etwa 30 Prozent ist dieser Rezeptor nur teilweise vorhanden. Betroffene entwickelten in einer Studie besonders schwere COVID-19-Verläufe, so die Forscher (Genetics in Medicine 2021; online 26. Januar).

Update vom 22. Februar

Die britische Corona-App soll von Oktober bis Dezember 2020 etwa 200.000 bis 900.000 SARS-CoV-2-Infektionen verhindert haben. Die große Spannweite der Zahl ist bedingt durch unterschiedliche Berechnungsmethoden und eingepreiste Unsicherheiten in den Modellierungen. Das berichten Forscher von der Universität Oxford und anderen Institutionen aus dem Vereinigten Königreich (UK) in einer noch nicht wissenschaftlich begutachteten Preprint-Studie im Internet. Ermittelt wurde, wie viele durch die App gewarnte Nutzer später tatsächlich positiv auf das Virus getestet wurden. Diese „secondary attack rate“ schätzen die Forscher auf fast sechs Prozent. Ein solcher Anteil an Infektionen bei den anhand der App ermittelten Kontaktpersonen ist dabei ähnlich hoch wie der der Anteil Infizierter, die durch manuelle Kontaktverfolgung zu bestimmten Zeitpunkten in UK ermittelt worden waren. Die britische App unterscheidet sich deutlich von der deutschen, berichtet das „Science Media Center“: Sie verfügt über eine Cluster-Erkennung. Man kann damit etwa in ein Restaurant bei einem Besuch einchecken und wird gewarnt, falls sich im Nachhinein herausstellt, dass dort gleichzeitig ein Infizierter anwesend war. Nutzer der britischen App müssen zudem den ersten Teil ihrer Postleitzahl angeben, was detaillierte Analysen zulässt (PrePrint-Server GitHub 2021; online 9. Februar).

Update vom 21. Februar

Mindestens zwölf Wochen Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfdosis haben bei der AstraZeneca-Vakzine den Entwicklern zufolge positive Auswirkungen auf deren Wirksamkeit. Am Freitag wurden dazu Ergebnisse jüngster klinischer Studien mit mehr als 17.000 Probanden in Großbritannien, Südafrika und Brasilien publiziert, aus denen Auszüge zuvor bereits online veröffentlicht worden waren „The Lancet“ (2021; online 19. Februar). Bei einem Abstand von mindestens zwölf Wochen zwischen erster und zweiter Dosis hatte der Impfstoff demnach eine Wirksamkeit von 81 Prozent. Diese lag lediglich bei 55 Prozent, wenn zwischen beiden Dosen nur bis zu sechs Wochen lagen. In Deutschland empfiehlt die STIKO bislang, bei Impfung mit der AstraZeneca-Vakzine die zweite Dosis neun bis zwölf Wochen nach der ersten zu verabreichen.

Eine Studie in Israel bescheinigt dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff gegen Corona eine hohe Wirksamkeit bereits nach der ersten Impfung. Wie das Scheba-Krankenhaus nahe Tel Aviv mitteilte, gab es unter 7214 Klinikmitarbeitern 15 bis 28 Tage nach der ersten Dosis 85 Prozent weniger symptomatische Infektionen. Die Zahl aller Infektionen, also auch der asymptomatischen, ging um 75 Prozent zurück (The Lancet 2021; online 18. Februar).

Update vom 19. Februar

Im Pandemiejahr 2020 haben deutsche Kliniken deutlich weniger Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen gemeldet als in den Vorjahren, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Von den meldepflichtigen Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) wurden nur knapp 68 Prozent der zu erwartenden Fälle registriert, bei Clostridium difficile waren es 74 Prozent und bei Acinetobacter spp. (CRA) und Enterobacterales (CRE) mit Carbapenemase-Determinante oder verminderter Empfindlichkeit nur 69 beziehungsweise 65 Prozent. Als mögliche Ursachen rückläufiger Meldungen werden reduzierte Patientenzahlen in Kliniken und im Vergleich weniger Operationen vermutet. Ebenso könnten sich die wegen COVID-19 intensivierten Hygienemaßnahmen günstig ausgewirkt haben. Das RKI will aber auch einen banalen Grund nicht ausschließen: Dass Personal könnte wegen hoher Arbeitsbelastung einfach weniger weitergemeldet haben (Epid Bull 7/2021, online 18. Februar).

Mit einem speziellen Nasenspray lassen sich SARS-CoV-2-Infektionen im Tiermodell offenbar verhindern, berichtet ein internationales Team mit Forschern des Erasmus Medical Center in Rotterdam. Sie haben spezifische Lipopeptide entwickelt, die das Andocken des Virus mit dem Spike-Protein an Wirtszellen unterbinden können. Diese sogenannten Fusions-Inhibitoren blockieren damit den ersten kritischen Schritt der Infektion. Experimente im Tiermodell waren sehr erfolgreich: Die Substanzen wurden Frettchen einmal täglich als Nasenspray appliziert und die behandelten Tiere mit SARS-CoV-2-infizierten Tieren zusammengebracht. Keins der behandelten Tiere infizierte sich dabei im Vergleich zu 100 Prozent von Kontrolltieren ohne Behandlung. Die Forscher halten die Fusions-Inhibitoren für geeignet, um für den Gebrauch bei Menschen weiterentwickelt zu werden (Science 2021; online 17. Februar).

Update vom 18. Februar

Die Corona-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna haben beide nach In-vitro-Tests etwas reduzierte Wirksamkeiten gegen die Südafrika-Variante (B.1.351). Inwieweit das den Impfschutz beeinträchtigt, ist aber unklar. Gegen die britische Variante B.1.1.7 ist die Wirksamkeit der Impfstoffe offenbar nicht verringert. Entsprechende vorläufige Studiendaten wurden jetzt im „New England Journal of Medicine“ publiziert. Die Wirksamkeit neutralisierender Antikörper nach Comirnaty®-Impfung wurde anhand mehrerer künstlich hergestellter rekombinanter SARS-CoV-2-Pseudoviren überprüft. Diesen waren jeweils spezifische mutierte Gene aus den beiden Virusvarianten eingesetzt worden. Neutralisierende Antikörper aus Plasma von Geimpften waren dabei nur gegen ein spezielles Pseudovirus mit einer spezifischen Mutation des B.1.351-Spike-Gens schwächer wirksam (NEJM 2021; online 17. Februar). Ähnliche Ergebnisse brachten entsprechende Versuche mit der Moderna-Vakzine (NEJM 2021; online 17. Februar). Der tatsächliche Schutz gegen die B.1.351-Variante durch Impfung müsste bei beiden Vakzinen also weiter untersucht werden. Deutlich wird auch, wie wichtig es ist, die zirkulierenden Viren auf Mutanten zu screenen.

Therapien mit hochdosiertem Vitamin D3 helfen stationär behandelten Patienten mit moderater bis schwerer COVID-19 nicht. Das berichten Ärzte aus Sao Paulo in Brasilien. Sie haben in einer randomisierten kontrollierten Studie 240 Betroffene mit einer Einmaldosis von Vitamin D3 (200.000 IU) oder Placebo behandelt. Weder bei der Dauer des Klinikaufenthalts (primärer Endpunkt) noch bei den Zahlen von Gestorbenen, Verlegungen auf die Intensivstation oder der Notwendigkeit mechanischer Beatmung gab es statistisch signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Die Daten unterstützen die Behandlung von moderat bis schwer betroffenen COVID-19-Patienten mit Vitamin D3 nicht, so das Fazit der Forscher (JAMA 2021; online 17. Februar)

Update vom 17. Februar

In den USA steigt die Zahl der Kinder mit dem „Multisysteme Inflammatory Syndrome“ (MIS-C) infolge einer SARS-CoV-2-Infektion. Wie die US-Centers für Disease Control (CDC) auf ihrer Website berichten, wurden die ersten 1000 Betroffenen bis zum 1. Oktober gezählt, bis zum 8. Februar hat sich die Zahl auf 2060 erhöht. Dabei hat es auch 30 Todesfälle gegeben. Das MIC-S ähnelt einem Kawasaki-Syndrom. Die Krankheit ist zwar immer noch sehr selten, verläuft aber zunehmend schwer. Etwa 80 Prozent der Betroffenen müssen in den USA inzwischen intensivmedizinisch behandelt werden. Die Kinder sind schwer krank mit Fieber und erhöhten Entzündungsmarkern (erhöhtes CRP, BSG, Fibrinogen, Procalcitonin, D-Dimer, Ferritin, LDH und/oder IL-6, Neutrophilie, reduzierte Lymphozytenzahl und niedriges Albumin). Typisch ist Multiorganbeteiligung (mindestens zwei Organe), wobei Herz, Nieren, Lunge, Blutbildung, Gastrointestinaltrakt, Haut und ZNS beteiligt sein können. Betroffen sind vor allem 1- bis 14-Jährige, vor allem Kinder mit latein- oder afroamerikanischen Hintergrund.

Update vom 16. Februar

Zink- und Vitamin-C-Supplemente reduzieren die Progression und Dauer von COVID-19-Symptome nicht. Das berichten Forscher der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio. An ihrer randomisierten „open-label“-Studie nahmen 214 Erwachsene (Alter im Schnitt 45 Jahre) teil. Alle hatten eine laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektion und wurden ambulant versorgt. Die Forscher teilten sie nach dem Zufallsprinzip in vier Gruppen auf: Zusätzlich zur Standardversorgung bekamen sie täglich über zehn Tage entweder Zinkglukonat (50 mg), Ascorbinsäure (8000 mg), beides oder keines von beidem. Primärer Endpunkt war die mittlere Zahl an Tagen bis zur 50-prozentigen Reduktion der Symptome wie Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Fatigue. Ergebnis: Zwischen den Gruppen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede: 6,7 Tage (Standardabweichung 4,4 Tage) waren es in der Kontrollgruppe, unter Vitamin C 5,5 Tage (3,7), unter Zink 5,9 Tage (4,9) und unter Vitamin C plus Zink 5,5 (3,4) Tage . Auch die Symptomschwere an Tag 5, Hospitalisierungen und Todesfällen unterschieden sich nicht (JAMA Netw Open 2021, online 12. Februar).

Schulen könnten bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 keine besonders Rolle spielen, berichten Forscher der University of Warwick in England. Sie haben von September bis Dezember landesweit Fehltage aufgrund von COVID-19 bei Schülern und Lehrern untersucht. Nach vorläufigen und nicht begutachteten Daten (sie wurden bisher lediglich in einer Pressemeldung der Universität vorgestellt) gab es folgende Ergebnisse: Fehltage in Schulen deckten sich mit den Infektionsraten in umgebenden Gemeinden. Es habe jedoch keine Hinweise gegeben, dass Schulen das Infektionsgeschehen wesentlich beeinflussten. Grundschulen waren weniger stark betroffen als weiterführende Schulen. Im Dezember nahmen im Südwesten Englands und im Großraum London die Erkrankungszahlen in weiterführenden Schulen deutlich zu. Dies könnte durch die besonders kontagiöse britische Virusvariante bedingt sein. „Es sieht so aus, dass Infektionen eher von außen in die Schulen getragen wurden und nicht umgekehrt“, kommentiert die Epidemiologin Professor Sarah Lewis von der University of Bristol die Studie in einem Beitrag der BBC.

Update vom 15. Februar

Real-World-Daten aus Israel bestätigen die hohe Wirksamkeit des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs. So sind in dem Land von 523.000 komplett geimpften Menschen bisher nur 544 (0,1 Prozent) an COVID-19 erkrankt. Von diesen wurden 15 stationär behandelt: darunter acht mit milden, drei mit moderaten und nur vier mit schweren Verläufen. Todesfälle gab es überhaupt keine. Diese Daten des israelischen Krankenversicherers Maccabi hat die „Times of Israel“ vorgestellt. Ein Vergleich der bisher größten Kohorte zu Comirnaty® mit einer ungeimpften Kontrollgruppe („divers“ zusammengestellt!) ergab eine Wirksamkeit von 93 Prozent. Aktuell wird in Israel über einen grünen Pass für Geimpfte und Rekonvaleszenten beraten. Dieser soll Inhabern nach Kontakt mit Infizierten die Quarantäne ersparen. Es wird zudem an einem System gearbeitet, das Geimpften exklusiv Zugang geben soll, etwa zu (Groß)-veranstaltungen, Restaurants, Sporthallen oder Einkaufszentren.

Studiendaten deuten auf eine deutliche Unterversorgung schwerkranker Kinder im Coronajahr 2020 in den USA hin. Verglichen wurden Zahlen von stationären Behandlungen von Januar bis Juni mit dem Durchschnitt im gleichen Zeitraum der zehn Jahre zuvor, berichten Intensivmediziner vom Children’s Hospital of Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania. Danach gab es in dem Land bis zu 45 Prozent (Zahlen von April) weniger stationäre Therapien bei Kindern, was mit einem Rückgang der Umsätze von 28 Prozent verbunden war. Die Rückgänge betrafen praktisch alle Diagnosen (Ausnahme Geburt) von Asthma, Atriumseptumdefekt, Bronchiolitis, diabetische Ketoazidose, Kawasaki-Syndrom, psychischen Leiden bis zu Traumata. Für die Analyse haben die Forscher Daten von 5,5 Millionen stationären Aufenthalten von Kindern (Altersschnitt: 5,1 Jahre) in 49 Kliniken analysiert (JAMA Network Open. 2021; online 12. Februar).

Update vom 14. Februar

Die Grenzschließungen in Europa Mitte März 2020 könnten unnütz gewesen sein. Darauf deutet ein phylodynamisches Modell Zürcher Forscher, die anhand von SARS-CoV-2-Genomen die Ausbreitung in Europa untersucht hatten. Bereits am 8. März 2020 hat es danach in Europa etwa genauso viele lokale Übertragungen gegeben wie durch Reisende aus dem Ausland eingeschleppt wurden. „Wenn man die Grenzen mit dem Ziel geschlossen hat, das Virus nicht reinzulassen: Dafür war es zu spät“, sagte die Erstautorin, die Mathematikerin und Biostatistikerin Professor Tanja Stadler der Deutschen Presse-Agentur (PNAS 2021; 118 (9): e2012008118).

Update vom 12. Februar

Bei Rekonvaleszenten, die nach ihrer Genesung mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine geimpft wurden, wird offenbar bereits nach einer Dosis eine sehr hohe Immunantwort erreicht. Das belegen Real-World-Daten aus Israel. Dabei ist es den Ergebnissen zufolge unerheblich, ob die Rekonvaleszenten nach der SARS-CoV-2-Infektion Antikörper gebildet hatten oder nicht. Die Ergebnisse könnten die Diskussion befeuern, ob bei Personen, die eine COVID-19-Erkrankung bereits durchgemacht haben, eine einmalige Impfdosis ausreicht, schreiben die Forscher. Insgesamt hatte das Team die Daten von mehr als 500 Mitarbeitern des israelischen Krankenhauses Ziv Medical Center analysiert (Eurosurveillance 2021; online 11. Februar).

Werden partikelfilternde FFP2-, N95 oder KN95-Masken nicht korrekt getragen, schützen sie nicht besser als Stoffmasken vor einer Infektion mit SARS-CoV-2. Das korrekte Tragen mit einer dicht ansitzenden Maske sei daher mindestens genauso wichtig wie das Material, um eine Schutzwirkung zu gewährleisten, so das Fazit einer kleinen Studie der Universität Cambridge mit sieben Teilnehmern. In der Studie wurde das Tragen von N95- und KN95-Masken sowie Op- und Stoffmasken untersucht. Die N95-Masken boten zwar einen besseren Schutz als die übrigen Masken – aber nur, wenn sie den Probanden richtig passten (PloS ONE 2021; online 22. Januar).

Update vom 11. Februar

Eine Testmethode, die auf der CRISPR-Technik basiert, kann asymptomatische Infizierte verlässlich detektieren. Der sogenannte CREST-Test wurde an 1808 College-Studenten evaluiert. Zwischen Juni und Juli 2020 wurden neun Personen per Nasen-Rachen-Abstrich und PCR-Test, dem „Goldstandard“ für die Diagnostik einer SARS-CoV-2-Infektion, positiv getestet. Keiner der neun Studenten zeigte Symptome. Acht von diesen neun Studenten wurden ebenfalls durch den CREST-Test detektiert, der sich damit als ähnlich verlässlich wie der PCR-Test erwiesen hat. Der CREST-Test könne damit eine alternative Methode zur Überwachung von SARS-CoV-2 sein, schreiben die Forscher (JAMA Netw Open, online 11. Februar).

Was macht einen Infizierten zum SARS-CoV-2-Superspreader? Einer Beobachtungsstudie zufolge könnten drei Faktoren dazu beitragen, dass Personen besonders viele Aerosolpartikel beim Sprechen oder Atmen ausstoßen: Alter, BMI und der COVID-19-Status. Dabei können auch asymptomatische Infizierte Superspreader sein, wie die Forscher betonen. Das Team hatte 194 SARS-CoV-2-Infizierte untersucht und analysiert, wie viele Aerosolpartikel sie ausstoßen. 18 Prozent von ihnen waren für 80 Prozent aller ausgestoßenen Aerosolpartikel verantwortlich, diese wurden als „Superspreader“ kategorisiert. Bei 146 Studienteilnehmern lagen Daten zu BMI, Alter, Geschlecht und COVID-19-Status vor. Bei der Analyse stellte sich heraus, dass die oben genannten drei Faktoren mit der Einordnung als Superspreader assoziiert waren (PNAS 2021; online 9. Februar).

Erhöhte Exzess-Mortalität bei Diabetikern in mittleren Jahren: Das Corona-Sterberisiko von an COVID-19 erkrankten Typ-2-Diabetikern in mittleren Jahren ist verglichen mit Gleichaltrigen ohne Diabetes besonders stark erhöht. Das hat die Analyse von Millionen Corona-Patientendaten aus Kliniken und Praxen ergeben, berichtet ein Team unter Beteiligung der University of Exeter im Nachrichtendienst „EurekAlert“. Zwei Beispiele:

  • Ein 50-jähriger mit Typ-2 Diabetes hat danach ein COVID-19-Sterberisiko wie ein 66-Jähriger ohne Diabetes (16 Jahre Unterschied).
  • Ein 70-Jähriger mit Typ-2-Diabetes hat ein COVID-19-Sterberisiko wie ein 78-Jähriger ohne (nur 8 Jahre Unterschied).

Das Corona-Risiko im mittleren Alter ist gering, so die Forscher. Die Befunde bei Diabetes seien daher wichtig zur Impfpriorisierung. Die von „Diabetes UK“ geförderte Studie soll in „Diabetologia“ erscheinen.

Update vom 10. Februar

„Querdenker“-Demos im November mit Zehntausenden Teilnehmern in Berlin und Leipzig haben offenbar die Verbreitung von SARS-CoV-2 stark begünstigt. Das hat eine Studie des ZEW Mannheim und der Humboldt-Universität zu Berlin ergeben. Untersucht wurde das Infektionsgeschehen in Landkreisen, aus denen die Demonstranten angereist waren. Dabei nutzen die Forscher Daten eines Netzwerks von Busunternehmen, das sich seit Sommer 2020 auf die Beförderung von „Querdenker“-Demonstranten spezialisiert hat („Honk for Hope“). Ergebnis: Die Sieben-Tages-Inzidenz war nach den Demos bis Weihnachten in den Landkreisen mit „Honk for Hope“-Haltestellen um 35,9 Prozent stärker angestiegen als in Landkreisen ohne solche Angebote. Die Wissenschaftler schätzen, dass in dieser Zeit 16.000 bis 21.000 Infektionen hätten verhindert werden können, wenn die beiden Kundgebungen abgesagt worden wären (Publikation des ZEW Mannheim und der Humboldt-Universität zu Berlin, online 8. Februar).

Demenzkranke haben ein doppelt so hohes Risiko, an COVID-19 zu erkranken wie Menschen ohne Demenz. Dies gilt selbst dann, wenn sämtliche Faktoren wie höheres Alter, die Unterbringung in einem Pflegeheim oder Vorerkrankungen berücksichtigt werden, so eine Studie der Case Western Reserve University in Cleveland im US-Staat Ohio. Zudem ist bei Demenzpatienten das Risiko für Hospitalisierung und Tod deutlich höher als bei Menschen ohne Demenz. In der Studie wurden die Daten von insgesamt fast 62 Millionen US-Amerikanern analysiert. Generell sei es für Demenzpatienten schwierig, sich an Hygiene- und Abstandsregeln zu halten, schreiben die Studienautoren. Möglicherweise könne aber auch eine geschädigte Blut-Hirn-Schranke dazu führen, dass sich Bakterien und Viren wie SARS-CoV-2 schneller im Körper der Patienten ausbreiten (Alzheimer & Dementia 2021; online 9. Februar).

Update vom 9. Februar

Immunschwäche begünstigt Mutationen von SARS-CoV-2, weil die Viren nicht komplett eliminiert werden und lange im Körper persistieren können. Das legt der Fallbericht eines Mannes nahe, der an einem Lymphom erkrankt und bereits mit mehreren Chemotherapien behandelt worden war. Im Sommer 2020 wurde er wegen COVID-19 in eine Klinik eingeliefert und erhielt zunächst eine Therapie mit Remdesivir (zweimal über jeweils zehn Tage) und, nachdem die Behandlung nicht anschlug, im Anschluss zweimalig Rekonvaleszenzplasma. Der Patient starb nach mehr als drei Monaten in der Klinik. Über den Krankheitsverlauf hinweg wurden 23 Nasen-Rachen-Abstriche genommen, die Genome der isolierten Viren wurden sequenziert. Dies ergab eine deutliche Anhäufung von Mutationen über den Verlauf von COVID-19, besonders viele Genveränderungen zeigten sich nach der Gabe des Rekonvaleszenzplasmas. Dabei vermehrte sich im Körper des Patienten besonders eine Virusvariante mit einer Veränderung im Gen für das Spike-Protein, die es dem Virus vermutlich ermöglichte, den Antikörpern zu entgehen. Eine weitere Mutation könnte zudem für eine höhere Infektiosität der Variante verantwortlich sein, wie die Forscher vermuten (Nature 2021, online 5. Februar).

Genetische Faktoren könnten Menschen mit Trisomie 21 anfälliger für COVID-19 machen. Forscher haben festgestellt, dass das Enzym TMPRSS2, das für den Eintritt von SARS-CoV-2 in die Zielzelle ein wichtiger Co-Faktor ist, bei Menschen mit Trisomie 21 ein 60 Prozent höheres Expressionslevel hat. Der Grund dafür: Das Gen für TMPRSS2 liegt auf Chromosom 21. Außerdem wird das Zytokin CXCL10, das einen Zytokinsturm triggern kann, bei Menschen mit Down-Syndrom in deutlicher höherer Konzentration gebildet. Vor Kurzem hatte eine Studie ergeben, dass Menschen mit Down-Syndrom ein zehnfach höheres Risiko haben, an COVID-19 zu sterben als Menschen ohne Down-Syndrom (wir berichteten im Corona-Splitter vom 22. Oktober) (Sci Rep 2021; online 21. Januar).

Update vom 8. Februar

Erleiden COVID-19-Patienten einen Herzstillstand, ist ihr Risiko, daran zu sterben, deutlich höher als bei Herz-Patienten ohne COVID-19. Das gilt dabei sowohl für Patienten, die den Herzstillstand außerhalb einer Klinik bekommen (hier ist das Risiko 3,4-mal so hoch wie bei Patienten ohne COVID-19), als auch für Patienten, die innerhalb einer Klinik versorgt werden (2,3-mal so hohes Risiko). Für die Studie hatten Wissenschaftler der Universität Göteborg Daten von 3000 Patienten des schwedischen Registry for Cardiopulmonary Resuscitation analysiert. Die Daten stammten aus dem ersten Halbjahr 2020 (Eur Heart Journal; online 5. Februar).

Bei COVID-19-Patienten mit ARDS könnte eine initiale nichtinvasive Beatmung Vorteile bringen, zumindest scheint sie nicht zu schaden. Bei Lungenversagen wird eigentlich eine mechanische Beatmung empfohlen. Bei COVID-19-Patienten scheint dies jedoch anders zu sein, berichten Notfallmediziner der Downstate University in Brooklyn. Einer retrospektiven Analyse zufolge hat eine – zunächst favorisierte – nichtinvasive Beatmung (NIV) bei ARDS-Patienten mit COVID-19 keine negativen Konsequenzen im Vergleich zu einer sofortigen mechanischen Beatmung. Benötigen die Patienten später dennoch eine Intubation, ist ihre Mortalität nicht erhöht. Und: Wurden alle NIV-Patienten mit solchen ohne NIV verglichen, war die Sterberate mit NIV um etwa zwei Drittel geringer als bei Patienten mit sofortiger Intubation. Allerdings: Wer lediglich eine NIV benötigt, hat vermutlich generell eine bessere Prognose. Trotzdem spricht vieles dafür, auch bei ARDS-Patienten ohne Atemnot zunächst eine NIV zu versuchen, um eine Intubation zu vermeiden und Atemgeräte für die besonders schweren Fälle zu reservieren (Am J Emerg Med 2021; online 29. Januar).

Update vom 5. Februar

Wöchentliche Testung der Bevölkerung mit Antigen-Schnelltests und eine 14-tägige Quarantäne bei positivem Testergebnis ist die kosteneffektivste Strategie, um in Regionen mit hohen Infektionszahlen die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern – zumindest so lange, bis flächendeckend COVID-19-Impfstoffe oder antivirale Medikamente zur Verfügung stehen. Bei geringer bis moderater Transmissionsrate ist die wirtschaftlichste Strategie eine monatliche Testung sowie eine einwöchige Quarantäne bei positivem Testnachweis, schreibt ein Team der Universität von Texas. „Mit Massentestungen werden infizierte Personen am schnellsten identifiziert und isoliert“, betonen die Autoren. Dies sei auch im Bezug auf die Kosten am effektivsten. Während zu Beginn der Pandemie SARS-CoV-2-Tests relativ teuer waren und längere Zeit benötigten, um ein Ergebnis zu liefern, gebe es mittlerweile günstige Schnelltests, die in nur wenigen Minuten ein Testergebnis lieferten. Insgesamt hatten die Wissenschaftler acht Strategien für den Umgang mit SARS-CoV-2 per mathematischem Algorithmus auf ihre Kosten (Tests, Klinikeinweisungen, Arbeits-und Gehaltsausfall, verlorene Lebensjahre/YLL) für die USA hin analysiert (Lancet Public Health, online 5. Februar).

Update vom 4. Februar

Der Impfstoff von AstraZeneca ist offenbar wirksamer, wenn die zweite Dosis zwölf statt sechs Wochen nach der ersten verabreicht wird. Außerdem gibt es Hinweise, dass eine Transmission von SARS-CoV-2 bei Geimpften weniger wahrscheinlich ist. Das sind vorab veröffentlichte Ergebnisse einer Phase-III-Studie der Universität Oxford. Demnach liegt die Schutzwirkung der Vakzine nach der ersten Impfung bei 76 Prozent, und zwar ab Tag 22 nach erster Injektion. Die Schutzwirkung lasse bis Tag 90 nach Erstimpfung nicht nach. Bei Verabreichung einer zweiten Dosis höchstens sechs Wochen nach der ersten Dosis betrage die Schutzwirkung 55 Prozent. Werde die zweite Dosis allerdings nach zwölf oder mehr Wochen verabreicht, liege die Schutzwirkung mit 82 Prozent höher, schreiben die Wissenschaftler. Einschränkend gilt zu bemerken, dass der Großteil der Studienteilnehmer (83 Prozent ohne und 86 Prozent mit Booster-Injektion) zwischen 18 und 55 Jahren alt war, lediglich zwölf beziehungsweise neun Prozent waren zwischen 56 und 69 Jahre alt, und sechs beziehungsweise fünf Prozent waren älter als 70 Jahre. Des Weiteren gibt es den Ergebnissen zufolge Hinweise auf ein reduziertes Risiko einer Virustransmission bei Geimpften: Die Forscher geben zwar keine Daten zu Virustransmissionen an, jedoch einen Surrogatparameter in Form positiv PCR-getesteter Abstriche von Geimpften. Demnach fielen nach der ersten Impfdosis 67 Prozent weniger PCR-Ergebnisse positiv aus als vor der Impfung. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass die Vakzine das Potenzial habe, das Risiko einer Virustransmission zu verringern. Allerdings könnten auch andere immunologische Mechanismen involviert sein, die noch nicht ausreichend verstanden werden (Preprint The Lancet 2021; online 2. Februar).

