Skip to main content
main-content

18.03.2020 | COVID-19 | Nachrichten

Coronavirus

SARS-CoV-2 bleibt im Labor bis zu Tage intakt

Autor:
Anne Bäurle

SARS-CoV-2 könnte auf einigen Oberflächen Tage überleben. Ob es dann allerdings noch infektiös ist, ist noch nicht geklärt.

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 könnte in Aerosolen bis zu drei Stunden intakt bleiben, auf Oberflächen teilweise Tage. Das hat eine Studie ergeben, die unter anderem von der US-Gesundheitsbehörde National Institute of Health (NIH) durchgeführt wurde (NEJM 2020; online 17. März).

Allerdings fand die Studie unter Laborbedingungen statt (21-23°C, Luftfeuchtigkeit 40 Prozent), ob und wie nah die Ergebnisse also der tatsächlichen Stabilität des Virus in einem realen Umfeld kommen, ist unklar. Ganz grundsätzlich gilt: Die untersuchte Konzentration der Viren ist nicht mit einer Infektion gleichzusetzen. Zu der kann es bekanntlich erst dann kommen, wenn eine Person beispielsweise eine Oberfläche berührt und sich anschließend ins Gesicht fasst.

In Aerosolen bis zu drei Stunden nachweisbar

Die Forscher um Dr. Neeltje van Doremalen verglichen die Stabilität von SARS-CoV-2 mit SARS-CoV-1, seinem am nächsten verwandten Coronavirus. SARS-CoV-1 hatte 2002/2003 eine Pandemie mit etwa 8000 Infizierten und 800 Todesfällen ausgelöst.

In den Versuchen lag die Konzentration der Viren in Höhe der TCID50 („50% tissue-culture infectious dose), also der Virus-Konzentration, bei der im Labor die Hälfte der Zellen in Kultur infiziert wurden. Bei SARS-CoV-1 lag diese Konzentration bei 105.25 Viren pro Milliliter, bei SARS-CoV-1 bei 106.75-7.00. Über eine Apparatur wurden im Labor Aerosole erzeugt, die die jeweiligen Viren in der TCID50-Dosis enthielten.

Beide Coronaviren zeigten insgesamt eine vergleichbare Stabilität, auf allen Oberflächen nahm die Viruskonzentration von SARS-CoV-1 und -2 über die Zeit exponentiell, und damit sehr schnell, ab. In Aerosolen lag die Halbwertzeit von SARS-CoV-1 und -2 bei etwa 1,1 bis 1,2 Stunden, berichten die Forscher. Insgesamt waren die Viren zum Teil auch nach drei Stunden noch nachweisbar.

Vergleichbare Stabilität

Die Halbwertszeit von SARS-CoV-2 lag auf Kupferoberflächen bei 4 Stunden (SARS-CoV-1: 8 Stunden), auf Karton konnte das neue Coronavirus nach 24 Stunden nicht mehr nachgewiesen werden (SARS-CoV-1: 8 Stunden). Am langlebigsten scheint das neue Coronavirus SARS-CoV-2 auf Plastik und rostfreiem Stahl zu sein, hier konnte das Virus in einigen Versuchen auch nach 72 Stunden noch nachgewiesen werden, allerdings nur noch in sehr geringen Konzentrationen.

Insgesamt sei die Stabilität von SARS-CoV-1 und -2 vergleichbar, resümieren van Doremalen und Kollegen. „Vermutlich gibt es daher andere Gründe, die Ursache für die unterschiedliche Epidemiologie der beiden Viren sind, beispielsweise die hohen Virustiter, die bei SARS-CoV-2-Infizierten im Nasen-Rachen-Raum festgestellt wurden.“

Ein weiterer Grund könnte die Tatsache sein, dass asymptomatische Patienten das neue Coronavirus weiterverbreiten. Dies bestätigt auch eine Modellrechnung chinesischer Forscher (Science 2020; online 16. März): Sie schätzen – basierend auf ersten Daten aus China –, dass bis zum Einführen der Reisebeschränkungen am 23. Januar 86 Prozent der Infektionen nicht erfasst wurden, häufig weil die Symptome nur mild waren und nicht erkannt wurden.

Grundsätzlich gelten Coronaviren auf Oberflächen nicht als besonders stabil – als Erreger von Atemwegserkrankungen ist ihr Hauptansteckungsweg über Tröpfcheninfektionen.

Quelle: Ärzte Zeitung

Weiterführende Themen

Alle Artikel zur Corona-Krise

Die aktuelle Entwicklung zu SARS-CoV-2 (2019-nCoV) und der Lungenkrankheit Covid-19 im Überblick. » zum Dossier

Passend zum Thema

ANZEIGE

Akutes Atemnotsyndrom (ARDS) – Herausforderung bei Diagnose und Behandlung

Trotz der Fortschritte in Diagnose und Behandlung wird ARDS weltweit noch immer zu selten erkannt und ist mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden. Die Diagnose hängt allein von klinischen Kriterien ab, was die Behandlung von ARDS zu einer großen Herausforderung macht. 

ANZEIGE

Rechtzeitige Erkennung & optimale Therapie von ARDS

Nur 60 % aller ARDS-Fälle werden heutzutage diagnostiziert, aber fast ein Viertel aller Beatmungspatienten sind betroffen. Die Mortalität ist nach wie vor hoch. Trotz der Fortschritte in Diagnose und Behandlung stellt ARDS eine hohe Belastung für Patienten, Arzt und die Gesundheitskosten dar.

ANZEIGE

Aktuelle Behandlungsstrategien für Patienten mit ARDS

„Therapie der Ursache und dafür sorgen, dass sich die Lunge erholen kann“ ist die Maxime bei der Behandlung von ARDS-Patienten, so Prof. Dr. Lepper vom Universitätsklinikum des Saarlandes im Interview. Aber nur für wenige Therapien ist der Vorteil für den Patienten nachgewiesen.

Passend zum Thema

ANZEIGE

COPD und nicht-invasive Behandlungsmethoden

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wie die nicht-invasive Beatmung (NIV) können die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von COPD-Patienten erheblich verbessern und das Sterberisiko senken. Die NIV-Therapie zur Behandlung von fortgeschrittener COPD hat Eingang in die neuen S2k-Leitlinien zur COPD-Therapie gefunden.

ANZEIGE

Nicht-invasive Beatmung toppt alleinige Sauerstofftherapie

Die in Großbritannien durchgeführte HOT-HMV-Studie ist die erste multizentrische, kontrolliert-randomisierte Studie, die aufzeigt, dass eine häusliche, nicht-invasive Beatmung in Kombination mit Langzeit-Sauerstofftherapie bei Patienten mit schwerer COPD das Risiko einer Rehospitalisierung oder Mortalität signifikant reduziert.

ANZEIGE

„Man hat eine Therapie an der Hand, die jetzt wissenschaftlich nachgewiesen Leben retten kann“

Professor Carl-Peter Criée von der Deutschen Atemwegsliga zur Studie nach Köhnlein et al. über die Behandlung von Patienten mit COPD im fortgeschrittenen Stadium mit nicht-invasiver Beatmung.

Bildnachweise