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Allergologie in Zeiten von Covid-19

  • Zur Zeit gratis
  • 08.05.2020
  • COVID-19
  • Editorial
Erschienen in:

Auszug

Es sind ohne Frage bewegte Zeiten. Seit dem letzten Editorial wurden drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie umgesetzt mit weitreichenden Folgen für Privat- und Volkswirtschaft. Schulschließungen, Kontaktverbote und Ausgangssperren zeigen erste Wirksamkeit. Die Verdopplungsrate der Infektionen ist von initial drei auf über zwölf Tage angestiegen, die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist rückläufig und die Reproduktionszahl (wie viele Gesunde werden von einem Covid-19-Infizierten angesteckt) ist von > 3 am 12. März auf circa 0,8 am 18. April gesunken. Das sind sehr positive Entwicklungen, die aber leider noch lange nicht heißen, dass die Pandemie eingedämmt ist. Derzeit liegt die von Experten geschätzte Infektionsrate bei circa 2 % der Allgemeinbevölkerung. Damit sind wir noch weit entfernt von einer Durchseuchung von 60-70 % der Bevölkerung. Das heißt für uns alle, dass Covid-19 uns sicher noch weit bis hin ins neue Jahr begleiten wird, zumal die Verfügbarkeit eines zugelassenen und wirksamen Impfstoffs noch in weiter Ferne liegt. Statt flächendeckendem "Lockdown" der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens bedarf es nun eines smarten Managements mit risikoadaptierten Maßnahmen. Zeitgemäße, schnelle Erfassung der Infektionsketten mittels freiwilliger Tracing-App, verbesserte serologische Diagnostik zur spezifischen Ermittlung der tatsächlichen Durchseuchung und konsequente Reduktion des Infektionsgeschehens durch Tragen von Masken sind Schritte, die uns ermöglichen sollten langsam wieder zur einer gewissen Normalität zurückzukehren. Covid-19 ist primär eine Tröpfcheninfektion. Tragen von Masken durch Infizierte reduziert drastisch die Tröpfchenexposition der Umgebung. Da circa 40 % der Ansteckungen bereits im präsymptomatischen Stadium der Erkrankung erfolgen, ist es nur konsequent allen das Tragen einer Maske zu empfehlen. In diesem Zusammenhang ist es für uns wirklich nicht nachvollziehbar, warum in der Ministerpräsidentenkonferenz am 15. April die aktuelle Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Einführung einer Maskenpflicht nicht direkt umgesetzt wurde. Wir hoffen, dass die Politik bis zum Erscheinen dieser Ausgabe diesen Fehler korrigiert. Als Hauptargument gegen die Maskenpflicht wird der Maskenmangel angeführt, der bei Maskenpflicht zu einer weiteren Verknappung im medizinischen Sektor führen könnte. Dass dem auch anders abgeholfen werden kann, zeigen mehr als neun Millionen Einträge im Netz zum Thema "Maske selber nähen", die jedem ermöglichen, sich selbst oder den Angehörigen einen Mund und Nasenschutz zu erstellen. Selbstverständlich sind diese Masken dann nicht CE-zertifiziert, aber der gesunde Menschenverstand ist auch nicht CE-zertifiziert und funktioniert trotzdem. …
Titel
Allergologie in Zeiten von Covid-19
Verfasst von
Prof. Dr. med. Thilo Jakob
Prof. Dr. med. Ludger Klimek
Publikationsdatum
08.05.2020
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Allergo Journal / Ausgabe 3/2020
Print ISSN: 0941-8849
Elektronische ISSN: 2195-6405
DOI
https://doi.org/10.1007/s15007-020-2538-x

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