Auf eine bekannte SARS-CoV-2-Infektion kommen vermutlich etwa 1,3 bisher unbekannte Infektionen. Das ist das Ergebnis zweier Studien der Uniklinik und der Universität Düsseldorf. Insgesamt wurden für die beiden Studien 2700 Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie Beschäftigte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes untersucht. Im Ergebnis gab es in den beiden untersuchten Gruppen bei jeweils 3,1 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent der Teilnehmer Antikörper gegen SARS-CoV-2; diese Teilnehmer hatten also eine Infektion durchgemacht. Davon wussten jedoch nur 43 beziehungsweise 41 Prozent der Infizierten. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass in den untersuchten Gruppen die sogenannte Dunkelziffer der unbekannten Infektionen das 1,3- beziehungsweise 1,4-Fache der bekannten Infektionen beträgt (Studie der Uniklinik und der Universität Düsseldorf; online 3. Februar).

Update vom 3. Februar

Seit Beginn der Pandemie hat die Mortalität von COVID-19-Patienten auf Intensivstationen zunächst deutlich abgenommen. Lag sie zum Höhepunkt der ersten Pandemiewelle Ende März 2020 bei etwa 60 Prozent, betrug die Mortalität Ende Mai 2020 41,6 Prozent. Mittlerweile ist die Sterberate weiter zurückgegangen, allerdings langsamer und könnte sich einem Plateau annähern. Ende Oktober 2020 lag sie bei 35,5 Prozent, wie britische Forscher berichten. Für ihre Metaanalyse hatte das Team die Daten von 52 Studien aus der ganzen Welt mit über 43.000 COVID-19-Patienten analysiert, darunter auch eine deutsche Studie mit einer großen Patientenkohorte. Aktuell liege die Mortalität von COVID-19-Patienten in den meisten Regionen zwischen 30 und 40 Prozent, zum Teil gebe es aber deutliche Unterschiede: So lag etwa in Ozeanien die Mortalität bei 10,6 Prozent, im mittleren Osten und Nordafrika dagegen bei 61,9 Prozent. Die niedrigen Zahlen in Ozeanien beruhen allerdings auf lediglich einer Studie. In der deutschen Publikation mit Daten von rund 19.000 Patienten betrug die Mortalität 23,1 Prozent. Generell sind länderübergreifende Vergleiche nicht unproblematisch, da sich zum einen die Ausstattung der Intensivstationen als auch die Kriterien für die Aufnahme unterscheiden können (Anaesthesia 2021; online 1. Februar).

Update vom 2. Februar

Beim Impfstoff AZD1222 des Herstellers AstraZeneca stellt ein Medienbericht die Aussagekraft der Zulassungsstudien im Bezug auf die Sicherheit der Vakzine infrage. Einige der potenziellen Nebenwirkungen seien durch die Gabe von Paracetamol vor Injektion des Impfstoffs von vornherein gedämpft worden. Deshalb stehe das Vakzin in der Rubrik „Nebenwirkungen“ auf dem Papier der Studien so gut da. Ein genauerer Blick in die in dem Bericht angegebene Quelle (Epid Bull 2/2020) zeigt aber, dass nur ein sehr kleiner Teil der Impflinge prophylaktisch Paracetamol erhalten hat (56 Personen in der Verum-, 57 in der Placebogruppe).

Der russische Impfstoffkandidat „Gam-COVID-Vac“ (Sputnik V) hat vorläufigen Phase-III-Daten zufolge eine Schutzwirkung von 91,6 Prozent vor symptomatischer COVID-19. Insgesamt nahmen fast 20.000 Personen über 18 Jahre an der Studie teil. 14.964 erhielten den vektorbasierten Impfstoff in zweimaliger Dosierung im Abstand von 21 Tagen, 4902 eine zweimalige Placebo-Impfung. In der Gruppe der Vakzinierten wurde ab Tag 21 nach erster Immunisierung bei 0,1 Prozent eine symptomatische COVID-19 festgestellt, in der Gruppe der mit Placebo Geimpften bei 1,3 Prozent. Dies entspricht einer Schutzwirkung von 91,6 Prozent. Auch in einer Subgruppenanalyse mit rund 2000 Über-60-Jährigen habe sich eine ähnliche Schutzwirkung ergeben, berichten die Wissenschaftler vom Nationalen Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie, das an das russische Gesundheitsministerium angegliedert ist. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren mild (Grad I, bei 94 Prozent). 0,3 Prozent in der Impf- und 0,4 Prozent in der Placebogruppe berichteten von schweren unerwünschten Wirkungen, ein Zusammenhang mit der Impfung wurde in keinem Fall festgestellt (Lancet 2021; online 2. Februar).

Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind einer Studie zufolge plazentagängig und können bei infizierten Müttern zu einer passiven Immunisierung des Ungeborenen führen. Wissenschaftler des Childrens‘ Hospital of Philadelphia haben Blutproben von 1471 Müttern, die an ihrer Klinik in der ersten Pandemiewelle zur Entbindung aufgenommen wurden, untersucht. Von den Müttern lagen zudem Proben des Nabelschnurbluts des Kindes vor. Bei 83 Müttern detektierten die Ärzte SARS-CoV-2-spezifische IgG-Antikörper – und auch 72 Neugeborene (87 Prozent) dieser Mütter waren seropositiv. Der Antikörpertiter bei den Neugeborenen lag umso höher, je früher im Schwangerschaftsverlauf sich die Mutter infiziert hatte und je höher ihr eigener Antikörpertiter war. Bei den elf Neugeborenen, bei denen keine Antikörper nachgewiesen werden konnten, hatten auch die Mütter keine oder nur eine sehr geringe Menge an IgG-Antikörpern im Blut. Keinen Einfluss hatte offenbar, ob die Erkrankung der Mutter symptomatisch oder asymptomatisch verlief (JAMA Pediatrics 2021; online 29. Januar).

Update vom 1. Februar

Eine frühe therapeutische Antikoagulation verbessert die Überlebenschancen bei schwerer COVID-19 wohl nicht. Ärzte von der Havard Medical School in Boston bewerteten in einer Studie mit mehr als 3200 schwerkranken COVID-19-Patienten die Inzidenz venöser Thromboembolien (VTE) und schwerer Blutungen innerhalb von 14 Tagen nach Aufnahme auf der Intensivstation. Dabei untersuchten sie den Effekt einer frühen, innerhalb der ersten zwei Tage initiierten therapeutischen Antikoagulation auf die Überlebensrate. Insgesamt erhielten zwölf Prozent der Patienten eine solche Behandlung. Ergebnis: Die Patienten hatten während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 27 Tagen ein ähnliches Sterberisiko wie diejenigen ohne die Behandlung (Ann Intern Med 2021; online 26. Januar). (sj)

Autoantikörper könnten eine Erklärung für Long-COVID-Symptome sein. In einer kleinen, noch nicht publizierten Studie haben Wissenschaftler die Konzentration von 18 verschiedenen IgG-Autoantikörpern im Blut von COVID-19-Rekonvaleszenten untersucht. Die Infektion mit SARS-CoV-2 lag bis zu sieben Monate zurück. Bei allen fünf Rekonvaleszenten, die weiterhin unter Symptomen litten, stellten die Wissenschaftler Autoantikörper fest, außerdem bei zwei von vier Rekonvaleszenten ohne andauernde Symptome. Antikörper, deren Konzentration in der Rekonvaleszenten-Gruppe deutlich erhöht waren, waren Anti-Beta-2-Glykoprotein, Anti-Proteinase 3-ANCA, Anti-Mi-2 und Anti-PM/Scl-100. Diese seien etwa mit Symptomen wie Myopathie und Vaskulitis assoziiert, die auch bei COVID-19 häufig seien, so die Forscher (PrePrint, MedRxiv 2021; online 25. Januar).

Update vom 29. Januar

Weitere Vakzine wohl wirksam gegen Virusvariante: Der Vakzin-Kandidat NVX-CoV2373 des Unternehmens Novavax hat in einer Phase-III-Studie eine Wirksamkeit von 89 Prozent gegen COVID-19 demonstriert. Das teilt der Hersteller mit. An der Studie nahmen nach Herstellerangaben mehr als 15.000 Probanden im Alter von 18 bis 84 Jahren teil, wobei 27 Prozent älter als 65 Jahre waren. In der Placebo-Gruppe infizierten sich 56 Patienten, in der Verum-Gruppe sechs – das Besondere: Mehr als die Hälfte der PCR-bestätigten Infektionen sind auf die neu entdeckte B.1.1.7-Variante von SARS-CoV-2 zurückzuführen, die zuerst in Großbritannien nachgewiesen wurde, heißt es in der Mitteilung. Berechnungen zufolge soll der Vakzin-Kandidat gegen den herkömmlichen Virus-Stamm zu 96 Prozent, gegen B.1.1.7 zu 86 Prozent schützen. Der Vakzin-Kandidat bleibt nach Herstellerangaben stabil bei einer Lagerung bei zwei bis acht Grad Celsius und wäre damit unkomplizierter einzusetzen als andere Vakzine.

COVID-19 und psychische Erkrankungen: Eine Schizophrenie-Diagnose ist mit einem 2,5-fach erhöhten Sterberisiko bei COVID-19 verbunden, Stimmungs- und Angststörungen dagegen nicht. Das berichten New Yorker Psychiater, die Daten einer New Yorker Kohorte von 7348 konsekutiven Patienten mit laborbestätigter COVID-19-Erkrankung ausgewertet haben. 75 Patienten (ein Prozent) litten an Schizophrenie, 564 (acht Prozent) an Stimmungs- und 360 Patienten (fünf Prozent) an Angststörungen. Nach der Adjustierung auf demografische und medizinische Risikofaktoren ergab sich für Schizophrenie eine signifikante Assoziation mit Mortalität nach COVID-19 (Odds Ratio [OR] 2,67) (JAMA Psychiatry 2021; online 27. Januar).

Update vom 28. Januar

Langzeitfolgen nach COVID-19 sind häufig: Viele Patienten haben einer Studie zufolge auch Monate nach der Krankenhausentlassung noch mit respiratorischen oder psychischen Belastungen zu kämpfen. Ärzte einer Universitätsklinik in Norditalien haben zwischen März und Juni 2020 238 konsekutive, hospitalisierte COVID-19-Patienten untersucht. Sie berichten, dass auch vier Monate nach Klinikentlassung noch mehr als die Hälfte der Patienten eine signifikante Reduktion der Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenstoffmonoxid hatten. Bei 52 Prozent der Patienten (113 Patienten) betrug die Kapazität weniger als 80 Prozent des von COVID-19-Rekonvaleszenten erwartbaren Wertes, bei 16 Prozent (34 Patienten) weniger als 60 Prozent. Außerdem hatten 41 Patienten (17 Prozent) Symptome von posttraumatischem Stress (JAMA Netw Open 2021; online 27. Januar).

Update vom 27. Januar

Die kumulative Zigarettenrauch-Exposition ist ein unabhängiger Risikofaktor für eine Krankenhausaufnahme oder Tod aufgrund von COVID-19. Das berichten Forscher von der Cleveland Clinic in Ohio. Definiert haben die Wissenschaftler die Exposition über Packungsjahre. Bekannt war bisher, dass aktive Raucher ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben. Die Forscher um Katherine Lowe konnten nun eine dosisabhängige Assoziation zwischen der Menge der Packungsjahre und schweren COVID-19-Verläufen ermitteln. Die Forscher hatten dafür Daten von 7102 COVID-19-Patienten ausgewertet. Ergebnis: Patienten, die mehr als 30 Packungsjahre lang geraucht hatten, hatten ein 2,25-fach höheres Risiko einer Krankenhausaufnahme und ein 1,89-fach erhöhtes Risiko, an den Folgen von COVID-19 zu sterben im Vergleich mit Niemals-Rauchern. Die Assoziation sei den Forschern zufolge unabhängig davon, ob die Patienten zum Zeitpunkt der Datenerhebung rauchten oder nicht: Der Effekt der Packungsjahre sei bei ehemaligen oder aktiven Rauchern gleich gewesen (JAMA Intern Med 2021; online 25. Januar).

Update vom 26. Januar

Schutzwirkung gegen SARS-CoV-2 mit Mutationen: Auch gegen die neu aufgetretenen Virusvarianten B.1.1.7 und B.1.351 von SARS-CoV-2, die zum ersten Mal in Großbritannien beziehungsweise Südafrika nachgewiesen wurden, behält die Vakzine des Herstellers Moderna wohl ihre neutralisierende Wirkung. Das teilt das Unternehmen mit und beruft sich dabei auf In-vitro-Neutralisierungsstudien mit Seren von Personen, die mit der Vakzine geimpft wurden. Man gehe aktuell davon aus, dass die zweimalige Impfung in der 100-µg-Dosis vor den bisher entdeckten Virusstämmen schützt, heißt es in der Mitteilung. Es habe keine signifikante Auswirkung auf die neutralisierenden Titer gegen die Variante B.1.1.7 aus Großbritannien gegeben. In Bezug auf die Variante B.1.351 aus Südafrika sei zwar eine sechsfache Reduzierung der neutralisierenden Titer im Vergleich mit früheren Virusvarianten festgestellt worden. Allerdings lägen die Titer weiterhin über den Werten, die als schützend gelten. Eigenen Angaben zufolge hat Moderna aber vorsorglich mit einem klinischen Entwicklungsprogramm zur Steigerung der Immunität gegen die neuen Varianten begonnen.

Orales Colchicin könnte möglicherweise COVID-19-Komplikationen reduzieren. Das berichtet zumindest der Leiter der Studie COLCORONA vorab in einer Mitteilung. Dr. Jean-Claude Tardif von der Universität in Montréal spricht von einer signifikanten Wirkung des Medikaments, das bisher unter anderem bei Gicht und Perikarditis eingesetzt wird: Die Gabe von Colchicin habe Klinikeinweisungen um 25 Prozent verhindert, die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung um 50 Prozent und Todesfälle um 44 Prozent. Es habe das Risiko für Krankenhauseinweisungen oder Tod im Vergleich zu Placebo um 21 Prozent gesenkt. Nähere statistische Angaben oder Informationen zu Nebenwirkungen gibt es bislang nicht. Der Mitteilung zufolge wurden für die noch nicht veröffentlichte Studie fast 4500 Patienten mit einer PCR-bestätigten SARS-CoV-2-Infektion untersucht. Die Teilnehmer waren bei Studieneinschluss nicht stationär aufgenommen, hatten aber mindestens einen Risikofaktor für COVID-19-assoziierte Komplikationen. Erste positive Ergebnisse einer kleinen Studie zu Colchicin gab es bereits im vergangenen Sommer. (vsc)

Update vom 25. Januar

Es gibt weitere Hinweise, dass Kinder nicht die großen Treiber der Pandemie sind. Diese liefert eine Studie aus Baden-Württemberg mit 2482 Paaren aus je einem Kind und einem Elternteil. Die Kinder waren zwischen einem und zehn Jahre alt, die Paare wurden während des ersten Lockdowns zwischen April und Mai 2020 per Nasopharyngealabstrich und ELISA-Test auf eine aktive oder durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion hin untersucht. Ergebnis: Unter den Kind-Eltern-Paaren mit mindestens einem Infizierten kam es 4,3-mal so häufig vor, dass das Elternteil seropositiv war, nicht aber das Kind, als andersherum. Es ist den Studienergebnissen zufolge also wahrscheinlicher, dass sich Kinder bei ihren Eltern infizieren, als umgekehrt (JAMA Pediatr 2021; online 22. Januar).

Update vom 22. Januar

Zahlen der US-Behörde CDC zufolge tritt eine anaphylaktische Reaktion in Zusammenhang mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine nur äußerst selten auf. In den ersten Tagen nach Zulassung von Comirnaty® (Tozinameran, BNT162b2) in den USA, genauer vom 14. bis 23. Dezember 2020, wurden 21 Fälle anaphylaktischer Reaktionen gemeldet, bei insgesamt 1.893.360 verabreichten (ersten) Impfdosen. Das entspricht einer Rate von 11,1 Anaphylaxien pro einer Million verimpfter Dosen. Vier Betroffene mussten hospitalisiert werden, darunter drei, die auf Intensivstation betreut werden mussten. Die übrigen Patienten wurden in der Notaufnahme behandelt. Bis auf eine Person waren zum Zeitpunkt der Meldung alle Geimpften wieder entlassen worden und hatten sich erholt. Im Mittel traten die anaphylaktischen Reaktionen 13 Minuten nach Vakzinierung ein, also zu einem Zeitpunkt, an dem Geimpfte generell noch nachbeobachtet werden sollten. Bei 17 der 21 Patienten (81 Prozent) waren bereits zuvor allergische Reaktionen dokumentiert worden, sieben hatten zuvor eine Anaphylaxie erlitten, darunter je eine Person nach Tollwut- und Influenza-Vakzinierung (JAMA 2021; online 21. Januar).

Von einer Monotherapie mit dem monoklonalen Antikörper Bamlanivimab profitieren mild bis moderat erkrankte COVID-19-Patienten wohl nicht. In Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Etesevimab führt Bamlanivimab im Vergleich mit Placebo aber zu einer signifikanten Verringerung der Viruslast an Tag 11, wie Phase 2/3-Daten der Studie BLAZE-1 mit 577 Patienten ergeben haben. Erst im Oktober des vergangenen Jahres war eine weitere Studie mit Bamlanivimab gestoppt worden, da sich keine positiven Wirkungen bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten ergeben hatten (JAMA Net 2021; online 21. Januar).

Update vom 21. Januar

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff schützt einer bisher noch unveröffentlichten Studie zufolge auch vor der britischen SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7. Die Studienautoren haben SARS-CoV-2-Viren untersucht, die entweder das wildtypische Spike-Protein enthielten oder das der B.1.1.7-Variante. Beide Virusvarianten konnten durch die Antikörper, die in Blutproben von mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff vakzinierten Probanden enthalten waren, neutralisiert werden. Diese Daten machten es unwahrscheinlich, dass der Impfstoff bedeutend an Effektivität gegenüber der B.1.1.7-Linie verliert, schreiben die Autoren. Allerdings haben nur 16 Probanden an der Studie teilgenommen, die zudem vom Hersteller selbst durchgeführt wurde. Die B.1.1.7-Variante ist Träger mehrerer Mutationen. Unter anderem sind in der Gensequenz für das Spike-Protein zehn Aminosäuren verändert (Pre-Print Server BioRxiv 2021; online 19. Januar).

Update vom 20. Januar

In China ist während der COVID-19-Pandemie die Zahl der Kinder mit Myopie um das 1,4- bis 3-fache gestiegen. Forscher vermuten als Ursache die Ausgangsbeschränkungen und Home-Schooling: Dadurch habe sich die Zeit, die die Kinder vor Bildschirmen verbringen, deutlich erhöht. Das Team hatte über 123.000 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren untersucht und die Ergebnisse mit Daten aus den Jahren 2015 bis 2019 verglichen. Den Ergebnissen zufolge scheinen dabei besonders 6- bis 8-Jährige betroffen zu sein: Während die Inzidenz von Myopie 2015 bis 2019 bei den Sechsjährigen höchstens bei 5,7 Prozent lag, lag sie im Jahr 2020 bei 21,5 Prozent. Bei den 7-Jährigen lag die Inzidenz bei 16,2 (maximaler Wert in den Jahren 2015 bis 2019) versus 26,2 Prozent in 2020 und bei den 8-Jährigen bei 27,7 versus 37,2 Prozent. In der Gesamtkohorte der Sechs- bis Achtjährigen habe sich die Dioptrienzahl um -0,3 verändert. „Offenbar scheinen Kinder in dieser Altersgruppe sensibler auf Veränderungen in ihrer Umgebung zu reagieren“, schreiben die Wissenschaftler dazu (JAMA Opthalmology 2021; online 14. Januar).

Update vom 19. Januar

Das Tragen von Alltagsmasken könnte einer Studie zufolge deutlich zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Wie US-Forscher berichten, nimmt die Wahrscheinlichkeit, den R-Wert unter 1 zu halten, um das Dreifache zu, wenn der Anteil der Personen, die Masken tragen, um zehn Prozent steigt. Für die Studie wurden 300.000 Menschen über einen Zeitraum von zwei Monaten regelmäßig zu Maßnahmen der Pandemiebekämpfung befragt – also ob sie Masken tragen oder die Abstandsregeln einhalten. Im Laufe des Zeitraums nahm die Zahl der Maskenträger deutlich zu. Die Angaben wurden anschließend mit den Infektionszahlen am jeweiligen Wohnort der Befragten in Zusammenhang gebracht und mit einem mathematischen Modell analysiert. Kausal könne das Tragen einer Maske zwar nicht mit einem Rückgang der Virustransmission in Zusammenhang gebracht werden, da es beispielsweise auch sein könne, dass Menschen, die eine Maske tragen, sich generell besser an Hygieneregeln halten, bemerken die Autoren. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass Alltagsmasken eine wichtige Maßnahme seien, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzuschränken (Lancet Digital Health 2021; online 19. Januar).

Update vom 18. Januar

Eine Speichelprobe könnte zum Nachweis von SARS-CoV-2 via PCR genauso gut geeignet sein wie ein Nasen-Rachen-Abstrich. Das berichten Forscher aus Kanada, die sich für eine Metaanalyse 16 Studien mit insgesamt fast 6000 Teilnehmern angeschaut haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine PCR einer Speichelprobe eine ähnliche Sensitivität und Spezifität hat wie die PCR eines nasopharyngealen Abstrichs (Sensitivität: 83,2 versus 84,8 Prozent, Spezifität 99,2 versus 98,2 Prozent). Während nasopharyngeale Abstriche nur durch geschultes Personal durchgeführt werden sollen, könnten Speichelproben auch von Laien abgegeben werden – wodurch deutlich mehr Menschen getestet werden könnten. Die Ergebnisse bestätigen damit eine erst kürzlich publizierte Metaanalyse (wir berichteten in den Corona-Splittern vom 12. Januar). In beiden Metaanalysen variierten Studiendesign, Auswahl der Studienteilnehmer und Krankheitsstadium allerdings, betonen die Autoren. Eine definitive Schlussfolgerung lässt sich daher nicht ziehen (JAMA Intern Med; online 15. Januar).

Update vom 15. Januar

Wie wirkt es sich auf die Überlebensrate von COVID-19-Patienten aus, wenn die Kliniken am Rande ihrer Belastbarkeit arbeiten? Das haben sich Wissenschaftler aus Großbritannien gefragt und sich Patientendaten von 114 Kliniken des Landes aus der ersten Welle der COVID-19-Pandemie angeschaut. Ergebnis der bisher noch nicht in einem Journal mit Peer-Review publizierten Studie (adjustiert nach Alter, Geschlecht, Ethnie und Komorbiditäten): In Kliniken, in denen die Belegung der Intensivbetten mit der Option auf eine mechanische Beatmung bei über 85 Prozent lag, war die Wahrscheinlichkeit zu sterben höher (Odds Ratio 1,19) als in Kliniken, in denen die Belegung bei unter 45 Prozent lag (Odds Ratio 0,75) (Preprint-Server MedRxiv 2020; online 13. Januar).

Die Körpertemperatur nur an der Stirn per Infrarotscanner zu messen ist wohl keine geeignete Methode, um COVID-19-Patienten zu erkennen, da diese Messung keine genaue Schätzung der tiefen Körpertemperatur liefert. Forscher vom Jozef-Stefan-Institut in Ljubljana berichten, mit Temperaturmessungen an der Fingerspitze und am Auge lasse sich die Kerntemperatur besser einschätzen. „Die Methode ist nicht perfekt, aber möglicherweise besser und zuverlässiger“, wird Studienautor Professor Michael Tipton in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation zitiert. Durch eine Körpertemperaturmessung sowohl in der Körperperipherie (Fingerspitze) als auch in der Körpermitte (Auge), ergäben sich präzisere Angaben zur tatsächlichen Kerntemperatur und Fieber (Exp Physiol 2020; online 28. Dezember).

Update vom 14. Januar

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff reduziert das Infektionsrisiko nach der ersten Vakzinierung wohl um ein Drittel. Darauf lassen Medienberichten zufolge Daten der israelischen Krankenkasse Clalit schließen. Demnach wurden die Daten von 400.000 Israelis im Alter von über sechzig Jahren analysiert, eine Hälfte hatte die erste Dosis des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs erhalten, die andere Hälfte noch nicht. Bis zum zwölften Tag nach der Impfung habe es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede gegeben. Ab Tag 14 allerdings hätten sich in der Gruppe der Geimpften 33 Prozent weniger Personen mit SARS-CoV-2 infiziert als in der Gruppe der Ungeimpften. Damit legen die Daten zum einen nahe: Comirnaty® hat schon nach der ersten Impfung eine Impfeffektivität von 33 Prozent, die rund zwei Wochen nach der Vakzinierung einsetzt. Zum anderen sprechen die Daten auch dafür, an der zweiten Impfdosis festzuhalten, um einen vollständigen Schutz aufzubauen (Bericht der isralischen Tageszeitung „Jedi’ot Acharonot“; online 13. Januar).

Erste Phase 1/2-Daten zum vektorbasierten COVID-19-Impfstoff „Ad26.COV2.S“ sind veröffentlicht worden. Die Vakzine, die von Johnson & Johnson entwickelt wird, wurde an 805 Studienteilnehmer verimpft, darunter waren zur einen Hälfte 18-55-jährige Studienteilnehmer und zur anderen Hälfte Über-65-Jährige. Innerhalb von 29 Tagen nach der ersten Vakzinierung hatten 90 Prozent der Teilnehmer neutralisierende Antikörper gegen das Wildtyp-Virus gebildet, bis Tag 57 war dies bei 100 Prozent der Teilnehmer der Fall. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Fatigue, Mylagien, Kopfschmerz und Schmerzen an der Einstichstelle sowie Fieber, letzteres war in der Gruppe der Über-65-Jährigen aber seltener als in der Gruppe der 18-55-Jährigen. Schwere unerwünschte Wirkungen traten bei fünf Teilnehmern auf, vier wurden als nicht mit der Impfung assoziiert eingestuft, ein Patient wurde wegen eines COVID-19-Verdachts hospitalisiert, erholte sich allerdings innerhalb von 12 Stunden (New Eng J Med 2021; online 13. Januar).

