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2023 | Buch

Beatmung

Indikationen - Techniken - Krankheitsbilder

verfasst von: Reinhard Larsen, Alexander Mathes

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Mit diesem Buch lernen Sie die Prinzipien der Beatmungstherapie grundlegend kennen: Vom richtigen Zeitpunkt der Indikation über die Wahl des Beatmungsverfahrens bis hin zur Entwöhnung. Umfassend überarbeitet und aktualisiert finden Ärzte und Pflegekräfte auf Intensivstationen und im OP Antworten auf praxisrelevante Fragen. Der übersichtliche Aufbau, die klare Sprache und konkrete Hinweise auf die klinische Praxis zeichnen dieses Nachschlagewerk besonders aus. Einstiegsfragen zu den Grundlagenkapiteln erleichtern die Vertiefung von anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Themen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Anatomie der Atmungsorgane
Zusammenfassung
Die Atmungsorgane bestehen aus den Atemwegen und den Lungen. Wichtigste Funktion der Atmungsorgane ist die äußere Atmung, d. h. die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid. Hierbei dienen die Atemwege dem Transport der Atemgase sowie der Reinigung, Anfeuchtung und Erwärmung der Inspirationsluft, weiterhin der Laut- und Sprachbildung. Der Austausch der Atemgase erfolgt in den Alveolen durch Diffusion, der Gaswechsel durch Volumenänderungen der Lunge. Die Belüftung der Lungen wird als Ventilation bezeichnet.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
2. Physiologie der Atmung
Zusammenfassung
Wesentliche Aufgabe der Atmung ist die Versorgung der Körperzellen mit Sauerstoff und die Entfernung des im Stoffwechsel gebildeten Kohlendioxids aus dem Körper. An der Atmung sind zwei Funktionssysteme beteiligt: die Lunge und das Herz-Kreislauf-System. Die Lunge dient dem Austausch der Atemgase, das Herz-Kreislauf-System ihrem Transport. Ventilation und Gasaustausch in der Lunge werden auch als äußere Atmung bezeichnet, der Verbrauch von Sauerstoff und die Bildung von Kohlendioxid im Stoffwechsel als innere Atmung. Beide Vorgänge sind durch den Blutkreislauf als Transportsystem miteinander verknüpft. Im vorliegenden Kapitel wird die Physiologie der äußeren Atmung, also die Lungenfunktion beschrieben.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
3. Blutgase
Zusammenfassung
Zu den wesentlichen Aufgaben des Blutes gehört der Transport der Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid. Molekularer Sauerstoff wird für zahlreiche metabolische Prozesse benötigt, Kohlendioxid gehört zu den Endprodukten des oxidativen Stoffwechsels. Beide Gase sind nur wenig im Blut löslich, entsprechend gering ist auch die in physikalischer Lösung transportierte Menge. Der größte Teil der Gase wird vielmehr in chemischer Bindung im Blut transportiert. Allerdings durchläuft jedes einzelne Gasmolekül das Stadium der physikalischen Lösung, da nur in dieser Form die Passage durch die Alveolarmembran, die Wanderung zu den Reaktionspartnern im Blut und schließlich der Austausch zwischen Blut und Gewebe (Sauerstoff) sowie zwischen Gewebe und Blut (Kohlendioxid) erfolgen können.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
4. Säure-Basen-Haushalt
Zusammenfassung
Die H+-Ionenkonzentration der Körperflüssigkeiten wird innerhalb eines sehr engen Bereichs konstant gehalten, damit die biochemischen Prozesse des Stoffwechsels und die elektrophysiologischen Vorgänge an den erregbaren Membranen ungestört ablaufen können. Das Konzentrationsgleichgewicht der H+-Ionen ist durch die ständig im Stoffwechsel entstehenden nichtflüchtigen oder metabolischen Säuren und das aus der oxidativen Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten hervorgehende flüchtige Kohlendioxid gefährdet. Wesentliche Abweichungen der H+-Ionenkonzentration würden die Funktion der Organe beeinträchtigen und im Extremfall zum Erliegen bringen. Darum sorgen Regulationssysteme dafür, dass sich die H+-Ionenkonzentration oder auch der pH-Wert unter dem Einfluss der im Organismus entstehenden Säuren und Basen nur wenig ändert.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
