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20.05.2021 | DDG-Jahrestagung 2021 | Kongressbericht | Nachrichten

Blutzuckerkontrolle vs. Ketoazidose

Pro & Kontra: SGLT-2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Weniger Blutzuckerschwankungen und eine mögliche kardiorenale Protektion sind zwei Argumente für den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes. Dagegen sprechen Nebenwirkungen wie Ketoazidosen und eine mangelnde Evidenz zur langfristigen HbA1c-Senkung.  Auf dem Diabetes-Kongress diskutierten zwei Experte die Vor- und Nachteile der Substanzen.

Für den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes sprach sich Prof. Dr. Thomas Danne vom Diabetes Zentrum für Kinder und Jugendliche AUF DER BULT, Kinder und Jugendkrankenhaus, Hannover, aus. Gerade hinsichtlich des kardiovaskulären und des kardiorenalen Risikos könnten Patienten profitieren. Der Referent präsentierte die Daten der DAPA-HF-Studie, in die Menschen mit Herzinsuffizienz mit oder ohne Diabetes eingeschlossen und zum SGLT2-Hemmer Dapagliflozin oder zu Placebo randomisiert worden waren. Unter dem Prüfmedikament verringerte sich das relative Risiko für den kardiovaskulären Tod, Herzinsuffizienz oder Arztkontakt aufgrund eines Herzinfarkts um 26%. Die Subgruppenanalyse zeigte: „Es hilft auch extrem gut bei Leuten ohne Diabetes“, so der Experte. Man müsse demnach annehmen, dass SGLT2-Hemmer das kardiorenale Risiko von Menschen mit Typ-1-Diabetes ebenfalls positiv beeinflussen. Ein weiteres Argument dafür: Blutglukoseschwankungen, die Menschen mit Typ-1-Diabetes im Alltag körperlich und mental stark beeinflussen, können durch diese Substanz reduziert werden.

In drei Studienprogrammen wurde die Wirksamkeit von drei SGLT-2-Inhibitoren – Dapagliflozin, Empagliflozin und Sotagliflozin – gegen ein Placebo geprüft. Bei allen kam es zu einer Reduktion des HbA1c-Werts. Außerdem gab es weniger Glukoseschwankungen: Die Zeit im Zielbereich war knapp drei Stunden länger. Eine Posthoc-Analyse der Depict 1 und 2-Studien zeigte weiterhin eine Verringerung der Albumin-Creatinin-Ratio (UACR), was auf eine Renoprotektion hinweist [1]. Beachten müsse man allerdings zwei Nebenwirkungen von SGLT2-Inhibitoren – Ketoazidose und genitale Infektionen –, so der Experte.

Patienten entsprechend schulen

Argumente gegen den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren bei Typ-1-Diabetes lieferte Prof. Dr. Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen. Zum einen gebe es nur wenige Langzeitstudien zur glykämischen Wirkung. Die vorhandenen Daten deuten darauf hin, dass sich der HbA1c nicht langfristig verringern lässt. Zum anderen stehe die Frage im Raum, ob das Risikoprofil im Alltag vergleichbar mit klinischen Studien ist. In den Studien gab es eine optimale Ketoazidosevermeidung, so der Referent, und Ketonkörper wurden regelmäßig gemessen. Hier sei eine entsprechende Schulung der Patienten wichtig, damit sie diesbezüglich nicht nachlässig werden.

SGLT2-Inhibitoren sollten bei Typ-1-Diabetes nicht gegeben werden, wenn die Reduktion des HbA1c-Werts das alleinige Ziel ist, resümierte Prof. Fritsche. Auch stehen eine Senkung des Insulinbedarfs oder eine Abnahme des Körpergewichts weniger im Fokus. „Aber ich sehe eine Indikation und würde diese Medikamente in Erwägung ziehen bei drohender Nierenschädigung und bei Herzinsuffizienz“, so der Referent.

Quelle: Diabetes Kongress 2021 (virtuell), 12. – 15. Mai 2021; Session: Praxisrelevante aktuelle Themen zur Therapie des Diabetes

Literatur

1. Groop PH et al. Lancet Diabetes Endocrinol. 2020 Oct;8(10):845-854. doi: 10.1016/S2213-8587(20)30280-1.

Weitere Artikel finden Sie in unserem Kongressdossier.

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