Rekonvaleszenten-Plasma wirkt – wenigstens ein bisschen. Das Plasma wirkt dabei wohl umso besser, je höher der Titer an SARS-CoV-2-spezifischen IgG-Antikörpern ist – allerdings nur bei zuvor nicht mechanisch beatmeten Patienten. In einer retrospektiven Studie mit 3082 hospitalisierten COVID-19-Patienten starben innerhalb von 30 Tagen nach Gabe des Plasmas 22,3 Prozent bei hoher IgG-Konzentration. In der Gruppe mit mittlerer Antikörper-Konzentration im Plasma waren es 27,4 Prozent, in der Gruppe, die Plasma mit geringer Antikörper-Konzentration erhalten hatte, starben 29,6 Prozent. Eine Assoziation zwischen Höhe des Antikörper-Titers und 30-Tages-Mortalität ergab sich aber nur bei Patienten, die vor der Transfusion nicht mechanisch beatmet werden mussten, schreiben die Autoren (New Eng J Med; online 13. Januar).

Warum Remdesivir bei COVID-19 einen eher geringen Nutzen haben könnte, haben deutsche Forscher herausgefunden. Das Team der Universität Würzburg berichtet, dass Remdesivir die Polymerase von SARS-CoV-2 während des Kopierens zwar stört, das Enzym aber nicht vollständig hemmt und das auch erst nach einiger Verzögerung. Dadurch werden weiterhin virale Proteine synthetisiert und Viruspartikel gebildet. Die Wissenschaftler wollen nun daran arbeiten, die Wirkweise von Remdesivir zu verbessern (Nat Comm 2020; online 12. Januar).

Männer sind häufiger und öfter schwer von COVID-19 betroffen als Frauen. Das berichten US-Forscher auf Basis eines nationalen COVID-19-Registers mit Daten von fast 100.000 Patienten. Die Wahrscheinlichkeit für ein positives SARS-CoV-2-Testergebnis war bei Männern mit 17 Prozent höher als bei Frauen mit 14,6 Prozent. Männer mussten signifikant häufiger intensivmedizinisch versorgt werden (34,1 versus 27,6 Prozent). Auch entwickelten sie signifikant häufiger ein ARDS (10,6 versus 7,9 Prozent) oder ein akutes Nierenversagen (38,6 versus 29,4 Prozent). Außerdem war ihr Risiko im Krankenhaus zu sterben höher (11,6 versus 8,3 Prozent). Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern blieben selbst dann bestehen, nachdem die Forscher Faktoren wie Alter, Ethnizität, Einkommen, BMI oder Rauchstatus berücksichtigten (PLOS ONE 2021; online 13. Januar). (jl)

Update vom 13. Januar

COVID-19 hat bei schwerem Verlauf häufig Langzeiteffekte: Drei Viertel aller stationär behandelten Patienten hatten in einer chinesischen Studie sechs Monate nach Erkrankungsbeginn immer noch mindestens ein Symptom. Am häufigsten waren dabei Fatigue und Muskelschwäche, berichten Forscher vom „Jin Yin-tan Hospital“ in Wuhan. Sie haben 1733 Patienten (Alter im Schnitt 57), die zwischen März und Mai erkrankt waren, nachverfolgt und dabei regelmäßig körperlich und mit Labortests untersucht. Ergebnis: Nach im Median 186 Tagen hatten 63 Prozent noch immer Fatigue oder Muskelschwäche, 26 Prozent Schlafstörungen und 23 Prozent Angststörungen oder depressive Verstimmungen. 56 Prozent der mechanisch beatmeten COVID-19-Patienten hatten nach sechs Monaten Sauerstoff-Diffusionsstörungen. Bei den Patienten, die zusätzlich Sauerstoff benötigten, waren es 29 Prozent und bei Patienten ohne Sauerstofftherapie in der Klinik 22 Prozent. Die Forscher mahnen, speziell den Verlauf von Patienten nach intensivmedizinischer Therapie weiter zu untersuchen (Lancet 2021, online 8. Januar).

Bei chronischer Rhinosinusitis (CRS) persistiert SARS-CoV-2 besonders lang im Nasen-Rachen-Raum. Das berichten HNO-Ärzte der Universität Pamplona in Spanien. Sie haben 513 stationär behandelte Patienten aus der ersten Pandemiewelle untersucht. Darunter waren 18 Überlebende, die auch 28 Tage nach Klinikaufnahme in PCR-Tests von Nasen-Rachen-Abstrichen noch viruspositiv waren (Fallgruppe). Diesen stellten sie in einer Fall-Kontrollstudie 36 COVID-19-Überlebende gleichen Geschlechts gegenüber, die nach 28 Tagen virusnegativ waren (Kontrollgruppe). Ergebnis: In der Fallgruppe ließ sich SARS-CoV-2 im Median 56 Tage nach Symptombeginn nachweisen, in der Kontrollgruppe waren es 30 Tage. 67 Prozent der Fallpatienten hatten eine CRS verglichen mit 11 Prozent der Kontrollgruppe. Für CRS-Patienten ergibt sich daraus ein rund 19-fach erhöhtes Risiko (Odds Ratio) für einen Virusnachweis in den oberen Atemwegen vier Wochen nach Klinikaufnahme. Unklar ist aber, wie lange Menschen mit langer Viruspersistenz tatsächlich infektiös sind. Ein SARS-CoV-2-Nachweis allein sagt darüber recht wenig aus (J Intern Med. 2020; online 29. Dezember). (mut)

Update vom 12. Januar

Immunsupprimierte Patienten mit COVID-19 können offenbar besonders lange infektiös sein. In einer Studie hatten Krebskranke mit immunsuppressiver Therapie bei Stammzelltransplantation oder CAR-T-Zell-Behandlung bis zu zwei Monate lang replikationsfähiges Virus in ihren Atemwegen, berichten US-Forscher aus New York. Sie haben in einer Studie bei 20 Betroffenen regelmäßig Abstriche entnommen. Alle bis auf einen waren wegen COVID-19 stationär aufgenommen worden, elf entwickelten dabei einen schweren, drei einen moderaten Verlauf. Am ersten Testtag enthielten rund 70 Prozent der Proben replikationsfähige Viren. Bei den meisten Patienten waren diese nach zwei bis drei Wochen verschwunden. Drei Patienten hatten jedoch auch 20 Tage nach Symptombeginn noch replikationsfähige Viren in den Atemwegen, einer sogar nach 61 Tagen. Ob solche Patienten allerdings mehrere Wochen nach Beginn der Infektion andere Menschen per Tröpfchen und Aerosol anstecken können, ist unklar – denn das hängt auch von der Viruslast ab und die war in der Studie nicht erfasst worden (N Engl J Med 2020; 383: 2586). (mut)

Kein Anstieg der Früh- oder Totgeburten während der Pandemie. Kinder, die zwischen April und Mai 2020 in Schweden geboren wurden, hatten kein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt oder tot zur Welt zu kommen. (Ann Intern Med 2021; online 12. Januar). Schwedischen Forscher hatten landesweite Daten von 17.661 Geburten zu Beginn der Pandemie untersucht. 43 davon waren extreme Frühgeburten. Sie haben die Daten mit jenen aus den Zeiträumen April bis Mai 2015 bis 2019 verglichen. Hintergrund der Erhebung waren zwei kleinere Studien aus Dänemark und dem Vereinigten Königreich. Die dänischen Forscher hatten eine reduzierte Rate an extremen Frühgeburten in der Zeit zwischen 12. März und 14. April im Vergleich zu Auswertungen zwischen 2015 und 2020 beschrieben (Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed. 2021; 106: 93-95). Forscher aus Großbritannien wiederum hatten mehr Totgeburten im Zeitraum 1. Oktober 2019 bis 14.Juni 2020 im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie verzeichnet (JAMA 2020, online 10. Juli). (jl)

PCR-Tests auf SARS-CoV-2 anhand von Speichelproben könnten genauso sensitiv sein wie mit Nasopharyngealabstrichen. Schlicht, man weiß es nicht – eine Metaanalyse aus Kanada legt dies jetzt aber nahe. Darin hatten die Forscher 37 Studien untersucht, in denen die RT-PCR mittels Speichelproben gegen den Goldstandard der nasopharyngealen Abstriche verglichen wurde. Ergebnis: Die Sensitivität bei Speichelproben war „nur“ um 3,4 Prozentpunkte schlechter. Bei Patienten mit zuvor bestätigter SARS-CoV-2-Diagnose schnitt die spätere Testung anhand von Speichel hingegen um 1,5 Prozentpunkte besser ab bei der Sensitivität. Allerdings war die Qualität der ausgewerteten Studien sehr heterogen, die Probandenzahlen teils sehr klein. Einzelne Studien brachten teils erhebliche Schwankungsbereiche in der ermittelten Sensitivität, sodass die Messwerte auch auf Zufall beruhen könnten. Auch variierten die Methoden zur Speichelentnahme den Autoren zufolge. Zudem werden in der Metaanalyse keine Angaben zu den gemessenen Spezifitäten gemacht, womit keine verlässlichen Aussagen über den positiv-prädiktiven Wert möglich sind (Ann Intern Med 2021; online 12. Januar).

Update vom 11. Januar

Schwedische Forscher haben bei Kindern nur selten einen schweren COVID-19-Verlauf festgestellt. Die Wissenschaftler hatten zwischen März und Juni 2020 Daten von allen schwedischen Kindern und Jugendlichen im Alter von einem bis 16 Jahre ausgewertet, die auf einer Intensivstation im Land behandelt wurden und eine laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektion hatten. Dies waren 15 Kinder, das entspricht 0,77 pro 100.000 Kinder im Land. Vier der 15 Kinder waren ein bis sechs Jahre alt, elf waren sieben bis 16 Jahre alt. Vier der Kinder hatten vorbestehende chronische Grunderkrankungen (unter anderem Krebs), kein Kind starb an den Folgen von COVID-19. Zur Frage, wie groß das Infektionsrisiko durch Kinder ist, stellen die Forscher fest, dass weniger als zehn Infektionen unter Kindergartenerziehern und 20 unter Lehrern bis Juni 2020 erfasst wurden. Dies entspricht einer Inzidenz von 19 pro 100.000 Individuen. Verglichen mit anderen Berufsgruppen (ausgenommen Mitarbeiter im Gesundheitswesen) entspreche dies einem relativen Risiko von 1,1 für Kindergartenerzieher und 0,43 für Lehrer. Die Forscher schränken ein, dass keine Daten zu möglichen Übertragungen durch Kinder im häuslichen Umfeld bekannt sind (N Engl J Med 2021; online 6. Januar).

Rekonvaleszentenplasma beugt wohl schweren Verläufen vor: Werden Senioren innerhalb von drei Tagen nach dem Auftreten erster, milder COVID-19-Symptome mit Rekonvaleszentenplasma mit hoher SARS-CoV-2-Antikörperkonzentration behandelt, haben sie ein signifikant niedrigeres Risiko für einen schweren Verlauf. Das legt eine Studie mit 160 älteren COVID-19-Patienten aus Argentinien nahe. Die Patienten waren 75 Jahre oder älter und teilweise vorerkrankt. Primärer Endpunkt der Studie war eine schwere Atemwegserkrankung, definiert als eine Atemfrequenz von 30 oder mehr pro Minute und/oder eine Sauerstoffsättigung von weniger als 93 Prozent beim Atmen der Umgebungsluft. Während 31 Prozent der Patienten in der Placebogruppe solch Symptome entwickelten, waren es in der Interventionsgruppe nur 16 Prozent (relatives Risiko um 48 Prozent geringer). Eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung trat bei zehn Personen auf, die Placebo erhielten, und bei vier mit Plasma behandelten Personen. Sechs gegenüber fünf hatten eine kritische systemische Erkrankung. Es starben vier Patienten in der Placebo- und zwei in der Verumgruppe. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine frühe Intervention für die Wirksamkeit entscheidend ist“, so die Forscher um Dr. Romina Libster von der Vanderbilt-Universität in Nashville. Zudem sei wichtig, Plasma mit einer IgG-Antikörperkonzentration im oberen 28. Perzentil zu verwenden. Frühere Studien hatten keinen Nutzen der Plasmatherapie bei COVID-19-Patienten ergeben. Gründe dafür könnten den Forschern zufolge sein, dass diese Probanden jünger waren oder später behandelt worden waren als die Teilnehmer der aktuellen Studie (New Eng J Med 2021; online 6. Januar).

Update vom 8. Januar

Trotz Vorsichtsmaßnahmen bergen Flugreisen weiter ein Infektionsrisiko, berichten Forscher aus Neuseeland. Dort ist für Einreisende eine 14-tägige Quarantäne mit Tests auf SARS-CoV-2 vorgesehen. Bei 62.698 ankommenden Flugpassagieren wurden dort bis Oktober 215 Fälle von Infektionen festgestellt. Bei einem Flug von Dubai Ende September hatte es dabei offenbar einen Ausbruch gegeben: Sieben von 86 Passagieren erwiesen sich während der Quarantäne als SARS-CoV-2-positiv; eine Feintypisierung ergab identische Erreger (bis auf eine Mutation in einer Probe). Die Reisenden waren aus fünf Ländern gekommen, bevor sie in Dubai das Flugzeug bestiegen. Sie saßen alle innerhalb von zwei Reihen in der Nähe eines vermutlichen Indexpatienten. Nicht alle hatten permanent Schutzmasken getragen. Die Befunde legen nahe, dass sich sechs während der 18-stündigen Fluges bei einem Indexpatienten infiziert haben, und zwar trotz Vorsichtsmaßnahmen. Das Flugzeug (Boeing 777-300ER) war nur zu einem Viertel gefüllt gewesen, Abstand also möglich. Fünf der Betroffenen waren vor Abreise negativ getestet worden. Auch der vermutliche Indexpatient hatte vier bis fünf Tage vor Flugantritt ein negatives Testergebnis erhalten (EID Journal 2021; online 5. Januar).

Update vom 7. Januar

Raucher haben ein erhöhtes Risiko für symptomatische und schwere COVID-19. Das lässt sich aus einer Analyse von Daten der „ZOE COVID Symptom Study App“ ableiten, berichten Forscher vom King’s College in London. Mit der App melden Menschen in UK regelmäßig, wenn sie sich nicht wohlfühlen und welche Symptome sie haben. Zwischen Ende März und Ende April haben 2,4 Millionen Nutzer davon Gebrauch gemacht, 11 Prozent davon waren Raucher. Jeder dritte Teilnehmer gab Symptome an: Im Vergleich zu Nichtrauchern meldeten 14 Prozent mehr Raucher in dem Pandemiemonat die typischen drei COVID-19-Symptome: Kurzatmigkeit, Fieber und persistierender Husten. Auch weitere mit Corona assoziierte Symptome wurden überproportional häufig von Rauchern genannt: Bauch- und Kopfweh, Brustschmerzen, Delirium, Diarrhoe, Fatigue, gestörter Geschmackssinn, Heiserkeit, Halskratzen und Myalgien. Mindestens fünf Symptome gaben 29 Prozent mehr Raucher als Nichtraucher an, bei zehn und mehr Symptomen waren es sogar 50 Prozent mehr Raucher. Und das Risiko für eine Klinikeinweisung war bei Rauchern mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion im Vergleich sogar verdoppelt. Die Forscher empfehlen, Rauchern mit Fragen zu COVID-19 eine Entwöhnung nahezulegen (Thorax 2021; online 5. Januar).

Update vom 6. Januar

Die Inzidenz von Herzstillstand außerhalb von Kliniken ist in Regionen mit hoher COVID-19-Krankheitsrate deutlich erhöht. Das bestätigt eine US-Analyse im Ballungsraum Detroit, wie Forscher des „Michigan Department of Health and Human Services“ berichten. In der Region wurden von März bis Mai 2020 insgesamt 1854 solcher Herzstillstand-Fälle („out-of-hospital cardiac arrests“, OHCA) dem Notfall-Netzwerk gemeldet und damit 60 Prozent mehr als im Vergleichzeitraum 2019 mit 1162 Fällen. Hochbetagte (über 85), Pflegeheimbewohner und Afroafrikaner waren überproportional häufig betroffen. Ein großer Teil der Betroffenen ist gestorben (2020: 1400 vs. 2019: 619), wobei der Anteil der Todesfälle bei den OHCA-Meldungen von 53 Prozent (2019) auf 76 Prozent (2020) ebenfalls deutlich zunahm. Auffällig war zudem, dass deutlich weniger Betroffene während der Pandemie intubiert oder mit supraglottischen Atemwegshilfen versorgt wurden. Der Anteil lag 2020 bei 21 Prozent im Vergleich zu 46 Prozent 2019. Unklar ist, ob die Zunahme von OHCA direkte Folge der Pandemie ist oder eine indirekte Folge, wegen veränderter Nutzung von Notaufnahmen (JAMA Network Open 2021, online 6. Januar).

Update vom 5. Januar

Ein neuer RNA-Test auf SARS-CoV-2 kann Ergebnisse binnen fünf Minuten liefern, berichten Forscher der University of Birmingham in UK. Beim bisherigen RT-PCR-Test als Goldstandard wird die Virus-RNA mittels reverser Transkriptase in DNA umgewandelt und diese dann mittels PCR zu messbaren Mengen vervielfältigt. Hierzu sind zeitaufwendige Schritte mit Erhitzen und Abkühlen der Probe nötig, was in der Regel etwa eine Stunde dauert. Das neue Verfahren findet komplett in einem Temperaturbereich statt, was viel Zeit spart. Reverse Transkriptase für eine Übertragung der RNA in DNA ist dabei nicht nötig. Genutzt werden vielmehr kurze DNA-Sequenzen („Binder DNA“), die die Virus RNA erkennen und sich damit verbinden. In diesem Fall schneidet ein spezielles Enzym (BstNI) ein Stück aus der „Binder-DNA“. Durch die Aufspaltung wird die Virus-RNA wieder frei und der Zyklus kann sich wiederholen. Gemessen wird schließlich der Menge der Endprodukte. Das Verfahren wurde „Reverse Transcriptase Free EXPAR“ (RTF-EXPAR) getauft. Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht begutachtet und nur vorläufig auf dem Preprint-Server www.medrxiv.org publiziert.

Bei Kindern mit COVID-19 könnten bestimmte Hautsymptome auf einen schweren Verlauf mit dem „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“ (MIS-C) hindeuten. Das berichten US-Forscher der New York University Grossman School of Medicine. Das MIS-C geht mit Schäden an Herz, Lungen, Nieren, Gehirn, Haut, Augen oder gastrointestinalen Organen einher und ist zum Glück sehr selten. Betroffen sind etwa 2 von 100.000 SARS-CoV-2-Infizierte bis 21 Jahre. Die US-Forscher haben sich retrospektiv eine Fallserie von 35 Kindern mit bestätigtem oder vermutetem MIS-C angeschaut. Bei vier von fünf Betroffenen fanden sie assoziierte Hautbefunde wie konjunktivale Injektion, palmar-plantares Erythem, hyperämisierte Lippen, Periorbitalerythem/-ödem, Erdbeerzunge und Liderythem. Seltener traten masern- oder scharlachartige, urtikarielle oder netzförmige Hautausschläge auf, die Lokalisation war dabei sehr unterschiedlich. Das Fazit: Veränderungen an Haut und Schleimhaut sind bei fiebernden Kindern ernst zu nehmen. Sie könnten in Corona-Zeiten durchaus auf ein MIS-C hinweisen, wenngleich sie dafür alles andere als spezifisch sind (JAMA Dermatol 2020, online 9. Dezember). (eo)

Update vom 4. Januar

In Pflegeheimen haben Hochbetagte, Männer, Demenz-Kranke und Diabetiker das höchste Risiko, bei COVID-19 binnen 30 Tagen zu sterben. Das berichten Forscher von der Brown University School of Public Health im US-Staat Rhode-Island. Sie haben sich Daten von 5256 COVID-19-Patienten (im Median 79 Jahre alt) von 351 Heimen aus der Zeit von März bis September angeschaut. Gut jeder Fünfte war gestorben. Im Vergleich zu den 75- bis 79-Jährigen war bei den 80- bis 84-Jährigen die 30-Tage-Mortalität um 46 Prozent erhöht (Odds Ratio: 1,46); Frauen hatten im Vergleich zu Männern ein niedrigeres Sterberisiko (OR: 0,69). Zwei chronische Krankheiten standen für ein erhöhtes Risiko: Diabetes (OR: 1,21) und Niereninsuffizienz (OR: 1,33), ebenso die Symptome Kurzatmigkeit (OR: 2,42), Fieber (OR: 1,66), Tachykardie (OR: 1,31) und Hypoxie (OR: 2,05). Stark erhöht war das Risiko bei milden und schweren kognitiven Einschränkungen (OR: 2,09 und 2,79) sowie bei moderater und schwerer Gebrechlichkeit (OR: 1,49 und 1,64). (JAMA Intern Med. 2021: online 4. Januar).

Update vom 30. Dezember

Hypoxämie, aber keine Dyspnoe: Spanische Forscher haben eine mögliche Erklärung für das immer wieder bei COVID-19-Patienten beobachtete Phänomen der „stillen Hypoxämie“ gefunden. Danach könnte SARS-CoV-2 früh auch Zellen der Glomera carotica in der Karotisgabel infizieren und so auch die Funktion der darin befindlichen Chemorezeptoren beeinträchtigen (Function 2020; online 23. November). Diese Chemorezeptoren reagieren normalerweise auf einen sinkenden Sauerstoff-Partialdruck im Blut und lösen dann Signale aus, die letztendlich das Atemzentrum im Hirnstamm aktivieren. Bei immunhistologischen Untersuchungen – das Material dazu kam von gestorbenen Organspendern – haben die spanischen Forscher festgestellt, dass im Glomus caroticum ACE2-Rezeptoren exprimiert werden, über die ja SARS-CoV-2 in Zellen eindringt. Die Stärke der Expression der ACE2-Rezeptoren sei dabei von Person zu Person stark unterschiedlich, was erkläre, dass nicht jeder COVID-19-Patient eine stille Hypoxämie habe, so die Wissenschaftler. Jetzt seien weitere Studien nötig, um die Hypothese zu überprüfen, um mögliche Langzeitschäden in den Glomera aufzudecken und um eventuell auch therapeutische Ansätze zu finden, durch eine SARS-CoV-2-Infektion beeinträchtigte Glomera pharmakologisch zu aktivieren. (mal)

Update vom 29. Dezember

Ein moderat bis deutlich vergrößerter Durchmesser des Pulmonalishauptstammes bei stationär aufgenommenen COVID-19-Patienten ist ein schlechtes prognostisches Zeichen, melden italienische Forscher um Professor Antonio Esposito von der Universität in Mailand. Die Wissenschaftler haben die CT-Befunde von 1461 COVID-19-Patienten ausgewertet, die zwischen dem 1. März und dem 20. April 2020 in einer von sieben Kliniken aufgenommen worden waren. Bei allen hatte die CT-Untersuchung innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme stattgefunden. Die statistische Analyse ergab unter anderem, dass bei Patienten, deren Pulmonalisdurchmesser 31 Millimeter oder mehr betrug (definiert als moderater bis schwerer pathologischen Befund) die Sterberate um den Faktor 1,7 höher war als bei Patienten mit einem Durchmesser unter 31 Millimeter (normaler Befund oder leicht pathologischer Befund). Nach dem Herausrechnen möglicher Einflussfaktoren blieb eine um den Faktor 1,6 erhöhte Sterberate. Als normalen Befund hatten die italienischen Kollegen einen Pulmonalisdurchmesser von maximal 27 Millimeter bei Frauen und von maximal 29 Millimeter bei Männern definiert (European Radiology 2020; online 23. Dezember). (mal)

Eine NETose könnte bei COVID-19 eine entscheidende Rolle für ST-Hebungsinfarkte spielen. Das berichten spanische Kardiologen auf Basis von Befunden einer sehr kleinen konsekutiven Fallserie. Bei fünf stationär behandelten Patienten mit COVID-19 und STEMI fanden sie in den Koronarthromben sogenannte „NETs“, neutrophile extrazelluläre Traps, Faserbündel aus der DNA neutrophiler Granulozyten. Die Pathologie der Bildung von NETs, der NETose ist nicht restlos geklärt. Es wird vermutet, dass das Immunsystem mit ihnen Mikroorganismen bindet und abtötet. In ihrer Studie fanden die Autoren aus Madrid jedoch einen deutlichen Unterschied zu einer historischen Kontrolle aus dem zweiten Halbjahr 2015: Bei den damaligen 50 STEMI-Patienten fanden sie nur in 64 Prozent der Thromben NETs. Auch die Dichte der Faserbündel unterschied sich: 61 Prozent bei den COVID-19-Patienten vs. im Median 19 Prozent in der Kontrollgruppe. Bei keinem der COVID-Infarkt-Patienten fanden die Kardiologen Fragmente atherosklerotischer Plaques (JAMA Cardiol 2020; online 29. Dezember).

Update vom 28. Dezember

Wer IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2-Spike-Proteine und gegen Nucleocapsid-Proteine hat, kann von einem relativ niedrigen Risiko für eine (erneute) SARS-CoV-2-Infektion innerhalb der nächsten sechs Monate ausgehen. Das melden britische Wissenschaftler um Sheila F Lumley von der Universität Oxford. Die Forscher haben Blutproben von 12.541 in der Patientenversorgung an der Uniklinik Oxford tätigen Personen untersucht und danach regelmäßig mittels PCR-Tests überprüft, wer sich in den folgenden Monaten mit SARS-COV-2 infizierte. Ergebnis: In einem Zeitraum von bis zu 31 Wochen nach der Eingangsuntersuchung hatten 223 von 11.364 initial Antikörper-negativen Personen einen positiven PCR-Test, 123 davon hatten auch COVID-19-Symptome. Im Gegensatz dazu ließ sich nur bei zwei der 1265 Personen, die IgG-Antikörper hatten, eine (erneute) SARS-CoV-2-Infektion mittels PCR nachweisen; beide waren symptomfrei. Lumley und ihre Kollegen errechneten daraus Infektionsraten von 1,09 bei fehlenden und von 0,13 bei vorhandenen IgG-Antikörpern – jeweils bezogen auf 10.000 Personentage. Die britischen Forscher sprechen von einem „erheblich reduziertem Risiko“ einer Reinfektion, wenn IgG-Antikörper vorliegen. Unklar sei unter anderem aber, ob der Schutz vor Re-Infektionen tatsächlich durch die IgG-Antikörper vermittelt werde, oder durch eine T-Zell-Immunantwort, die in der Studie nicht untersucht worden sei (NEJM 2020; online 23. Dezember). (mal)

Wo in Kliniken am ehesten SARS-CoV-2 lauert, wollten französische Forscher herausbekommen. Das Team von der Uniklinik Nantes hat dafür in einer Metaanalyse 24 Studien berücksichtigt, vier davon unpubliziert. Eine Arbeit aus Großbritannien und eine aus Italien sind die einzigen Untersuchungen aus Europa. Zehn Studien stammen aus China. Die jeweiligen Teams hatten Proben aus der Luft unterschiedlicher Krankenhausareale mit PCR-Verfahren auf die Viruslast analysiert. Auf Intensivstationen waren demnach über 25 Prozent der Proben kontaminiert, auf anderen Stationen 11 Prozent. Der höchste Prozentsatz positiver Proben stammte von öffentlich zugänglichen Fluren (56 Prozent) – dort waren jedoch insgesamt nur 16 Stichproben genommen worden. Als weitere Risikoorte entpuppten sich Toiletten und Badezimmer mit einer Positivrate von knapp 24 Prozent – 5 von 21 Proben. Studien hatten vorher ergeben, dass der Stuhl von COVID-19-Patienten SARS-CoV-2-Spuren enthalten und das Spülen einer Toilette Viren-belastete Aerosol-Wolken aufwirbeln kann. In den Personalräumen fielen gut zwölf Prozent der Proben positiv aus, in Besprechungszimmern gut 19 Prozent. Die Autoren der Metaanalyse räumen ein, dass der direkte Vergleich der Studien problematisch ist, weil die jeweiligen Teams methodisch sehr unterschiedlich vorgegangen waren. Zudem betonen sie, dass zumeist unklar sei, ob die Virenreste in den positiven Proben infektiös waren oder nicht. Viruskulturen wurden nur in fünf Studien angelegt, eine Kultivierung gelang nur in 7 von insgesamt 81 Versuchen (8,6 Prozent) (Jama Network Open 2020, online 23. Dezember). (dpa)

Immunzellen von Patienten mit Hypertonie sind voraktiviert. Diese Beobachtung erklärt sehr wahrscheinlich die Überreaktion des Immunsystems und die oft relativ schweren COVID-19-Verläufe bei Patienten mit Hypertonie, meinen Forscher des Berlin Institute of Health (BIH), der Charité sowie ihre Partner in Heidelberg und Leipzig. Die Wissenschaftler haben Zellen aus dem Nasen-Rachenraum von 32 COVID-19-Patienten sowie von 16 nicht-infizierten Kontrollpersonen analysiert; in beiden Gruppen waren Herzkreislaufkranke wie auch Personen ohne Herzkreislaufprobleme. Die Forscher erinnern an die bei Hypertonie-Patienten in der Regel erhöhten Entzündungswerte im Blut und dass erhöhte Entzündungswerte ja unabhängig vom Herzkreislaufstatus immer ein Warnsignal seien, dass COVID-19 schwer verlaufen wird. Ihre Studie gebe keine Hinweise darauf, dass eine antihypertensive Therapie das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion erhöhe, so die Forscher. Eine Therapie mit ACE-Hemmern könnte für Bluthochdruck-Patienten mit COVID-19 aber günstiger sein als die Therapie mit Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern. Hier hatten die Forscher nämlich – im Gegensatz zur Anwendung von ACE-Hemmern – einen deutlich verzögerten Abbau der Viruslast beobachtet (Nat. Biotechnology 2020; online 24. Dezember).