5. Respiratorische Insuffizienz
Zusammenfassung
Störungen der Ventilation, des pulmonalen Gasaustauschs oder der Lungendurchblutung führen zur respiratorischen Insuffizienz, d. h. dem Unvermögen, die arteriellen Blutgase im Normbereich zu halten. Klinisch wird zwischen Störungen der Oxygenierung und Störungen der Ventilation unterschieden. Oxygenierungsstörungen, auch als respiratorische Partialinsuffizienz bezeichnet, führen zum Abfall des arteriellen pO2, zur Hypoxie; Ventilationsstörungen zum Anstieg des arteriellen pCO2 und zum Abfall des arteriellen pO2, zur respiratorischen Globalinsuffizienz.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
6. Endotracheale Intubation
Zusammenfassung
Das Atemwegsmanagement, vor allem die endotracheale Intubation und die Tracheotomie, gehören zu den Standardverfahren der Atemtherapie beim Intensivpatienten: Ohne künstlichen Atemweg wie Larynxmaske, Tubus, Trachealkanüle oder ein anderes Verfahren ist eine differenzierte maschinelle Beatmung bei respiratorischer Insuffizienz nicht möglich, ebenso wenig die Zufuhr hoher O2-Konzentrationen unter Spontanatmung. Und nicht selten ist die physikalische Atemtherapie erst dann erfolgreich, wenn das mobilisierte Sekret bei Patienten mit ungenügender Hustenfunktion wiederholt über einen Tubus oder eine Trachealkanüle abgesaugt wird. Bei einer kleinen Gruppe von Patienten mit aufgehobenen oder abgeschwächten Atemwegsreflexen dienen Tubus oder Kanüle schließlich dem Schutz der Atemwege vor Aspiration oder Verlegung.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
7. Tracheotomie
Zusammenfassung
Im Gegensatz zur endotrachealen Intubation ist die Tracheotomie ein chirurgischer Eingriff, der entsprechende operative Kenntnisse und Fertigkeiten erfordert. War die Tracheotomie früher ein komplikationsträchtiges Verfahren, so sind die Risiken heutzutage aufgrund verbesserter Kanülenmaterialien und perkutaner Dilatationstechniken sowie größerer Erfahrung im Umgang mit dem tracheotomierten Patienten mit denen der endotrachealen Intubation vergleichbar. Aus diesen Gründen und wegen bestimmter Vorteile wird die Tracheotomie wieder häufiger beim Intensivpatienten eingesetzt.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
8. Fiberoptische Bronchoskopie
Zusammenfassung
Die fiberoptische Bronchoskopie gehört zu den Standardverfahren der Intensivmedizin. Beim Intensivpatienten dient die flexible Bronchoskopie nicht nur diagnostischen, sondern v. a. therapeutischen Zwecken, insbesondere der therapeutischen Bronchiallavage. Im Gegensatz zur starren Bronchoskopie können mit den dünnen flexiblen Bronchoskopen auch Segmentbronchien der 4.–5. Ordnung eingesehen werden. Die Technik ist einfach, die Komplikationsrate und Belastung des Patienten bei Beachtung der Kontraindikationen in der Regel gering und daher auch bei kompensierten Intensivpatienten durchführbar, zumal die Beatmung während der Bronchoskopie, wenn auch mit Einschränkungen, fortgeführt werden kann.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
9. Supportive Therapie und Lagerungstherapie
Zusammenfassung
