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30.09.2019 | Sonderbericht | Onlineartikel | Bionorica SE

Akute Bronchitis

Das Symptom Husten rational therapieren

Bei einer akuten Bronchitis ist eine Entzündungsreaktion in den Bronchien meist die Hauptursache für das Symptom Husten. Um die vor allem durch Viren ausgelösten inflammatorischen Prozesse einzudämmen, kann leitliniengerecht mit einer Extraktkombination aus Thymian und Efeu ein evidenzbasiertes, symptomorientiertes Phytotherapeutikum eingesetzt werden.

Husten ist ein wichtiger Schutzreflex der Lunge, um diese von eindringenden Fremdkörpern, Sekretansammlungen und anderen schädigenden Noxen zu befreien.

Ein Symptom - viele Ursachen

Darüber hinaus sei Husten auch ein Symptom, dem nicht immer eine Bronchitis zugrunde liegt, berichtete Dr. Sören Schmidtmann, niedergelassener Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Berlin. Zwar sei die erkältungsbedingte Bronchitis die häufigste Ursache für akuten Husten, dieser könne aber auch durch viele andere Erkrankungen wie z. B. Asthma, eine Lungenentzündung oder die chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) hervorgerufen werden.

Akuter Husten könne auch allergisch bedingt sein, sagte Schmidtmann und berichtete, dass sich in seiner Praxis im Frühjahr zahl reiche Patienten mit Husten vorgestellt hätten, dessen Ursache jedoch keine Atemwegsinfektion, sondern eine allergische Reaktion war.

Weil das Symptom Husten zahlreiche Ursachen haben kann, ist eine sorgfältige Diagnose entscheidend. Zunächst sollte der behandelnde Arzt differenzieren, ob es sich tatsächlich um eine Infektion, ein erstmalig auftretendes Asthma oder eine Allergie handelt. Untersucht werden müsse dabei stets, ob Warnzeichen für eine schwerwiegendere Erkrankung vorliegen, riet Schmidtmann. Aufschluss könne hier die Messung der Sauerstoffsättigung geben.

Akuter Husten dauert durchschnittlich etwa 18 Tage und ist fast immer viral bedingt. Patienten würden die Beschwerdedauer mit fünf bis sieben Tagen dagegen üblicherweise deutlich zu kurz einschätzen, betonte Schmidtmann [1]. Dementsprechend werden die Erkrankten oft schnell ungeduldig und fordern ein Antibiotikum, damit ihre Beschwerden möglichst umgehend gelindert werden.

Dass ein Antibiotikum bei akuter Bronchitis jedoch im Vergleich mit Ibuprofen oder Placebo keinen Vorteil bietet, zeigen Daten einer randomisierten, einfach verblindeten multizentrischen Studie [2].

„Bevor man bei Husten ein Antibiotikum verordnet, muss man erst einmal sicher sein, dass eine Infektion Ursache des Symptoms ist.“
Dr. Sören Schmidtmann, Berlin

Pathophysiologie des Hustens: Die Entzündungskaskade

Durch Krankheitserreger aktivierte Gewebsmakrophagen schütten Prostaglandin E2 (PGE2) und Chemokine (=„Lockstoffe“) wie z. B. Leukotrien B4 (LTB4) aus.

PGE2 triggert den Hustenreiz direkt und zwar über die Reizung von chemosensitiven Hustenrezeptoren. Betroffene spüren einen trockenen Reizhusten.

LTB4 lockt weitere Entzündungszellen (z. B. neutrophile Granulozyten) in das Gewebe. Es folgt eine Freisetzung verschiedener Abwehrstoffe und Mediatoren, die die Entzündungsreaktion verstärken.

Die Folge: die entzündete Bronchialschleimhaut bildet vermehrt zähes Sekret, welches mechanosensitive Hustenrezeptoren reizt. Betroffene leiden dann unter einem produktiven Husten.

Extraktkombination mit 3-fachem Effekt

„Unabhängig davon, ob eine Infektion viral oder bakteriell bedingt ist: Ursache der Beschwerden ist immer eine Entzündung“, informierte Dr. Renate Sacker, Fachärztin für Allgemeinmedizin, München.

Bei einer akuten Bronchitis führe die Entzündungsreaktion zum Symptom Husten. Um die Hustenrezeptoren zu entlasten und somit den Hustenreiz zu lindern, sollte die Behandlung darauf abzielen, festsitzenden Schleim zu lösen und die entzündlichen Prozesse an der Bronchialschleimhaut zu bekämpfen, erläuterte Sacker. Die Extraktkombination aus Thymian und Efeu (Bronchipret®, zur Fachinformation) erfüllt diese Kriterien. Sie wirkt antiphlogistisch, sekretnormalisierend und hustenberuhigend. Hustenanfälle gehen schneller und nachhaltig zurück [3, 4].

Untersuchungen in verschiedenen Modellsystemen belegen diesen 3-fachen Effekt des pflanzlichen Arzneimittels. So führte die Extraktkombination in einem Bronchoalveolitis-Modell dosisabhängig zu einer verringerten Freisetzung des proinflammatorischen und hustenfördernden Prostaglandins E2. Gezeigt werden konnte außerdem eine reduzierte Freisetzung entzündungsfördernder Leukotriene und in der Konsequenz eine Reduktion der Leukozyteninfiltration in die bronchiale Mukosa und Submukosa [5, 6].

In einer randomisierten Studie konnte bei Erwachsenen mit akuter Bronchitis, die mit der Thymian/Efeu-Extraktkombination therapiert wurden, zwei Tage früher als unter Placebo eine signifikante Reduktion der Hustenanfälle um 50 % erreicht werden (p<0,05) (Abb. 1) [3]. Zudem spürten die Patienten den Therapieeffekt nachweislich [4].

Leitliniengerechte Therapie mit Phytotherapeutika

Schmidtmann wies darauf hin, dass auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) in ihrer neuen S2k-Leitlinie bei akutem Husten vom Einsatz eines Antibiotikums abrät. Stattdessen sollte eine symptomorientierte Therapie erfolgen, z. B. mit der Thymian/Efeu-Extraktkombination, die in der Leitlinie als ein Präparat mit nachgewiesener Wirksamkeit genannt wird, so der Pneumologe [7]. Die Datenlage für Phytotherapeutika wird im Vergleich zu synthetischen Expektorantien in der aktuellen Leitlinie als häufig überlegen bezeichnet. Nicht zuletzt deshalb würden synthetische Expektorantien in seiner Praxis, wie auch bei vielen seiner Kollegen eine eher untergeordnete Rolle spielen, berichtete Schmidtmann.

Die Herausforderung einer rationalen Verordnung liege im direkten Arzt-Patienten-Kontakt, davon ist Schmidtmann überzeugt. In der hausärztlichen Praxis sei es bedeutend, Anamnese, körperlichen Untersuchungsbefund und ggf. Schnelltest- und weiterführende Labordiagnostik zu verzahnen und daraus eine sinnvolle Therapiestrategie abzuleiten. „Es geht nicht darum, Antibiotika zu vermeiden, sondern darum, Antibiotika sinnvoll einzusetzen“, resümierte der Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde.

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