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19.10.2023 | Charity | Nachrichten

3. Preis Charity Award 2023

Bis ins hohe Alter zu Hause leben – das Seniorennetzwerk Schwäbisch Gmünd macht das möglich

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Zu Hause leben bis zuletzt – das wünschen sich viele alte Menschen. Aber wie soll das funktionieren? In Schwäbisch Gmünd ist ein Netzwerk entstanden. Es zeigt deutlich, dass es mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unter professioneller Anleitung durchaus Handlungsoptionen gibt. Als Auszeichnung dafür gibt es den 3. Preis des Springer Medizin Charity Awards.

Sie kommen mit ihren Musikinstrumenten, besuchen alte Menschen, singen und bereiten Seniorinnen und Senioren zu Hause mit dem Musizieren viel Freude. Mit Liedtexten und Melodien werden Emotionen, Erinnerungen und das Bewusstsein für längst vergangene Zeiten geweckt.

Älteren Menschen ist es meist ein Bedürfnis, möglichst lange und weitgehend selbstständig in der eigenen Wohnung und der vertrauten Umgebung leben und auch sterben zu können. Aber die Realität ist nicht selten frustrierend. Die Kinder sind oft weit weg und Nachbarschaftshilfe ist nicht selbstverständlich.

So brauchen ältere Menschen häufig Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags, oft sind sie auf Pflege angewiesen, die von professionellen Diensten geleistet wird. Aber die Herausforderungen im Leben dieser Menschen sind groß und können nicht ausschließlich professionell gemeistert werden.

Ehrenamtliche übernehmen die Verantwortung

Genau an diesem Punkt setzt das Seniorennetzwerk Schwäbisch Gmünd an. Ehrenamtliche übernehmen Verantwortung, und das in völlig unterschiedlichen Bereichen. Es sind unterschiedliche Bausteine, mit denen das Netzwerk Versorgungslücken schließt und einen wichtigen Beitrag für das Leben von Seniorinnen und Senioren leistet.

„Bei uns wissen die Bürger, sie müssen selbst mit anpacken, wenn sie etwas erreichen wollen“, sagt der Bürgermeister von Schwäbisch-Gmünd, Christian Baron bei der Verleihung des 3. Preises beim Springer Charity Award an das Seniorennetzwerk seiner Stadt.

Aber nicht nur für die Senioren sei das Netzwerk positiv, sondern auch für die ehrenamtlichen Helfer, versichert die Gesamtkoordinatorin des Netzwerks Karolina Gorjainow bei der Preisverleihung in Berlin. Viele junge Menschen profitieren von der Lebensweisheit, die ihnen die Senioren mitgeben. Es ist ein Mehrwert für alle Generationen“, so Gorjainow.

Einer der Bausteine des Netzwerks ist zum Beispiel der Mittagstisch „unter d´Leut“, der an sieben Tagen die Woche in wechselnden Stadtteilbegegnungsstätten Schwäbisch Gmünds stattfindet. Das Mittagessen in geselliger Runde können sich auch ältere Menschen mit wenig Einkommen leisten, da das Angebot von den Gmünder Stadtwerken finanziell unterstützt wird.

Ein weiterer Baustein ist das „Morgenohr“, ein regelmäßiger Anrufdienst bei allein lebenden älteren Menschen. Und dann ist da zum Beispiel die „Brücke aus der Klinik in den Alltag“, die nach Klinikaufenthalt vorübergehend Unterstützung für Betroffene anbietet.

Das Leben älterer Menschen bereichern

Das Seniorennetzwerk Schwäbisch Gmünd ist inzwischen vielfach gewürdigt worden – als ein herausragendes Beispiel für gelungene Gemeinschaftsinitiativen mit dem Ziel, das Leben älterer Menschen zu bereichern und ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Vor allem in der Pandemie habe sich das Netzwerk bewährt, berichtet Bürgermeister Baron. Viele ältere Menschen hätten sehr unter der Einsamkeit gelitten und da habe man in Schwäbisch-Gmünd auf die bestehenden Strukturen zurückgreifen können. Die Helfer mussten sich nicht erst organisieren, sondern konnten gleich loslegen, berichtete Baron stolz.

Empfehlung der Redaktion

Springer Medizin Charity Award

Mit diesem Preis zeichnet Springer Medizin jedes Jahr das herausragende Engagement von Stiftungen, Organisationen und Institutionen aus, die sich in besonderer Weise der Gesundheitsversorgung in Deutschland verpflichtet fühlen. Damit würdigt die Fachverlagsgruppe die vielen Menschen, die Tag für Tag ehrenamtlich für Patienten und Patientinnen, ihre Angehörigen sowie für andere bedürftige Gruppen unverzichtbare Dienste leisten.

Das Grundgerüst des Netzwerks bilden mehr als 120 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die durch umfangreiche Schulungsreihen auf die Arbeit mit den hilfebedürftigen Seniorinnen und Senioren vorbereitet werden. So wurden etwa seit 2011 mehr als 150.000 ehrenamtliche Stunden geleistet.

Ein Teil der Hilfen wird von professionellen Diensten übernommen. Durch ihr Engagement und die Angebote trägt das Projekt dazu bei, dass ältere Menschen in Schwäbisch Gmünd ein aktives und erfülltes Leben führen können, das von sozialer Verbundenheit und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist.

Das Seniorennetzwerk wächst und wächst

Das Netzwerk ist eine Initiative des Amtes für Familie und Soziales der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd. Alles steht und fällt dabei mit der Arbeit einer Koordinationsstelle, die von einer qualifizierten Fachkraft geleitet wird. Sie arbeitet eng mit den Verantwortlichen und ehrenamtlich Engagierten der einzelnen Bausteine des Seniorennetzwerkes und professionellen Anbietern sozialer Dienstleistungen zusammen.

Diese gute Kooperation gewährleistet eine unkomplizierte Vermittlung benötigter Hilfen aus einer Hand. Wichtig bei diesem Konzept ist die Schulung der ehrenamtlichen Fachkräfte. Die Finanzierung erfolgt durch bewilligte Projektanträge nach Paragraf 45 d SGB XI und dem Bundesförderprogramm „soziale Dienstleistungen und Nachbarschaftshilfe“.

Das Seniorennetzwerk wächst und wächst. Hier ist ein Modell entstanden, das längst über Baden-Württemberg hinaus auch in anderen Bundesländern für Aufmerksamkeit sorgt.

Quelle: ÄrzteZeitung

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