Lungenpflege und Lagerungstherapie gehören zu den wichtigsten pflegerischen Maßnahmen beim Intensivpatienten, v. a. während der maschinellen Atemunterstützung. Keine andere pflegerische Maßnahme hat so viel Einfluss auf die Funktion eines Vitalorgans wie die Lungenpflege. Die Notwendigkeit einer intensiven Lungenpflege ergibt sich aus den Besonderheiten der endotrachealen Intubation und der maschinellen Beatmung: Der Tubus schaltet den oberen Respirationstrakt funktionell aus; daher werden die Atemgase nicht mehr ausreichend erwärmt, angefeuchtet und gefiltert. Der Hustenmechanismus ist durch den Tubus sowie die zugeführten Analgetika und Sedativa meist erheblich beeinträchtigt oder bei Verwendung von Muskelrelaxanzien vollständig ausgeschaltet. Die Sekretproduktion ist durch die maschinelle Beatmung und den Reiz des Endotrachealtubus gesteigert, die mukoziliäre Clearance vermindert. Immobilisation und Flach- sowie Rückenlagerung hemmen die Sekretmobilisation und behindern die Erholung der Atemmuskulatur.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
10. Analgosedierung, Muskelrelaxierung und Delirprävention
Zusammenfassung
Beim beatmeten Patienten ist, zumindest in der Anfangsphase sowie abhängig vom Krankheitsbild, eine Analgosedierung erforderlich, während Muskelrelaxanzien nur selten eingesetzt werden müssen. Das wesentliche Risiko einer zu flachen oder zu tiefen Analgosedierung während der Intensivtherapie und der Beatmung ist die Entwicklung eines Delirs. Ein akutes Delir kann dabei die Behandlung erschweren, die Beatmungsdauer verlängern und die Letalität erhöhen. Für Analgesie und Sedierung in der Intensivmedizin existiert eine aktuelle S3-Leitlinie der Fachgesellschaften.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
11. Thoraxdrainagen, Pleuradrainagen
Zusammenfassung
Thorax- und Pleuradrainagen werden in den Pleuraspalt eingeführt, um Luft oder Flüssigkeit abzuleiten und die Lunge vollständig zu entfalten. Nach Vorschieben in den Pleuraspalt wird der Katheter mit einem Drainagesystem verbunden, das die austretende Flüssigkeit sammelt oder die entweichende Luft absaugt. Hierbei ist zwischen einer vorderen und einer hinteren Drainage zu unterscheiden. Für die Ableitung von Luft wird die vordere Drainage durchgeführt, für die Drainage von Blut oder anderen Flüssigkeiten die hintere, ebenso für die Kombination von Luft und Flüssigkeit. Der Grund hierfür ist, dass bei der vorderen Drainage Flüssigkeitsansammlungen nicht oder nur unzureichend abgeleitet werden können.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
12. Maschinelle Beatmung: Grundlagen, Klassifikation und Verbreitung
Zusammenfassung
Beatmung bezeichnet in der Intensivmedizin die maschinelle Unterstützung einer unzureichenden oder fehlenden Spontanatmung. Die maschinelle Beatmung des Intensivpatienten ist eine Überdruckbeatmung. Die Druckerhöhung wird vom Beatmungsgerät erzeugt, die Exspiration ist ein passiver Vorgang. Die anschließende Inspiration wird entweder vom Gerät gesteuert (Maschinentriggerung) oder durch einen Sog des Patienten ausgelöst (Patiententriggerung). Der Respirator kontrolliert während der Inspiration den Druck, das Volumen oder beide; entsprechend ist die Beatmung druck- oder volumenkontrolliert oder eine Hybridbeatmung. Die Inspiration wird entweder durch das Gerät (Maschinensteuerung) oder durch den Patienten beendet (Patientensteuerung). Technisch werden fünf Beatmungsmodi unterschieden, die durch die Kontrollvariable, die Atemsequenz und die Zielvariable beschrieben werden.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
13. Beginn und Ziele der Beatmung
Zusammenfassung
Grundlegendes Ziel jeder Beatmungstherapie ist die Aufrechterhaltung eines ausreichenden pulmonalen Gasaustauschs (Oxygenierung des Blutes) und der alveolären Ventilation (Elimination von CO2). Daneben wird die Beatmung für spezielle Zwecke eingesetzt, auch wenn keine primäre Störung der Lungenfunktion vorliegt, z. B. bei zentralen Atemstörungen im Rahmen von zerebralen Schädigungen (Schädel-Hirn-Trauma) oder intraoperativ im Rahmen einer Narkose.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
