Skip to main content
main-content

19.10.2020 | COVID-19 | Nachrichten

Versorgungskapazitäten

Wie gefährlich wird COVID-19 im Winter?

Autor:
Anne Bäurle

Bleibt es bei der rasanten Zunahme der COVID-19-Fälle, steht dem Gesundheitssystem ein Stresstest bevor. Erneut gilt daher „flatten the curve“ – aber längst nicht nur, um eine Überlastung der Kliniken zu verhindern, betonen Experten.

Die Infektionszahlen in Deutschland steigen rapide – in der vergangenen Woche wurden an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils Rekordwerte an Neu-Infektionen gemeldet – und auch die Zahl der COVID-19-Patienten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, nimmt zu. Droht im Winter eine Überlastung der Kliniken, gerade auch im Hinblick auf eine Doppelwelle von Influenza und COVID-19?

„Am vergangenen Freitag befanden sich deutschlandweit zwar lediglich 690 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung“, so Professor Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Allerdings mussten 50 Prozent dieser Patienten beatmet werden. Seit September ist zudem nach dem Abflachen der ersten Welle der Pandemie erneut ein Anstieg der Intensivpatienten zu verzeichnen, gerade auch bei Älteren.

Dem Gesundheitssystem stehe ein Stresstest bevor: „Das macht uns Sorgen“, sagte Janssens bei einer Veranstaltung des Science Media Centers. „Panik bringt uns aber an dieser Stelle nichts, und ich kenne niemanden, der sagt, es wird eine Katastrophe.“ Die Bevölkerung dürfe allerdings nicht ihre Disziplin verlieren.

Jeder dritte Betroffene mit Long-COVID-Symptomen

Dem stimmte Professor Reinhard Busse von der TU Berlin zu. Die vorhersehbaren Anstiege an hospitalisierten COVID-19-Patienten würden das Gesundheitssystem fordern, aber nicht überfordern. Mit dem neu geschaffenen DIVI-IntensivRegister habe man zum einen die Kapazitäten an Intensivbetten regional im Blick und könne die Versorgung von COVID-19-Patienten steuern. Zudem hätten alle großen Kliniken Notfallpläne erarbeitet, um innerhalb von 24 bis 48 Stunden ihren Klinikbetrieb auf eine hohe Zahl von COVID-19-Patienten einstellen zu könnten. Des Weiteren werde das Klinikpersonal für den Einsatz auf Intensivstationen geschult. „Ich mache mir allerdings ganz grundsätzlich Sorgen um die Gesundheit der Bevölkerung“, so Busse.

Die im Vergleich mit Influenza 20-mal so hohe Sterblichkeit bei COVID-19 betonte Professor Clemens Wendtner, München Klinik Schwabing: „Die Case Fatality Rate liegt bei Influenza bei 0,05 Prozent, bei COVID-19 gehen wir von 1 Prozent aus“. Bei Älteren liege die Sterblichkeit dabei deutlich über den 1 Prozent. Um eine Doppelwelle zu vermeiden, empfiehlt Wendtner die Influenzaimpfung nicht nur für über-60-Jährige.

Auch auf die häufig auftretenden Langzeitfolgen verwies der Infektiologe: „Etwa 30 Prozent der COVID-19-Patienten und etwa 80 Prozent der intensivmedizinisch versorgten Patienten entwickeln Long-COVID-Symptome.“ Zu den Kardinalssymptomen gehörten eine über Wochen bis Monate anhaltende Fatigue sowie Atemwegsprobleme.

„Wir werden Remdesivir weiter einsetzen“

Auch die Suche nach Therapien müsse weitergehen. „Die kürzlich vorgestellten Interims-Daten der SOLIDARITY-Studie zu Remdesivir waren für uns doch irritierend“, sagte Wendtner. Den Daten zufolge hat eine Therapie mit Remdesivir im Vergleich mit der Standardtherapie keinerlei Einfluss auf die Mortalität (wir berichteten in den Corona-Splittern vom 16. Oktober).

„Wir haben Remdesivir bisher bei Bedarf in der frühen Phase der Erkrankung eingesetzt, und Dexamethason in der Spätphase und haben mit dieser Behandlung im Einzelfall eine deutliche Besserung erzielt. Wir werden Remdesivir daher trotz der ernüchternden Daten weiter einsetzen.“

Quelle: Ärzte Zeitung

Weiterführende Themen

Coronavirus Corona-Update

Die aktuelle Entwicklung im Überblick: Nachrichten, Webinare, Übersichtsarbeiten.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Real-Life-Studie: Daten aus der „echten“ Welt

Welche medikamentöse Therapie eignet sich besonders zur Verbesserung der Asthmakontrolle? Die Salford Lung Study mit über 4.000 Asthma-Patienten untersuchte genau diese Fragestellung.