Die Virusvariante VOC 202012/01 könnte ein um 56 Prozent erhöhtes Übertragungsrisiko haben. Das berichten britische Modellierer von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) in einer bislang nicht begutachteten Arbeit. Sie relativieren damit etwas frühere Schätzungen, wonach die Variante um 70 Prozent ansteckender sein könnte. Die Virusmutation, die auch als B.1.1.7 bezeichnet wird, war zunächst in Südengland aufgetaucht. Ob die neue SARS-CoV-2-Variante auch zu schwereren Verläufen führt, konnten sie Forscher nicht nachweisen. Durch eine steigende Zahl an Neuinfektionen werde allerdings schon nominell die Zahl der Hospitalisierungen und womöglich schwerer Verläufe zunehmen (CMMID Repository 2020; online 23. Dezember).

Die CoV-2-Seroprävalenz in München hat sich seit Sommer verdoppelt, die Dunkelziffer halbiert. In der Münchner COVID-19-Kohortenstudie KoCo19 hat sich die Seroprävalenz zwischen Juni und Anfang November nahezu verdoppelt. Lag sie im Sommer noch bei 1,74 Prozent, konnten die Forscher bis zur ersten Novemberwoche bei 3,27 Prozent der Probanden SARS-CoV-2-Antikörper nachweisen. Die Stichprobe mit bislang knapp 5300 Probanden ist repräsentativ für die bayerische Landeshauptstadt. Gegenüber der offiziell gemeldeten Zahl der Infektionsfälle hat sich seither die Dunkelziffer halbiert: von ehemals dem Faktor 4 auf jetzt den Faktor 2, berichten die Forscher (Mitteilung vom LMU Klinikum München).

Update vom 23. Dezember

Die Überlebens-Chancen von Schwerkranken mit COVID-19 haben sich im Verlauf der ersten sechs Monate während der Pandemie deutlich verbessert, berichten US-Forscher von der University of Pennsylvania. Sie haben Daten von 38.517 betroffenen Erwachsenen (Alter im Schnitt 70 Jahre) mit stationärer Therapie zwischen Januar und Juni in 955 US-Kliniken analysiert. Ermittelt wurde der Anteil der Patienten, die binnen 30 Tagen gestorben oder in ein Hospiz verlegt worden waren. Diese Rate variierte dabei stark zwischen den Häusern und reichte von 9 bis knapp 16 Prozent. Fortschritte wurden in einer Subgruppe von 398 Kliniken belegt, in denen jeweils mindestens zehn COVID-19-Patienten (insgesamt 27.801 Patienten, 72 Prozent der Gesamtgruppe) behandelt wurden. Bei 94 Prozent dieser Krankenhäuser ergab sich ein Rückgang der Rate um mindestens ein Viertel. Insgesamt war die Sterberate in solchen Kliniken besonders niedrig, in deren umliegenden Gemeinden COVID-19 relativ selten auftrat. Die Forscher vermuten daher, dass in stark beanspruchten Kliniken die Versorgungsqualität bei Betroffenen möglicherweise sinkt. Mit zunehmenden Erkrankungszahlen könnten die Sterberaten daher auch wieder steigen, warnen sie (JAMA Intern Med. 2020; online 22. Dezember).

Update vom 21. Dezember

Ein Cocktail monoklonaler Antikörper reduziert bei COVID-19-Patienten mit ambulanter Therapie die Viruslast, berichten Forscher von Regeneron Pharmaceuticals aus den USA. Sie haben Daten von 275 Betroffenen aus laufenden placebo-kontrollierten Studien der Phase I bis III ausgewertet. Die Patienten waren zu Beginn auf eine Immunreaktion auf das Virus (Antikörper-positiv oder -negativ) untersucht worden. Je ein Drittel von ihnen hatte nach dem Zufallsprinzip eine hohe (8 g) oder eine niedrige Dosis (2,4 g) des Präparats REGN-COV2 oder ein Placebo erhalten. Ein Endpunkt war die durchschnittliche Veränderung der Viruslast von Tag 1 bis 7, ein zweiter Endpunkt war die Nachfrage nach medizinischer Hilfe bis zum Tag 29. Ergebnis: Im Vergleich zur Placebogruppe nahm die Zahl der Viruskopien bei allen initial Antikörper-Negativen um 0,56 log10-Stufen ab, bei Antikörper-Positiven waren es 0,43 log10-Stufen. Die Reduzierung der Viruslast war bei beiden Dosierungen ähnlich. Der Anteil der Patienten mit medizinischer Hilfe betrug insgesamt 6 Prozent in der Placebogruppe und 3 Prozent in den Verumgruppen. Bei Antikörper-Negativen lag der Anteil bei 15 Prozent (Placebo) und 6 Prozent (Verum). Infusionsbedingte Nebenwirkungen sowie andere hypersensitive Reaktionen waren in der Verumgruppe auf Placeboniveau (NEJM 2020; online 17. September).

Update vom 18. Dezember

Zwei weitere Fälle allergischer Reaktionen sind bei Impfungen mit der COVID-19-Vakzine von BioNTech und Pfizer aufgetreten. Das berichtet das Bartlett Regional Hospital im Großraum Juneau im US-Staat Alaska, nachdem vergangene Woche zwei Fälle in UK bekannt geworden waren. Eine Mitarbeiterin der Klinik in Alaska habe zehn Minuten nach Impfung Anaphylaxie-Symptome bekommen (Herzklopfen, Atemnot, Hautausschlag, Rötungen). Sie wurde umgehend mit Epinephrin und Benadryl (Diphenhydramin) behandelt. Wegen weiterer Symptome folgten die stationäre Aufnahme und eine Epinephrin-Infusion. Als diese gestoppt wurde, kamen die Anaphylaxie-Symptome zurück, berichtet die behandelnde Notärztin Dr. Lindy Jones in der „New York Times“. Die Patientin sei auf die Intensivstation verlegt worden, habe weitere Infusionen bekommen und sei am nächsten Morgen entlassen worden. Es gab keinen Hinweis auf allergische Reaktionen oder Impfreaktionen in der Vorgeschichte. Ein weiterer Mitarbeiter reagierte zehn Minuten nach Impfung mit zugeschwollenen Augen, Benommenheit und Kratzen im Hals. Er bekam ebenfalls Epinephrin und Benadryl. Binnen einer Stunde habe sich sein Zustand normalisiert. Fazit: Bei Impfungen sollte man auf mögliche Anaphylaxie-Maßnahmen vorbereitet sein, so die Klinik.

Schwangere waren von 75 Prozent aller Therapie-Studien zu COVID-19 ausgeschlossen, kritisieren Forscher der WHO und des US-Centers for Disease Control. Sie haben sich internationale „clinical trial registries“ angeschaut und 155 entsprechende Studien aus dem April und 722 aus dem Juli analysiert. Der Fokus lag dabei auf Studien zu Remdesivir, Lopinavir-Ritonavir, Interferon beta, Kortikosteroiden, Chloroquin und Hydroxychloroquin sowie Ivermectin und Hochdosis-Vitaminen. Der Ausschluss Schwangerer von drei Viertel dieser Studien sei nicht gut gerechtfertigt gewesen, so die Forscher. Für viele der Arzneimittel gebe es keine oder nur geringe Sicherheitsbedenken für die Anwendung in der Schwangerschaft. Fazit: Der Zugang Schwangerer zu evidenzbasierten potenziell lebensrettenden Behandlungen bei COVID-19 wird durch den Ausschluss der Frauen in einem nicht gerechtfertigten Maße begrenzt (The Lancet Global Health 2020; online 16. Dezember).

Krebstherapien gehen nur mit einer gering erhöhten Rate an SARS-CoV-2-Infektionen einher. Das hat eine Analyse von 59.989 Krebspatienten mit onkologischen Therapien (adjuvant oder gegen Metastasen) aus der Zeit zwischen Januar und Mai in Italien ergeben. 406 von ihnen erkrankten an COVID-19 (0,68 Prozent), berichten die Autoren der Studie. Die betroffenen Patienten waren im Median 68 Jahre alt, etwa zwei Drittel von ihnen waren mit Chemotherapien behandelt worden. Die Infektionsrate sei niedrig, und Krebstherapien sollten wegen ihres Nutzens deshalb während der Pandemie nicht verzögert werden, betonen die Onkologen. Allerdings: Die Patienten mit antineoplastischen Therapien hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung eine etwas höhere Infektionsrate. Dies könne an dem im Vergleich fortgeschrittenen Alter liegen oder auch an einem höheren Ansteckungsrisiko durch häufige Klinikbesuche (JAMA Oncology 2020; online 17. Dezember).

Update vom 16. Dezember

Die ersten zehn Tage nach Entlassung sind für COVID-19-Rekovaleszenten wohl besonders risikoreich: Im Vergleich mit Patienten, die wegen Pneumonie oder Herzproblemen im selben Krankenhaus und im selben Zeitraum behandelt wurden, lag ihr Risiko für eine erneute Einweisung oder Tod in einer Studie um 40 bis 60 Prozent höher. Nach 60 Tagen hatte sich das Verhältnis dann allerdings umgekehrt: Das Risiko von COVID-19-Rekonvaleszenten für erneute Hospitalisierung oder Tod lag jetzt insgesamt niedriger als das von Patienten, die wegen Pneumonie oder Herzproblemen hospitalisiert worden waren. Insgesamt mussten innerhalb von 60 Tagen nach Entlassung 19,9 Prozent der COVID-19-Rekonvaleszenten erneut in die Klinik eingeliefert werden, 9,1 Prozent von ihnen starben. Häufigster Grund für die erneute Einweisung war ein Wiederaufflammen von COVID-19 (30,2 Prozent), gefolgt von Sepsis (8,5 Prozent), Pneumonie (3,1 Prozent) und Herzproblemen (3,1 Prozent). Für ihre Studie hatte sich das Team um Dr. John Donnelly von der University of Michigan in Ann Arbor Daten von rund 2200 COVID-19-Patienten angeschaut, die in 132 Kliniken behandelt und zwischen März und Juli entlassen worden waren (JAMA Network 2020; online 14. Dezember).

Im Südosten Großbritanniens ist eine neue Variante von SARS-CoV-2 aufgetreten. Die Virusvariante ist Berichten zufolge bei mehr als 1000 Infizierten in relativ kurzer Zeit nachgewiesen worden, britische Behörden hätten die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits informiert. Offenbar steht die Variante mit Superspreader-Ereignissen in Zusammenhang, ob sie aber tatsächlich infektiöser ist oder schwerere COVID-19-Symptome auslöst, wird nun in Studien überprüft. Dass eine neue Virusvariante entdeckt wird, ist bekanntlich nichts Ungewöhnliches, das Genom von Viren mutiert permanent. SARS-CoV-2 mutiert dabei im Vergleich mit beispielsweise dem Influenzavirus zwar relativ langsam, dennoch gibt es mittlerweile natürlich einige Varianten. Bei der in Großbritannien aufgetretenen Virusvariante ist die Mutation offenbar in der Gensequenz aufgetreten, die für das Spike-Protein kodiert.

Update vom 15. Dezember

Für einen Antigen-Schnelltest kann ein Selbstabstrich aus der vorderen Nase eine verlässliche Alternative zu einem professionell vorgenommenen Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum sein, wenn die Person zuvor Instruktionen von medizinischem Fachpersonal erhalten hat. Das berichten Forscher der Charité Berlin und der Uni Heidelberg. Teilnehmer einer Studie erhielten vom medizinischen Personal zunächst Instruktionen für den Selbstabstrich. Danach sollten sie einen Tupfer in zwei bis drei Zentimeter Tiefe für 15 Sekunden an den Innenwänden ihrer Nase entlangführen. Anschließend entnahm das Personal einen tiefen Nasenabstrich. Beide Proben wurden auf einen Antigen-Schnelltest aufgetragen und die Ergebnisse miteinander verglichen. Zusätzlich nahm das Personal einen kombinierten Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachen-Raum, um per PCR eine Diagnose auf eine SARS-CoV-2-Infektion stellen zu können. Das Ergebnis: 39 der 289 Teilnehmer (13,5 Prozent) wurden per PCR positiv getestet. Bei 31 von ihnen (79,5 Prozent) schlug auch der Antigen-Schnelltest an, wenn die Probe professionell tief aus der Nase entnommen wurde. Der Selbstabstrich aus der vorderen Nase lieferte bei 29 von den Infizierten (74,4 Prozent) das korrekte Ergebnis. „Dass Antigen-Schnelltests nicht so sensitiv sind wie die PCR, hatten wir erwartet“, wird Letztautorin Privatdozentin Dr. Claudia Denkinger in einer Mitteilung der Charité zitiert. „Bei genauerem Hinsehen hatten die Antigentests insbesondere in solchen Fällen eine Infektion übersehen, in denen die Patienten nur eine geringe Viruslast hatten.“ Betrachteten die Forscher dagegen nur die Erkrankten mit hoher Viruslast, schlugen die Antigentests bei tiefen Nasenabstrichen jedes Mal an, bei den Selbstabstrichen bei knapp 96 Prozent (Eur Resp J 2020; online 10. Dezember).

Bei Säuglingen im ersten Lebensjahr verläuft eine SARS-CoV-2-Infektion in den meisten Fällen wohl mild. Um genauere Erkenntnisse zum Verlauf von COVID-19 in dieser Altersgruppe zu erhalten, hat ein Team des „Centre Hospitalier Universitaire Sainte-Justine“ (CHU-SJ) in Montreal sich die Daten der 1165 Säuglinge im ersten Lebensjahr angeschaut, die zwischen Februar und Mai 2020 im CHU-SJ wegen Verdachts auf eine SARS-CoV-2-Infektion aufgenommen worden waren. 25 Kinder (zwei Prozent) wurden positiv getestet, Acht von ihnen (32 Prozent) wurden stationär aufgenommen – allerdings wohl eher aus Vorsicht: „In 89,9 Prozent der Fälle verlief die Erkrankung mild“, schreiben die Studienautoren um Dr. Luc Panetta. Am häufigsten waren gastrointestinale Symptome (bei 85 Prozent), gefolgt von Fieber ≥38°C (bei 81 Prozent). Die klinischen Symptome unterschieden sich dabei nicht in der Altersgruppe der Kinder im Alter unter drei Monate und der Gruppe der drei bis zwölf Monate alten Kinder. 26 Prozent der Kinder hatten Komorbiditäten (JAMA Netw Open; online 14. Dezember).

Update vom 14. Dezember

Die sekundäre Befallsrate von SARS-CoV-2 bei Haushaltskontakten liegt im Vergleich zu der von SARS-CoV-1 und MERS-CoV wohl deutlich höher, und zwar bei 16,6 Prozent versus 7,5 beziehungsweise 4,7 Prozent. Damit waren und sind auch künftig Übertragungen im häuslichen Umfeld häufige Infektionswege, wenn Infizierte sich zu Hause isolieren, betonen die Autoren der Metaanalyse um Dr. Zachary Madewell von der University of Florida in Gainesville. Die Forscher hatten 54 Studien mit insgesamt über 77.000 Teilnehmern ausgewertet. Weitere Ergebnisse: Symptomatische COVID-19-Indexfälle waren mit einer höheren sekundären Befallsrate („secondary attack rate“) im häuslichen Umfeld assoziiert als asymptomatische Indexfälle (18,0 versus 0,7 Prozent). Außerdem ist der Metaanalyse zufolge die sekundäre Befallsrate bei Kontakt zu Tochter oder Sohn höher als bei Kontakt zu anderen Familienmitgliedern (37,8 versus 17,8 Prozent) (JAMA Netw Open; online 14. Dezember).

Der JAK-Hemmer Baricitinib plus Remdesivir verkürzte in einer Studie die Dauer der Hospitalisierung um einen Tag gegenüber Remdesivir allein (sieben versus acht Tage). Noch besser schnitt die Kombination bei der Subgruppe der COVID-19-Patienten ab, die nicht-invasiv beatmet wurden oder eine High-Flow-Sauerstofftherapie erhielten. Hier verkürzte sich die Dauer des Klinikaufenthalts um acht Tage (10 versus 18 Tage). Die Studie, in der die Daten von 1033 Patienten analysiert wurden, wurde vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) gefördert. Die Wissenschaftler um Dr. Andre C. Kalil vom University of Nebraska Medical Center stellten zudem positive Ergebnisse im Bezug auf die Mortalitätsrate nach 28 Tagen fest (sekundärer Endpunkt): Diese lag in der mit Baricitinib plus Remdesivir behandelten Gruppe bei 5,1 Prozent, in der mit Remdesivir allein behandelten Gruppe dagegen bei 7,8 Prozent. Baricitinib wird zur Therapie bei Rheumatoider Arthritis eingesetzt (NEJM 2020; online 11. Dezember).

Update vom 10. Dezember

Statine, ACE-Hemmer und Kalzium-Kanal-Blocker gehen offenbar mit einem verringerten Mortalitätsrisiko einher. Darauf deuten Ergebnisse einer US-Kohortenstudie mit Daten von rund 65.000 COVID-19-Patienten aus 592 Krankenhäusern. Die Patienten waren sowohl ambulant als auch stationär zwischen April und Mai 2020 behandelt worden. Mit einer erhöhten Sterblichkeit war am stärksten – wie zu erwarten – ein fortgeschrittenes Alter assoziiert. Die Odds Ratio (OR) lag bei 16,2 für Tod bei einem Alter über 80 Jahren verglichen mit einem Alter von 18 bis 34 Jahren. Mit einer niedrigeren Mortalität ging hingegen der fortgesetzte Erhalt von Kalzium-Kanal-Blockern (OR 0,73), Statinen (OR 0,6) und ACE-Hemmern (OR 0,53) einher. Außerdem wurde die Mortalität von Patienten, die Hydroxychloroquin oder Azithromycin erhalten hatten, mit der von Patienten verglichen, die diese Arzneien nicht erhalten hatten: Bei Ersteren war das Mortalitätsrisiko höher (OR 1,21) (JAMA Netw Open 2020; online 10. Dezember).

Update vom 9. Dezember

Im Freien ist das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko um ein vielfaches geringer, bestätigt eine Metaanalyse von zwölf internationalen Studien. In fünf Studien betrug der Anteil der Transmissionen, die mutmaßlich draußen stattgefunden hatten, weniger als zehn Prozent, eine Studie beziffert das Risiko einer Infektion im Freien als knapp 19-mal niedriger als innerhalb geschlossener Räume. Die Autoren der Metaanalyse schränken jedoch ein, dass sich auch im Freien Sorglosigkeit und mangelnde Schutzmaßnahmen rächen können: Im September 2020 wurden zum Beispiel im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington von den 200 Anwesenden im Nachhinein mindestens zehn Personen, darunter der US-Präsident und mehrere Berater, positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Masken hatten die wenigsten getragen, auf den eng gestellten Stuhlreihen hatte man quasi Schulter an Schulter gesessen. Mehrere Teilnehmer hatten sich zudem im Lauf der Veranstaltung umarmt und Hände geschüttelt. Wenn auf die Einhaltung von Abstandsregeln und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geachtet wird, plädieren die Forscher jedoch dafür, möglichst viele Indoor-Aktivitäten und gegebenenfalls auch Schulstunden ins Freie zu verlegen (J Infect Dis 2020; online 29. November). (eo)

Update vom 8. Dezember

Wie hoch ist das Risiko, als Patient mit COVID-19 Komplikationen zu entwickeln? Das haben Wissenschaftler aus Buffalo im US-Bundesstaat New York untersucht. Dafür werteten sie Daten von 70.288 Patienten mit COVID-19 aus, die in den USA zwischen März und April 2020 behandelt wurden. Die Patienten waren im Mittel 65 Jahre alt, gut die Hälfte von ihnen wurde stationär behandelt, etwa fünf Prozent auf der Intensivstation. Die Forscher untersuchten, welche Komplikationen bei den Patienten insgesamt häufig beobachtet wurden. Im Ergebnis haben eine starke Assoziation mit COVID-19 und ein hohes absolutes Risiko: virale Pneumonie (absolutes Risiko 27,6 Prozent), Lungenversagen (22,6 Prozent), akutes Nierenversagen (11,8 Prozent) und Sepsis (10,4 Prozent). Beschwerden, die eine starke Assoziation mit COVID-19, aber ein niedriges absolutes Risiko haben, sind Pneumothorax (absolutes Risiko 0,4 Prozent), Myokarditis (0,1 Prozent) und disseminierte intravasale Koagulopathie (0,1 Prozent) (CMAJ 2020; online 7. Dezember).

Update vom 7. Dezember

SARS-CoV-2 und Entbindungen: Medizinisch spricht wohl nichts dagegen, SARS-CoV-2 infizierten Müttern von Neugeborenen zu erlauben, die Neugeborenen im selben Zimmer zu behalten und sie zu stillen, wenn sie dazu in der Lage sind. Das bestätigt eine prospektive Multicenter-Studie mit 62 Neugeborenen und 61 Müttern aus Norditalien. Diese wurden zwischen März und Mai 2020 in sechs Geburtskliniken in der Lombardei für im Mittel 20 Tage nach der Geburt beobachtet. Im Ergebnis blieben 61 Babies gesund, bei einem Neugeborenen wurde eine Infektion festgestellt, das daraufhin eine transiente milde Dyspnoe entwickelte, die nach einigen Tagen verschwand. Am 30. Tag konnte in einem nasopharyngealen Abstrich SARS-CoV-2 nicht mehr festgestellt werden. Im Oktober waren Wissenschaftler aus New York zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen (wir berichteten im Update vom 13. Oktober). Die italienischen Forscher vermuten, dass die Muttermilch bei den gestillten Neugeborenen eine protektive Wirkung vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 gehabt haben könnte, möglicherweise durch spezifisches Immunglobulin-A oder durch die bekannten immunologischen Eigenschaften der Muttermilch selbst (JAMA Pediatrics 2020; online 7. Dezember).

Update vom 4. Dezember

Das experimentelle orale Virustatikum Molnupiravir (4482/EIDD-2801) könnte ein Therapieansatz zur Behandlung von COVID-19 sein. Das Medikament wurde zur Behandlung von Influenzainfektionen entwickelt und wird derzeit in diesem Kontext in Phase-II/III-Studien getestet. Nun hat es sich in ersten Versuchen am Tier auch als wirksam gegen SARS-CoV-2 erwiesen: Frettchen, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren lassen und in deren Nasen- und Rachenraum das Virus schnell repliziert, wurden zweimal täglich mit Molnupiravir in Kapselform behandelt. Die Viruslast ließ sich damit signifikant reduzieren, eine Übertragung von SARS-CoV-2 auf Kontakttiere fand nicht statt, berichtet das Team um Dr. Robert Cox und Josef Wolf von der Georgia State University in Atlanta. Unerwünschte Wirkungen seien bei den Tieren nicht aufgetreten. MK-4482/EIDD-2801 ist ein Prodrug des Nukleosid-Analagons N4-Hydroxycytidin, das die Replikation von Influenzaviren blockieren kann (Nature Microbiology; online 3. Dezember).

Nehmen Frauen mit Typ-2-Diabetes oder mit Adipositas Metformin ein, ist dies im Vergleich zu Frauen ohne das Antidiabetikum bei COVID-19 mit einem verringerten Sterberisiko assoziiert, berichten US-Forscher vom Department of Medicine der University of Minnesota. Bei betroffenen Männern zeigt sich diese Assoziation nicht. Die Forscher haben retrospektiv Daten von 6256 Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Adipositas (medianes Alter 73 Jahre) analysiert. Diese waren zwischen Januar und Anfang Juni stationär wegen COVID-19 behandelt worden. Gut die Hälfte der Teilnehmer waren Frauen. Von den 2333 Patienten mit Metformin starben 394 (17 Prozent), von den 3923 Teilnehmern ohne das Antidiabetikum 791 (20 Prozent). Bei genauer Betrachtung zeigte sich aber folgende Assoziation: Frauen mit Metformin hatten im Vergleich zu Frauen ohne Metformin ein um 11 Prozent verringertes Sterberisiko (HR: 0,89). Bei Männern mit Metformin war das Sterberisiko im Vergleich zu Männern ohne nicht statistisch signifikant verringert (HR: 0,95). Typ-2-Diabetes und Adipositas gehen mit chronischer Entzündung einher und sind Risikofaktoren für schwere COVID-Verläufe. Eine mögliche Schutzwirkung von Metformin ließe sich mit zytokin-reduzierenden und geschlechtsspezifischen immunmodulierenden Effekten erklären, so die Forscher (Lancet Health Longevity 2020; online 3. Dezember).

Update vom 3. Dezember

Die WHO empfiehlt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) in Regionen mit hohen Infektionszahlen nun auch in der eigenen Wohnung, wenn Besuch empfangen wird und nicht für eine ausreichende Belüftung gesorgt werden kann. Dies gelte unabhängig davon, ob ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden kann oder nicht. Auch im Freien sollte MNS getragen werden, wenn es nicht möglich ist, einen Ein-Meter-Mindestabstand einzuhalten. Dies gelte besonders für Risikogruppen. Bei sportlicher Aktivität könne auf die Maske verzichtet werden, wenn der MNS die Atmung einschränkt. Grundsätzliche gelte auch hier die Regel für einen Mindestabstand von einem Meter. Der Nutzen eines MNS ist für die WHO allerdings weiterhin unklar: „Derzeit gibt es nur eingeschränkte und inkonsistente wissenschaftliche Hinweise, die für die Effektivität eines MNS gegen Atemwegsinfektionen auslösende Viren wie SARS-CoV-2 bei gesunden Menschen sprechen“, heißt es in den Empfehlungen (WHO-Empfehlungen, Stand 1. Dezember).