14. Einstellgrößen am Beatmungsgerät
Zusammenfassung
Bei der Behandlung eines erwachsenen Notfallpatienten mit Apnoe ist zunächst kein differenziertes Beatmungskonzept erforderlich. Vielmehr sollte eine Beatmungsform gewählt werden, die der Anwender sicher beherrscht, die eine ausreichende Oxygenierung und Ventilation des Patienten sicherstellt und keine unmittelbaren Schäden durch die Beatmung hervorruft. Nach erster Sichtung des Patienten und Behandlung der vordringlichen Probleme kann dann eine individualisierte Beatmungstherapie erfolgen.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
15. Nichtinvasive Atemhilfen: NIV, HFNC und CPAP
Zusammenfassung
Zu den nichtinvasiven Atemhilfen gehören die Oxygenierungshilfen wie die konventionelle Sauerstoffgabe über Sonden und Masken, die High-Flow-Sauerstofftherapie sowie die sog. nichtinvasive Beatmung („non-invasive ventilation“, NIV). Die NIV ist eine Atemunterstützung – ohne endotracheale Intubation oder Tracheotomie – über Masken oder Helme.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
16. Kontrollierte Beatmungsverfahren
Zusammenfassung
Die kontinuierliche mandatorische Beatmung ist die Grundform der Überdruckbeatmung. Hierbei wird die gesamte Atmung vom Gerät übernommen, der Patient muss und kann keinen bis wenig Einfluss auf den Atemzyklus nehmen. Die kontrollierte Beatmung kann volumenkontrolliert, druckkontrolliert oder hybridkontrolliert (dual) erfolgen. Anwendungsgebiete sind vorwiegend tief sedierte oder narkotisierte Patienten, die über keine Eigenatmung verfügen und auch nicht zeitnah von der Beatmung entwöhnt werden können.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
17. Unterstützende Beatmungsverfahren
Zusammenfassung
Die augmentierenden (= unterstützenden/verstärkenden) Beatmungsformen reichen von einer minimalen Druckunterstützung der Spontanatmung (z. B. PSV) bis hin zu mandatorischen volumenunterstützenden Formen (z. B. MMV). Sie eignen sich in absteigender Invasivität auch gut für die Entwöhnung. Mittlerweile existieren zahllose Herstellerbezeichnungen und Mischformen, wobei zumeist keine Überlegenheit des einen oder anderen Modus gezeigt werden konnte.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
18. Spezielle Beatmungsverfahren
Zusammenfassung
Zu den speziellen Beatmungsformen gehören Verfahren, die wenig verbreitet sind, sich ungewöhnlicher Atemmuster oder technischer Besonderheiten bedienen oder nur in Geräten weniger Herstellers wählbar sind. Beispiele sind die adaptive Beatmungsunterstützung (z. B. ASV, NAVA), die Beatmung mit umgekehrtem Atemzeitverhältnis (z. B. IRV), die verschiedenen Formen der Hochfrequenzbeatmung (CCSV, HFV), die hyperbare Oxygenierung (HBO) oder die seitengetrennte Beatmung des Intensivpatienten.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
19. Extrakorporale Lungenunterstützung
Zusammenfassung
Hohe inspiratorische O2-Konzentrationen sowie hohe Atemwegsdrücke und Atemhubvolumina können beim schweren akuten Lungenversagen die Lunge schädigen und die Funktion weiter verschlechtern. Auch kann bei einigen dieser Patienten selbst mit extremen Einstellungen des Beatmungsmusters kein ausreichender paO2 aufrechterhalten werden. Dieser Zustand kann sich rasch, d. h. innerhalb weniger Stunden, entwickeln („catastrophic lung disease“) oder progredient innerhalb mehrerer Tage. Beim Versagen konventioneller Maßnahmen der Atemtherapie können bei diesen Patienten extrakorporale Lungenersatzverfahren eingesetzt und gleichzeitig eine „lungenschonende“ Beatmung unter Vermeidung hoher Atemwegsspitzendrücke und Atemhubvolumina sowie hoher inspiratorischer O2-Konzentrationen durchgeführt werden („Ruhigstellung der Lunge“).
