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15.10.2018 | Sonderbericht | Onlineartikel | Bionorica SE

Verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika

Das eigene Verordnungsverhalten überdenken

Autor:
Dr. Silke Wedekind

Die Weltgesundheitsorganisation warnt davor, dass ein Rückfall in das präantibiotische Zeitalter bevorsteht, wenn nicht aktiv gegen die Zunahme von Resistenzen vorgegangen wird. Jeder einzelne Arzt kann durch Änderung seines Verordnungsverhaltens einen wertvollen Beitrag leisten.

Bei bakteriellen Infektionen sind Antibiotika fraglos die kurative Therapie der Wahl. Infolge der unkritischen Nutzung nehmen Resistenzen jedoch immer weiter zu und einfache Infektionskrankheiten sind aufgrund multiresistenter Erreger plötzlich wieder sehr gefährlich.

Jede einzelne Verordnung zählt

Die derzeitige Resistenzlage erfordere einen deutlich verantwortungsvolleren Umgang mit Antibiotika, sagte Prof. Dr. Dr. André Gessner, Regensburg. Das Problem der Resistenzen entstehe vor allem in den niedergelassenen Praxen, denn trotz besseren Wissens werden die meisten Antibiotika im ambulanten Bereich verschrieben [1].

„Jeder kann dazu beitragen, etwas an der Situation zu verändern, denn jede einzelne Verordnung zählt.“
Dr. Michael Hubmann, Zirndorf

„Viele Ärzte sehen zwischen dem Auftreten von Antibiotikaresistenzen und ihrem eigenen Verordnungsverhalten keinen Zusammenhang. Dabei kann jeder dazu beitragen, etwas an der Situation zu verändern, denn jede einzelne Verordnung zählt“, so Dr. Michael Hubmann, Zirndorf. Neue Strategien für einen rationalen Einsatz von Antibiotika im ambulanten Bereich sind laut Hubmann dringend nötig: „In der Klinik sind nachweislich wirksame Programme zu Antibiotic Stewardship (ABS) inklusive beratender ABS-Teams mittlerweile etabliert – ganz im Gegensatz zum ambulanten Bereich, wo der niedergelassene Arzt bei seiner Entscheidungsfindung auf sich allein gestellt ist.“ Aktuelle Leitlinien zu oberen und unteren Atemwegsinfektionen bekennen sich zwar zum zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika, so Dr. Peter Kardos, Frankfurt/Main, das aber scheine für ein generelles Umdenken noch nicht auszureichen.

Selbstreflexion ist wichtig

Eingefahrene Verordnungsroutinen müssten selbstkritisch überprüft werden, forderte Hubmann. Dr. Rudolf Tille, Garching, weiß aber auch: „Es braucht Mut dazu, denn ich riskiere als Arzt etwas, wenn ich kein Antibiotikum verordne.“ Hier müsse den Ärzten der Rücken gestärkt werden, nur so könne man Verhaltensmuster nachhaltig ändern. Praxistaugliche Hilfsmittel sind z. B. Point-of-Care-Tests, das Bedarfsrezept und der Einsatz von evidenzbasierten Phytotherapeutika. „Nicht für jeden Arzt ist jede Strategie geeignet“, sagte Hubmann. „Aber wenn man z.B. mit dem Bedarfsrezept arbeiten möchte, dann ist es ein tolles Tool zur Vermeidung unnötiger Antibiotikagaben.“

„Es geht bei ABS nicht darum, den Einsatz von Antibiotika generell zu verhindern, sondern darum, Antibiotika indikationsgerecht und gezielt einzusetzen“, machte Dr. Katja Linke, Viernheim, deutlich. Die Herausforderung dieser Verordnungsrationalität liegt laut Linke im direkten Arzt-Patienten-Kontakt. „Wenn Zeit für gute Aufklärung beim Erstkontakt investiert wird, lässt sich ein Kosten verursachender Zweitkontakt eventuell vermeiden oder zumindest gut steuern“, skizzierte Dr. Rainer Jund, Puch­heim, die Vorteile für den Arzt.

ABS für die Praxis: in Zukunft unverzichtbar

„Antibiotic Stewardship für die Praxis zur Sicherung der Prozess- und Ergebnisqualität wird in Zukunft unverzichtbar sein“, betonte Jund. „Für die Klinik sind positive Effekte durch ABS-Programme in Bezug auf die Resistenzentwicklung bereits durch Studien belegt“, schloss Gessner. „Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches ABS-Programm für die Praxis sind also ausgesprochen gut!“

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Literatur

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