ANZEIGE

Nutzung von ICS bei Asthma während der COVID-19-Pandemie

Nach Empfehlung deutscher Fachgesellschaften sollten Asthmapatienten ihre Therapie, inklusive der Nutzung von inhalativen Kortikosteroiden (ICS), während der COVID-19-Pandemie unbedingt fortsetzen.

ANZEIGE

Therapieziel: Bestmögliche Asthmakontrolle

Hier finden Sie praxisrelevante Informationen und Services rund um die moderne medikamentöse Asthmatherapie mit einem Fokus auf Asthmakontrolle, Real-Life-Data und Lebensqualität. 

Passend zum Thema

ANZEIGE

COPD-Praxisempfehlung: Individuelle Therapie im Mittelpunkt

Nationale Leitlinien, internationale Empfehlungen, aktuelle Studien – es ist nicht immer leicht, als Arzt den Überblick zu behalten. Ein Expertenteam hat daher eine Praxisempfehlung entwickelt, welche die individuelle COPD-Therapie des Patienten in den Mittelpunkt rückt.

ANZEIGE

Pink Puffer vs. Blue Bloater – sind Patiententypen noch aktuell?

COPD ist eine heterogene und komplexe Erkrankung. Patienten können Symptome und Merkmale in unterschiedlichem Ausmaß aufweisen.[1] Für die COPD-Therapie sind Patiententypen daher mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Doch in welchen Fällen können sie nach wie vor ihre Berechtigung haben?

ANZEIGE

COPD Panorama

Mit einem Klick zum Überblick: Informieren Sie sich über die Vorteile der symptomorientierten Dualtherapie, erfahren Sie spannende Insights zur Indikation und lesen Sie aktuelle Studienergebnisse.

Passend zum Thema

ANZEIGE

COPD und nicht-invasive Behandlungsmethoden

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wie die nicht-invasive Beatmung (NIV) können die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von COPD-Patienten erheblich verbessern und das Sterberisiko senken. Die NIV-Therapie zur Behandlung von fortgeschrittener COPD hat Eingang in die neuen S2k-Leitlinien zur COPD-Therapie gefunden.

ANZEIGE

Wegweiser für die Einstellung einer nicht-invasiven Beatmung

Lesen Sie hier, wie man eine nicht-invasive Beatmung einstellen und anpassen kann. Das NIV-Adaptionsprotokoll für chronische Ateminsuffizienz bzw. chronisches Atemversagen gibt Empfehlungen für NIV-Einstellungen und Tipps zur Problembehandlung.

ANZEIGE

Chronische Atemwegserkrankungen seit 1990 um knapp 40 % gestiegen

Daten aus der „Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study 2017“ zeigen einen weltweiten Anstieg chronischer Atemwegserkrankungen (CRD) zwischen 1990 und 2017 um knapp 40 % auf 545 Millionen. CRD war 2017 bereits die dritthäufigste Todesursache.

Passend zum Thema


Effektive Therapie akuter Atemwegsinfekte in Corona-Zeiten

In Pandemiezeiten ist Husten in der Öffentlichkeit und besonders am Arbeitsplatz, ein absolutes No-Go. Bei akuten Atemwegsinfekten wirkt das Spezialdestillat ELOM-080 in den oberen und unteren Atemwegen gleichermaßen. Patienten sind mit dieser Phytotherapie schneller wieder fit.

Mehr

Passend zum Thema

30.09.2019 | Sonderbericht | Onlineartikel

Rationaler Einsatz von Antibiotika - jede (Nicht-)Verordnung zählt!

Damit eine rationale Antibiotikatherapie in der Praxis funktioniert, sind ein Problembewusstsein, definierte Qualitätsstandards sowie praxisgerechte Empfehlungen und Informationsmöglichkeiten entscheidend. Mit Antibiotic Stewardship (ABS) existiert bereits ein entsprechendes Konzept für den klinischen Bereich. Es bleibt jedoch eine große Herausforderung, ABS auch für den ambulanten Sektor umzusetzen bzw. anzupassen.

Bionorica SE

17.09.2019 | Sonderbericht | Onlineartikel

Zuverlässiger Schnelltest auf Procalcitonin überzeugt in der Praxis nicht jeden Arzt

Der Procalcitonin-Test ist seit etwa einem Jahr im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung enthalten. Fachärzte sind geteilter Meinung bezüglich des Nutzens dieses Schnelltests im ambulanten Praxisalltag.

Bionorica SE
ANZEIGE

Atemwegsinfektionen – Fehlverordnungen von Antibiotika in der Praxis reduzieren

Infektionen der Atemwege sind vor allem viralen Ursprungs. Antibiotika helfen gegen sie nicht. Wie Sie Atemwegsinfektionen sicher diagnostizieren, evidenzbasiert therapieren und gezielt vorbeugen – dazu finden Sie hier Artikel und Videos mit Statements von Experten.

Bildnachweise