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
20. Überwachung der Beatmung
Zusammenfassung
Die wichtigsten Ziele des respiratorischen Monitorings sind die Optimierung von Atem- und Beatmungstherapie sowie die Prävention oder die frühzeitige Erkennung beatmungsassoziierter Komplikationen. Die Überwachung der Beatmung erfolgt durch die klinische Untersuchung, Geräte und Laboranalysen. Im Mittelpunkt des respiratorischen Monitorings steht der Patient, daneben die Funktion des Beatmungsgeräts, die Interaktion von Patient und Beatmungsgerät sowie die Überwachung des Beatmungserfolgs, d. h. der Oxygenierung, der Elimination von Kohlendioxid und des Säure-Basen-Gleichgewichts.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
21. Auswirkungen und Komplikationen der Beatmung
Zusammenfassung
Die maschinelle Beatmung beeinflusst nicht nur die Funktion zahlreicher Organsysteme, sondern kann auch verschiedene, teils bedrohliche Komplikationen hervorrufen, die das eigentliche Zielorgan der Beatmungstherapie, nämlich die Lunge selbst, betreffen. Einflüsse der maschinellen Beatmung auf die Funktion verschiedener Organe, v. a. auf das Herz-Kreislauf-System, entstehen in erster Linie durch die unphysiologischen intrathorakalen Druckschwankungen und Schädigungen der Lunge durch den Beatmungsdruck und das angewandte Atemhubvolumen. Daneben führen die künstlichen Atemwege – Endotrachealtubus und Trachealkanüle – zu spezifischen Komplikationen, die in den entsprechenden Kapiteln dargestellt sind.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
22. Entwöhnung von der Beatmung– Weaning
Zusammenfassung
Entwöhnung oder Weaning bezeichnet den Prozess des Übergangs von der Beatmung mit künstlichem Atemweg (Endotracheal- oder Trachealtubus) zur Spontanatmung ohne Tubus. Da die Beatmung kein Selbstzweck, sondern immer nur eine vorübergehende, mit spezifischen Gefahren einhergehende Unterstützung der Atemfunktion ist, muss möglichst bereits vor ihrem Beginn erwogen werden, wann, wie und unter welchen Bedingungen sie auch wieder beendet werden kann. Die große klinische Bedeutung der Entwöhnung von der Beatmung wird durch die deutsche S2k-Leitlinie zum prolongierten Weaning unterstrichen.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
23. Intra- und postoperative Beatmung
Zusammenfassung
Die intraoperative Beatmung erfolgt mit speziellen Narkosegeräten im Kreissystem unter Verwendung von CO2-Absorbern. Am häufigsten werden die volumenkontrollierte (VC-CMV) und die druckkontrollierte (PC-CMV) angewandt. Hierbei sollten die Prinzipien der lungenprotektiven Beatmung berücksichtigt werden. Postoperative Störungen der Lungenfunktion sind v. a. bei Oberbauch- und bei intrathorakalen Eingriffen zu erwarten, meist hervorgerufen durch Störungen der Atemmechanik und der Ventilation mit Abnahme der Lungenvolumina und der FRC. Bei den meisten Patienten kann die postoperative respiratorische Insuffizienz ohne maschinelle Atemunterstützung behandelt werden. Bei akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz ist Masken-CPAP bzw. PSV häufig ausreichend wirksam. Bei postoperativem Lungenparenchymversagen oder Versagen der Atempumpe muss die Atmung dagegen frühzeitig maschinell unterstützt werden, um eine schwerwiegende respiratorische Dekompensation zu verhindern.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
24. Intraoperative Beatmung von Kindern
Zusammenfassung