Vier bereits bei anderen Indikationen eingesetzte Medikamente haben sich bei COVID-19 als kaum wirksam erwiesen. Entsprechende Zwischenergebnisse des „WHO Solidarity Trial“ sind jetzt von Experten der Studiengruppe vorgestellt worden. Ziel von Solidarity ist, das Potenzial von Remdesivir, Hydroxychloroquin, Lopinavir und Interferon für ein sogenanntes „repurposing“ zu untersuchen. An der Studie hatten 405 Kliniken in 30 Ländern mit 11.330 erwachsenen COVID-19-Patienten teilgenommen. Ergebnisse: Im Remdesivir-Arm der Studie mit 2743 Patienten starben 301 in der Verum- und 303 in der Placebogruppe. Im Hydroxychloroquin-Arm gab es unter 947 Patienten 104 (Verum) und 84 (Placebo) Todesfälle. Auch bei Lopinavir und Interferon waren keine signifikanten Unterschiede bei der Mortalität zwischen Verum- und Placebogruppe zu sehen. Zudem wurden weitere Parameter wie Notwendigkeit zu mechanischer Beatmung oder auch der Dauer von Klinikaufenthalten durch die Medikamente nur wenig bis überhaupt nicht verbessert (NEJM 2020; online 2. Dezember).

Update vom 2. Dezember

Die Gabe intravenöser Immunglobuline (IVIG) bei COVID-19-Patienten mit moderater oder schwerer Hypoxie könnte das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Das berichten Forscher sowie der Hersteller des eingesetzten Medikaments beim diesjährigen Kongress der American Society of Hematology. An der kleinen Studie nahmen 33 Patienten von zwei Kliniken in San Diego teil, die unter Hypoxie litten und bei denen das Risiko für eine mechanische Beatmung hoch war. Die eine Hälfte erhielt das IVIG-Medikament Octagam 10% (das etwa bei primären und sekundären Immundefekten eingesetzt wird) in der Dosierung 0,5 g/kg/Tag an drei aufeinanderfolgenden Tagen, die andere Hälfte die Standardbehandlung. Unter Octagam® 10% mussten weniger Patienten mechanisch beatmet werden (sechs in der Standardtherapiegruppe, zwei in der Octagam® 10%-Gruppe). Zudem war die Liegezeit auf der Intensivstation in der behandelten Gruppe deutlich kürzer (3 vs. 13 Tage). Der Hersteller Octapharma will jetzt eine Phase-III-Studie starten (Postervorstellung beim ASH-Kongress, online 2. Dezember).

Desinfektionsmittel ohne Alkohol können SARS-CoV-2 wohl genauso effektiv inaktivieren wie solche mit Alkohol. In einem Test mit vier in den USA üblichen Desinfektionsmitteln mit 0,2-prozentigem Benzalkoniumchlorid oder quartären Ammoniumverbindungen (Quat), aber ohne Alkohol, waren bei dreien nach 15 Sekunden keine Viren mehr nachweisbar, bei einem nach 30 Sekunden. Wie das Team um Benjamin Ogilvie, Brigham Young University in Provo, schreibt, seien die Erkenntnisse gerade für Mitarbeiter im Gesundheitswesen interessant. „Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis werden als einzige von der CDC empfohlen und waren bei der Eindämmung und Kontrolle der SARS-CoV-2-Pandemie die erste Wahl, was allerdings auch zu Engpässen geführt hat“. Händedesinfektionsmittel mit 0,2-prozentigem Benzalkoniumchlorid wirkten ebenso gut und könnten breiter eingesetzt werden (J Hospital Inf 2020; online 28. November).

Eine Metaanalyse bestätigt: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass RAAS-Inhibitoren das Infektionsrisiko für SARS-CoV-2 erhöhen. Es gibt daher auch keinen Grund, ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker (Sartane) abzusetzen, betont das Team um Professor Berthold Hocher und Professor Bernhard Krämer, Universitätsmedizin Mannheim. Vielmehr sei wohl das Gegenteil der Fall: Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen, scheinen im Vergleich zu Patienten ohne Medikamenteneinnahme dieser Wirkstoffklasse, ein um 13 Prozent geringeres Risiko für eine SARS-CoV-2 Infektion zu haben (elf Studien; insgesamt 8,4 Millionen Patienten). Auch in Bezug auf die Mortalität haben sich in der Metaanalyse vorteilhafte Assoziationen gezeigt: COVID-19-Patienten, die RAAS-Inhibitoren einnehmen, haben demnach ein um 24 Prozent geringeres Mortalitätsrisiko (34 Studien; insgesamt 67.644 Patienten). Die Forscher betonen allerdings, dass die Effekte in Placebo-kontrollierten Interventionsstudien überprüft werden müssten, um eine sichere Aussage treffen zu können (Brit J Clin Pharmacol 2020; online 20. November).

Update vom 1. Dezember

SARS-CoV-2 gelangt möglicherweise über die Neuronen des Riechepithels direkt ins Gehirn. Ein Team um Forscher der Charité hat im Nasopharynx und im Gehirn von gestorbenen COVID-19-Patienten per Elektronenmikroskopie intakte Viruspartikel nachweisen können. Die Partikel fanden sich dabei im Inneren der Neuronen und auf den Fortsätzen der dort ansässigen Deckzellen. Auf Basis dieser Daten gehen die Wissenschaftler davon aus, dass SARS-CoV-2 die Riechschleimhaut als Eintrittspforte ins Gehirn benutzen kann. Dies sei anatomisch naheliegend: Hier befinden sich Schleimhautzellen, Blutgefäße und Neuronen sehr nah beieinander. Noch nicht abschließend geklärt ist, wie exakt das Virus sich weiterbewegt. Die Daten sprechen den Autoren zufolge dafür, dass das Virus von Nervenzelle zu Nervenzelle wandert, um das Gehirn zu erreichen. Vermutlich wird das Virus aber gleichzeitig auch über das Blutgefäßsystem transportiert, da sich auch in den Gefäßwänden im Gehirn Virus nachweisen ließ. Auch die häufig auftretenden Riech- und Geschmacksstörungen ließen sich mit diesen Erkenntnissen erklären. Letztautor Professor Frank Heppner betont in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation aber: „Wichtig ist, dass die von uns untersuchten COVID-19-Betroffenen einen schweren Verlauf hatten. Die Ergebnisse unserer Studie können deshalb nicht zwangsläufig auf leichte oder mittelschwere Fälle übertragen werden“ (Nature Neuro Science, online 30. November).

Mit einem „Riechtraining“ könnten sich durch COVID-19 verursachte und oftmals lang anhaltende Riechstörungen behandeln lassen. Das lässt eine Studie unter Leitung der Carl-Gustav-Carus-Universität in Dresden vermuten. Bei diesem Training riechen die Patienten zweimal täglich mehrere Sekunden lang an vier verschiedenen Düften, und dies über mehrere Monate hinweg. Erprobt hatte das Team um Dr. David Liu die Riechtherapie unter anderem an 153 Patienten mit Riechstörungen nach einer viralen Infektion. Die Patientendaten wurden in den Jahren 2008 bis 2018 erfasst, also in Prä-COVID-19-Pandemiezeiten. Dennoch könne man aus den Ergebnissen schließen, dass sich die Riechtherapie auch für COVID-19-Patienten eignet: Durch das Training habe sich bei den Patienten die Unterscheidung der vier Düfte untereinander sowie die Zuordnung eines Dufts signifikant gebessert, schreiben die Forscher (Laryngoscope 2020; online 19. November).

Update vom 30. November

Seltene Zellen im Blut könnten auf schweren COVID-19-Verlauf hinweisen. Eine hohe Konzentration zweier Vorläuferzellen von Blutzellen, und zwar von Megakaryozyten und unreifen Erythrozyten, ist einer kleinen Studie zufolge mit einem schweren COVID-19-Verlauf assoziiert. Das ist vor allem überraschend, weil diese Vorläuferzellen sich normalerweise nicht im Blut, sondern im Knochenmark befinden. Solche „Ausschwemmungen“ von Vorläuferzellen ins Blut sind bekannt von schwerkranken Sepsis-Patienten. Für COVID-19 war dies bisher so nicht beschrieben worden, berichtet ein Team um Dr. Joana Bernardes, Dr. Neha Mishra und Dr. Florian Tran, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Uniklinikum Schleswig-Holstein. Die Megakaryozyten spiegelten dabei ein bekanntes COVID-19-Problem wider: Eine der häufigsten direkten Todesursachen bei COVID-19 sind Gerinnungsprobleme. Die aktivierten Megakaryozyten im Blut brächten möglicherweise Thrombozyten hervor, die leichter aggregieren und damit zu den Gerinnungsproblemen führen. Die Forscher hatten für die Studie Blutproben von 14 Patienten untersucht, die wegen COVID-19 stationär behandelt wurden (Immunity 2020; online 26. November).

Auch einige mild erkrankte COVID-19-Patienten erholen sich nur langsam, selbst wenn sich die Befunde im Röntgenthorax gebessert haben: In einer Studie des Radboud University Medical Center in den Niederlanden haben Dr. Bram van den Borst und sein Team 124 COVID-19-Patienten drei Monate nach ihrer Genesung ausführlich untersucht. 27 waren mild, 51 moderat, 26 schwer und 20 kritisch erkrankt. Obwohl die Anzeichen der akuten Pneumonie bei den mild Erkrankten abgeklungen und bei 93 Prozent im Röntgenthorax nicht mehr nachweisbar waren, hatten die Patienten weiterhin eine eingeschränkte Lungenfunktion. Im CT zeigten sich etwa bei 99 Prozent aller 124 Patienten Milchglastrübungen in der Lunge, bei 91 Prozent waren Veränderungen im Lungenparenchym nachweisbar (Clinical Inf Dis; online 21. November).

Update vom 27. November

Weniger Atemwegssymptome, sondern eher Anosmie und Übelkeit weisen bei Kindern auf COVID-19 hin, berichten Pädiater aus Kanada. Sie haben Daten von 2463 Kindern und Jugendlichen mit COVID-19-Verdacht und PCR-Test aus der Zeit von April bis September 2020 auf typische Symptome analysiert. Bei 1987 Teilnehmern war der Test positiv. Die Atemwegssymptome Husten und Schnupfen waren unspezifisch, sie traten bei Positiven und Negativen ähnlich häufig auf (25 versus 22 Prozent). Spezifischer waren Defizite bei Geruch- und Geschmackssinn (Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion 7,3-fach erhöht), Übelkeit und Erbrechen (5,5-fach) und Kopfweh (2,5-fach). Kamen alle drei Symptome zusammen, war das Risiko für einen positiven Coronatest 66-fach erhöht. Etwas gesteigert war das Coronarisiko außerdem bei Fieber (1,7-fach erhöht). Husten, Halsschmerzen, Rhinorrhö, verstopfte Nase oder Diarrhö lieferten keine Hinweise auf die Infektion (CMAJ 2020; online 24. November). (St)

CPAP könnte eine Option für die frühe Therapie von COVID-19-Patienten in der Klinik sein, berichten Forscher von der Lancaster University im Vereinigten Königreich. Sie haben in einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie Daten von 206 Patienten mit COVID-19 und schwerem Atemnotsyndrom (ARDS) untersucht. Je die Hälfte war entweder in der Zeit vom 17. März bis 3. April (Kontrollgruppe) oder vom 10. April bis 11. Mai (Fallgruppe) 2020 stationär behandelt worden. In der Kontrollgruppe hatten nur drei Prozent eine CPAP-Therapie bekommen, in der Fallgruppe waren es 15 Prozent. Untersucht wurde, wie viele Patienten bis zum 11. Juni entlassen oder gestorben waren, und ob CPAP einen Einfluss auf die Prognose der Patienten gehabt hatte. Ergebnis: Bei Patienten mit kurzem Klinikaufenthalt (bis sieben Tage) war die CPAP-Beatmung mit einem deutlich verringerten Sterberisiko verbunden (Hazard Ratio [HR] 0,38). Patienten mit längerem Klinikaufenthalt hatten mit CPAP allerdings ein erhöhtes Sterberisiko (HR 1,72). „Früher Einsatz von CPAP ist mit einem deutlichen Rückgang der Mortalität assoziiert“, betonen die Forscher. Wegen der geringen Fallzahl und des retrospektiven Studiendesigns lassen sich jedoch keine Empfehlungen ableiten. Der Befund sollte weiter untersucht werden (BMJ Open Respir Res 2020; 7:e000692).

Update vom 26. November

Rekonvaleszenten-Plasma erwies sich in einer Stuzdie als unwirksam bei schwerer COVID-19-Pneumonie. Das berichtet die „PlasmAr Study Group“ aus Italien und Argentinien. Rekonvaleszenten-Plasma wird häufiger bei schwerer COVID-19 verwendet, obwohl es kaum Evidenz für die Wirksamkeit aus kontrollierten Studien gibt. Eine solche Untersuchung legen jetzt Forscher der Gruppe vor, und zwar bei COVID-19-Patienten mit Pneumonie und schweren Komplikationen (meist Hypoxämie). 228 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer Verum- und 105 einer Placebogruppe zugeordnet. Den Verumpatienten wurde einmalig Rekonvaleszentenplasma mit SARS-CoV-2-Antikörpern infundiert (im Median Titer von 1:3200). Die Placebogruppe bekam Kochsalzlösung. Ergebnis: 30 Tage nach Infusion gab es keine Unterschiede zwischen Verum- und Placebogruppe bei Sterberate (10,96 versus 11,43 Prozent) und klinischem Status. Komplikationen als mögliche Nebenwirkungen oder schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen ähnlich oft auf (NEJM 2020; online 24. November).

Während des ersten Lockdowns war auch in Hessen die Sterberate durch kardiovaskuläre Erkrankungen gestiegen, berichten Ärzte der CoVCAD-Studiengruppe. Nach ihren Daten waren vom 23. März bis 26. April 2020 in dem Bundesland 7,6 Prozent mehr Menschen an einer Herz-Kreislauf-Komplikation gestorben im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum (p=0,02). Die kardiale Sterblichkeit lag sogar um 11,8 Prozent höher (p<0,001). Im selben Zeitraum 2020 ging in den 26 beteiligten Kliniken die Zahl der Kathetereingriffe um 35 Prozent im Vergleich zurück. Die Forscher bestätigen damit andere Studien und Analysen von Krankenkassen. Sie vermuten, dass Patienten verzögert eine kardiale Behandlung während des Lockdowns ersucht haben, etwa aus Furcht vor Ansteckung in der Klinik. Spekuliert wird auch über eine Überlastung ambulanter Versorgungsstrukturen oder zu späte medizinische Hilfe wegen verschobener vermeintlich elektiver Prozeduren. Allerdings: Die Gesamtsterberate stieg in Hessen während des März/April-Lockdowns im Vergleich zum Vorjahr nur leicht, aber nicht-signifikant um 2,6 Prozent (p=0,16), was hauptsächlich durch COVID-19-bedingte Todesfälle erklärt wird. Auch wurden während des Lockdowns in Hessen weniger Todesfälle in Folge von Schlaganfällen registriert (Clin Res Cardiol 2020; online 21. November).

Update vom 25. November

Das Risiko für psychische Krankheiten ist durch die Dauerbelastung während der Pandemie offenbar erhöht, berichten US-Forscher von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore. Sie haben eine repräsentative Gruppe von etwa 1300 Erwachsenen im April und Juli mit einer Skala für psychische Belastungen befragt (Kessler 6 Scale). Bei 13 Prozent sprachen die Angaben im Juli für schwere seelische Not („distress“), im April waren es 14,2 Prozent gewesen. Am stärksten waren junge Erwachsene betroffen (unter 30 Jahre), solche mit geringem Einkommen (unter 35.000 US-Dollar) und Personen lateinamerikanischer Herkunft. Drei Viertel berichteten bei beiden Terminen über große psychische Belastung. Stressoren waren Angst vor Ansteckung, vor Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme und Ausbildungsdefizite an der Uni. Jeder Dritte machte sich große Sorgen wegen einer fehlenden Krankenversicherung. Die ermittelten Skalenwerte der Belastung sprechen für ein erhöhtes psychisches Erkrankungsrisiko, so die Forscher (JAMA 2020; online 23. November).

Bessere Überlebenschancen mit Aviptadil bei Patienten mit kritischer COVID-19 und schwerer Komorbidität: Darauf deuten Resultate eine Analyse von Daten aus dem „Expanded Access Protocol“ der FDA. In das Protokoll wurden bisher 175 Betroffene aufgenommen. Die Arznei (RLF-100™) enthält das „vasoaktive intestinale Polypeptid“ (VIP) und hat bei der FDA den Status einer „Orphan Disease Designation“. In der aktuellen Analyse ergab sich unter Therapie mit Aviptadil bei Intensivpatienten mit COVID-19 eine Überlebensrate von 72 Prozent, berichtet der Hersteller Relief Therapeutics. Hiermit würden Resultate einer Vergleichsstudie am Houston Methodist Hospital bestätigt. Darin hatten 19 von 21 Patienten mit COVID-19 auf der Intensivstation bis zum Tag 28 mit Aviptadil überlebt. Bei 24 Patienten mit Standardtherapie waren es nur vier. VIP habe zudem in Tiermodellen für Lungenerkrankungen mit Atemnot, akute Lungenschädigungen oder Entzündungen eine stark entzündungshemmende (zytokinhemmende) Aktivität gezeigt. Das Medikament wird in einem „fast-track“-Programm der FDA in Phase IIb/III-Studie geprüft (Preprint bei SSRN „Social Science Research Network“ und Meldung des Unternehmens).

Update vom 24. November

US-Pflegeheime bleiben Hotspots für SARS-CoV-2, berichten Public-Health-Experten von der University of Chicago. Oft fehlt der Analyse zufolge das gebotene Risikomanagement. Ausgewertet wurden Berichte von 778 Pflegeheimen aus sechs US-Staaten des mittleren Westens. Von September bis Ende Oktober hat sich in den Heimen zwischen Idaho, Utah und Wisconsin die Zahl der corona-kranken Mitarbeiter auf 930 verdreifacht und der Bewohner auf 716 vervierfacht. Viele Public-Health-Maßnahmen wurden nur teilweise umgesetzt: In jedem vierten Heim fehlten ausreichend Pflegekräfte, in jedem fünften Schutzausrüstung für Personal. Zwar wurden Besucher fast überall getestet, in jedem achten Heim jedoch keine Pflegekräfte. Obwohl wirksame Prävention möglich ist, habe sich in vielen Heimen bisher wenig getan, kritisieren die Forscher (J Am Geriatr Soc 2020; online 12. November).

Kardiale Komplikationen treten bei COVID-19 offenbar seltener auf als erwartet. Bei etwas mehr als acht Prozent hospitalisierter COVID-19-Patienten kam es in einem großen US-Register zu kardiovaskulären Komplikationen. „Der Anteil ist geringer, als wir ursprünglich befürchtet haben“, sagte Studienleiter Professor James de Lemos beim Kongress der American Heart Association (AHA). Am COVID-19-CVD-Register nehmen 109 US-Krankenhäuser teil. Ausgewertet wurden Daten von 14.000 Patienten, die bis Ende September gemeldet wurden. „Die überwiegende Mehrheit der Personen, die wegen COVID-19 ins Krankenhaus eingewiesen wurden, wies kardiovaskuläre Risikofaktoren auf“, so de Lemos. Fast 60 Prozent hatten einen Bluthochdruck, 45 Prozent eine Adipositas (BMI > 30), über 30 Prozent einen Diabetes. Die häufigste kardiovaskuläre Komplikation war Vorhofflimmern mit einer Rate von acht Prozent. Zu Herzinfarkten kam es in drei Prozent der Fälle, Schlaganfälle, neu auftretende Herzinsuffizienz und kardiogener Schock waren mit jeweils unter zwei Prozent eher ungewöhnlich. Selten waren auch Myokarditiden mit einer Rate von 0,3 Prozent. Die unerwartet niedrige kardiovaskuläre Komplikationsrate ändert aber nichts daran, dass mit 16,7 Prozent viele der mit SARS-CoV-2-Infizierten im Krankenhaus gestorben sind. (vsc)

Bei stationären COVID-19-Patienten gleich eine therapeutische Antikoagulation zu initiieren, bringt vermutlich keinen Überlebensvorteil. Darauf deutet eine retrospektive Auswertung von US-Klinikdaten. Am George Washington University Hospital (GWUH) in Washington, D.C. erhielten zu Beginn der Pandemie alle COVID-Patienten eine VTE-Prophylaxe. Später wurde sie in das Ermessen der behandelnden Ärzte gestellt. Sie war empfohlen bei D-Dimer-Spiegeln > 3 μg/ml. Bei den 125 Patienten mit therapeutischer und 250 mit prophylaktischer Dosierung war die Krankenhaussterblichkeit verschieden: 35 vs. 15 Prozent. Den Autoren zufolge wurden in der ersten Gruppe mehr schwer Erkrankte behandelt. Nach einer Adjustierung war die Mortalität nicht mehr signifikant verschieden. Klinisch bedeutsame Nebenwirkungen in Form von Blutungen mit einer Abnahme des Hb um mehr als 2 g/dl oder einer Thrombozytopenie ereigneten sich bei neun Prozent der Patienten mit therapeutischer und drei Prozent mit prophylaktischer Antikoagulation (Thrombosis Research 2020; online 5. November). (bs)

Update vom 23. November

Während des Lockdowns im Frühjahr wurde vermehrt hoher Blutdruck bei Notfallpatienten festgestellt, berichten Forscher vom Uniklinikum der Favaloro Foundation in Buenos Aires (Argentinien). Sie haben den Anteil solcher Patienten mit Hypertonie im Lockdown (Mitte März bis Mitte Juni) registriert und mit dem Anteil in zwei anderen Dreimonatszeiträumen verglichen (drei Monate vor Lockdown sowie März bis Juni 2019). Ergebnis: Während des Lockdown wurden 1643 Patienten in die Notaufnahme eingeliefert und damit weniger als halb so viele wie in den Vergleichszeiträumen. In der Lockdown-Zeit hatten 24 Prozent der Notfallpatienten einen hohen Blutdruck (n=391), im Vergleichszeitraum 2019 waren es 18 Prozent und in den drei Monaten vor Lockdown 15 Prozent gewesen. Als Ursache für die vermehrte Hypertonie vermuten die Forscher mehr Stress während des Lockdown, etwa durch familiäre oder finanzielle Probleme. Mögliche Gründe könnten auch abgesetzte Antihypertensiva, Bewegungsmangel, erhöhter Alkoholkonsum oder auch ungesunde Kost sein. Denkbar ist aber auch ein Selektionsbias, wonach im Lockdown vor allem Patienten mit weniger schweren Erkrankungen die Notaufnahmen gemieden haben. Der Bluthochdruck wäre hier ein Surrogat für die Schwere (andere) Erkrankungen (ESC-Pressemitteilung aufgrund eines Vortrags beim Argentinischen Kongress für Kardiologie, SAC).

Update vom 20. November

SARS-CoV-2 vermehrt sich im Gegensatz zu SARS-CoV-1 und MERS deutlich schneller im Rachenraum und erreicht dort wohl schon in der ersten fünf Tagen nach Symptombeginn die höchste Viruslast, so das Ergebnis einer Metaanalyse. Zum Vergleich: SARS-CoV-1 erreicht demnach die höchste Viruslast in den oberen Atemwegen nach 10-14 Tagen, MERS nach 7-10 Tagen. Dies könnte ein Grund für die rasche Ausbreitung des neuen Coronavirus sein, vermutet ein Team um Dr. Muge Cevik von der University of St. Andrews. SARS-CoV-2 sei zudem über einen langen Zeitraum von im Mittel 17 Tagen in den oberen Atemwegen nachweisbar, in einem Fall sogar bis zu 83 Tage nach Symptombeginn. Allerdings bedeutet das nicht, dass das Virus auch infektiös ist: Wie die Forscher schreiben, sei in keiner Untersuchung über einen Zeitraum von neun Tagen hinaus infektiöses Virus nachgewiesen worden – und das trotz hoher Virustiter. Viele Länder empfehlen derzeit, dass sich Infizierte zehn Tage lang in Quarantäne begeben sollten, was nach Ansicht von Cevik und seinen Kollegen mit ihren Ergebnissen übereinstimmt und den Zeitraum der Infektiosität voraussichtlich abdeckt. Allerdings legten die Ergebnisse auch nahe, dass wiederholte PCR-Tests zum Nachweis einer nicht mehr bestehenden Infektiösität nicht unbedingt sinnvoll seien (Lancet Microbe 2020; online 19. November).

Update vom 19. November

Positive Phase-II-Daten gibt es nun auch vom vektorbasierten Impfstoffkandidaten ChAdOx1 nCoV-19, der von der Universität Oxford entwickelt wurde. Die Vakzine ist bisher an 560 Probanden getestet worden, darunter auch 240 Personen über 70 Jahre, also an einer besonders vulnerablen Risikogruppe. Die Vakzine sei von älteren Studienteilnehmern besser vertragen worden als jüngeren, insgesamt aber sicher, berichten die Forscher. Die unerwünschten Wirkungen waren demnach mild. Auch sei nach zweimaliger Impfung eine ähnliche B- und T-Zellantwort in allen Altersgruppen (18-55 Jahre, 56-69 Jahre sowie über 70 Jahre) erreicht worden. Erste Antikörper konnten dabei bereits 14 Tage nach der ersten Impfung detektiert werden, schreibt das Team um Dr. Maheshi Ramasamy. Der Impfstoff basiert auf einem abgeschwächten Adenovirus aus Schimpansen (ChAd), das die Information für das vollständige Spike-Protein von SARS-CoV-2 enthält. Der gleiche adenovirale Vektor wird auch in Impfstoffen gegen MERS verwendet und hat sich hier ebenfalls als sicher erwiesen (Lancet 2020; online 18. November).

Acht Monate nach überstandener COVID-19 haben Rekonvaleszenten immer noch genug Abwehrzellen, um eine erneute SARS-CoV-2-Infektion abzuwehren. Das berichten Forscher vom La Jolla Institute of Immunology in Kalifornien in einem Preprint-Paper. Die von ihnen beobachtete sehr langsame Abnahme solcher Immunzellen im Blut legt zudem nahe, dass diese für sehr lange Zeit im Körper persistieren könnten. Für die Studie wurden Blutproben von 185 Rekonvaleszenten im Alter von 19 bis 81 analysiert. Die meisten hatten milde Symptome gehabt. Im Fokus standen 38 Probanden mit mehreren Proben über viele Monate. Daraus isoliert wurden außer spezifischen Antikörpern auch B-Zellen (Gedächtniszellen) sowie CD4+- und CD8+-T-Zellen. Ergebnis: Die Antikörpertiter nahmen nach sechs bis acht Monaten in moderatem Maße ab. Die T-Zell-Titer gingen nur langsam zurück, die B-Zellen nahmen sogar zu. „Wir wissen nicht, ob wir uns über Reinfektionen Sorgen machen müssen. Belege einer solchen dauerhaften und robusten Immunreaktion sind aber ermutigend“, kommentiert der Virologe Dr. Jeffrey Shaman von der Columbia University in der „New York Times“ die Befunde (bioRxiv 2020; online 16. November).

