Skip to main content
main-content

08.08.2022 | AIDS 2022 | Kongressbericht | Nachrichten

Islatravir und MK-8507 im Check

Neue Substanzen gegen HIV am Horizont

verfasst von: Dr. Miriam Sonnet

print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

In Studien werden zurzeit mehrere neue HIV-Medikamente geprüft – darunter der nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitor Islatravir und der nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitor MK-8507. Zu klären sind Nebenwirkungen wie eine Lymphopenie.

Insgesamt gebe es 34 zugelassene Substanzen zur HIV-Behandlung, erinnerte Prof. Dr. Roy Gulick, Weill Cornell Medicine, New York. Und weitere stehen in der Pipeline.

Islatravir

Zurzeit wird unter anderem der nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitor Islatravir geprüft. Er verfügt über eine umfangreiche antivirale Aktivität in vitro, mit einer breiten Coverage von HIV-1 und HIV-2 sowie multiresistenten Stämmen. In einer Phase 1b-Studie stimulierte eine einzelne orale Dosis eine signifikante virologische Aktivität für zehn Tage, berichtete der Referent. In einer Phase 2b-Studie führte die Kombination aus Islatavir und Doravirin +/- Lamivudin im Vergleich zu einer Standardtherapie zu besseren virologischen Ergebnissen. Aufgrund der positiven Daten wird die Substanz nun in mehreren Studien mit unterschiedlichen Applikationen – täglich, wöchentlich, monatlich (zur Prävention) sowie jährliche Implantate – untersucht. Allerdings hat die FDA die Entwicklung der Substanz zurzeit auf Eis gelegt. Grund war eine Phase 2b-Studie, in der es durch die Kombination von Islatavir und Doravirin zu dosisabhängigen Lymphopenien kam, mit einem Abfall von CD4-Zellen, die auf Islatavir zurückgeführt werden konnten. Der Mechanismus dieser Lymphopenien werde zurzeit untersucht, so Prof. Gulick.

MK-8507

Eine weitere Substanz, die zurzeit in Studien geprüft wird, ist der nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) MK-8507. Die Substanz scheint gegen gängige NNRTI-resistente Varianten aktiv zu sein. Die lange Halbwertszeit von rund 70 Stunden unterstütze die wöchentliche Applikation, sagte der Referent. Das Resistenzprofil sei ähnlich wie das von Doravirin, mit einer geringen Inzidenz von ZNS-Nebenwirkungen in frühen Studien. Eine Phase-1-Studie zeigte eine potente antivirale Aktivität, was zur Initiierung einer Phase-2-Studie führte, in der drei verschiedene Dosierungen von MK-8507 in Kombination mit oralem Islatravir in einer wöchentlichen Applikation geprüft werden. Auch hier kam es zu dosisabhängigen Lymphopenien mit einem Abfall von CD4-positiven Zellen, wobei MK-8507 zu der von Islatravir induzierten Lymphopenie beigetragen hatte. Die Entwicklung wurde deshalb ebenfalls pausiert.

Cabotegravir

Cabotegravir wurde von der EMA im Oktober 2020 zugelassen – seit Dezember auch als Applikation alle zwei Monate. In Tierversuchen wird zurzeit eine injizierbare, nanoformulierte Prodrug von Cabotegravir geprüft. Im Vergleich zur Standardgabe der Substanz blieb die Plasmakonzentration der Prodrug über einen längeren Zeitraum erhalten und übertraf sogar die Zielkonzentration über ein einjähriges Follow-up. Dies könne möglicherweise eine jährliche Gabe ermöglichen, so der Referent. Untersucht werden auch neue Methoden zur Applikation, zum Beispiel ein Cabotegravir Microneedle-Patch.

HIV-Capsid-Inhibitoren

Eine neue Substanzklasse sind HIV-Capsid-Inhibitoren, darunter Lencapavir. Aktuelle Daten kommen aus einer Phase 2/3-Studie, in der zusätzlich oral gegebenes Lencapavir bei stark vorbehandelten Patienten eine starke antivirale Aktivität aufwies. Das Backbone der antiviralen Therapie wurde schließlich um die subkutane Lenocapavir-Gabe für sechs Monate erweitert, was bei der Mehrzahl der Teilnehmenden zu einer Re-Suppression des Virus führte.

basierend auf: 24th international AIDS conference, 29.07. – 02.08.2022 ; Session: Long acting treatment: Game changer or white elephant?

Diese Berichterstattung wurde durch finanzielle Unterstützung des Unternehmens Janssen-Cilag GmbH ermöglicht. Das Unternehmen hatte keinen Einfluss auf die Inhalte der Berichterstattung.

Weiterführende Themen

Neu im Fachgebiet Innere Medizin

Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Innere Medizin und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.