Die intensivmedizinische Beatmung von Kindern, insbesondere von Früh- und Neugeborenen und Säuglingen, unterscheidet sich in vielen Aspekten von der intensivmedizinischen Beatmung des Erwachsenen. Sie ist die Domäne der Neonatologie und Pädiatrie; hierzu sei auf die einschlägigen Publikationen zu diesem Thema verwiesen. In diesem Kapitel wird vorrangig auf die intraoperative Beatmung von Kindern eingegangen: Der operative Eingriff in Allgemeinanästhesie ist einer der häufigsten Gründe für eine Beatmung im Kindesalter.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
25. Transport des beatmeten Patienten
Zusammenfassung
Jeder Transport eines beatmeten Patienten ist mit erheblichen Risiken verbunden. So muss v. a. mit einer Verschlechterung der pulmonalen Situation und mit Rückschritten bei der Entwöhnung von der Beatmung gerechnet werden. Zu den wesentlichen Gründen dieser Komplikationen gehören technische Grenzen der Transportbeatmungsgeräte, wiederholte Umlagerungsmanöver sowie eine Vertiefung der erforderlichen Analgosedierung. Daher müssen vor jedem Transport der Nutzen und die Risiken abgewogen werden: Hat der Transport bzw. die geplante diagnostische Maßnahme keinen erkennbaren Nutzen für den Patienten, muss er unterbleiben.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
26. Akutes Lungenversagen (ARDS)
Zusammenfassung
Beim „acute respiratory distress syndrome“ (ARDS) handelt es sich um eine akute, schwere pulmonale Insuffizienz als typische Reaktion der Lunge auf unterschiedliche Noxen. Das ARDS ist keine Krankheitseinheit, sondern ein entzündliches Syndrom der Lunge, gekennzeichnet durch eine diffuse alveoläre Schädigung und eine gesteigerte Permeabilität der Lungenkapillaren mit Zunahme des extravasalen Lungenwassers (nichtkardiogenes Lungenödem). Klinisch ist das Syndrom charakterisiert durch schwere Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose trotz O2-Zufuhr, verminderte Lungencompliance und bilaterale diffuse Infiltrationen in allen Lungenbereichen.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
27. Beatmung bei respiratorischen Viruserkrankungen
Zusammenfassung
Viruspandemien wie SARS-CoV-2 bzw. Covid-19 und die saisonalen respiratorischen Viruserkrankungen wie die Influenza belasten weltweit die Gesundheitssysteme. Respiratorische Viruserkrankungen können zu viralen Pneumonien und zum virusassoziierten ARDS führen. Die führende pulmonale Störung ist die akute, schwere hypoxämische respiratorische Insuffizienz; jedoch sind die Viruserkrankungen regelmäßig nicht auf die Lunge beschränkt. Für die intensivmedizinische Behandlung und die Beatmung der respiratorischen Störungen gelten weitgehend die Grundsätze der Behandlung des ARDS. Eine kausale Therapie existiert meist nicht, bestimmte supportive Maßnahmen können den Behandlungsverlauf günstig beeinflussen. Der Einhaltung von Hygienemaßnahmen und dem Mitarbeiterschutz kommt eine besondere Bedeutung zu.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
28. Akute respiratorische Insuffizienz bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)
Zusammenfassung
Der Begriff COPD („chronic obstructive pulmonary disease“) umfasst die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem. Für den Intensivmediziner ist v. a. die akute (hyperkapnische) respiratorische Insuffizienz bzw. akute Exazerbation/Dekompensation der COPD von Bedeutung. Ein Teil dieser Patienten muss intensivmedizinisch überwacht und behandelt werden; etwa die Hälfte dieser Patienten benötigt eine maschinelle Beatmung, in erster Linie eine NIV.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
29. Asthmaanfall und Status asthmaticus
Zusammenfassung