Update vom 18. November

Der chinesische Totimpfstoffkandidat „CoronaVac“ ist Phase 1/2-Studiendaten zufolge sicher und immunogen – wenn auch nicht in dem Maße wie eine natürliche Infektion. Die Vakzine wurde an über 700 Probanden zwischen 18 und 59 Jahren geprüft. Der primäre Sicherheitsendpunkt war das Auftreten schwerer unerwünschter Wirkungen bis zu Tag 28 nach Impfung. Die Inzidenz an Nebenwirkungen war in den Gruppen mit niedrig- oder hochdosierter Impfung (3 beziehungsweise 6 g) ähnlich, was darauf hindeuten könnte, dass keine dosisbezogenen Sicherheitsbedenken bestehen. Die meisten unerwünschten Wirkungen waren mild und verschwanden innerhalb von 48 Stunden, am häufigsten berichteten die Teilnehmer von Schmerzen an der Injektionsstelle. Nur bei einem Probanden traten eine akute Hypersensitivität und Urtikaria auf, der Teilnehmer hatte die höhere Impfdosis erhalten. Der primäre Immunogenitätsendpunkt war die Serokonversion, dieser wurde sowohl mit der geringeren, 3 g-Dosis als auch der 6 g-Dosis erreicht. Allerdings scheint der Impfstoff keine so hohe Immunantwort zu induzieren wie eine SARS-CoV-2-Infektion: Bei Rekonvaleszenten lagen die Antikörpertiter deutlich höher, berichtet das Team um Yanjun Zhang vom Zhejiang Provincial Center for Disease Control and Prevention in Hangzhou. Dennoch seien sowohl beim Impfschema 0-14 als auch beim Impfschema 0-28 relativ schnell Antikörper gebildet worden. Das Impfschema 0-14 könnte sich daher auch als Notfallbehandlung eignen (Lancet Inf Dis 2020; online 17. November).

Die Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Inzidenz von SARS-CoV-2-Infektionen, so das Ergebnis einer randomisiert kontrollierten Studie aus Dänemark. Die Autoren betonen allerdings, dies sei wegen mehrerer Limitierungen auch zu erwarten gewesen. So sei die Inzidenz im Studienzeitraum generell niedrig gewesen, zudem hätten die Probanden eine unterschiedliche Adhärenz gezeigt. Der Hälfte der rund 6000 Studienteilnehmer war empfohlen worden, während der drei Stunden, die sie täglich mindestens im Freien verbrachten, eine Maske zu tragen, der anderen Hälfte nicht. Nach einem Monat wurden sie nach einem positiven Antikörper- oder PCR-Test oder einer klinischen COVID-19-Diagnose befragt. Nur etwa 4800 nahmen bis zum Ende an der Studie teil. Die Inzidenz lag nach vier Wochen in der Gruppe, denen das Tragen einer Maske empfohlen worden war, bei 1,8 Prozent. In der Kontrollgruppe lag sie bei 2,1 Prozent – kein signifikanter Unterschied. Die Untersuchung verdeutlicht allerdings eindrücklich, von wie vielen, sehr variablen Faktoren Studien zur Wirkung von nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPI) bei der Pandemiebekämpfung abhängen (Ann Intern Med, online 18. November).

Update vom 17. November

SARS-CoV-2 kann einer kleinen Studie zufolge auch die Muskelfasern des Zwerchfells infizieren und hier eine für COVID-19 typische und schwere Fibrosierung auslösen. Für ihre Studie hatten sich Wissenschaftler das Diaphragma von 26 COVID-19-Gestorbenen genauer angesehen und mit denen von acht gestorbenen Intensivpatienten verglichen, die nachweislich nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, aber ebenfalls mechanisch beatmet werden mussten. 92,3 Prozent der COVID-19-Patienten mussten beatmet werden, im Mittel über zwölf Tage. Auch die Vergleichsgruppe war über einen ähnlich langen Zeitraum hospitalisiert und beatmet worden. Das Team um Dr. Zhonghua Shi vom Uniklinikum Amsterdam konnte bei vier COVID-19-Patienten (15,4 Prozent) RNA des neuen Coronavirus im Diaphragma detektieren. Bei diesen Patienten hatte die Infektion offenbar zu einer Veränderung der zellulären Abläufe geführt, so waren Signalwege angeschaltet, die zu einer Fibrosierung führen. Dementsprechend war das Epimysium und Perimysium der Muskelfaserzellen des Zwerchfells doppelt so stark fibrosiert wie das Zwerchfell von Patienten der Kontrollgruppe (JAMA Intern Med, online 16. November).

Mit den Folgen der Corona-Pandemie auf junge Erwachsene zwischen 18 und 35 haben sich US-Forscher beschäftigt. Demnach berichteten 80 Prozent von rund 1000 anonym Befragten über depressive Symptome, 61 Prozent von moderaten bis schweren Angstzuständen. Die Studie zeigt dabei auch, dass dies mit Konsum von Alkohol und Drogen assoziiert ist: 80 Prozent gaben an, Alkohol zu trinken, 30 Prozent davon sogar in bedenklichen Mengen. Auch „Binge Drinking“ gaben relativ viele der jungen Erwachsenen an, fast jeder Zweite hatte sich im Monat vor der Befragung wenigstens einmal derart betrunken. 22 Prozent der Teilnehmer nahmen Drogen, jeder Dritte berichtete dabei sogar von schwerem Drogenkonsum. Dies könne über die Pandemie hinausdauernde Folgen für eine ganze künftige Generation haben, warnen die Forscher der Universität Miami und raten dringend zu Präventions- und Interventionsmaßnahmen (J Psychoactive Drugs, online 28. Oktober).

Update vom 16. November

Schulschließungen in den USA könnten 5,53 Millionen Lebensjahre gekostet haben. Ergebnisse einer entsprechenden Modellrechnung von US-Wissenschaftlern basieren auf der Annahme, dass durch die verlorenen Unterrichtsstunden ein geringerer Bildungsstand zu erwarten ist, der wiederum mit einer geringeren Lebenserwartung der Schüler zusammenhängen könnte. In den USA waren 24,2 Millionen Kinder zwischen fünf und elf Jahren von den ersten Schulschließungen betroffen, berichten die Forscher um Dr. Dimitri Christakis von der University of Washington in Seattle. Im Mittel sei der Schulunterricht für 54 Tage ausgefallen. Bei jedem Schüler soll sich die Lebenserwartung dadurch um 0,31 Lebensjahre verringert haben, bei jeder Schülerin um 0,21 Jahre. Zum Vergleich: Laut US-Seuchenbehörde CDC gab es bis Ende Mai in den USA 88.241 COVID-19-Tote. Den dadurch erlittenen Verlust an Lebensjahren beziffern die Wissenschaftler auf 1,5 Millionen Lebensjahre. Mögliche kompensatorische Effekte, etwa ein Nachholen des Unterrichts, beinhaltet das Modell von Christakis et al. nicht (JAMA Netw Open 2020; online 12. November).

Mehr als jeder zweite COVID-19-Patient leidet einer kleinen Studie zufolge nach Genesung an Fatigue. 128 Erkrankte befragte das irische Team um Dr. Liam Townsend zehn Wochen nach ihrer Genesung mittels Chalder Fatigue Scale (CFQ-11). Die Hälfte von ihnen war zuvor hospitalisiert worden, darunter auch Patienten, die eine mechanische Beatmung benötigten und auf einer Intensivstation versorgt wurden. 52,3 Prozent der 128 COVID-19-Patienten berichteten nach ihrer Genesung von Fatigue – und zwar unabhängig von der Schwere der Erkrankung. Fast jeder Dritte konnte noch nicht wieder arbeiten. Das Auftreten des Symptoms war zudem nicht mit der Konzentration inflammatorischer Marker im Blut der Patienten assoziiert. Etwas häufiger betroffen waren Frauen und Menschen, die bereits zuvor unter Depressionen und/oder Angstzuständen gelitten hatten (PLoS One 2020; online 9. November).

Update vom 13. November

Positive PCR-Tests nach durchgemachter COVID-19 sind meist unbedeutend. Italienische Forscher haben 32 Rekonvaleszenten untersucht, die keine Symptome mehr hatten sowie per PCR zweimal negativ auf SARS-CoV-2 getestet waren, im darauf folgenden Zeitraum aber erneut mehrere positive PCR-Testergebnisse hatten. Unklar ist in diesen Fällen, ob die Rekonvaleszenten tatsächlich infektiös sind und erneut in Isolation müssen, erinnert das Team um Dr. Flora Marzia Liotti. Mit einem speziellen Test auf „replikative SARS-CoV-2 RNA“ testeten Liotti und ihre Kollegen die Rekonvaleszenten daher erneut. „Replikative“ oder „subgenomische“ RNA weist darauf hin, dass das Virusgenom tatsächlich abgelesen wird und SARS-CoV-2 in der Zielzelle replizieren kann. Nur bei einem einzigen Rekonvaleszenten ließ sich diese replikative RNA tatsächlich feststellen, was also auf eine aktive Infektion hindeutet (JAMA Intern Med. 2020; online 12. November).

In frühen Stadien von COVID-19 gibt es bei Interferon-beta-1a-Inhalation oder auch bei Therapie mit dem SSRI Fluvoxamin Hinweise auf einen Nutzen. Britische Forscher vom General Hospital in Southampton haben 100 stationär behandelte Patienten (zwei Drittel bekamen Sauerstoff) nach dem Zufallsprinzip mit dem Interferon oder Placebo behandelt. Patienten der Verumgruppe hatten im Vergleich zu Placebo nach 15 Tagen 2,3 Punkte Vorsprung auf der OSCI-Skala. Mit dieser 9-Punkte-Skala (9=Tod) wird die Schwere der Erkrankung bewertet. Ebenso verbesserte Fluvoxamin (100mg 3× täglich über 15 Tage) in einer Studie an der Klinik der Washington University in St. Louis (USA) die Genesungschancen hospitalisierter COVID-19-Patienten. Die 152 Teilnehmer bekamen randomisiert den SSRI oder Placebo. Ergebnis: Nach 15 Tagen hatten sich die Symptome bei keinem Patienten in der Verumgruppe verschlechtert, aber bei sechs in der Placebogruppe. Beide Studien war allerdings zu klein für generalisierbare Ergebnisse, und die Forscher raten davon ab, die Arzneien außerhalb von klinischen Studien zu verwenden (Lancet Resp Med 2020; online 12. November und JAMA 2020; online 12. November).

Update vom 12. November

Nach überstandener COVID-19 besteht ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen. Und umgekehrt ist eine psychische Erkrankung offenbar ein eigenständiger Risikofaktor für COVID-19. Das berichten Forscher von der Universität Oxford. Sie haben elektronische Krankenakten von 62.354 Patienten mit COVID-19-Diagnose zwischen Januar und August 2020 aus dem „TriNetX Analytics Network“ in den USA ausgewertet. Binnen 14 bis 90 Tage nach Diagnose erkrankten 18 Prozent an einem psychischen Leiden (etwa Angststörungen, Insomnie oder Demenz). Das Risiko, in dieser Zeit eine psychische Störung zu bekommen, war dabei doppelt so hoch im Vergleich zu sechs anderen häufigen Erkrankungen (Influenza, Atemwegsinfekt, Hautinfektion, Cholelithiasis, Urolithiasis, Fraktur). Bei 5,8 Prozent der Betroffenen wurde die psychiatrische Diagnose erstmals gestellt. 1,6 Prozent der Betroffenen über 65 erhielten erstmals eine Demenz-Diagnose. Zudem hatten Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen im Vergleich zu Patienten ohne ein 1,6-fach erhöhtes COVID-19-Risiko. Die Forscher plädieren dafür, Patienten nach überstandener COVID-19 verstärkt auf psychische Störungen zu untersuchen (Lancet Psychiatry 2020; online 9. November).

Update vom 10. November

Enge Wohnverhältnisse in Altenheimen (etwa Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbäder) sind mit einer erhöhten COVID-19-Sterberate assoziiert. Das berichten Forscher von Public Health Ontario in Toronto (Kanada). Das Team hat retrospektiv Daten aus 618 kanadischen Heimen mit über 78.000 Bewohnern aus der Zeit zwischen Ende März und Mai analysiert. In dieser Zeit waren 5218 der Heimbewohner (6,6 Prozent) an COVID-19 erkrankt und 1452 (1,8 Prozent) daran gestorben. Die Zahl der Infektionen war dabei ungleich verteilt: 86 Prozent der Fälle traten in nur zehn Prozent der Heime auf. Die Forscher konnten zeigen, dass Heime mit zwei und mehr Bewohnern pro Schlafraum und Badezimmer besonders stark von COVID-19 betroffen waren. Verglichen mit Heimen mit mehr Platz war die Sterberate mehr als verdoppelt (1,3 vs 2,7 Prozent). Vor allem Vierbettzimmer waren mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Durch Umwandlung dieser Zimmer in Zweibettzimmer hätten sich knapp jede fünfte Infektion und jeder fünfte Todesfall vermeiden lassen (JAMA Intern Med. 2020; online 9. November).

Update vom 9. November

Britische Forscher finden Kreuzreaktivität durch Erklärungscoronaviren bei jedem Zwanzigsten. Bei 16 von 302 Probanden in einer britischen Studie fand sich eine Immunantwort auf SARS-CoV-2, obwohl diese Personen nachweislich nicht mit dem neuen Coronavirus infiziert waren. Die Forscher vermuten bei diesen 5,29 Prozent eine „Immunisierung“ durch vorangegangene Infektionen mit saisonalen Coronaviren. Die IgG-Antikörper zeigten eine Kreuzreaktivität gegen die S2-Untereinheit des Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Das Spike-Protein steht bekanntlich im Fokus der Impfstoffentwicklung. Auffallend in der Untersuchung war, dass insbesondere Kinder und Jugendliche eine ausgeprägte Kreuzreaktivität aufwiesen: In einer Kohorte von 48 Ein- bis 16-Jährigen, die nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, konnten die Forscher diese IgG-Antikörper bei 21 (43,8 Prozent) nachweisen. Das könnte erklären, warum Kinder und Jugendliche seltener erkranken, Älterere dafür umso öfter (Science 2020; online 6. November).

Infizierte Kinder bilden weniger und schwächere Antikörper (AK) gegen SARS-VoV-2 als Erwachsene, berichten US-Forscher vom Columbia University Irving Medical Center. Sie haben Rekonvaleszenten-Plasma von 47 Kindern und 32 Erwachsenen verglichen, und zwar von Patienten mit unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen (ambulante oder stationäre Therapie) in der Zeit von März bis Juni. Ergebnis: Bei Kindern gab es vor allem IgG-AK gegen das Virus-Spike-Protein. Bei Erwachsenen fanden sich auch AK gegen weitere Virusproteine, und diese hatten im Vergleich eine stärkere virus-neutralisierende Wirkung. Der Befund könnte ein Hinweis darauf sein, dass Kinder sich selten schwer mit dem Virus infizieren und daher auch weniger AK bilden, so die Forscher. Und: Bei keinem Kind wurden AK gegen das „Nukleokapsid-Protein“ des Virus gefunden. Das N-Protein sei aber die Basis vieler Tests, die damit offenbar zurückliegende Infekte bei vielen Kindern nicht erkennen könnten, so die Forscher (Nature Immunol 2020; online 5. November).

In München waren während der ersten Infektionswelle viermal so viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert wie nach den offiziellen Fallzahlen zu vermuten gewesen wäre. Das haben Untersuchungen in der prospektiven COVID-19-Kohorte München (KoCo19) ergeben. In der repräsentativen Gruppe von 5313 Einwohnern im Alter ab 13 wurden bei etwa 1,8 Prozent Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gefunden, berichten die Forscher um Professor Michael Hölscher von der LMU. Nach den Fallzahlen bis April war aber nur von einer Infektionsrate in der Münchener Bevölkerung von 0,4 Prozent ausgegangen worden. Basierend auf den KoCo19-Antikörperbefunden und den zum Ende der Feldarbeit den Behörden gemeldeten COVID-19-Todesfällen in München ergab sich eine Sterberate von 0,76 Prozent der Infizierten. Dies sei eine um ein Vielfaches höhere Rate als bei saisonalen Grippeinfektionen (Publikation auf Klinikum LMU-Website).

Update vom 6. November

COVID-19 geht bei Infarktpatienten mit ausgeprägteren Koronarthrombosen einher. Darauf deutet eine retrospektive Auswertung von 348 STEMI-Fällen aus sieben Londoner Herzzentren im März und April. Die Daten hatten die Forscher mit denen von 440 Fällen aus dem Vorjahreszeitraum verglichen. Danach wurden während der Corona-Pandemie 21 Prozent weniger STEMI-Patienten hospitalisiert. Die STEMI-Patienten mit COVID-19 hatten ausgeprägtere Koronarthrombosen und waren häufiger intensivpflichtig als Patienten ohne eine SARS-CoV-2-Infektion (33 vs. 9 Prozent). Auch das Sterberisiko war bei COVID-19 erhöht: 22 vs. 9 Prozent (Open Heart 2020; 7: e001432).

SARS-CoV-2 in Singapur hat besonders in Haushalten zu Sekundärinfektionen geführt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher, die die Daten von 1114 Infizierten und 7770 Kontakten aus dem Frühjahr untersucht haben. Körperliche Nähe, das Teilen eines Schlafzimmers, lange Gespräche während des Kontaktes und gemeinsame Autofahrten waren danach weitere Risikofaktoren für eine Übertragung von SARS-CoV-2. Im Gegensatz dazu führten gemeinsame Mahlzeiten oder die gemeinsame Nutzung von Toiletten nicht zu einem zusätzlichen Anstieg des Infektionsrisikos (Lancet Infect Dis 2020; online 2. November).

Update vom 5. November

Statine sollten nicht aufgrund der COVID-19-Pandemie oder einer SARS-CoV-2-Infektion abgesetzt werden. Denn: Bei COVID-19-Patienten, die bereits vor ihrer Hospitalisierung mit Statinen behandelt wurden, lässt sich eine verringerte Mortalität feststellen, berichten spanische Forscher. Sie werteten dazu Daten von 2159 COVID-19-Patienten aus 19 katalonischen Krankenhäusern aus. Ein Ergebnis: Die Sterberate von Patienten ohne Statinbehandlung lag bei 25,4 Prozent, die von Patienten mit Statinbehandlung bei 19,8 Prozent. Das entspricht einer um relative 22 Prozent niedrigeren Rate. Wurde die Statinbehandlung in der Klinik fortgesetzt, war dieser Wert sogar um relative 25 Prozent niedriger. Patienten unter Statintherapie hatten auch – allerdings statistisch nicht signifikant – weniger schwere Covid-19 Verläufe. (Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2020; online 2. November).

Eine SARS-CoV-2-Infektion kann unter besonderen Umständen auch mehrere Monate andauern: Wissenschaftler aus Hamilton im US-Staat Montana berichten von einer 71-Jährigen mit lymphatischer Leukämie und erworbener Hypogammaglobulinämie, die bei Klinikaufnahme wegen akuter Anämie auch positiv auf SARS-CoV-2 in den oberen Atemwegen getestet wurde. Viren konnten über einen Zeitraum von 105 Tagen nach dem ersten positiven Test hinweg nachgewiesen werden. 70 Tage lang waren die Viren auch infektiös. Die Frau blieb über die gesamte Zeit von mehr als drei Monaten asymptomatisch. Den Forschern zufolge konnte sich das Virus so lange im Körper der Patientin halten, da ihr geschwächtes Immunsystem nicht zu einer entsprechenden Immunantwort in der Lage war. Die Patientin erhielt zwei Zyklen von Rekonvaleszentenplasma. Erst einige Wochen danach war das Virus dann nicht mehr nachweisbar (Cell 2020; online 4. November).

Update vom 4. November

SARS-CoV-2 kann im Lungengewebe einer Studie zufolge zu einem völligen Umbau der Organstruktur führen. Dies könnte auch eine Ursache für COVID-19-Langzeitfolgen sein, vermuten Wissenschaftler um Professor Rossana Bussani von der Universität Triest. Neben den bereits bekannten deutlichen Schädigungen durch thrombotische Ereignisse in den Lungenvenen und –arterien stellten das Team bei Untersuchung von 41 gestorbenen COVID-19-Patienten auch fest, dass die Pneumozyten zum Teil zu einem Syncytium fusioniert waren, dabei also mehrere große Zellen mit jeweils mehreren Zellkernen entstanden sind. Ursache ist wohl die Infektion mit SARS-CoV-2 an sich, die das Verschmelzen der Zellen hervorruft (eBioMedicine; online 3. November).

Das neue Coronavirus kann im Korneagewebe nicht replizieren. Was auch deutsche Opthalmologen bereits berichtet haben, bestätigt nun eine neue Studie: Im Gegensatz zu beispielsweise dem Zika- oder dem Herpes-simplex-Virus-1 ist die Kornea keine Eintrittspforte für SARS-CoV-2. Einige COVID-19-Patienten berichteten zwar von einer Konjunktivitis, diese sei aber wohl eher eine sekundäre Reaktion auf die Inflammation in Folge der Virusinfektion, schreiben die Forscher der University School of Medicine in St. Louis. Für ihre Studie hatte das Team explantierte humane Korneae genutzt und mit einem SARS-CoV-2-Isolat infiziert (Cell Reports 2020; online 3. November).

Update vom 3. November

Schwangere haben wohl ein höheres Risiko als Nichtschwangere für eine Intensivpflicht, mechanisch beatmet werden zu müssen oder zu sterben. Das hat eine Auswertung der US-amerikanischen Seuchenbehörde CDC bestätigt. Die Behörde hatte Daten von rund 1,3 Millionen symptomatischen Frauen in den USA im Alter zwischen 15 und 44 Jahren mit labor-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion ausgewertet, darunter Daten von rund 23.000 Schwangeren. Bekannt war bereits, dass Schwangere ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben und dass die Diagnose oft schwerer zu stellen ist, da bei ihnen häufig die Symptome Fieber und Myalgie fehlen (siehe unser Corona-Update vom 28. September). Für die CDC-Auswertung justierten die Forscher die Daten für die Faktoren Alter, Ethnizität und Vorerkrankungen. Ergebnis: Schwangere Infizierte hatten im Vergleich mit nichtschwangeren Infizierten ein signifikant höheres Risiko für eine Aufnahme auf die Intensivstation (justiertes relatives Risiko [adjusted risk ratio, ARR]: 3), für invasive Beatmung (ARR 2,9) für eine extrakorporale ECMO-Beatmung (ARR 2,4) und zu sterben (ARR 1,7). Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es während der globalen SARS-CoV-2-Pandemie notwendig ist, Schwangere darin zu beraten, bei COVID-19-Symptomen sofort medizinische Hilfe aufzusuchen und auf entsprechende Vorsichts- und Hygienemaßnahmen zu achten (Morb Mortal Wkly Rep 2020; online 2. November).

Update vom 2. November

Die ASS-Gabe korreliert mit einem besseren COVID-19-Verlauf. Patienten, die mit ASS behandelt wurden, benötigen US-Daten zufolge nur halb so oft ein Intensivbett und eine mechanische Beatmung wie Patienten ohne ASS. Auch das Sterberisiko ist wohl in etwa halbiert. Das berichten Forscher aus Baltimore, die Registerdaten von 412 hospitalisierten COVID-19-Patienten analysiert haben. Bekannt ist ja, dass COVID-19 mit einer erhöhten Thromboseneigung einhergeht, was einerseits zur hohen Sterberate unter älteren Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen beiträgt, andererseits die Lungenfunktion beeinträchtigt: So ist die Rate von Mikrothrombosen in den Alveolarkapillaren bei COVID-19 etwa neunmal so hoch wie bei einer Influenzapneumonie, schreiben die Forscher um Dr. Jonathan Chow. Ob die Patienten bereits vor der Klinikaufnahme ASS bekommen hatten oder erst bei Aufnahme, hatte keinen Einfluss auf den beobachteten Effekt von ASS. Aber: Ob es tatsächlich am ASS oder anderen Faktoren liegt, ist noch unklar. Denn Patienten mit ASS bekommen in der Regel noch weitere kardiovaskuläre Medikamente, die ebenfalls den COVID-19-Verlauf beeinflussen könnten, geben die Forscher zu bedenken (Anesthesia & Analgesia 2020; online 21. Oktober). (mut)

Neuer Arznei-Kandidat? Forscher aus Frankfurt und aus Kent haben in Zellstudien herausgefunden, dass ein Proteaseinhibitor SARS-CoV-2 offenbar an der Replikation und am Zelleintritt hindert. Es handelt sich um den Wirkstoff Aprotinin, der früher zur Behandlung von Blutungen eingesetzt wurde, die auf einer Hyperfibrinolyse beruhen. Aprotinin ist in Russland, laut einer Mitteilung der Universität von Kent zur Veröffentlichung der Studie, als Aerosol zur Behandlung von Patienten mit Influenza zugelassen. Dieses könnte nun zügig auf eine therapeutische Wirkung bei COVID-19 getestet werden. Das Aprotinin-Aerosol könnte bei rechtzeitiger Anwendung eine Progression hin zu einem schweren Verlauf verhindern, mutmaßen die Wissenschaftler (Cells 2020; online 30. Oktober).

Update vom 30. Oktober

Die Sterberate bei schweren Verläufen von COVID-19 geht deutlich zurück, berichten Forscherteams aus den USA und England. Im Großraum New York etwa zeigt das eine Analyse des Krankenversicherers „NYU Langone Health“. Ausgewertet wurden Daten von über 5000 stationär behandelten Patienten an drei Kliniken. Waren im März noch 25,6 Prozent der Patienten gestorben, waren es im August nur noch 7,6 Prozent. Der Rückgang geht durch alle Altersgruppen. Zu den Gründen dafür wird Studienautorin Dr. Leora Horwitz in der „New York Times“ zitiert: „Wir haben kein Wundermittel, aber viele, viele kleine Verbesserung addieren sich in ihrer Wirkung. Wir wissen besser, welche Patienten eine mechanische Beatmung brauchen und nach welchen möglichen Komplikationen wir schauen müssen, etwa Thrombosen oder Nierenversagen. Wir haben gelernt, wie wir die Sauerstoffsättigung überwachen müssen, so das wir Patienten zum Beispiel rechtzeitig in die Klinik einweisen können. Und wir verstehen, dass Steroide helfen können und möglicherweise auch andere Medikamente (J Hosp Med. 2020; online 23. Oktober).

Von 12.000 Blutproben von Kindern und Jugendlichen in Bayern waren 0,87 Prozent zwischen April und Juli positiv für Antikörper gegen SARS-CoV-2, berichtet das Helmholz-Zentrum München. Das waren sechsmal mehr, als in einer Studie des Landesamts für Gesundheit. Dies deute auf eine höhere Übertragungsrate hin als in bisherigen Studien beschrieben, so das Zentrum in einer Mitteilung. Die Tests waren zusätzlich beim Screening der Kinder auf Frühformen des Typ-1-Diabetes im Rahmen des Fr1da-Projekts vorgenommen worden. Die Routineuntersuchung auf Diabetes-Antikörper ergab keine Assoziation von Diabetes und Corona-Infektion. Das Zentrum hat dabei einen neuen, zweistufigen Test-Ansatz auf SARS-CoV-2-Infektion mit hoher Spezifität verwendet: Dabei gilt das Ergebnis erst dann als positiv, wenn es Antikörper sowohl gegen die Rezeptor-Bindungsdomäne als auch gegen Nukleokapsid-Proteine gibt (Med J 2020; online 28. Oktober).

