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19.04.2021 | DGIM 2021 | Nachrichten

Medical overuse

Antidepressiva-Verordnung sollte regelmäßig überprüft werden

Autor:
Friederike Klein

Ob eine Behandlung mit Antidepressiva überhaupt für den Patienten noch nötig ist, sollte immer wieder überprüft werden – auch bei älteren Patienten. Darauf wurde beim Internistenkongress hingewiesen.

Die häufige Antidepressivaverordnung in Deutschland hat viele Gründe: Die Frustrationstoleranz der Menschen hat ab- und die Akzeptanz der Diagnose Depression zugenommen. Niedergelassene Ärzte stehen unter Zeitdruck und werden für eine sprechende Medizin nicht ausreichend honoriert, ambulante Psychotherapien sind auf die Schnelle nicht zu haben. Aber auch in Kliniken erfolgt der Einsatz von Antidepressiva sehr breit, wurde beim virtuellen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) deutlich.

Privatdozentin Dr. Ute Lewitzka von der psychiatrischen Universitätsklinik in Dresden fand bei einer eigenen Fallstudie kaum einen Patienten, der an ihrer Klinik nicht Antidepressiva erhalten hatte, häufig in Kombination mit anderen psychotropen Substanzen. Nach Entlassung ist das Ausschleichen bei niedergelassenen Kollegen dann ein Problem.

Es sollte immer wieder überprüft werden, ob die antidepressive Therapie überhaupt oder in der aktuellen Dosis benötigt wird – auch bei älteren Personen, riet die Ärztin. Hatten Patienten nur eine oder zwei depressive Episoden im Leben, kann ein – sehr langsames – Ausschleichen versucht werden. „Viel zu häufig wird etwas weitergeführt und nicht kritisch hinterfragt“, sagte Lewitzka.

Sie rief auch auf zu mehr Empowerment und Selbstverantwortung der Patienten. Sie sollten über Nebenwirkungen Bescheid wissen und durch einen gesunden Lebensstil und andere Maßnahmen selbst etwas für die psychische Gesundheit tun. „Damit trieze ich meine Patienten immer“, sagte sie.

Quelle: Ärzte Zeitung

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