Asthma ist eine variable und z. T. reversible Atemwegsobstruktion infolge Entzündung und Hyperreaktivität der Atemwege, deren genaue Ursache derzeit nicht bekannt ist. Umwelteinflüsse, Erbfaktoren, primäre Schädigungen, pathologische Immunreaktionen und eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber unspezifischen Reizen sind beteiligte Faktoren. Beim akuten Anfall spielt v. a. der Bronchospasmus eine wichtige Rolle, während bei der Stunden, Tage oder Wochen anhaltenden Atemwegsobstruktion die Entzündungsreaktion im Vordergrund steht, wenngleich auch hier ein Spasmus beteiligt ist. Insgesamt überlagern sich aber diese pathogenetischen Mechanismen. Die Obstruktion der Atemwege führt zum Anstieg des Atemwegswiderstands mit Zunahme der Atemarbeit und bei entsprechender Ausprägung zu Störungen der Ventilation und des pulmonalen Gasaustauschs.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
30. Beatmung bei Thoraxtrauma und Polytrauma
Zusammenfassung
Schmerzen und Kurzatmigkeit sind die häufigsten Symptome beim schweren Thoraxtrauma. Die Diagnose wird klinisch und apparativ gestellt. Rippenserienfrakturen mit instabiler Thoraxwand führen zu paradoxer Atmung. Die Behandlung ist in der Regel konservativ (Schmerztherapie, Unterstützung der Atemfunktion); ausgewählte Patienten werden operiert. Patienten mit schwerer Lungenkontusion müssen meist endotracheal intubiert und beatmet werden.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
31. Beatmung bei Schädel-Hirn-Trauma und erhöhtem intrakraniellem Druck
Zusammenfassung
Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) werden sehr häufig maschinell beatmet. Allerdings werden durch die Beatmung und die verzögerte Extubation respiratorische Komplikationen (v. a. nosokomiale Pneumonien) begünstigt, die sich ungünstig auf die neurologische Erholung und die Mortalität auswirken. Daher sollten Behandlungskonzepte eingesetzt werden, mit denen die Phase der maschinellen Beatmung und der endotrachealen Intubation so kurz wie möglich gehalten wird.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
32. Palliative BeatmungBeatmungpalliative
Zusammenfassung
Eine Beatmung ist in der Regel eine überbrückende Therapiemaßnahme. In den wenigsten Fällen ist sie von Beginn an als terminale Therapie bis zum (absehbaren) Sterben des Patienten aufgrund nichtpulmonaler Prozesse geplant. Allerdings kann sich das Therapieziel für einen Patienten im Verlauf der Behandlung erheblich verändern und aus der ursprünglich kurativen Beatmung eine palliative werden. Gründe hierfür können die Änderung der Prognose aufgrund des Krankheitsverlaufs oder die Änderungen der Therapieziele aus religiösen, medikolegalen, weltanschaulichen oder medizinischen Erwägungen sein.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
33. Beatmung bei Kapazitätsengpässen
Zusammenfassung
Wenn der Bedarf für eine Beatmungsmöglichkeit das Angebot an verfügbaren Beatmungsplätzen übersteigt, entstehen ethische, rechtliche und klinisch-praktische Aspekte der Triage und der Allokation. Neben den übergeordneten Fragen einer gerechten und effizienten Verteilung der Ressourcen gilt es, technische Probleme der Nutzung von Beatmungsgeräten sowie der Personalkapazitäten zu lösen.
Reinhard Larsen, Alexander Mathes
Backmatter
Metadaten
Titel
Beatmung
verfasst von
Reinhard Larsen
Alexander Mathes
Copyright-Jahr
2023
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-64536-9
Print ISBN
978-3-662-64535-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-64536-9

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