Update vom 29. Oktober

Einige schwerkranke COVID-19-Patienten bilden offenbar autoreaktive Antikörper gegen diverse körpereigene Proteine, darunter Typ-1-Interferone und Phospholipide. Dies könnte bei Überlebenden zu Autoimmunerkrankungen ähnlich der Rheumatoiden Arthritis (RA) oder dem systemischen Lupus Erythematodes führen. Forschern um Dr. Matthew C. Woodruff und Dr. Richard P. Ramonell von der Emory School of Medicine zufolge sind die Autoantikörper vermutlich eine Folge der überschießenden Immunreaktion, denn auch von anderen viralen Erkrankungen ist bekannt, dass sie deren Bildung triggern können. Das Team analysierte in einer kleinen, bisher noch nicht publizierten Studie die Daten von 52 COVID-19-Patienten im kritischen Zustand ohne zuvor bekannte Autoimmunität. Bei 44 Prozent von ihnen wurden unter anderem hohe Konzentrationen von Antinukleären Antikörpern (ANA) nachgewiesen (Titer ≥1:80), die hauptsächlich gegen Bestandteile des Zellkerns gerichtet sind. Rheumafaktoren wurden bei zehn Patienten detektiert. Möglicherweise könnten Therapeutika, die etwa bei RA eingesetzt werden, auch bei diesen Patienten eine Therapieoption sein, hoffen die Forscher (Preprint MedRxiv, online 28. Oktober).

Auch Hautmanifestationen bei COVID-19 können noch lange nach Genesung bestehen bleiben, berichten Dermatologen beim 29. Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology. Die Forscher um Letztautorin Dr. Esther Freeman vom Massachusetts General Hospital analysierte die Daten von rund 1000 Corona-Patienten aus 39 Ländern, die von Symptomen wie Urtikaria, Frostbeulen-ähnlichen Hautveränderungen oder papulosquamösen Eruptionen berichteten. Im Schnitt hielten die Symptome zwölf Tage an, gerade bei Patienten mit Frostbeulen-ähnlichen Hautmanifestationen können die Symptome allerdings wohl über einen langen Zeitraum bestehen bleiben: So berichtete ein Patient auch 130 Tage nach seiner Genesung noch von dem Symptom (Mitteilung der European Academy of Dermatology and Venereology; online 29. Oktober).

Update vom 28. Oktober

Coronaviren sind anscheinend Meister der Mimikry. Sie tarnen sich, wie viele andere Viren auch, mit Oberflächenmolekülen, die Proteinen des menschlichen Körpers ähneln und daher vom Immunsystem nicht erkannt werden. Über 150 solcher Mimikry-Moleküle haben Forscher nun bei Coronaviren entdeckt, darunter auch solche, die Proteinen des Komplementsystems und koagulativ wirkenden Proteinen nachempfunden sind. Die Forscher vermuten, dass diese das Immunsystem in einen hyperaktiven Zustand versetzen und die typische COVID-19-Pathologie bei schweren Verläufen hervorrufen können. Die Strategie der Mimikry verfolgen Coronaviren offenbar stärker als andere Viren. In ihrem relativ kleinen einzelsträngigen RNA-Genom ist die Bauanleitung für eben jene nun gefundenen rund 150 Mimikry-Moleküle kodiert, andere Viren, etwa das Herpesvirus mit seinem doppelsträngigen DNA-Genom, haben Codes für deutlich weniger solcher Proteine, schreiben die Forscher um Dr. Gorka Lasso vom Columbia University Medical Center in New York (Cell Systems 2020; online 13. Oktober)

Update vom 27. Oktober

Nicht nur Antikörper von Rekonvaleszenten, auch deren T-Zellen könnten eine Option sein, um schwere COVID-19-Verläufe bei vulnerablen Patienten zu verhindern. Forscher aus den USA haben T-Zellen von 46 rekonvaleszenten COVID-19-Patienten im Labor vermehrt und festgestellt, dass einige von ihnen SARS-CoV-2 gezielt inaktivieren können. T-Zellen als Teil der Immunantwort auf SARS-CoV-2 sind jüngst in den Fokus geraten, da die Antikörper bei einigen COVID-19-Patienten nach Genesung relativ schnell wieder abnehmen. Künftig könnten die T-Zellen etwa Krebspatienten oder Immunsupprimierten verabreicht werden, um eine Infektion und schwere Verläufe zu verhindern, hoffen Dr. Michael Keller vom Children‘s National Hospital in Washington und seine Kollegen. Die meisten der T-Zellen waren gegen eine hochkonservierte Region im C-Terminus des Membranproteins gerichtet, was einen weiteren Ansatzpunkt neben dem viralen Spike-Protein für Impfstoffe sein könnte, schreiben die Wissenschaftler (Blood 2020; online 26. Oktober).

Deutsche Forscher haben einen Score entwickelt, um das Risiko eines Arbeitnehmers für einen schweren COVID-19-Verlauf abschätzen zu können. Einbezogen werden in den IKKA-Score die Faktoren Immunsuppression (I), Krankheitsschwere bestehender Vorerkrankungen (K), Komorbiditäten/Risikofaktoren gemäß RKI (K) und Alter (A). In diesen Kategorien werden Punktwerte je nach Ausmaß der Risikofaktoren vergeben. Das Verfahren dient als eine konkrete Entscheidungshilfe, ob und wenn ja, welche beruflichen Einsatzmöglichkeiten bestehen. Mit dem Score kann ein Abgleich mit der sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergebenden individuellen Infektionsgefährdung der Beschäftigten erfolgen und eine risikoadaptierte Einsatzmöglichkeit für besonders gefährdete Arbeitnehmer gesucht werden, heißt es in einer Mitteilung der DGAUM (ASU Zeitschrift für medizinische Prävention 2020; online 20. Oktober).

Update vom 26. Oktober

Die Betreuung kleiner Kinder birgt offenbar kein erhöhtes Risiko für eine Corona-Infektion. In einer Fall-Kontrollstudie mit 57.000 Erziehenden aus 28 US-Staaten wurde untersucht, ob Mitarbeiter, die während der ersten drei Monate der Pandemie weiter in der Betreuungseinrichtung arbeiteten, sich häufiger mit SARS-CoV-2 infizierten als Mitarbeiter, deren Einrichtung geschlossen wurde. Ergebnis: Weder in der Zahl der Infektionen noch der Zahl der Hospitalisierungen aufgrund von COVID-19 unterschieden sich beide Gruppen signifikant, berichten Forscher um Dr. Walter Gilliam von der Yale School of Medicine in New Haven. In über 90 Prozent der Betreuungseinrichtungen mussten sich sowohl Kinder als auch die Mitarbeiter täglich die Hände waschen und die Oberflächen wurden mehrmals täglich desinfiziert. In mehr als jeder dritten Einrichtung trugen die Betreuenden einen Mund-Nasen-Schutz. Insgesamt lag die Zahl der positiv getesteten oder wegen COVID-19 hospitalisierten Erziehenden bei 427 (0,7 Prozent) (Pediatrics 2020; preprint 16. Oktober).

Update vom 23. Oktober

Der Nutzen von Tocilizumab bei der Behandlung von COVID-19 bleibt unklar. Der IL-6-Inhibitor soll eine mögliche überschießende Immunreaktion, den „Zytokinsturm“, abschwächen. Drei aktuell publizierte Studien kommen nun zu unterschiedlichen Aussagen. So fand eine kontrollierte Studie keinen Hinweis auf eine Verbesserung der Prognose bei hospitalisierten, moderat erkrankten COVID-19-Patienten (NEJM, online 21. Oktober). So mussten bis zum Tag 28 in der Tocilizumab-Gruppe 10,6 Prozent der Patienten mechanisch beatmet werden bzw. waren gestorben, in der Placebo-Gruppe waren es 12,5 Prozent. Eine weitere Studie mit 130 Patienten mit einer moderaten bis schweren COVID-19-Pneumonie ergab, dass unter Tocilizumab zwar weniger Patienten beatmet werden mussten (noninvasiv wie auch per Intubation) oder innerhalb von 14 Tagen starben. Die 28-Tages-Mortalität unterschied sich im Vergleich mit Standardtherapie allerdings nicht signifikant (JAMA Intern Med 2020; online 20. Oktober). Eine dritte Studie mit intensivmedizinisch versorgten Patienten ergab wiederum, dass bei früher Gabe von Tocilizumab innerhalb der ersten zwei Tage nach Einlieferung das Risiko, noch in der Klinik zu sterben, unter Tocilizumab geringer war. Die 30-Tage-Mortalität betrug hier 27,5 Prozent versus 37,1 Prozent bei Patienten, die kein Tocilizumab erhalten hatten (JAMA Intern Med; online 20. Oktober).

Update vom 22. Oktober

Menschen mit Down-Syndrom haben ein zehnfach höheres Risiko, an COVID-19 zu sterben, als Menschen ohne Down-Syndrom. Auch das Risiko schwerer Verläufe mit Hospitalisierung bei einer SARS-CoV-2-Infektion ist deutlich höher, und zwar viermal so hoch. Das berichten Forscher, die Angaben der „QResearch“ Datenbank zu 8,3 Millionen Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich untersucht haben, darunter 4053 Menschen mit Trisomie 21. Verwunderlich sind die Ergebnisse nicht, leiden doch viele Menschen mit Down-Syndrom an angeborenen Herzfehlern oder einem eingeschränkten Immunsystem. Es sei daher wichtig, auf diese besonders vulnerable Gruppe zu achten, betonen die Forscher. Bisher sei das Down-Syndrom allerdings weder in Großbritannien noch von der US-Behörde CDC als Risikofaktor für schwere oder tödliche COVID-19-Verläufe gelistet (Ann Intern Med 2020; online 21. Oktober).

Update vom 21. Oktober

Einen weiteren „Türöffner“ für SARS-CoV-2 haben Forscher unter deutsch-finnischer Leitung entdeckt. Offenbar erleichtert das Protein Neuropilin-1 die Bindung des viralen Spike-Proteins an den ACE2-Rezeptor der Wirtszelle. In Zellkultur-Versuchen konnte durch die spezifische Blockierung von Neuropilin-1 durch Antikörper eine Infektion mit SARS-CoV-2 unterdrückt werden. „Wenn man sich ACE2 als Eintrittstür in die Zelle vorstellt, dann könnte Neuropilin-1 ein Faktor sein, der das Virus zur Tür lenkt. ACE2 wird in den meisten Zellen in sehr geringen Mengen exprimiert. Daher ist es für das Virus nicht leicht, Türen zum Eindringen zu finden. Andere Faktoren wie Neuropilin-1 scheinen notwendig zu sein, um dem Virus zu helfen“, wird Studienleiter und Letztautor Professor Mikael Simons vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in einer Mitteilung des Zentrums anlässlich der Publikation zitiert. Als weiteres Indiz für ihre Theorie werten die Wissenschaftler die Tatsache, dass sie in Gewebeproben gestorbener COVID-19-Patienten SARS-CoV-2 in Körperzellen nachweisen konnten, die Neuropilin-1 auf ihrer Oberfläche exprimierten (Science 2020; online 20. Oktober).

Update vom 20. Oktober

Mundspülungen und orale Antiseptika könnten die Viruslast von humanen Coronaviren im Rachenraum verringern und nach einer Infektion eine Weiterverbreitung der Viren verhindern, berichten Forscher des Penn State College of Medicine. In ihrer Studie mit humanen Zellkulturen untersuchten sie zwar nicht spezifisch SARS-CoV-2, sondern stellvertretend für alle humanen Coronaviren das Virus „HCoV-229e“. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass ihre Erkenntnisse auch auf SARS-CoV-2 übertragbar sind. Im Ergebnis reduzierten die meisten der neun untersuchten Mundspülungen, die jeweils unterschiedliche Inhaltsstoffe in verschiedenen Konzentrationen enthielten, die Viruslast um wenigstens 90 Prozent, wenn eine Minute oder länger der Mund gespült wurde, schreiben Dr. Craig Meyers und seine Kollegen (J Med Virol 2020; online 17. Oktober).

Update vom 19. Oktober

Der Zytokin-Sturm, der bei einigen Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf auftritt, unterscheidet sich deutlich von Zytokin-Stürmen bei anderen Erkrankungen, etwa bei Sepsis, dem Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) oder dem Zytokin-Freisetzungssyndrom. Das berichten Wissenschaftler vom General Hospital in Boston. Sie haben in einer Metaanalyse unter anderem festgestellt, dass die Konzentration von Interleukin-6 (IL-6) bei den genannten Erkrankungen deutlich höher liegt als bei COVID-19: Bei Patienten mit Zytokin-Freisetzungssyndrom lag die IL-6-Konzentration im Schnitt 100-mal höher als bei COVID-19-Patienten, bei Sepsis-Patienten 27-mal so hoch und bei ARDS-Patienten 12-mal so hoch. Im Gegensatz dazu lagen die Konzentrationen von D-Dimer, C-reaktivem Protein und Ferritin bei COVID-19-Patienten häufig höher als bei Patienten mit Sepsis, ARDS oder dem Zytokin-Freisetzungssyndrom. Die Ergebnisse belegten ein bisher beispielloses „inflammatorisches Profil“ von COVID-19, schreiben die Forscher um Dr. Daniel Leisman (Lancet Resp Med 2020; online 16. September).

Update vom 16. Oktober

Zahlreiche Arzneien verpassen den Beweis der Mortalitätssenkung. In einer großen multizentrischen Auswertung der von der WHO geförderten SOLIDARITY-Studie konnten Lopinavir/Ritonavir, Remdesivir, Hydroxychloroquin (HCQ) und β1a-Interferon (IFN-β) keinen Effekt auf die Mortalität bei COVID-19-Patienten zeigen. In der noch nicht begutachteten Auswertung von 11.266 erwachsenen Patienten an 405 Spitälern in 30 Ländern konnten alle Wirkstoffe keinen signifikanten Effekt zeigen. Die Patienten erhielten randomisiert einen dieser Wirkstoffe oder nur Best Supportive Care. Die 28-Tages-Sterblichkeit lag gesamt bei 12 Prozent, bzw. bei 39 Prozent unter jenen Patienten, die zu Beginn der Therapie schon beatmet werden mussten. Die Ratenverhältnisse für die Mortalität lagen für Remdesivir bei 0,95 (0,81–1,11, p=050), für HCQ bei 1,19 (0,89–1,59, p=0,23), für Lopinavir/Ritonavir bei 1,00 (0,79–1,25) und für IFN-β bei 1,16 (0,96–1,39; p=0,11). Der Remdesivir-Hersteller Gilead verwies am Freitag darauf, dass die „sich abzeichnenden Daten nicht mit robusteren Datensätzen aus mehreren randomisierten, kontrollierten Studien übereinzustimmen“ scheinen. Früher Daten hatten in der Tat einen signifikanten Vorteil bei der Zeit bis zur Genesung gezeigt (im Mittel minus fünf Tage versus Standardtherapie). (medRxiv 2020.10.15.20209817).

Einen „Atlas“ der molekularen Mechanismen, mit denen die Coronaviren MERS, SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 ihre Wirtszelle manipulieren, hat ein Team von mehr als 200 Wissenschaftlern aus 6 Ländern erstellt. Sie hoffen, damit Ansatzpunkte für neue Medikamente gegen COVID-19 zu finden. Zwei mögliche Medikamente haben sie dabei schon im Visier: Sie fanden zwei bereits zugelassene Wirkstoffe, die in Zellkulturen Wirkung gegen alle drei Coronaviren zeigen: Psychopharmaka mit Wirkung gegen den Sigma-Liganden und den Entzündungshemmer Indomethacin. Durch Analyse vorhandener Patientendaten fanden die Wissenschaftler zudem erste Hinweise darauf, dass bei COVID-19-Patienten, die diese Medikamente erhalten hatten, die Erkrankung leichter verlief (Science, online 15. Oktober).

Eine Impfung, die auf inaktivierten SARS-CoV-2-Viren basiert („BBIBP-CorV“), ist vorläufigen Phase-I/II-Ergebnissen zufolge sicher und immunogen. Der Impfstoffkandidat wurde in der chinesischen Studie zweimalig verabreicht (entweder als 4 μg- oder als 8 μg-Dosis) bei über 600 Probanden im Alter von 18 bis 80 Jahren. Antikörper seien nach Impfung von allen Studienteilnehmern gebildet worden. Allerdings habe es bei den über 60-Jährigen deutlich länger gedauert, bis Antikörper detektiert werden konnten, und zwar im Schnitt 42 Tage. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 18-60-Jährigen konnten bereits nach 28 Tagen Antikörper nachgewiesen werden. Zudem wurden in der Altersgruppe der über 60-Jährigen, also der hauptsächlichen Risikogruppe für schwere Verläufe von COVID-19, deutlich weniger Antikörper gebildet. Ob die Menge der Antikörper insgesamt ausreicht, um einen ausreichenden Schutz zu induzieren, wurde in der Studie noch nicht getestet – das muss nun eine weitere Untersuchung zeigen (Lancet Inf Dis 2020; online 15. Oktober).

Update vom 15. Oktober

Forscher haben eine Übersterblichkeit durch COVID-19 in 21 industrialisierten Ländern errechnet. Danach sind dort vermutlich 206.000 Menschen mehr gestorben, als es wahrscheinlich Tote ohne die SARS-CoV-2-Pandemie gegeben hätte, so die britischen Forscher. In ihrer Untersuchung berücksichtigten die Forscher Länder mit mehr als vier Millionen Einwohner im Jahr 2020 und die wöchentlich Daten zur Mortalität aus jeglichen Gründen bereitstellen – aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht. Als Untersuchungszeitraum wählten sie 2015 bis Ende Mai 2020. Deutschland wurde nicht berücksichtigt. Die Exzessmortalität seit Februar 2020 errechneten die Wissenschaftler anhand des Vergleichs mit den gemittelten Sterbefällen in den Vorjahreszeiträumen. Diese verteilt sich offenbar in etwa gleich auf beide Geschlechter. England, Wales und Spanien hatten anscheinend die größte Übersterblichkeit mit zusätzlich 100 Todesfällen je 100.000 Einwohner. Das wäre in etwa ein Anstieg um relativ 37 Prozent. In Spanien betrüge der Anstieg der Todesfälle demnach relativ 38 Prozent. Den niedrigsten relativen Anstieg gab es der Untersuchung zufolge bei den Männern in Österreich (14,3 Tote mehr pro 100.000 Einwohner), der Schweiz (21,9) und Portugal (27,4 bei den Männern, 28,7 bei den Frauen) (Nat Med 2020; online 14. Oktober).

Update vom 14. Oktober

Genesene sind wohl nicht immer immun gegen eine Reinfektion. Forscher der University of Nevada berichten über den nach eigenen Angaben ersten Fall einer symptomatischen Reinfektion in den USA und bestätigen damit frühere Berichte aus anderen Ländern. Es handelt sich um einen 25-Jährigen aus Nevada, der Mitte April dieses Jahres und dann erneut Anfang Juni positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Dazwischen lagen zwei negative Tests, die im Mai vorgenommen wurden. Über den Patienten schreiben die Forscher, dass er keine immunologischen Auffälligkeiten habe und nicht mit HIV infiziert sei. Die beiden Varianten von SARS-CoV-2 hätten „signifikante genetische Unterschiede“, außerdem sei die zweite Infektion schwerer als die erste verlaufen. Nach der zweiten Infektion benötigte der Patient zusätzlichen Sauerstoff in der Klinik und hatte außerdem Myalgie, Husten und Kurzatmigkeit. Die Forscher schließen nicht aus, dass es sich womöglich um eine einzige fortlaufende Infektion mit einer extrem schnellen In-vivo-Mutation des Virus handeln könnte. Eine derart hohe Mutationsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2 sei aber bisher nicht berichtet worden. Die beschriebene Reinfektion habe Auswirkungen auf die Entwicklung einer SARS-CoV-2-Vakzine, die womöglich nicht zu einer 100-prozentigen Schutzwirkung für alle Individuen führen könne. In Anbetracht der neuen Erkenntnisse sollten Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion weiterhin von allen Personen befolgt werden, unabhängig davon, ob diese bereits eine Infektion durchgemacht haben oder nicht, schreiben die Wissenschaftler weiter (Lancet Infect Dis 2020; online 12. Oktober).

Einen Smartphone-basierten Test auf SARS-CoV-2, der Ergebnisse zu einer Infektion innerhalb von fünf Minuten liefern soll und sich der CRISPR-Technik bedient, haben Forscher der University of California vorgestellt und auf dem Preprint-Server MedRxIv veröffentlicht. An dem Projekt beteiligt ist Professor Jennifer Doudna, die vergangene Woche mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Der Test setzt statt auf Amplifizierung der viralen RNA wie bei einem PCR-Test auf die Restriktionsenzyme CRISPR-Cas13a. Die Enzyme spüren vordefinierte Gensequenzen auf, in diesem Fall RNA von SARS-CoV-2 in Nasenabstrichen. Der Test drückt Informationen zur festgestellten Viruslast über Fluoreszenz-Signale aus, die mit einem Smartphone mit Kamera aufgefangen und ausgelesen werden können (medRxiv 2020; online 30. September).

Update vom 13. Oktober

Offenbar geringes Infektionsrisiko für Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter: Von 101 Neugeborenen von Müttern mit bestätigter oder vermuteter perinataler SARS-CoV-2-Infektion hatten zwei ein positives Testergebnis auf das Virus, keines hatte klinische Anzeichen von COVID-19, hat eine retrospektive Kohortenanalyse einer Geburtsklinik aus New York City ergeben. Es gebe keine Anzeichen einer vertikalen Transmission des Virus bei den untersuchten Kindern, obwohl die meisten Neugeborenen den Raum mit den Müttern teilten und von ihnen gestillt wurden. 55 der Neugeborenen wurden noch weitere zwei Wochen lang beobachtet und blieben gesund. Eine zügige räumliche Trennung von Müttern und Neugeborenen während der COVID-19-Erkrankung sei in Anbetracht der Studienergebnisse nicht zwingend erforderlich, schlussfolgern die Wissenschaftler (JAMA Pediatr 2020; online 12. Oktober).

Update vom 12. Oktober

SARS-CoV-2 außerhalb des Körpers wohl doch länger infektiös als gedacht: Bis zu 28 Tage waren infektiöse Viren in einer australischen Studie bei 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur auf Glas, Edelstahl und Papier noch nachweisbar. Auf Baumwolle war das Virus noch nach 14 Tagen nachweisbar. Nicht berücksichtigt wurde der Einfluss des UV-Lichts: Die Studie wurde im Dunkeln ausgeführt, da direkte Sonnenlichteinstrahlung das Coronavirus bekanntermaßen schnell inaktiviert. Eine weitere Laborbedingung: Eine gleichbleibende Feuchtigkeit von 50 Prozent relativer Feuchte wurde für alle untersuchten Temperaturen aufrechterhalten. Der errechnete D-Wert, also die Zeit, bis eine 90-prozentige Titerreduktion erreicht ist, betrug bei 20 Grad Celsius zwischen 5,5 Tagen für Baumwolle und 9,1 Tagen für Papier. Erhöhten die Forscher die Umgebungstemperatur, war das Virus deutlich kürzer nachweisbar: Infektiöse Viren waren bei 30 Grad noch nach sieben Tagen auf Edelstahl, Plastik und Glas nachweisbar, auf Baumwolle noch nach drei Tagen. Bei 40 Grad waren nach 24 Stunden keine infektiösen Viren mehr auf Baumwolle und nach 48 Stunden auf keiner anderen Oberfläche mehr nachweisbar (Virol J 2020; online 7. Oktober).

Update vom 9. Oktober

21 Prozent der jungen hospitalisierten COVID-19-Patienten in den USA mussten intensiv versorgt werden, zehn Prozent der 18- bis 34-jährigen COVID-19-Patienten sogar mechanisch beatmet. Die Todesrate lag in einer Studie mit 3222 hospitalisierten jungen COVID-19-Patienten, die in 419 US-Kliniken behandelt worden waren, bei 2,7 Prozent. Die Mortalitätsrate liege damit zwar unter der Todesrate von älteren COVID-19-Patienten, aber doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Patienten, die beispielsweise wegen eines Herzinfarkts in eine Klinik eingeliefert werden, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Jonathan Cunningham vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Junge Patienten, die mehr als einen Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf trugen (etwa Übergewicht, Diabetes oder Hypertonie) hatten sogar das gleiche Risiko für komplizierte Verläufe wie etwa ein 64-Jähriger ohne Risikofaktoren. Auch wenn in der Studie viele der hosplitalisierten 18- bis 34-jährigen COVID-19-Patienten Komorbiditäten hatten, sei ihr Risiko doch substanziell, so Cunningham und Kollegen. Jüngere sollten das Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung daher nicht auf die leichte Schulter nehmen (JAMA Intern Med 2020; online 9. September).

IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 sind nach einer Infektion auch im Speichel nachweisbar, und zwar noch mehr als drei Monate nach der Erkrankung. Das haben Forscher der University of Toronto festgestellt. Gleichzeitig fanden sie auch im Blut von 402 Rekonvaleszenten mehr als drei Monate nach Symptombeginn IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2. Im Gegensatz zu IgG nahmen allerdings die IgA- und IgM-Antikörper relativ schnell wieder ab. Nach 16 bis 30 Tagen sei ein deutlicher Abfall zu beobachten gewesen, sowohl im Blut als auch im Speichel, so die Wissenschaftler. Die Studie belege aber, dass bei der Mehrheit der Patienten mit COVID-19 eine lang anhaltende Immunität durch IgG-Antikörper sowohl im Blut als auch im Speichel induziert werde, schreibt das Team um Baweleta Isho. Ein weiteres Fazit: Auch Speichelproben könnten sich für Tests auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 eignen (Science Immunol 2020; online 8. Oktober).

Update vom 8. Oktober

Bei Schwangeren treten COVID-19-Symptome zum Teil über mehr als zwei Monate auf und damit deutlich länger als bei anderen COVID-19-Patienten. In einer Studie mit 594 Frauen mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis hatten 50 Prozent der Frauen nach drei Wochen weiterhin COVID-19-Symptome (am häufigsten Husten, Halsschmerzen, Fieber und Myalgien), 25 Prozent der Schwangeren sogar noch nach acht Wochen. Im Mittel befanden sich die Frauen in der 24. Schwangerschaftswoche. Die Symptome ähnelten grundsätzlich den typischen COVID-19-Patienten. Einige Symptome treten allerdings generell bei Schwangeren recht häufig auf und überlappen daher mit den COVID-19-Symptomen (Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit), schreiben die Gynäkologen um Dr. Yalda Afshar von der University of California in San Francisco in einer Mitteilung der Universität (Mitteilung zur Studie in Obstetrics & Gynecology 2020; online 7. Oktober).

Raumluftreiniger könnten eine technische Lösung sein, um etwa in Wartezimmern die indirekte Infektionsgefahr durch Aerosole stark zu verringern. So lautet das Fazit einer Studie von Forschern der Universität der Bundeswehr in München. Das Team untersuchte die Filterleistung eines Raumluftreinigers mit einer Kombination aus Filtern der Klasse H13/H14, die gewährleistet, dass selbst Aerosole mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 μm zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden werden, wie die Universität berichtet. In ihrer Untersuchung testeten die Wissenschaftler das „Viromed Klinik Akut V 500“ Entkeimungsgerät. Die Ergebnisse zeigten, dass die Aerosolkonzentration in einem Raum mit einer Größe von 80m2 in sechs Minuten halbiert wird. Im Dauerbetrieb sei die gemessene Verweilzeit des ausgeatmeten Aerosols im Raum so kurz, dass eine Anreicherung der Raumluft mit infektiösen Aerosolen nicht möglich sei. Selbst in einem 22m langen Flur mit über 40m2 konnte bei maximalem Volumenstrom eine Halbierung der Aerosolkonzentration innerhalb von rund fünf Minuten realisiert werden. Die Forscher um Professor Christian Kähler betonen aber auch, dass es trotz der Raumfilter wichtig ist, auf einen ausreichenden Abstand zu anderen Personen zu achten und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen, um das direkte Infektionsrisiko zu verringern (Studie der Universität der Bundeswehr München, online 2. Oktober).

