Skip to main content
main-content

24.11.2021 | Darmpolypen | Nachrichten

Randomisierte Studie

Endoclips schützen vor Nachblutung nach Polypektomie

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Nach Entfernung größerer Darmpolypen mittels EMR (endoskopische Mukosaresektion) sollte man den Defekt möglichst mithilfe von Endoclips verschließen, raten Ärzte aus Sydney. Diese Maßnahme schützte in einer randomisierten Studie effektiv vor Nachblutungen.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Um Nachblutungen nach endoskopischer Entfernung von Dickdarmpolypen zu vermeiden, setzen viele Kliniken prophylaktisch Endoclips ein. Wie effizient diese Maßnahme speziell bei größeren Polypen im rechten Kolon ist, hat ein Team aus Sydney untersucht.

Studie vorzeitig gestoppt

In der randomisierten Studie waren die Patienten, die nach der endoskopischen Mukosaresektion (EMR) ein prophylaktisches Clipping erhalten hatten, bereits zum Zeitpunkt einer geplanten Interimsanalyse klar im Vorteil: Die Blutungsraten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Clip lagen in der Intention-to-treat-Analyse bei 3,4% gegenüber 10,5%. In der Per-Protokoll-Auswertung wurde der Unterschied noch deutlicher (1,1% gegenüber 9,4%). Die Studie wurde daher vorzeitig gestoppt.

Einschlusskriterium für die Teilnahme waren nicht gestielte Polypen mit einem Durchmesser von mindestens 2 cm, die sich im Colon ascendens bzw. in der rechten Hälfte des Colon transversum befinden mussten. Auf diese Lokalisation hatten sich die Studienautoren beschränkt, weil hier das Risiko von Nachblutungen erfahrungsgemäß besonders hoch ist.

Von den teilnehmenden 231 Patienten waren 118 der Clip-Technik und 113 der Kontrollgruppe zugelost worden. Die Forscher hatten geschaut, wie häufig es innerhalb von 14 Tagen nach der Resektion zu einer klinisch signifikanten Nachblutung gekommen war, die zum Aufsuchen der Notaufnahme, zur Klinikeinweisung oder zu einer erneuten Intervention geführt hatte (primärer Endpunkt).

Optimal für Polypen zwischen zwei und vier Zentimetern

Am erfolgversprechendsten schien das Clipping bei einer Polypengröße zwischen 20 und 39 mm zu sein. In diesem Fall war es bei keinem einzigen Patienten zu einer relevanten Nachblutung gekommen. Auch bei der technischen Erfolgsrate (Erreichen eines kompletten Wundverschlusses) kam es auf die Größe an: Hier schnitten kleine Polypen unter 30 mm mit einer Rate von 89% am besten ab, Polypen ab einem Durchmesser von 50 mm mit 11% am schlechtesten.

Dr. Sunil Gupta vom Westmead Hospital in Sydney und sein Team errechneten, dass insgesamt rund 14 Patienten mit einem Clip versorgt werden mussten, um einem Patienten eine relevante Blutung zu ersparen. Die Forschergruppe weist allerdings auf die relativ hohe Ausschlussrate hin: In der Clip-Gruppe konnten 25% der Patienten wegen größerer Verletzungen der Darmschleimhaut nicht berücksichtigt werden, in der Kontrollgruppe waren es 15%.

Von den insgesamt 16 Teilnehmern, die in der Studie eine klinisch relevante Blutung erlitten hatten, waren zehn zuvor mit Plättchenhemmern oder Antikoagulanzien behandelt worden. Wie Gupta und sein Team betonen, habe man die antithrombotische Therapie zwar lege artis vor der EMR unterbrochen. Trotzdem handle es sich hier offenbar um eine besonders gefährdete Gruppe. Inwieweit das Clipping Patienten schützt, die zuvor Gerinnungshemmer eingenommen haben, ließ sich jedoch wegen der unzureichenden Stichprobengröße nicht abschließend beurteilen.

Relevante Nebenwirkungen schien diese Art von Wundverschluss jedenfalls nicht zu haben; dies hatten laut Gupta et al. nachfolgende Koloskopien bestätigt. Die Forscher empfehlen, das Clipping künftig als „Standardmaßnahme zur Reduktion von Blutungen nach EMR im rechten Kolon“ einzusetzen und zwar explizit auch dann, wenn sich damit nur ein partieller Wundverschluss erzielen lässt.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie wirksam sind Endoclips in der Vermeidung von Blutungen nach endoskopischer Mukosaresektion (EMR) von Dickdarmpolypen?

Antwort: Bei rechtsseitigen Polypen ab einer Größe von 2 cm ließ sich das Risiko für klinisch relevante Nachblutungen signifikant verringern. Die Number Needed to Treat lag bei 14.

Bedeutung: Bei Patienten mit größeren Polypen im rechten Kolon sollte der Wundverschluss im Anschluss an die EMR nach Möglichkeit mithilfe von Clips erfolgen.

Einschränkung: Monozentrische Studie, Beschränkung auf rechtsseitige Polypen; relativ hohe Ausschlussrate; Studie vorzeitig gestoppt.


Literatur

Weiterführende Themen

Neu im Fachgebiet Innere Medizin

Mail Icon II Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Innere Medizin und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.

© Springer Medizin 

Bildnachweise