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28.09.2016 | Schwerpunkt | Ausgabe 4/2016

Somnologie 4/2016

Das pädiatrische obstruktive Schlafapnoesyndrom

Diagnostik und Therapie aus kieferorthopädischer Sicht

Zeitschrift:
Somnologie > Ausgabe 4/2016
Autoren:
Dr. med. Dr. med. dent. S. Müller-Hagedorn, Priv.-Doz. Dr. med. dent. habil. B. Koos

Zusammenfassung

Eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) hat im Kindesalter eine auffällig hohe Prävalenz von etwa 2 bis 4 %. Die milderen Vorstufen, wie das primäre Schnarchen, sind häufiger, ihre Prävalenzen liegen bei etwa 10 %. Das primäre Schnarchen kann in eine manifeste OSA übergehen und stellt somit eine Vorstufe der Erkrankung dar. Eine kieferorthopädische Behandlung kann die Ausprägung einer OSA positiv beeinflussen. Sie kann die zugrunde liegende kraniofaziale Disharmonie, die den Posterior Airway Space (PAS) einengt, in vielen Fällen kausal beseitigen und den PAS auf den Ebenen des Nasopharynx und des Oropharynx vergrößern. Die unterstützende myofunktionelle Therapie fördert eine korrekte Zungenlage nach ventral und kranial mit der Folge, dass sie den oropharyngealen Luftraum vergrößert.
Somit stellt die kieferorthopädische Behandlung eine kurative Behandlung der OSA bei Kindern dar und kann als präventive Maßnahme bei (noch) nicht symptomatischen Risikopatienten gewertet werden. Zusätzlich sollten die Patienten logopädisch mitbetreut werden, um den Muskeltonus der orofazialen Muskulatur zu verstärken und um die Zungenfunktion und vor allem die Zungenlage zu normalisieren. Voraussetzung für eine kieferorthopädische Beeinflussung der skelettalen Disharmonie ist ein noch vorhandenes Wachstumspotenzial. Sollte kein Restwachstum mehr vorhanden sein, ist eine Beeinflussung der skelettalen Strukturen des Gesichtsschädels mittels Kieferorthopädie nicht mehr möglich. Es verbleibt als Option dann nur noch eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung.
Grundsätzlich sollte die Behandlung der OSA bei Kindern interdisziplinär unter Leitung des Pädiaters erfolgen. Die Verdachtsdiagnose ist dabei schlafmedizinisch zu evaluieren. Wird eine OSA bestätigt, ist die interdisziplinäre Einbindung von HNO und Kieferorthopädie sowie gegebenenfalls der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sinnvoll.

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