Update vom 7. Oktober

Eine vorherige Infektion mit endemischen Coronaviren könnte einen COVID-19-Verlauf abmildern. Vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen vorherige Coronavirus-Infektionen wohl aber nicht. Das berichten Forscher vom Boston Medical Center und der Boston University School of Medicine. Zur Familie der Coronaviren gehören ja auch vier endemische Coronaviren, die Erkältungssymptome auslösen: Die humanen Coronaviren OC43, HKU1, NL63 und 229E. Das Team hatte sich aus einer Datenbank Angaben von 15.928 Patienten angeschaut, bei denen in Vor-Corona-Zeiten (genauer Anfang Mai 2015 bis Anfang März 2020) ein Test auf eine Infektion mit OC43, HKU1, NL63 oder 229E durchgeführt wurde. Bei 875 war das Testergebnis positiv ausgefallen, bei 15.053 negativ. Wie die Forscher schreiben, unterschieden sich die beiden Gruppen hinsichtlich demografischer Unterschiede nur marginal, in Bezug auf Komorbiditäten habe es keine signifikanten Unterschiede gegeben. In der Corona-Pandemie lagen von 1812 dieser Patienten (11,4 Prozent) auch ein positiver SARS-CoV-2-Test vor, und zwar anteilig in beiden Gruppen bei etwa gleich vielen Personen. Nun zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede beim Krankheitsverlauf von COVID-19: So starben in der Gruppe der bereits zuvor mit Coronaviren infizierten COVID-19-Patienten bei Hospitalisierung 4,8 Prozent. Bei den COVID-19-Patienten, die sich zuvor nicht mit Coronaviren infiziert hatten, starben 17,7 Prozent (J Clin Investigation 2020; online 30. September).

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Ein Schlaganfall kann das Erstsymptom bei jüngeren COVID-19-Patienten sein, hat eine Metaanalyse ergeben – selbst wenn diese keine Vorerkrankungen haben oder andere Risikofaktoren aufweisen. Ein Team um Dr. Sebastian Fridman von der Western Universität in Ontario wertete für die Analyse Daten aus zehn Studien zur Schlaganfallhäufigkeit bei COVID-19-Patienten und 35 bisher unveröffentlichte Fälle aus verschiedenen Ländern aus. Die Forscher analysierten klinische Merkmale und Mortalitätsraten im Krankenhaus und teilten die Probanden dafür in drei Altersgruppen: unter 50, 50 bis 70 und über 70 Jahre. Der Anteil der COVID-19-Patienten, die einen Schlaganfall hatten (1,8 Prozent) und im Krankenhaus daran starben (34 Prozent), sei außerordentlich hoch gewesen, so die Forscher. Viele Patienten der jüngsten Gruppe, die einen Schlaganfall hatten, wiesen keine Risikofaktoren oder Komorbiditäten auf (43 Prozent). Bei fast der Hälfte der jungen Patienten (48 Prozent) schien der Schlaganfall ohne vorausgehende COVID-19-Symptome aufgetreten zu sein (Neurology 2020; online 15. September). (sj)

Eine hohe Infektionsrate bei Menschen aus armen Bevölkerungsschichten in Gemeinschaftsunterkünften zeigt eine französische Studie, von der die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF, Ärzte ohne Grenzen) berichtet. Ergebnisse von Antikörpertests in Paris und dem Umland der französischen Hauptstadt zeigten, dass an 14 Orten, an denen Ärzte ohne Grenzen in der aktuellen Pandemie Hilfe leistet, die Inzidenzrate sehr hoch liegt, und zwar besonders in Notunterkünften (Antikörper-Positivenrate zwischen 23 und 62 Prozent) und Arbeiterwohnheimen (zwischen 82 und 94 Prozent). Erstmals weise damit MSF zufolge eine epidemiologische Studie in Europa einen engen Zusammenhang zwischen prekären Lebensbedingungen und einer erhöhten SARS-CoV-2-Infektionsrate nach. Insgesamt wurden 818 Personen auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet, bei 426 – also mehr als der Hälfte – wurden Antikörper nachgewiesen (Epicentre, MSF, online 6. Oktober).

Update vom 6. Oktober

Neurologische Beeinträchtigungen treten bei hospitalisierten COVID-19-Patienten sehr häufig auf. In einer Studie, die an zehn Kliniken in Chicago mit 509 Patienten durchgeführt wurde, berichteten bereits bei Einlieferung 63 Prozent der Patienten von neurologischen Manifestationen: Myalgien, Kopfschmerzen, Enzephalopathie (31,8 Prozent) und Verwirrtheit. Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen mussten dabei im Durchschnitt drei Tage länger in der Klinik bleiben und waren im Schnitt jünger als Patienten ohne solche Beeinträchtigungen. Patienten mit Enzephalopathie mussten sogar im Durchschnitt dreimal so lang wie Patienten ohne neurologische Beeinträchtigungen in der Klinik bleiben. Bei Patienten mit Enzephalopathie war zudem das 30-Tages-Mortalitätsrisiko deutlich höher, und zwar 21,7 vs. 3,2 Prozent. Das Fazit der Forscher um Dr. Eric M. Liotta lautet daher: Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen sollten besonders engmaschig überwacht werden (Ann Clin Translat Neurol, online 5. Oktober).

Bei Krebspatienten sollte mindestens ein Monat nach positivem SARS-CoV-2-Nachweis bis zur Op vergehen. Bei kürzerer Wartezeit bestehe sonst ein deutlich erhöhtes Risiko einer Lungenkomplikation, berichten britische Forscher. An der Multicenter-Studie nahmen 78 Kliniken aus 16 Nationen teil, allen voran Italien, Großbritannien und Spanien. 122 Krebs-Patienten mit ehemals positivem Abstrich wurden einer Op unterzogen: Gut 22 Prozent innerhalb von zwei Wochen nach Vorliegen des Testergebnisses, knapp die Hälfte zwischen zwei und vier Wochen danach und 29 Prozent nach mehr als vier Wochen. Insgesamt war bei ihnen das Risiko für Lungenkomplikationen nach Op im Vergleich mit 448 Patienten, die negativ getestet worden waren, signifikant höher, nämlich 10,7 versus 3,6 Prozent. Allerdings zeigte sich auch: Sowohl die Lungenkomplikationsrate als auch die Mortalität, beides innerhalb von 30 Tagen, waren unter den ehemals Infizierten am höchsten, wenn bis zur Op nur ein bis zwei Wochen abgewartet wurden (18,5 beziehungsweise 7,7 Prozent). Bei einer Wartezeit von zwei bis vier Wochen sanken die Raten auf 11,7 beziehungsweise 3,4 Prozent. Von den 35 Patienten, die noch länger gewartet hatten, war niemand an der Lunge erkrankt und auch niemand gestorben (Br J Surg 2020; online 25. September).


Update vom 5. Oktober

Masken erhöhen selbst bei COPD-Patienten wohl nicht das Risiko, zu viel CO2 einzuatmen. Das legt eine kleine US-Studie nahe. Immer wieder gibt es Meldungen, denen zufolge ausgeatmetes CO2 sich unter einem Mund-Nasen-Schutz sammele, wieder eingeatmet werde und die Sauerstoffsättigung beeinträchtige. Um dies zu widerlegen, haben Forscher die Sauerstoffsättigung und den CO2-Gehalt (gemessen als endtidaler CO2-Wert) vor und während des Tragens einer Op-Maske bei 15 gesunden Personen und 15 schwerkranken COPD-Patienten analysiert. Um Alltagssituationen zu simulieren, sollten die Studienteilnehmer mit Maske 30 Minuten sitzen und sechs Minuten in ihrem üblichen Tempo laufen. Während des Sitzens wurde weder bei den Gesunden noch bei den COPD-Patienten ein Unterschied bei Sauerstoffsättigung und CO2-Gehalt gemessen. Unter Belastung zeigte sich nur bei den COPD-Patienten eine geringe Abnahme der Sauerstoffsättigung; diese sei aber aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung zu erwarten gewesen, wie die Forscher schreiben. Die CO2-Konzentration habe allerdings selbst unter Belastung nicht zugenommen, es sei also nicht zu einem vermehrten Einatmen von CO2 gekommen (Ann A Thorac Soc 2020, online 2. Oktober).

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat der Anteil an Patienten mit komplizierten Appendizitiden zugenommen, berichten Chirurgen vom Baystate Medical Center (BMC) in Springfield, Massachusetts. Das Team um Dr. Georgios Orthopoulos hat sich die Daten von Kindern und Erwachsenen angeschaut, die mit der Diagnose „akute Appendizitis“ in das BMC eingewiesen worden waren. Sie vergleichen dabei die sechs Wochen vor dem 15. März (an diesem Tag gab es landesweit den Aufruf, elektive chirurgische Eingriffe nach Möglichkeit zu verschieben), mit den sechs Wochen nach dem 15. März. Ergebnis: Nach dem Stichtag hatte es signifikant mehr Patienten mit bereits perforierender oder gangränöser Blinddarmentzündung gegeben; der Anstieg in diesen Gruppen betrug 21 beziehungsweise 29 Prozent. Die Fälle, die mit einer unkomplizierten Appendizitis in die Klinik gekommen waren, hatten dagegen nach dem 15. März um etwa 46 Prozent und damit deutlich abgenommen. Als Erklärung führen die Autoren mehrere mögliche Gründe an: zum einen die Angst vor Ansteckung, zum anderen den Aufruf, „unnötige“ Vorstellungen in den Klinik-Notaufnahmen zu vermeiden, um die Kapazitäten nicht zu überlasten. Die Autoren fordern, die Ängste der Patienten stärker in den Blick zu nehmen (Am J Surg 2020; online 28. September).

Die Micro-RNA „miR-200c“ könnte ein Ansatzpunkt sein, um Kardiomyozyten vor SARS-CoV-2 zu schützen. Denn die miRNA konnte die ACE2-Aktivität in Zellversuchen mit Herzmuskelzellen von Ratten und menschlichen Kardiomyozyten deutlich herunterregulieren, wie Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) berichten. ACE2 ist ja das Haupteinfallstor für SARS-CoV-2. Weil sich ACE2 auch auf Kardiomyozyten befindet, können die Viren auch das Herz befallen und dort massive Entzündungen auslösen. Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse der Zellkultur-Versuche nun in lebenden Organismen überprüft werden. Sollte die Studie auch im Mausmodell erfolgreich verlaufen, könnte der Einsatz von miR-200c künftig eine wichtige Strategie im Kampf gegen Coronaviren sein – selbst dann, wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt, berichtet die MHH (J Mol Cell Cardiol 2020; online 3. September).

Update vom 2. Oktober

Eine Flut publizierter Forschungsarbeiten mit schlechtem Standard zur Corona-Pandemie kritisiert Professor Katrina A. Bramstedt von der „Luxembourg Agency for Research Integrity“. Der auf Forscher ausgeübte Druck, Forschungsdaten schnell zu veröffentlichen, steigere das Risiko für Irrtümer, aber auch für vorsätzliches Fehlverhalten, so die Medizinethikerin. Nach ihren Angaben waren bis 7. Mai bereits 1221 Studien zu dem Thema im internationalen Register „ClinicalTrials.gov“ gelistet, ebenso habe es bis dahin fast 4000 Paper ohne Review-Prozess auf Preprint-Servern gegeben. Bis Ende Juli waren 33 Beiträge zurückgezogen worden (19 Artikel, 14 Preprints). Die Gründe dafür reichten von Datenfälschung, methodischen Fehlern, bedenklichen Daten-Interpretationen bis hin zu Belangen der Privatsphäre von Autoren oder Teilnehmern. Zwei Preprints sowie zwei Forschungsbeiträge in „Lancet“ und „New England Journal of Medicine“ wurden zurückgezogen, weil sich die darin vorgestellten Daten nicht überprüfen ließen. Grobe Fehler und Falschinformationen können Patienten schädigen, betont Bramstedt. Sie empfiehlt, den Einreichungsprozess wissenschaftlicher Arbeiten zu straffen und Autoren verpflichtend in ethischen Belangen der Forschung zu schulen (Journal of Medical Ethics 2020; online 1. Oktober).

Das Risiko für Thromboembolien ist bei Corona deutlich höher als bei anderen Erkrankungen, bestätigen Forscher der Medical University Wien. Sie haben in einer Metaanalyse 66 Studien mit Daten von 28.173 Patienten ausgewertet. Stationär behandelte COVID-19-Patienten hatten demnach ein Risiko von 14 Prozent für eine tiefe Venenthrombose (TVT), das Risiko reichte von 8 Prozent auf normalen Stationen bis 23 Prozent auf Intensivstationen, und zwar trotz rigoroser Prophylaxe in den meisten Studien. Wurden stationäre COVID-19-Patienten systematisch mit Ultraschall gescreent, war sogar jeder zweite von einer TVT betroffen. Patienten auf Intensivstationen hatten zudem ein 10- bis 18-prozentiges Risiko für eine Lungenembolie. Patienten, die im Verlauf von COVID-19 eine TVT oder eine Lungenembolie entwickelten, hatten bei der Klinikaufnahme deutlich erhöhte D-Dimer-Werte gehabt (Research and Practice in Thrombosis an Haemostasis 2020; online 25. September).

Update vom 1. Oktober

Bei gebrechlichen alten Menschen könnte ein Delir ein wichtiger früher Hinweis auf COVID-19 sein, berichten Forscher des King’s College in London. Sie haben Daten von zwei Kohorten mit Corona-positiven Patienten im Alter ab 65 Jahren ausgewertet.  322 Betroffene waren zwischen März und Anfang Mai in der Klinik behandelt worden (stationäre Kohorte). Weitere 535 Patienten wurden über die „Covid Symptom Study App“ ausgewählt (ambulante Kohorte). Ergebnis: Gebrechlichkeit („frailty“) war bei Patienten verbunden mit einer deutlich erhöhten Rate an Delir (verwirrt, orientierungslos, schläfrig). Bei jedem fünften gebrechlichem Klinikpatienten mit COVID-19 war das Delir das einzige Symptom. Und bei jedem dritten gebrechlichen ambulanten Corona-Patienten mit Delir fehlten die typischen Symptome Husten und Fieber. Ärzte sollten wachsam sein, wenn sich der Geisteszustand eines gebrechlichen alten Menschen akut verändert, so die Forscher. Es könnte ein Zeichen von COVID-19 sein (Age and Aging 2020; online 28. September).

HIV-Infizierte haben ein hohes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe, berichten Ärzte der University of Missouri-Columbia in den USA. In einer multizentrischen Studie mit 286 HIV-Patienten war binnen 30 Tagen nach COVID-19-Diagnose bei 57 Prozent eine stationäre Therapie und bei 16 Prozent eine intensivmedizinische Therapie erforderlich. 9 Prozent der Betroffenen überlebten die Krankheit nicht. Patienten mit antiviraler Therapie und guter Viruskontrolle hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung kein erhöhtes COVID-19-Risiko, dieses war aber bei Patienten mit schlechter Viruskontrolle und Immunschwäche besonders stark erhöht. „Weil manche HIV-Arzneien auch gegen SARS-CoV-2 getestet werden, wähnen sich einige HIV-Patienten auch gegen Corona geschützt“, so die Forscher in einer Mitteilung zu der Studie. Dies sei keineswegs der Fall. Als besonders vulnerable Risikogruppe sollten sie vielmehr prioritär für mögliche Impfprogramme ausgewählt werden (Clin Infect Dis. 2020; online 9. September).

Asymptomatische Corona-Infizierte haben eine ähnlich hohe Viruslast wie leicht symptomatische, bestätigen koreanische Forscher. Sie haben Daten von 183 Infizierten von einem lokalen Ausbruch analysiert. Von diesen waren 39 asymptomatisch geblieben, 144 hatten leichte Symptome bekommen. Ein weiterer Test 12-13 Tage nach Erstdiagnose war bei 21 asymptomatischen und 92 symptomatischen Patienten erneut positiv. Anschließend wurde die Viruslast mit dem Ct-Wert bestimmt. Der Wert entspricht der Zahl der notwendigen PCR-Zyklen („threshold cycle“) bis zur positiven Virusdetektion. Ein niedriger Ct-Wert bedeutet eine hohe Viruskonzentration im Abstrich. Ct-Werte <27 gelten dabei als hohe, von 27-32 als moderate und >32 als niedrige Viruslast. Ergebnis: Bei den erneut Corona-positiven Patienten ergaben sich im Schnitt Ct-Werte zwischen 31 und 33; Unterschiede zwischen symptomatischen und asymptomatischen Infizierten gab es nicht (Thorax 2020; online 22. September). 

Update vom 30. September

Prävention mit Hydroxychloroquin ist wirkungslos, und zwar auch bei hohem Corona-Infektionsrisiko, berichten Forscher von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie haben medizinisches Personal mit regelmäßigem Kontakt zu COVID-19-Patienten in einer randomisierten kontrollierten Studie prophylaktisch mit dem Malariamittel oder Placebo behandelt. Teilnehmer waren 132 Ärzte, Pflege- und Assistenzmitarbeiter, die täglich über acht Wochen 600 mg Hydroxychloroquin oder Placebo einnahmen. Ergebnis: Die Infektionsraten waren in beiden Gruppen gleich. In der Verumgruppe infizierten sich vier von 64 Probanden (6,3 Prozent) in der Placebogruppe vier von 61 (6,6 Prozent). Unter Hydroxychloroquin gab es zwar keine schweren, aber im Vergleich deutlich mehr leichte unerwünschte Wirkungen. Die acht infizierten Teilnehmer hatten entweder keine oder nur leichte Symptome. Keiner musste stationär behandelt werden (JAMA Intern Med 2020, online 30. September).

Experimenteller Impfstoff offenbar auch bei Älteren wirksam: Der Impfstoff mRNA-1273 (von Moderna) hat sich in einer Phase-1-Studie mit 40 älteren Erwachsenen (56-70 Jahre) als wirksam und sicher gezeigt, berichten Forscher von der Emory University School of Medicine in Atlanta. Alle Probanden wurden zweimal im Abstand von vier Wochen geimpft, und zwar entweder mit 25 oder 100 μg des Wirkstoffs. Sowohl neutralisierende Antikörper als auch eine T-Zell-Antwort wurden dabei induziert, wobei die höhere Dosis bessere Resultate brachte. Es gab keine sicherheitsrelevanten Ereignisse. Die induzierten Antikörpertiter waren bei den älteren Probanden der Studie ähnlich hoch, wie in einer entsprechenden Studie mit dem Impfstoff bei 18- bis 55-Jährigen. Im Median wurden zudem mehr neutralisierende Antikörper induziert, als sich im Plasma von Rekonvaleszenten fanden (NEJM 2020; online 29. September).

Update vom 29. September

Teenager erkranken häufiger als Kinder, bestätigen die US-Centers for Disease Control (CDC). CDC-Forscher haben anhand der 277.285 von März bis September bestätigten Fälle bei Kindern und Jugendlichen in den USA die Inzidenzen in diesen Altersgruppen errechnet. In dieser Zeit waren die meisten Schulen des Landes geschlossen. Nach der Analyse erkrankten Jugendliche fast doppelt so häufig an COVID-19 wie Kinder: Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen gab es 37,4 Fälle pro 100,000, bei den Fünf- bis Elfjährigen 19 pro 100.000. Von den Kindern und Jugendlichen, die stationär behandelt werden mussten, hatten 16 Prozent mindestens eine Grunderkrankung, bei Betroffenen mit Therapie auf der Intensivstation waren es 27 Prozent und bei den Sterbefällen 28 Prozent. 51 Todesfälle wurden registriert (<0,1 Prozent), wobei Kinder und Jugendliche mit lateinamerikanischem oder afrikanischem Migrationshintergrund besonders betroffen waren (MMWR 2020, online 28. September).

COVID-19-Patienten mit Herzstillstand haben eine schlechte Prognose, berichten Forscher vom William Beaumont Hospital in Royal Oak im US-Staat Michigan. Von den 1309 zwischen Mitte März und Anfang April stationär beim Krankenversicherer Beaumont Health behandelten Corona-Patienten hatten 60 (4,6 Prozent) in der Klinik einen Herzstillstand. Die Analyse von 54 der Betroffenen ergab: 52 waren nicht defibrillierbar wegen pulsloser elektrischer Aktivität (82 Prozent) oder Asystolie (15 Prozent). Bei 29 wurde eine Rückkehr des spontanen Kreislaufs (ROSC) erreicht. Trotz Wiederbelebung ergab sich eine Mortalität von 100 Prozent. Zum Vergleich: Vor Corona war die Wiederbelebung nach Herzstillstand in der Klinik bei insgesamt 25 Prozent der Betroffenen erfolgreich gewesen sowie bei elf Prozent der Patienten nicht-defibrillierbaren Rhythmen. Die Forscher geben zu bedenken, dass die meisten der COVID-19 Patienten mit Herzstillstand mechanisch beatmet oder auch mit Nierenersatztherapie oder notfallmäßig mit Vasopressoren behandelt worden waren (JAMA Intern Med 2020; online 28. September).

Update vom 28. September

Bei Schwangeren mit COVID-19 fehlen häufig Fieber oder Myalgie, berichtet ein internationales Team mit Forschern des „WHO Collaborating Centre for Global Women’s Health“. Zudem ist im Vergleich zu betroffenen Nicht-Schwangeren das Risiko für schwere Verläufe erhöht. Die Forscher haben weltweit 77 Studien dazu ausgewertet. Daten von 11.432 stationär behandelten Frauen mit COVID-19 (schwanger oder kürzlich schwanger) standen zur Verfügung. Im Vergleich zu betroffenen Nicht-Schwangeren im reproduktiven Alter hatten sie nur halb so häufig Fieber und Myalgien. Allerdings hatten Schwangere/kürzlich Schwangere ein 62 Prozent höheres Risiko für eine Verlegung auf die Intensivstation und ein 88 Prozent höheres Risiko für eine mechanische Beatmung. 73 der Schwangeren mit COVID-19 sind gestorben (0,1 Prozent). Risikofaktoren für schwere Verläufe waren Komorbiditäten, höheres Alter und hoher BMI. Etwa 6 Prozent der erkrankten Schwangeren hatten eine spontane Frühgeburt, jedes vierte Frühchen musste intensivmedizinisch betreut werden (BMJ 2020; 370: m3320).

Die Blockade der Spike-Proteine von SARS-CoV-2 mit löslichem ACE2 könnte eine wirksame Strategie gegen COVID-19 sein, berichten Forscher des Unternehmens Apeiron Biologics aus Österreich. In einem Fallbericht stellen sie Therapie-Ergebnisse einer mechanisch beatmeten COVID-19-Patientin mit dem experimentellen humanen rekombinanten löslichen ACE2 (hrsACE2) vor. Der Frau waren neun Tage nach Symptombeginn über sieben Tage zweimal täglich das experimentelle Medikament APN01 infundiert worden. In Folge nahm die Konzentration relevanter Entzündungsmediatoren ab. Auch Marker der Virämie und virale Titer in trachealen Proben und nasopharyngealen Abstrichen verringerten sich. Die Immunabwehr und die Bildung neutralisierender Antikörper gegen SARS-CoV-2 wurden nicht behindert (Lancet Respir Med 2020; online 24. September).

Die Evidenz zu Rekonvaleszenten-Plasma reicht noch nicht für eine Zulassung der Therapie bei COVID-19, betont das „COVID-19-Treatment Guidelines Panel“ der National Institutes of Health (NIH) in den USA. Die Behandlung ist zwar im Rahmen einer Notfalltherapie als „möglicherweise wirksam“ von der US-Arzneibehörde FDA autorisiert. Evidenz zur Effektivität stamme jedoch bisher nur aus retrospektiven Analysen, so das Panel. Auch behindere das Notfallprogramm die Rekrutierung von Patienten für randomisierte kontrollierte Studien. Rekonvaleszenten-Plasma war kürzlich von US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Arzneibehörde FDA, Dr. Stephen M. Hahn, fälschlich als hochwirksam bezeichnet worden. Jeder dritte Todesfall durch COVID-19 hätte durch eine solche Plasmatherapie verhindert werden können, hatten beide behauptet. Belege aus Studien dazu wurden bisher aber nicht vorgelegt (Ann Intern Med 2020; online 25. September).

Update vom 25. September

Hochwirksame Antikörper gegen SARS-CoV-2 könnten zur Entwicklung einer passiven Impfung beitragen. Insgesamt analysierte ein Team um Dr. Jakob Kreye vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankung zusammen mit Kollegen der Charité Berlin fast 600 verschiedene Antikörper von COVID-19-Rekonvaleszenten. Drei stellten sich als besonders vielversprechend heraus. Untersuchungen an Hamstern – diese sind ähnlich wie Menschen anfällig für eine Infektion durch SARS-CoV-2 – belegten die hohe Wirksamkeit der ausgewählten Antikörper: Wurden diese nach einer Infektion verabreicht, entwickelten die Hamster allenfalls milde Krankheitssymptome. Erfolgte die Gabe präventiv, dann erkrankten die Tiere nicht. Anhand der Antikörper haben die Forscher nun begonnen, eine passive Immunisierung zu entwickeln (Cell 2020; online 23. September).

Männer mit COVID-19, haben ein 62 Prozent höheres Mortalitätsrisiko als erkrankte Frauen, und zwar in allen Altersgruppen. Unterschiede im Bezug auf Komorbiditäten, BMI oder Alter können das höhere Risiko dabei nicht völlig erklären, wie Wissenschaftler um Dr. Frank Hanses vom Uniklinikum Regensburg bei der ESCMID Conference on Coronavirus Disease berichteten. Vielmehr hatten die Männer in der Studie signifikant höhere Konzentrationen von Entzündungsmarkern (IL-6, CRP, PCT, Ferritin) im Blut. Die höhere Mortalität könnte somit auf eine grundsätzlich stärkere Inflammation bei Männern im Vergleich zu Frauen zurückzuführen sein. Die Forscher haben Daten von 3129 COVID-19-Patienten untersucht, die am Uniklinikum Regensburg zwischen März und Juli behandelt worden waren (Mitteilung der ESCMID, online 23. September).

Fünf verschiedene Antikörpertests haben Forscher bezüglich Spezifität und Sensitivität miteinander verglichen: Den SARS-CoV-2 IgG assay von Abbott, den Liaison® SARS-CoV-2 S1/S2 IgG assay vom italienischen Unternehmen DiaSorin, den Elecsys® Anti-SARS-CoV-2 assay von Roche Diagnostics, den SARS-CoV-2 Total assay von Siemens Healthineers und einen 384-well ELISA immunoassay, der an der Universität Oxford entwickelt wurde. Am besten schnitten die Tests von Siemens (Sensitivität 98,1 Prozent und Spezifität 99,9 Prozent) und der Universität Oxford (Sensitivität 99,1 Prozent und Spezifität 99,0 Prozent) ab. Überprüft wurde die Spezifität und Sensitivität der Antikörpertests anhand von 976 Prä-Corona-Blutproben und 536 Blutproben von PCR-bestätigen SARS-CoV-2-Positiven (diese wurden mindestens 20 Tage nach positivem PCR-Test entnommen). Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Mit Blutproben von SARS-CoV-2-Positiven, die frühestens 30 Tage nach positivem PCR-Ergebnis entnommen worden waren, lieferten die Tests genauere Ergebnisse (Lancet Inf Dis, online 23. September).

Alopecia areata als Spätfolge von COVID-19? Einem Bericht der „New York Times“ zufolge melden US-Dermatologen eine hohe Zahl von Patienten, die von plötzlichem Haarausfall berichten. Nicht alle waren zuvor an COVID-19 erkrankt, der Haarausfall könnte also auch eine Folge des durch die Pandemie bei vielen Mensche