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19.10.2023 | Charity | Nachrichten

2. Preis Charity Award 2023

Elternteil an Krebs erkrankt – ein Team der Saarländischen Krebsgesellschaft unterstützt betroffene Kinder

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Erkrankt ein Elternteil an Krebs, kann das auch das Leben des Kindes völlig auf den Kopf stellen. Das Projekt Regenbogen der Saarländischen Krebsgesellschaft hilft Kindern und Jugendlichen, diese herausfordernde Situation zu bewältigen. Dafür wurde die Initiative mit dem 2. Preis des Springer Medizin Charity Awards geehrt.

Sie reagieren geschockt, hilflos und oft völlig überfordert: Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland jährlich rund 50.000 minderjährige Kinder neu von der Krebserkrankung eines Elternteils betroffen. „Untersuchungen zeigen bei bis zu 30 Prozent der mitbetroffenen Kinder Auffälligkeiten wie ängstlich-depressive Verstimmungen oder Entwicklungsverzögerungen“, berichtet Sabine Rubai, Geschäftsführerin der Saarländischen Krebsgesellschaft.

Niedrigschwelliges Versorgungskonzept

Mit dem „Projekt Regenbogen“ hat die Krebsgesellschaft im Saarland ein niedrigschwelliges Versorgungskonzept geschaffen, das die Auswirkungen der Erkrankung eines Elternteils auf die körperliche und psychische Gesundheit der Kinder berücksichtigt. Je nach Alter reagieren Kinder und Jugendliche unterschiedlich auf die Diagnose.

Im Projekt Regenbogen engagiert sich ein interdisziplinäres Team aus hoch qualifizierten Psychologinnen und Psychologen und Sozialpädagogen mit psychoonkologischer Zusatzqualifikation zusammen mit der Geschäftsführerin Sabine Rubai für Betroffene, deren Leben durch die Krebsdiagnose eines Elternteils auf den Kopf gestellt wurde. Um dem Alltag zu entfliehen und um „auf andere Gedanken“ zu kommen, ermöglicht das Projekt betroffenen Familien eine kostenfreie Auszeit. Auf dem Programm stehen Ausflüge, aber auch Workshops, ein Nachmittag auf dem Bauernhof oder im Kletterwald.

Familien können sich austauschen

Bei diesen erlebnispädagogischen Aktionen lernen sich betroffene Familien kennen und können sich untereinander austauschen. In der belastenden Zeit sei es wichtig, Auszeiten und schöne gemeinsame Erlebnisse in den Alltag zu integrieren, sagte Sabine Rubai bei der Preisverleihung. „Für die Kinder ist es wichtig zu sehen, dass es anderen ähnlich geht“, erklärte die Geschäftsführerin.

Für viele der betroffenen Familien sind solche Ausflüge oft aufwändig zu organisieren oder finanziell kaum zu stemmen. Wenn das Gehalt eines Elternteils wegfällt, gibt es Probleme, die vorher nicht abzusehen waren. „Die Nachfrage steigt, eine flächendeckende Versorgung ist also klar indiziert und sollte deutschlandweit sichergestellt werden“, so Sabine Rubai.

Empfehlung der Redaktion

Springer Medizin Charity Award

Mit diesem Preis zeichnet Springer Medizin jedes Jahr das herausragende Engagement von Stiftungen, Organisationen und Institutionen aus, die sich in besonderer Weise der Gesundheitsversorgung in Deutschland verpflichtet fühlen. Damit würdigt die Fachverlagsgruppe die vielen Menschen, die Tag für Tag ehrenamtlich für Patienten und Patientinnen, ihre Angehörigen sowie für andere bedürftige Gruppen unverzichtbare Dienste leisten.

Positive Rückmeldungen geben auch den Projektinitiatoren neue Kraft. „Wenn das Kind später sagt: ,Ich bin so froh, dass ich heute dabei gewesen bin – ich habe gesehen, dass es anderen auch so geht wie mir‘, ist das auch für uns ein schöner Moment“, berichtete Vorstandsvorsitzender Dr. Steffen Wagner.

Kinder sollten über die Krankheit informiert werden

Rubai hat bei ihrer Arbeit die Erfahrung gemacht, dass Kleinkinder oft große Mühe haben, die Veränderungen zu verstehen. Sie fühlen sich häufig durch die Unsicherheit der Eltern bedroht und geben sich teils selbst die Schuld für die Krankheit des Elternteils.

Jugendliche können die Situation schon besser verarbeiten, aber auch sie haben Angst. Ein ungewisser Krankheitsverlauf und die erlebte Not der Eltern können dazu führen, dass die sie ihren natürlichen Abnabelungsprozess aussetzen und ihre eigenen Bedürfnisse aus Rücksicht und Loyalität den Eltern gegenüber vernachlässigen, erklärt Sabine Rubai.

Ist ein Elternteil unheilbar erkrankt, sollten die Kinder auch darüber informiert werden, ist ihre Überzeugung. Die Botschaft, dass die Ärzte alles dafür tun, dass Mama oder Papa auch mit dem Krebs gut leben kann, sei ein erster Schritt. Eltern können Kinder weiter unterstützen, wenn sie alle sichtbaren Veränderungen beim Erkrankten behutsam thematisieren und erklären. „Ein offener Umgang ist wichtig“, betonte Sabine Rubai auch bei der Preisverleihung.

Wenn die Prognose nur noch wenige Wochen Überlebenszeit vermuten lässt, sollte mit den Kindern auch konkret über das Sterben des Elternteils gesprochen werden. Besuche am Sterbebett sind für viele Kinder wichtig, um Abschied nehmen zu können, so die Erfahrung von Sabine Rubai. Sie ergänzt: „Wir begleiten den ganzen Weg, egal wohin er führt“. 

Quelle: ÄrzteZeitung

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